Biene Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/biene Wissen aus dem Wald Mon, 27 Apr 2026 09:04:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Biene Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/biene 32 32 Insekten – Das Reich der Sechsbeiner https://forsterklaert.de/insekten https://forsterklaert.de/insekten#respond Fri, 01 May 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6608 Sie krabbeln, surren und brummen. Manche von ihnen können stechen oder beißen. Zu allem Überfluss erinnern ihre Körper an Aliens...

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Sie krabbeln, surren und brummen. Manche von ihnen können stechen oder beißen. Zu allem Überfluss erinnern ihre Körper an Aliens und sie haben sechs Beine. Insekten. Bei den meisten sind sie absolut unbeliebt – aber zurecht? In diesem Artikel tauchen wir gemeinsam in eine faszinierende Miniaturwelt ein. Ihr erfahrt, wie Insekten aufgebaut sind, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen und welche Rolle Insekten für Ökosysteme und in der Forstwirtschaft spielen.

Ein Blick durchs Makroobjektiv

Viele Details der Insekten bleiben uns im Alltag verborgen. Sie sind klein und wir gehen oft achtlos an ihnen vorbei. Doch wer einmal genauer hinsieht, vielleicht sogar mit einer Lupe, entdeckt eine erstaunliche, vielfältige Welt. Fein strukturierte Panzer, metallisch schimmernde Farben oder bizarre Körperformen zeigen sich hier. Ein Beispiel ist der Rüsselkäfer der Gattung Liparus. Mit seinem kräftigen Körper und dem charakteristischen Rüssel wirkt er fast wie eine kleine gepanzerte Maschine. Gleichzeitig ist seine Körperform perfekt an seine Lebensweise angepasst. 

Auf der Seite des Monats Mai unseres Kalenders für 2026 findet Ihr spannende Infos über den Rüsselkäfer. 

Aufbau des Insektenkörpers

Der Körper von Insekten ist klar gegliedert und folgt einem Millionen Jahre alten Bauplan. Er ist so einfach gestaltet, dass selbst Lego-Designer:innen neidisch werden dürften. Insekten bestehen aus drei Hauptabschnitten: Kopf, Brust und Hinterleib. Am Kopf befinden sich die Mundwerkzeuge, die Fühler und die Augen. Die Brust – auch Thorax genannt – trägt die sechs Beine sowie meist ein oder zwei Flügelpaare. Im Hinterleib befinden sich die lebenswichtigen Organe, wie Verdauungssystem, Fortpflanzungsorgane und oft auch Atemöffnungen. 

Atemöffnungen?!? Richtig gehört – Insekten haben keine Lunge wie wir Menschen. Stattdessen liegen kleine Öffnungen über den Hinterleib verteilt, durch die Luft in den Körper gelangt. Genauso verrückt sind Insektenherzen. Sie pumpen eine Mischung aus Blut und Lymphflüssigkeit, die sogenannte Hämolymphe, im Inneren der Insekten von A nach B. Insekten besitzen kein geschlossenes Blutgefäßsystem wie wir Menschen. Stattdessen umspült die Hämolymphe die Organe in einem offenen Körperraum. Das Insektenherz fungiert wie ein Kochlöffel im Suppentopf und bewegt diese Flüssigkeit. 

Die klare Gliederung ihres Körpers hat im Laufe der Evolution viele Varianten dieses Aufbaus hervorgebracht. Je nach Lebensweise können Mundwerkzeuge, Beine oder Flügel stark unterschiedlich entwickelt sein – etwa zum Springen, Graben, Saugen oder Stechen. 

So ist der typische Insektenkörper aufgebaut.

Wusstest Du schon…?
Insekten haben immer sechs Beine. Spinnen hingegen haben acht Beine. Wer also Angst vor Spinnen hat, sollte zumindest nicht gleich die Insekten verteufeln. Weshalb Spinnen übrigens gar nicht so übel sind, thematisieren wir in einem anderen Artikel. 

Die Facettenaugen

Viele Insekten besitzen sogenannte Facettenaugen. Diese bestehen nicht aus einer einzigen Linse, wie beim menschlichen Auge, sondern aus vielen tausend Einzelaugen, den sog. Ommatidien. Jedes dieser Einzelaugen nimmt einen kleinen Ausschnitt der Umgebung wahr. Zusammengesetzt ergibt sich daraus ein mosaikartiges Bild. Diese Bauweise ermöglicht Insekten eine extrem schnelle Wahrnehmung von Bewegungen. Gerade für fliegende Tiere wie Libellen oder Fliegen ist das überlebenswichtig, da sie Feinde so früh erkennen oder Beute verfolgen können. 

Hier seht Ihr eine Makroaufnahme, auf der die Facettenaugen eines Insektes gut zu erkennen sind.

