Ausflugstipps Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/category/ausflugstipps Wissen aus dem Wald Mon, 23 Feb 2026 09:46:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Ausflugstipps Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/category/ausflugstipps 32 32 Bodendenkmäler – historische Geheimnisse des Waldes https://forsterklaert.de/bodendenkmaeler https://forsterklaert.de/bodendenkmaeler#respond Mon, 23 Feb 2026 09:45:56 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6467 Viele Funktionen des Waldes sind offensichtlich: er ist Holzlieferant, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und ein Ort für Erholung. Eine...

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Viele Funktionen des Waldes sind offensichtlich: er ist Holzlieferant, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und ein Ort für Erholung. Eine weitere wichtige, wenn auch weniger offensichtliche Funktion, ist der Erhalt und die Konservierung von historischen Strukturen. Insbesondere der Waldboden schützt teilweise schon seit Jahrtausenden das kulturelle Erbe unserer Vorfahren. Warum der Wald für Bodendenkmäler so wichtig ist, was man im Wald tief versteckt alles finden kann und warum auch hier der Klimawandel eine Bedrohung ist, wollen wir Euch in diesem Artikel erklären. 

Jan hat sich Bodendenkmäler von einem richtigen Experten erklären lassen, schaut mal rein!

Der Wald als Zeitzeuge

Als Bodendenkmäler bezeichnet man archäologische Stätten oder historische Strukturen im Boden. Diese sind häufig in Wäldern zu finden, unter deren Schutz sie über Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende hinweg, erhalten geblieben sind. Der Wald bewahrt also wie ein Archiv wichtiges Kulturerbe. Meist sind Bodendenkmäler überirdisch sichtbar – als künstlich angelegte Hügel, Gräben oder Steinformationen verschmelzen sie heute mit der Waldlandschaft. Doch wenn man genauer hinschaut, erzählen sie die Geschichte unserer Vorfahren, die Siedlungen erbauten, Grabstätten errichteten, Handelsrouten anlegten und in Schlachten kämpften.

Die Rolle des Waldes

Der Wald und die Umweltbedingungen, die er schafft, spielen eine elementare Rolle beim Erhalt von kulturellem Erbe im Boden. Der Wald schützt durch einen intakten Baumbestand vor Überprägung sowie Erosion durch Wind und Wasser. Die im Boden eingeschlossenen historischen Relikte sind weder Sauerstoff noch Sonnenlicht ausgesetzt und sind bei konstanter Temperatur über Jahrhunderte hinweg bestens konserviert. Im Offenland hingegen überbauen oder verändern wir Menschen viele historische Strukturen. Im Wald findet keine derart intensive Nutzung des Bodens statt, weshalb die Bodendenkmäler oft deutlich besser erhalten und dadurch wissenschaftlich wesentlich interessanter sind. 

Ein ganz normaler Hügel – oder doch nicht?

Es gibt eine ganze Reihe von historischen Strukturen, die heute als Denkmäler in Wäldern an vergangene Zeiten erinnern. Hier mal ein paar Beispiele aus vorindustriellen Zeiten:

Hügelgräber

Hügelgräber sind runde Aufschüttungen aus Steinen und Erde aus der Bronze- und Eisenzeit (ca. 2.200 bis 550 Jahre v. Chr.). Sie haben einen Durchmesser zwischen 5 und 40 m. Je größer der Hügel, desto mächtiger und angesehener war die Person, die dort begraben liegt. Hügelgräber enthalten oft wertvolle Grabbeigaben wie Schmuck und Waffen und wurden meist entlang von Fernhandelsrouten und Straßen angelegt. 

Wenn Ihr wissen wollt, ob Jan hier vor einem echten Hügelgrab steht, schaut ins Video oben!

Gräben und Steinformationen

Als unmissverständliche Grenzmarkierungen zwischen Siedlungsgebieten hat man früher Gräben angelegt. Die hat man auch zur Markierung von speziellen Nutzungsrechten, wie z.B. dem Jagdrecht, genutzt. Eine weitere Form der Grenzmarkierung sind Steine und Steinformationen, die man oft auch als Richtungsweiser verwendet hat.

Hohlwege

Eine hohe kulturhistorische Bedeutung haben sogenannte Hohlwege. Durch die jahrhundertelange intensive Nutzung mit Vieh und Fahrzeugen sowie Erosion sind aus Verbindungen zwischen zwei Orten tiefe Fahrwege entstanden, die man dadurch heute noch gut erkennen kann. 

Aborglyphen

Die Denkmäler im Wald müssen aber nicht immer schon hunderte von Jahren alt sein. Auch aus dem 20. Jahrhundert finden wir Kulturrelikte in unseren Wäldern. Vor allem die Weltkriege habe Spuren im Wald und an den Bäumen hinterlassen: Sogenannte Arborglyphen sind in die Baumrinde geritzte Symbole und Zeichen, die oft im Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Diese Ritzungen finden wir häufig an Buchen, weil ihre Rinde so glatt ist und damit eine gute Leinwand bietet. 

Das Bild zeigt eine Arborglyphe, also ein Ritzung in die Rinde einer Buche, aus dem Zweiten Weltkrieg.

Granatsplitter und Geschosse

Bei der Ernte von alten Laubbäumen, oft Eichen, findet man immer wieder Granatsplitter oder Geschosse, die im Holz stecken. Diese Relikte aus den Weltkriegen führen zu einem erheblichen Wertverlust des Holzes. Laubholzsägewerke in entsprechenden Gebieten haben deswegen Metalldetektoren, damit ihre Sägen nicht durch das Metall im Holz kaputt gehen.

Schützengräben

Auch Gräben im Wald können aus dem modernen Zeitalter stammen. Besonders größere Gräben in räumlicher Nähe zu Städten sind meist Schützengräben aus dem Krieg.

Wusstest du schon…?
Der Limes ist wohl das bekannteste Beispiel für ein Bodendenkmal. Der Limes diente als militärische und wirtschaftliche Abgrenzung zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Völkern. Die antike Grenzlinie, die in Deutschland durch Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz verläuft, ist 550 km lang und damit das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wie gut der Wald historische Strukturen konserviert. Dort, wo der Limes im Wald verläuft, ist er noch deutlich besser erhalten als im Offenland.

Bodendenkmäler erkennen

Doch woher weiß ich denn nun, ob die Erhöhung im Wald einfach nur ein stinknormaler Hügel ist – oder tatsächlich ein Zeitzeuge aus der Vergangenheit sein könnte? Diese Frage ist nicht nur interessant, sondern auch relevant für Förster:innen und Waldarbeiter:innen, um die Bodendenkmäler bei ihrer Arbeit berücksichtigen und dadurch schützen zu können. 

Zur Erkennung von Bodendenkmälern kann man Kartenmaterial verwenden. Es gibt sogenannte Schummerungskarten, die die Erdoberfläche plastisch darstellen und somit Strukturen im Boden sichtbar werden lassen. Solche Karten sind in den meisten Bundesländern online öffentlich verfügbar. Eine Alternative dazu sind historische Karten aus Archiven. 

Solche digitalen Schummerungskarten kann ein:e Förster:in nutzen, um Strukturen im Boden zu erkennen.

Ein weiterer Indikator für historische Nutzung können sogenannte Kulturreliktarten sein. Das sind meist Pflanzen, die oft in der Nähe von alten Siedlungen vorkommen und dadurch Zeugen von menschlicher Aktivität sind. Ein Beispiel hierfür ist das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), eine aufrechte Staudenpflanze mit kleinen lila Blüten. Das Eisenkraut kommt als Kulturrelikt in der Nähe von Wegen und Siedlungen vor und genießt als Heilpflanze und kulturelles Symbol einen mystischen Ruf.

Wusstest du schon…?
Archäolog:innen und Expert:innen für Denkmalpflege identifizieren Bodendenkmäler durch Auswertungen von Luftbildern und Archivrecherchen sowie durch Geländebegänge. Seit noch nicht allzu langer Zeit gibt es außerdem eine technische Innovation, mit der man Denkmäler finden kann: Das sogenannte LiDAR, „Light Detection and Ranging“. Sehr detailliertes, luftbildgestütztes Laserscanning macht die Geländeoberfläche sichtbar, indem Vegetation und Bebauung herausgerechnet werden. Dadurch sieht man menschliche Eingriffe in den Boden sehr gut, auch wenn sie vor Ort kaum zu erkennen sind. Durch diese neue Methode kommen viele, bislang nicht entdeckte Bodendenkmäler zum Vorschein.

Die Geheimnisse des Waldes in Gefahr

Also – Metalldetektor, Bodendenkmalkarte, Schaufel und los geht’s zur Schatzsuche?

Auf keinen Fall! Jedes Bodendenkmal, das der Wald für uns bewahrt, ist ein empfindliches und wertvolles kulturelles Gut. Illegale Ausgrabungen und Grabraub führen zu unumkehrbarer Zerstörung und dem Verlust von einem Teil Geschichte. Auch die Verfüllung von Hohlwegen und Gräben zerstört Landschaftsmerkmale mit historischer Bedeutung. Meistens werden Bodendenkmäler allerdings nicht absichtlich beschädigt, sondern durch Unwissenheit. Dieses Unwissen kann beispielsweise bei der Holzernte durch große Maschinen zur Schädigung von eingelagerten Funden führen. Eine weitere Gefährdung ist wie so oft der Klimawandel. Dieser kann durch teils drastische Veränderungen der Umweltbedingungen beispielsweise zum Absterben von Bäumen mit Arborglyphen führen, die dann für immer verloren sind. 

Schützen kann man nur, was man kennt

Wie kann man also den Schutz von Denkmalsubstanz sicherstellen? Der Schutz von Bodendenkmälern ist im Bundeswaldgesetz sogar gesetzlich verankert: §11, Abs. 2 Nr. 1 BWaldG: „Bei der Bewirtschaftung soll die Funktion des Waldes als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte angemessen berücksichtigt werden.“ Genauere Vorgaben dazu geben die jeweiligen Landesdenkmalpflegegesetze. 

Aber: man kann nur schützen, was man kennt. Nur durch das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit von Förster:innen, Waldbesitzer:innen und Jäger:innen ist ein Schutz überhaupt möglich. Wenn man also im Wald historische Strukturen findet oder vermutet, kann man diese beim Landesamt für Denkmalpflege melden, sodass sie offiziell ausgewiesen und kartiert werden können. 

Auch historische Karten wie diese können Hinweise auf Bodendenkmäler im Wald geben.

Bodendenkmäler vor Eurer Haustür?

Bodendenkmäler machen Geschichte im Wald vor unserer Haustür greifbar und erlebbar und sind dadurch ein wertvolles und schützenswertes Kulturerbe. Wenn Ihr jetzt Lust auf noch mehr Forstgeschichte bekommen habt, müsst Ihr nicht lange suchen – schaut Euch doch mal diese Artikel von Forst erklärt an:

Hutewälder – Relikte einer vergangenen Zeit

Forstgeschichte – ein Blick in die Vergangenheit der Wälder 

Waldglas – wie in unseren Wäldern Glas hergestellt wurde 

Wisst Ihr von historischen Strukturen und Denkmälern im Wald vor Eurer Haustür? Berichtet uns gerne davon in den Kommentaren!

Quellen:

https://www.waldwissen.net/de/lernen-und-vermitteln/forstgeschichte/archaeologie-im-wald

https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/pdf/neu_Hessen_Bodendenkmaeler-unter-Wald_2018.pdf

https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/lwf-spezial-03_denkm__ler_im_wald.pdf

https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/projekte/pdf_2/Cott_Zeiler_Die_Waldbauern_in_NRW_Heft_4_2023.pdf

https://www.gesetze-im-internet.de/bwaldg/BJNR010370975.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Eisenkraut

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Lawinenschutzwald: Warum intakte Wälder Leben schützen https://forsterklaert.de/lawinen https://forsterklaert.de/lawinen#respond Sun, 25 Jan 2026 08:54:31 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6373 Auf den ersten Blick wirken verschneite Berggipfel ruhig und harmlos. Doch aus der weißen Pracht kann in Sekunden eine tödliche...

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Auf den ersten Blick wirken verschneite Berggipfel ruhig und harmlos. Doch aus der weißen Pracht kann in Sekunden eine tödliche Gefahr entstehen. Was im Winter idyllisch aussieht, kann im Gebirge schnell gefährlich werden. Schneemassen geraten ins Rutschen und Lawinen entstehen. Eine zentrale, aber oft unterschätzte Rolle spielt dabei der Lawinenschutzwald. Warum der Bergwald dabei eine wichtige Rolle spielt, erklären wir Euch in diesem Artikel.

Gebirgswälder sind mehr als Landschaft. Sie schützen Hänge und Täler vor Lawinen. 

Ursachen und Entstehung von Lawinen

Lawinen können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Durch Tiere, Skifahrer:innen, die sich außerhalb der Piste befinden, oder auch von selbst. Vor allem wenn sich große Schneemassen in sehr steilem Gelände sammeln, steigt die Gefahr, dass diese plötzlich abrutschen können. Lawinen entstehen vor allem an Hängen, welche steiler als 30° sind. Besonders wenn in kurzer Zeit viel Neuschnee fällt, steigt das Risiko für Lawinen. 

