Gesa, Autor bei Forst erklärt https://forsterklaert.de/author/gesa Wissen aus dem Wald Mon, 19 Jan 2026 08:55:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Gesa, Autor bei Forst erklärt https://forsterklaert.de/author/gesa 32 32 Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  https://forsterklaert.de/grueneband https://forsterklaert.de/grueneband#respond Sun, 14 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6238 Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die...

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Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die sogenannte Todeszone. In diesem für den Menschen gefährlichen Streifen Landschaft erblühte dadurch jedoch ein Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt. “Das Grüne Band” nennt man diesen besonderen Naturraum heute. Mehr über die Geschichte des Bandes und den Kampf, es zu erhalten, erfährst Du in diesem Artikel. 

Ein Abschnitt der Mauer steht hinter einer Wiese, hinter ihr ragen die Dächer einiger Häuser.
In der Nähe von Schöningen (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) finden sich immer noch alte Grenzanlagen.

Wusstest Du schon…?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen unterteilt. Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hatten sich so Deutschland untereinander aufgeteilt. In der sowjetischen Besatzungszone kam es immer mehr zu einer Flucht der Bewohner in die westlichen Zonen. Um diese sogenannte Landflucht zu verhindern, baute die Sowjetunion eine Mauer. Diese Grenze wurde durch Wachtürme, Schießanlagen und Hunde nahezu unüberwindbar und wurde deswegen auch “Todeszone” genannt. 

Entstehung des Grünen Bandes 

Die innerdeutsche Grenze teilte Ost- und Westdeutschland ab 1949. Den Höhepunkt dieser Teilung erlangte die Grenze mit dem Mauerbau 1961, die auf einem 1.400 Kilometer langen Streifen mit 50 bis 200 Metern Breite bis 1989 Bestand hatte. Durch die jahrzehntelange Ungestörtheit, die durch die “Todeszone” entstand, erlangten Tier- und Pflanzenarten ein Refugium. Dieser Rückzugsort beheimatet heute mehr als 5.000 unterschiedliche Arten, 1.200 davon sind selten oder gefährdet. Ungefähr zwei Drittel der 177 Quadratkilometer großen Fläche besteht aus gefährdeten Biotopen. 17 Naturräume und 9 Bundesländer sowie 146 Lebensraumtypen werden durch den Streifen Natur miteinander vernetzt und ermöglichen den Austausch von Tier- und Pflanzenarten. Also genau das, von dem jede:r Naturschützer:in nur träumen kann. Denn ein genetischer Austausch fördert die Gesundheit von Populationen und sorgt für eine kontinuierliche Ausbreitung von Arten. 

Infotafel im Biosphärenreservat Schaalsee
Nach der Grenzöffnung waren die lange Zeit unberührten Seen nahe Zarrentin plötzlich wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Um diese besondere Natur zu erhalten, ist sie im Biosphärenreservat Schaalsee geschützt. 

Langer Atem für den Naturschutz 

Damit dieser Verbund von Lebensräumen als erhaltenswerte Besonderheit geschützt werden darf, benötigten Naturschützer:innen einen langen Atem und einiges an Überredungskunst. 

Der Naturschützer Kai Frobel, der bereits 1975 begann, die Vogelwelt im Grenzstreifen zu untersuchen, organisierte nach dem Mauerfall das erste Treffen von Naturschützer:innen im wiedervereinigten Deutschland. Bei diesem Treffen wird der Gedanke des Grünen Bandes geboren. Bis zu seiner Umsetzung sollten jedoch viele Jahre vergehen.

Nach der Wende galt der grüne Streifen zeitweise als “rechtsfreier Raum”. In althergebrachten Ackerbauregionen sind die Flächen dadurch in kürzester Zeit wieder zu Ackerland umgewandelt worden. Auch das “Mauergrundstücksgesetz” bereitete den Naturschützer:innen Kopfschmerzen. Nach diesem Gesetz sollten die Grenzflächen den ehemaligen Besitzer:innen oder ihren Erb:innen für einen geringen Preis übergeben werden. Andere Flächen sollten auch ohne Besitzer:in aus dem Besitz des Bundes verkauft werden. Also wie gelang der Umbruch heraus aus diesen Ideen hin zum Schutz der grünen Oasen?

Zwei Kraniche stehen auf einem Feld und spreizen ihre Flügel
Zugvögel aus aller Welt nutzen die Natur um den Schaalsee, um auf ihrer langen Reise rast zu suchen. 

Übertragung der Flächen an den Naturschutz 

Die herausragende naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes ist zwischen 2001 und 2002 durch eine Bestandesaufnahme der Flora und Fauna belegt worden. Dies legte den Grundstein dafür, dass die Gebiete heute im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind. In den Koalitionsvereinbarungen von 2005, 2009, 2013 und 2018 schaffte es das Grüne Band neben anderen Naturflächen dann in eine Auswahl von Lebensräumen, welche die Regierung unentgeltlich an den Naturschutz abgeben wollte. Damit wollten sie eine Privatisierung von besonderen Flächen verhindern und eine Pflege mit naturschutzfachlichen Zielen fördern. Bis heute sind insgesamt 165.000 Hektar an Naturschutz-Akteure übergeben worden, womit sie zum “Nationalen Naturerbe” Deutschlands gehören. Circa die Hälfte des Grünen Bandes sind dadurch geschützt und 87 Prozent gelten als naturnah. 

Wusstest Du schon…?
“Nationale Naturmonumente” beschreiben seit 2010 eine neue Schutzgebietskategorie. In Thüringen wurde das Grüne Band dadurch 2018 im gesamten Bundesland unter Schutz gestellt. 2019 folgte Sachsen-Anhalt dem Beispiel. Der Slogan “Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ verbindet dabei ganz bewusst Erinnerungskultur und Naturschutz.

Blick von einem Boot am Ufer des Schaalsees über den See
Lange Zeit konnte man über den Schaalsee von Ost- nach Westdeutschland blicken und anders herum. Die Anwohner Techins, die noch rechtzeitig übersetzen konnten, mussten jahrelang auf ihre alte Heimat, ihr Zuhause blicken. Ein zurück gab es lange Zeit nicht.

Grünes Band Europa – gewagte Vision 

Der “Eiserne Vorhang” schlängelte sich jedoch nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Entlang der damaligen länderübergreifenden Grenze befindet sich nun ein zusammenhängendes Refugium für Tiere und Pflanzen. Auf einer Länge von circa 1.400 km verbindet es Vegetations- und Klimazonen miteinander und schafft so einen grünen Korridor des Austausches mit globaler Bedeutung.

Seit 2003 arbeiten verschiedene Organisationen in 24 Ländern in der Initiative Grünes Band Europa, um die wertvolle Natur entlang der alten Grenze zu erhalten und zu fördern. 

Es gibt vier Hauptregionen: Fennoskandinavien (klug für die geologisch-geografische Fläche von Norwegen, Schweden, Finnland und einem vorgelagerten Bereich Russlands), Ostsee, Zentraleuropa und den Balkan. Neben weiten Wäldern finden sich hier auch Moore, Seen, Flüsse oder Meeresküsten. Durch die vielfältigen Habitate bietet das Grüne Band Europa neben Großräubern wie Elchen, Braunbären oder Wölfen auch Kegelrobben oder Fischottern eine Heimat.

Es steht damit nicht nur für intakte Ökosysteme und herausragenden Naturschutz, sondern ist ein bemerkenswertes Beispiel für internationale Zusammenarbeit.

Braun weißes Schild, das eine Karte Europas zeigt, auf der die Mauer und Teilung eingezeichnet ist. darunter steht "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 19. November 1989 um 7:50 Uhr geteilt."
Der “Eiserne Vorhang” erstreckte sich weiter über Deutschland hinaus durch Europa. In Deutschland erinnern diese Schilder an den heutigen “Grenzübergängen” an die Vergangenheit. 

Wusstest Du schon…?
Neben den Naturschutzverbänden pflegt auch der Deutsche Staat selbst die grünen Oasen. Dazu beauftragt der Bund sowie auch einige der Naturschutzorganisationen den Bundesforst. Der Bundesforst betreut Flächen des Staates und achtet darauf, dass die wertvollen Lebensräume ihre Qualität behalten. Durch gezielte forstliche Eingriffe pflegen sie die Landschaft – nicht nur förster-typisch den Wald – und verbessern Biotope wenn möglich noch weiter. 

Hat der Artikel Euch neugierig gemacht und Ihr wüsstet gerne mehr dazu? Dann lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob Euch auch Ausflugsziele in diesen grünen Streifen interessieren. 

Bis dahin könnt Ihr schon mal mit dem Rad den 160 km langen Mauerradweg in Berlin erkunden!

Quellen:

https://www.bfn.de/gruenes-band

https://www.bund.net/themen/gruenes-band/gruenes-band-europa

https://www.bund.net/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band#c124962

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band/geschichte-gruenes-band

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Heilpflanzen des Waldes https://forsterklaert.de/heilpflanzen https://forsterklaert.de/heilpflanzen#respond Sun, 26 Oct 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6075 Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch...

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Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch viele heilende Pflanzen, Pilze und Bäume, die uns mit ihren Blättern, Rinden oder Beeren auf natürliche Weise helfen können. Selbst wenn wir in die Apotheke gehen, befinden sich in einigen der Medikamente noch pflanzliche Bestandteile. Wenn Ihr mehr über einige Heilpflanzen aus dem Wald lernen möchtet, seid Ihr hier genau richtig! 

Jahrhundertelange Anwendung von Heilpflanzen

Die Anwendung von Heilpflanzen oder -pilzen geht Hand in Hand mit der Existenz des Menschen. Habt Ihr als Kinder vielleicht auch Kamillentee zu trinken bekommen, wenn Ihr Magen-Darm hattet? Bereits bei Steinzeitmenschen vor über 50.000 Jahren wurden Pflanzenrückstände wie Kamille oder Schafgarbe nachgewiesen. Forscher:innen vermuten, dass die in der Küche wenig relevanten Kräuter schon damals zum Kurieren von Magen-Darm-Problemen genutzt wurden! 

Auch Ötzi, eine der wohl bekanntesten Gletschermumien, trug neben Pfeil, Bogen und Feuerstein auch einen Pilz bei sich. Der Birkenporling wird heutzutage als sogenanntes “Superfood” geschätzt. Der Mann aus dem Eis trug ihn damals wohl aufgrund seiner Heilkräfte mit sich. Denn heute ist nachgewiesen, dass der Birkenporling antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend wirkt. 

Der Birkenporling ist einer von vielen Pilzen, die an der Birke vorkommen können. 

Zunächst ist es aber wichtig eines klarzustellen: Grundsätzlich sollte man als unerfahrene Person nichts aus dem Wald sammeln oder essen. Auch das Reinigen der Heilpflanzen aus dem Wald ist unheimlich wichtig, damit man sich nicht mit Krankheiten wie dem Fuchsbandwurm infiziert. Kontaminierte Lebensmittel sind dabei nicht unbedingt von außen erkennbar. Vor allem beim Sammeln von Pilzen gilt besondere Vorsicht. Mehr darüber erfahrt Ihr in diesem Artikel

Wusstest Du schon…?
Die Knolle des Bärlauchs soll in Alkohol eingelegt ein wirksames Heilmittel gegen Verspannungen und Krämpfe sein. Man reibt das Gemisch auf die Gliedmaßen. Wenn Ihr mehr über den Bärlauch, das Sammeln und das Zubereiten erfahren möchtet, findet Ihr hier mehr! 

Der Baum – Die Weide (Salicaceae) 

Weiden findet man nicht in jedem Waldgefüge. Sie bevorzugen helle und feuchte Standorte und kommen deswegen oft an Flussufern oder in Moorlandschaften vor. Wälder, die in der Überflutungszone von Gewässern liegen und mit einem hohen Grundwasserspiegel gesegnet sind, nennt man Auwälder. Auch in diesen Ökosystemen fühlt sich die Baumart sehr wohl.

Die Purpur-Weide ist eine der Heilpflanzen, nach denen Ihr bei Kopfschmerzen Ausschau halten müsst!

In der Rinde einiger Weidenarten ist der schmerzlindernde Wirkstoff Salicylat enthalten. Sein Gehalt variiert je nach Art. Besonders die heimische Bruchweide (Salix fragilis), Purpurweide (Salix purpurea) und Silberweide (Salix alba) sind reich an diesem natürlichen Heilmittel – sie gelten als „Aspirin aus der Natur“. Der in ihrer Rinde enthaltene Stoff ist mit jenem verwandt, der auch in handelsüblichen Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen zum Einsatz kommt. Bereits in der Antike sprach der berühmte griechische Arzt Hippokrates in seinen Schriften über die schmerzlindernden Fähigkeiten der Weidenrinde. Nach der Entdeckung des Salicin in der Weide begann jedoch die Entwicklung von synthetischer Salicylsäure, um den Stoff in der Pharmazie zu etablieren. 

