Pflanzen Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/category/pflanzen Wissen aus dem Wald Mon, 13 Apr 2026 10:16:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Pflanzen Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/category/pflanzen 32 32 Ohne Netz im Wald: Bestimmungsbücher https://forsterklaert.de/bestimmungsbuecher https://forsterklaert.de/bestimmungsbuecher#respond Sun, 19 Apr 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6577 Wir alle kennen das: Wir sind im Wald unterwegs und plötzlich ist das Netz weg. Schade nur, wenn gerade dort...

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Wir alle kennen das: Wir sind im Wald unterwegs und plötzlich ist das Netz weg. Schade nur, wenn gerade dort ein schönes Pflänzchen blüht und man gerne wüsste, was da am Wegesrand wächst. Schade auch, wenn man ohne Telefon in den Wald gehen möchte, aber dann keine smarte Bestimmungsapp nutzen kann. So oder so, für solche Fälle gibt es Bestimmungsbücher.

Welche Bestimmungsbücher nehme ich?

Es gibt eine riesige Auswahl an Bestimmungsbücher aus vielen verschiedenen Verlagen. Grundsätzlich gilt: Benutzt das, was Euch am meisten hilft. Während die meisten Bestimmungsbücher ähnliche Inhalte haben, unterscheidet sich ihr Aufbau und ihre Herangehensweise. Wenn man also bei dem einen blättert und trotzdem noch keinen Bärlauch vom Maiglöckchen unterscheiden kann, kann es gut sein, dass ein anderes Euch direkt auf die Sprünge hilft. Damit Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlasst, stellen wir Euch hier ein Beispiel vor.

 „Was blüht denn da?“ aus dem Kosmos-Verlag ist mittlerweile so etwas wie der Klassiker für die schnelle Bestimmung von blühenden Pflanzen. Dies ist keine Werbung oder Kooperation, sondern einfach eine Empfehlung von Waldbegeisterten für Waldbegeisterte. Denn in nur vier Schritten und ohne Fachwissen kommt Ihr sicher und einfach zur Art einer Pflanze und könnt weitere spannende Infos darüber herausfinden. Das Buch macht einem den Einstieg in die Bestimmung sehr leicht, zunächst geht es nur um Farben!

Und so geht’s:

 1. Habt Ihr die Pflanze, die Ihr gerne bestimmen möchtet, vor Euch, dann schaut als Erstes auf die Blüte. Sie ist das Hauptmerkmal für Eure Bestimmung. Welche Farbe hat sie? Vergleicht nun die Farbe Eurer Pflanze mit den auf der ersten Seite des Buches abgebildeten Farben und ordnet sie ein. So findet Ihr das passende Kapitel zu Eurer Pflanze.

Auf der ersten Seite des Buches findet Ihr ein Farbspektrum. In welche passt Eure Blütenfarbe?

2. Schaut Euch nun weitere Merkmale an. Betrachtet die Form Eurer Blüte und zählt die Blütenblätter. Ist sie zweiseitig symmetrisch? Hat sie vier, fünf oder mehr Blütenblätter?

Diese hübsche Blüte hat fünf Blütenblätter.

3. Mit der von Euch erkannten Farbe und der Anzahl der Blütenblätter habt Ihr die möglichen Pflanzen nun auf einen kleinen Bereich von Seiten eingegrenzt.

4. Zu diesem springt Ihr einfach und blättert. Achtet auf die Bilder und Skizzen und stoppt, wenn Ihr findet, dass sich die Pflanzen ähnlich sehen.

Beim Durchblättern könnt Ihr immer wieder Eure Pflanze anschauen und vergleichen. 

Unter “SK” sind sichere Kennzeichen, also individuelle Bestimmungsmerkmale der Art, gelistet. Diese könnt Ihr nun mit Eurer Pflanze abgleichen, um sicherzugehen, dass Ihr die richtige gefunden habt. Neben den sicheren Kennzeichen sind außerdem weitere Kennzeichen unter “B”, sowie die Standortverhältnisse und die Verbreitung unter “SV” aufgeführt.

Lest Euch alles aufmerksam durch und blättert einfach weiter, um zu schauen, ob eine andere Art gegebenenfalls besser passt. Wenn Ihr die richtige Art gefunden habt, findet Ihr unter “A” noch viele weitere Informationen und Wissenswertes über Eure bestimmte Pflanze.

Alle Bücher führen nach Rom

Eine gute Alternative sind Bestimmungsbücher mit Zeichnungen wie zum Beispiel “Der BLV Pflanzenführer für unterwegs”. Hier konnte der Künstler wichtige Merkmale besonders herausstechen lassen und zum Teil verschiedene Stadien der Pflanze darstellen, wie die Blüte und die späteren Früchte. Auch dieser Schlüssel ist nach dem einfachsten Kriterium, der Blütenfarbe, aufgeteilt und unterscheidet dann weiter nach Blüten-Symmetrie und Anzahl der Blütenblätter. Ihr könnt die Schritt-für-Schritt Anleitung also auch hier problemlos nutzen. 

Bestimmung der Vogel-Wicke mit “Der BLV Pflanzenführer für unterwegs”.

Auch für Einsteiger:innen ist es mit diesen Büchern spielend leicht, blühende Pflanzen zu bestimmen. Der große Nachteil dessen allerdings: Die Bestimmung mit ihnen gelingt eben nur, wenn die Pflanzen gerade blühen. 

Welche Möglichkeiten es zum Bestimmen von Pflanzen das ganze Jahr über gibt, haben wir Euch in einem anderen Artikel schon einmal vorgestellt!

Wenn die Pflanzen gerade blühen: Viel Spaß beim Bestimmen im Wald, auch ganz ohne Netzempfang oder Smartphone! Berichtet gerne von Euren Erfolgen in den Kommentaren. Und welche Bestimmungsbücher könnt Ihr empfehlen? Vielleicht können wir aus Euren Kommentaren ja eine Liste für Suchende zusammenstellen!

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Vegetative Verjüngung – wenn der Wald Bäume klont  https://forsterklaert.de/vegetativeverjuengung https://forsterklaert.de/vegetativeverjuengung#respond Sun, 12 Apr 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6571 Dass Bäume teilweise spektakuläre Fähigkeiten aufweisen, habt Ihr vielleicht schon mitbekommen. Es gibt Baumarten, die Waldbränden trotzen können, andere wiederum...

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Dass Bäume teilweise spektakuläre Fähigkeiten aufweisen, habt Ihr vielleicht schon mitbekommen. Es gibt Baumarten, die Waldbränden trotzen können, andere wiederum sind über 1000 Jahre alt – und es gibt Bäume, die richtige Klone von sich herstellen können. Klingt nach Science Fiction, ist aber ein Phänomen, das unter die „vegetative Verjüngung“ fällt. In diesem Artikel schauen wir uns diese verblüffende Fähigkeit an, die als eine Überlebensstrategie für Notsituationen beginnt und bei einem Wald aus etwa 50.000 Klonen endet. 

Was ist vegetative Verjüngung? 

Die meisten wissen, dass aus einem Samen eine Pflanze wachsen kann. Aber braucht es dafür immer einen Samen? Schon mal vorweg – nein, braucht es nicht! 

Was es allgemein mit Verjüngung, einer nachfolgenden Generation an Bäumen im Wald, auf sich hat, haben wir Euch bereits in einem früheren Beitrag erklärt. Förster:innen unterscheiden zwischen gesäten, gepflanzten Bäumen oder solchen, die aus Naturverjüngung entstanden sind. 

Vegetative Verjüngung ist anders. Es ist die Fähigkeit, Nachkommen aus Pflanzenteilen bilden zu können. Um zu verstehen, wie Bäume diese Fähigkeit einsetzen, schauen wir uns ein Problem an. Bricht beispielsweise bei einem starken Sturm ein großer Teil der Baumkrone ab, kann das ein ernsthaftes Problem für den Baum sein, das sogar tödlich enden kann. Denn Bäume müssen genügend Licht, Wasser und Nährstoffe aufnehmen, um ihre wichtigen Vitalfunktionen versorgen zu können. Durch den langfristigen Verlust von Blattmasse produziert der Baum weniger Zucker durch Photosynthese. Vereinfacht gesagt, droht damit der Hungertod. 

Schlafende Knospen

An dieser Stelle kommt die vegetative Verjüngung ins Spiel. Grundsätzlich fußt sie auf „schlafenden“ Knospen. 

Falls Ihr Euch jetzt fragt – „Was zur Hölle sind schlafende Knospen?!“, folgt hier eine kurze Erklärung. Anders als normale Knospen, die man vor allem im Winter an Zweigen sehen kann, sind schlafende Knospen im Gewebe unter der Baumrinde angelegt und werden nur in bestimmten Situationen durch Hormone im Baum (Phytohormone) aktiviert. Das kann man sich wie ein smartes Notprogramm vorstellen. Die Baumkrone produziert ein bestimmtes Hormon, das durch die ganze Pflanze geschickt wird. Es blockiert die schlafenden Knospen und signalisiert: Alles ist gut. Treten in der Baumkrone jetzt Verletzungen oder der Wegfall von Kronenteilen auf, verändert sich die Konzentration des Hormons im gesamten Baum, wodurch er die schlafenden Knospen aktiviert. 

Erst dann treiben diese speziellen Knospen aus und können so neue Zweige oder nach und nach eine zweite Krone bilden. In der Forstsprache tragen auf diese Weise gebildete Zweige den Namen „Wasserreiser“. 

Wasserreiser an einer Winter-Linde (Tilia cordata), die an einer viel befahrenen Straße in Göttingen steht.

Mögen wir Wasserreiser?

Wasserreiser kann man häufig bei Stadtbäumen beobachten, denn die weisen überall Verletzungen in den Baumkronen auf. Zusätzlich wird es in Städten im Sommer sehr heiß, was auch zum Absterben von Teilen der Baumkrone führt. Bei Stadtbäumen überprüfen Fachleute regelmäßig Äste, die abbrechen und auf Passant:innen oder Fahrzeuge stürzen könnten und schneiden sie bei Bedarf zurück. Stadtbäume, die also unter einer Menge Stress leiden, versuchen sich über die Bildung neuer Zweige in tieferen Stammbereichen zu helfen. In der Forstwirtschaft sind Wasserreiser aber weniger beliebt. 

Wusstest Du schon…?
Eine Baumkrone ist ein guter Indikator für die Vitalität des Baumes. Bei genügend Licht und Platz bilden zum Beispiel Parkbäume aus diesem Grund eine lange, große Krone aus. Bäume im Wald hingegen haben meistens eine kürzere Krone, die sich weiter oben am Stamm befindet. Das heißt nicht, dass sie weniger vital sind, sondern dass es in den unteren Schichten des Waldes nicht genügend Licht gibt, um die unteren Äste am Leben zu erhalten. Diese sterben dann auf natürliche Weise ab.
Bei Bäumen mit wertvollem Holz achten Förster:innen besonders darauf, dass sich keine Wasserreiser bilden, und entfernen bei manchen Baumarten auch Äste im unteren Stammbereich. Äste, somit auch Wasserreiser, verringern nämlich die Stabilität des Holzes, sodass es zum Beispiel nicht mehr im Hausbau eingesetzt werden kann. Forstleute bezeichnen den Prozess, bei dem die unteren Äste entfernt werden, als „Ästung“. Wenn Forstwirt:innen die Ästung fachgerecht durchführen, nehmen die Bäume dabei keinen Schaden. 

Stockausschlag als Überlebensfähigkeit

Beim Stockausschlag handelt es sich nicht etwa um einen fiesen Ausschlag, unter dem ein einsamer Stock im Wald leidet, sondern um ein Extrembeispiel für vegetative Verjüngung. Nach dem Fällen eines Baums verbleibt im Wald der Baumstumpf und die Wurzeln. In der Forstsprache werden Baumstümpfe häufig „Stubben“ oder „Stock“ genannt. Letzteres ist namensgebend für diese Form der vegetativen Verjüngung, die manche Baumarten einsetzen können, um ihr Überleben zu sichern. Beim Stockausschlag bilden diese nämlich neue Triebe, aus denen ein neuer Baumstamm entstehen kann. Wichtig ist dabei – es handelt sich noch um denselben Baum. Vereinfacht gesagt, lässt der Baum seine Gliedmaßen nachwachsen.

Der Stockausschlag eines Ahorn-Baums nach der Fällung. 

Grundsätzlich neigen Laubbäume eher zum Stockausschlag als Nadelbäume. Besonders ausgeprägt ist der Stockausschlag bei den Eichenarten, Hainbuchen, Eschen, Pappeln, Ulmen, Robinien und Weiß-Erlen. 

Wundheilung bei Bäumen

Ähnlich wie beim Wundverschluss des Menschen versuchen Bäume, Verletzungen aller Art mit Wundgewebe, dem sogenannten Kallus, zu verschließen, damit keine Keime eindringen und dem Baum weiteren Schaden zufügen können. Der Kallus wächst dann von den Wundrändern her über die Verletzung. Manchmal passiert dabei etwas Erstaunliches. In der Nähe der Wunde können bestimmte Zellen umprogrammiert werden. Diese beginnen sich zu organisieren und bilden ein neues, kleines Wachstumszentrum. Aus diesem Gewebe entwickeln sich dann die sogenannten „adventiven“ Knospen, die quasi die Schwestern der schlafenden Knospen sind. 

Entweder hat ein Baum also das Glück, direkt schlafende Knospen an der richtigen Stelle zur Verfügung zu haben oder muss nach einer Verletzung neue bilden. Letztendlich sind sie dann der Grund für das Entstehen neuer Triebe.

Allein können diese Knospen in einem solchen Fall aber nicht das Überleben der Bäume sichern. Ausschlaggebend dafür, ob überhaupt neue Zweige gebildet werden können, ist, ob der Baum genügend Zucker mit der Photosynthese produzieren und speichern konnte, bevor er gefällt wurde. Ein Baum ohne Blätter (wie es ein Baumstumpf nun mal ist) ist auf seine gespeicherten Reserven angewiesen, um neue Zweige auszubilden. 