Jedes Jahr gehen weltweit etwa 25.000 Lawinen ab – meist ohne dabei jemandem oder etwas Schaden zuzufügen. 

Wusstest Du schon…?
Oft ist beim Wald von drei Funktionen die Rede: Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. In Gebirgsregionen, wie etwa in Österreich, wird jedoch genauer unterschieden, da der Wald dort besonders viele Aufgaben erfüllt. Neben der Nutzfunktion (z. B. Holzproduktion) und der Erholungsfunktion umfasst die sogenannte Wohlfahrtsfunktion unter anderem den Natur-, Klima- und Bodenschutz. Davon getrennt betrachtet man die Schutzfunktion des Waldes: Sie beschreibt den Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Erdrutschen. Gerade im Gebirge ist diese Schutzfunktion entscheidend, um Menschen, Siedlungen und Infrastruktur in den Tälern zu sichern. 

Die meisten Lawinen fügen niemandem Schaden zu. Der Lawinenschutzwald hilft dabei, dass das so bleibt.

Wie der Wald vor Lawinen schützt

Wälder können einen wirksamen Schutz vor Lawinen bieten, was eine der wichtigsten Funktionen des Gebirgswaldes ist. Dabei wirken sie auf zwei unterschiedliche Arten: vorbeugend und abschwächend. 

Besonders bedeutend ist die vorbeugende Schutzwirkung. Ein intakter Wald kann verhindern, dass sich Schneemassen überhaupt erst lösen und eine Lawine entsteht. Er stabilisiert die Schneedecke auf vielfältige Weise: Ein Teil des Schnees bleibt bereits in den Baumkronen hängen und erreicht den Boden gar nicht. Gleichzeitig sorgt der Wald für ein ausgeglicheneres Klima innerhalb des Bestandes. Im Vergleich zu offenen Flächen erwärmt sich der Schnee tagsüber weniger stark und kühlt nachts weniger aus. Dadurch entstehen seltener schwache Schichten im Schnee, die Lawinen begünstigen. Auch der Wind wird im Wald gebremst, sodass es zu weniger Schneeverfrachtungen kommt. Insgesamt wirkt der Wald damit stabilisierend auf die Schneedecke.

Die abschwächende Wirkung des Waldes ist dagegen nicht ganz so stark Lawinen, die weit oberhalb der Waldgrenze anbrechen, lassen sich meist nicht aufhalten. Besonders bei großen Schneemengen und hohen Geschwindigkeiten kann der Wald zerstört werden. Mitgerissene Bäume und Holz verstärken dann sogar die zerstörerische Kraft der Lawine. Zudem können niedrige, vollständig überschneite Bäume oder Arten mit biegsamen, buschartigem Wuchs,  wie etwa die Grünerle, die Lawinenbildung unter Umständen sogar begünstigen.

Hier liegt zum Glück bisher recht wenig Schnee, aber man sieht schon, was der Winterwald so aushalten muss.

Trotzdem kann der Wald eine bremsende Wirkung auf Lawinen haben. Wenn eine Lawine nur knapp oberhalb der Waldgrenze anbricht, kann sie je nach Beschaffenheit des Waldes auch vollständig vom Wald aufgehalten werden. Besonders in der Auslaufzone kann der Wald die Reichweite von Lawinen verringern. 

Doch wie muss ein Wald beschaffen sein, damit er seine Schutzfunktion bestmöglich erfüllen kann?

Schnee und Winter haben auch schöne Seiten.

Was einen guten Lawinenschutzwald ausmacht 

Damit ein Wald ideal vor Lawinen schützen kann, muss er gewisse Bedingungen erfüllen. Ein guter Lawinenschutzwald wird daher als Dauerwald bewirtschaftet, um seine Schutzfunktion langfristig zu sichern. 

Entscheidend ist, dass die Bäume die Schneedecke durchstoßen und so stabilisieren. Als Faustregel gilt: Die Bäume sollten mindestens doppelt so hoch wie die Schneedecke sein. Zusätzlich spielt eine Rolle, wie rau der Boden ist. Unebenheiten am Boden bremsen Schneebewegungen und senken so das Lawinenrisiko. Je nach Hangneigung und Schneehöhe wären dafür teilweise 500 bis 1.000 Stämme pro Hektar notwendig – eine Dichte, die in der Praxis jedoch nur selten erreicht wird.

Bei der Holzernte können Stöcke bewusst höher belassen werden, um die Bodenrauhigkeit zu erhöhen. 

Neben lebenden Bäumen tragen auch Totholz und höhere Stöcke dazu bei, die Bodenrauhigkeit zu erhöhen. Ebenso wichtig ist die Baumartenwahl: Winterkahle Arten wie die Lärche sind besonders widerstandsfähig und finden sich häufig an den Rändern von Lawinengängen. Für die vorbeugende Schutzwirkung sind jedoch vor allem immergrüne Baumarten mit höherer Schneerückhaltefähigkeit, wie etwa die Fichte, von großer Bedeutung. 

Neben der Baumartenwahl ist es ebenso wichtig, dass die Bäume eine gewisse Höhe haben, um effektiv vor Lawinen zu schützen. Eine Lawine kann erst aufgehalten werden, wenn die Bäume mindestens doppelt so hoch sind wie die Schneedecke.  

Wo Wald an Grenzen stößt, hilft Technik

Klimawandel, großflächige Borkenkäferkalamitäten und starker Wildverbiss setzen den Lawinenschutzwald zunehmend unter Druck. Ist der Wald geschädigt oder fehlt er ganz, kann er seine Schutzfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen. In solchen Fällen kommen zusätzliche technische Maßnahmen zum Einsatz, um Täler und Siedlungen vor Lawinen zu schützen.

In Österreich übernimmt diese Aufgabe unter anderem die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) als Teil des Forsttechnischen Dienstes. Neben der gezielten Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Schutzwäldern plant und realisiert die WLV auch technische Schutzmaßnahmen – insbesondere dort, wo kein Wald vorhanden ist oder ein zusätzlicher Schutz erforderlich ist. 

Stahlschneebrücken im Lesachtal verhindern das Anbrechen von Lawinen.

Das Spektrum dieser Maßnahmen ist breit: Es reicht von kleineren Eingriffen wie Seil- und Schneenetzen, die die Bodenrauhigkeit erhöhen und Schneebewegungen bremsen, bis hin zu großdimensionierten Bauwerken wie Stahlschneebrücken oder Lawinenauffangdämmen, die ganze Gemeinden in den Tälern schützen.

Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt der intakte Schutzwald jedoch die effektivste und kostengünstigste Lösung. Technische Bauwerke verursachen häufig ein Vielfaches der Kosten im Vergleich zur langfristigen Erhaltung und Pflege eines funktionsfähigen Lawinenschutzwaldes.

Wusstest Du schon…?
Ein intakter Schutzwald ist deutlich kostengünstiger als technische Lawinenschutzmaßnahmen. Als Faustregel gilt: Die Kosten verhalten sich etwa wie 1:10:100 – für Erhaltung des Waldes, Wiederherstellung des Waldes und technische Bauwerke.

Lawinenauffangdämme halten Schneemassen auf, wie hier in der Steiermark.

Schutzwald – auch bei uns ein Zukunftsthema  

Die Schutzfunktion des Waldes, etwa vor Lawinen, Steinschlag oder Erdrutschen, spielt im deutschen Forststudium bislang eine eher untergeordnete Rolle. Das ist angesichts der Topografie Deutschlands nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigen zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, dass der Wald auch hierzulande eine wichtige Schutzfunktion übernimmt. Diese wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. 

In alpinen Regionen ist das Wissen über den Lawinenschutzwald dagegen präsenter. Viele Wintersportler:innen begegnen ihm im Skiurlaub, oft ohne sich dessen Wirkung bewusst zu sein. Umso wichtiger ist es, die Schutzfunktion des Waldes sichtbar zu machen, nicht nur in den Bergen, sondern auch vor unserer eigenen Haustür. 

Habt Ihr schon einmal vom Lawinenschutzwald oder von der Schutzfunktion des Waldes gehört? Schreibt es gerne in die Kommentare!

Quellen:

Huber, A.; Hainzer, E.; Kofler, A.; Fischer, J.-T. (2015) Die Schutzwirkung des Waldes in der Lawinensimulation. Ländlicher Raum. 03/2015 https://www.bmluk.gv.at/dam/jcr:57e4ab87-3216-41fb-a11f-0fc38baa089e/09_Schutzwirkungen%20des%20Waldes.pdf

Margreth, S. (2004) Die Wirkung des Waldes bei Lawinen. Forum für Wissen 21-26 https://www.waldwissen.net/assets/wald/schutzfunktion/schnee/wsl_wald_lawinen/download/wsl_wald_lawinen_originalartikel.pdf.pdf

Neumann, M. (2025) Schutzwirkung von Wald gegen Lawinen. Lehrveranstaltung Spezieller Waldbau für Schutzwälder. 10.04.2025. Universität für Bodenkultur, Wien 

https://www.wsl.ch/de/news/ab-wann-baeume-vor-lawinen-schuetzen

https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/18219-rtkl-weisse-wucht-wie-entsteht-eine-lawine

https://www.naturgefahren.at/naturgefahrenmanagement/diewildbachundlawinenverbauung.html

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Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  https://forsterklaert.de/grueneband https://forsterklaert.de/grueneband#respond Sun, 14 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6238 Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die...

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Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die sogenannte Todeszone. In diesem für den Menschen gefährlichen Streifen Landschaft erblühte dadurch jedoch ein Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt. “Das Grüne Band” nennt man diesen besonderen Naturraum heute. Mehr über die Geschichte des Bandes und den Kampf, es zu erhalten, erfährst Du in diesem Artikel. 

Ein Abschnitt der Mauer steht hinter einer Wiese, hinter ihr ragen die Dächer einiger Häuser.
In der Nähe von Schöningen (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) finden sich immer noch alte Grenzanlagen.

Wusstest Du schon…?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen unterteilt. Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hatten sich so Deutschland untereinander aufgeteilt. In der sowjetischen Besatzungszone kam es immer mehr zu einer Flucht der Bewohner in die westlichen Zonen. Um diese sogenannte Landflucht zu verhindern, baute die Sowjetunion eine Mauer. Diese Grenze wurde durch Wachtürme, Schießanlagen und Hunde nahezu unüberwindbar und wurde deswegen auch “Todeszone” genannt. 

Entstehung des Grünen Bandes 

Die innerdeutsche Grenze teilte Ost- und Westdeutschland ab 1949. Den Höhepunkt dieser Teilung erlangte die Grenze mit dem Mauerbau 1961, die auf einem 1.400 Kilometer langen Streifen mit 50 bis 200 Metern Breite bis 1989 Bestand hatte. Durch die jahrzehntelange Ungestörtheit, die durch die “Todeszone” entstand, erlangten Tier- und Pflanzenarten ein Refugium. Dieser Rückzugsort beheimatet heute mehr als 5.000 unterschiedliche Arten, 1.200 davon sind selten oder gefährdet. Ungefähr zwei Drittel der 177 Quadratkilometer großen Fläche besteht aus gefährdeten Biotopen. 17 Naturräume und 9 Bundesländer sowie 146 Lebensraumtypen werden durch den Streifen Natur miteinander vernetzt und ermöglichen den Austausch von Tier- und Pflanzenarten. Also genau das, von dem jede:r Naturschützer:in nur träumen kann. Denn ein genetischer Austausch fördert die Gesundheit von Populationen und sorgt für eine kontinuierliche Ausbreitung von Arten. 

Infotafel im Biosphärenreservat Schaalsee
Nach der Grenzöffnung waren die lange Zeit unberührten Seen nahe Zarrentin plötzlich wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Um diese besondere Natur zu erhalten, ist sie im Biosphärenreservat Schaalsee geschützt. 

Langer Atem für den Naturschutz 

Damit dieser Verbund von Lebensräumen als erhaltenswerte Besonderheit geschützt werden darf, benötigten Naturschützer:innen einen langen Atem und einiges an Überredungskunst. 

Der Naturschützer Kai Frobel, der bereits 1975 begann, die Vogelwelt im Grenzstreifen zu untersuchen, organisierte nach dem Mauerfall das erste Treffen von Naturschützer:innen im wiedervereinigten Deutschland. Bei diesem Treffen wird der Gedanke des Grünen Bandes geboren. Bis zu seiner Umsetzung sollten jedoch viele Jahre vergehen.

Nach der Wende galt der grüne Streifen zeitweise als “rechtsfreier Raum”. In althergebrachten Ackerbauregionen sind die Flächen dadurch in kürzester Zeit wieder zu Ackerland umgewandelt worden. Auch das “Mauergrundstücksgesetz” bereitete den Naturschützer:innen Kopfschmerzen. Nach diesem Gesetz sollten die Grenzflächen den ehemaligen Besitzer:innen oder ihren Erb:innen für einen geringen Preis übergeben werden. Andere Flächen sollten auch ohne Besitzer:in aus dem Besitz des Bundes verkauft werden. Also wie gelang der Umbruch heraus aus diesen Ideen hin zum Schutz der grünen Oasen?

