Förster Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/foerster Wissen aus dem Wald Tue, 15 Jul 2025 08:17:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Förster Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/foerster 32 32 Wie wird man Förster oder Försterin? – Alle Infos zum Forststudium https://forsterklaert.de/studium https://forsterklaert.de/studium#respond Sun, 13 Jul 2025 08:01:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6024 Findet Ihr den Gedanken ansprechend, den ganzen Tag draußen zu sein und dabei sogar noch Geld zu verdienen? Dann ist...

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Findet Ihr den Gedanken ansprechend, den ganzen Tag draußen zu sein und dabei sogar noch Geld zu verdienen? Dann ist der Beruf der Försterin bzw. des Försters vielleicht was für Euch! Hier in diesem Artikel – und in den beiden kommenden – haben wir alle wichtigen Infos zum Förster:in werden und Forststudium für Euch zusammengefasst: Welcher Studienort ist der Beste? Welche Unis gibt es und wie ist der NC? Was macht man als Förster:in? Und was für andere Berufe gibt es sonst noch so im Wald?

Ein Arbeitsplatz im Wald

Bevor ich (Zoe) mit dem Studium der Forstwissenschaften angefangen habe, hatte ich ein romantisiertes Bild vom Förster:innen-Dasein. Morgens in aller Früh aufstehen und den Sonnenaufgang vom Hochsitz genießen, danach mit meinem Jagdhund durch den Wald spazieren, den ein oder anderen Baum markieren und nachmittags eine Moorrenaturierung organisieren. Zum Förster:innen Alltag gehört allerdings sehr viel mehr. Zuerst einmal: Förster:innen sind für die Leitung eines Waldgebietes zuständig. Diese Waldgebiete nennen wir “Reviere”, deshalb werden Förster:innen auch Revierleiter:innen genannt.

Die Aufgaben umfassen natürlich die holzwirtschaftlichen Aspekte – welche Bäume gestärkt werden sollten, welche gefällt werden – aber auch der Verkauf des Holzes wird organisiert (z.B. auf einer Submission, mehr dazu hier). Bei der Bewirtschaftung müssen die Försterinnen und Förster darauf achten, dass der Wald möglichst gesund und stabil bleibt, wobei jeder Wald da andere Ansprüche hat. In manchen Wäldern liegt der Fokus eher auf Erholung, damit Ihr in Ruhe Euren Waldspaziergang genießen könnt und in anderen z.B. auf Bewirtschaftung, Jagd oder Naturschutz. Entscheiden tut das immer der Waldbesitzer oder die Waldbesitzerin. Im Großen und Ganzen müssen die Förster:innen darauf achten, dass der Wald schön stabil bleibt – besonders im Hinblick auf den Klimawandel. (Mehr zum Waldumbau findet Ihr hier und mehr zum klimastabilen Wald hier). 

Felix wird fast seit Beginn von seinem Forststudium von seiner Hündin begleitet – in Hörsäle und bei Sonnenaufgang auf den Hochsitz.

Wusstest Du schon…?
Das Gehalt eines Försters oder einer Försterin hängt davon ab, wo sie angestellt sind. Sie können verbeamtet werden, bei einem privaten Betrieb arbeiten oder sich selbstständig machen – dadurch variiert natürlich das Gehalt. Wir haben dazu auch einen ganzen Artikel geschrieben, den Ihr Euch unter diesem Link anschauen könnt.

Damit unser Wald gesund und munter bleibt, müssen die Förster:innen sich auch um die Tiere des Waldes kümmern. Verschiedene Tiere schnabulieren die jungen Bäumchen und dann kann der Wald nicht von alleine nachwachsen, deshalb müssen die Förster:innen unter anderem Jagden organisieren oder auch mal selber zum Gewehr greifen. Der Sonnenaufgang auf dem Hochsitz ist also doch möglich! Wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, weshalb wir Jagen, dann schaut Euch mal unsere Artikel-Reihe dazu an. Den ersten Artikel findet Ihr hier.

Vom Forststudium zu den Aufgaben im Wald

Im Wald fallen viele unterschiedliche Aufgaben an. Unsere Förster:innen müssen diese jedoch nicht alleine bewältigen. Ihnen stehen Forstwirt:innen zur Seite, die neben dem Fällen von Bäumen auch andere Tätigkeiten übernehmen. Der Job der Förster:innen ist es, die Aufgaben der Forstwirt:innen zu koordinieren, d.h. Förster:innen übernehmen Verantwortung bei ihrer Arbeit.

Förster:innen sind häufig draußen im Wald unterwegs, manchmal allerdings am Schreibtisch anzutreffen (besonders wenn es regnet, ist das ganz angenehm). Ihre Aufgaben unterscheiden sich je nach Arbeitgeber (dazu später mehr), aber spannend und vielseitig sind sie auf jeden Fall. Förster:in ist ein Beruf, bei dem einem nie langweilig wird!

Manchmal schwappen die Schreibtisch-Aufgaben auch in die Wald-Zeit, wie hier bei Försterin Paula.

Wege in den Wald

Findet Ihr, der Beruf des Försters oder der Försterin wäre etwas für Euch? Habt Ihr Lust, mehr über Eure Lieblingsbaumart zu erfahren? Dann wäre ein Forststudium vielleicht etwas für Euch. In Deutschland gibt es einige Studiengänge, mit denen Ihr später als Förster:in im Wald arbeiten könnt. Die Studiengänge haben unterschiedliche Schwerpunkte und heißen entsprechend unterschiedlich. Damit Ihr Euch nicht in das komplizierte Wirrwarr stürzen müsst, haben wir es für Euch getan und haben uns sogar unterschiedliche Meinungen zu den Studiengängen eingeholt.

Wusstest Du schon…?
Das hier ist nur ein Teil unserer „Förster:in werden“-Reihe. Die anderen Teile findest Du hier und hier. Und hier haben wir auch noch ein Video dazu!