Der natürliche Wirkstoff ist dabei milder, aber langanhaltender als der synthetische Stoff (z.B. in Aspirin) und ruft weniger Nebenwirkungen hervor. Leidet man also häufig unter Kopfschmerzen, kann man sich aus der Rinde dieser Bäume und in der richtigen Dosierung einen Tee aufgießen. Die schmerzlindernde, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung der Weide hilft auch bei fiebrigen Erkältungen oder Rückenschmerzen.

Die Weiden-Arten sehen sich häufig zum Verwechseln ähnlich und hybridisieren auch miteinander. Das bedeutet, dass Ihr auch Mischungen zweier Weiden-Arten vorfinden könnt. 

Die Pflanze – Brennnessel (Urtica dioica) 

Viele Pflanzen haben wohltuende Auswirkungen auf uns. Bei einigen wie Finger- oder Eisenhut kommt es jedoch ganz auf die Dosierung an. Mehr über Giftpflanzen und ihre Verwendung in der Medizin, erfahrt Ihr in diesem Artikel

Eine Pflanze, die auch in Massen nicht gefährlich wird und sich deshalb ausgezeichnet zum Sammeln eignet, ist die Brennnessel. Trotz ihrer Abwehrmechanismen, die rote Quaddeln und Brennen hinterlassen, kann man die Pflanze vielseitig nutzen. 

Im Mittelalter wurden die harten Stängel der Brennnessel genutzt, um aus den Fasern Stoff herzustellen. Nur circa 8 % der Pflanze verbleiben nach der Verarbeitung für die Stoffherstellung. Dieser sogenannte Nesselstoff wird heute aufgrund der wenig ergiebigen Herstellung nur noch vereinzelt gehandelt. 

Die Brennnessel scheint ein gemeiner Garten-Gefährte zu sein, doch schlummern in ihr wahre Heilkräfte! 

Wusstest Du schon…?
Wenn Ihr eine Brennnessel ohne Handschuhe pflücken möchtet, müsst Ihr sie von unten nach oben anfassen. Wenn Ihr in diese Richtung streicht und zugreift, bleiben die Härchen intakt und die brennende Flüssigkeit wird nicht freigesetzt. 

Widerspenstiges Unkraut oder Heilpflanzen?

Doch wieso sollte man sich die Mühe machen, diese widerspenstige Pflanze zu sammeln? Die Brennnessel regt die Blasen- und Nierentätigkeit an. Auf gut Deutsch heißt das, sie spült einen so richtig durch. Dadurch werden Schadstoffe oder Bakterien aus dem Körper ausgeschieden. Dafür muss man die Pflanze noch nicht einmal konsumieren. Ein Tee aus den Blättern genügt vollständig. Wenn man sich eine Suppe aus den Blättern zubereitet, sollte die Pflanze auch heilsam auf Magen und Darm wirken. Durch die entzündungshemmende Wirkung der Brennnessel findet man sie in vielen Tees, zum Beispiel zum Kurieren von Blasenentzündungen. 

Im Wald findet Ihr Brennnesseln auf nährstoffreichen oder verdichteten Böden. So fühlen sie sich sehr wohl auf Rückegassen, Waldränder oder Freiflächen. Vor dem Verzehr oder Trocknen solltet Ihr die Pflanzen gründlich abwaschen.  

Kleiner Tipp: Die Brennhaare der Pflanze stechen Euch nur, wenn Ihr sie gegen die Wuchsrichtung anfasst. Das heißt, wenn Ihr die Brennnessel von unten nach oben am Stengel anfasst, um sie z.B. zu entfernen, wird sie Euch nicht stechen. 

Der Strauch – Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) 

Der Schwarze Holunder ist ein bis zu 8 Meter hoher Strauch. Von Juni bis Juli trägt er weiße Blüten, die später zu blauschwarzen Beeren werden.

Bereits die Römer und Germanen schätzten die heilenden Wirkungen des Strauchs und nutzten sie für unterschiedliche Krankheiten. Die Germanen waren außerdem davon überzeugt, dass im Holunder gute Geister wohnen und pflanzten ihn in die Nähe ihrer Häuser. 

Ein großer Holunderstrauch am Wegesrand im Wald. 

Heute weiß man, dass die Blüten des Holunders schweißtreibend wirken. Aus ihnen kann man Sirup, Gelee oder Sekt herstellen. Der Saft der Beeren hilft gegen Erkältungen und Fieber. Bei Rachen- oder Mandelentzündung wirkt das Gurgeln lindernd auf die Beschwerden. Als einheimischer Vitamin C Lieferant kann der Saft auch zu Gelee weiterverarbeitet werden und kann so auch als Leckerei den Herz-Kreislauf fördern. 

Roh sollte man die Beeren des Holunders jedoch nicht essen. Selbst wenn die Beeren reif sind, lösen sie bei vielen Menschen Brechreiz aus. In noch nicht vollständig gereiften Beeren befindet sich darüber hinaus noch ein giftiger Stoff, der abführend wirkt und zu Erbrechen führen kann. Der Stoff namens Sambunigrin befindet sich auch in der Rinde oder den Blättern des Strauches.

Aus diesem Grund sollte der Saft vor dem Konsum noch einmal aufgekocht werden.  

Die Blüte des Holunders lockt auch viele Insekten an, die sich genau wie wir an ihrem Geschmack erfreuen. 

Interessieren Euch Anleitungen, wie Ihr die heilenden Säfte und Tees herstellen könnt? Oder habt Ihr selbst erprobte Rezepte und Erfahrungen mit Heilpflanzen aus dem Wald? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.komp-wald-natur.de/fort-weiterbildung/heilpflanzen-im-wald/heilpflanzen-im-wald/

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/nebennutzung/waldprodukte/heilpflanzen-aus-dem-wald#c107655

https://vorarlberg.orf.at/stories/3130602

https://www.brennpunktbrennnessel.ch/brennnesselfaser.php

https://blog.naturimgarten.at/beitrag/heimische-weiden-fuer-viele-einsaetze.html

https://www.muenchener-verein.de/ratgeber/gesundheit/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-migraene

https://kraeutermax.com/de-de/pages/weidenrinde-laeuse-wirkung 
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/natur/02698.html

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Giftpflanzen in unseren Wäldern https://forsterklaert.de/giftpflanzen https://forsterklaert.de/giftpflanzen#respond Fri, 27 Jun 2025 11:22:25 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5897 Eine der wichtigsten Regeln im Wald ist: Iss nichts, was du nicht kennst. In diesem Artikel erfahrt Ihr von vier...

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Eine der wichtigsten Regeln im Wald ist: Iss nichts, was du nicht kennst. In diesem Artikel erfahrt Ihr von vier Giftpflanzen, die diesen Spruch umso wichtiger machen. Alle kommen in unseren Wäldern vor und locken zum Beispiel mit saftig aussehenden Beeren. Doch was passiert, wenn man sich von ihnen verführen lässt? 

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Tollkirsche ist in Deutschland heimisch und wächst an Waldrändern oder auf Lichtungen. Die Kalamitäten der letzten Jahre haben ihr also in die Karten gespielt. Vielleicht kennt Ihr die Pflanze auch unter dem Namen Teufelskirsche, Waldnachtschatten oder Belladonna. Das Nachtschattengewächs kann bis zu zwei Meter hoch werden und wächst aufrecht. Die Blätter sind elliptisch geformt und die Blattspreite läuft in den behaarten Stiel über. Die Blüten treten einzeln und in braunvioletter Farbe auf. Sie blühen je nach Standort von Juni bis August. Aus der Blüte entsteht Ende Juli (bis in den Oktober hinein) eine dunkelviolette bis schwarz glänzende Beere. Sie sitzen auf dem grünen Blütenkelch der ehemaligen Blüte. 

Die schwarzen Beeren sitzen prall auf dem fünfblättrigen Blütenkelch.

Allgemein sollte alles an der spannend aussehenden Pflanze gemieden werden, da alle Pflanzenteile hochgiftig sind. Wenn man sich dennoch bedient hat, kann man dies an einer Pupillenerweiterung erkennen. Die betroffenen Personen haben oft einen trockenen Mund, gefolgt von Hautrötungen und Überwärmung, die in Herzrasen übergehen. Außerdem führt der Konsum auch zu Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Krampfanfällen. Das teilweise von wildem Lachen begleitete, krampfende Verhalten soll an einen tollwütigen Menschen erinnern.

Giftpflanzen nur mit Handschuhen entfernen

Nach dem “Aufdrehen” des Körpers folgt ein tiefer Schlaf, aus dem etwa 10 % der Menschen nicht wieder erwachen. Für Menschen sind es etwa 10, für Eure vierbeinigen Freunde nur 3 Beeren, die zum Tod führen können. Auch bei der Entfernung der Pflanzen solltet Ihr Handschuhe tragen, da schon ein Hautkontakt die Gifte übertragen kann.

Für einige Tiere sind diese Wirkungen jedoch irrelevant. Insekten freuen sich über die Blüten und Vögel gönnen sich durchaus die ein oder andere Beere. 

Eine hübsche lila Blüte versteckt die Kraft der Pflanze.

Wusstest Du schon…?
Der absolute Killer unter den Giftpflanzen ist der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus). Bereits zwei Gramm des Giftstoffes sind tödlich. Schon das Berühren der Pflanze kann Vergiftungserscheinungen auslösen wie Wärmegefühl, Brennen oder Lähmungen. Der Eisenhut kommt vom Südschwarzwald bis zur Oberen Donau und im Allgäu vor. Er bevorzugt feuchte Weideflächen oder Auwälder. Wenn Ihr diesen Gesellen vielleicht als Zierpflanze im eigenen Garten habt, ist Vorsicht geboten! 

In der Antike oder im Mittelalter wurde die Tollkirsche trotz der Nebenwirkungen von Frauen als Kosmetik genutzt, um eine Pupillenerweiterung zu verursachen. Obwohl die Pflanze so gefährlich ist und die Todesopfer der Pflanze blau anlaufen und aufquellen, gilt die Belladonna auch als Heilpflanze. In sehr geringen Dosen kann sie krampflindernd wirken und gegen Epilepsie oder Asthma helfen.

Echter Seidelbast (Daphne mezereum)

Der Echte Seidelbast wächst mitten im Wald und ist streng geschützt. Der heimische Strauch kann bis zu 1,5 m hoch werden und erfreut Waldbesucher:innen bereits früh im Jahr.

In der Kälte des Februars und bis Ende März hinein blüht der Seidelbast in rosa- bis purpurroten Farben. Seine Blüten sind dabei röhrenförmig und versprühen einen angenehmen Duft. Sie sitzen im Pulk direkt am Zweig.

Wusstest Du schon…?
Am Stengel sitzende Blüten sind in unseren Breitengraden etwas sehr besonderes. Ähnliche Pflanzenindividuen findet man erst wieder in den Tropen. 

Der Gewöhnliche Seidelbast mit seinen roten Beeren und den länglichen Blättern an der Spitze des Stengels.

Giftpflanzen mit fiesen Tricks

In der Blütezeit Anfang des Jahres hat der Seidelbast noch keine bis wenige Blätter. Diese bilden sich erst zusammen mit den Beeren aus. Die Blätter sind eiförmig und nur kurz gestielt. Die Früchte des Seidelbasts bilden sich nach der Blütezeit und haben im reifen Zustand ein auffälliges Rot. Der Strauch ist eine durch und durch giftige Pflanze, mit Ausnahme des Fruchtfleischs der Beeren. Besonders gefährlich sind die Rinde und die Früchte, welche mit ihrer roten Farbe zum Naschen einladen. In den Beeren befinden sich nämlich giftige Samen, die man bei Genuss des Fruchtfleisches unweigerlich zerkaut. Was ein gemeiner Trick!

Den Namen Kellerhals trägt der Seidelbast aufgrund der Halsschmerzen, die man beim Verzehr bekommt. Dazu entwickeln sich eine Schwellung, Rötung und sogar eine Blasenbildung im Mundbereich. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch bei dieser Pflanze sollte Hautkontakt vermieden werden. Wie im Mundraum können Rötungen oder Blasen auf der Haut entstehen. 

In richtiger Dosierung wird der Seidelbast aber ebenfalls in der Medizin genutzt. Er kommt bei Hautleiden oder Erkältungen zum Einsatz. Auch die Insektenwelt profitiert von dem früh blühenden Busch. Als eine der ersten Blütenquellen zieht er viele unterschiedlichen Arten an 

Die kleinen violetten Blüten des Seidelbast pranken am Stab des Busches.

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

Der Rote Fingerhut ist ein hochwirksames Heilmittel für die Stärkung des Herzmuskels oder die Regulierung der Herzfrequenz. In der richtigen Dosierung versteht sich! Denn alle Teile der heimischen Pflanze gelten als giftig. 
Er kommt auf Waldlichtungen oder Waldrändern vor und fühlt sich auf den durch Kalamitäten entstandenen Freiflächen sehr wohl. So ein Meer an Fingerhüten ist eine richtige Hummel-Oase!  

Die zahlreichen Blüten des Fingerhuts.