Zwei Kraniche stehen auf einem Feld und spreizen ihre Flügel
Zugvögel aus aller Welt nutzen die Natur um den Schaalsee, um auf ihrer langen Reise rast zu suchen. 

Übertragung der Flächen an den Naturschutz 

Die herausragende naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes ist zwischen 2001 und 2002 durch eine Bestandesaufnahme der Flora und Fauna belegt worden. Dies legte den Grundstein dafür, dass die Gebiete heute im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind. In den Koalitionsvereinbarungen von 2005, 2009, 2013 und 2018 schaffte es das Grüne Band neben anderen Naturflächen dann in eine Auswahl von Lebensräumen, welche die Regierung unentgeltlich an den Naturschutz abgeben wollte. Damit wollten sie eine Privatisierung von besonderen Flächen verhindern und eine Pflege mit naturschutzfachlichen Zielen fördern. Bis heute sind insgesamt 165.000 Hektar an Naturschutz-Akteure übergeben worden, womit sie zum “Nationalen Naturerbe” Deutschlands gehören. Circa die Hälfte des Grünen Bandes sind dadurch geschützt und 87 Prozent gelten als naturnah. 

Wusstest Du schon…?
“Nationale Naturmonumente” beschreiben seit 2010 eine neue Schutzgebietskategorie. In Thüringen wurde das Grüne Band dadurch 2018 im gesamten Bundesland unter Schutz gestellt. 2019 folgte Sachsen-Anhalt dem Beispiel. Der Slogan “Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ verbindet dabei ganz bewusst Erinnerungskultur und Naturschutz.

Blick von einem Boot am Ufer des Schaalsees über den See
Lange Zeit konnte man über den Schaalsee von Ost- nach Westdeutschland blicken und anders herum. Die Anwohner Techins, die noch rechtzeitig übersetzen konnten, mussten jahrelang auf ihre alte Heimat, ihr Zuhause blicken. Ein zurück gab es lange Zeit nicht.

Grünes Band Europa – gewagte Vision 

Der “Eiserne Vorhang” schlängelte sich jedoch nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Entlang der damaligen länderübergreifenden Grenze befindet sich nun ein zusammenhängendes Refugium für Tiere und Pflanzen. Auf einer Länge von circa 1.400 km verbindet es Vegetations- und Klimazonen miteinander und schafft so einen grünen Korridor des Austausches mit globaler Bedeutung.

Seit 2003 arbeiten verschiedene Organisationen in 24 Ländern in der Initiative Grünes Band Europa, um die wertvolle Natur entlang der alten Grenze zu erhalten und zu fördern. 

Es gibt vier Hauptregionen: Fennoskandinavien (klug für die geologisch-geografische Fläche von Norwegen, Schweden, Finnland und einem vorgelagerten Bereich Russlands), Ostsee, Zentraleuropa und den Balkan. Neben weiten Wäldern finden sich hier auch Moore, Seen, Flüsse oder Meeresküsten. Durch die vielfältigen Habitate bietet das Grüne Band Europa neben Großräubern wie Elchen, Braunbären oder Wölfen auch Kegelrobben oder Fischottern eine Heimat.

Es steht damit nicht nur für intakte Ökosysteme und herausragenden Naturschutz, sondern ist ein bemerkenswertes Beispiel für internationale Zusammenarbeit.

Braun weißes Schild, das eine Karte Europas zeigt, auf der die Mauer und Teilung eingezeichnet ist. darunter steht "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 19. November 1989 um 7:50 Uhr geteilt."
Der “Eiserne Vorhang” erstreckte sich weiter über Deutschland hinaus durch Europa. In Deutschland erinnern diese Schilder an den heutigen “Grenzübergängen” an die Vergangenheit. 

Wusstest Du schon…?
Neben den Naturschutzverbänden pflegt auch der Deutsche Staat selbst die grünen Oasen. Dazu beauftragt der Bund sowie auch einige der Naturschutzorganisationen den Bundesforst. Der Bundesforst betreut Flächen des Staates und achtet darauf, dass die wertvollen Lebensräume ihre Qualität behalten. Durch gezielte forstliche Eingriffe pflegen sie die Landschaft – nicht nur förster-typisch den Wald – und verbessern Biotope wenn möglich noch weiter. 

Hat der Artikel Euch neugierig gemacht und Ihr wüsstet gerne mehr dazu? Dann lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob Euch auch Ausflugsziele in diesen grünen Streifen interessieren. 

Bis dahin könnt Ihr schon mal mit dem Rad den 160 km langen Mauerradweg in Berlin erkunden!

Quellen:

https://www.bfn.de/gruenes-band

https://www.bund.net/themen/gruenes-band/gruenes-band-europa

https://www.bund.net/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band#c124962

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band/geschichte-gruenes-band

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Waldglas – Wie in unseren Wäldern Glas hergestellt wurde https://forsterklaert.de/waldglas https://forsterklaert.de/waldglas#respond Sun, 18 May 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5796 Egal ob Joghurtbehälter aus dem Kühlregal, Mehrwegflaschen, Auflaufformen oder das typische Trinkglas – unser Alltag ist durch Glasprodukte bereichert. Doch...

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Egal ob Joghurtbehälter aus dem Kühlregal, Mehrwegflaschen, Auflaufformen oder das typische Trinkglas – unser Alltag ist durch Glasprodukte bereichert. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der wir dieses fragile Gut heute benutzen, war nicht immer gegeben. Vor der Etablierung der Glasindustrie waren Trinkgläser, Glasflaschen und Fensterscheiben so teuer, dass nur Adel, reiche Bürgerfamilien, Klöster oder Könige sie genutzt haben. Und was noch viel weniger bekannt ist: In unseren Wäldern wurde grünliches Glas hergestellt, das sogenannte Waldglas! In diesem Artikel erfahrt Ihr mehr über diese besonderen Gläser und wieso niemand von ihnen weiß. 

Wie das Glas in unsere Wälder kam

Bereits in der Antike stellten die Menschen Glas her. Zu Zeiten der Römer mischten sie dafür Sand, Soda und Kalk. Diese Zutaten werden anschließend in einem Ofen bei hohen Temperaturen geschmolzen, bevor sie zu Gläsern oder anderen Gefäßen geformt werden. Die dem Handel zugewandten Römer bekamen das Soda aus Ägypten. Doch als die Handelsbeziehungen durch politische und versorgungstechnische Veränderungen ab dem 9. Jahrhundert schwieriger wurden, kam es zu einer Knappheit des Rohstoffes und somit auch des Glases. Die Glasherstellung musste auf heimische Rohstoffe umgestellt werden, damit der reichere Teil der Bevölkerung es weiterhin als Prestigeobjekt vorzeigen konnte. 

So bauten die Glasmacher im Wald Hütten mit Öfen, in denen sie das Glas herstellen. Damit saßen sie direkt an der Quelle für die Rohstoffe, die sie für die Herstellung benötigten.

Jedes Glas ist auf seine Weise individuell: Diese besonderen Waldglas-Gläser sind im Glasmuseum Wertheim erhalten.

Zutaten des Waldes – Die Mischung macht’s

Zwei Zutaten verwendeten die Glasmacher für das Waldglas: Sand und Holzasche. 

Quarz-Sand bildete die Grundlage des Herstellungsprozesses. Dieser gewaschene Sand stammte aus Sandinseln im Buntsandstein und aus Bächen der Umgebung. Im Buntsandstein, sowie in der Holzasche befindet sich Eisenoxid. Selbst bei kleinen Anteilen des Eisens färbten sich die Gläser grün. Neben dem Standort prägte somit auch die Farbe des Glases den Namen “Waldglas”. 

Die Holzasche war dafür zuständig, den Schmelzpunkt des Gemenges zu senken. Quarz schmilzt ohne ein sogenanntes Flussmittel (hier Holzasche) erst bei über 1.700°C. Damals war es mit einem hohen Aufwand verbunden, diese Temperaturen in den Öfen zu erreichen. Mit der Holzasche schmolz das Quarz zwar noch nicht bei Backofentemperatur, aber es reichten 1250°C. 

Waldglas geboren aus der Asche

Eine weitere Zutat war seit dem späten 17. Jahrhundert Kalk aus Muschelkalkgebieten. Dieser Rohstoff machte die Gläser haltbarer und beständiger gegen Korrosion, hemmte also die Zersetzung des Glases. Das bedeutete aber auch, dass die Waldglashütten der Einfachheit halber sowohl in der Nähe von Buntsandstein, als auch von Muschelkalk gebaut werden mussten.

Ebenfalls ab etwa dem 17. Jahrhundert wurde für farbloses Glas die sogenannte Pottasche eingesetzt. So nannte man die ausgelaugte Asche aus verbranntem Buchenholz. Sie wirkte wie zuvor die Holzasche ebenfalls als Flussmittel, um die Schmelztemperatur zu senken. So benötigten die Glasmacher aber nicht nur für ihre Brennöfen Holz, sondern auch für die Pottasche. Die meisten Waldglashütten siedelten sich direkt in Laubwäldern an. 

Wusstest Du schon…?
Auch das Glas, welches Pottasche enthält, wird noch als Waldglas bezeichnet. Die Pottasche selbst hat durch die besondere Verarbeitung einen hohen Mangananteil. Achtung, jetzt wird’s nerdy: Das farblose Glas entstand durch sogenannten Über- bzw. Entfärben. Manganoxid (welches in der Pottasche enthalten war) wurde als Glasmacherseife genutzt. Der Grünstich durch das Eisenoxid im Glas wurde so durch die Komplementärfarbe Rot des Manganoxid aufgehoben bzw. gemildert.  

Glasbläser Ralf Marlok in unserer heutigen Zeit im Glasmuseum Wertheim e.V.

Waldglashütten – Eine neuartige Betriebsform 

Noch heute kann man die Fundamente der Waldglashütten in einigen Wäldern wie zum Beispiel im Spessart finden. In ihnen befanden sich die Glasöfen, die aus Steinen der Umgebung gebaut wurden. Der Bau der Öfen im Inneren der Hütten bot den Vorteil, dass sie nicht nur die Glasmacher, sondern auch das Glas vor äußeren Einflüssen schützten. In den Hütten standen mehrere Öfen. Die heißesten dienten dazu, das Glas zu schmelzen, während weniger heiße Öfen das langsame Abkühlen ermöglichten. Dadurch entstanden keine Risse aufgrund innerer Spannungen.

Bei der Herstellung schmolzen die Glasmacher die Rohstoffmasse in hitzebeständigen Gefäßen aus Ton und Keramik, den sogenannten Häfen. Anschließend wickelten sie die heiße Masse um das Ende eines hohlen Metallstabs. Durch Hineinblasen blähte sich das Glas auf und ließ sich zu einem Gefäß formen. In einem aufwendigen Prozess, bei dem sie das Glas immer wieder erhitzten und formten, entstanden schließlich die Waldglasgefäße.

In den Wäldern des Sandstein-Spessarts ist dieses Fundament einer Waldglashütte 1979 ausgegraben worden. Der hölzerne Überbau ist bereits verfallen. 

Der Holzverbrauch geht durch die Decke 

Neben der Pottasche für die Gläser, benötigten die Glasmacher auch Holz für die Beheizung der Öfen. Um die geforderten Temperaturen zu erreichen, musste jedoch sehr viel Holz eingeschlagen werden. Für Pottasche- und Brennholzgewinnung benötigten die Glasmacher circa 2000 – 3000 Festmeter Holz pro Jahr. Das entspricht Schätzungen zufolge 20 – 30 Hektar Wald im Jahr und pro Glasmacherhütte. Wenn das Holz der Umgebung abgeholzt war, zogen die Glasmacher mit ihren Hütten weiter. Sie ließen ihre Hütten zurück und bauten an einer anderen Stelle im Wald eine neue. So entstand auch der Name “Wanderglashütten”. 

Die ehemaligen Hüttenstandorte boten der Bevölkerung durch die Abholzung oftmals den Platz, um neue Siedlungen aufzubauen. Durch die Waldglasmacherei konnten sich diese Waldstandorte nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückentwickeln. Blieb eine Fläche sich selbst überlassen, sorgte die Naturverjüngung für die Wiederbewaldung. Ab dem 18. Jahrhundert forsteten Menschen die Flächen gezielt mit Nadelhölzern auf. Im Grunde wurde den Waldglasmachern dadurch auch die Möglichkeit genommen, an die alten Standorte zurückzukehren. Denn obwohl Wald länger braucht, um nachzuwachsen, war die Waldglasherstellung bis in das 18. Jahrhundert relevant. Somit hätte eine Aufforstung mit Laubwald durchaus Sinn gemacht. Doch der Holzbedarf stieg nicht nur durch die Glaserzeugung, sondern auch durch das Bevölkerungswachstum und den Bedarf an Heizmittel. 