Wo mit dem Forststudium beginnen? Universität vs. Hochschule

Aber die Basics zuerst: Ihr könnt einen forstlichen Bachelor-Studiengang an einer Universität oder an einer Fachhochschule studieren. Wo genau da der Unterschied ist, seht Ihr in der Tabelle.

UniversitätFachhochschule
VoraussetzungAllgemeine Hochschulreife bzw. AbiturFachhochschulreife bzw. Fachabitur
Studiendauer für den Bachelor6 Semester (3 Jahre)je nach FH 6-7 Semester (3- 3 ½ Jahre)
SchwerpunkteEs gibt zwar einige Bezüge zur Praxis, doch die Theorie bildet die Grundlage. Wissenschaftliches Arbeiten wird gelehrt und es gibt Einblicke in verwandte Themenfelder.Es gibt viele praktische Übungen und Exkursionen. Die Inhalte beziehen sich konkret auf das spätere Berufsleben und das dafür benötigte Wissen. 
Größe des StudiengangsKann unterschiedlich sein, idR jedoch zwischen 100 und 200 Studierende.Deutlich weniger Studierende, oft um die 50.
ZukunftsmöglichkeitenNeben dem klassischen Beruf der Förster:innen gibt es den Weg in die Wissenschaft, die Holztechnik, Naturschutz und vieles Weitere. Zur Spezialisierung empfiehlt sich ein Master.Ähnlich wie an der Universität, allerdings liegt der Fokus mehr auf dem Försterberuf. Manche FHs haben zudem Programme mit den Landesforsten zum vereinfachten Berufseinstieg. Andere forstliche Bereiche oder ein Master sind auch möglich.

Es gibt eine ausgeprägte Diskussion, ob eine Fachhochschule besser ist, um Förster:in zu werden oder eine Universität. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung und hängt davon ab, was für ein Lerntyp Ihr seid oder welche Richtung Ihr nach Eurem Bachelor einschlagen wollt. Ein Forststudium lohnt sich in jedem Fall. Am Ende des Tages bringen Euch auf jeden Fall beide Wege ein Stückchen näher in den Wald, egal wofür Ihr Euch entscheidet!

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Was verdient ein Förster oder eine Försterin? https://forsterklaert.de/foerstergehalt https://forsterklaert.de/foerstergehalt#respond Sun, 12 Jun 2022 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=3267 Bei der Wahl des Berufs und der dazugehörigen Ausbildung stellt man sich viele Fragen. Ist es das, was ich mal 40 Jahre lang machen möchte? Wie zukunftssicher ist der Job? Und vor allem: Was verdiene ich mal? Was Försterinnen und Förster in Deutschland verdienen und wovon das abhängig ist, erfahrt Ihr jetzt. 

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Bei der Wahl des Berufs und der dazugehörigen Ausbildung stellt man sich viele Fragen. Ist es das, was ich mal 40 Jahre lang machen möchte? Wie zukunftssicher ist der Job? Und vor allem: Was verdiene ich mal? Was Försterinnen und Förster in Deutschland verdienen und wovon das abhängig ist, erfahrt Ihr jetzt. 

Wo werden Förster:innen angestellt?

Nach dem Studium der Forstwirtschaft, -wissenschaft und vergleichbaren Studiengängen, geht die Suche nach einem Job los. Möchte man nach dem Studium den “klassischen” Weg ins Forstrevier gehen, dann gibt es unterschiedliche Arbeitgeber. Als Försterin oder Förster kann man beim Bund, beim Land, bei einer Kommune oder in einem Privatwaldbetrieb angestellt werden. Denn der Wald in Deutschland gehört unterschiedlichen Menschen und Institutionen. Je nach Besitz richtet sich dann die Art der Anstellung. Die Anforderungen sind dabei teils sehr unterschiedlich. Um bei einer Landesforstverwaltung angestellt zu werden, benötigt man in der Regel einen sogenannten “Anwärter”, also ein Vorbereitungsjahr. Ist dieser Anwärter erfolgreich abgeschlossen, kann man beim Bundesland angestellt werden. Wie genau man Förster:in wird erfahrt Ihr in unserem passenden YouTube Video

Wusstest Du schon…?
Forstwirt:innen sind die Menschen, die die Tätigkeiten im Wald ausführen, also Bäume pflanzen, pflegen und fällen. Dafür benötigt man eine Ausbildung und kein Studium. Die Gehälter sind meist geringer als die von Förster:innen.

So viel verdienen Förster:innen wirklich

Wird man beim Land oder der Kommune angestellt, ist man verbeamtet oder Angestellte:r des öffentlichen Dienstes. Man wird also besoldet oder nach einem Tarif bezahlt. Das Einstiegsgehalt liegt nach Tarifverträgen bei E10 bis E11 (später bis zu E12). Das sind im ersten Jahr zwischen 3.500-3.650 € brutto im Monat oder 42.000 – 43.800 € im Jahr. Mit der Dauer der Beschäftigung steigt das Gehalt an. Hier kannst Du einmal nachschauen wie die Bezahlung in anderen Entgeltgruppen ist. Wird man verbeamtet, dann gilt die Besoldungsstufe A9 bis A11 (später bis zu A12). Hier liegt die Höhe des Bruttogehaltes etwas niedriger, die Abzüge sind aber bedeutend geringer und das Nettogehalt deswegen teils sogar höher.

Dann gibt es natürlich noch die Privatwirtschaft. Hier sind die Gehälter nicht an Stufen oder Tarife gebunden. Das Gehalt orientiert sich daran meist als Referenz. Im Schnitt sind in Privatwaldbetrieben die Gehälter höher, denn hier wird teilweise ein noch höheres Leistungspensum erwartet.

Wusstest Du schon…?
Als Leiter:in eines Forstamtes kann man bedeutend mehr Geld verdienen. Dazu benötigt man zusätzlich einen Master Abschluss und anstatt des Anwärters ein Referendariat. Dann kann das Einstiegsgehalt schnell auf 4.500 € bis 5.500 € brutto pro Monat ansteigen. 