Stockausschlag als Grundlage für historische Waldbewirtschaftung

Unter bestimmten Umständen können Bäume also erneut austreiben und so zunächst überleben. Überlebenswichtig war der Stockausschlag auch für unsere Vorfahren. Das Mittelalter gilt als die Epoche des Holzes. Es war die Lebensgrundlage der Menschen zum Kochen, Bauen und Heizen. Logischerweise hat man Holz in großen Mengen benötigt. Bevor es Heizkörper, Fernwärme oder Heizdecken gab, musste mit Holz geheizt werden – und das in rauen Mengen. Hinzu kam außerdem, dass, anders als heutzutage, der Transport von Holz oder anderen Waren sehr arbeitsintensiv und anstrengend war.

Jüngere Bäume, die noch nicht besonders dick waren, konnte man gut mit wenigen Handgriffen fällen und leichter transportieren als große, schwere Baumstämme. Deshalb hat man gerade für die Brennholznutzung dünnere Bäume genutzt. Im Anschluss an das Fällen junger Bäume wurde sich darauf verlassen, dass diese wieder austreiben. Das war zum einen viel günstiger als das Säen neuer Bäume, zum anderen wuchsen diese Wälder viel schneller wieder an. 

Es entsteht ein eigenes Waldbild: Der Niederwald

Aus dieser Holznutzung ergab sich vor einigen hundert Jahren ein typisches Waldbild, das man Niederwald nennt. Niederwälder sind, wie der Name schon verrät, niedrig. Üblicherweise waren in Niederwäldern die Bäume zwischen 10 und 15 Meter hoch. Verglichen mit unseren heutigen Wäldern, in denen Bäume Höhen von mehr als 30 Meter erreichen, sah der mittelalterliche Wald in der Nähe der Siedlungen teilweise aus wie eine bessere Buschlandschaft. Wichtig ist, dass in Niederwäldern der Stockausschlag vorherrschte.

Ein großer Vorteil des Stockausschlages gegenüber Pflanzen, die von der Pike auf wachsen müssen, ist, dass der Stockausschlag auf Zuckerreserven im Baumstumpf zurückgreifen und diese direkt ins Wachstum investieren kann. Ganz besonders wichtig im Mittelalter waren Eichenwälder aus Stockausschlag. Die Menschen gewannen die Baumrinde der Eichen, um mit den enthaltenen Gerbstoffen die Ledergerberei zu versorgen. Zusätzlich konnte man Eichenwälder als Hutewälder für die Ernährung der Schweine nutzen und das hochwertige Holz dann trotzdem noch verwenden. 

Wusstest Du schon…?
Bereits die Römer haben sich den Stockausschlag zunutze gemacht und ganze Wälder so kultiviert. Sie bezeichneten Wälder, die sie regelmäßig fällten und aus deren Stümpfen oder Wurzeln neue Zweige austrieben, als „Silvae caeduae“. Diese Wälder konnten aus verschiedenen Baumarten bestehen. Die Römer haben so Brennholz gewonnen, Zaunpfähle oder – ganz wichtig – Pfähle für Weinreben hergestellt. Mittelalterliche Mönche haben sich an Überlieferungen und Schriften der Römer orientiert und diese Form der Bewirtschaftung übernommen.

Absenker – wenn einem Ast Wurzeln wachsen

Während der Stockausschlag sehr häufig bei Laubbäumen anzutreffen ist, findet sich bei den Nadelbäumen oder generell bodennah wachsenden Arten häufiger eine andere, abgefahrene Form der vegetativen Verjüngung. Hier bilden schlafende Knospen in Zweigen, die den Boden für längere Zeit berühren, neue Wurzeln. Das kann passieren, wenn ein bodennaher Ast für längere Zeit in Kontakt mit dem Erdboden kommt. Mit der Zeit kann dadurch ein neuer Baum, der von den neuen Wurzeln lebt, entstehen. Die Pflanze stellt die Versorgung des Gewebes ein, sodass es abstirbt und sich die Verbindung zum Mutterbaum mit der Zeit löst. 

Auf diese Weise verbreiten sich auch manche Straucharten. Ein bekanntes Beispiel für eine Strauchart wäre die Brombeere (Rubus fruticosus). Ihre langen, biegsamen Triebe wachsen oft bogenförmig und berühren mit der Zeit den Boden. Bleibt der Trieb für längere Zeit im Kontakt mit dem Boden, bilden sich Adventivwurzeln aus. Auf diese Weise breiten sich Brombeersträucher oft von selbst aus.  

Stecklinge – Pflanzenvermehrung für die Profis

Die Pflanzengurus unter Euch wissen, dass man sich Ableger von Pflanzen besorgen und daraus neue Pflänzchen ziehen kann. Stecklinge sind im Grunde nichts anderes als abgeschnittene Pflanzenteile – meist junge Zweige oder Triebabschnitte, die man von einem Mutterbaum nimmt. Dieser abgetrennte Spross hat zunächst keinen eigenen Wurzeln. Unter geeigneten Bedingungen kann er neue Wurzeln bilden und sich dadurch zu einer eigenständigen Pflanze entwickeln. Da ein Steckling vegetativ, also ohne Samenbildung entsteht, ist er genetisch identisch mit dem Mutterbaum. Er trägt dieselbe DNS und hat die gleichen Anlagen. Trotzdem können Umweltbedingungen später beeinflussen, wie stark bestimmte Eigenschaften ausgeprägt werden. 

In der Forstwirtschaft nutzen Fachleute diese Form der Vermehrung gezielt, um besonders vorteilhafte oder widerstandsfähige Individuen zuverlässig zu vermehren. An der Schnittstelle reagiert das Gewebe zunächst mit der Bildung des Kallus. Daraus entstehen anschließend Adventivknospen, die dann aber Wurzeln ausbilden. So bildet der ursprünglich wurzellose Zweig ein eigenes Wurzelsystem aus. 

Wusstest Du schon…?
Eine weitere wichtige Form, die an Stecklinge anknüpft, ist die „Veredelung“, die oft bei Obstbäumen in der Landwirtschaft angewendet wird. Hintergrund ist, dass man eine Obstsorte mit exakt denselben Eigenschaften vervielfältigen möchte. Dafür wird ein Steckling der gewünschten Pflanze präzise mittels einer kleinen „Operation“ auf einen anderen Baum angebracht. Die Gewebe beider Teile verwachsen dann über eine Kallusbildung miteinander. Die Unterlage liefert das Wurzelsystem und die aufgebrachte Pflanze bildet dann die Früchte der gewünschten Obstsorte. 

Wurzelbrut, das Klonprogramm der Natur

Von Wurzelbrut spricht man, wenn aus den oberflächennahen Wurzeln einer Pflanze neue Triebe wachsen. Aus diesen Trieben können mit der Zeit auch prächtige Baumstämme werden. Wichtig ist aber: Diese Baumstämme sind quasi der Mutterbaum – mit einem weiteren Stamm. Diese neuen Baumstämme haben den großen Vorteil auf ein vollkommen ausgereiftes Wurzelnetzwerk zurückgreifen zu können. Darüber erhalten sie u.a. wichtige Mineralien und Wasser. Teilweise bleiben die Verbindungen zu den anderen Baumstämmen über die Wurzeln noch bestehen. In anderen Fällen können die Verbindungen auch absterben, womit dann jeder Stamm ein perfekter Klon des Mutterbaums mit einem eigenen Wurzelwerk ist. Wurzelbrut wird vor allem bei Weiß- und Grau-Pappeln, Aspen, Weiß-Erlen, Robinien und den Ulmenarten beobachtet. 

Im US-Bundestaat „Utah“ befindet sich der sogenannte „Pando-Klon“. Es handelt sich dabei um einen Wald, der fast so groß wie 60 Fußballfelder ist und aus ca. 50.000 Baumstämmen besteht. 

Das Pando-Beispiel für vegetative Verjüngung

Faszinierend ist, dass es sich bei all diesen Bäumen um Klone desselben Baumes handelt, die teilweise sogar über ihre Wurzeln noch miteinander verbunden sind. Manche bezeichnen den Pando daher als den größten zusammenhängenden Organismus der Welt. Der Pando besteht aus der Amerikanischen Zitter-Pappel (Populus tremuloides), die auch Aspe genannt wird. Im Herbst nehmen ihre Blätter einen wunderschönen gelben Farbton an. Aus der Ferne könnte man ihre weißen Stämme mit Birken verwechseln. 

Im „Pando“ bildet die Amerikanische Zitter-Pappel tausende Klone über die Wurzelbrut.

Die Aspe ist eine der Baumarten, die auch Adventivknospen an ihren Wurzeln aufweist, weshalb man bei ihr die Wurzelbrut besonders gut beobachten kann. Sie gilt als eine Pionierbaumart. Das heißt u.a., dass ihre Samen sehr leicht sind und weite Strecken zurücklegen können. Deshalb müssen sie darauf eingestellt sein, in neue Gebiete zu gelangen, in denen ganz neue Bedingungen herrschen können. Befinden sich an einem solchen Standort bereits andere Bäume oder Sträucher, kann es schwierig werden, sich als heranwachsendes Bäumchen zu behaupten. Wird eine Pflanze überwachsen, leidet sie an Lichtmangel. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie an diesem Mangel sterben wird. In solchen Fällen bietet die Wurzelbrut einen erheblichen Vorteil, da neue Individuen zumindest für eine Zeit mit dem Wurzelwerk des Mutterbaums verbunden sind und dadurch Nährstoffe vom Mutterbaum erhalten. Das verschafft auch in diesem Fall einen Wachstumsvorteil. 

Da es sich bei der Wurzelbrut, wie bei den anderen Beispielen auch, um Klone eines Mutterbaums handelt, besteht für jedes Individuum aber auch eine Gefahr. Jede Anfälligkeit für Krankheiten oder Schädlinge, die der Mutterbaum aufweist, haben auch die Klone. Besteht jetzt, wie beim Pando, ein ganzer Wald aus Klonen, dann ist das Risiko für das Absterben der gesamten Fläche sehr hoch. 

Pappelklone aus Wurzelbrut, die im Forstbotanischen Garten der Universität Göttingen wachsen.

Lust auf mehr?

Falls Ihr jetzt Lust bekommen habt, Euch noch mehr mit der Ökologie von Bäumen und Wäldern auseinanderzusetzen, dann schaut Euch gerne mal diese Artikel an.

Bei Euch in der Nähe habt Ihr Bäume mit Stockausschlag oder Wasserreiser gefunden? Schickt uns gerne Bilder bei Instagram @Forsterklaert.

Quellen:

Bartsch, N., Lüpke, B. von, & Röhrig, E. (2020). Waldbau auf ökologischer Grundlage (8. vollst. überarb. u. erw. Aufl). utb GmbH.

Bartsch, N., & Röhrig, E. (2016). Waldökologie: Einführung für Mitteleuropa. Springer Spektrum. https://doi.org/10.1007/978-3-662-44268-5

Braun, H. J., Braun, H. J., & Siebert, D. (1982). Lehrbuch der Forstbotanik. G. Fischer.

Clausen, W. (1974). Zur Geschichte und Vegetation ostholsteinischer Stockausschlagwälder (Bd. 24). AG. Floristik.

Hasel, K., & Schwartz, E. (2006). Forstgeschichte: Ein Grundriß für Studium und Praxis (3. Auflage). Verlag Dr. Kessel.

Leibundgut, H. (1981). Die natürliche Waldverjüngung. Haupt.

Lyr, H. (Hrsg.). (1992). Physiologie und Ökologie der Gehölze: Mit 85 Tabellen. Fischer.

Mantel, K., & Hauff, D. (1990). Wald und Forst in der Geschichte: Ein Lehr- und Handbuch. Schaper.

Menninger, M. (2001). Die Römer und der Wald: Untersuchungen zum Umgang mit einem Naturraum am Beispiel der römische Nordwestprovinzen. F. Steiner.

Schopfer, P. (1989). Experimentelle Pflanzenphysiologie. 2: Einführung in die Anwendungen. Springer.

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Vom Weihnachtsbrauch zum Waldproblem? Wie Misteln unsere Bäume beeinflussen https://forsterklaert.de/mistel https://forsterklaert.de/mistel#comments Sun, 18 Jan 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6261 Wer sich unter einem Mistelzweig küsst, dem werden Glück, Liebe und eine lange Beziehung versprochen. Als Weihnachtsbrauch hängt die Mistel...

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Wer sich unter einem Mistelzweig küsst, dem werden Glück, Liebe und eine lange Beziehung versprochen. Als Weihnachtsbrauch hängt die Mistel bei vielen im Türrahmen. Im Wald jedoch sorgt sie weniger für Romantik, sondern kann für Bäume zur Belastung werden. Was die Mistel eigentlich ist und warum sie immer mehr zum Problem wird, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Grüne Mistel Büsche in kahler, winterlicher Krone eines Laubbaumes.
Grüne Mistel Büsche in kahler, winterlicher Krone eines Laubbaumes.

Schmarotzer des Waldes

Die Mistel (Viscum album L.) zählt zu den wenigen parasitischen Pflanzen in Deutschland. Schaut man jedoch genauer hin, entpuppt sie sich gar nicht als „echter“ Parasit. Vielmehr handelt es sich bei der Mistel um einen sogenannten Halbparasiten oder Halbschmarotzer. Wie jede andere grüne Pflanze betreibt auch sie Photosynthese und deckt einen Großteil ihres Nährstoffbedarfs selbst, weshalb sie nur ein “Halb”parasit ist. Da Misteln meist hoch oben in der Baumkrone wachsen, haben sie keinen Kontakt zum Boden. An Wasser und Bodennährstoffe gelangen sie deshalb nicht aus eigener Kraft. Stattdessen nutzen sie ihren Wirt, den Baum, auf dem sie leben, wie eine natürliche Versorgungsleitung: Über dessen Leitbahnen lässt sich die Mistel Wasser und Nährstoffe vom Wurzelbereich bis hinauf in die Krone transportieren. Dort oben entwickeln sich die grünen Büsche, die erstaunlich langlebig sind und bis zu 60 Jahre alt werden können.