Der Fingerhut wird bis zu 1,5 m hoch. Er hat eiförmige, gekerbte Blätter, die auf der Unterseite behaart sind. Besonders beliebt ist er bei Insekten durch seine bis zu 5 cm lange, glockenförmige Blüte. Sie hat eine rosa bis purpurne Farbe und besitzt im Inneren kleine rote, weiß umrandete Flecken und kleine Härchen. Ein Spross hat 50 bis 100 Blüten. 

Aus den Blüten entwickeln sich hellbraune, eiförmige Samenkapseln, die viele braunschwarze Samen des Fingerhutes beinhalten. Die Pflanze blüht von Juni bis August. 

Wusstest Du schon…?
Der rote Fingerhut bringt immer wieder weiße Individuen hervor. Diese Varianz der Pflanze wird dann lateinisch Digitalis purpurea (wie der Rote Fingerhut) var. abiflora genannt. Den lateinischen Namen des roten Fingerhutes verdankt er dem Digital. So nannte man früher die metallenen Fingerhüte der Schneider. 

Im Inneren der rosa Blüten liegen kleine feine Härchen und die charakteristischen lila Punkte auf weißem Grund.

Der Verzehr führt neben Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auch zu Herzrhythmus- oder Sehstörungen. Schon zwei bis drei Blätter können bereits tödlich sein!

Die heilende Wirkung des Fingerhutes wurde früher für die Wundheilung eingesetzt. Erst wesentlich später entdeckte ein britischer Arzt die Wirksamkeit des Fingerhutes auf das Herz. 

Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) 

Du warst im Wald unterwegs und plötzlich hast du eine Verbrennung an Arm oder Bein? Dann war es wohl dieser Übeltäter! Der Riesenbärenklau ist ein Neophyt – also eine nicht heimische Pflanze – die in Deutschland und Mitteleuropa allgemein stark verbreitet ist. Die aus dem Kaukasus stammende zwei- bis dreijährige Pflanze, die erst in ihrem zweiten oder dritten Jahr blüht, kommt an Waldrändern und Ufern vor. 

Die Pflanze keimt sehr früh im Jahr und wächst sehr rasch, sodass sie heimische Arten verdrängen kann. Durch seine großen Blätter beschattet er die Bodenvegetation unter ihm und dunkelt sie aus. Vor allem in besonderen Biotopen, wie feuchten Hochstaudenfluren oder naturbelassenen Wiesen, bedroht er seltene und gefährdete Arten. Auch für den Menschen stellt er eine Gefahr dar. Der Saft des Riesenbärenklau verursacht unter Sonneneinstrahlung verbrennungsartige Verletzungen, mit denen man unbedingt einen Arzt aufsuchen sollte. Deshalb sollte im Umgang mit ihm nicht auf Handschuhe verzichtet werden. Sollte man doch in Kontakt mit dem Pflanzensaft kommen, sollte er sofort abgewaschen werden. 

Die Blätter des Riesenbärenklau sind tatsächlich riesig!

Eingeschleppte Giftpflanzen übernehmen unsere Wälder

In unseren Wäldern breitet sich die Pflanze zunehmend aus und stellt ein ernsthaftes Problem für die heimische Flora dar. Und das nicht ohne Grund: Eine einzige Pflanze kann bis zu 70.000 Samen verbreiten!

Bekämpfen kann man den Riesenbärenklau, indem man ihm in der Blütezeit – und somit vor der Entwicklung von Samen – die Blütendolden abschneidet. Wird die Pflanze vor der Blüte beschnitten oder entfernt, treibt die Pflanze erneut aus. Das Entfernen der Blütendolden muss jedoch eventuell noch einige Jahre wiederholt werden, damit die in der Erde lagernden Samen nicht austreiben. 

In diesem Bestand, über den Simon gestolpert ist, konnte sich der Riesenbärenklau bereits stark verbreiten.

Eine im Wald angewandte Strategie ist das Ausgraben der Pflanze. Dazu sollte man mindestens 20 Zentimeter tief graben, um auch wirklich alle Wurzeln zu erwischen. Doch wenn sich der Riesenbärenklau erstmal vermehrt hat, ist auch dies ein hoher Aufwand. Eine weitere Methode liegt darin, Starkstrom von der Pflanzenspitze bis in die Wurzeln zu leiten.

Im Wald gibt es noch wesentlich mehr giftige Pflanzen. Möchtet Ihr mehr von ihnen kennenlernen? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/tollkirsche.html

https://www.plantura.garden/gehoelze/schwarze-tollkirsche/schwarze-tollkirsche-pflanzenportrait

https://dingolfing-landau.bund-naturschutz.de/natur-in-unserem-landkreis/pflanzen/seidelbast-1#

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/seidelbast.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/06074.html

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/fingerhut.html

https://wunderkammer.naturkundemuseum-karlsruhe.de/de/objekt/die-giftigste-pflanze-europas

https://wunderkammer.naturkundemuseum-karlsruhe.de/de/objekt/die-giftigste-pflanze-europas

https://www.uni-ulm.de/einrichtungen/garten/garten/freiland/apothekergarten/steckbriefe-nicht-in-broschuere/aconitum-napellus/#

https://www.forstpraxis.de/gefaehrlich-so-wird-riesenbaerenklau-im-wald-bekaempft-23295 

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/17696.html

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Waldglas – Wie in unseren Wäldern Glas hergestellt wurde https://forsterklaert.de/waldglas https://forsterklaert.de/waldglas#respond Sun, 18 May 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5796 Egal ob Joghurtbehälter aus dem Kühlregal, Mehrwegflaschen, Auflaufformen oder das typische Trinkglas – unser Alltag ist durch Glasprodukte bereichert. Doch...

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Egal ob Joghurtbehälter aus dem Kühlregal, Mehrwegflaschen, Auflaufformen oder das typische Trinkglas – unser Alltag ist durch Glasprodukte bereichert. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der wir dieses fragile Gut heute benutzen, war nicht immer gegeben. Vor der Etablierung der Glasindustrie waren Trinkgläser, Glasflaschen und Fensterscheiben so teuer, dass nur Adel, reiche Bürgerfamilien, Klöster oder Könige sie genutzt haben. Und was noch viel weniger bekannt ist: In unseren Wäldern wurde grünliches Glas hergestellt, das sogenannte Waldglas! In diesem Artikel erfahrt Ihr mehr über diese besonderen Gläser und wieso niemand von ihnen weiß. 

Wie das Glas in unsere Wälder kam

Bereits in der Antike stellten die Menschen Glas her. Zu Zeiten der Römer mischten sie dafür Sand, Soda und Kalk. Diese Zutaten werden anschließend in einem Ofen bei hohen Temperaturen geschmolzen, bevor sie zu Gläsern oder anderen Gefäßen geformt werden. Die dem Handel zugewandten Römer bekamen das Soda aus Ägypten. Doch als die Handelsbeziehungen durch politische und versorgungstechnische Veränderungen ab dem 9. Jahrhundert schwieriger wurden, kam es zu einer Knappheit des Rohstoffes und somit auch des Glases. Die Glasherstellung musste auf heimische Rohstoffe umgestellt werden, damit der reichere Teil der Bevölkerung es weiterhin als Prestigeobjekt vorzeigen konnte. 

So bauten die Glasmacher im Wald Hütten mit Öfen, in denen sie das Glas herstellen. Damit saßen sie direkt an der Quelle für die Rohstoffe, die sie für die Herstellung benötigten.

Jedes Glas ist auf seine Weise individuell: Diese besonderen Waldglas-Gläser sind im Glasmuseum Wertheim erhalten.

Zutaten des Waldes – Die Mischung macht’s

Zwei Zutaten verwendeten die Glasmacher für das Waldglas: Sand und Holzasche. 

Quarz-Sand bildete die Grundlage des Herstellungsprozesses. Dieser gewaschene Sand stammte aus Sandinseln im Buntsandstein und aus Bächen der Umgebung. Im Buntsandstein, sowie in der Holzasche befindet sich Eisenoxid. Selbst bei kleinen Anteilen des Eisens färbten sich die Gläser grün. Neben dem Standort prägte somit auch die Farbe des Glases den Namen “Waldglas”. 

Die Holzasche war dafür zuständig, den Schmelzpunkt des Gemenges zu senken. Quarz schmilzt ohne ein sogenanntes Flussmittel (hier Holzasche) erst bei über 1.700°C. Damals war es mit einem hohen Aufwand verbunden, diese Temperaturen in den Öfen zu erreichen. Mit der Holzasche schmolz das Quarz zwar noch nicht bei Backofentemperatur, aber es reichten 1250°C. 

Waldglas geboren aus der Asche

Eine weitere Zutat war seit dem späten 17. Jahrhundert Kalk aus Muschelkalkgebieten. Dieser Rohstoff machte die Gläser haltbarer und beständiger gegen Korrosion, hemmte also die Zersetzung des Glases. Das bedeutete aber auch, dass die Waldglashütten der Einfachheit halber sowohl in der Nähe von Buntsandstein, als auch von Muschelkalk gebaut werden mussten.

Ebenfalls ab etwa dem 17. Jahrhundert wurde für farbloses Glas die sogenannte Pottasche eingesetzt. So nannte man die ausgelaugte Asche aus verbranntem Buchenholz. Sie wirkte wie zuvor die Holzasche ebenfalls als Flussmittel, um die Schmelztemperatur zu senken. So benötigten die Glasmacher aber nicht nur für ihre Brennöfen Holz, sondern auch für die Pottasche. Die meisten Waldglashütten siedelten sich direkt in Laubwäldern an. 

Wusstest Du schon…?
Auch das Glas, welches Pottasche enthält, wird noch als Waldglas bezeichnet. Die Pottasche selbst hat durch die besondere Verarbeitung einen hohen Mangananteil. Achtung, jetzt wird’s nerdy: Das farblose Glas entstand durch sogenannten Über- bzw. Entfärben. Manganoxid (welches in der Pottasche enthalten war) wurde als Glasmacherseife genutzt. Der Grünstich durch das Eisenoxid im Glas wurde so durch die Komplementärfarbe Rot des Manganoxid aufgehoben bzw. gemildert.  

Glasbläser Ralf Marlok in unserer heutigen Zeit im Glasmuseum Wertheim e.V.

Waldglashütten – Eine neuartige Betriebsform 

Noch heute kann man die Fundamente der Waldglashütten in einigen Wäldern wie zum Beispiel im Spessart finden. In ihnen befanden sich die Glasöfen, die aus Steinen der Umgebung gebaut wurden. Der Bau der Öfen im Inneren der Hütten bot den Vorteil, dass sie nicht nur die Glasmacher, sondern auch das Glas vor äußeren Einflüssen schützten. In den Hütten standen mehrere Öfen. Die heißesten dienten dazu, das Glas zu schmelzen, während weniger heiße Öfen das langsame Abkühlen ermöglichten. Dadurch entstanden keine Risse aufgrund innerer Spannungen.

Bei der Herstellung schmolzen die Glasmacher die Rohstoffmasse in hitzebeständigen Gefäßen aus Ton und Keramik, den sogenannten Häfen. Anschließend wickelten sie die heiße Masse um das Ende eines hohlen Metallstabs. Durch Hineinblasen blähte sich das Glas auf und ließ sich zu einem Gefäß formen. In einem aufwendigen Prozess, bei dem sie das Glas immer wieder erhitzten und formten, entstanden schließlich die Waldglasgefäße.

In den Wäldern des Sandstein-Spessarts ist dieses Fundament einer Waldglashütte 1979 ausgegraben worden. Der hölzerne Überbau ist bereits verfallen. 

Der Holzverbrauch geht durch die Decke 

Neben der Pottasche für die Gläser, benötigten die Glasmacher auch Holz für die Beheizung der Öfen. Um die geforderten Temperaturen zu erreichen, musste jedoch sehr viel Holz eingeschlagen werden. Für Pottasche- und Brennholzgewinnung benötigten die Glasmacher circa 2000 – 3000 Festmeter Holz pro Jahr. Das entspricht Schätzungen zufolge 20 – 30 Hektar Wald im Jahr und pro Glasmacherhütte. Wenn das Holz der Umgebung abgeholzt war, zogen die Glasmacher mit ihren Hütten weiter. Sie ließen ihre Hütten zurück und bauten an einer anderen Stelle im Wald eine neue. So entstand auch der Name “Wanderglashütten”. 

Die ehemaligen Hüttenstandorte boten der Bevölkerung durch die Abholzung oftmals den Platz, um neue Siedlungen aufzubauen. Durch die Waldglasmacherei konnten sich diese Waldstandorte nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückentwickeln. Blieb eine Fläche sich selbst überlassen, sorgte die Naturverjüngung für die Wiederbewaldung. Ab dem 18. Jahrhundert forsteten Menschen die Flächen gezielt mit Nadelhölzern auf. Im Grunde wurde den Waldglasmachern dadurch auch die Möglichkeit genommen, an die alten Standorte zurückzukehren. Denn obwohl Wald länger braucht, um nachzuwachsen, war die Waldglasherstellung bis in das 18. Jahrhundert relevant. Somit hätte eine Aufforstung mit Laubwald durchaus Sinn gemacht. Doch der Holzbedarf stieg nicht nur durch die Glaserzeugung, sondern auch durch das Bevölkerungswachstum und den Bedarf an Heizmittel. 