Laubwälder waren für die Waldglasherstellung von großer Bedeutung, um die aus Buche gewonnene Pottasche herstellen zu können. 

Das Ende des Waldglases 

Durch den steigenden Nutzungsdruck auf die Waldstandorte galt die Waldglasherstellung bereits damals als kritische Branche. Die zurückgelassenen, degenerierten Wälder führten in einigen Teilen Deutschlands sogar dazu, dass man die Waldglasherstellung aus den Waldregionen verbannte. Neben der Jagd und der Nutzung des Holzes für Heizzwecke, stand die Waldglasmacherei auch in Konkurrenz mit der Köhlerei. Darüber hinaus entwickelte sich in Frankreich eine Glasindustrie, gegen die die Waldglasmacher nicht ankommen konnten. Maschinen und die Herstellung des fragilen Gutes in Massen lösten die im kleinen Stil arbeitenden Waldglasmacher ab. 

Dadurch, dass Waldglas stets ein Gut der Reicheren war und nicht in Massen in der Bevölkerung vorkam, ist das Waldglas heute sehr selten geworden. 

Glasscheiben wurden ebenfalls in Waldglashütten hergestellt. Die hier abgebildeten Gläser aus dem Spessart nennt man Butzenscheiben.

Waldglas Ausflugsziele

Hat Euch jetzt das Interesse an Waldglas gepackt? Wenn Ihr mehr über das grüne Glas aus deutschen Wäldern erfahren möchtet, folgen jetzt noch einige Empfehlungen für Euch.

In Niedersachsen empfiehlt sich zum Beispiel das Historische Museum Hellental als Landmuseum zur regionalen Geschichte, Archäologie und Alltagskultur im Solling. Im alten Tal der Glasmacher könnt Ihr mehr über die Herstellung und die Standorte der Hütten in der Umgebung erfahren.

Für Baden-Württemberg oder Bayern empfiehlt sich der Spessart und der Besuch im Glasmuseum Wertheim e.V. Das Museum hat uns unter anderem auch einige Bilder in diesem Artikel zur Verfügung gestellt. Im Museum selbst kann man sogar einen Glasbläser in Aktion erleben! Hier könnt Ihr Glas aus allen Epochen und aus der Produktion von Wertheimer Firmen sehen. Im nahegelegenen Spessart wurden 160 Waldglashütten Standorte belegt und die Region ist noch heute mit der Glasherstellung verbunden.

Wusstest Du schon…?
Nur einen Katzensprung vom Museum in Wertheim entfernt, werden die bekannten Maggi-Flaschen hergestellt! Seit 122 Jahren werden sie in den Spessart-Glaswerken in Lohr, jetzt Gerresheimer Lohr GmbH, produziert.  

Besonderer Dank gilt dem Historischen Museum in Hellental sowie Herrn Joachim Lorenz und Prof. Dr. Zerbe für die Korrektur des Artikels!

Hattet Ihr vor unserem Artikel schon von diesem grünen Glas gehört? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Quellen:

Zerbe, S. (1999): Die Wald- und Forstgesellschaften des Spessarts mit Vorschlägen zu deren zukünftigen Entwicklung – Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Aschaffenburg – NF_19:3 – 354.

https://historisches-museum-hellental.de/glasforschung-im-umfeld-des-hellentals.html

https://www.waldglas.com

https://www.studysmarter.de/schule/geographie/landschaftsformen/mittelgebirge

https://www.zdf.de/swr/planet-schule/page-video-ard-die-bergleute-und-glasblaeser–der-schwarzwald-100.html

http://www.spessartit.de/glas.htm

https://www.antike-tischkultur.de/glasfreiblastechnikausgezogenerfuss.html

Der Beitrag Waldglas – Wie in unseren Wäldern Glas hergestellt wurde erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Hutewälder – Relikte einer vergangenen Zeit https://forsterklaert.de/hutewald https://forsterklaert.de/hutewald#respond Sun, 22 Dec 2024 07:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5473 Waldbewirtschaftung wie im Mittelalter?! Jan und Felix waren gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in einem alten Hutewald in...

Der Beitrag Hutewälder – Relikte einer vergangenen Zeit erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Waldbewirtschaftung wie im Mittelalter?! Jan und Felix waren gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in einem alten Hutewald in Nordhessen unterwegs. Die NW-FVA untersucht die noch existierenden Hutewälder und erforscht die darin lebenden Arten. Hutewälder gelten heute als regelrechte Hotspots der Artenvielfalt und sind ein Überbleibsel historischer Waldbewirtschaftung. Wie genau Ihr Euch Hutewälder vorstellen könnt und wo wir sie in Deutschland noch finden können, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Was sind Hutewälder?

Hutewälder sind eine jahrhundertealte Bewirtschaftungsart, die man sich als eine Mischung aus land- und forstwirtschaftlicher Nutzung vorstellen kann. Man bezeichnet sie deshalb auch als Waldweide. 

Bis vor etwa 150 Jahren war die Landwirtschaft noch nicht industrialisiert. Man lebte von dem, was verfügbar war. Und weil der Kunstdünger noch nicht erfunden war, brauchte man das spärliche Gras der Wiesen für den Winter. Die Wälder waren entsprechend die Sommerweiden des Viehs. Neben den Früchten der Bäume, die auf den Boden fielen, also zum Beispiel Eicheln oder Bucheckern, wurden dabei auch manche der jüngeren nachwachsenden Bäumchen gefressen, sodass weniger von der natürlichen Verjüngung des Waldes zu Bäumen heranwachsen konnte. Das bot den  Gräsern und Kräutern einen Vorteil. So entstand unter dem Dach der Baumkronen eine Weidefläche. Der Hutewald war geboren!

Auf diesem Gemälde von Theodor Rocholl sieht man die damalige Nutzung der Hutewälder als Waldweide. Hier mit der heute selten gewordenen Rinderrasse “Rotes Höhenvieh”.

Neben der Weide für das Vieh nutzten die Menschen diese Wälder gleichzeitig für Brennholz, Honig, Früchte oder Flechtmaterial. Besonders die Hainbuche war ein wichtiger Bestandteil der Hutewälder. Sie wurde geschneitelt, das heißt, die Äste der Bäume wurden im Abstand weniger Jahre bis zu einer Höhe von 2 bis 3 m abgeschnitten, um die Blätter im Winter ans Vieh zu verfüttern.

Wahrscheinlich nutzte man Wälder bereits vor 6000 Jahren als Weidefläche. Lange Zeit konnte das kombinierte System aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft die Menschen nachhaltig versorgen. Doch in der frühen Neuzeit kam das System Hutewald an seine Grenzen. 

Wieso verschwanden Hutewälder?

Ab dem späten 18. Jahrhundert wurde auf eine Trennung von Land- und Forstwirtschaft hingearbeitet. Die Entwicklung von Kunstdünger machte die Landwirtschaft produktiver und die Ablösung der Huterechte möglich. Waren die Bauern am Anfang noch dagegen, wurden Hutewälder schließlich auch zu unwirtschaftlich. Spätestens zum Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich eine andere Art der Waldbewirtschaftung durch. Dabei ging es immer mehr darum, möglichst viel Holz zu produzieren. Die meisten anderen Nutzungen, die sogenannten Nebennutzungen, fielen weg. Die Wälder sehen seitdem so aus, wie wir sie heute kennen. Hochwälder aus Laub- oder Nadelbäumen, deren Kronen dicht an dicht wachsen und kaum Licht auf den Boden lassen. Das Ganze hatte also nichts mehr mit einer landwirtschaftlichen Nutzung zu tun. 

Die alten Bäume der Hutewälder konnten verschiedenste Strukturen entwickeln und gelten heute als wichtige Habitate für unzählige Arten.

Das Glück einzelner Hutewälder war jedoch, dass die Menschen sie bereits damals als besonders schön und ästhetisch wahrgenommen haben. So wurde etwa der „Urwald Sababurg” in Nordhessen, auf Anregung des Malers Theodor Rocholl, frühzeitig unter Schutz gestellt. Damals nahmen viele Fachleute tatsächlich an, dass so der ursprüngliche Urwald aussah, und dass dieser Wald so bleiben würde, wenn man nichts mehr daran tun würde.
Dass dieser Wald sein Aussehen vor allem dem Menschen und der Beweidung über mehrere Jahrhunderte zu verdanken hatte, war kaum jemandem bewusst.

Welche Bedeutung haben Hutewälder heute noch?

Hutewälder sind also eine ganz besondere Landschaftsform und gelten heute als regelrechte Hotspots der Artenvielfalt. Die NWF-VA untersucht und erforscht die Bedeutung von Hutewäldern. Felix und Jan waren gemeinsam mit der NW-FVA in Nordhessen unterwegs und konnten hier im Forstamt Reinhardshagen die Relikte aus der Vergangenheit bestaunen. 

Wusstest Du schon…?
Schätzungsweise 5.500 Hektar Hutewaldflächen gibt es heute nach Auswertungen des Bundesamts für Naturschutz von 2004 noch in Deutschland. Das sind gerade mal 0,05 % unserer gesamten Waldfläche in Deutschland. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Wälder schützen und erhalten, denn viele Tier- und Pflanzenarten sind auf genau diesen Lebensraum angewiesen. 

Hutewälder beherbergen unzählige Arten, die speziell diesen Lebensraum brauchen. Zum einen wurden solche Waldbereiche wahrscheinlich über Jahrhunderte kontinuierlich beweidet. Das hat für die dort lebenden Arten stabile und gleichbleibende Bedingungen geschaffen. Auf der anderen Seite sind Hutewälder sehr dynamisch und vielfältig. Es gibt junge Bäume, Gebüsche, Lichtungen, alte Bäume, Bäume, die auch mal über lange Zeiträume absterben dürfen und Totholz bieten und das alles sehr nah beieinander. 

Vor allem die über Jahrhunderte konstante Bedingungen sind wertvoll für eine Vielzahl spezialisierter Arten.

Bäume, die von Weidetieren verbissen werden, nehmen teils besondere Formen an. Im Alter besitzen diese Bäume wegen ihrer krummen Form dann natürlich viele Höhlen oder totes Holz. Kommt da noch Licht und Wärme hinzu, haben wir eine Kombination, die wir in bewirtschafteten Wäldern heute nicht mehr so leicht finden, die vielen seltenen Arten aber wichtige Mikrohabitate bieten.

Besondere Arten im Hutewald kommen zum Beispiel aus den Gruppen der Holzkäfer, Schmetterlinge, Fledermäuse, Pilze oder Flechten. Um diese Arten erhalten zu können, ist es ganz wichtig, den Hutewald als Lebensraum und seine Kontinuität zu erhalten.  

Wusstest Du schon…?
Typische Bewohner des Hutewaldes sind zum Beispiel selten gewordene Arten wie der Hirschkäfer oder der Eremit, aber auch die Bechsteinfledermaus. Im gesamten Reinhardswald hat man ca. 900 holzzersetzende Käferarten gefunden!

Der Hirschkäfer ist ein Bewohner des Hutewaldes.

Wie können wir Hutewälder erhalten und schützen?

Die meisten Hutewaldflächen sind tatsächlich durch den Aufwuchs von jungen Bäumen gefährdet, denn dadurch dunkeln sie aus. Hutewälder sind aber vor allem von Licht durchströmte Wälder.

Im Gegensatz zu anderen Naturschutzansätzen, wo wir ja möglichst gar nicht mehr in die Natur eingreifen wollen (also beim sogenannten Prozessschutz) müssen Hutewälder aktiv  gepflegt werden, um sie zu erhalten. Das ist der ganz klare Unterschied. Bei Hutewäldern wird kein Ökosystem in seinen “natürlicher Zustand” renaturiert, sondern eine alte Bewirtschaftungsform erhalten.

Das bedeutet, die Wälder müssen möglichst offen gehalten werden und das schafft man beispielsweise durch eine Beweidung. Jan und Felix konnten sich auf den Kühbacher Wiesen selbst ein Bild von der Pflege eines Hutewaldes machen.

Wusstest Du schon…?
Der Begriff Renaturierung oder etwas renaturieren, bedeutet, dass man versucht, eine vom Menschen beeinflusste Landschaftsform oder einen Lebensraum wieder in seinen natürlichen Zustand zu bringen. Aktuell werden zum Beispiel viele Moore renaturiert. Diese wurden durch den Menschen oftmals trockengelegt und werden nun wiedervernässt. 

Rinder für die Artenvielfalt

Denise Lind ist Landwirtin und Gründerin von “Reinhards Waldrind”. Sie trägt mit der Beweidung mit Ihren Rindern zum Erhalt des Artenreichtums im Hutewald bei. Mehr zu Reinhards Waldrind könnt Ihr hier nachlesen.

Das Rote Höhenvieh gilt als ziemlich robust, toleriert also widrige Wetterverhältnisse und kommt mit wenig nährstoffreichem Futter aus. Früher war diese Rasse in den Heiden, Feuchtwiesen und Hutewäldern weit verbreitet, gilt heute jedoch als gefährdet und steht auf der Roten Liste der Nutztierrassen. Denise Lind trägt also nicht nur zum Schutz der historischen Wälder bei, sondern auch zum Erhalt dieser alten Rasse. Anfang der 1980er Jahre war das “Rote Höhenvieh” fast verschwunden. Aber dank engagierter Züchter:innen können wir es heute im Reinhardswald wieder bestaunen.