Wusstest Du schon…?
Die Mistel gilt als Heilpflanze. Mit Misteln werden nicht nur Gelenkbeschwerden behandelt, sie lindert auch Schmerzen bei bösartigen Tumoren und hat positive Auswirkungen auf die Psyche. Zum Einsatz kommt sie dabei auf verschiedene Weise: als Tropfen, Säfte, Tabletten oder Injektionen bei Krebstherapien. Unverarbeitet ist die Mistel jedoch giftig und kann beim Menschen zu Magenproblemen führen.

Hier haben wir in Orange grob nachgezeichnet, wie weit die Mistel in einen Ast hereinwächst. Ganz schön frech, oder?

Wie erkennt Ihr Misteln?

Am einfachsten lassen sich Misteln im Winter entdecken. Dann heben sich die grünen, kugeligen Büsche deutlich von den sonst kahlen Baumkronen ab. Manche erreichen dabei einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Da Misteln Sonne und Wärme lieben, befinden sie sich meist hoch oben im Kronenbereich der Bäume. Ihre ledrigen, länglichen Blätter sind immergrün und behalten das ganze Jahr über ihre Farbe. Im Frühjahr, zwischen März und Mai, blüht die Mistel gelblich-grün. Im Spätherbst bildet die Mistel ihre Samen in den typisch klebrigen, weißen Beeren.

Winterkahler Laubbaum mit starkem Mistelbefall
Bei diesem Laubbaum sieht man erst im Winter, wie stark die Krone mit Misteln befallen ist. 

Wusstest Du schon…?
Die Mistel steht nicht unter Naturschutz. Als Privatperson dürft Ihr daher beim Spaziergang in der freien Natur kleine Mengen mitnehmen. Vorausgesetzt, Ihr kommt überhaupt an sie heran. Erlaubt ist das über die sogenannte “Handstraußregelung”: Man darf so viele mitnehmen, wie in eine Hand passen.

Fliegende Helfer: Vögel als Mistel-Verbreiter

Misteln und Vögel sind ein perfektes Team. Die Pflanzen können sich nicht selbst verbreiten und sind daher auf die gefiederten Helfer angewiesen. Gleichzeitig sind die Beeren der Mistel ein willkommener und wichtiger Winter-Snack für einige Vogelarten wie die Misteldrossel oder Mönchsgrasmücke, die als Hauptverbreiter der Halbschmarotzer gelten. Beim Auszupfen der Beeren wird die zähe Fruchtwand verletzt, erst dadurch kann der darin enthaltene Samen keimen. Da die Beeren nur kurz im Verdauungstrakt der Vögel bleiben, legt der Samen keine besonders weiten Strecken zurück und wird schließlich irgendwann wieder ausgeschieden. Zudem sind die Beeren stark klebrig und bleiben häufig an Schnabel oder Federn der Vögel haften. Beim Abstreifen an Ästen oder der Rinde bleibt der Samen zurück, wodurch sich dort neue Misteln bilden können. 

Die weißen Beere einer Mistel
Das sind die weißen, klebrigen Beeren der Mistel.

Wusstest Du schon…?
In Mitteleuropa unterscheidet man drei Unterarten der Mistel. Die Laubholzmistel besiedelt viele verschiedene Baumarten, z.B. Linden, Pappeln und Obstbäume. Die Tannenmistel und die Kiefernmistel haben ihre Lieblingswirte bereits im Namen verraten. Spannend ist, dass auf der Buche trotz allem keine Misteln wachsen. Ein kleines Rätsel der Natur, das zeigt, wie speziell diese grünen Halbschmarotzer ihren Platz im Wald finden.

Der Zapfhahn der Mistel

Ist der Samen des grünen Halbschamrotzers erst einmal auf der Rinde gekeimt, entwickeln sich sogenannte Saug- oder auch Senkwurzel, die in die Leitbahnen des Baumes hineinwächst und Wasser sowie Nährstoffe „anzapft“. Das Einwachsen der Wurzel kann sogar den Wert des Holzes mindern. Doch der Baum ist nicht wehrlos. Besonders gesunde Bäume können sich behaupten. Mit ihrem stetigen Dickenwachstum überwachsen sie die Mistel im Laufe der Zeit regelrecht, bis diese schließlich abstirbt.

Grüner Mistelbusch am Stamm einer Kiefer
Ein grüner Mistelbusch am Stamm einer Kiefer sieht fast aus wie ein Vogelnest. 

Gewinner des Klimawandels 

Aber warum wird die Mistel immer öfter kritisch gesehen? In den letzten Jahren hat sich die Mistel stark verbreitet. Die zunehmende Trockenheit hat viele Bäume geschwächt. Das macht es den Misteln leicht, sich auf ihren Wirten festzusetzen. Schwache Bäume können neu keimende Misteln nur schwer überwachsen. Zudem verlieren beispielsweise geschwächte Nadelbäume häufig ihre Nadeln, wodurch sich ihre Krone öffnet und für mehr Licht sorgt, was das Wachstum der Mistel begünstigt.

Besonders Kiefern (Pinus sylvestris) sind betroffen. Normalerweise regulieren sie in Trockenzeiten ihren Wasserverbrauch, indem sie die Atemöffnungen ihrer Nadeln schließen. Misteln hingegen tun das nicht: Sie zapfen weiterhin Wasser aus den Leitbahnen der Kiefer ab, genau dann, wenn der Baum ohnehin schon wenig Wasser zur Verfügung hat. Das setzt den Baum zusätzlich unter Stress. Bei stark befallenen Bäumen kann dies im schlimmsten Fall zum Absterben führen. Zudem sind geschwächte Bäume ein leichtes Ziel für weitere Schädlinge. Ist ein Gebiet einmal befallen, kann sich die Mistel in den kommenden Jahren auf die umliegenden Bäume ausbreiten. Tröstlich ist jedoch, dass dies nicht sofort passiert: Oft dauert es mehrere Jahre, sodass es noch Handlungsmöglichkeiten gibt, bevor der Befall kritisch wird.

Kiefer mit Mistelbefall in der Krone
Kiefer mit Mistelbefall in der Krone: Die grünen Büsche unten links und rechts fügen sich fast nahtlos zwischen die Nadeln ein.

Nach all der weihnachtlichen Stimmung des letzten Monats hättet Ihr gedacht, dass die Mistel, die wir als romantischen Weihnachtsbrauch kennen, sich in Wirklichkeit als zunehmendes Problem unserer Wälder darstellt? Schreibt es uns in die Kommentare.

Dieser Artikel ist von unserer neuen Autorin Laura! Ganz schön cool für einen allerersten Artikel, oder?

Quellen:

https://pflanzen.fnr.de/industriepflanzen/arzneipflanzen/pflanzen-auswahl/mistel

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/straeucher-krautpflanzen/biologie-der-mistel

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/kiefern-mistel-ein-zukunftsproblem

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/trockenheit/ungebetene-saeufer

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/klima-und-umwelt/klimawandel-und-co2/mehr-misteln-wegen-der-klimaerwaermung

https://www.br.de/radio/bayern1/misteln-naturschutz-100.html

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Pilzjahr 2025  – Eine erfolgreiche Sammel-Saison https://forsterklaert.de/pilzsaison https://forsterklaert.de/pilzsaison#respond Sun, 16 Nov 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6168 Im Wald riecht es nach feuchtem Laub, das Licht fällt gedämpft durch die orange-braunen Baumkronen und überall sprießen sie aus...

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Im Wald riecht es nach feuchtem Laub, das Licht fällt gedämpft durch die orange-braunen Baumkronen und überall sprießen sie aus dem Boden: Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen. Wer in diesem Jahr unterwegs war, hatte Glück – die Pilzsaison 2025 gehört zu den besten der letzten Jahre. Doch was steckt hinter dieser Fülle? Und lohnt es sich noch, loszuziehen?

Sieht toll aus, aber wir lernen schon als Kinder, dass wir den Fliegenpilz in jeder Pilzsaison besser stehen lassen.

Optimales Pilzwetter

Feuchtigkeit ist das Lebenselixier der Pilze – und davon gab es dieses Jahr reichlich. Nach einem nassen Frühjahr und einem milden Sommer blieben die Waldböden vielerorts konstant feucht. Sammler:innen freuten sich über die idealen Wachstumsbedingungen: Regenperioden, gefolgt von warmen Tagen, ließen das Myzel, das feine Wurzelgeflecht der Pilze, ordentlich wachsen. 

Das Ergebnis? Die Pilzsaison beginnt früh. Schon im Juni tauchten erste Pfifferlinge auf, im August schossen die Pilze regelrecht aus dem Boden. Auch aktuell lohnt es sich noch, sich mit Pilzmesser und Körbchen in den Wald aufzumachen.

Wusstest Du schon…?
In Oregon (USA) wächst ein Hallimasch, der als größter Organismus der Welt gilt. Sein unterirdisches Myzel durchzieht den Waldboden auf einer Fläche von etwa neun Quadratkilometern – das entspricht rund 1.200 Fußballfeldern. Forschende schätzen, dass dieser „Riesenpilz“ bis zu 8.500 Jahre alt und rund 400 Tonnen schwer ist.

Jetzt noch rausgehen – was Pilzsammler:innen wissen sollten

Auch im späten Oktober und frühen November lohnt sich ein Ausflug in den Wald: Zwar gehen viele klassische Arten zurück, aber für einige Sorten ist die Pilzsaison noch lange nicht vorbei. Hierzu gehören etwa der Hallimasch, die Herbsttrompete und der anfängerfreundliche Maronenröhrling, die bei feucht‑kühlem Wetter bis in den November hinein gefunden werden können. 

Pilze findet Ihr am besten an feuchten, schattigen Stellen des Waldes, wie unter Laubbäumen, auf morschem Holz oder im Moos. Zudem erweisen sich lichte Waldränder und Bereiche entlang von Waldwegen oft als besonders ergiebig.

Manche Pilze verstecken sich schon fast im Moos. Wenn man den Pilz ernten möchte, sollte man vorsichtig sein und das umliegende Moos nicht verletzen.

Zum Sammeln solltet Ihr ein scharfes Messer, einen Korb und ein Bestimmungsbuch mitnehmen. Pilze können bodennah abgeschnitten oder vorsichtig herausgedreht werden. Das Loch im Boden sollte danach wieder leicht verschlossen werden. Im Korb lassen sich Eure Funde ohne Frischeverlust zu Euch nach Hause in die Küche transportieren. Plastiktüten solltet Ihr besser nicht nutzen: Sie können nicht nur dafür sorgen, dass Eure Pilze schnell Feuchtigkeit verlieren. Der Mangel an Luft führt zu einer beschleunigten Eiweißzersetzung und Gärung, wodurch die Pilze ungenießbar werden. 

Wann Ihr Pilze besser stehen lassen solltet

Schon angefressene oder leicht verdorbene Pilze gehören dabei nicht in Euer Körbchen. Bitte lasst Exemplare, die Zuhause nicht mehr in die Pfanne wandern, einfach stehen. Denn im Wald bieten sie kleinsten Lebewesen Unterschlupf oder werden von Tieren gefressen und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht im Wald bei. Außerdem tragen die Fruchtkörper die Sporen der Pilze, ernten wir sie, können sie nicht für eine neue Pilzgeneration sorgen. Daher müssen immer einige Exemplare im Wald erhalten bleiben!

Die wichtigste Regel lautet jedoch: Sammelt nur Pilze, die Ihr sicher bestimmen könnt! Diese Pilzsaison gab es wieder zahlreiche Meldungen über Vergiftungen. Denn häufig kommt es zu Verwechslungen von essbaren Pilzen mit giftigen Doppelgängern wie Gifthäublingen oder Pantherpilzen. Seid vorsichtig, informiert Euch vorab über aktuelle Warnungen und vertraut im Zweifel auf Expert:innen. Bevor Ihr loszieht, solltet Ihr Euch die Nummer vom Giftnotruf abspeichern. Da gibt es Kontaktdaten für Eure Region. Hoffentlich werdet Ihr sie nie brauchen, aber im Notfall wollt Ihr nicht erst danach suchen müssen.

Für Anfänger:innen sind geführte Wanderungen mit VHS-Kursen, Naturschutzvereinen oder Pilz-Expert:innen ideal, um die Artenkenntnis zu schulen. Auch Bestimmungs-Apps und Pilzbücher können die Orientierung erleichtern – eine Kombination aus Theorie und Praxis ist am sichersten. In unserem Blogbeitrag über Bestimmungsapps findet Ihr Empfehlungen für Pilzapps. Außerdem erklärt Felix Euch in unserem Video, welche Regeln Ihr beim Pilzesammeln im Wald sonst noch beachten solltet: 

Wusstest Du schon…?
Schon als Kinder lernen wir, dass Fliegenpilze für uns Menschen hochgiftig sind. Nur 100 g können sogar tödlich wirken. Rentiere in Nordeuropa stört das jedoch kaum: Im Winter suchen sie sogar aktiv unter der Schneedecke nach den leuchtend roten Pilzen und fressen sie. Danach torkeln sie unsicher durch die Tundren Skandinaviens.

Warum Pilze für unsere Wälder so wichtig sind

Wer Pilze sammelt, sollte nicht vergessen: Sie sind weit mehr als nur kulinarische Schätze, ein gutes Pilzjahr freut auch unsere Wälder. Sie sind zentrale Akteure im Ökosystem und sorgen dafür, dass unsere Wälder gesund und vielfältig bleiben. Pilze betreiben keine Photosynthese. Ihre Nährstoffe beziehen sie aus dem Boden, von totem Holz oder in Symbiose mit Pflanzen, sie gehen also Beziehungen mit Pflanzen ein und arbeiten mit ihnen zusammen. Deshalb leben sie unter anderem in Symbiose mit Bäumen – eine Lebensgemeinschaft, die man Mykorrhiza nennt. Dabei liefern Pilze Nährstoffe und Wasser, während sie in der Photosynthese der Bäume hergestellten Zucker als „Gegenleistung“ erhalten.