Laubwälder waren für die Waldglasherstellung von großer Bedeutung, um die aus Buche gewonnene Pottasche herstellen zu können. 

Das Ende des Waldglases 

Durch den steigenden Nutzungsdruck auf die Waldstandorte galt die Waldglasherstellung bereits damals als kritische Branche. Die zurückgelassenen, degenerierten Wälder führten in einigen Teilen Deutschlands sogar dazu, dass man die Waldglasherstellung aus den Waldregionen verbannte. Neben der Jagd und der Nutzung des Holzes für Heizzwecke, stand die Waldglasmacherei auch in Konkurrenz mit der Köhlerei. Darüber hinaus entwickelte sich in Frankreich eine Glasindustrie, gegen die die Waldglasmacher nicht ankommen konnten. Maschinen und die Herstellung des fragilen Gutes in Massen lösten die im kleinen Stil arbeitenden Waldglasmacher ab. 

Dadurch, dass Waldglas stets ein Gut der Reicheren war und nicht in Massen in der Bevölkerung vorkam, ist das Waldglas heute sehr selten geworden. 

Glasscheiben wurden ebenfalls in Waldglashütten hergestellt. Die hier abgebildeten Gläser aus dem Spessart nennt man Butzenscheiben.

Waldglas Ausflugsziele

Hat Euch jetzt das Interesse an Waldglas gepackt? Wenn Ihr mehr über das grüne Glas aus deutschen Wäldern erfahren möchtet, folgen jetzt noch einige Empfehlungen für Euch.

In Niedersachsen empfiehlt sich zum Beispiel das Historische Museum Hellental als Landmuseum zur regionalen Geschichte, Archäologie und Alltagskultur im Solling. Im alten Tal der Glasmacher könnt Ihr mehr über die Herstellung und die Standorte der Hütten in der Umgebung erfahren.

Für Baden-Württemberg oder Bayern empfiehlt sich der Spessart und der Besuch im Glasmuseum Wertheim e.V. Das Museum hat uns unter anderem auch einige Bilder in diesem Artikel zur Verfügung gestellt. Im Museum selbst kann man sogar einen Glasbläser in Aktion erleben! Hier könnt Ihr Glas aus allen Epochen und aus der Produktion von Wertheimer Firmen sehen. Im nahegelegenen Spessart wurden 160 Waldglashütten Standorte belegt und die Region ist noch heute mit der Glasherstellung verbunden.

Wusstest Du schon…?
Nur einen Katzensprung vom Museum in Wertheim entfernt, werden die bekannten Maggi-Flaschen hergestellt! Seit 122 Jahren werden sie in den Spessart-Glaswerken in Lohr, jetzt Gerresheimer Lohr GmbH, produziert.  

Besonderer Dank gilt dem Historischen Museum in Hellental sowie Herrn Joachim Lorenz und Prof. Dr. Zerbe für die Korrektur des Artikels!

Hattet Ihr vor unserem Artikel schon von diesem grünen Glas gehört? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Quellen:

Zerbe, S. (1999): Die Wald- und Forstgesellschaften des Spessarts mit Vorschlägen zu deren zukünftigen Entwicklung – Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Aschaffenburg – NF_19:3 – 354.

https://historisches-museum-hellental.de/glasforschung-im-umfeld-des-hellentals.html

https://www.waldglas.com

https://www.studysmarter.de/schule/geographie/landschaftsformen/mittelgebirge

https://www.zdf.de/swr/planet-schule/page-video-ard-die-bergleute-und-glasblaeser–der-schwarzwald-100.html

http://www.spessartit.de/glas.htm

https://www.antike-tischkultur.de/glasfreiblastechnikausgezogenerfuss.html

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Willst Du die Top 5 Frühblüher erkennen können? https://forsterklaert.de/top5fruehblueher https://forsterklaert.de/top5fruehblueher#respond Sun, 23 Mar 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5764 Ihr kennt es bestimmt: Man spaziert im Frühjahr durch den Wald und endlich kann man auf dem Waldboden die ersten...

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Ihr kennt es bestimmt: Man spaziert im Frühjahr durch den Wald und endlich kann man auf dem Waldboden die ersten Farbkleckse erkennen. Diese schon in der Kälte erwachenden Pflanzen nennt man Frühblüher. Wenn Ihr Eure Freund:innen demnächst mit Euren Kenntnissen über diese beeindrucken wollt, seid Ihr hier genau richtig! 

Bärlauch (Allium ursinum) 

Bärlauch ist ein schmackhafter Frühblüher, den Ihr vielleicht schon einmal als flächigen grünen Teppich im Wald gesehen habt.
Die Blätter des Bärlauchs sind länglich geformt und circa 20 cm lang. Sie haben alle einen eigenen, dreikantigen Stiel. Die Oberseite der Blätter ist glänzend und die Unterseite matt. Zwischen März und Mai gesellt sich zu dem Grün eine weiße Blüte.

Neben dem Aussehen verrät sich der Bärlauch auch durch einen starken Knoblauchgeruch. So ähnlich schmeckt er auch und verleiht einer eigenen Kräuterbutter einen schärferen, besonderen Geschmack. Darüber hinaus ist die Pflanze sehr gesund!

Bärlauch wächst oftmals in großen Scharen dicht beieinander.

Doch Achtung: Solltet Ihr Euch auf die Suche nach der schmackhaften Pflanze machen, gibt es die Gefahr, ihn mit anderen grünen Gesellen zu verwechseln. Vor allem wenn sich in einem grünen Bärlauch-Teppich eine Pflanze wie das giftige Maiglöckchen versteckt, kann die Kräuterbutter zur letzten Mahlzeit werden. Denn wenn man nicht bei jedem gesammelten Blatt auf die Merkmale achtet, übertüncht der Knoblauchgeruch mal andere Blätter.

Wusstest Du schon…?
Während die Oberseite von Bärlauchblättern glänzend und die Unterseite matt ist, ist es bei Maiglöckchen genau umgekehrt! Deswegen solltet Ihr bei jedem Blatt auf diese Merkmale achten. 

Wenn Ihr Bärlauch sammeln möchtet oder ein gutes Rezept für Bärlauchbutter braucht, solltet Ihr unbedingt in einen anderen Artikel von uns reinlesen. Darin geht es auch um andere giftige Pflanzen, die dem Bärlauch ähnlich sehen können. Diesen findet Ihr hier

Die matte Unterseite von Bärlauchblättern.

Buschwindröschen (Anemone nemorosa) 

Buschwindröschen haben weiße Blüten, die sechs Blättchen besitzen. Von unten sind diese hellrosa. Die Pflanze hat drei Blätter, die bis auf die Blattbasis abermals fünffingrig geteilt sind. Diese Blätter sind gestielt, das bedeutet, dass sie nicht direkt am Stängel der Blume sitzen, sondern von diesem ein Stiel abgeht. Buschwindröschen findet man im Frühjahr oftmals in breiten Teppichen auf dem Waldboden.

Ein ähnlicher Frühblüher ist das gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides). Ein gutes Merkmal, um die Blümchen zu unterscheiden, ist die Blütenfarbe. Die gelben Windröschen haben – wie der Name schon sagt – eine gelbe Blüte. Wenn die Pflanzen nicht blühen, hilft ein Blick auf die Blätter weiter. Diese sitzen nämlich ungestielt am Stängel und sind tief fingerförmig geteilt. 

Hohe (Primula elatior) & Echte Schlüsselblume (Primula veris)

Zwei geschützte und beliebte Frühblüher sind Schlüsselblumen. Man unterscheidet die Hohe Schlüsselblume und die Echte Schlüsselblume. Diese Blumen sehen sich nicht nur aus der Ferne sehr ähnlich.

Die offene Blüte einer Hohen Schlüsselblume mit dem typischen orange Ring im Inneren. 

Die Blätter beider Schlüsselblumen sind grundständig. Das bedeutet, dass sie an der Basis des Stängels entspringen und somit unmittelbar über dem Boden stehen. Beide Blumen haben fleischige, gewellte Blätter. Bei der Hohen Schlüsselblume läuft das Blatt regelmäßig am Blattstiel herab. Auf der Unterseite sind sie kaum behaart. Bei der Echten Schlüsselblume setzt sich der Blattanfang deutlich vom Blattstiel ab und die Unterseite der Blätter ist dicht filzig behaart. Das beste Merkmal, um die beiden Blumen zu unterscheiden, ist jedoch die Blüte. Primula elatior hat eine blass-gelbe Blüte und der Blütenkelch liegt eng an der Blüte an bzw. ist dieser geschlossen. Im Inneren der Blüte befindet sich ein orangener Ring. Bei Primula veris hat die Blütenfarbe ein kräftiges gelb mit fünf orangenen Punkten im Inneren der Blüte. Der Blütenkelch ist dabei weit geöffnet. 

Die Blätter beider Schlüsselblumen Arten sind grundständig und fleischig gewellt. Hier steht eine Hohe Schlüsselblume. 

Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)

Ein kleiner Trickser unter den Frühblühern ist das Lungenkraut. Die Blätter des Lungenkrauts sind oval und haben weiße Flecken. Die Pflanze ist rau, da sie überall mit kleinen Härchen behaart ist. Wenn Euch diese Merkmale noch nicht reichen, hat die Blume auch noch Blüten, die ihre Farbe wechseln! Wenn die Blüten frisch aufgehen, haben sie einen rötlichen oder rosa Farbton. Mit der Zeit wechseln sie dann in ein blau-violett. So hat man oftmals unterschiedliche Blütenfarben an einer Pflanze.

Die unterschiedlichen Blütenfarben des Lungenkrauts.

Leberblümchen (Hepatica nobilis) 

Leberblümchen sind sehr besondere und geschützte Frühblüher. Ihre Blätter sind dreilappig und gestielt, also sitzen sie nicht direkt am Stängel. Sie sind dick und fleischig. Die Blüte ist violett-bläulich und sticht auf dem tristen Boden im Frühjahr heraus. Im Inneren hat sie gelb-weißliche Staubblätter. Der Frühblüher wächst nah am Boden und hat einen behaarten Stängel. 

Ihr werdet die Blume jedoch nicht in jedem Wald finden. In Göttingen hat man zum Beispiel Glück, denn die Leberblümchen wachsen gerne auf den kalkreichen Böden dieser Region. 

Wusstest Du schon…?
Leberblümchen finden wir von Forst erklärt total cool. Deswegen haben wir diese auf unsere Shirts gedruckt. Schaut doch mal in unserem Shop vorbei, ob sie Euch gefallen! 

Das Leberblümchen mit seiner violetten Farbe. Auf dem Waldboden kann man die dreilappigen, dicken Blätter erkennen. 

Lasst die Frühblüher, wo sie sind!

So gern Ihr die Frühblüher auch haben mögt, lasst sie bitte an Ort und Stelle. Ganz davon abgesehen, dass einige von ihnen geschützt sind und nicht gepflügt oder entwendet werden dürfen, überleben sie im eigenen Garten nur selten. Es sind nun mal Blumen, die an das Ökosystem Wald angepasst sind. 

Freut Ihr Euch schon auf den Frühling und die ersten Frühblüher im Wald? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

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Unser Wild: Der Waschbär  https://forsterklaert.de/waschbaer https://forsterklaert.de/waschbaer#respond Sun, 23 Feb 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5622 Vor fast 100 Jahren kam der Waschbär (Procyon lotor) nach Deutschland. Seither hat er sich fest in unseren Ökosystemen etabliert...

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Vor fast 100 Jahren kam der Waschbär (Procyon lotor) nach Deutschland. Seither hat er sich fest in unseren Ökosystemen etabliert und stark vermehrt. Heute ist er eines der häufigsten Raubtiere in Deutschland mit geschätzt circa 1,5 Millionen Individuen. Wieso diese kleinen Bären nicht so süß sind, wie sie wirken, und wie sie ganze Arten auslöschen, erfahrt Ihr in diesem Artikel! 

Wo wäscht der Waschbär? 

Waschbären gehören zu den Kleinbären. Die aus Nordamerika stammenden Tiere leben in Laub- und Mischwäldern und sind nachtaktiv. In freier Wildbahn schlafen Waschbären in alten Baumhöhlen oder verlassenen Fuchsbauten. Als Kulturfolger finden wir sie aber auch auf Müllhalden, in Städten oder ganz ärgerlich: Auf dem eigenen Dachboden. Die schlauen Tiere fingern mit ihren kleinen Händen an allem rum, was nicht niet- und nagelfest ist. So muss man Mülltonnen durch Schlösser oder Regenrinnen durch Kletterstops sichern. 

Wäscht so der Waschbär?

Wusstest Du schon…?
Waschbären sind durchaus zutraulich gegenüber Menschen. Wenn sie sich Euch nähern, solltet Ihr sie jedoch nicht berühren oder füttern. Die anfängliche Freundlichkeit kann schnell zu einem Biss werden. Die Tiere übertragen darüber hinaus auch Parasiten, wie den Waschbärspulwurm, der auf Menschen und Hunde übergeht.