Simon ist mittlerweile Förster in Schleswig Holstein. Mit seiner Hündin Maira bewirtschaftet er die Wälder im “Echten Norden”.

Selbst und ständig

Interessanterweise kann man sich als Försterin oder Förster auch selbstständig machen. Man kann dazu Privatwaldbesitzenden seine Dienstleistungen anbieten, zum Beispiel kann man eine Holzernte vorbereiten oder den Holzverkauf organisieren. Generell ist die Betreuung von Privatwald ein Aufgabenfeld, das einen großen Anteil der Stellen in der Forstwelt ausmacht.

Es muss nicht der Revierdienst sein

Neben dem klassischen Revierdienst bietet die Forstwirtschaft zahlreiche weitere Stellen für studierte Förster:innen. Beispielsweise kann man in der Sägeindustrie als Holzeinkäufer:in arbeiten. Aber auch in der Waldpädagogik oder im Bereich des Naturschutzes warten spannende und vielseitige Berufe auf die Absolvent:innen. Auch andere Branchen und Arbeitgeber suchen Menschen mit einem Forststudium. Beispielsweise sucht die Deutsche Bahn zur Streckenkontrolle genau jene. Die Gehälter können sich in diesen Bereichen unterscheiden, liegen jedoch meist zwischen 3.000 € und 4.500 € brutto pro Monat.

Dort arbeiten wo andere sich erholen. Für viele Försterinnen und Förster in Deutschland die Wirklichkeit.

Eins steht auf jeden Fall fest. Reich wird man als Försterin oder Förster nicht. Für die meisten ist das Gehalt auch völlig irrelevant. Denn für viele Forstleute ist die Arbeit für den Wald mehr Berufung als Beruf. Zu arbeiten, wo andere Erholung finden, ist Lohn genug, oder nicht? Wir hoffen, Ihr konntet ein wenig über den Beruf und die Bezahlung von Förster:innen lernen. Wenn Ihr wissen wollt, was Forstleute sonst so machen, dann lest doch mal den Überblick über die Arbeit von Försterinnen und Förstern.

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Was ist Forstwirtschaft? Ein Überblick über die Arbeit von Förster:innen https://forsterklaert.de/forstwirtschaft-ueberblick https://forsterklaert.de/forstwirtschaft-ueberblick#comments Sun, 30 Jan 2022 19:40:33 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2932 Was machen eigentlich Förster:innen und was ist Forstwirtschaft? Diese Fragen waren vor zwei Jahren einer der Auslöser für unser Forst erklärt-Projekt. In diesem Artikel wollen wir Euch erneut mitnehmen in die Arbeit von Förster:innen. Heute soll es um die Forstwirtschaft, also um die Holzernte und die Produktion von Holz als einen wertvollen, nachwachsenden Rohstoff gehen!

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Was machen eigentlich Förster:innen und was ist Forstwirtschaft? Diese Fragen waren vor zwei Jahren einer der Auslöser für unser Forst erklärt-Projekt. Seitdem ist es aber auch eine Frage, die uns in unserem Schaffen hier auf der Seite und auch bei Instagram oder YouTube immer wieder begleitet. Denn so richtig auserzählt ist die Antwort auf diese Frage wohl nie. In diesem Artikel wollen wir Euch erneut mitnehmen in die Arbeit von Förster:innen. Heute soll es um die Forstwirtschaft, also um die Holzernte und die Produktion von Holz als einen wertvollen, nachwachsenden Rohstoff gehen!

Ein Forstwirt auf dem Weg zur Arbeit.

Produktion, Wert, Rohstoff – Das klingt für Euch jetzt alles vielleicht erstmal etwas befremdlich und nicht nach dem, was die meisten Menschen mit dem Wald verbinden. Aber unsere Wälder sind eben nicht nur tolle Erholungsräume, Lebensräume, Wasserfilter und CO2-Speicher, sondern eben auch Holzproduzenten. Wir Forstleute sind in der Verantwortung all diese Funktionen zu wahren und ein Gleichgewicht herzustellen. Worauf wir dabei achten müssen, und was alles zur Forstwirtschaft dazu gehört wollen wir in den nächsten Zeilen erklären.

Wertvolles Holz aus der Forstwirtschaft

Wenn wir von “Holz” sprechen, dann ist das eigentlich ein viel zu umfassendes Thema, um es in diesem kleinen Artikel zu erklären. Zum Glück haben wir dazu schon einige andere Texte verfasst, die wir Euch wärmstens empfehlen wollen. In diesem Artikel geht es zum Beispiel darum, wie man mit Holz Geld verdient! Kurz zusammengefasst, brauchen wir in den meisten Fällen möglichst langes, gerades Holz mit wenigen Ästen. Stellt Euch nur mal einen Dachstuhl vor, der krumm und schief ist, oder ein Weinfass mit lauter Astlöchern. Umso gerader und astfreier Holz ist, Desto wertvoller ist es also auch. Der Verkauf von Holz ist die Haupteinnahmequelle in Forstbetrieben. Man kann fast sagen, dass mit dem Geld aus dem Holzverkauf alle anderen Aufgaben des Waldes finanziert werden. Daher ist es das Bestreben von Förster:innen, möglichst wertvolles Holz zu produzieren.

Wie produziert die Forstwirtschaft Holz?

Bei der Holzernte wird extrem auf die Arbeitssicherheit geachtet.

Um lange, gerade und astfreie Stämme ohne Schäden an der Borke zu schaffen, greifen wir Menschen der Natur oftmals unter die Arme. Denn von Natur aus wachsen Bäume (je nach Baumart) zwar gerade in den Himmel –  aber meistens nicht so perfekt wie es unser Holzbedarf verlangt. Dies sollte aber immer eine Arbeit mit der Natur sein. Förster:innen sprechen hier in der Verbindung von natürlichen Prozessen und forstlichem Handeln von “biologischer Automation”. Und diese Arbeit beginnt schon mit dem Keimen des Baumes. 

Selbstgewachsen oder Selbstgepflanzt?