Pilze übernehmen im Wald wichtige Funktionen, zum Beispiel können sie Holz zersetzen und so die Nährstoffe wieder freigeben.

Außerdem sind Pilze wichtige Zersetzer: viele Pilze sind sogenannte Schwächeparasiten, die nur geschwächte, kranke oder gestresste Pflanzen befallen. Sie nutzen die Abwehrschwäche von Bäumen aus, z. B. nach Trockenstress, Frostschäden oder Schädlingsbefall. Schritt für Schritt zersetzen Pilze das Holz. Dabei setzen sie Nährstoffe frei, die den kommenden Baumgenerationen und dem Waldboden wieder zugutekommen. 

Gleichzeitig dienen Pilze zahlreichen Lebewesen als Lebensraum und Nahrung. Die Pilze mit großen Fruchtkörpern bilden eigene Mikrohabitate, in denen vor allem kleine Lebewesen wie Springschwänze und Insekten leben. Einige Arten haben sogar ganz spezielle Bewohner, etwa die Pilzgallenfliege, die ausschließlich im Fruchtkörper des Flachen Lackporlings lebt. 

Pilzsaison: Zeit für Schatzsuche und Risotto

So ein Steinpilz ist ein echter Schatz und schmeckt nicht nur im Risotto hervorragend.

Welche Pilze sind dieses Jahr schon in Eurem Korb gelandet, und welche möchtet Ihr noch entdecken? Habt Ihr beim Lesen Lust bekommen, selbst wieder in den Wald zu ziehen? Vielleicht habt Ihr ja Pilzglück und probiert danach gleich das Rezept für unser Pilz-Risotto aus. Oder Ihr nehmt Euch Zeit, den Wald genauer zu beobachten und neue Arten zu entdecken, die Euch beim Spaziergang vielleicht sonst entgehen würden.

Egal ob voller Pilzkorb oder spannende Funde beim Spaziergang – wir wünschen Euch viel Spaß beim Entdecken der herbstlichen Pilzvielfalt im Wald!

Von wem ist dieser Artikel?

Dieser Artikel stammt nicht aus unserer Feder, sondern ist ein Gastauftritt von Clara Meyer zu Altenschildesche. Clara ist begeisterte Artikelschreiberin und Kommunikationsexpertin. Zusammen mit Maren Mußenbrock bildet sie Redebedarf, eine Kommunikationsagentur, mit der wir von Forst erklärt schon lange und gerne zusammenarbeiten. Schaut da mal vorbei!

Quellen:

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/9/12.html

https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/der-groesste-organismus/

https://www.pilzbuch-pilzwelten.de/

https://www.weser-kurier.de/landkreis-verden/expertin-niemals-in-einer-plastiktuete-sammeln-doc7e4cteg7xw2kwdey599

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze/wissenswertes/

https://www.gartenverband-wedding.de/gartenfachberatung/tipps-fuer-den-garten/baumpilze-die-gefahr-im-holz/10602

https://www.dgfm-ev.de/infothek/pilze-im-oekosystem

https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2025/09/24/vergiftungen-durch-pilze-verwechslungen-koennen-toedlich-sein/

https://www.pirsch.de/jagdwissen/drogen-gifte-wie-reagieren-tiere-darauf-37330 

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze-und-flechten/04010.html

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Heilpflanzen des Waldes https://forsterklaert.de/heilpflanzen https://forsterklaert.de/heilpflanzen#respond Sun, 26 Oct 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6075 Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch...

Der Beitrag Heilpflanzen des Waldes erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch viele heilende Pflanzen, Pilze und Bäume, die uns mit ihren Blättern, Rinden oder Beeren auf natürliche Weise helfen können. Selbst wenn wir in die Apotheke gehen, befinden sich in einigen der Medikamente noch pflanzliche Bestandteile. Wenn Ihr mehr über einige Heilpflanzen aus dem Wald lernen möchtet, seid Ihr hier genau richtig! 

Jahrhundertelange Anwendung von Heilpflanzen

Die Anwendung von Heilpflanzen oder -pilzen geht Hand in Hand mit der Existenz des Menschen. Habt Ihr als Kinder vielleicht auch Kamillentee zu trinken bekommen, wenn Ihr Magen-Darm hattet? Bereits bei Steinzeitmenschen vor über 50.000 Jahren wurden Pflanzenrückstände wie Kamille oder Schafgarbe nachgewiesen. Forscher:innen vermuten, dass die in der Küche wenig relevanten Kräuter schon damals zum Kurieren von Magen-Darm-Problemen genutzt wurden! 

Auch Ötzi, eine der wohl bekanntesten Gletschermumien, trug neben Pfeil, Bogen und Feuerstein auch einen Pilz bei sich. Der Birkenporling wird heutzutage als sogenanntes “Superfood” geschätzt. Der Mann aus dem Eis trug ihn damals wohl aufgrund seiner Heilkräfte mit sich. Denn heute ist nachgewiesen, dass der Birkenporling antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend wirkt. 

Der Birkenporling ist einer von vielen Pilzen, die an der Birke vorkommen können. 

Zunächst ist es aber wichtig eines klarzustellen: Grundsätzlich sollte man als unerfahrene Person nichts aus dem Wald sammeln oder essen. Auch das Reinigen der Heilpflanzen aus dem Wald ist unheimlich wichtig, damit man sich nicht mit Krankheiten wie dem Fuchsbandwurm infiziert. Kontaminierte Lebensmittel sind dabei nicht unbedingt von außen erkennbar. Vor allem beim Sammeln von Pilzen gilt besondere Vorsicht. Mehr darüber erfahrt Ihr in diesem Artikel

Wusstest Du schon…?
Die Knolle des Bärlauchs soll in Alkohol eingelegt ein wirksames Heilmittel gegen Verspannungen und Krämpfe sein. Man reibt das Gemisch auf die Gliedmaßen. Wenn Ihr mehr über den Bärlauch, das Sammeln und das Zubereiten erfahren möchtet, findet Ihr hier mehr! 

Der Baum – Die Weide (Salicaceae) 

Weiden findet man nicht in jedem Waldgefüge. Sie bevorzugen helle und feuchte Standorte und kommen deswegen oft an Flussufern oder in Moorlandschaften vor. Wälder, die in der Überflutungszone von Gewässern liegen und mit einem hohen Grundwasserspiegel gesegnet sind, nennt man Auwälder. Auch in diesen Ökosystemen fühlt sich die Baumart sehr wohl.

Die Purpur-Weide ist eine der Heilpflanzen, nach denen Ihr bei Kopfschmerzen Ausschau halten müsst!

In der Rinde einiger Weidenarten ist der schmerzlindernde Wirkstoff Salicylat enthalten. Sein Gehalt variiert je nach Art. Besonders die heimische Bruchweide (Salix fragilis), Purpurweide (Salix purpurea) und Silberweide (Salix alba) sind reich an diesem natürlichen Heilmittel – sie gelten als „Aspirin aus der Natur“. Der in ihrer Rinde enthaltene Stoff ist mit jenem verwandt, der auch in handelsüblichen Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen zum Einsatz kommt. Bereits in der Antike sprach der berühmte griechische Arzt Hippokrates in seinen Schriften über die schmerzlindernden Fähigkeiten der Weidenrinde. Nach der Entdeckung des Salicin in der Weide begann jedoch die Entwicklung von synthetischer Salicylsäure, um den Stoff in der Pharmazie zu etablieren. 

Der natürliche Wirkstoff ist dabei milder, aber langanhaltender als der synthetische Stoff (z.B. in Aspirin) und ruft weniger Nebenwirkungen hervor. Leidet man also häufig unter Kopfschmerzen, kann man sich aus der Rinde dieser Bäume und in der richtigen Dosierung einen Tee aufgießen. Die schmerzlindernde, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung der Weide hilft auch bei fiebrigen Erkältungen oder Rückenschmerzen.

Die Weiden-Arten sehen sich häufig zum Verwechseln ähnlich und hybridisieren auch miteinander. Das bedeutet, dass Ihr auch Mischungen zweier Weiden-Arten vorfinden könnt. 

Die Pflanze – Brennnessel (Urtica dioica) 

Viele Pflanzen haben wohltuende Auswirkungen auf uns. Bei einigen wie Finger- oder Eisenhut kommt es jedoch ganz auf die Dosierung an. Mehr über Giftpflanzen und ihre Verwendung in der Medizin, erfahrt Ihr in diesem Artikel

Eine Pflanze, die auch in Massen nicht gefährlich wird und sich deshalb ausgezeichnet zum Sammeln eignet, ist die Brennnessel. Trotz ihrer Abwehrmechanismen, die rote Quaddeln und Brennen hinterlassen, kann man die Pflanze vielseitig nutzen. 

Im Mittelalter wurden die harten Stängel der Brennnessel genutzt, um aus den Fasern Stoff herzustellen. Nur circa 8 % der Pflanze verbleiben nach der Verarbeitung für die Stoffherstellung. Dieser sogenannte Nesselstoff wird heute aufgrund der wenig ergiebigen Herstellung nur noch vereinzelt gehandelt. 

Die Brennnessel scheint ein gemeiner Garten-Gefährte zu sein, doch schlummern in ihr wahre Heilkräfte! 

Wusstest Du schon…?
Wenn Ihr eine Brennnessel ohne Handschuhe pflücken möchtet, müsst Ihr sie von unten nach oben anfassen. Wenn Ihr in diese Richtung streicht und zugreift, bleiben die Härchen intakt und die brennende Flüssigkeit wird nicht freigesetzt. 

Widerspenstiges Unkraut oder Heilpflanzen?

Doch wieso sollte man sich die Mühe machen, diese widerspenstige Pflanze zu sammeln? Die Brennnessel regt die Blasen- und Nierentätigkeit an. Auf gut Deutsch heißt das, sie spült einen so richtig durch. Dadurch werden Schadstoffe oder Bakterien aus dem Körper ausgeschieden. Dafür muss man die Pflanze noch nicht einmal konsumieren. Ein Tee aus den Blättern genügt vollständig. Wenn man sich eine Suppe aus den Blättern zubereitet, sollte die Pflanze auch heilsam auf Magen und Darm wirken. Durch die entzündungshemmende Wirkung der Brennnessel findet man sie in vielen Tees, zum Beispiel zum Kurieren von Blasenentzündungen. 

Im Wald findet Ihr Brennnesseln auf nährstoffreichen oder verdichteten Böden. So fühlen sie sich sehr wohl auf Rückegassen, Waldränder oder Freiflächen. Vor dem Verzehr oder Trocknen solltet Ihr die Pflanzen gründlich abwaschen.  

Kleiner Tipp: Die Brennhaare der Pflanze stechen Euch nur, wenn Ihr sie gegen die Wuchsrichtung anfasst. Das heißt, wenn Ihr die Brennnessel von unten nach oben am Stengel anfasst, um sie z.B. zu entfernen, wird sie Euch nicht stechen. 

Der Strauch – Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) 

Der Schwarze Holunder ist ein bis zu 8 Meter hoher Strauch. Von Juni bis Juli trägt er weiße Blüten, die später zu blauschwarzen Beeren werden.

Bereits die Römer und Germanen schätzten die heilenden Wirkungen des Strauchs und nutzten sie für unterschiedliche Krankheiten. Die Germanen waren außerdem davon überzeugt, dass im Holunder gute Geister wohnen und pflanzten ihn in die Nähe ihrer Häuser. 

Ein großer Holunderstrauch am Wegesrand im Wald. 

Heute weiß man, dass die Blüten des Holunders schweißtreibend wirken. Aus ihnen kann man Sirup, Gelee oder Sekt herstellen. Der Saft der Beeren hilft gegen Erkältungen und Fieber. Bei Rachen- oder Mandelentzündung wirkt das Gurgeln lindernd auf die Beschwerden. Als einheimischer Vitamin C Lieferant kann der Saft auch zu Gelee weiterverarbeitet werden und kann so auch als Leckerei den Herz-Kreislauf fördern. 

Roh sollte man die Beeren des Holunders jedoch nicht essen. Selbst wenn die Beeren reif sind, lösen sie bei vielen Menschen Brechreiz aus. In noch nicht vollständig gereiften Beeren befindet sich darüber hinaus noch ein giftiger Stoff, der abführend wirkt und zu Erbrechen führen kann. Der Stoff namens Sambunigrin befindet sich auch in der Rinde oder den Blättern des Strauches.

Aus diesem Grund sollte der Saft vor dem Konsum noch einmal aufgekocht werden.  

Die Blüte des Holunders lockt auch viele Insekten an, die sich genau wie wir an ihrem Geschmack erfreuen. 

Interessieren Euch Anleitungen, wie Ihr die heilenden Säfte und Tees herstellen könnt? Oder habt Ihr selbst erprobte Rezepte und Erfahrungen mit Heilpflanzen aus dem Wald? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.komp-wald-natur.de/fort-weiterbildung/heilpflanzen-im-wald/heilpflanzen-im-wald/

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/nebennutzung/waldprodukte/heilpflanzen-aus-dem-wald#c107655

https://vorarlberg.orf.at/stories/3130602

https://www.brennpunktbrennnessel.ch/brennnesselfaser.php

https://blog.naturimgarten.at/beitrag/heimische-weiden-fuer-viele-einsaetze.html

https://www.muenchener-verein.de/ratgeber/gesundheit/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-migraene

https://kraeutermax.com/de-de/pages/weidenrinde-laeuse-wirkung 
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/natur/02698.html

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Unsere Pflanzen: Der Gemeine Sanddorn https://forsterklaert.de/sanddorn https://forsterklaert.de/sanddorn#respond Sun, 12 Oct 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6106 Der Sanddorn (Hippophaë rhamnoides) aka Zitrone des Nordens, hat nicht nur viele verrückte Namen, sondern auch so einiges Verrücktes drauf....