Waschbären werden, ohne den Schwanz einzurechnen, zwischen 40 und 70 cm groß. Sie haben eine gräuliche Fellfärbung und einen geringelten Schwanz. Dazu tragen sie eine schwarze Maske um die Augen und laufen auf ihren vier fünffingrigen Pfoten. 10 kg können sie auf die Waage bringen und bis zu 15 Jahre alt werden. Normalerweise bekommen die Kleinbären im Frühjahr ihren Nachwuchs. Sie können in unseren milden Gefilden jedoch über das ganze Jahr hinweg Junge bekommen. Meist sind es drei. Bei einer starken Reduzierung des Bestandes, z.B. durch die Jagd, werden sie jedoch trotzig und erhöhen ihre Reproduktionsrate. Ihre Fähigkeit, den Menschen auf der Nase herumtanzen, muss man also wirklich bewundern.

High five – Mit ihren fünffingrigen Pfoten haben Waschbären echtes Ganoven Potential!

Gesellige kleine Draufgänger

Die Welpen (so nennt man die Waschbär-Babies) bleiben die ersten fünf Wochen im Nest und ziehen danach mit dem Weibchen um die Häuser. So lernen sie alles Wichtige, um sich durchschlagen zu können. Die männlichen Waschbären (mal wieder Rüden genannt) setzen sich nach circa 4 Monaten von ihrer Familie ab und suchen sich ein eigenes Revier. Sie sind dennoch so gesellig, dass sie sich für die Jagd mit einem Kumpel zusammen tun. 

Während sie in Amerika von Luchs oder Kojote gefressen werden, haben sie in Deutschland bislang noch keine Feinde. Das ist ein Grund dafür, die Rückkehr des Luchses zu unterstützen.

Kein wählerischer Kerl 

Waschbären schnabulieren eigentlich alles. Sie plündern die Nester von Vögeln und essen die Eier oder gleich die Flieger selbst. Im seichten Wasser tasten sie auch gerne nach Wasserlebewesen wie Fröschen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um Grasfrösche oder geschützte Gelbbauchunken oder Feuersalamander handelt. Sogar Schlangen verspeisen sie. So auch die geschützte und vom Aussterben bedrohte Äskulapnatter. Würmer und Schnecken suchen sie unentwegt und wenn sie es finden, naschen Waschbären auch Obst und Nüsse. Sie lieben darüber hinaus unsere Essensreste, weswegen man sie öfter in Mülltonnen rumoren hört. 

Ob da jemand auf dem Weg zu einem Vogelnest ist?

Wusstest Du schon…?
Die schlauen Tiere betasten mit ihren Händen alles, was sie finden und erkunden sehr gerne neue Dinge. Das hin und her drehen in ihren Händen hat ihnen ihren Namen “Waschbär” beschert. Der Name kommt nicht daher, dass der Waschbär seine Nahrung vorm Verzehr waschen würde. Das ist ein Verhalten, das nur in Gefangenschaft auftritt.

Wie der Waschbär zu uns kam

Ursprünglich kamen Waschbären wegen ihres Pelzes nach Europa. Wie in allen Pelzfarmen gibt es dabei immer Tiere, die sich befreien können und dann außerhalb der Farmen ihr Leben leben. Unabhängig davon haben forstliche Mitarbeiter die ersten Waschbären 1934 in Hessen, nahe Kassel, ausgesetzt. Die Tiere kamen zwar ursprünglich aus einer Pelzzucht, der Inhaber hat sie jedoch an das Forstamt verschenkt, um die Natur zu “bereichern”. Obwohl man die Zustimmung für die Freilassung eingeholt hat, ließen die Waschbär-Besitzer sie schon vorher frei. Ein Argument dafür: Die bereits trächtigen Bärinnen sollten ihre Jungen in Freiheit bekommen. Die Genehmigung wurde trotz Protest von Zoologen kurz nach der Freilassung ausgesprochen. 

Eigentlich sollten die Waschbären, ihr Verhalten und ihre Wirkung auf das Ökosystem dokumentiert werden, doch durch den Beginn des zweiten Weltkrieges geriet diese Aufgabe in Vergessenheit. 

In den 50er-Jahren wurde dann klar, dass der Waschbär ein kleiner Störenfried ist. Wegen seiner Schäden an Ernten, Gärten oder Häusern hat man ihn 1954 in das Jagdrecht aufgenommen und seither bejagt. Ohne natürliche Fressfeinde und eine optimale Anpassung an das Ökosystem hierzulande – welches dem in Nordamerika sehr ähnlich ist – war die Waschbärpopulation jedoch schon außer Kontrolle geraten. 

Heute steht er auf der Liste der invasiven Tierarten in der EU und das Problem mit ihm ist weit verbreitet. Die EU-Staaten haben sich deswegen dazu verpflichtet, die Populationen einzudämmen, doch das gestaltet sich sehr schwierig. 

Er guckt ganz lieb und ist doch ein kleiner Störenfried.

Wusstest Du schon…?
Schätzungen der Goethe-Universität in Frankfurt zufolge gibt es in Deutschland zwei Millionen Waschbären.

Waschbärjagd oder Waschbärmanagement? 

Weitere Ausbrüche aus Pelzfarmen oder Auswilderungen wie zum Beispiel in der Eifel befeuerten das Problem mit dem gewieften Bären. 

Expert:innen sind sich mittlerweile einig, dass sich der Waschbär nicht mehr nur durch eine Bejagung aus unserem Ökosystem entfernen lässt. Der Fokus liegt nun also eher auf dem Schutz der Lebensräume von einheimischen Tieren und nicht mehr auf der Bejagung. Gleichzeitig ist die Jagd das effizienteste Mittel, um geschützte Tierarten vor Waschbären zu schützen. Denn je geringer der Bestand der Waschbären ist, desto geringer auch die Veränderungen, die er in Ökosystemen hinterlässt.

Ein Beispiel für den starken Einfluss von Waschbären auf Ökosysteme ist sein Konsum von Gelbbauchunken (oder auch der Erdkröte). Diese geschützte Unkenart ist durch ihre giftige Haut vor den hiesigen potentiellen Fressfeinden gesichert. Der schlaue Waschbär schält sie jedoch und verspeist sie ohne ihre Haut. So umgeht er geschickt das Problem.  

Nun stellt er eine der größten Gefahren für die Tierart dar und hat sie in einigen Teilen bereits vollständig ausgerottet. Möchte man ihn von den Kleingewässern abhalten, müsste man sie alle umständlich umzäunen und gründlich überwachen. Denn nur eine entschlossene Sau reißt den Zaun entzwei. 

Wachbärinnen zu klug für Fallen

Doch auch größeren Tieren klaut er den Nachwuchs vor der Nase weg. Obwohl man meinen könnte, dass Uhus oder Störche stärker sind und durch ihre Flugkünste einige Vorteile gegenüber den Waschbären haben, irrt man sich hierbei gewaltig. Der kleine Bär beklettert Nistkästen oder hohe Bäume und räubert die Nester aus. Dies reduziert die Bestände der sowieso schon geschützten und gefährdeten Arten immer mehr. Wenn Ihr so einen Raub mal auf Video sehen wollt, könnt Ihr hier klicken.

Auf der Suche nach etwas Essbarem streift ein Waschbär durch das Gebüsch. 

Wusstest Du schon…? 
Für die Waschbärjagd benötigt man ganz bestimmte Fallen. Damit die Falle nur bei den Waschbären auslöst, sollte diese einen Zugmechanismus haben. Auf dem Markt sind diese Fallen bislang noch nicht reichlich vertreten, sodass man sie oft noch selbst bauen muss. 

Außerdem sind viele weibliche Waschbärinnen zu klug, um in die Falle zu gehen. Sie halten ihren Nachwuchs teilweise sogar davon ab und bringen ihnen bei, die Fallen zu meiden. Wenn man dann doch einmal einen Waschbären fängt, sind es zumeist nur die Männchen. 

Habt Ihr schon Erfahrungen mit Waschbären gemacht? Im Haus oder im Wald? 

Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Quellen:

https://www.hessenschau.de/panorama/erste-auswilderung-vor-90-jahren-wie-der-waschbaer-in-nordhessen-zu-einer-plage-wurde-v1,90-jahre-waschbaeren-ausgesetzt-100.html#

https://naturdetektive.bfn.de/lexikon/zum-lesen/tiere/saeugetiere/waschbaeren.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/sonstige-saeugetiere/18751.html

https://www.wildtierportal-bw.de/de/frontend/product/detail?productId=8

https://www.nationalgeographic.de/tiere/2024/01/waschbaeren-in-deutschland-was-die-invasiven-raubtiere-so-gefaehrlich-macht

https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/waschbaeren-problem-invasive-art-100.html

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/waschbaeren-werden-zum-problem-a-1143839.html

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Unser Wild: Der Luchs https://forsterklaert.de/luchs https://forsterklaert.de/luchs#respond Sun, 19 Jan 2025 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5593 Der Luchs (Lynx lynx) kehrt schon seit einiger Zeit auf natürliche Weise nach Deutschland zurück oder wird in passenden Lebensräumen...

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Der Luchs (Lynx lynx) kehrt schon seit einiger Zeit auf natürliche Weise nach Deutschland zurück oder wird in passenden Lebensräumen von Menschenhand wieder angesiedelt. Er ist hierzulande noch als stark gefährdet eingestuft und sorgt dennoch bereits für Streitigkeiten. Illegale Abschüsse sind leider kein Einzelfall mehr. Wenn Ihr erfahren wollt, was ein Luchs frisst, wo er lebt und wie man ihn schützt, seid Ihr hier genau richtig! 

Die größte Wildkatze Europas

Luchse gehören zu den katzenartigen Raubtieren (Felidae) und sind die größten Wildkatzen Europas. Im EU-Recht (FFH-Richtlinien) zählen sie zu den Arten, für die man Schutzgebiete ausweist. Der Bestand beläuft sich auf 125 bis 135 erwachsene Luchse in Deutschland (Stand 2021). Um das Überleben und den genetischen Austausch der Tiere hierzulande zu sichern, benötigt es jedoch mehr Individuen. 

Der Luchs ist sehr gut darin, sich vor uns Menschen zu verstecken. Getarnt durch sein braunes Fell würden wir ihn wohl nicht erkennen, selbst wenn er so im Gebüsch lauern würde. 

Die große Katze ist 80 – 120 cm lang und hat eine Schulterhöhe von etwa 65 cm. Damit ist sie etwas größer als der Durchschnitts-Schäferhund. Die Rute des Luchs ist wesentlich kürzer als die von Wolf oder Hund. Seine markanten Pinselohren und das gelblich-braune Fell mit den schwarzen Flecken entlarven ihn schnell. 

Luchse können 10 – 12 Jahre alt werden. Sie haben überaus gute Ohren und Augen, wodurch sie ihre Beute aus weiter Entfernung erkennen können. Gelingt es ihm, ein Tier zu fangen, tötet er es mit einem gezielten Kehlbiss. 

Die Einzelgänger sind nachtaktiv und sehr menschenscheu. Wer schon mal einen Luchs in freier Wildbahn gesehen hat, ist also ein echter Glückspilz!

Lediglich für die Paarungszeit zwischen Februar und März suchen die Luchse die Gesellschaft eines Partners. Die Weibchen bekommen im Mai oder Juni 1 – 4 Junge, die bis zum nächsten Frühjahr bei der Mutter bleiben. Nur circa die Hälfte der Jungen überlebt das erste Lebensjahr. 

Wo die wilden Luchse wohnen 

Luchse haben riesige Streifgebiete. Fest etabliert haben sie sich im Harz, im Bayerischen oder Pfälzer Wald. Doch die Katzenart streift auf der Suche nach neuen Revieren auch durch andere Wälder der verschiedenen Bundesländer hindurch. Dabei handelt es sich oft um junge Luchse, die auf der Suche nach neuen Revieren sind. Männliche Luchse – Kuder genannt – legen dabei weitere Strecken zurück. Allein ihr Revier ist 12.000 – 40.000 Hektar groß. Weibchen – Katzen genannt – beschränken sich auf 10.000 bis 12.000 Hektar. Dabei gilt: Je weniger Nahrung in ihrem Lebensraum vorhanden ist, desto größere Reviere benötigen sie. Nicht selten überschreiten Luchse dabei Landesgrenzen. Ein erhöhtes Vorkommen liegt z.B. zwischen dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem Nationalpark Šumava auf tschechischer Seite.

Wusstest Du schon…?
Luchse benötigen große zusammenhängende Waldgebiete als Lebensraum. Eine hohe Wilddichte ist für sie ebenfalls von Vorteil. 

Zwei kleine Luchs-Junge rangeln geschickt auf einem Baumstamm miteinander.