Neben der Offenhaltung der Flächen schubbern die Tiere sich an jungen Bäumen oder beißen ihnen mal Knospen ab. Das fördert die Entwicklung von Totholz, das wichtig für viele Insektenarten ist. Auch Höhlen entstehen, die zum Beispiel wichtig für Fledermäuse sind. Es hält die Flächen zudem halboffen. Halbschatten und einzelne Gebüsche sind interessant für Reptilien. Außerdem werden dominante Pflanzenarten zurückgedrängt, sodass eine vielfältige, blühende Krautschicht entstehen kann. Je mehr Pflanzenarten, desto mehr Insektenarten. Und zuletzt freuen sich viele Insekten natürlich auch über den Kot des Viehs. Insekten ziehen dann wiederum Vögel an und so weiter.

Die NW-FVA hat gemeinsam mit dem Forstamt Reinhardshagen zudem noch Maßnahmen zum Schutz der historischen Hutewälder der Region entwickelt. Zum Beispiel werden auf einigen Flächen junge Eichen gepflanzt. Sie dürfen alt werden und den lichten Eichenwald von morgen bilden und bieten so auch weiterhin Lebensraum für die dort lebenden Arten. 

Beim Besuch des Urwalds Sababurg kann man einen alten Hutewald bestaunen. 

Erforschung der Hutewälder

Die nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege der wenigen verbleibenden Hutewälder ist eine wichtige Komponente, um diese seltenen Lebensräume zu erhalten. Genauso wichtig ist aber auch, sie weiter zu erforschen. Das Hutewald-Forschungsprojekt der NW-FVA wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert und will vor allem ermitteln, wo es in Nordwestdeutschland überhaupt noch historische Hutewaldrelikte gibt. Das sind Wälder, deren Bäume meist vor über 100 Jahren noch Weidetiere gesehen haben. Daher sammeln die Forscher:innen der NW-FVA alles zu Hutewäldern, ihrer Geschichte und ihrer Bewirtschaftung und schreiben darüber Veröffentlichungen, die Akteure aus der Forst- und Naturschutzpraxis dazu animieren können, etwas für den Schutz der letzten alten Hutewälder und ihrer Arten zu tun. 

Die NW-FVA ist wahrscheinlich schon jetzt die Institution in Norddeutschland, wenn nicht in ganz Deutschland, die am meisten über historische Eichen-Hutewälder weiß. Sie möchte dieses Wissen erweitern und erhalten, um damit zukünftig auch beraten zu können. So könnten sie etwa die lokalen Forstämter dabei unterstützen, Hutewälder durch Beweidung wiederherzustellen und zu entwickeln.

Wir brauchen Hutewälder!

Hutewälder sind eine sehr selten gewordene alte Waldbewirtschaftungsart. Ähnlich wie zum Beispiel Heideflächen entstanden diese Lebensräume schon vor vielen Jahrhunderten durch menschlichen Einfluss. Genau deshalb ist es enorm wichtig, sie durch bestimmte Pflegemaßnahmen zu erhalten. Und das nicht nur, weil diese Wälder so schön und ästhetisch sind und man gerne in ihnen spazieren geht. Hutewälder sind richtige Hotspots der Artenvielfalt. 

Viele der hier lebenden Arten brauchen eben genau den Lebensraum Hutewald, um überleben zu können. Der Schutz und die Pflege dieser Wälder tragen also elementar zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Wir danken der NW-FVA dafür, dass wir so viel Spannendes und Neues zu diesem Thema erfahren durften!

Quellen:

Wolbeck, D., Gruber, J., Mölder, A., Schmidt, M. (2023): Die Hutewälder und Triften im Reinhardswald – Zustandserfassung und mögliche Perspektiven, Jahrbuch Naturschutz in Hessen (Hrsg.), Band 22, S. 33-39

Wolbeck, D., Mölder, M. & Schmidt, M. (2024): Perspektiven historischer Hutewälder in Nordwestdeutschland. Artenschutzreport 51. S. 63-67. (PDF)

Pott, R., Hüppe, J. (2008): Naturschutzfachliche Bedeutung und Biodiversität kulturhistorischer Wälder und Hudelandschaften in Nordwestdeutschland, Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde (Hrsg.), 70, ¾, S. 199-126

Pott, R., Hüppe, J. (1991): Die Hudelandschaften Nordwestdeutschlands, ABÖL (Hrsg.), Nr. 89, Münster, 313 

Glaser, F., Hauke, U. (2004): Historisch alte Waldstandorte und Hudewälder in Deutschland, Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), 193

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Naturfotografie: Die Schönheit der Welt durch den Sucher erleben https://forsterklaert.de/naturfotografie https://forsterklaert.de/naturfotografie#respond Tue, 17 Dec 2024 08:37:45 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5561 Die Naturfotografie ist eine ganz spezielle Art der Fotografie. Sie widmet sich allen Facetten  der Natur. Künstliche Hilfsmittel wie in...

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Die Naturfotografie ist eine ganz spezielle Art der Fotografie. Sie widmet sich allen Facetten  der Natur. Künstliche Hilfsmittel wie in einem Fotostudio gibt es hier nicht. Es geht darum, besondere Momente festzuhalten. Vom ruhigen, stillen Morgenlicht bis hin zu wilden Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum. Durch die Naturfotografie eröffnet sich uns eine ganz neue Perspektive auf unsere Umwelt.

Durch die Naturfotografie lässt sich vieles festhalten, auch den Wechsel der Jahreszeiten.

Klassiker der Naturfotografie: Landschaften und Tiere

Man kann die Naturfotografie in verschiedene Bereiche einteilen, die ihren ganz eigenen Reiz haben. Die Landschaftsfotografie ist wohl die bekannteste Form. Von majestätischen Bergen über stille Seen bis hin zu dichten Wäldern – hier geht es darum, die Größe und Schönheit der Natur festzuhalten. Oft arbeiten Landschaftsfotograf:innen während der Dämmerungszeit, wo das Licht am schönsten ist und die Atmosphäre am besten in das Bild transportiert werden kann. Das Ziel besteht darin, das Gefühl zu wecken, dass man selber unbedingt diesen Ort sehen will.

Die Tierfotografie zeigt uns eine Welt, die den meisten Augen verborgen bleibt. Egal ob wilde Löwen in der Savanne, scheue Rehe im Wald oder Vögel im Flug – Wilde Tiere vor die Kamera zu bekommen ist eine große Herausforderung und erfordert viel Geduld. Die Kunst besteht darin, in die Welt der Tiere einzutauchen, ohne sie in ihrem Verhalten zu stören. Ganz besonders beliebt sind Interaktionen zwischen Tieren, denn solche Situationen sind einmalig.

Naturfotografie im Kleinen

Die Makrofotografie konzentriert sich auf winzige Details, die wir mit bloßem Auge gar nicht sehen können. Hier dreht sich alles um Motive wie Blütenblätter, Insekten oder Wassertropfen. Bei der Makrofotografie könnt Ihr die kleinsten Wunder des Lebens entdecken. Für diese Form der Fotografie benötigt Ihr spezielle Objektive, mit denen man besonders nah an ein Objekt herankommen kann. Es erfordert eine ruhige Hand oder ein Stativ und einen Blick fürs Detail.

Brauche ich echt eine teure Kamera?

Gute Nachricht: Für den Einstieg brauchst du keine Profi-Ausrüstung! Natürlich kannst Du fünfstellige Summen für Kameras und Objektive ausgeben, die fantastische Ergebnisse liefern. Aber am Anfang kannst du dich auch mit dem ausstatten, was Du schon hast – sogar das Smartphone kann ausreichen, um tolle Naturaufnahmen zu machen.

Ein bekanntes Sprichwort unter Fotograf:innen lautet: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat: Und das Smartphone ist eigentlich nie weit entfernt. Die eingebauten Linsen werden immer besser und können erstaunlich gute Naturbilder aufnehmen. Alles funktioniert automatisch und selbst wenn man noch keine große Ahnung von der Technik hat, sind die Ergebnisse durchaus brauchbar. Durch die integrierte Zoom-Funktion kann man außerdem fast alles fotografieren. Besonders für den Anfang ist das Smartphone daher perfekt geeignet. Kleiner Tipp: Wechselt in den Pro-Modus. Hier könnt Ihr einige Einstellungen manuell vornehmen und Euch ein bisschen in Eurer Kreativität ausprobieren.

Also doch mehr als das Handy?

Für die, die mehr wollen, führt kein Weg an einer sogenannten Systemkamera vorbei. Das ist die digitale Weiterentwicklung einer Spiegelreflexkamera. Sie bieten die beste Bildqualität und können flexibel eingesetzt werden, da Objektive gewechselt und alle Einstellungen manuell vorgenommen werden können. Auch wenn bei diesem Kamerasystem das Potential deutlich größer ist als bei Smartphones, ist ein gewisses technisches Grundverständnis der wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten eine Voraussetzung für gute Ergebnisse.

In der Naturfotografie ist die Sonne meistens die einzige Lichtquelle. Und manchmal auch der Star.

Systemkameras benötigen ein passendes Objektiv. Hier könnt Ihr ganz nach Euren Vorlieben das richtige auswählen. Grundsätzlich unterscheidet man sie anhand ihrer Brennweite. Damit ist der umgangssprachliche “Zoom” gemeint. Für Landschaftsaufnahmen eignen sich vor allem weitwinklige Objektive mit wenig Brennweite. Damit bekommt Ihr besonders viel von der Landschaft in das Bild. Teleobjektive sind das exakte Gegenteil. Mit ihnen könnt Ihr weit entfernte Dinge nah ran holen. Tierfotografen benutzen sie meistens, um scheue Wildtiere nicht zu stören. Auch Makroobjektive befinden sich oft im Kamerarucksack eines Naturfotografen. Mit ihnen kommt Ihr besonders nah an kleine Insekten oder Blümchen heran.

Kleine Helfer der Naturfotografie

Neben Kamera und Objektiv können ein paar kleine Helfer das Fotografenleben deutlich erleichtern. Ein Stativ ist unverzichtbar für Langzeitbelichtungen, zum Beispiel bei einem Wasserfall. Und auch nachts, wenn Ihr die Sterne fotografieren wollt, geht nichts ohne ein Stativ. Polarisationsfilter helfen dabei, Reflexionen zu reduzieren und Farben kräftiger wirken zu lassen. Die Liste mit nützlichen Utensilien könnte man jetzt unendlich fortführen. Dazu zählen beispielsweise Ersatzakkus und Speicherkarten, ein guter Kamerarucksack, Fernauslöser, Mikrofasertuch, Wetterschutz für Kamera und Mensch. 

Durch eine längere Verschlusszeit wirkt das fließende Wasser verschwommen.

Die meisten dieser Gegenstände sind kein Muss, aber können das Fotografieren erleichtern und die Qualität der Aufnahmen verbessern. Die beste Ausrüstung bringt jedoch nichts, wenn man nicht damit umgehen kann. Das Wichtigste ist also, dass Ihr Euch mit der Kamera vertraut macht und alle Funktionen ausprobiert.

Wusstest Du schon…?
Einige super Beispiele für Naturfotografie findet Ihr im aktuellen Forst erklärt-Waldkalender! Mehr Infos findet Ihr hier. Ab jetzt bestellbar!

Habt Ihr noch mehr Fragen oder auch Tipps zur Naturfotografie? Wir wollen noch einen zweiten Teil zu diesem Artikel veröffentlichen. In dem verraten wir Euch Tricks, mit denen Eure Fotos direkt besser werden! Dafür haben wir schon ein paar gesammelt, aber vielleicht schafft Ihr es ja auch auf diese Bestenliste?

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Rettung im Wald – sicher Hilfe holen https://forsterklaert.de/hilfe https://forsterklaert.de/hilfe#respond Sun, 24 Nov 2024 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5406 Beim Absetzen des Notrufs ist es wichtig, sich an die 5 W-Fragen zu halten. Dazu gehört auch: Wo bin ich...

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Beim Absetzen des Notrufs ist es wichtig, sich an die 5 W-Fragen zu halten. Dazu gehört auch: Wo bin ich eigentlich? Aber was mache ich, wenn ich das gar nicht weiß? Wenn Ihr zum Beispiel gerade im Wald spazieren seid und nicht genau beschreiben könnt, wo Ihr gerade seid? Wir erklären Euch in diesem Artikel, was Ihr bei einer Gefahrensituation im Wald beachten solltet und wie Ihr im Notfall Hilfe holt und der Rettungszentrale Euren Standort mitteilen könnt.

Hilfe, ich bin in Gefahr!