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Der Sanddorn (Hippophaë rhamnoides) aka Zitrone des Nordens, hat nicht nur viele verrückte Namen, sondern auch so einiges Verrücktes drauf. In der Forstwelt ist er zwar nicht von großer Bedeutung, aber wahrscheinlich habt Ihr schon von seinen gesunden Früchten gehört (neuer Spitzname: Superfood-Sanddorn). Was der Sanddorn sonst so Cooles kann, erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Ist man an der Küste unterwegs, leuchtet einem die Früchte gerne mal orange aus den Dünen entgegen.

Schön, aber wehrhaft

Der Sanddorn gehört zur Familie der Elaeagnaceae, auf deutsch: Ölweidengewächse. Er kann entweder als Strauch bis zu 3 m hoch werden oder als kleines Bäumchen bis zu 6 m. Seine Blätter sehen ein wenig aus wie die Blätter einer Weide. Sie sind lang, schmal und dunkelgrün auf der Oberseite. Auf der Unterseite haben sie kleine weiße Schildhaare.

Schildhaare sind abgestorbene Zellen der Haut des Blattes (auf schlau nennen wir sie “abgestorbene Epidermiszellen”), die dem Sanddorn dabei helfen Wasser einerseits aufzunehmen und andererseits in der Pflanze zu halten. Sie sind für den Sanddorn also eine Art Verdunstungsschutz und verleihen seinen Blättern einen silbrigen Schimmer. Neben den Schildhaaren ist der Sanddorn, wie der Name schon verrät, mit Dornen ausgestattet. Seine Dornen helfen ihm dabei, nicht gefressen zu werden. Für uns können die Dornen allerdings ein ziemliches Hindernis sein. Wollt Ihr zum Beispiel seine schönen orange-leuchtenden Früchte pflücken, werdet Ihr merken, dass die Dornen des  Sanddorns ganz schön pieksen!

Verlockende Früchte, aber Achtung!

Hinter den Dornen: bunte Früchte

Die Früchte (botanisch korrekt eigentlich Steinfrüchte) sind meistens orange, können aber auch ins rötliche oder gelbe gehen. Die Steinfrüchte findet Ihr allerdings nicht an allen Exemplaren, der Sanddorn ist nämlich diözisch. Das heißt, dass es rein männliche und rein weibliche Sanddorne gibt, so ähnlich wie beim Menschen. Das bedeutet, dass einige Pflanzen männliche Blüten ausbilden und andere wiederum weibliche. Dies geschieht zwischen April und Mai. Die Bestäubung beim Sanddorn übernimmt der Wind. Findet der Pollen eines männlichen Sanddorns seinen Weg in die Blüte eines weiblichen Sanddorns, entsteht dort eine Steinfrucht. Dadurch verhindern die Bäume Inzucht auf eine effektive Weise. Eine weitere Baumart, die diözisch ist, ist zum Beispiel die Eibe.

Wusstest Du schon…?
Der Sanddorn trägt den poetischen Namen “Zitrone des Nordens”, weil seine Steinfrüchte mehr Vitamin C enthalten als Zitronen oder Orangen.

Wunderbares Wurzelwerk

Der Sanddorn bevorzugt sandige und kalkige Böden, denn mit Säure kann er nicht so gut umgehen. Außerdem braucht er viel Licht. Er stirbt, wenn ihm andere Bäume das Licht oder den Platz der Wurzeln streitig machen. Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, wie das überhaupt zusammenpassen soll – ein Strauch oder ein Bäumchen, das maximal 6 m hoch wird, wird doch bestimmt von anderen Bäumen überwachsen. So eine Buche z. B. kann ziemlich groß werden. Der Sanddorn hat das Problem recht gut gelöst: anstatt sich im Wald mit den anderen Bäumen um Licht und Platz zu kabbeln, fühlt er sich dort wohl, wo niemand sonst hin will. Wie der Name schon verrät mag der Sanddorn es sandig (oder auch kiesig, aber Kiesdorn klingt nicht so schön), weshalb er häufig auf Dünen vorkommt. Er hat auch kein Problem mit Salz und dort ist es in der Regel sonnig und konkurrenzlos. 

Ein Leben am Meer ohne bedrängende Nachbarn klingt ganz gut, oder?

Sanddorn sagt „Bis bald im Wald“

Sein Rückzug aus dem Wald wird unter anderem durch seine Wurzeln ermöglicht. Diese können bis zu 12 m in jede Richtung wachsen und bilden so ein riesiges Wurzelsystem, das tief in den Boden reicht. Dadurch kann der Sanddorn nicht nur gut Nährstoffe aus dem Boden ziehen, er kann sich auch gut im sandigen Boden verankern. Für die Dünen ist dies besonders wichtig, weil der Sanddorn dadurch verhindert, dass die Düne weggespült oder weggeweht wird. Deshalb stehen die Dünen-Sanddorn-Gebüsche auf den sogenannten Graudünen an der Nord- und der Ostseeküste in Deutschland unter Schutz.

Das ist allerdings noch lange nicht alles, was die Wurzeln des Sanddorns zu bieten haben. Neben der vegetativen Vermehrung, die ebenfalls über die Wurzeln geschieht, bildet der  Sanddorn eine Symbiose mit den Knöllchenbakterien Aktinorrhiza an seiner Wurzel, ähnlich wie die Erle. Diese fixieren den Luftstickstoff und versorgen damit den Sanddorn, der Stickstoff zum Wachsen benötigt. Dafür brauchen die Knöllchenbakterien allerdings Wasser und deshalb passt dem Sanddorn der Lebensraum an der Küste Norddeutschlands so gut. Da pladdert dat regelmäßig!

Wusstest Du schon…?
Der Sanddorn mag es, wie bereits erwähnt, gerne nass. Die Folgen, wenn ihm zu trocken wird, sind leider echt gravierend. Es gibt da nämlich einen Pilz (oder mehrere Pilzarten – die Forschung ist noch am Untersuchen), die den Sanddorn befallen, wenn es ihm ohnehin schon schlecht geht, z. B. durch die Trockenheit. Auf schlau heißen die Pilze dann: Sekundärschädlinge. Deshalb kam es in den letzten Jahren durch die steigenden Temperaturen zu immer mehr befallenen Sanddörnern. Durch das Gießen alleine wird das Problem allerdings nicht gelöst, scheinbar gibt es noch andere Faktoren, die dem Sanddorn zurzeit nicht gut tun. Es müssen also noch einige Experimente gemacht werden.

Wir kennen den Sanddorn zumeist als Strauch, er kann aber auch zu einem Baum hoch wachsen.

Liebevoll geteilt

Der Sanddorn versorgt mithilfe seiner Knöllchenbakterien nicht nur sich selbst mit Stickstoff, auch anderen helfen die zusätzlichen Nährstoffe. So profitieren z. B. der schwarze Holunder, die Hundsrose oder auch der Weißdorn von der Symbiose des Sanddorns. Dies führt dazu, dass sich die Graudünen weiter verbuschen, was schließlich in einer Bewaldung resultieren kann. Deshalb wird der Sanddorn gelegentlich als Pionierbaumart bezeichnet.

Wusstest Du schon…?
Graudünen sind Dünen, die etwas weiter vom Wasser entfernt sind. Sie liegen hinter den sogenannten Weißdünen. Wenn Ihr Euch eine Düne vorstellt, klassisch mit hellem Sand und ein wenig Gras, dann denkt Ihr Euch bestimmt an eine Weißdüne. Graudünen hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie weniger Veränderung durch Wasser und Wetter ausgesetzt sind, da sie von z. B. Gräsern oder Sträuchern bewachsen sind, die die Dünen festigen. Diese Pflanzen tragen zur Bildung einer dünnen Schicht Humus bei.

Nicht nur seinen Stickstoff teilt der Sanddorn. Viele verschiedene Vogelarten fühlen sich bei ihm wohl und bauen zwischen seinen Ästen Nester, da er ihnen mit seinen Stacheln Schutz vor Angreifern bietet. Zudem versorgt er sie mit ausreichend Nahrung in Form seiner leuchtenden Früchte. Für die Vögel ist der Sanddorn also fast wie ein all-inclusive Hotel: er bietet Schutz, Nahrung und Meerblick! Die Vögel danken ihm, indem sie seine Samen verbreiten.

Wir essen, trinken, cremen, schmieren Sanddorn

Auch wir Menschen naschen gelegentlich die Früchte des Sanddorns, allerdings in der Regel nicht roh, da sie ziemlich sauer schmecken. Häufig bereiten wir den Sanddorn als Gelee, Saft oder Mus zu, es gibt jedoch auch Tee, Likör oder sogar Sirup. Unsere Obsession mit dem Sanddorn beschränkt sich nicht nur auf Nahrungsmittel. Es gibt auch diverse Cremes, Öle und andere Pflegeprodukte, die Sanddornfrüchte enthalten. Dies kommt daher, dass den orange-leuchtenden Früchten nachgesagt wird, sie seien gut für unser Immunsystem. Sie enthalten nämlich Vitamin C – und davon ganz schön viel!  Wenig Saft einer einzelnen Frucht langt schon, um den Tagesbedarf eines Erwachsenen zu decken. Vitamin C hilft unter anderem beim Aufbau von unseren Knochen, unseren Zähnen oder bei der Verdauung. Außerdem enthält die Frucht Vitamin B12. Vitamin B12 ist ziemlich besonders, da es nur selten in Pflanzen vorkommt und sonst eher in tierischen Stoffen. 

Vom Anblick dieser Früchte kriegt man einfach nicht genug.

Er hat also wirklich für jeden etwas zu bieten. Naturschützer:innen freuen sich über die Dünen-Gebüsche, Ornitholog:innen können die Vielfalt der Vögel beobachten und wir alle können den gesunden Saft schlürfen. Was interessiert Euch am Sanddorn? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Quellen:

https://www.pflanzen-vielfalt.net/baeume-straeucher-a-z/baeume-uebersicht-l-z/sanddorn/

https://www.uibk.ac.at/elearning/eprojekte/projekte11/skript_bau-funktion_20111229-zu-2011240.pdf

https://www.wsl.ch/gehoelze/Sanddorn.pdf

https://www.infoflora.ch/de/flora/hippopha%C3%AB-rhamnoides.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Sanddorn#cite_note-Heinisch1947-3

https://www.sanddorn.net/2020/index.php/ueber-uns/die-pflanze

https://www.bund.net/themen/tiere-pflanzen/pflanzen/sanddorn

https://www.geo.de/wissen/gesundheit/superfoods-sanddorn-herbstliches-wildobst-als-vitaminbombe-30173616.html

https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-c

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Sanddornsterben-in-MV-durch-Pilze-und-veraendertes-Wetter-ausgeloest,sanddorn260.html

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Unsere Bäume – Die Roteiche (Quercus rubra) https://forsterklaert.de/roteiche https://forsterklaert.de/roteiche#comments Sun, 06 Jul 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5999 Die Roteiche ist Baum des Jahres 2025 und verleiht unseren Wäldern im Herbst einen ganz besonderen Zauber: Ihr rot leuchtendes...

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Die Roteiche ist Baum des Jahres 2025 und verleiht unseren Wäldern im Herbst einen ganz besonderen Zauber: Ihr rot leuchtendes Laub ist schon von weitem zu erkennen und sorgt für einen richtigen Eyecatcher. Die Roteiche wurde eben genau aus diesem Grund bei uns eingeführt. Mit ihrem schönen Laub sollte sie unsere Gärten und Parks verschönern. Die eigentlich aus Nordamerika stammende Baumart wird aber auch kritisch gesehen, denn viele Tier- und Insektenarten, die an unseren heimischen Eichen vorkommen, meiden die Roteiche. Wieso ist das so? Und wie erkennt Ihr sie, wenn sie einmal nicht ihr typisches rotes Herbstlaub trägt? Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Fremdländische Eiche in unseren Wäldern

Diese Eichenart kommt neben unseren heimischen Eichenarten (Stiel- und Traubeneiche) ebenfalls in unseren Wäldern vor. Doch die Roteiche stammt ursprünglich aus Nordamerika. Deshalb wird sie auch als fremdländische Baumart bezeichnet. In Nordamerika ist sie eine gefragte Baumart, die nicht nur für den „Indian Summer” steht, sondern ebenfalls wertvolles Holz liefert. Eben genau deshalb dachten sich die Forstmenschen der Vergangenheit wohl: Brauchen wir hier auch. Und so kam diese Baumart zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Europa. 

Wusstest Du schon…?
Die Roteiche ist zur Baumart des Jahres 2025 gewählt worden. Was genau es mit der Natur des Jahres auf sich hat und wozu diese Arten überhaupt dazu gewählt werden, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Die Roteiche gehört ebenso wie unsere heimischen Eichenarten zur Gattung der Eichen (Quercus) und der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Meist wird sie zwischen 20 und 25 Metern hoch. Jüngere Bäume bilden zunächst ein Pfahlwurzelsystem aus und verankern sich damit fest im Boden. Im Alter entwickelt sich daraus dann eine Herzwurzel. Also ein verzweigtes Wurzelsystem, welches ein wenig an die Form eines Herzens erinnert. Eine Roteiche kann bis zu 400 Jahre alt werden. Zum Vergleich: Stieleichen werden sogar bis zu 800 Jahre alt. Solche alten Riesen könnt Ihr zum Beispiel im Urwald Sababurg oder den Ivenacker Eichen bestaunen.

Robuste Roteiche

Die Roteiche gilt im Vergleich zu den heimischen Eichenarten als verträglicher gegenüber Schatten, resistenter gegenüber Forstschädlingen und liefert einen vergleichsweise höheren Holzzuwachs. Eine typische Erkrankung unserer heimischen Eichenarten ist bspw. der sogenannte Eichenmehltau, doch der kann der Roteiche nichts anhaben. Ihre Eicheln werden außerdem nicht so stark vom Rüsselkäfer befallen.

Wusstest Du schon…?
Die Roteiche ist der offizielle Staatsbaum des Bundesstaates New Jersey.

Wie erkennt Ihr die Roteiche?