Wenn ein neuer Wald heranwächst, sprechen Forstleute von der Bestandesbegründung. Diese kann entweder vollkommen natürlich entstehen, indem ältere Bäume ihren Samen verteilen, aus dem dann neue Bäume wachsen (die Rede ist dann von Naturverjüngung). Oder mit Hilfe von Forstwirt:innen, die neue Bäume aussäen oder kleine Bäume aus Baumschulen pflanzen.

Im Studium und im Wald: Ein Leben voller Konkurrenzdruck

Nachdem ein Baum gepflanzt wurde, oder von selbst durch Naturverjüngung gekeimt ist, beginnt sein Wachstum. Besonders in den ersten Jahren hat er es nicht leicht. Denn er konkurriert stets mit anderen Bäumen und Pflanzen um Wasser, Licht und Nährstoffe. Gerade während dieser Anfangsphase kommt es oft vor, dass andere Vertreter:innen des Ökosystems Wald die Bäume überholen und der jungen, aufstrebenden Pflanze ein jähes Ende setzen. Zu diesen Vertreter:innen zählt zum Beispiel unser Wild, welches besonders im Winter die Knospen der Bäume als schmackhafte Nahrungsquelle schätzt. Ist eine Knospe aber erstmal abgefressen, kann aus ihr kein neuer Zweig und kein neues Blatt entstehen. Hier greift der Mensch nun ein und reduziert durch die Bejagung des Wildes den Druck, den das Wild auf den Wald ausübt. Diese ganze Thematik ist natürlich extrem komplex. Wenn Ihr Euch damit weiter beschäftigen wollt, empfehlen wir unsere Artikelreihe “Warum wir jagen (müssen)”.

Doch das Wild ist nicht die einzige Herausforderung, die ein junger Baum zu bestehen hat. Besonders auf Freiflächen sind Kräuter und Büsche oft schneller im Wachstum und überwuchern die jungen Pflanzen. Auch hier greifen wir Menschen durch die Forstwirtschaft wieder ein, um unsere Bäume zu fördern und so einen Wald nach unseren Bedürfnissen zu schaffen. 

Abgestorbene Waldflächen können neu bepflanzt werden – oder die Arbeit wird der Natur überlassen, wie hier im Harz.

Ein beliebter Ferienjob für Studierende der Forstwirtschaft ist, in den Semesterferien frisch gepflanzte Waldflächen von Brombeeren und anderem Gestrüpp zu befreien, damit die Bäume ungehindert wachsen können. 

Rangeleien in der Pubertät

Wenn die Bäume dann größer werden, und Wild und Brombeeren nicht mehr eine so große Bedrohung darstellen (man spricht auch von “aus dem Äser”, also dem Maul der Rehe, gewachsen), beginnt die Konkurrenz der Bäume untereinander. Da wir als Förster:innen einen stabilen Mischwald begründen wollen, greifen wir auch hier wieder der Natur etwas unter die Arme. Wir entfernen die Bäume, die krumm und schwach sind, und andere, gut gewachsene Bäume bedrängen. Hierbei können wir auch Einfluss auf die Baumartenzusammensetzung unseres Waldes nehmen. Dies tun wir, indem wir Baumarten, die wir behalten möchten, fördern und Arten, von denen zu viele existieren oder die bspw. nicht mehr mit dem kommenden Klima zurechtkommen, fällen. Gleichzeitig entfernen wir bei manchen Bäumen auch die Äste, um ein möglichst langes, astfreies Stammstück zu erhalten. Man spricht hier auch von Wertastung.

Besonders im Jugendstadium haben Bäume viele Konkurrenten.

Bei all diesen Eingriffen ist es aber wichtig, nicht die anderen Funktionen des Waldes zu vergessen. So wird darauf geachtet, dass  Bäume, in denen Tiere leben, nicht gefällt werden. Das können Greifvögel-Horste sein, aber auch Bäume mit Baumhöhlen, in denen Fledermäuse, Siebenschläfer, Vögel und Insekten  leben. Gleichzeitig werden auch besonders gewachsene, besonders alte, besonders markante, oder einfach besonders schöne Bäume geschützt und als Habitatbaum gekennzeichnet. Und auf der anderen Seite müssen Bäume, die zu nah an Straßen stehen, oder die anderweitig eine Gefahr für Waldbesucher:innen darstellen können, gefällt werden. Und so gibt es verschiedenste Gründe, aus denen Bäume gefällt werden, und für die Förster:innen das Ökosystem Wald gestalten.

It’s a long way to the top

Es sind also ziemlich viele einzelne Schritte über einen sehr langen Zeitraum, die nötig sind, bis ein Baum einen hohen Wert erreicht. Viele Bäume haben gar nicht das Potenzial, überhaupt mal ein wertvolles Stück Holz zu werden. Das ist aber völlig okay, denn jeder einzelne Baum übernimmt eine wichtige Funktion im Ökosystem Wald. Wenn ein Baum dann aber hoch gewachsen und astfrei ist und eine ordentliche Stärke erreicht hat (Förster:innen sprechen hier von Zielstärke), dann kann er gefällt werden. Das läuft so ab, dass zunächst die Förster:innen die zu fällenden Bäume mit Sprühfarbe markieren. Als nächstes fällen dann Forstwirt:innen diese Bäume, teilen sie in Abschnitte, die zuvor vom Förster oder der Försterin vorgegeben wurden, und entfernen die Äste. Damit bei all diesen Arbeitsschritten kein Chaos entsteht, schreiben Förster:innen einen Arbeitsauftrag. Das ist eine Zusammenfassung aller Informationen, die Forstwirt:innen brauchen, wenn sie Bäume fällen. Ganz wichtig bei der Arbeit mit der Motorsäge ist die Arbeitssicherheit – deswegen sind im Arbeitsauftrag auch immer ein Rettungsweg, sowie weitere Informationen zur Sicherheit angegeben.