In einer Fußgängerzone macht es vielleicht Sinn, sich mit diesem Satz bei anderen bemerkbar zu machen. Wenn Ihr im Wald unterwegs und vielleicht über einen toten Ast gestolpert seid, dann ist in den meisten Fällen leider erstmal niemand in Hörweite. In solch einem Fall macht es dann Sinn, den Notruf zu wählen. Doch wie teile ich ihnen mit, wo genau ich mich gerade befinde?

Das wichtige Stichwort sind dabei die sogenannten Rettungspunkte, wie im Titelbild. Diese gibt es im Wald immer wieder. Vielleicht sind sie Euch schon mal an einem Waldeingang an einer Straße aufgefallen. Auf diesen Rettungspunkten steht ein Code. Wenn Ihr diesen Code am Telefon bei der Notrufzentrale durchsagt, wissen diese also schon mal, dass Ihr Euch in der Nähe solch eines Rettungspunktes befindet.

Man hilft immer erst der verletzten Person, bevor man Hilfe holen geht, lernt Felix hier gerade ganz praktisch.

Wenn Ihr alleine unterwegs seid und irgendwo liegt, könnt Ihr natürlich nicht loslaufen und den Rettungspunkt suchen. Das funktioniert nur, wenn man mindestens zu zweit unterwegs ist. Seid Ihr also alleine im Wald unterwegs, macht es vielleicht Sinn, wenn Ihr an einem Rettungspunkt vorbei lauft, sich den Code für den Fall der Fälle zu merken oder abzufotografieren.

Wenn Ihr ganz auf Nummer Sicher gehen wollt, dann könnt Ihr Euch auch eine App (Links in den Quellen) herunterladen. In der App “Hilfe im Wald” sind alle Wege, die aus dem Wald hinaus führen, gespeichert. Die Karten aus der App könnt Ihr offline speichern. Falls Ihr das nicht getan habt, so könnt Ihr trotzdem den nächsten Rettungspunkt anpeilen, diese erscheinen auch offline in der App. Außerdem seht Ihr in der App Eure GPS-Koordinaten und könnt sie ebenfalls der Notrufzentrale durchgeben.

Wusstest Du schon…?
Rettungspunkte liegen fast immer am Waldrand an einer Straße oder Ortschaft. Wenn Ihr Euch also erinnern könnt, in welcher Richtung es zur Straße oder nächstem Dorf geht, so findet Ihr dort auch sicher den nächsten Rettungspunkt

Rettungskette – auch im Wald!

Wenn Ihr als Gruppe unterwegs seid, dann solltet Ihr natürlich genau so wie im urbanen Raum die Rettungskette einhalten. Sprich, zunächst wird die verletzte Person versorgt, während jemand anderes sich bereits auf die Suche nach dem Rettungspunkt macht und den Notruf absetzt. Diese Person kann sich dort auch aufstellen und den eintreffenden Rettungswagen zu der verletzten Person lotsen.

Wichtig beim Absetzen des Notrufs im Wald ist natürlich genau so wie anderswo, die 5 W-Fragen zu beantworten:

  1. Wo?
  2. Wer?
  3. Was?
  4. Wie?
  5. Warten auf Rückfragen

Solltet Ihr nur zu zweit sein, dann achtet darauf, dass Ihr die verletzte Person erst stabilisiert und dann Hilfe vom Rettungspunkt abholt. Dabei kann es hilfreich sein, dass Ihr Euch Markierungen auf dem Waldboden oder an einem Baum (Rinde abkratzen) macht, damit Ihr Euren Freund in Not auch wieder findet.

Durch solche Markierungen macht Ihr es Euch und anderen Helfer:innen möglichst leicht, die verletzte Person (wieder) zu finden.

Wenn die Rettungskräfte eintreffen, machen sie meist das Martinshorn an, damit Ihr wisst, dass sie da sind. Ihr solltet auf Euch aufmerksam machen, vielleicht mit einer Pfeife (diese findet man oft an Rucksäcken) oder durch lautes Rufen.

Wusstest Du schon…?
Wenn Ihr 3-Mal kurz, 3-Mal lang, 3-Mal kurz pfeift, dann bedeutet das SOS. Die Rettungskräfte werden Euch hören und zu Euch kommen. Und ggf. hören Euch zusätzlich auch Spaziergänger:innen.

Hilfe, wo bin ich?

Solltet Ihr Euch mal im Wald verlaufen haben, dann könnt Ihr auch die App “Hilfe im Wald” nutzen. Dort sind Wege im Wald abgespeichert und zum Glück auch die Wege, die Euch wieder hinaus führen.

Ansonsten hat fast jedes Handy mittlerweile einen Kompass, den könnt Ihr zunächst nutzen und erstmal in die Himmelsrichtung laufen, wo die nächste Straße oder der nächste Ort ist. 

Die App “Hilfe im Wald” kann Euch auch ohne Netz aus schwierigen Situationen heraus lotsen.

Falls Ihr Euer Handy aber nicht dabei haben solltet, dann macht es Sinn, einfach einem Waldweg zu folgen, irgendwann sollte auch dieser wieder aus dem Wald hinaus führen.

Wenn Ihr ab und an ruhig seid, dann könnt Ihr wahrscheinlich auch Straßengeräusche hören und Euch dann in diese Richtung weiter bewegen.

Hilfe, ich habe kein Netz?!

Das klingt ja alles gut und schön, aber was mache ich, wenn ich mal wieder kein Netz im Wald habe?

Das ist kein Problem. Wenn Ihr einen Notruf absetzt, geht dieser nicht nur über Euren Netzbetreiber raus. Bei einem Notruf werden alle verfügbaren Handynetze providerunabhängig genutzt.
Auch die App “Hilfe im Wald“ hat die Rettungspunkte offline gespeichert und findet Eure GPS-Koordinaten ganz ohne Internet.

Im besten Fall passiert Euch natürlich nichts und Ihr habt einfach eine gute Zeit, wenn Ihr mal wieder im Wald unterwegs seid. Für den Fall der Fälle konnten wir Euch in diesem Artikel hoffentlich einige hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand geben, so dass Ihr im Notfall im Wald dementsprechend handeln könnt.

Quellen:

https://www.swr.de/swr1/rp/programm/kostenlose-app-hilfe-im-wald-fuer-wanderer-und-mountainbiker-100.html

“Hilfe im Wald” bei Google Play (Android): https://play.google.com/store/apps/details?id=de.intend.android.hilfeimwald&hl=de&pli=1 

“Hilfe im Wald” im App Store (Apple): https://apps.apple.com/de/app/hilfe-im-wald/id1144912537

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Erholungs-, Kur- und Heilwald – Wald macht gesund https://forsterklaert.de/heilwald https://forsterklaert.de/heilwald#comments Sun, 20 Oct 2024 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5336 Im Wald spazieren gehen und durchatmen. Das tut richtig gut und wird mittlerweile sogar wissenschaftlich untersucht. Ein Aufenthalt im Wald...

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Im Wald spazieren gehen und durchatmen. Das tut richtig gut und wird mittlerweile sogar wissenschaftlich untersucht. Ein Aufenthalt im Wald fühlt sich nicht nur gut an, sondern fördert sogar Eure Gesundheit. Bereits 15 Minuten im Wald senken den Blutdruck und Eure Herzfrequenz – Ihr fühlt Euch entspannt! Da neben der Erholung auch die Gesundheit im Wald in den Fokus rückt, gibt es mittlerweile ausgewiesene Heil- und Kurwälder. Was genau das überhaupt bedeutet und wo Ihr einen Heilwald in Deutschland finden könnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Im Wald zu sein tut gut. Wissenschaftler:innen konnten dies mit Hilfe von Studien belegen.

Waldbaden für die Gesundheit?

Waldbaden. Von diesem Trend hört man mittlerweile öfter. Was für Förster:innen und Forstwirt:innen alltäglich ist, möchte auch die breite Bevölkerung in ihren Alltag integrieren. Dabei geht es nicht mehr nur darum, im Wald die Hunderunde zu drehen oder eine Runde Joggen oder Spazieren zu gehen. Beim Waldbaden tauchen die Menschen mit allen Sinnen in die Natur und den Wald ein.

Wusstest Du schon…?
Shinrin-Yoku ist Japanisch und bedeutet übersetzt Baden im Wald. In Japan hat man diesen Begriff bereits 1982 geprägt. Waldbaden gilt als gesundheitsfördernd und soll in den Alltag integriert werden.

Waldbaden hilft bspw. bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei Burnout. In Japan ist die Waldmedizin seit einigen Jahrzehnten ein anerkanntes Forschungsgebiet an Universitäten. Die Forscher:innen möchten genauer herausfinden, wie der Wald sich auf unseren Körper auswirkt. Bisher ist klar, ein Waldbad führt dazu, dass Puls, Blutdruck und Atmung sich verbessern. Also auch wenn Ihr fit und gesund seid: Bereits ein kurzer Besuch am Tag im Wald fördert Eure Gesundheit und kann Euch langfristig gesünder machen. 

Franzi und Ardelle sind hier im Heilwald in Klink unterwegs. Ardelle muss die Dehnungsübungen allerdings nochmal etwas trainieren.

Wusstest Du schon…?
Wälder erfüllen täglich unzählige Funktionen für uns. Sie reinigen die Luft, filtern unser Trinkwasser, im Sommer ist es im Wald deutlich kühler als in der Stadt. Man unterscheidet zwischen den Hauptfunktionen Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion. In Erholungs-, Heil- oder Kurwäldern steht vor allem die Erholungsnutzung im Vordergrund.

Wie wird ein Wald zum Gesundheitswald?

Ein Waldbad tut gut und macht gesund. Mittlerweile gibt es sogar extra ausgewiesene Erholungs-, Kur- , oder Heilwälder. Diese Wälder erfüllen in besonderem Maße unsere Ansprüche an Entspannung und Ruhe. Doch was macht so ein Wald zu einem Gesundheitswald und wo liegen die Unterschiede?

Das Land Mecklenburg-Vorpommern gilt als Vorreiter bezüglich der Ausweisung von Gesundheitswäldern. Das Landeswaldgesetz wurde 2011 so erneuert, dass die obere Forstbehörde neben Erholungswäldern auch Heil- und Kurwälder rechtskräftig ausweisen kann. Ein Heilwald muss dabei andere Kriterien erfüllen als ein Erholungswald. Dazu gehören beispielsweise spezielle Anforderungen an die Infrastruktur im und am Wald, denn kranke Menschen sind leider meist nicht so mobil wie gesunde.

Wusstest Du schon…?
Den ersten gesetzlichen Kur- und Heilwald gibt es in Mecklenburg-Vorpommern seit 2017 im Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom.

Was ist ein Erholungswald?

Bei einem Erholungswald liegt, wie der Name bereits verrät, die Erholung der Bevölkerung im Vordergrund. Das bedeutet, man pflegt und schützt den Wald so, dass die Erholungsfunktion im Vordergrund steht. Das kann zum Beispiel eine Einschränkung der Nutzung oder der Jagdausübung in diesem Wald bedeuten. Die Maßnahmen im Wald beziehen sich eher auf den Menschen. Zum Beispiel kann das Anlegen von Wander- oder Radwegen dazu gehören, genauso wie das Errichten von Infotafeln oder Sitzgelegenheiten. Oftmals findet Ihr diese Wälder in der Nähe von großen Städten bzw. Ballungsräumen, aber auch in der Nähe von Kureinrichtungen oder Erholungsorten. Meist sind die Erholungswälder mit Schildern gekennzeichnet, so dass Ihr sie als Erholungswald erkennen könnt.

In Erholungswäldern stehen die Ansprüche der Bevölkerung an den Wald im Vordergrund. Dazu gehören zum Beispiel gute Wander- oder Radwege.

Erholungswälder gibt es unter anderem im Stadtwald Paderborn, Augsburg oder in Wernigerode.  

Wusstest Du schon..?
In Deutschland haben wir 11 Mio. Hektar Wald. 1993 wurden laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten 215.210 Hektar als Erholungswald ausgewiesen. Heute dürfte es bereits deutlich mehr sein.

Was ist ein Kurwald?

Bei einem Kurwald geht es um die Sekundärprävention. Darunter versteht man Maßnahmen, die bei Erkrankungen im frühen Stadium ansetzen und so dabei helfen, dass die Krankheit gar nicht erst auftritt oder milder verläuft. 

Hier kann man verschiedene Maßnahmen durchführen, die zur Gesundheitsförderung und Prävention beitragen. Diese können von Achtsamkeitsübungen bis zu sportlichen Bewegungsaktivitäten reichen. Im Kurwald Krakow am See gibt es zum Beispiel Infotafeln mit Yoga-Übungen oder eine Balancier- und Kletteranlage und sogar eine Kneippsche Wassertretanlage. Kurwälder befinden sich, wie der Name verrät, meist in der Nähe von Kurorten. Durch die Ausweisung der Kurwälder in der Nähe von Kur- und Erholungsorten will man das natürliche vorhandene Potential des Waldes noch stärker für die Gesundheitsvorsorge und medizinische Prävention sichern. 

Kurwälder gibt es häufig auch direkt in der Nähe von Gewässern, wie zum Beispiel an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern.