Wusstest Du schon…?
Unter den Insekten gibt es einige Imposter. Sie machen sich eine Eigenschaft zu Nutzen, die Fachleute “Mimikry” nennen. Wer bereits von einer Wespe gestochen wurde, ist oft schon gestresst, wenn man die typische schwarz-gelbe Erscheinung sieht. Andere Insektenarten, wie beispielsweise die Schwebfliege, haben allerdings weder einen Stachel noch Gift, um sich gegen Fressfeinde zu verteidigen. Im Laufe der Evolution haben sie deshalb ein ähnliches schwarz-gelbes Aussehen wie Wespen angenommen. Viele Menschen verwechseln Schwebfliegen deshalb leicht mit Wespen. 

Kommunikation über Duftstoffe

Viele Insekten kommunizieren über chemische Duft- und Botenstoffe. Ein Beispiel dafür sind Pheromone. Diese Duftstoffe können Informationen über große Entfernungen transportieren. Ameisen nutzen diese Duftspuren beispielsweise, um ihren Nestgenoss:innen den Weg zu einer Nahrungsquelle zu zeigen. Auch in der Insektenwelt bestimmen Botenstoffe die Partnerwahl. Weibliche Nachtfalter können Männchen über mehrere Kilometer hinweg anlocken, indem sie spezielle Duftstoffe in die Luft abgeben. Für viele Insekten sind chemische Signale besonders wirkungsvoll, vor allem über größere Distanzen.

Wie gut dieser Mechanismus funktioniert, zeigt der Borkenkäfer (Ips typographus) eindrücklich. Ausgewachsene Männchen lokalisieren gezielt geschwächte Fichten und bohren sich durch die äußerste Rinde bis in den Bastbereich ein. Der Bast ist eine dünne Gewebeschicht auf der Innenseite der Baumrinde. Genau dort verlaufen die Leitgewebe für den Transport des mittels der Photosynthese gewonnen Zuckers und weiterer Nährstoffe. Eine starke Schädigung dieses Gewebes kann den Nährstofftransport so stark beeinträchtigen, dass der Baum abstirbt. Durch das Anlegen sogenannter Rammelkammern unter der Borke schaffen die Männchen die Grundlage für die Fortpflanzung. Gleichzeitig beginnen sie, Pheromone freizusetzen, die sowohl Weibchen als auch weitere Männchen anlocken und so eine koordinierte Massenbesiedlung ermöglichen. 

Strahlenförmige Kinderstube

Nachdem die Weibchen angekommen sind, paaren sie sich mit den Männchen. Anschließend legen die Weibchen von den Rammelkammern aus „Muttergänge“ in den Bast an und platzieren dort ihre Eier. Die schlüpfenden Larven fressen charakteristische, strahlenförmig angeordnete Larvengänge, wodurch der Nährstofftransport im Baum zunehmend unterbrochen wird. Aus den Larven entwickeln sich schließlich Jungkäfer, die nach einer Reifungsphase unter der Borke ausfliegen und neue Wirtsbäume befallen können. 

Zu sehen sind die typischen Fraßgänge des Borkenkäfers (Ips typographus) im Bastgewebe. Der Bast ist eine dünne Schicht, die ganz innen an der Baumrinde verläuft. 

Wusstest Du schon…?
Forscher:innen der Universität Göttingen haben eine Art künstliche Nase entwickelt, um den speziellen Borkenkäfer Duftstoff in Kombination mit den Stressstoffen eines befallenen Baumes erkennen zu können. Diese Sensoren werden auf Drohnen montiert und können so große Waldflächen aus der Luft überwachen. So können Forschende befallene Regionen früher erkennen als mit einer rein visuellen Kontrolle. Das könnte helfen, die Schäden durch den Borkenkäfer früher zu stoppen. 

Die unglaubliche Vielfalt der Insekten 

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe der Erde. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass es weltweit mehr als eine Million verschiedene Arten gibt. Zum Vergleich – beim Menschen gibt es genau eine Art „Homo sapiens“. Die enorme Vielfalt spiegelt sich auch in den verschiedenen Insektenordnungen wider. Dazu gehören zum Beispiel Käfer, Schmetterlinge oder Libellen. Käfer stellen mit Abstand die artenreichste Ordnung der Insekten dar.

Das ist die grobe Verteilung von weltweit vorkommenden Insektenordnungen an bereits beschriebenen Arten.

Um eine Art einordnen zu können, nutzen Wissenschaftler:innen die Abkürzung „SKOFGA“. Sie steht für (Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art). Wenn Fachleute mit lateinischen Artnamen wie „Fagus sylvatica“ (Rot-Buche) um sich werfen, meinen sie damit meistens die Gattung und die Art. Diese Einordnung ist tatsächlich eine Wissenschaft für sich, die „Taxonomie“ genannt wird. Um zu verstehen, weshalb wir die ganze Zeit von Insektenordnungen sprechen, schauen wir uns die wissenschaftliche Einordnung eines Marienkäfers an. 