Wild-ganer 

Die großen Katzen fressen vor allem Wild aus unseren Wäldern. Dazu gehören von Rehen, über Rotwild, bis hin zu Füchsen und Vögeln die meisten Säugetiere des Ökosystems. Diese „Räuber-Funktion“ ist in unseren Ökosystemen sehr wichtig, um neben der Jagd den Wildbestand zu regeln. In diesem Kontext spricht man von einer Schlüsselrolle für ein Ökosystem. Durch die Heimlichkeit, die er gegenüber dem Menschen zeigt, braucht man ihn auch nicht zu fürchten. Er würde stets das Weite suchen, sogar wenn er an seiner Beute frisst. Stören ihn Menschen dabei, lässt er das Stück Wild zurück und sucht es zu einem anderen Zeitpunkt erneut auf. Außer er wird durch den Menschen so vergrämt, dass er es für zu gefährlich erachtet, zurückzukehren. 

An Nutztiere geht der Luchs seltener als der Wolf und hält sich dann an kleinere Tiere wie zum Beispiel Schafe. Pro Tag benötigt ein ausgewachsener Luchs circa 2,5 Kilogramm Fleisch. Jährlich wären das etwa 50 Rehe. Erbeutet er ein Tier, teilt er es sich ein und stattet dem Kadaver mehrere Besuche ab. Dazu versteckt er das Wild unter Laub, damit Aasfresser nicht darauf aufmerksam werden. So wie auch die ein oder andere Hauskatze, ist der Luchs sehr wählerisch, wenn es um sein Essen geht. Er frisst kein Aas, sondern hält sich an die frische Beute, die er selbst gerissen hat. 

Auch ein flinker Luchs braucht mal eine Pause.

Die Geschichte des Luchs in Deutschland 

Vor über 200 Jahren war die große Katze weit verbreitet. Doch die Wälder wurden gerodet und ihre ursprünglichen Lebensräume wichen Dörfern und Städten. Als Jagdrivale und Viehdieb der Menschen wurde er im 19. Jahrhundert systematisch ausgerottet und lebte seither nicht mehr in Deutschland. In den 70er Jahren kehrte der Luchs langsam zurück und der Mensch nahm plötzlich in seiner Wiederansiedlung eine bedeutende Rolle ein. Seit 2016 werden beispielsweise im Pfälzerwald Luchse aus der Schweiz und Südeuropa ausgesetzt, damit sie sich dort wieder ansiedeln. Auch im Schwarzwald setzt man sie aus. Dabei handelt es sich um weibliche Tiere, welche auf der Suche nach neuen Revieren weniger große Strecken zurücklegen. Kuder wandern immer wieder nach Deutschland ein und würden das Land ohne Weibchen wieder verlassen. Durch die Wiederansiedlung wurden auch die Kuder hier wieder heimisch und die ersten Jungen wurden geboren. 

Wie geht es dem Luchs?

Trotz der stabilen Zahlen in Deutschland hat es der Luchs bei uns noch nicht leicht. Dicht besiedelte und bebaute Räume, damit verbunden unbewaldete Gebiete, hohe Verkehrsaufkommen und illegale Jagd auf ihn verhindern seine Verbreitung. Um den genetischen Austausch der Populationen im Harz und im Bayerischen Wald zu gewährleisten und den Luchs weiter in Deutschland zu etablieren, gibt es das Projekt “Luchs Thüringen – Europas Luchse vernetzen” vom BUND. In dem Projekt will man aktiv Luchse im Thüringer Wald aussetzen, um zuwandernde Kuder durch Weibchen in Deutschland binden zu können. 

Mit sechs Monaten haben Luchse bereits 80 % ihrer Körpergröße erreicht. 

Akzeptanz schaffen!

Der Luchs stellt keine wesentliche Gefahr für den Menschen dar. Er ist ein nachtaktiver Einzelgänger, der bei den geringsten Anzeichen von Menschen das Weite sucht. Dennoch wird die Rückkehr der großen Katze von vielen kritisch gesehen. Dies liegt auch daran, dass der Luchs nicht mehr seine ursprünglichen Lebensräume vorfindet, sondern durch die Menschen gestaltete Landschaften. Dazu gehören auch unsere Wälder, egal wie naturnah sie sind. Dennoch können wir es schaffen, den Luchs in Deutschland in das Ökosystem zu integrieren, wenn wir die noch zweifelnden Mitmenschen davon überzeugen können. Der NABU wählte dazu ein passendes Zitat im Kontext des Wildtiermanagements von dem bekannten Wildbiologen Alistair Bath: “Managing wildlife means managing humans”.

Denn wenn man sich nicht mit den Bedenken, Ängsten und Widerwillen der Menschen beschäftigt, kommt es zu Situationen wie in Thüringen.

Illegaler Abschuss vom Luchs

Hier gab es Mitte 2023 erneut einen illegalen Abschuss eines Luchses, genau in dem Wald, der als Brücke zwischen den Populationen im Harz und dem Bayerischen Wald fungieren sollte. Auch im Bayerischen Wald gab es Hinweise auf illegale Tötungen, die die Polizei aufgrund mangelnder Beweislage nicht weiter verfolgen konnte. Eine Anfang 2024 erschienene Studie von WWF Deutschland und der Universität Bremen befasst sich mit der illegalen Tötung von Luchsen. Darin wird darauf aufmerksam gemacht, dass Luchs-Tötungen bislang noch nicht strafrechtlich geahndet werden. Laut WWF wurden zwischen 2018 und 2019 zwei Luchse nachgewiesenermaßen illegal getötet und 13 sind spurlos verschwunden. Die alarmierten Behörden begrenzten sich zumeist auf tatsächliche Totfunde und verfolgten die Fälle nicht weiter.

Die Wilderei beschränkt sich dabei nicht nur auf Luchse, sondern betrifft auch Biber, Fischotter oder Wölfe. Allein im Jahr 2003 fielen 95 Wölfe in Deutschland Wilderei zum Opfer.

Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit den Menschen und Behörden vor Ort ausschlaggebend, um heimischen Wildtieren hierzulande wieder eine Chance zu geben. Nur in einem offenen Dialog, in dem sich die Behörden auf die Bürger:innen einlassen, Verstöße aber auch ahnden, wird ein funktionierendes Wildtiermanagement möglich sein. 

Dieser Luchs wohnt im Wildpark Gangelt.

Wie seht Ihr das Thema Luchs? Habt Ihr vielleicht sogar persönliche Erfahrungen damit oder eine ganz andere Meinung, als Ihr sie in diesem Artikel zu finden gedenkt? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! Denn nur durch den Diskurs können Wir Probleme nachhaltig lösen!

Quellen:

https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/luchs/

https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/luchs/geschichte

https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/weiterer-luchs-in-baden-wuerttemberg-ausgewildert

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html

https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/erfolge/27474.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/05204.html

https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/luchs

https://thueringen.nabu.de/news/2023/33545.html

https://www.br.de/nachrichten/bayern/schwierige-rueckkehr-der-luchse-in-bayern-trotz-genug-platz,TwRasjp

https://www.br.de/nachrichten/bayern/schutz-vor-verkehr-und-illegaler-jagd-luchs-projekt-gestartet,U63gU4I

https://www.uni-bremen.de/universitaet/hochschulkommunikation-und-marketing/aktuelle-meldungen/detailansicht/studie-zur-illegalen-toetung-von-luchsen-veroeffentlicht

https://www.nationalgeographic.de/tiere/2024/06/wilderei-in-deutschland-neues-buendnis-kaempft-gegen-illegale-jagd 
https://www.luchs-bw.de/eip/pages/jagdverhalten.php

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Was für ein Otter-Leben https://forsterklaert.de/otter https://forsterklaert.de/otter#respond Sun, 08 Dec 2024 07:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5503 Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) gehört einer der weltweit 13 Otterarten an. Er ist der längste und zweitschwerste Marder in...

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Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) gehört einer der weltweit 13 Otterarten an. Er ist der längste und zweitschwerste Marder in Deutschland. Die flinken Wassertänzer lieben naturbelassene Auwälder und bewachsene Uferregionen. Sie bewohnen nicht nur Flüsse, sondern auch stehende Gewässer oder Küstenregionen. Doch heute kämpft sich das einst häufige Tier gerade erst wieder in unsere Gewässer zurück, nachdem es in weiten Teilen Europas ausgerottet war. Wieso es dazu kam und wo Ihr den Otter in freier Wildbahn entdecken könnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel!  

Otter spotten 

Die meisten von Euch haben Otter schon in Tierparks gesehen. Dort spielen sie miteinander und recken ihre Näschen aus dem Wasser. Doch der Eurasische Fischotter ist ein Einzelgänger und verbringt nur während der Aufzucht der Jungen oder kurzweilig Zeit mit Artgenossen. In vielen Zoos ist deswegen nicht er, sondern der Zwergotter (Aonyx cinerea) zu sehen.

Ein kleiner gefräßiger Eurasischer Fischotter reckt seinen Kopf aus dem Wasser.

Heimisch ist bei uns nur der Eurasische Fischotter. Er ist ein sehr guter Schwimmer, der sowohl an das Leben an Land, als auch an das im Wasser angepasst ist. Durch ihre Körperform liegen ihre Ohren, Nase und Augen während des Schwimmens über der Wasseroberfläche. Dadurch können sie im Schwimmen Geräusche und Gerüche wahrnehmen. Unterwasser leiten ihn seine weißen Tasthaare auch bei schlechter Sicht durch die Flüsse und erleichtern ihm die Suche nach Fischen. 

Fischotter können in freier Wildbahn maximal 10 Jahre alt werden, in Gefangenschaft 16 Jahre. Im ausgewachsenen Zustand bringen sie bis zu 12 Kilogramm auf die Waage. Von der Nase bis zur Schwanzspitze sind die Tiere 1,2 Meter lang. Sein Schwanz macht dabei circa ein Drittel seiner Länge aus, mit welchem er sich auch durch stärkere Strömungen manövrieren kann. 

Wusstest Du schon…? 
Ein Seeotter (Enhydra lutris) – die größte Otterart – kann bis zu 40 Kilogramm wiegen. Neben dem Küstenotter (Lontra felina) ist er der einzige Otter, der im Meer lebt. 

Einmal schütteln, direkt trocken

Otter haben einen langen, muskulösen Körper, ähnlich wie andere Marderarten. Das dunkelbraune Fell des Otters ist sehr dicht und wärmt ihn deswegen unglaublich gut. Anders als bei anderen Wassertieren, ist das Fell nicht fettig, um das Wasser von der Haut zu halten. Es ist so dicht, dass es dem Wasser nicht möglich ist, hindurch zu dringen. 80.000 Haare befinden sich auf nur einem Quadratzentimeter Otterhaut! So gelingt ihm auch ein weiterer, äußerst cooler Trick: Wenn er sich schüttelt, ist er so gut wie trocken! In den Fellzwischenräumen schließen sich beim Tauchen Luftbläschen mit ein, die als Bläschen-Spur an der Oberfläche zu erkennen sind und Euch verraten, wo der Otter gerade lang taucht. 

Schwupps, weg war er! Otter können geschwind vom Ufer in ein anliegendes Gewässer gleiten. 

Hinweise auf die kleinen Bademeister

Wenn Ihr einen Fischotter in freier Wildbahn erblicken wollt, müsst Ihr lange wach bleiben! Die Einzelgänger haben ihre aktiven Phasen in der Dämmerung und über die Nacht hinweg. In dieser Zeit jagen sie unerlässlich Nahrung und erkunden neue Gefilde. Ihre Territorien sind mehrere Kilometer lang. Hier kontrollieren sie regelmäßig die Ufer und Gewässer. Ein männlicher Otter kann dabei zwischen 10 und 25 Kilometer zurücklegen, die Fähe (weiblicher Otter) 3 bis 10 Kilometer. 

Wusstest du schon…? 
Die Bezeichnungen für die Ottergeschlechter sind die gleichen wie beim Wolf, Dachs oder Baummarder. Männliche Otter heißen Rüde und weibliche Fähe. 

Ihre Reviere markieren Fischotter am Ufer mit Kot oder Sekreten. Dazu suchen sie sich gerne erhöhte Stellen, wie Hügel oder Steine. Otterkot könnt Ihr an den kleinen Fischschuppen und Gräten erkennen, die sich darin befinden. Darüber hinaus riecht er stark nach Fisch. 

In dieser Portion Otterkot erkennt man gut die Schuppen und Gräten der zuletzt vertilgten Mahlzeit. 

Otter haben auch Finger

Ein anderer Weg, um zu wissen, wo sich Otter herumtreiben, sind ihre Fußspuren. Mit ihren 5 Fingern an jeder Pfote sind sie relativ gut zu erkennen. Im Vergleich zu einer Waschbär Pfote ist der Otterfuß etwas breiter. Bei Waschbären kann man außerdem regelrecht die langen Finger erkennen.