Wusstest du schon…?
Die Zielstärke ist der BHD, eines Baumes, bei dem er dick genug ist, um gefällt zu werden. Oft gibt das die Verwendung der Holzart vor. Das Höhenwachstum bei Bäumen verringert sich mit steigendem Alter immer weiter. Die genaue Zielstärke eines Baumes ist aber sowohl von der Baumart als auch von wirtschaftlichen Zielen abhängig.

Aus dem Wald an den Waldweg

Forwarder rücken das Holz zu so genannten Poltern.

Um die gefällten Bäume aus dem Wald zu bekommen, werden die Stämme zunächst von so genannten Rückemaschinen an den Waldweg transportiert. Das passiert entweder mit langen Stahlseilen oder auch mit Greifarmen, die an die Maschinen montiert sind. Am Waldweg bilden Forstleute dann verschiedene Sortimente. Auf so genannten Poltern sammeln Förster:innen Stämme, die eine:n gleichen Käufer:in haben. Da jeder Baum anders gewachsen ist und jede:r Holzkäufer:in eigene Ansprüche hat, ist das manchmal eine ziemliche Puzzelei, bis alle Polter gebildet sind. Förster:innen müssen dann den Holzkäufer:innen Bescheid geben, wo das Holz liegt, damit diese es mit LKWs aus dem Wald transportieren können. Ganz am Schluss kann der Förster oder die Försterin dann eine Rechnung für den Holzverkauf schreiben. Wenn Ihr wissen wollt, was für Zahlen auf so einer Rechnung stehen, schaut doch mal in unserem Artikel vorbei. Dabei denkt man oft an die vielen Jahre und Stunden an Arbeit, die in so einen Baumstamm geflossen sind.

Das Wort zum Sonntag

Wenn man sich die Holzgegenstände anschaut, die uns täglich umgeben, vergisst man oft, wie viel Zeit, Geld und Arbeit in diesem Holz steckt, und auch wie viele Faktoren auf das Wachstum des Baumes Einfluss hatten. Gleichzeitig neigt man manchmal auch dazu, die Nutzung von Holz und die Forstwirtschaft generell in Frage zu stellen und zu rufen “lasst den Wald doch einfach in Ruhe!”. Aber wir Menschen leben nunmal in einer vom Konsum geprägten Welt. Und Holz ist einer der wenigen wirklich nachhaltig zu erwirtschaftenden, nachwachsenden Rohstoffe, die wir haben. Zusätzlich speichert Holz auch noch Kohlenstoff und hilft uns so enorm im Kampf gegen den Klimawandel.

In unserem Studium und auch bei den vielen Filmdrehs durften wir überall in Deutschland Forstleute kennenlernen, die sich dafür einsetzen den Wald als wertvolles Ökosystem zu schützen und gleichzeitig auch das Holz zu nutzen. In vielen Wäldern kann man wunderbar sehen, dass beides gleichzeitig möglich ist. Und mit unserem Projekt möchten wir Euch zeigen, wie das aussieht. 
Hättet Ihr gedacht, dass es so viel Arbeit ist, bis man einen Baum fällen kann? Und war Euch klar, dass Forstwirtschaft immer eine Arbeit mit der Natur ist? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Quellen:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/bundeswaldinventur3.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Beruf Forstwirt. Joachim Morat. 7., aktualisierte Auflage 2019 ISBN 978-3-8186-0790-6. Waldbau auf ökologischer Grundlage von Ernst Röhrig, Norbert Bartsch, Burghard von Lüpke ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3825283100

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WMADWR #5 Simon ist jetzt Förster! https://forsterklaert.de/wmadwr-5-simon-ist-jetzt-foerster https://forsterklaert.de/wmadwr-5-simon-ist-jetzt-foerster#respond Mon, 06 Dec 2021 15:05:15 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2816 In dieser Folge sind wir mal wieder zu dritt, aber diesmal ohne Gast. Wir werfen einen kleinen Blick hinter die Kulissen von Forst erklärt, schauen auf die letzten Monate zurück und berichten, warum es eine Zeit lang etwas stiller war um unser Projekt: Der Grund ist so einfach wie überraschend: Ziemlich spontan hat Simon sein Studium abgebrochen und ist nun Förster in Schleswig-Holstein!

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Es hat eine Weile gedauert, aber nun ist sie endlich da, die neue Folge von unserem Podcast “Wie man aus dem Wald ruft!” In dieser Folge sind wir mal wieder zu dritt, aber diesmal ohne Gast. Wir, also Simon, Felix und Jan werfen einen kleinen Blick hinter die Kulissen von Forst erklärt, schauen auf die letzten Monate zurück und berichten, warum es eine Zeit lang etwas stiller war um unser Projekt: Der Grund ist so einfach wie überraschend: Ziemlich spontan hat Simon sein Studium abgebrochen und ist nun Förster in Schleswig-Holstein! Außerdem berichten wir von lustigen Begegnungen bei unserem letzten Dreh in Rheinland-Pfalz, erzählen von überraschenden Preisverleihungen und Simon hat ein sehr interessantes Tier des Monats dabei!

Wir würden uns total freuen, wenn ihr uns Feedback gebt! Schreibt uns doch, wie Ihr die Idee zum Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare!

Shownotes:

  • Hier das Video zu den Weihnachtsbäumen
  • Hier der Wikipediaartikel zur Waldschnepfe

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Wie wird man Förster oder Försterin? https://forsterklaert.de/wie-wird-man-foerster-oder-foersterin https://forsterklaert.de/wie-wird-man-foerster-oder-foersterin#respond Thu, 14 Oct 2021 14:37:48 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2583 Den tristen Büroalltag eintauschen gegen einen Job an der frischen Luft, immer begleitet von einem treuen Vierbeiner und einer Motorsäge?...

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Den tristen Büroalltag eintauschen gegen einen Job an der frischen Luft, immer begleitet von einem treuen Vierbeiner und einer Motorsäge? Das ist der Traum von immer mehr Menschen. Daher erreicht uns auch immer öfter die Frage, wie man eigentlich Förster oder Försterin wird. Um das zu beantworten, haben wir uns mit Leonie getroffen. Sie war Forstinspektoranwärterin bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz. Im Interview erzählt sie Felix, wie es für ihn nach dem Forststudium weitergehen kann und welche Schwierigkeiten es auf dem Weg zum Förster oder zur Försterin gibt. 