Die Roteiche ist sehr gut an ihrem Laub zu erkennen. Das Blatt sieht dem unseren heimischen Eichenarten sehr ähnlich, die Blattlappen laufen aber spitz zu und sind nicht wie bei der Stiel- oder Traubeneiche abgerundet. Die Farbe der Blätter ist hellgrün. Im Herbst verfärben sich die Blätter der Eiche leuchtend rot oder orange. Der Name ist also Programm.

Eine kleine Roteiche im leuchtend roten Herbstlaub. 

Der Stamm der Roteiche sieht graubraun aus. Bei jungen Bäumen ist die Rinde noch sehr glatt. Bei älteren Bäumen sind mit dem Alter am Stamm längs verlaufende Risse zu erkennen.

Die Frucht der Roteiche sieht denen der heimischen Eichenarten sehr ähnlich. Sie unterscheidet sich jedoch in ihrer Form und ihrer Farbe. Die Nussfrucht hat oben ein Hütchen, den sogenannten Fruchtbecher. Insgesamt ist die Frucht kugeliger geformt und nicht so länglich wie bei der Stiel-  oder Traubeneiche. Die Farbe ist außerdem eher rötlich hellbraun, während die Eicheln der Stiel- oder Traubeneiche eher dunkel bis schwarz braun sind.

Wenn Ihr vielleicht mal einen gefällten Stammquerschnitt der Roteiche sehen könnt, dann wird Euch auffallen, dass in der Mitte ein dunklerer Kern liegt und das äußere Holz heller aussieht. Was ein sogenanntes Kernholz ausmacht, erfahrt Ihr noch in diesem Text.

Wo wächst die Roteiche?

Ursprünglich kommt die Roteiche aus dem östlichen Nordamerika. Dort wächst sie von Kanada bis runter nach Texas, Missouri und Oklahoma. 

Die Roteiche ist hinsichtlich des Bodens, auf dem sie wächst, eine eher anspruchslose Baumart. Sie wächst auf Böden, die sehr gut mit Nährstoffen versorgt sind, aber auch auf deutlich ärmeren Standorten. Nicht gut klar kommt diese Baumart mit nassen Füßen, oder mit Böden, auf denen sehr weit oben schon Gestein vorkommt. Diese bezeichnet man auch als flachgründig. In höheren Lagen oder am See- oder Flussufer werdet Ihr der Roteiche also eher nicht begegnen, denn dort ist es ihr zu nass.

Die Roteiche ist nicht so gefährdet durch Fraßschädlinge und wurde deshalb zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt in die Wälder in Deutschland eingebracht. Trotzdem ist der Anteil dieser Baumart immer noch vergleichsweise gering. Insgesamt macht sie einen Anteil von 0,6 % der Waldfläche in Deutschland aus. Die beiden heimischen Eichenarten liegen bei etwas über 5 % (Ergebnisse der 4. Bundeswaldinventur).

Das Laub ist unbestritten schön – nicht so unbestritten ist ihr Anbau hier in Deutschland.

Schönes Laub – aber nicht uneingeschränkt beliebt

Ihr Anbau wird allerdings auch kritisch betrachtet, denn als fremdländische Baumart oder auch Neophyt, kann sie unsere heimischen Arten gefährden. Neophyten sind Pflanzen, die nicht heimisch bei uns sind und durch ihr starkes Ausbreitungspotential andere heimische Arten verdrängen und gefährden können. Mehr zum Thema Neophyten findet Ihr in diesem Artikel.

Es gibt einige wissenschaftliche Untersuchungen, in denen Forscher:innen schauen, ob die Roteiche tatsächlich eine invasive Art ist, die heimische Arten gefährdet. Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung aus Polen kamen dabei zu dem Ergebnis, dass die Roteiche das Wachstum der heimischen Stieleiche unterdrückt. 

Auch die Vielfalt der heimischen Artenzusammensetzungen in Wäldern wird durch die Roteiche offensichtlich negativ beeinflusst. So ist die Artenvielfalt der Bodenvegetation in Roteichenbeständen deutlich geringer, als in denen von heimischen Eichenwäldern. Viele pflanzenfressenden Insekten bevorzugen anscheinend eher die Stieleiche und sind in den Kronen der Roteichen weniger häufig vertreten. Vor allem stark auf unsere heimischen Eichen spezialisierten Arten, wie unter anderem der Heldbock oder der Große Puppenräuber, scheint die Roteiche negative Auswirkungen auf das Vorkommen zu haben. Anders sieht es weiter unten aus. Im unteren Stammbereich ist der Unterschied des Vorkommens von Insektengemeinschaften weniger stark (Vergleich Rot- und Stieleiche). 

Insgesamt bietet die Roteiche eher Generalisten Nahrung und Lebensraum. Spezialisierte Arten, kommen an ihr so gut wie gar nicht vor. Dabei sind es genau diese Arten, die wir unbedingt schützen wollen und müssen, denn Spezialisten sind die seltenen Arten.

Allerdings gibt es aktuell noch keine abschließenden Erkenntnisse zum Thema Invasivität der Roteiche. Momentan führt das Bundesamt für Naturschutz sie auf der „Management Liste“ der invasiven Arten in Deutschland. Auch die Douglasie ist auf dieser Liste aufgeführt. Beide Baumarten werden aktuell in Deutschland in Wäldern gepflanzt und genutzt. 

Wie nutzt man die Roteiche?

Holz 

Die Roteiche bildet sogenanntes Kernholz aus. Das bedeutet, im inneren Kern des Stammes werden in den abgestorbenen Holzzellen, die nicht mehr für Wasser- oder Nährstofftransport genutzt werden können, bestimmte Stoffe eingelagert. Das können zum Beispiel Gerbstoffe oder bei anderen Baumarten auch Harz oder Gummi sein. Anders als unsere heimischen Arten verschließt die Roteiche diese Zellen allerdings nicht. Dieses Verschließen nennt man auch Verthyllen. Verthyllte Holzzellen sind undurchlässig für Flüssigkeiten und Gase und deshalb ist das Holz unserer heimischen Arten sehr beliebt zum Bauen von Wein- oder Whisky- Fässern. Mit dem Holz der Roteiche funktioniert das nicht. Dafür kann das Holz aber imprägniert werden. 

Das Holz wird insgesamt als nicht so wertvoll wie das der Stiel- oder Traubeneiche gesehen, obwohl man es ansonsten fast gleichwertig nutzen kann. Das liegt daran, dass das Holz grobporiger ist und weitere Holzgefäße besitzt. Wenn man also bspw. Furnier (ganz dünn geschnittenes Holz, was bspw. für Verkleidung von Oberflächen genutzt wird) aus dem Holz der Roteiche machen möchte, ist dies unregelmäßiger strukturiert. Auch die natürliche Dauerhaftigkeit ist geringer, wodurch sie im Außenbau nicht so gerne verwendet wird, es sei denn, das Holz wurde imprägniert.

Hier seht Ihr Furnierholz einer Roteiche. 

Das Holz der Roteiche wird gerne als Parkettholz genutzt, aber auch für den Bau von Treppen oder für Türen und Fenster. Die Biege- und Druckfestigkeit ist beim Holz höher als bei den heimischen Eichenarten. Diese Eigenschaften spielen eine wichtige Rolle bei der Tragfähigkeit und Stabilität des Holzes zum Beispiel bei tragenden Konstruktionen (Balken oder Pfähle), aber auch wie viel Druck zum Beispiel ein Fußboden aushalten kann.

Hier seht Ihr den sogenannten Spiegel der Roteiche.

Waldbrandschutz

Die Roteiche hat eine wichtige Bedeutung als Brandschutz. Sie wird als “Brandschutzriegel” in Nadelholzbestände gepflanzt. Das könnt Ihr oftmals in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg beobachten, denn hier gibt es viele Kiefernreinbestände, die sehr gefährdet bei Waldbränden sind. Die Streu, also das Laub, ist sehr säurehaltig und schlecht zersetzbar. Dadurch kann sich unter dem Laub keine neue Vegetation bilden. Durch das lang auf dem Boden liegende Laub der Roteiche soll verhindert werden, dass sich Bodenfeuer rasch weiter ausbreiten können. Aber mal kurz nebenbei gesagt: Eine saure Laubstreu, unter der nichts wachsen kann? So etwas wollen wir – zumindest nicht in großer Fläche – eigentlich nicht im Wald haben. 

Das säurehaltige Laub der Roteiche kann nur sehr schlecht zersetzt werden und verbleibt daher lange auf dem Waldboden. Als Schutz vor Bodenfeuern super – doch wo bleibt dann die Naturverjüngung?

Wie steht Ihr zur Roteiche? Wollt Ihr sie im Wald sehen oder sogar selbst anpflanzen? Oder seid Ihr eher Team heimische Eiche? Schreibt es uns in die Kommentare!

Quellen:

https://veranstaltungen.fnr.de/fileadmin/Projekte/2024/Veranstaltung/wkf-seminare/Roteiche/Roteiche_K

%C3%A4tzel.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Roteiche

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/roteiche

Der Beitrag Unsere Bäume – Die Roteiche (Quercus rubra) erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Giftpflanzen in unseren Wäldern https://forsterklaert.de/giftpflanzen https://forsterklaert.de/giftpflanzen#respond Fri, 27 Jun 2025 11:22:25 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5897 Eine der wichtigsten Regeln im Wald ist: Iss nichts, was du nicht kennst. In diesem Artikel erfahrt Ihr von vier...

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Eine der wichtigsten Regeln im Wald ist: Iss nichts, was du nicht kennst. In diesem Artikel erfahrt Ihr von vier Giftpflanzen, die diesen Spruch umso wichtiger machen. Alle kommen in unseren Wäldern vor und locken zum Beispiel mit saftig aussehenden Beeren. Doch was passiert, wenn man sich von ihnen verführen lässt? 

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Die Tollkirsche ist in Deutschland heimisch und wächst an Waldrändern oder auf Lichtungen. Die Kalamitäten der letzten Jahre haben ihr also in die Karten gespielt. Vielleicht kennt Ihr die Pflanze auch unter dem Namen Teufelskirsche, Waldnachtschatten oder Belladonna. Das Nachtschattengewächs kann bis zu zwei Meter hoch werden und wächst aufrecht. Die Blätter sind elliptisch geformt und die Blattspreite läuft in den behaarten Stiel über. Die Blüten treten einzeln und in braunvioletter Farbe auf. Sie blühen je nach Standort von Juni bis August. Aus der Blüte entsteht Ende Juli (bis in den Oktober hinein) eine dunkelviolette bis schwarz glänzende Beere. Sie sitzen auf dem grünen Blütenkelch der ehemaligen Blüte. 

Die schwarzen Beeren sitzen prall auf dem fünfblättrigen Blütenkelch.

Allgemein sollte alles an der spannend aussehenden Pflanze gemieden werden, da alle Pflanzenteile hochgiftig sind. Wenn man sich dennoch bedient hat, kann man dies an einer Pupillenerweiterung erkennen. Die betroffenen Personen haben oft einen trockenen Mund, gefolgt von Hautrötungen und Überwärmung, die in Herzrasen übergehen. Außerdem führt der Konsum auch zu Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Krampfanfällen. Das teilweise von wildem Lachen begleitete, krampfende Verhalten soll an einen tollwütigen Menschen erinnern.

Giftpflanzen nur mit Handschuhen entfernen

Nach dem “Aufdrehen” des Körpers folgt ein tiefer Schlaf, aus dem etwa 10 % der Menschen nicht wieder erwachen. Für Menschen sind es etwa 10, für Eure vierbeinigen Freunde nur 3 Beeren, die zum Tod führen können. Auch bei der Entfernung der Pflanzen solltet Ihr Handschuhe tragen, da schon ein Hautkontakt die Gifte übertragen kann.

Für einige Tiere sind diese Wirkungen jedoch irrelevant. Insekten freuen sich über die Blüten und Vögel gönnen sich durchaus die ein oder andere Beere. 

Eine hübsche lila Blüte versteckt die Kraft der Pflanze.

Wusstest Du schon…?
Der absolute Killer unter den Giftpflanzen ist der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus). Bereits zwei Gramm des Giftstoffes sind tödlich. Schon das Berühren der Pflanze kann Vergiftungserscheinungen auslösen wie Wärmegefühl, Brennen oder Lähmungen. Der Eisenhut kommt vom Südschwarzwald bis zur Oberen Donau und im Allgäu vor. Er bevorzugt feuchte Weideflächen oder Auwälder. Wenn Ihr diesen Gesellen vielleicht als Zierpflanze im eigenen Garten habt, ist Vorsicht geboten! 

In der Antike oder im Mittelalter wurde die Tollkirsche trotz der Nebenwirkungen von Frauen als Kosmetik genutzt, um eine Pupillenerweiterung zu verursachen. Obwohl die Pflanze so gefährlich ist und die Todesopfer der Pflanze blau anlaufen und aufquellen, gilt die Belladonna auch als Heilpflanze. In sehr geringen Dosen kann sie krampflindernd wirken und gegen Epilepsie oder Asthma helfen.

Echter Seidelbast (Daphne mezereum)

Der Echte Seidelbast wächst mitten im Wald und ist streng geschützt. Der heimische Strauch kann bis zu 1,5 m hoch werden und erfreut Waldbesucher:innen bereits früh im Jahr.

In der Kälte des Februars und bis Ende März hinein blüht der Seidelbast in rosa- bis purpurroten Farben. Seine Blüten sind dabei röhrenförmig und versprühen einen angenehmen Duft. Sie sitzen im Pulk direkt am Zweig.

Wusstest Du schon…?
Am Stengel sitzende Blüten sind in unseren Breitengraden etwas sehr besonderes. Ähnliche Pflanzenindividuen findet man erst wieder in den Tropen. 

Der Gewöhnliche Seidelbast mit seinen roten Beeren und den länglichen Blättern an der Spitze des Stengels.