Kurwälder werden befristet auf einen Zeitraum von fünf Jahren ausgewiesen. Dazu benötigt man ein forstliches und ein medizinisches Gutachten. Wenn der Wald weiterhin alle Kriterien erfüllt, kann die Verordnung nach einer Prüfung verlängert werden.
Die Kriterien, die ein Kurwald erfüllen muss, könnt Ihr hier nachlesen.

Kurwälder gibt es in Graal Müritz, Krakow am See oder Waren Müritz (Kurwald Ecktannen).

Was ist ein Heilwald?

Heilwälder sind definierte Waldgebiete, die man für eine therapeutische Nutzung und für spezielle Indikationen gestaltet und nutzt. Hier werden gesundheitsfördernde Maßnahmen durchgeführt, die das Voranschreiten einer Krankheit verhindern bzw. lindern oder verzögern. Dafür ist eine therapeutische und indikationsspezifische Infrastruktur nötig. Weiterhin bedarf es geschulte und qualifizierte Waldtherapheut:innen. Meist besteht eine Zusammenarbeit mit einer Kur- bzw. Reha-Klinik. 

Bei Heilwäldern geht es um die Tertiärprävention. Das bedeutet, die Krankheit ist bereits aufgetreten und nun will man Folge- und Begleiterscheinungen dieser Erkrankung möglichst abmildern sowie einer Verschlimmerung entgegenwirken. Wichtig ist auch, dass die Patient:innen eine größtmögliche Lebensqualität wieder bekommen. Im Heilwald Bad Lippspringe ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn (Fachbereich Sportmedizin) ein kognitiv-motorischer Bewegungspark geplant. Dort können die Patient:innen sowohl Kraft- als auch Koordinations- und Ausdauertraining absolvieren.

In Heilwäldern gibt es zum Beispiel Barfußpfade für die Patient:innen.

Die Ausweisung eines Heilwaldes soll vor allem im Umfeld von Fachkliniken und Gesundheitseinrichtungen sicherstellen, dass die Nutzung des Waldes für medizinisch-therapeutische Zwecke erfolgen kann. Die Anforderungen an diese Wälder sind höher als an Kurwälder. Der Bewegungsradius der Patient:innen ist meist geringer, sodass Heilwälder oftmals kleinere Waldflächen sind. Eine räumliche An- oder Eingliederung von Heilwäldern in oder an Kurwälder ist möglich. Beispielsweise gibt es das im Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom

Die Ausweisung eines Heilwaldes erfolgt ebenfalls befristet auf 5 Jahre und Forstbehörden und medizinische Sachverständige prüfen sie. Bei Erfüllung aller Voraussetzungen erfolgt eine Verlängerung der Ausweisung. Alle Kriterien, die ein Heilwald erfüllen muss, könnt Ihr hier nachlesen.

Heilwälder gibt es beispielsweise in Bad Lippspringe, Bad Nauheim, Plau am See oder Klink (an der Müritz).

Wir hoffen, Ihr konntet in diesem Artikel einiges Neues über Erholungs-, Heil- und Kurwälder lernen. Habt Ihr bereits solch einen Wald besucht? Welche Erfahrungen konntet Ihr dort machen?

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Erholungswald

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/natur-erleben/natur-tipps/27790.html

https://www.pefc.de/waldbesitzende/erholungs-kur-und-heilwald

https://www.kur-und-heilwaelder.de/Heilwald-oder-Kurwald/Was-ist-ein-Kurwald

https://www.heilwald-plau.de/Ueber-den-Heilwald

https://www.kur-und-heilwaelder.de/Heilwald-oder-Kurwald

https://www.tk.de/techniker/magazin/wald-gut-fuer-gesundheit-2067166

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5580555

https://www.wald-mv.de/walderlebnis/gesundheit-und-erholung/heilwaelder

https://www.komp-wald-natur.de/gesundheitsfoerderung/kur-und-heilwaelder

https://www.kur-und-heilwaelder.de/Qualitaet-und-Kriterien/Kriterien-fuer-einen-Heilwald

https://www.vdek.com/presse/glossar_gesundheitswesen/sekundaerpraevention.html

https://www.vdek.com/presse/glossar_gesundheitswesen/tertiaerpraevention.html

https://www.kur-und-heilwaelder.de/Qualitaet-und-Kriterien/Kriterien-fuer-einen-Kurwald

https://www.krakow-am-see.de/de/urlaubsthemen/krakower-aktivwelt/kurwald/Kurwald.php

https://heilwald-badlippspringe.de/veranstaltungen-im-heilwald/

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Krummer Wald https://forsterklaert.de/krummerwald https://forsterklaert.de/krummerwald#respond Sun, 21 Jul 2024 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5123 Direkt hinter der Grenze zu Polen, man muss wirklich nur schnell über die Oder fahren, befindet sich ein kurioser Kiefernwald....

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Direkt hinter der Grenze zu Polen, man muss wirklich nur schnell über die Oder fahren, befindet sich ein kurioser Kiefernwald. Bekannt als Krummer Wald ist er ein Phänomen, über den man sich seit Generationen den Kopf zerbricht. Was hat es mit dem Wald auf sich? Warum wachsen die Bäume, naja, krumm? Wer hat damit angefangen? Oder ist es ein natürliches Phänomen? Dieser Artikel nimmt Euch mit in einen etwas mythischen Wald und versucht, ein paar der Fragen zu beantworten.

Jan versucht, Euch die Wachstumsrichtung des Baumes zu zeigen.

Warum, warum ist die Kiefer krumm

In einem halben Hektar Wald ist ein Teil, darin wachsen ca. 100 Kiefern nicht mehr oder weniger gerade nach oben Richtung Sonne. Kurz über dem Boden knicken sie in eine Richtung ab, bilden eine Kurve und richten sich erst danach wieder senkrecht auf. Sie sind ganz offensichtlich krumm, daher auch der Name Krummer Wald. Stellt sich nur noch die Frage, warum.

Schaut man sich die Bäume etwas genauer an, stellt man schnell fest: sie wachsen zwar krumm, stehen aber in Reih und Glied. Das ist das erste klare Zeichen dafür, dass der Wald nicht auf natürliche Weise entstanden ist, sondern dass Menschenhand im Spiel war. Mittlerweile ist man sich dieser Tatsache recht sicher. Nicht ganz so klar ist dabei, warum man sich dafür entschieden hat. 

Studie über Krummer Wald

Der Wald ist mittlerweile als Naturdenkmal geschützt und wird als Touristenattraktion bewirtschaftet. Das heißt, heutzutage findet man schnell und einfach einige Informationen über den Krummen Wald. Leider ist das eher eine moderne Entwicklung und die genauen Ursprünge dieses Waldes sind in der Geschichte verloren gegangen. 
1971 hat ein Professor eine Studie über den Wald erstellt. Darin schätzt er den Ursprung des Waldes auf das Jahr 1934. Auf 1600 Quadratmetern wurden 400 Kiefern in 22 Reihen mit einem Abstand von 120 cm gepflanzt. Während diese Gleichförmigkeit belegt, dass man den Wald künstlich angelegt hat, erklärt diese Studie leider nicht das Warum.

Die Bäume sind alle krummer als krumm, aber stehen ordentlich in einer Reihe.

Es gibt viele verschiedene Theorien, die erklären wollen, warum man die krummen Kiefern gepflanzt hat. Oder viel eher, warum man Kiefern gepflanzt und sie dann gekrümmt hat. Auf den Infotafeln im Wald sind einige dieser Ideen aufgelistet. Sie rangieren dabei von völlig absurd zu plausibel. Wir fassen Euch ein paar der Ideen mal kurz zusammen.

Wusstest Du schon…?
Die Kiefer ist die zweithäufigste Baumart in Deutschland. Vor ihr landet bislang nur die Fichte. Das Verbreitungsgebiet der Kiefer ist aber noch viel größer. Es erstreckt sich von der Türkei bis hoch zum Polarkreis.

Ungewollte Konsequenz einer Weihnachtsbaumplantage

Weihnachtsbäume erfreuen sich schon lange großer Beliebtheit. Aber die sollen bitteschön alle gleich groß und schön gerade sein. Äste unten am Fuß braucht man schon gar nicht, denn die muss man zum Aufstellen eh abschneiden.

Das Genie hinter dieser Plantage hat sich also einfach gedacht, dass man den Baum auch ein Stückchen über dem Boden absägen kann. Dann sind die Weihnachtsbäume alle gleich groß und der Stumpf mit dem ungewollten Seitentrieb kann einfach stehen bleiben. Womit man nicht gerechnet hat, ist, dass die ganze Energie des Baumes jetzt in diesen Seitentrieb fließt. Ohne den Terminaltrieb – an dem jetzt in irgendeinem Wohnzimmer Kugeln hängen – kommt dem bisherigen Seitentrieb eine neue Rolle zu. Er wächst, wird dicker und streckt sich irgendwann nach oben. Schon ist die ungewöhnliche Form der Kiefer geboren.

Glaubt Ihr nicht ganz? Dann wartet mal ab, was die nächste Idee so liefert.

Begebt Euch in den Krzywy Las, einen mystischen Wald.

Krummer Wald ist zu mystisch

Dieser Wald ist nicht nur ungewöhnlich, er scheint gar nicht von dieser Welt. Wenn die erste Theorie nicht stimmt, welcher Mensch hätte Grund, so einen Wald anzupflanzen? Keiner. Also kein Mensch. Was bleibt da noch? Richtig, Aliens. Vielleicht war die Gegend das unerkannte Ziel von Außerirdischen und der Wald der Landeplatz für ein Ufo. Bei der Landung sind leider die Kiefern abgeknickt, das einzige Überbleibsel des außerplanetaren Besuchs.

Nein? Okay, dann liegt es aber an den elektromagnetischen Schwingungen, dass Krummer Wald entstanden ist. Die gleichmäßigen Schwingungen erklären auch die Symmetrie, in der die Kiefern abgeknickt sind. Oder waren es doch die Wasseradern, die unter dem Wald verlaufen?

Ungewöhnliches Bauholz

Eine Theorie ist, dass regionale Handwerksbetriebe den Wald angelegt haben, um für ihre Erzeugnisse ganz besonderes Bauholz zur Verfügung zu haben. Denn wächst der Baum schon krumm, muss man das Holz nicht hinterher mit aufwändigen Verfahren in eine Rundung bringen. So würden sie Gefährte bauen können, die garantiert einzigartig wären.

Karren, die man zum Beispiel für die Heuernte genutzt hat, waren damals oft tonnenförmig. Mit dem krummen Holz kriegt man die Tonnenform viel einfacher hin, das würde bestimmt viel Zeit und Geld sparen.

Oder man denkt in eine unterhaltsamere, weniger praktische Richtung. Damals gab es schon ein Hobby im Winter, das sich immer noch größter Beliebtheit erfreut: Schlitten fahren. Worauf das hinausläuft, ist klar. Die Kufen eines Schlitten sind gekrümmt. Krummer Wald würde das perfekte Holz für die Kufen liefern, sodass man Schlitten verkaufen könnte, die es so nirgendwo anders gibt – versprochen.

Auf vielen Infotafeln stehen die verschiedenen Theorien, wie der krumme Wald entstanden ist.

Vom Warum zum Wie

Obwohl man es nicht hundertprozentig beweisen kann, sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass die letzte Theorie am einleuchtendsten klingt. Dafür spricht noch, dass die Bäume alle auf ungefähr gleicher Höhe geknickt sind und die Krümmung bei allen nach Norden ausgerichtet ist. Am Knick findet man außerdem Verdickungen, die dafür sprechen, dass man die jungen Bäume an diesen Stellen geschnitten hat.

Vermutlich hat man sie also alle an der südlichen Seite angeritzt und dann Richtung Norden gebogen. Dabei hat man vielleicht alle anderen Triebe weggeschnitten, sodass nur der gebogene weiter wachsen konnte. Die Rundung nach oben hin ist allerdings vermutlich eine “normale” Entwicklung. Der Baum wächst natürlicherweise nach oben und zur Sonne, das heißt, die Kiefern haben sich selbst wieder begradigt.

Beachtet bei all dem aber, wie oft hier “vermutlich” und “vielleicht” steht. Ganz sicher ist man sich auch bei dem Wie noch nicht. Aber bald?

Testflächen im Krummen Wald

Krummer Wald ist mittlerweile an die 100 Jahre alt, so schätzt man. Dort erreichen die Kiefern erreichen langsam aber sicher ihr natürliches Ende. Schon jetzt ist die Fläche mit den krummen Kiefern deutlich kleiner geworden und es liegt viel Totholz herum. Und die Mysterien des Waldes konnte man noch nicht auflösen.

Deshalb will man zwei Testflächen in Krummer Wald anlegen. Auf der einen pflanzt man die Samen der bisherigen Kiefern ein und beobachtet, wie die “Kinder” wachsen werden. Falls es sich doch um ein natürliches Phänomen oder eine Genmutation handelt, werden auch die jungen Kiefern krumm wachsen.