Mittlerweile hat Leonie ihre Prüfungen übrigens bestanden und hat nun endlich geschafft, wovon wir noch Träumen: Sie ist endlich Försterin!

Das Video, welches wir in Zusammenarbeit mit den Landesforsten Rheinland-Pfalz produziert haben, findet Ihr ab sofort auf unserem YouTube Kanal!

Wenn Ihr Euch über die verschiedenen Wege Forst zu studieren informieren wollt, können wir Euch unsere Artikel zu dem Thema empfehlen:

Ernte von Saatgut in schwindelerregenden Höhen

Wir brauchen auch in Zukunft gesunde Wälder, vor allem brauchen wir in diesen eine größtmögliche Baumartenvielfalt. Förster:innen sind seit Jahren dabei, dem Wald unter die Arme zu greifen, um ihn klimafit zu gestalten. Stichwort Waldumbau! Dazu nutzen sie unter anderem Bäume, die in Baumschulen aus einer kleinen Frucht oder einem Saatkorn herangezüchtet wurden. Doch woher…

Continue Reading Ernte von Saatgut in schwindelerregenden Höhen

Was macht man nach dem Abschluss vom Forststudium? 

Der Weg ins Forststudium steckt voller Entscheidungen. Welches Studium genau, Uni oder Hochschule, welcher Standort. Hat man das alles geschafft und sich im Studium selbst zurechtgefunden, steht man schon wieder vor der nächsten Entscheidung. Was mache ich nach meinem Abschluss? Viele haben von Vornherein ein klares Ziel: Förster:in werden. Doch das wird man nicht automatisch…

Continue Reading Was macht man nach dem Abschluss vom Forststudium? 

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Wie man aus dem Wald ruft #4 – Mit dem Klötzchenschein zur Förster:in https://forsterklaert.de/wie-man-aus-dem-wald-ruft-4-mit-dem-kloetzchenschein-zur-foersterin https://forsterklaert.de/wie-man-aus-dem-wald-ruft-4-mit-dem-kloetzchenschein-zur-foersterin#respond Wed, 14 Jul 2021 13:58:10 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2344 Klötzchenschein, Lochschein, Käferschein, Jagdschein und mehr. Wir haben uns im neusten Podcast von und mit Forst erklärt mit Katharina Rohde...

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Klötzchenschein, Lochschein, Käferschein, Jagdschein und mehr. Wir haben uns im neusten Podcast von und mit Forst erklärt mit Katharina Rohde darüber unterhalten, wie man Förster:in wird und was sie eigentlich im Wald macht. Wie die aktuellen Chancen stehen in so einem grünen Beruf tätig zu werden und was alles mit einem Forstwirtschaftsstudium möglich ist, erfahrt Ihr von der jungen Försterin.

Wir würden uns total freuen, wenn ihr uns Feedback gebt! Schreibt uns doch, wie Ihr die Idee zum Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare!

Shownotes:

  • Wie und wo man Forstwirtschaft studieren kann erfahrt Ihr hier
  • Den Instagram Account von den Landesforsten Rheinland Pfalz findet ihr hier
  • Ihr interessiert Euch für Jagdhunde? Wir haben hier mal etwas zusammengefasst
  • Die Videos mit Leonie und Katharina findet Ihr ab August hier
Gruppenbild mit Hund(en)

Forst erklärt unterstützen:

Die Produktion dieses Podcasts kostet leider einiges an Zeit und Geld. Daher freuen wir uns über jede (finanzielle) Unterstützung. Das geht zum Beispiel ganz einfach per PayPal an Paypal.me/forsterklaert oder per Überweisung. Wir können leider momentan keine Spendenquittungen ausstellen. Wenn Du Fragen hast, schreib uns gerne eine Mail an kontakt ät forsterklaert.de!

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Waldsterben durch Klimawandel? Wie die Diplodia-Krankheit ganze Wälder vernichtet https://forsterklaert.de/diplodia https://forsterklaert.de/diplodia#comments Sun, 24 Jan 2021 18:45:25 +0000 https://forsterklaert.de/?p=1430 Der Klimawandel wird im Wald nun wirklich erlebbar. Unter den trockenen Sommern der letzten drei Jahre leiden Deutschlands Wälder enorm. Besonders betroffen ist die Fichte mit der damit verbundenen Borkenkäfer-Plage. Dass aber die Kiefer, die selbst auf trockenen Sandböden gut wächst, zu schwächeln beginnt, war nicht zu erwarten.

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Der Klimawandel wird im Wald nun wirklich erlebbar. Unter den trockenen Sommern der letzten drei Jahre leiden Deutschlands Wälder enorm. Besonders betroffen ist die Fichte mit der damit verbundenen Borkenkäfer-Plage. Auch Deutschlands häufigster Laubbaum, die Buche, zeigt erste Schwächeerscheinungen. Dass aber die Kiefer, die selbst auf trockenen Sandböden gut wächst, zu schwächeln beginnt, war nicht zu erwarten. In diesem Artikel und unserem neusten Video erklären wir Euch, wie ein Pilz von der Trockenheit durch den Klimawandel profitiert und der Kiefer an den Kragen geht.

Die Waldkiefer – wie Ihr sie erkennt

Die Waldkiefer, die Ihr auch in unserem Video sehen könnt, ist nur eine von zahlreichen weiteren Kiefernarten. Diese Art ist in den Deutschen Wäldern am häufigsten zu finden. Die Waldkiefer (Pinus sylvestris) ist gekennzeichnet durch ihre grobe Borke. Diese sieht im unteren Teil dunkel, fast verbrannt aus und wird nach oben hin dann rötlich. Ihre langen graugrünen Nadeln liegen immer zu zweit an den sogenannten Kurztrieben. 