Giftpflanzen mit fiesen Tricks

In der Blütezeit Anfang des Jahres hat der Seidelbast noch keine bis wenige Blätter. Diese bilden sich erst zusammen mit den Beeren aus. Die Blätter sind eiförmig und nur kurz gestielt. Die Früchte des Seidelbasts bilden sich nach der Blütezeit und haben im reifen Zustand ein auffälliges Rot. Der Strauch ist eine durch und durch giftige Pflanze, mit Ausnahme des Fruchtfleischs der Beeren. Besonders gefährlich sind die Rinde und die Früchte, welche mit ihrer roten Farbe zum Naschen einladen. In den Beeren befinden sich nämlich giftige Samen, die man bei Genuss des Fruchtfleisches unweigerlich zerkaut. Was ein gemeiner Trick!

Den Namen Kellerhals trägt der Seidelbast aufgrund der Halsschmerzen, die man beim Verzehr bekommt. Dazu entwickeln sich eine Schwellung, Rötung und sogar eine Blasenbildung im Mundbereich. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch bei dieser Pflanze sollte Hautkontakt vermieden werden. Wie im Mundraum können Rötungen oder Blasen auf der Haut entstehen. 

In richtiger Dosierung wird der Seidelbast aber ebenfalls in der Medizin genutzt. Er kommt bei Hautleiden oder Erkältungen zum Einsatz. Auch die Insektenwelt profitiert von dem früh blühenden Busch. Als eine der ersten Blütenquellen zieht er viele unterschiedlichen Arten an 

Die kleinen violetten Blüten des Seidelbast pranken am Stab des Busches.

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

Der Rote Fingerhut ist ein hochwirksames Heilmittel für die Stärkung des Herzmuskels oder die Regulierung der Herzfrequenz. In der richtigen Dosierung versteht sich! Denn alle Teile der heimischen Pflanze gelten als giftig. 
Er kommt auf Waldlichtungen oder Waldrändern vor und fühlt sich auf den durch Kalamitäten entstandenen Freiflächen sehr wohl. So ein Meer an Fingerhüten ist eine richtige Hummel-Oase!  

Die zahlreichen Blüten des Fingerhuts.

Der Fingerhut wird bis zu 1,5 m hoch. Er hat eiförmige, gekerbte Blätter, die auf der Unterseite behaart sind. Besonders beliebt ist er bei Insekten durch seine bis zu 5 cm lange, glockenförmige Blüte. Sie hat eine rosa bis purpurne Farbe und besitzt im Inneren kleine rote, weiß umrandete Flecken und kleine Härchen. Ein Spross hat 50 bis 100 Blüten. 

Aus den Blüten entwickeln sich hellbraune, eiförmige Samenkapseln, die viele braunschwarze Samen des Fingerhutes beinhalten. Die Pflanze blüht von Juni bis August. 

Wusstest Du schon…?
Der rote Fingerhut bringt immer wieder weiße Individuen hervor. Diese Varianz der Pflanze wird dann lateinisch Digitalis purpurea (wie der Rote Fingerhut) var. abiflora genannt. Den lateinischen Namen des roten Fingerhutes verdankt er dem Digital. So nannte man früher die metallenen Fingerhüte der Schneider. 

Im Inneren der rosa Blüten liegen kleine feine Härchen und die charakteristischen lila Punkte auf weißem Grund.

Der Verzehr führt neben Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auch zu Herzrhythmus- oder Sehstörungen. Schon zwei bis drei Blätter können bereits tödlich sein!

Die heilende Wirkung des Fingerhutes wurde früher für die Wundheilung eingesetzt. Erst wesentlich später entdeckte ein britischer Arzt die Wirksamkeit des Fingerhutes auf das Herz. 

Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) 

Du warst im Wald unterwegs und plötzlich hast du eine Verbrennung an Arm oder Bein? Dann war es wohl dieser Übeltäter! Der Riesenbärenklau ist ein Neophyt – also eine nicht heimische Pflanze – die in Deutschland und Mitteleuropa allgemein stark verbreitet ist. Die aus dem Kaukasus stammende zwei- bis dreijährige Pflanze, die erst in ihrem zweiten oder dritten Jahr blüht, kommt an Waldrändern und Ufern vor. 

Die Pflanze keimt sehr früh im Jahr und wächst sehr rasch, sodass sie heimische Arten verdrängen kann. Durch seine großen Blätter beschattet er die Bodenvegetation unter ihm und dunkelt sie aus. Vor allem in besonderen Biotopen, wie feuchten Hochstaudenfluren oder naturbelassenen Wiesen, bedroht er seltene und gefährdete Arten. Auch für den Menschen stellt er eine Gefahr dar. Der Saft des Riesenbärenklau verursacht unter Sonneneinstrahlung verbrennungsartige Verletzungen, mit denen man unbedingt einen Arzt aufsuchen sollte. Deshalb sollte im Umgang mit ihm nicht auf Handschuhe verzichtet werden. Sollte man doch in Kontakt mit dem Pflanzensaft kommen, sollte er sofort abgewaschen werden. 

Die Blätter des Riesenbärenklau sind tatsächlich riesig!

Eingeschleppte Giftpflanzen übernehmen unsere Wälder

In unseren Wäldern breitet sich die Pflanze zunehmend aus und stellt ein ernsthaftes Problem für die heimische Flora dar. Und das nicht ohne Grund: Eine einzige Pflanze kann bis zu 70.000 Samen verbreiten!

Bekämpfen kann man den Riesenbärenklau, indem man ihm in der Blütezeit – und somit vor der Entwicklung von Samen – die Blütendolden abschneidet. Wird die Pflanze vor der Blüte beschnitten oder entfernt, treibt die Pflanze erneut aus. Das Entfernen der Blütendolden muss jedoch eventuell noch einige Jahre wiederholt werden, damit die in der Erde lagernden Samen nicht austreiben. 

In diesem Bestand, über den Simon gestolpert ist, konnte sich der Riesenbärenklau bereits stark verbreiten.

Eine im Wald angewandte Strategie ist das Ausgraben der Pflanze. Dazu sollte man mindestens 20 Zentimeter tief graben, um auch wirklich alle Wurzeln zu erwischen. Doch wenn sich der Riesenbärenklau erstmal vermehrt hat, ist auch dies ein hoher Aufwand. Eine weitere Methode liegt darin, Starkstrom von der Pflanzenspitze bis in die Wurzeln zu leiten.

Im Wald gibt es noch wesentlich mehr giftige Pflanzen. Möchtet Ihr mehr von ihnen kennenlernen? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/tollkirsche.html

https://www.plantura.garden/gehoelze/schwarze-tollkirsche/schwarze-tollkirsche-pflanzenportrait

https://dingolfing-landau.bund-naturschutz.de/natur-in-unserem-landkreis/pflanzen/seidelbast-1#

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/seidelbast.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/06074.html

https://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/liste-ausgewaehlter-giftpflanzen/fingerhut.html

https://wunderkammer.naturkundemuseum-karlsruhe.de/de/objekt/die-giftigste-pflanze-europas

https://wunderkammer.naturkundemuseum-karlsruhe.de/de/objekt/die-giftigste-pflanze-europas

https://www.uni-ulm.de/einrichtungen/garten/garten/freiland/apothekergarten/steckbriefe-nicht-in-broschuere/aconitum-napellus/#

https://www.forstpraxis.de/gefaehrlich-so-wird-riesenbaerenklau-im-wald-bekaempft-23295 

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/17696.html

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​​Die Küstentanne: Eine Tanne für den Wald der Zukunft?   https://forsterklaert.de/kuestentanne https://forsterklaert.de/kuestentanne#comments Sun, 22 Jun 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5960 Schon seit geraumer Zeit bereiten der Klimawandel und das Wohlergehen unserer Wälder den Förster:innen Sorge. Die Folgen der Erderwärmung machen...

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Schon seit geraumer Zeit bereiten der Klimawandel und das Wohlergehen unserer Wälder den Förster:innen Sorge. Die Folgen der Erderwärmung machen den meisten unserer heimischen Baumarten zu schaffen, reißen Lücken in das Ökosystem Wald und wirken sich so auch auf die Verfügbarkeit von Holz aus.
Die Küstentanne (Abies grandis), die eigentlich aus dem Westen Nordamerikas stammt, könnte Abhilfe schaffen und Lücken im Wald wieder füllen, den Holzvorrat wieder aufstocken und eine Zukunft in unseren Wäldern haben. Warum die Küstentanne gar nicht so neu ist, was sie sonst noch besonders macht und wie Ihr sie erkennt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

In dem Revier, in dem Simon Förster ist, stehen beachtliche Küstentannen.

Die Küstentanne erkennen

Die Küstentanne ist ein immergrüner Nadelbaum. Wenn sie noch jung ist, könnt Ihr sie an der glatten und grauen Rinde erkennen. Danach bilden sich kleine Blasen an der Rinde. Wenn Ihr diese mit dem Fingernagel ankratzt, quillt Baumharz hervor. Die Rinde wird mit zunehmendem Alter schuppig, rissig und dunkelbraun.

Wie viele Tannenarten auch hat die Küstentanne glänzende, flache und weiche Nadeln, welche auf der Unterseite zwei helle Streifen haben. Wenn Ihr die Nadeln mal in die Hände nehmt und zerreibt, könnt Ihr einen Zitrusduft wahrnehmen.

In Deutschland gehört die Küstentanne zu einer der höchsten Baumarten und kann bis zu 50 Meter groß werden. Von weitem könnt Ihr sie daran erkennen, dass ihre Krone spitz zuläuft.

Für Zitrusgeruch einfach ein paar Nadeln in der Hand zerreiben.

Wusstest Du schon…?
Die Küstentanne kann in ihrer eigentlichen Heimat im Westen Nordamerikas sogar eine Höhe von bis zu 100 Metern erreichen und gehört damit zu den höchsten Tannen der Welt. Die größten Exemplare stehen in den USA.

Herkunft der Küstentanne

Die Küstentanne stammt aus Nordamerika und wächst dort vor allem in regenreichen Wäldern an der Westküste der USA und Kanada. Wegen der guten Holzqualität und des schnellen Wachstums wurde ihr Saatgut schon 1833 nach Europa und Deutschland gebracht, wo forstliche Versuchsanstalten mit den ersten Anbauversuchen begannen.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gestarteten Anbauversuche waren erfolgreich. So wurden damals einige der heutigen Bestandsflächen, also Küstentannen-Flächen, begründet. Diese liegen heute in Deutschland vor allem in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Mittlerweile wird die Küstentanne vor allem in Mischbeständen, also Wäldern mit vielen verschiedenen Baumarten wie Buchen oder Douglasien, gepflanzt.

Obwohl die Küstentanne schon lange in Deutschland vorkommt, ist ihr Bestand relativ gering, besonders im Vergleich zu unseren Hauptbaumarten wie Fichte, Kiefer, Buche oder Eiche.

Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern. Denn gerade im Hinblick darauf, wie sich unser Wald in den letzten Jahren schon verändert hat, rückt die Küstentanne durch einige interessante Eigenschaften weiter ins Bewusstsein vieler Förster:innen.

In diesem Mischwald vermehrt sich die Küstentanne natürlich. Auf dem Waldboden sind einige junge Exemplare zu sehen.

Küstentanne gegen den Klimawandel?

Die Küstentanne kann sich sehr gut an verschiedene Bodenverhältnisse anpassen und hat eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Pilzkrankheiten, die in den Wäldern zunehmend problematisch werden.

Auch beim Stichwort Dürreperioden und extreme Stürme, welche in Zeiten des Klimawandels zunehmen werden, ist die Küstentanne zum Beispiel durch ihr tiefes Pfahlwurzelsystem gut vorbereitet. Das Pfahlwurzelsystem verleiht der Küstentanne die Eigenschaft, auch in trockenen Zeiten an Wasser in tieferen Schichten des Bodens zu kommen. Die tiefen Wurzeln machen die Küstentanne außerdem stabiler und weniger anfällig für die heftigen Stürme.

Einige Eigenschaften sprechen also dafür, dass die Küstentanne gut gegen Folgen des Klimawandels gerüstet ist. Damit wäre sie in unseren Mischwäldern der Zukunft zumindest für ein stabiles und intaktes Ökosystem und vielleicht ja auch für die Produktion von Holz ein echter Gewinn.

Edit:
Wir haben von Euch Feedback bekommen, dass es der Küstentanne in Euren Wäldern nicht so gut geht, wie bisher veröffentlichte Forschung uns glauben lässt. Das nehmen wir natürlich ernst! Daraufhin haben wir direkt in der Wissenschaft nachgefragt. Die Küstentanne wird als Zukunftsbaum untersucht und schien bis vor Kurzem klimawandelresistent. Doch die letzten ein bis zwei Jahre haben leider etwas anderes gezeigt und die Küstentanne ist scheinbar anfälliger gegenüber Pilzen und Krankheiten. Diese Erkenntnisse sind allerdings so neu, dass sie noch nicht veröffentlich wurden! Manchmal kann der Prozess wissenschaftlichen Arbeitens eben nicht mit dem Klimawandel mithalten.

Ein Meer aus kleinen Küstentannen.

Eine produktive Tanne?

Die Küstentanne ist nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch für die Holzproduktion und Holzindustrie spannend für die Zukunft, denn Ihr Holz ist weich und lässt sich gut verarbeiten.

Das Holz der Küstentanne ist außerdem eher wenig verharzt, was sowohl bei der Bearbeitung im Sägewerk, als auch bei der Trocknung vorteilhaft ist. Im Sägewerk verschmutzt und verklebt Harz oft die Maschinen und bei der Trocknung führt es dazu, dass Wasser nicht gut aus dem Holz entweichen kann. Holz, das besonders viel Harz hat, trocknet also langsamer und unregelmäßiger. Das Holz der Küstentanne ist wegen dieser Eigenschaften in der Papierproduktion und im Möbelbau beliebt.