Nächtigen oder im Falle des Fischotters tägigen (hehe) tun die Fischotter am Ufer ihres Gewässers. Dort verstecken sie sich im Schilf oder unter Totholz. Außerdem nutzen sie gerne bereits vorhandene Höhlen oder graben sich selbst eine Unterkunft. Im besten Versteck werden die Jungen aufgezogen. Für ihren Lebensraum sind strukturreiche Ufer von großer Bedeutung. Unterschiedlicher Bewuchs, flache und steile Böschungen und kleine Inseln im Wasser finden sie außerordentlich gut. Je weiter der Mensch von diesen Lebensräumen fern bleibt, desto wohler fühlen sie sich. Grundsätzlich können sie aber auch in Gebieten leben, in denen sie auf Menschen stoßen, sofern diese ihnen kein Leid zutun oder sie verschrecken.

Familienplanung

Nachwuchs können Fischotter das ganze Jahr über bekommen. Geschlechtsreif werden sie jedoch erst mit 1 bis 2 Jahren und bekommen oft nur alle zwei Jahre Junge. Die Tragzeit der Otter beträgt 58-63 Tage und es werden 1-3 Tierbabys, auch Welpen genannt, geboren. Die Geburt fällt zumeist in die Zeit, in der die Otter ein reiches Nahrungsangebot erwartet. Gesäugt werden die kleinen Otter bis zu 4 Monate lang, die ersten Schwimmversuche starten jedoch bereits mit nur 8 Wochen. Ab ihrem ersten Lebensjahr werden sie selbstständiger und ziehen weiter, da ihre Mutter das Revier dann wieder für sich beansprucht. Der Vater ist während der gesamten Aufzuchtzeit nicht zugegen.

Dieser süße eurasische Fischotter lebt im Otter-Zentrum in Hankensbüttel. 

Speiseplan

Otter essen vornehmlich Fisch und davon nicht wenig! Zwischen 0,4 bis 1,2 Kilogramm Fisch Beute benötigen sie am Tag. Auf ihrem Speiseplan stehen außerdem Amphibien, Kleinsäuger oder Schalentiere wie Krebse. Nachdem die Otter Fressen zu sich genommen haben, haben sie auch mal Lust zu spielen. Den Besitzer eines Fischteiches freut das dann so gar nicht. Wenn Otter spielen, dann töten sie durch ihre Krallen und gezielte Bisse, Fische und essen sie dann nicht. Ähnlich wie beim Wolf, der in einen Blutrausch kommt, ist der Otter dann sozusagen im Spielrausch. 

Ein Fischotter verspeist ein Teil eines Fisches. Seine spitzen Zähne darf man nicht unterschätzen! 

Die Bevölkerung forderte die Ausrottung

Die einzige Gefahr für einen ausgewachsenen Otter liegt im Menschen und den Veränderungen, die er an seinem Lebensraum vornimmt. 
Früher kam der Fischotter fast flächendeckend in Deutschland vor. Er besiedelte sogar Häfen und Flüsse mit menschlichem Einfluss. Doch da der Otter dem Menschen den Fisch streitig machte, forderte die Bevölkerung schon früh die Ausrottung des Otters. Das Fell des Tieres war ein weiterer Grund, wieso die Jagd auf ihn lohnenswert war.

So wurden in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts jährlich etwa 10.000 Otter getötet. Die Jagd auf den kleinen Wasserfreund wurde auch durch Prämien unterstützt, die auf ihn ausgesetzt waren. Um diese zu erhalten, musste man die vier Pfoten oder den Kopf des erlegten Tieres beim Amt einreichen. Die Otterpopulation ging durch diese Vorgänge in Europa stark zurück, bis die Tiere in weiten Teilen ausgerottet waren.

Otter stehen unter Schutz

Seit 1968 darf der Otter deswegen hierzulande nicht mehr bejagt werden. Auch die anderen europäischen Länder stellten die Jagd ein, um ihn zu schützen. Die FFH-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat) stellen ihn im Anhang zwei unter Schutz, sodass dies für ganz Europa gilt. In Deutschland wird er zudem im Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützte Art aufgeführt. 

Trotz dieser Bemühungen gingen die Otterbestände lange Zeit weiter zurück. Flussbegradigungen und die Minimierung ihrer ursprünglichen Lebensräume machten ihnen stark zu schaffen.

Wusstest Du schon…?
Ein weiterer Grund für den Rückgang des Otterbestandes in Europa lag der Gewässerbelastung durch das Umweltgift PCB zugrunde. Dieses Gift kam in Kunststoffen, Lacken oder Dichtungsmaterial vor. Die Substanz gelangte in die Meere und wurde von den Fischen aufgenommen, welche die Otter fraßen. Das Gift verringert die Fortpflanzungserfolge der Fischotter drastisch. Das Umweltgift ist seit 2001 weltweit verboten.

Auf diesem schwimmenden Steg kann man eine Nutria Spur erkennen. Ganz ähnlich kann auch eine schwimmende Berme aussehen. Sie wird nicht nur von Fischottern, sondern auch Biebern oder Nutria genutzt.

Der Otter kommt zurück!

Durch langjährige Bemühungen kommen die Otter nun langsam aber stetig zurück nach Deutschland – ein Land, das lange Zeit als Auslöschungskorridor galt und die Populationen in Ost- und Westeuropa trennte. 

Doch das Zählen und Dokumentieren der einzelnen Otter ist wesentlich schwieriger als gedacht. Früher fand die Überwachung der Bestände vor allem durch die Jagdstrecken oder die Befragung von Experten statt. Diese Aufnahmen geben jedoch keine verlässlichen Aufschluss über die Population. Die Jagdstrecken hingen stets mit der Erfahrung, dem Ehrgeiz oder den damals ausgesprochenen Prämien zusammen und fallen heutzutage gänzlich weg.

Eine einwandfreie Bestimmung von Otter-Individuen ist zum Beispiel durch Kot-Proben und einer anschließenden DNA-Untersuchung möglich. Wenn man die Tiere fängt – ein sehr aufwändiges und für die Tiere stressiges Unterfangen – kann man sie auch an den individuellen Flecken unter der Kehle unterscheiden. Diese sind so individuell wie ein Fingerabdruck. 

Unter dem angeschrägten Hals des Otters könnt Ihr die weißen und bräunlichen Stellen erkennen, die sich bei jedem Tier unterscheiden.

Wie immer die größte Gefahr: der Straßenverkehr

Dennoch ist der Otter weiterhin Gefahren ausgesetzt, die reduziert werden könnten. Eine der größten Gefahren stellt der Straßenverkehr dar.
Wenn unter Brücken oder in Verrohrungen keine Randstreifen, sogenannte Bermen vorhanden sind, suchen sich die Tiere einen Weg um die Bauwerke herum. Das liegt vor allem daran, dass sie die Orte als ihr Revier beanspruchen wollen. Gleichzeitig bietet ein dunkles Rohr oder eine schnelle Strömung unter einer Brücke eine unabsehbare Gefahr für die Tiere, die sie umgehen wollen. Über Gewässer hinweg verlaufen jedoch oftmals Straßen, auf denen die Otter überfahren werden. Doch kann man das überhaupt vermeiden?

Ja! Unter Brücken können Bermen auch noch nachträglich angelegt werden. So gibt es zum Beispiel schwimmende Stege, die unter Brücken gebaut den Ottern einen neuen Weg bieten. Das ist eine wichtige Maßnahme, um Otter zu schützen.

Wusstest Du schon…?
Durch die starke Territorialität der Otter ist es nicht möglich, Otter gleichen Alters oder Geschlechts in Gehegen zu halten. Wenn Ihr im Tierpark schon einmal eine Otter-Crew gesehen habt, waren dies nicht unsere Eurasischen Otter, sondern z.B. die Asiatischen. Hierzulande werden sie oft einzeln gehalten oder ein Männchen und ein Weibchen werden zusammengehalten. Das Territorium eines Rüden kann sich nämlich mit drei Territorien von Fähen überschneiden. 

Also mögen jetzt endlich alle Otter?

Nein, so einfach ist es immer noch nicht. Obwohl der Otter eigentlich streng geschützt ist, fordern Fischwirte in Bayern seit Jahren seinen Abschuss, da sie ihre Existenz durch den Otter bedroht sehen und starke finanzielle Verluste hinnehmen müssen. Trotz Entschädigungszahlungen, die bis zu 100 % der Verluste abdecken können, erlaubte die bayerische Staatsregierung erst in diesem Jahr erneut den Abschuss sogenannter „Problemotter“. Die Regelung sieht vor, dass Teichwirte Otter mit einer Genehmigung erschießen oder anderweitig stark vergrämen dürfen. Im Voraus müssen sie jedoch den Schaden nachweisen, den der Problemotter ihnen bereitet hat. Außerdem müssen sie begründen, wieso andere Maßnahmen, wie z.B. das Bauen eines Zauns nicht möglich oder zu aufwendig sind. Die Teichwirte sehen diese Verordnung als einzige Option, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden.  

Wie seht Ihr dieses neue Gesetz und die Probleme, die mit dem Fischotter in Deutschland einhergehen? Lasst uns Eure Meinung gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/fischotter/lebensraum-und-lebensweise

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/fischotter/verbreitung

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/fischotter/steckbrief

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/fischotter/feinde

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/download/25876#:~:text=Hauptverbreitungsgebiet%20sind%20Elbe%2D%20und%20Aller%2DEinzugsgebiete%20mit%20ihren%20Nebenfl%C3%BCssen.&text=Vorkommen%20mittlerweile%20n%C3%B6rdlich%20im%20Landkreis,Northeim%20N%C3%A4he%20Salzderhelden%20und%20Hardegsen.

https://aktion-fischotterschutz.de/projekte/laufende-projekte/tierforschung/isos/ottervorkommen

https://www.wildtiermanagement.com/wildtiere/haarwild/fischotter/verbreitung

https://schleswig-holstein.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/landraubsaeugetiere/arten-und-biologie/04450.html

https://www.duh.de/projekte/fischotterschutz-bundesweit/

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/wald-und-wild/wildtiermanagement/der-fischotter-ist-zurueck

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Unser Wild: Der Baummarder https://forsterklaert.de/baummarder https://forsterklaert.de/baummarder#comments Wed, 02 Oct 2024 10:01:57 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5302 Wenn es eine Kletter-Meisterschaft unter den Tieren gäbe, dann wäre der Baummarder wahrscheinlich unter den Besten dabei! Der Edelmarder –...

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Wenn es eine Kletter-Meisterschaft unter den Tieren gäbe, dann wäre der Baummarder wahrscheinlich unter den Besten dabei! Der Edelmarder – wie er auch genannt wird – kann Bäume perfekt erklimmen. Das liegt vielleicht auch daran, dass er stark an den Lebensraum Wald gebunden ist. Mehr zu diesem Baum-Akrobaten lernt Ihr in diesem Artikel! 

Die Erkennungsmerkmale

Der Baummarder (Martes martes) hat den Spitznamen Gelbkehlchen nicht ohne Grund. Sein Fell ist an Kehle und Brust gelblich gefärbt. Der Rest des Körpers ist kastanienbraun und um die Nase hat der Baummarder dunkles Fell. Er wiegt zwischen 850 und 1900 Gramm und wird bis zu 52 Zentimeter lang (von Kopf bis Rumpf). Der Schwanz des Marders ist mit 20 bis 30 Zentimetern noch einmal halb so lang wie das Tier selbst. Er dient dem Tier beim Klettern, um das Gleichgewicht zu halten.  

Grundsätzlich ist der Baummarder an den Lebensraum Wald gebunden. Dabei ist es ihm egal, ob dieser Nadelbäume, Laubbäume oder beides enthält. Am liebsten lebt der Baummarder in Wäldern, die strukturreich sind. Das bedeutet, dass man Bäume in unterschiedlichen Stadien vorfinden kann. In dichten Jungbeständen kann sich der Marder gut verstecken, während er in Höhlen von alten Bäumen einen schönen Schlafplatz finden kann. Er nutzt auch gerne alte Eichhörnchenkobel, Krähen- oder Greifvogelnester als Ruheort und ist sehr menschenscheu. Ab und zu weichen sie jedoch auch auf baumreiche Flächen aus, die nicht zu einem Wald gehören. 

Hier sieht man gut, warum man vom „Gelbkehlchen“ spricht.

 

Wusstest Du schon…? 
Der Steinmarder wird ähnlich groß und schwer wie der Baummarder. Unterscheiden kann man die beiden am besten an der Farbgebung. Steinmarder haben ein graubraunes Fell und um die Nase eine fleischfarbene Farbe. Darüber hinaus ist ihr Kehlfleck weiß. Man trifft diese im Offenland und Siedlungsbereichen an, da er im Gegensatz zum Baummarder ein Kulturfolger ist.

Dürfen Baummarder gejagt werden?