Die Waldkiefer erkennt man an den relativ langen Nadeln, die immer Paarweise auftreten.

Das Diplodia-Triebsterben

Das Diplodia-Triebsterben hat seinen Namen von dem Pilz (Diplodia pinea), der die Kiefer befällt. Die Sporen des Pilzes dringen über die Nadeln und die jungen Äste in den Baum ein. Hier schädigen sie das Gewebe. Die Nadeln färben sich daraufhin braun und die Äste biegen sich und sterben später ebenfalls ab. Dies können Förster*innen mit geschultem Auge dann vom Boden aus sehen.

Zu identifizieren ist der Pilzbefall anhand der kleinen schwarzen Flecken auf den Nadeln und den Ästen. Dies sind die Fruchtkörper, also das, was häufig als tatsächlicher Pilz bezeichnet wird.

Das Holz der Kiefer färbt sich durch den Diplodia Pilz blau (hier sieht es eher grau aus).

Der Stamm, und damit das Holz, wird später ebenfalls vom Pilz befallen und färbt sich blau. Dies ist zuerst nur ein optischer Fehler, es sieht dann eben nicht mehr so schön aus. Später wird dann aber die Struktur des Holzes angegriffen und das Holz wird instabil. Damit kann es für den Holzbau nicht mehr verwendet werden und verliert an Wert.

Ist ein Großteil der Nadeln abgestorben und die Leitbahnen, die Wasser und Nährstoffe transportieren, zerstört, stirbt der Baum letztendlich ab. Der Prozess von Erkrankung bis zum Absterben des Baumes dauerte in dem von uns besuchten Wald in der Südheide nur wenige Wochen. 

Henning erklärt euch, was er in seinem Revier gegen Diplodia unternimmt.

Und was hat das mit dem Klimawandel zu tun?

Das tückische am Diplodia-Pilz ist, dass er eigentlich immer im Wald vorhanden ist. Er wartet quasi nur den richtigen Moment der Schwäche ab. Wenn ein Sommer besonders trocken ist, dann ist der Baum nicht kräftig genug, sich zu wehren. Der Pilz schlägt zu. Das Problem verschärft sich also durch den Trend der anhaltenden Trockenheit, die auf Grund des Klimawandels zu einem immer größeren Problem wird. Allerdings gibt es Wald-Kiefern, die in Regionen wachsen, in denen es ohnehin sehr trocken ist oder die sehr resistent gegenüber dem Pilz sind. Man sagt, sie besitzen unterschiedliche Herkünfte. Diese können gepflanzt werden, um das Risiko des Befalls zu verringern.

So sieht der Wald aus dem Video mit Henning mittlerweile aus. Alle befallenen Bäume mussten gefällt werden.

Außerdem sollte man versuchen, kranke Bäume aus dem Wald zu entnehmen, bevor ihr Holz entwertet wird. So vermindert man den Infektionsdruck… das kommt Euch sehr wahrscheinlich bekannt vor. #corona

Am effektivsten ist allerdings die Ursachen- und nicht die Symptombekämpfung. Es heißt also vor allem eines: Den Klimawandel stoppen. 

Wenn Euch die Krankheiten des Waldes interessieren und Ihr wissen wollt, wie das Eschentriebsterben verursacht wird oder wie der Borkenkäfer ganze Fichtenwälder sterben lässt, dann stöbert doch mal durch unsere Homepage.

Quellen:

Der Beitrag Waldsterben durch Klimawandel? Wie die Diplodia-Krankheit ganze Wälder vernichtet erschien zuerst auf Forst erklärt.

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https://forsterklaert.de/diplodia/feed 7
Wie sieht der Wald der Zukunft aus? https://forsterklaert.de/wald-der-zukunft https://forsterklaert.de/wald-der-zukunft#comments Wed, 18 Nov 2020 13:54:22 +0000 https://forsterklaert.de/?p=1251 Ein viel diskutiertes Thema ist die Frage, wie unser Wald in Zukunft aussehen wird. In diesem Artikel versuchen Wir, Euch...

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Ein viel diskutiertes Thema ist die Frage, wie unser Wald in Zukunft aussehen wird. In diesem Artikel versuchen Wir, Euch die weitreichende Problematik zur Veränderung und Umgestaltung unserer Wälder ein wenig näher zu bringen.

Ein Wald – viele Aufgaben

Wenn man Menschen fragt, was der Wald für sie ist, stellt man schnell fest, dass an unsere Wälder viele verschiedene Ansprüche gestellt werden. Am offensichtlichsten ist vielleicht die Nutzung des Waldes zur Holzernte. Denn wir alle wollen Holz als nachwachsenden Rohstoff nutzen. Wälder sind aber auch Lebens- und Schutzraum für eine Vielzahl von Lebewesen. Gleichzeitig übernehmen Wälder eine wichtige Funktion als Wasserspeicher, dienen uns als Erholungsort auf Wanderungen oder bei Spaziergängen und kämpfen als CO2 Speicher aktiv gegen den Klimawandel. Es gibt also viele verschiedene Wald-Funktionen, die es in ein Gleichgewicht zu bringen gilt. Die Aufgabe der Förster*innen ist es nun, all diese Ideen und Aspekte unter einen Hut zu bringen. Dabei helfen ihnen verschiedene Gesetze und Konzepte.

Das Problem mit dem Klimawandel

Eine Herausforderung, deren wirkliche Tragweite wir momentan nur ansatzweise erahnen können, ist der Klimawandel. Besonders in unseren Breiten wird er die Wälder in den nächsten Jahrzehnten nachhaltig verändern: Bäume, die bisher bei uns gut gewachsen sind, werden wir in manchen Regionen künftig kaum noch antreffen. Das Bild der Wälder wird sich ändern. Nun stellt sich also die Frage, wie wird der Wald der Zukunft aussehen?