Diese Abbildung zeigt eine taxonomische Einordnung des Siebenpunkt-Marienkäfers schematisch.

Aus den Gliederfüßern (Stamm) gehen die Insekten (Klasse) hervor. Unter den Insekten gibt es ganz viele verschiedene (Ordnungen), wie Schmetterlinge, Libellen oder Käfern. Innerhalb der (Ordnung) der Käfer müssen wir nach der (Familie) der Marienkäfer suchen. Innerhalb dieser Familie gibt es verschiedene (Gattungen) wie die „Coccinella“. Eine Art innerhalb der Gattung Coccinella ist zum Beispiel der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata).

Insekten sind die unsichtbaren Architekt:innen des Waldes

Ein Wald wirkt auf den ersten Blick ruhig. Bäume wachsen langsam, Blätter fallen zu Boden und abgestorbene Baumstämme bleiben oft über Jahrzehnte im Wald liegen. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass sich hier ein hochdynamisches System verbirgt. Viele Insektenarten sind neben anderen wirbellosen Tieren an der Zersetzung von totem organischen Material beteiligt. Raupen fressen lebende Blätter, während Käferlarven, Ameisen oder Fliegenlarven abgestorbenes Holz und Laub zerkleinern. Dadurch machen sie das Material für Mikroorganismen leichter zugänglich, die die Mineralien und die Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar machen. Dieser Prozess ist entscheidend für den Nährstoffkreislauf des Waldes. Ohne ihn würden sich abgestorbene Pflanzenreste über lange Zeit ansammeln und die Nährstoffe gebunden bleiben. 

Insekten als Schädlinge oder Schützer ganzer Ökosysteme: bald kommt noch ein Artikel

Ihr habt Lust noch mehr über Insekten zu erfahren? In einem weiteren Artikel tauchen wir noch tiefer in die Materie ein. Während Insekten in der Forst- und Landwirtschaft oft als Schädlinge betrachtet werden müssen, gibt es noch andere spannende Blickwinkel auf Insekten, die zum Schutz ganzer Ökosysteme beitragen. Wie der Naturschutz in Einklang mit der Forstwirtschaft kommt, was Ihr unbedingt über das Insektensterben wissen müsst, und vieles mehr erfahrt Ihr im nächsten Insekten-Artikel.

Quellen:

Wenn Ihr Hinweise habt für gute Websites zu Insekten, nehmen wir die im nächsten Artikel gern auf!

Hallmann, C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., Stenmans, W., Müller, A., Sumser, H., Hörren, T., Goulson, D., & de Kroon, H. (2017). More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLOS ONE, 12(10), e0185809. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0185809 

Seibold, S., Gossner, M. M., Simons, N. K., Blüthgen, N., Müller, J., Ambarlı, D., Ammer, C., Bauhus, J., Fischer, M., Habel, J. C., Linsenmair, K. E., Nauss, T., Penone, C., Prati, D., Schall, P., Schulze, E.-D., Vogt, J., Wöllauer, S., & Weisser, W. W. (2019). Arthropod decline in grasslands and forests is associated with landscape-level drivers. Nature, 574(7780), 671–674. https://doi.org/10.1038/s41586-019-1684-3 

Losey, J. E., & Vaughan, M. (2006). The economic value of ecological services provided by insects. BioScience, 56(4), 311–323. https://doi.org/10.1641/0006-3568(2006)56[311:TEVOES]2.0.CO;2 

Chapman, R. F., Simpson, S. J., & Douglas, A. E. (2013). The insects: Structure and function (5th ed.). Cambridge University Press.

Land, M. F., & Nilsson, D.-E. (2012). Animal eyes (2nd ed.). Oxford University Press.

Blomquist, G. J., & Vogt, R. G. (Eds.). (2003). Insect pheromone biochemistry and molecular biology. Elsevier Academic Press.

Raffa, K. F., Gregoire, J.-C., & Lindgren, B. S. (2016). Natural history and ecology of bark beetles. In F. E. Vega & R. W. Hofstetter (Eds.), Bark beetles: Biology and ecology of native and invasive species (pp. 1–40). Academic Press.

Stork, N. E. (2018). How many species of insects and other terrestrial arthropods are there on Earth? Annual Review of Entomology, 63, 31–45. https://doi.org/10.1146/annurev-ento-020117-043348

Schütz, S., Weißbecker, B., Hummel, H. E., Apel, K.-H., Schmitz, H., & Bleckmann, H. (1999). Insect antenna as a smoke detector. Nature, 398(6725), 298–299. https://doi.org/10.1038/18585 

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