Auf der anderen Fläche will man wiederholen, was man vermutlich bei der Schöpfung des Krummen Waldes gemacht hat. Die – hoffentlich – gleichen Methoden werden angewendet, um den gleichen Effekt zu erzielen. Auch hier ist das Ziel, am Ende eine Fläche voll krummer Kiefern zu haben.

Krummer Wald ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

Krummer Wald ist zu einer Attraktion geworden, die man natürlich erhalten will. Da ist fast egal, welche der beiden Testflächen erfolgreich sein wird, solange wir auch in Zukunft noch krumme Bäume angucken können. Dabei nutzt Krummer Wald die Gelegenheit und informiert die Besuchenden mit vielen Infotafeln auch über allgemeine Waldfakten, zum Beispiel über Totholz oder wie ein neuer Wald entsteht. Krummer Wald und Forst erklärt haben also sogar ein paar Gemeinsamkeiten!

Habt Ihr noch Fragen zum Krummen Wald oder wart selbst schon mal da? Schreibt gerne in die Kommentare!

Quellen:

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Der Nationalpark Kellerwald-Edersee https://forsterklaert.de/kellerwald https://forsterklaert.de/kellerwald#respond Sun, 16 Jun 2024 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4904 In diesem Artikel verschlägt es uns in die Mitte Deutschlands. In Nordhessen, 40 Kilometer südwestlich der Stadt Kassel, liegt der Nationalpark Kellerwald-Edersee. Hier gibt es allerhand zu entdecken. Neben verschiedensten Wanderwegen durch ein UNESCO- Weltnaturerbe, liegt unter der Oberfläche des Edersees die versunkene Stadt Atlantis. Klingt nach einem guten Fantasyfilm, oder? Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr, wenn Ihr weiter lest.

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In diesem Artikel verschlägt es uns in die Mitte Deutschlands. In Nordhessen, 40 Kilometer südwestlich der Stadt Kassel, liegt der Nationalpark Kellerwald-Edersee. Hier gibt es allerhand zu entdecken. Neben verschiedensten Wanderwegen durch ein UNESCO- Weltnaturerbe, liegt unter der Oberfläche des Edersees die versunkene Stadt Atlantis. Klingt nach einem guten Fantasyfilm, oder? Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr, wenn Ihr weiter lest.

In einem Nationalpark findet keine Bewirtschaftung statt. Daher gibt es mehr Totholz, das dir auf den Kopf fallen könnte.

Das ist der Nationalpark Kellerwald-Edersee

Der Kellerwald ist ein Mittelgebirge in der Mitte Deutschlands. Hier befinden sich verschiedene Naturschutzgebiete. Darunter auch der Naturpark Kellerwald-Edersee (Achtung: Genau lesen!). Und innerhalb dieses Naturparks befindet sich der gleichnamige Nationalpark mit einer Größe von knapp 77 Quadratkilometern Fläche. Der Nationalpark erstreckt sich über die Wälder und Berge rund um den Edersee. Dieser gehört aber nicht zur Fläche des Nationalparks.

Wusstest Du schon…?
Nationalparks genießen den höchsten Schutzstatus in Deutschland. Eine Übersicht über die verschiedenen Schutzgebiete könnt Ihr in unserem Artikel nachlesen.

Wie in jedem Nationalpark lautet hier das Motto: “Natur Natur sein lassen.” Das Ziel besteht darin, die Natur zu schützen und natürliche Prozesse ohne menschliche Eingriffe ablaufen zu lassen. Deshalb teilte man den Nationalpark in drei Zonen auf. Rund 85 Prozent besteht aus der Naturzone. Diese steht unter Prozessschutz, wo keine menschlichen Eingriffe stattfinden. Die Entwicklungszone hat einen Anteil von etwa 10 Prozent. Hier sollen naturferne Wälder, zum Beispiel Reinbestände aus Fichten, schrittweise in naturnahe Wälder überführt werden.

Ein ganz kleiner Anteil der Nationalparkfläche mit rund 5 Prozent wird aktiv bewirtschaftet. In dieser Managementzone befinden sich seltene, besonders schützenswerte Biotope, die ohne ein Management verschwinden würden. Dazu zählen beispielsweise Wiesen mit seltenen Pflanzen, die man mit Schafen beweidet.

Obwohl der Mensch im Nationalpark nicht eingreifen sollte, spielt hier die Jagd dennoch eine Rolle. Lediglich 40 Prozent des Nationalparks sind tatsächlich jagdfrei, was zu Konflikten mit Naturschutzverbänden führt. Die die beiden wesentlichen Gründe, die für eine Bejagung im Nationalpark sprechen, sind

  1. Man möchte künstlich eingeführte Wildarten, wie Muffelwild und Damwild, reduzieren, damit es zu keiner Konkurrenz mit den heimischen Arten kommt.
  2. Am Rande des Nationalparks findet ganz normal Land- und Forstwirtschaft statt. Durch eine hohe Wilddichte innerhalb des Parks können weit wandernde Wildtiere wie Rotwild vermehrt Wildschäden herbeiführen.
Der Schutz der Natur ist das oberste Gebot in einem Nationalpark.

Flora & Fauna im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Die charakteristische Waldgesellschaft des Kellerwaldes bildet der sogenannte Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-fagetum). Die Hainsimse hat nichts mit SMS zu tun, sondern ist eine Grasart, die typischerweise an diesem Ort vorkommt. Sie gibt diesem Lebensraum zusammen mit der Buche ihren Namen. Mehr zu diesem Thema könnt Ihr hier nachlesen. Försterinnen und Förster wissen bei diesem Namen direkt, dass es sich um einen Standort mit sauren Böden handelt. Rotbuchen prägen das Waldbild, wobei auch andere Baumarten, wie zum Beispiel die Eiche, eine Rolle spielen. Die vielen Berge und Gewässer des Kellerwaldes sorgen dafür, dass sich zudem viele unterschiedliche Waldbilder entwickelt haben. Dazu zählen beispielsweise Eichen-Trockenwälder, Edellaubholz-Blockwälder und seltene Pfingstnelken-Felsfluren. Diese Vielfältigkeit macht die Gegend so einzigartig und wertvoll.

Auf Traddelkopf und Arensberg

Der höchste Berg des Nationalparks ist der Traddelkopf mit 626 Meter Höhe. Hier befinden sich die ältesten Buchenwälder des Nationalparks. Auf dem nahe gelegenen Arensberg finden sich sogar noch etwa 10 Hektar echter Urwald. Der Nordhang ist extrem steil und konnte wegen seiner schwierigen Lage in den vergangenen Jahrhunderten nie bewirtschaftet werden. Auch für Besucherinnen und Besucher ist diese Ecke des Nationalparks nahezu unerreichbar.

Die Liste der Wildtiere des Nationalparks Kellerwald-Edersee ist lang. Zu den größten heimischen Säugetieren, die durch den Nationalpark streifen, zählen Rehwild, Rotwild und Schwarzwild. Während der NS-Zeit hat man zusätzlich Damwild und Muffelwild zu jagdlichen Zwecken ausgesetzt. Auch sie kann man heute noch im Nationalpark antreffen. Luchs und Wolf haben den Kellerwald noch nicht erreicht. Ohne große Beutegreifer, die an der Spitze der Nahrungskette stehen, ist ein richtiger Prozessschutz im Nationalpark nur schwer umzusetzen.

Wusstest Du schon…?
Waldgesellschaften dienen in der Wissenschaft zur Einteilung und Charakterisierung verschiedener Waldtypen mit ihren jeweils typischen Artenzusammensetzungen. Der Name einer Waldgesellschaft bildet sich immer aus einer krautigen Pflanze und einer Baumart.

Die Geschichte des Nationalparks Kellerwald-Edersee

Es war einmal vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten…. Nein Quatsch. Die Geschichte des Kellerwaldes beginnt am Ende der letzten Eiszeit. Etwa 12.000 v. Chr. wurde das Klima warm genug, damit erste kleine Wacholder und Weidenbüsche die einstige Tundra besiedeln konnten. Im Laufe der nächsten Jahrtausende entwickelten sich lichte Wälder mit Kiefern, Birken und Eichen. Erst ab etwa 7.000 v. Chr. wanderte die Rotbuche in Europa ein und verdrängte die anderen Arten. Bis heute würden die meisten Wälder in Deutschland von der Rotbuche dominiert werden, wenn wir es zuließen.

Menschen haben zu dieser Zeit noch nicht im Kellerwald gelebt. Bis zum Mittelalter war die Gegend des Kellerwaldes nahezu menschenleer. Eine dichtere Besiedlung begann erst etwa 700 n. Chr. Zu dieser Zeit wurde die Quernstkirche auf dem Berg Talgang errichtet. Bis zur Reformation im 16. Jahrhundert war sie die einzige Kirche der Umgebung und damit etwas ganz besonderes. Heute findet man leider nur noch letzte Überreste. Um diesem besonderen Ort zu gedenken, entschied sich die Stadt Frankenau im Jahr 2006 eine Kapelle an der gleichen Stelle der ehemaligen Kirche zu bauen.

Wusstest Du schon…?
Im 18. Jahrhundert fand ein siebenjähriger Krieg statt. Auf dem Berg Himmelreich fand ein Gefecht zwischen hessischen und französischen Truppen statt. Dabei wurde der Soldat Johann Justus Dehnert getötet. Auf dem selben Berg befindet sich sein Grab, das seine Nachfahren bis heute pflegen und von Besucher:innen besichtigen.

Der Mensch will alles gleichzeitig vom Kellerwald

Ab dem späten Mittelalter wurde der Wald des Kellerwaldes stark in Mitleidenschaft gezogen. Er diente gleichzeitig als Nahrungsquelle für Hausschweine, als Lieferant für Brenn- und Bauholz und die Eichenrinde wurde für die Gerberei verwendet. Diese übermäßige Nutzung führte zu großen Waldschäden. Ab 1800 begannen die Forstbehörden dann künstlich aufzuforsten, indem man neue Bäume pflanzte. Interessanterweise verzichtete man dabei größtenteils auf Nadelholz und griff stattdessen auf die natürlich vorkommende Rotbuche zurück.

Den Wildtierbestand hielten die Fürsten durch Fütterungen künstlich hoch. So konnten sie immer reichlich Beute bei der Jagd machen. Die Bauern hingegen erlitten durch den hohen Wildbestand große Schäden. Das führte unweigerlich zu Konflikten. Im 19. Jahrhundert waren Wilderei und Waldfrevel ein großes Problem. Daher entschieden sich die Behörden im Jahr 1894, ein Gebiet mit einer Fläche von 48 Quadratkilometern einzuzäunen.

Seit 1989 hat man nach und nach immer mehr Gebiete des Kellerwaldes als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Den Nationalpark eröffnete man im Jahr 2004.

Im Nationalpark Kellerwald gibt es viele sehr alte Bäume!

Ausflugsziele und Tourismus

Den Kellerwald kann man auf verschiedenste Arten entdecken. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf einem Pferd. Für die Wanderbegeisterten gibt es insgesamt 19 gut ausgeschilderte Rundwanderwege durch den Nationalpark. Die Routen könnt Ihr auch auf dem Smartphone abspeichern. Hier findet Ihr mehr dazu.

Das Nationalparkzentrum befindet sich in Vöhl-Herzhausen am Edersee. Hier gibt es eine Ausstellung, Gastronomie zur Stärkung und Ihr erhaltet alle wichtigen Informationen für die geplante Tour. Weitere Informationen zur Anreise und andere Freizeitmöglichkeiten findet Ihr auf deren Homepage. Ein Manko schon mal vorab: Hunde sind dort leider nicht erlaubt.

Der Edersee gehört zwar nicht zum Nationalpark. Trotzdem ist er sozusagen das Zentrum, denn er ist vom Nationalpark umringt. Auch hier gibt es zahlreiche Freizeitaktivitäten. Ihr findet Campingplätze, Bootshäfen, Angelmöglichkeiten und sogar eine Tauchschule. Die Liste der Möglichkeiten ist noch deutlich länger, aber am besten informiert Ihr Euch einfach hier vorbei. Und jetzt kann es auch schon losgehen. Erzählt uns gerne von Euren Erlebnissen, egal ob hier in den Kommentaren oder über Instagram.

Am Grund des Edersees befinden sich verlassene Dörfer. Bei niedrigem Wasserspiegel könnt ihr die Überreste erkennen.

Moment mal, eine Sache fehlt noch

Haben wir nicht noch etwas vergessen? Was war denn jetzt eigentlich mit Atlantis? Über diese kleine Besonderheit des Edersees wollen wir noch kurz berichten. Der Edersee ist eine Talsperre. Diese wurde im Jahr 1914 gebaut. Der Grund für den Bau bestand darin, die Wasserversorgung von der Weser und dem Mittellandkanal auch in den trockenen Sommermonaten sicherzustellen. Allerdings mussten für den Bau drei Dörfer “umziehen”. Die Bewohner:innen verließen ihre Häuser und errichteten ihr Dorf an einer anderen Stelle neu. Und bis heute kann man bei flachem Wasserstand des Edersees die Überreste dieser alten verlassenen Dörfer sehen und sogar durch sie hindurch wandern.

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