Aktuell ist in Deutschland Wald von einer Fläche des Saarlandes abgestorben oder gar nicht mehr als Wald zu identifizieren. Besonders betroffen ist die Baumart Fichte. Sie hat einen hohen Bedarf an Wasser. Die langanhaltenden Trockenperioden der letzten Jahre, also Zeiten in denen es kaum bis gar nicht geregnet hat, haben sie geschwächt und besonders anfällig für einen Schädling gemacht, den Borkenkäfer. Folgen sind das flächige Absterben von Fichten. Die so entstandenen waldlosen Flächen gilt es in Zukunft aufzuforsten und in einen “klimastabilen” Wald umzuwandeln. Auch die Rotbuche, unsere wichtigste Baumart unter den Laubbäumen, zeigt zum Teil Schwierigkeiten mit klimatischen Veränderungen. 

Klimastabile Wälder

Als “stabil” zeigen sich Wälder in denen mehrere Baumarten gemischt nebeneinander vorkommen (Mischwald). Reinbestände, also Teile von Wäldern mit lediglich einer Baumart, sind anfällig für Parasiten und Schädlinge. Diese finden durch den Klimawandel immer “bessere” Lebensbedingungen in Reinbeständen. In einem Mischbestand wird das Risiko von einem Parasitenbefall oder der Ausfall durch sich ändernde klimatische Bedingungen auf verschiedene Baumarten verteilt und ist damit geringer. 

Eine weitere Chance für den Wald der Zukunft stellen sogenannte fremdländische Baumarten dar. Diese sind in der natürlichen Waldgesellschaft (natürliches Auftreten von verschiedenen heimischen Baumarten nebeneinander) nicht zu finden und wurden künstlich durch den Menschen hier eingebracht. Ein Beispiel dafür ist die Douglasie, eine Baumart die aus Nordamerika stammt, mittlerweile aber auch häufig in unseren deutschen Wäldern zu entdecken ist. Sie kommt mit Trockenheit im Sommer gut zurecht und liefert tolles Bauholz.

Weitere fremdländische Baumarten sind beispielsweise die Roteiche, der Tulpenbaum und die Robinie. Sie alle bringen unterschiedliche Eigenschaften mit sich und sind für die kommenden klimatischen Verhältnisse hier zu Lande besser angepasst als manche heimische Baumart. Mit diesen Arten kann jedoch auch ein gewisses Risiko verbunden sein. Nichtheimische Arten können nämlich Einflüsse auf das heimische Ökosystem haben und es negativ beeinträchtigen. Ein Beispiel für so eine Beeinträchtigung stellen Parasiten dar, die durch fremdländische Arten eingeschleppt werden können und Schäden in der heimischen Flora und Fauna anrichten können. Ein weiteres Problem stellt zum Beispiel die spätblühende Traubenkirsche dar. Sie ist eine Pflanzenart die ebenfalls aus Nordamerika kommt und hierzulande andere heimische Arten verdrängt. 

Die Zukunft des Waldes

Der Wald wird sich weiter verändern. Förster*innen stehen mit der Aufgabe, den Wald an die klimatischen Veränderungen anzupassen und davor zu schützen, vor einer großen generationsübergreifenden Herausforderung.  

Da wir einfach nicht wissen, was uns in Zukunft noch erwarten wird, welche Krankheiten und klimatischen Bedingungen wir vorfinden werden und welches Holz besonders beliebt sein wird, liegt die Lösung in der Mitte: 

Nach aktueller Auffassung ist ein klimaangepasster Wald in verschiedensten Punkten durchmischt: Er besteht aus verschiedenen Baumarten, verschiedenen Altersstufen und ist an den Boden, auf dem er wächst, man spricht hier auch vom Standort, angepasst. Es wird nur so viel Holz entnommen, dass Bäume von selbst nachwachsen können und wenig künstlich gepflanzt werden muss. Dabei wird darauf geachtet, dass der Wald vielen Tieren, Insekten, Pilzen und Pflanzen ein Zuhause ist und trotzdem auch den Menschen willkommen heißt.

Das klingt jetzt zu schön, um wahr zu sein, findet Ihr? Ist es aber! Denn zum Glück vertreten nicht nur ein paar “Fachidioten” an den Unis diese Meinung. Immer mehr Waldbesitzer*innen in Deutschland bewirtschaften ihre Wälder nach den genannten Grundsätzen. Es gibt verschiedene Siegel und Gesetze, die genau definieren, wie nachhaltige Forstwirtschaft auch im Klimawandel funktionieren kann. Ein sehr bekanntes ist zum Beispiel die LÖWE Verordnung, die in ganz Niedersachsen Anwendung findet. 

Wir waren in einem Wald unterwegs, welcher schon seit Jahrzehnten naturgemäß bewirtschaftet wird. Im Video zeigen wir Euch, wie der Wald der Zukunft aussehen könnte. 

Wie sieht es bei Euch aus? Sind die Wälder bei Euch vor der Haustür schon bunt durchmischt, oder gibt es nur eine einzige Baumart und alle paar Jahre wird alles abgeholzt? Wir sind gespannt auf Eure Eindrücke, schreibt sie uns gerne in die Kommentare!

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Heute starten wir unser neues Webformat. Wir haben viel getüftelt und einiges ausprobiert und können Euch nun endlich Forst erklärt präsentieren!

Ziel von Forst erklärt ist es, die oft sehr interessanten Inhalte unseres Studiums und Lebens im und mit dem Wald für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei wollen wir Euch natürlich botanische Einblicke in den Wald geben, aber auch Infos über Holz als Rohstoff, den Wald als Klimaschützer, die Relevanz der Jagd und viele andere Themen mit Euch teilen und diskutieren. Wir würden uns also sehr über einen Austausch mit Euch freuen. Wir sind immer offen für andere Meinungen und sind vor allem gespannt, wie unser Projekt und unsere Ideen bei Euch ankommen. Neben dieser Website werden wir auf Instagram spannende Infos rund um den Wald posten. Klickt gerne mal rein und falls es gefällt, dürft Ihr gerne Euren Freunden davon erzählen!

Simon, Jan und Felix

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