Die Küstentanne wächst außerdem schneller als viele heimische Baumarten und hat noch eine weitere wichtige Eigenschaft: Ihr Stamm ist vollholzig. Vollholzig beschreibt die Form des Stammes und dass dieser auch oben in der Krone noch relativ dick ist. Das Gegenteil von vollholzig ist abholzig und beschreibt einen Stamm, der mit zunehmender Höhe stetig dünner wird.

Der sonnenbestrahlte Stamm der Tanne.

Dass der Stamm der Küstentanne auch hoch oben in der Krone noch einen relevanten Durchmesser aufweist, steigert natürlich die Menge Holz, die man ernten kann. Das führt natürlich auch dazu, dass wir im gesamten vielleicht weniger Bäume fällen müssen. So sparen wir nicht nur Aufwand und Mühen, sondern auch Kosten.

All diese Eigenschaften der Küstentanne führen also zu einer hohen Produktivität in der Holzproduktion und machen sie damit auch zu einem wichtigen Faktor für die Forstwirtschaft der Zukunft.

Wusstest Du schon…?
Wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel spricht man bei Baumarten wie der Küstentanne von sogenannten Zukunftsbäumen.

Mit dem Begriff Zukunftsbäume sind solche Arten gemeint, die mit den zukünftigen Veränderungen des Klimas in Deutschland und Europa umgehen können.

Diese Arten werden also womöglich zu einem festen, stabilen und wichtigen Bestandteil unserer Wälder der Zukunft sein. Damit könnten die Zukunftsbäume die ein oder andere heimische Baumart, die sich nicht an die Veränderungen des Klimas anpassen kann, ersetzen.

Und die Nachteile?

Trotz ihrer Vorteile gibt es auch Bedenken bei der verstärkten Nutzung der Küstentanne. Es bleibt zum Beispiel die Sorge, dass sie als nicht heimische Baumart langfristige ökologische Auswirkungen auf unsere Wälder hat. Solche Auswirkungen kann man erst nach langfristigen Anbauversuchen mit entsprechender wissenschaftlicher Untersuchung herausfinden. Die Küstentanne benötigt in jungen Jahren außerdem ausreichend Feuchtigkeit, um gut anzuwachsen, was in trockenen Regionen Deutschlands durchaus ein Problem darstellen kann.

Außerdem besteht wie auch bei allen anderen Baumarten natürlich die Gefahr, dass sich vor allem bei zu starker Monokultur-Nutzung künftig Schädlinge auf sie spezialisieren und so eine solche Kultur erheblich bedrohen könnten.

In Mischbeständen machen die kleinen Tannen eine gute Figur.

Wie viel Küstentanne braucht unser Wald?

Noch ist die Küstentanne in unseren Wäldern eine eher seltene Erscheinung. Trotzdem ist sie längst mehr als ein forstliches Versuchsexperiment und hat sich nun schon seit einiger Zeit bewährt und sich in viele Mischbestände integriert.

Gerade ihre Eigenschaft, gut mit Trockenperioden umzugehen, sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge sprechen dafür, dass wir die Küstentanne in Zukunft noch mehr in unsere Mischbestände einbringen sollten, wenn wir dem Klimawandel etwas entgegensetzen wollen.

Wie hoch der Anteil der Küstentanne in unseren Wäldern der Zukunft allerdings wirklich sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass sie auch heute schon als Ergänzung heimischer Baumarten eine Bereicherung für klimastabile Wälder darstellt und für die Zukunft ein großes Potenzial bereithält.

Quellen:

https://www.holzvomfach.de/fachwissen-holz/glossar/abholzigkeit/

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/grosse-kuestentanne#c79245

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/nadelbaeume/hoehenwachstum-der-grossen-kuestentanne

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Der Gemeine Efeu https://forsterklaert.de/efeu https://forsterklaert.de/efeu#respond Sun, 08 Jun 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5895 Der Efeu (Hedera helix) wird häufig der “Gemeine Efeu” genannt. Doch wie gemein ist er eigentlich? Volkstümlich wird dem Efeu...

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Der Efeu (Hedera helix) wird häufig der “Gemeine Efeu” genannt. Doch wie gemein ist er eigentlich? Volkstümlich wird dem Efeu nachgesagt, er würde Bäume erwürgen und diese Annahme hat so stark das Image des Efeus geprägt, dass manche Förster:innen den Efeu sogar unten abgeschnitten haben, um ihre Bäume zu retten. Ob (und wie viel) Wahrheit darin steckt, erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Es grünt so grün

Bei dem Efeu handelt es sich um eine immergrüne Pflanze, das heißt, sie hat das ganze Jahr über grüne Blätter. Die Oberseite der Blätter ist dunkelgrün glänzend mit hellgrün hervortretenden Blattadern, während die Unterseite lediglich hellgrün gefärbt ist. Im Laufe des Winters färben sich die Blätter leicht rötlich. Die Blätter selbst sind ledrig und  ganzrandig mit 3-5 Ecken, teilweise sind sie wie ein Herz geformt (sehr romantisch). Außerdem können die Blätter oval geformt sein – wie der Umriss von einem Ei. Das hat mit dem Alter der Pflanze zu tun, denn wird der Efeu älter, entwickelt sich die Form weg von den Ecken und hin zu eiförmig ovalen Blättern. Am Trieb sind sie wechselständig angeordnet.

Sobald die Blätter anfangen oval zu werden, was so im Alter von 8-10 Jahren passiert, fängt der Efeu an zu blühen. Seine Blütezeit ist im Herbst und seine Blüten sind recht klein und unscheinbar. Sie sind ebenfalls hellgrün, halbkugelig geformt und doldig. Zudem riechen sie faulig, das scheint die Bestäuber aber nicht sonderlich zu stören. Gerade Bienen freuen sich sehr über diesen spätsommerlichen/frühherbstlichen Snack. Aus diesen Blüten entwickeln sich dann erst im Frühjahr (Februar – April) kleine schwarzblaue Beeren, die 3-5 nierenförmige Samen enthalten. 

Hier könnt Ihr gut sehen, wie die Beeren in einer Dolde angeordnet sind.

Wusstest Du schon…?
Unser heimischer Efeu gehört zur Gattung der Hedera, dazu zählen insgesamt 21 anerkannte Arten. Eine weitere Art ist der irische Efeu (Hedera hibernica), dessen Blatt fünf Zacken hat und damit fast so aussieht wie ein japanischer Ahorn!

Wo der wilde Efeu wohnt

Das Verbreitungsgebiet unseres heimischen Efeus erstreckt sich fast komplett über ganz Europa. Lediglich im hohen Norden, wie in Skandinavien, ist er nicht zu finden. Da ist der Efeu wohl eine Frostbeule! Auf anderen Kontinenten, wie z.B. in Nordamerika und Australien wurde der Efeu durch uns Menschen eingebracht und ist dort invasiv. Das bedeutet, dass er eine Bedrohung für andere heimische Pflanzenarten darstellt, mehr dazu findet Ihr in unserem Artikel über Neophyten.

Beim Efeu handelt es sich um einen Strauch, der anderthalb bis 20 Meter hoch werden kann. Er mag es am liebsten im Schatten mit einem humusreichen Boden. Findet er dort etwas zum Klettern, wie z.B. einen Baum (tot oder lebendig), eine Mauer oder auch eine Hauswand, macht er sich an den Aufstieg. Dafür bildet die Kletterpflanze sogenannte Haftwurzeln aus, die ihm Halt geben. Diese Haftwurzeln bildet der Efeu allerdings nur, während er noch jünger ist. 

Eine Efeupflanze kann zwischen 200 und 500 Jahre alt werden. Bei diesem Alter ist es nicht weiter verwunderlich, dass der verholzte Stamm in Einzelfällen über einen Meter Durchmesser erreichen kann. Für eine Kletterpflanze ist das ziemlich beeindruckend!

Zwei Bäume unterschiedlich stark vom Efeu überwachsen.

Baumwürger oder Baumliebhaber?

Das Image des Efeus war lange Zeit ausgesprochen schlecht. Ihm wurde vorgeworfen, er würde Bäume, an denen er hoch klettert, erwürgen, mit seinen Haftwurzeln unter der Rinde Nährstoffe aufsaugen und so seinen Wirt schwächen. Kurz um, viele Menschen dachten, es würde sich bei dem Efeu um einen Parasiten, einen sogenannten “Schmarotzer” handeln. Dies hatte zur Folge, dass der Efeu unter Forstleuten sehr unbeliebt war und manche haben im Glauben, sie würden dem Baum etwas Gutes tun, den Stamm des Efeus unten abgeschnitten. 

Dabei stimmen keine dieser Anschuldigungen. Beim Efeu handelt es sich um einen Epiphyten, so heißen Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen. Eine andere Bezeichnung wäre „Aufsitzerpflanzen”. Die Haftwurzeln des Efeus dringen nicht unter die Borke des Baumes, auf dem sie leben, es findet also keine Aufnahme von Nährstoffen statt. Folglich können wir an dieser Stelle nicht von Parasitismus sprechen.

Die großen Haftwurzeln neben einem mini-kleinen Trieb.

Auch wenn der Efeu den Bäumen keine Nährstoffe entzieht, kann er trotzdem negative Auswirkungen haben. Schließlich benötigt er ebenso wie der Baum, an dem er hoch klettert, Wasser, Nährstoffe aus dem Boden und Sonnenlicht. Dabei konkurriert er um diese – auf schlau “Wachstumsfaktoren”  – mit den anderen Pflanzen in der Umgebung. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass der Efeu gerade hinsichtlich des Sonnenlichtes keine Konkurrenz für seinen Wirtsbaum darstellt. Höchstens bei alten und kranken Bäumen kann der Efeu den Baum komplett überwuchern und ihm dabei schädigen. In der Regel können die Wirtsbäume bis in die Krone vom Efeu bewachsen werden, ohne dass es sich schlecht auf ihre Gesundheit auswirkt.

Nur der Weißdorn ist kein Fan vom Efeu

Dies gilt für alle Wirtsbaumarten außer dem Weißdorn. Für den Weißdorn stellt der Efeu eine ernsthafte Konkurrenz um das Sonnenlicht dar und kann starke Schäden an dem Strauch verursachen, wenn er ihn überwuchert. Ein weiterer Nachteil des Efeus ist sein Gewicht. Schwache Äste können unter dem zusätzlichen Gewicht leichter brechen, meistens ist das aber gerade für gesunde Bäume kein Problem. Außerdem ist ein überwucherter Baum ein Paradies für viele verschiedene Arten, Stichwort: Mikrohabitate

Die Raupen unterschiedlichster Falter futtern die Blätter, Vögel wie die Drossel und der Star schnabulieren die Beeren, bauen ihre Nester im Schutz der verwinkelten Wurzeln und auch kleinen Säugetieren bietet der Efeu Schutz vor Fressfeinden. Schauen wir uns den Efeu unter dem Aspekt des Artenschutzes und der Diversität an, ist er im Wald nicht wegzudenken, da er einen idealen Lebensraum für viele Arten bietet. Wir sollten im Sinne des Naturschutzes den Efeu, Efeu sein lassen und uns freuen, wenn wir ihn im Wald finden. Wer weiß denn schon, wer da alles wohnt?

Wusstest Du schon…?
Der Name des Efeus kommt ursprünglich aus dem althochdeutschen (“phihouwi“) und bedeutet “ewiges Heu”.

Efeu kann auch wie ein grüner Teppich den Waldboden bedecken.

Von der Antike in die Moderne

Aufgrund seiner immergrünen Blätter und seiner Fähigkeit, sich um Dinge herum zu ranken, genoss der Efeu bei den verschiedensten altertümlichen Völkern ein hohes Ansehen. Für das Volk der Ägypter war er ein Symbol des Osiris, des Gottes der Unterwelt, die Griechen schrieben ihn Dionysos, dem Gott des Weins, zu. Der Efeu symbolisiert Treue, da er sich anschmiegt. Deshalb gab es früher den Brauch, frisch verheirateten Paaren Efeuzweige zu schenken, um ihre dauerhafte Verbundenheit zu symbolisieren.

Interessanterweise kommt aus der griechischen Kultur auch der lateinische Name des Efeus: Hedera kommt von hédra, was “Sitz” heißen soll (von auf dem Baum sitzend) und helix hat seinen Ursprung in dem Wort helissen was “windend” oder “drehend” bedeutet. Die tatsächliche griechische Bezeichnung (kissós) würden wir mit “Schlinge” übersetzen. Auch im Christentum fand die Symbolik des Efeus Einzug, dort haben die Menschen ihn jedoch dank seiner immergrünen Blätter mit dem ewigen Leben assoziiert, weshalb er häufig auf Särgen oder Grabsteinen zu finden ist. 

Heutzutage wird der Efeu hauptsächlich wegen seiner medizinischen Eigenschaften verwendet. Kleiner Disclaimer: der Efeu ist giftig! Fasst Ihr die frischen Blätter an oder berührt Ihr den Saft, kann das allergische Reaktionen hervorrufen. Die Beeren sind außerdem nicht zum Verzehr geeignet, weil sie Übelkeit und Erbrechen auslösen können. Aber wie heißt es noch gleich? Die Dosis macht das Gift! Aus den Blättern können wir sogenannte Saponine herauslösen. Dieser Wirkstoff hilft z.B. gegen Husten oder bei chronischer Bronchialerkrankung. 

Der Efeu ist also nicht nur ein Naturschutzwunder sondern auch ein Medizinisches! Kennt Ihr noch andere Waldpflanzen, die einen Beitrag zur Medizin leisten? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Quellen:

https://www.floraweb.de/php/artenhome.php?suchnr=2760&

https://www.blumeninschwaben.de/Bestimmung/hedera.htm#Gew%C3%B6hnlicher%20Efeu

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/straeucher-krautpflanzen/efeu-der-immergruene-kletterer

https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:30070080-2

https://berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/arten/30291.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Epiphyt

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/bestandespflege/efeulianen-in-den-rheinauen

http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/naturdesjahres/2010/11749.html

https://www.awl.ch/heilpflanzen/hedera_helix/efeu.htm

Der Beitrag Der Gemeine Efeu erschien zuerst auf Forst erklärt.

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