Der Baummarder fühlt sich nicht nur in weiten Teilen Europas sehr wohl, sondern kommt auch bis Westsibirien vor. Sogar mit den nassen britischen Inseln oder den Gebirgen im Kaukasus konnte er sich arrangieren. Seine Population ist somit weltweit stabil. Auch hierzulande hat sich die Population stabilisiert, obgleich er 2011 sogar noch stark gefährdet war. In Deutschland unterliegt das Tier dem Jagdrecht. Jagdzeit hat er in den meisten Bundesländern vom 16. Oktober bis zum 28. Februar. Wenn ein Tier Teil des Jagdrechts ist, kann das ebenso bedeutet, dass er nicht gejagt werden darf. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel hat der Baummarder seit 2002 ganzjährig Schonzeit und wird nicht bejagt. Das liegt daran, dass die Population hier niedriger ist. Seit 2015 wurde er aus dem Jagdgesetz entfernt und wird somit auch in Zukunft nicht bejagt werden. 
In Teilen Englands ist der Baummarder vom Aussterben bedroht, da der Lebensraum Wald hier stetig weniger wird. 

Er kann sich mit fast allem arrangieren, von nassen grünen Inseln bis hin zu Gebirgen.

Wusstest Du schon…?
Im Winter haben Baummarder sehr behaarte Fußzwischenräume. Dadurch bekommen sie keine kalten Füße und ihre Fußabdrücke sind nicht so deutlich erkennbar. Steinmarder hingegen weisen deutlichere Ballenabdrücke auf!

Was frisst ein Baummarder? 

Wählerisch sind Baummarder nicht. Sie essen alles, was sie finden, selbst wenn es andere Tiere sind. Es stehen neben Insekten oder Mäusen sogar größere Tiere wie Eichhörnchen oder Hasen auf ihrer Speisekarte. Doch Vögel erwischt der gewiefte Kletterer ebenfalls. Springt er von Baum zu Baum, kann er sogar Distanzen von bis zu vier Metern überwinden. Bei seinen Klettermanövern hilft ihm seine Fähigkeit, die Krallen halb einziehen zu können. Dadurch kommt er besonders schnell die Bäume hoch. Wenn er mit seinem äußerst guten Geruchssinn ein Vogelgelege aufstöbern kann, fallen auch diese ihm zum Opfer. 

Das Leckermäulchen greift aber durchaus ab und zu zu Früchten und Beeren. Nüsse sind ab dem Spätsommer auf der Speisekarte. Für den Winter legt sich der Baummarder gerne Vorräte an, um gut durch die karge Jahreszeit zu kommen. 

Auf Nahrungssuche gehen die Marder zumeist in der Dämmerung bis in die Nacht hinein. Auf seinen nächtlichen Streifzügen legt ein Baummarder zwischen fünf und sieben Kilometer zurück. Dennoch sind sie nicht nur nacht-, sondern auch tagaktiv.

Die Nahrungssuche gestaltet der Baummarder abwechslungsreich und sogar saisonal unterschiedlich.

Wusstest Du schon…?
Wenn sich ein Baummarder einem Feind gegenüber sieht, macht er einen Katzenbuckel und faucht. Mit wachsender Bedrohung fängt er auch an mit den Hinterläufen zu scharren und mit dem Schwanz zu schlagen.

Die Familienplanung 

Von Ende Juni bis Mitte August beginnt die Paarungszeit. In der Jägersprache wird diese Zeit bei Raubwild als Ranzzeit bezeichnet. Zum Raubwild gehören dabei die Raubtiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Dazu gehören zum Beispiel der Dachs, Fuchs, Wolf oder Luchs.

Baummarder nehmen die Paarung recht ernst. Sie dauert bei ihnen bis zu 50 Minuten. In  dieser Zeit verbeißt sich der männliche Marder im Nacken des Weiblichen. Die männlichen und weiblichen Individuen werden dabei wie bei anderen Raubtieren wie dem Wolf als Rüde und Fähe bezeichnet. 

Nach der Paarung tragen die Fähen zwischen 249 und 286 Tagen. Das liegt daran, dass nach der Befruchtung erst eine längere “Keimruhe” folgt. Das bedeutet, dass die Eizellen sich nicht direkt entwickeln, sondern vorerst im Anfangsstadium verweilen. Klingt erstmal verrückt, ermöglicht den Tieren aber, ihre Kinder zu einem günstigeren Zeitpunkt zur Welt zu bringen. 

Grundsätzlich ist ein Baummarder als Einzelgänger unterwegs. Nur wenn der Nachwuchs noch sehr jung ist, findet man mehrere zusammen.

Ist die Tragzeit abgeschlossen, werden durchschnittlich 3 Junge geboren. Die Jungtiere verbleiben zunächst bei ihrer Mutter. Im Herbst nach circa 8 Wochen verlassen sie das Nest und werden selbstständiger. Sie lösen sich von der Mutter und verlassen darauf auch ihr Territorium, um sich ihr eigenes zu suchen. Grundsätzlich sind Baummarder Einzelgänger. Dafür müssen sie manchmal auch weiter wandern, denn ein Baummarder Revier kann 350 bis 900 ha groß sein. Nach über einem Jahr (14 bis 15 Monate) werden die jungen Baummarder geschlechtsreif. 

Habt Ihr schon mal einen Baummarder sehen können? Teilt Eure Erlebnisse gerne in den Kommentaren mit uns!

Quellen:

https://www.jagdverband.de/zahlen-fakten/tiersteckbriefe/baummarder-martes-martes

https://nrw.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/jagdbare-arten/beutegreifer/05326.html

https://www.wald.rlp.de/wald/saeugetiere/baummarder

https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/wildkatze/europaeische-wildkatze/lebensraum/zielart-wildkatze/baummarder/

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Unsere Vögel: Der Turmfalke  https://forsterklaert.de/turmfalke https://forsterklaert.de/turmfalke#comments Sun, 08 Sep 2024 18:21:07 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5194 Der Turmfalke (Falco tinnunculus) besitzt viele Namen. Durch Bezeichnungen wie Mauer- oder Domfalke lässt sich seine Vorliebe für hohe Brutplätze...

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Der Turmfalke (Falco tinnunculus) besitzt viele Namen. Durch Bezeichnungen wie Mauer- oder Domfalke lässt sich seine Vorliebe für hohe Brutplätze mit der Nähe zum Menschen erahnen. Mehr über den Vogel, der bis zu 18 Jahre alt wird, könnt Ihr in diesem Artikel erfahren! 

Wie kann man einen Turmfalken erkennen?

Turmfalken sind 31-37 cm groß. Die Weibchen sind meist etwas größer als die Männchen und besitzen eine unauffällige braune Farbe. Ihr Rücken ist braunrot und geschmückt mit einer dunklen Punkte Musterung, die auch auf dem Bauch wiederzufinden ist. Ihre Schwanz- und Flügelspitzen sind schwarz. Die Männchen sind dagegen rostbraun gefärbt und mit einem schwarzen Rautenmuster gekleidet. Charakteristisch für die Unterscheidung sind darüber hinaus der gräuliche Kopf und Schwanz. Die Schwanzspitzen sind mit einem schwarzen Querbalken geschmückt. 

Von weitem kann man die Turmfalken durch ihren schnellen Ruf erkennen, der wie ein “Ki-Ki-Ki” klingt. Den Gesang könnt Ihr auf dieser Website nochmal hören! 

Der graue Kopf des männlichen Turmfalken. Sein Rücken mit der rostbraunen Farbe und dem schwarzen Rautenmuster ist ebenfalls zu erkennen.

Wusstest Du schon…?
Wenn man den Gesang eines Vogels noch nie gehört hat, ist es äußerst schwierig sich unter einer Schreibweise wie “Ki-Ki-Ki” oder „Ki-Wick“ etwas vorzustellen. Doch natürlich schafft das Internet dabei Abhilfe! Ihr könnt Euch auf einigen Internetseiten durch die Gesänge von Vogelarten scrollen oder sie auf YouTube suchen. 

Der Turmfalke beißt seine Beute

Der Turmfalke bevorzugt Kleinnager wie Mäuse als Beute. Dazu steht er oft hoch in der Luft und späht nach unten auf Felder und Wiesen. Während er wartet, fliegt er auf der Stelle und “rüttelt” hin und her, bevor er sich auf seine Beute stürzt. Darunter fallen neben den Kleinnagern Insekten oder Reptilien. In Stadtnähe versuchen sich die Turmfalken sogar immer wieder an kleineren Vögeln wie Spatzen. 

Um seine Beute zu fangen, benutzt der Turmfalke seinen Schnabel und den sogenannten Falkenzahn. Dies beschreibt die Schnabelausbuchtung des Vogels, mit der er seine Beute mit einem gezielten Biss in die Wirbelsäule tötet. Deswegen gehört er zu den “Bisstötern”. 

Wusstest Du schon…?
Turmfalken haben einen Röntgenblick! Naja, fast zumindest. Bei der Jagd hilft ihnen nämlich die Fähigkeit, dass sie ultraviolettes Licht wahrnehmen können. Dadurch erkennen sie den Kot und den Urin der Mäuse. 

Der Turmfalke hat eine Maus von der Wiese geschnappt und möchte sie nun auf einem erhöhten Zaunpfahl vertilgen.

Familienplanung

Ab dem zweiten Lebensjahr brüten die weiblichen Turmfalken und legen 3-6 Eier. Die Anzahl der Eier variiert je nach den Bedingungen des Jahres. Ist wenig Nahrung vorhanden, legen die Weibchen weniger Eier. Turmfalkeneier sind etwas über 4 cm groß und haben eine hell-bräunliche Farbe mit dunkelbraunen Sprenkeln.

Das Brüten übernehmen dabei nur die weiblichen Turmfalken und die männlichen Vögel kümmern sich ausschließlich um die Nahrungssuche. Die Brutzeit beginnt Mitte April und dauert circa 27-29 Tage. Nach dem Schlüpfen verbleiben die Jungen ungefähr 8 Wochen im Nest, bevor sie ausfliegen.

Die Jungvögel sehen zunächst alle aus wie ein weiblicher Turmfalke. Die charakteristischen Punkte auf dem Gefieder sind in diesem Stadium eher als diffuse Flecken angedeutet. 

Ein Turmfalke im Flug.

Endlich mal nicht gefährdet

Der Turmfalke zählt neben dem Mäusebussard zu den häufigsten Beutegreifer Vögeln in Mitteleuropa. Der Bestand ist nicht gefährdet und hält sich in Deutschland stabil mit einer Bestandszahl von 44.000 – 73.000 Brutpaaren. Er besiedelt fast alle Klimazonen Europas und kommt auch in Asien oder Afrika vor. Er bleibt seiner Heimat treu und verlässt auch im Winter zumeist nicht seine Gefilde. 

Als Kulturfolger hat der hübsche Vogel auch nichts gegen Menschen, sondern sucht sogar ihre Nähe. Obgleich er sich gerne in Höhlen und Nischen in Felsen niederlässt, besiedelt er auch Spalten alter Gemäuer, Kirchtürme oder andere Behausungen, die er bei den Menschen finden kann. Finden sie keine vorgefertigte Höhle, bedienen sie sich an alten Elster- und Krähennestern am Waldrand. 

Dieses kleine Loch in einem Gebäude eines Stromversorgers hat sich der Turmfalke zu seinem zu Hause gemacht. Obwohl er selbst gerade nicht hinaus schaut, verrät ihn doch der Kot am Eingangsbereich.

Kleiner Tipp für Fans vom Turmfalke

Obwohl die Zahl der Turmfalken stabil ist, sehen wir doch weniger bei uns in den Städten und Dörfern. Das liegt daran, dass wir ihnen durch das Renovieren von alten Gebäuden oftmals auch die Nistmöglichkeiten klauen. Um die Turmfalken bei der Suche nach einem zu Hause zu unterstützen, kann man Nistkästen für sie anbringen. 

Die Spezialkästen werden möglichst hoch an der Süd- oder Ostseite von hohen Gebäuden angebracht (Kirchen, Lagerhallen, etc.). Vor dem Einflugloch sollten dabei keine horizontalen Bretter angebracht sein, da dies Angreifern als Anflugsort dienen kann und die Turmfalken diese Nistkästen meiden.  

Dieser Turmfalke hat sich ein idyllisches Plätzchen gesucht.

Falken in der Mythologie 

Falken finden in vielen alten Geschichten und Sagen ihren Platz. 

Auch im alten Ägypten steht er für einen der höchsten Götter. Horus, der als Gott des Himmels verehrt wurde, zeigte sich mit einem Falkenkopf. Seine Augen repräsentieren Mond (links) und Sonne (rechts). Das typisch gefleckte Brustgefieder symbolisierte die Sterne. 

Bei den Germanen erschien die Gemahlin vom Göttervater Odin in Falkengestalt. Freya gilt ebenfalls als Himmelsgöttin, repräsentiert aber auch die Ehe, Liebe und Mutterschaft. 

Während der Falke in der keltischen Mythologie als Botschafter zwischen zwei Welten fungiert, gilt er bei slawischen Völkern als die Figur für Sonne und Licht.

Was haltet Ihr von diesen gefiederten Gottheiten? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/turmfalke/

https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/turmfalke

https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-haus/voegel-am-haus/turmfalke

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/2007-turmfalke/05642.html

https://www.plantura.garden/gartenvoegel/steckbrief/turmfalke 
https://www.nabu-rinteln.de/artenschutzprojekte/greifv%C3%B6gel/informationen-%C3%BCber-turmfalken/

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