Frauen Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/frauen Wissen aus dem Wald Thu, 05 Mar 2026 16:08:17 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Frauen Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/frauen 32 32 Frauenpower für den Wald! https://forsterklaert.de/frauen https://forsterklaert.de/frauen#respond Sun, 08 Mar 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6486 Ein großer, bärtiger Mann mit Hut und grünem Lodenmantel steht mit Dackel und Büchse im Wald – das ist das...

Der Beitrag Frauenpower für den Wald! erschien zuerst auf Forst erklärt.

]]>
Ein großer, bärtiger Mann mit Hut und grünem Lodenmantel steht mit Dackel und Büchse im Wald – das ist das Bild, das vermutlich den meisten als Erstes in den Sinn kommt, wenn man(n) an einen Förster denkt. Forstliche Berufe waren lange Zeit komplett den Männern vorbehalten und auch heute noch ist die Forstwirtschaft eine deutlich männerdominierte Branche. Dieser Artikel soll über den steinigen Weg der Frauen in der Forstwelt und den aktuellen Stand informieren, über Herausforderungen von Försterinnen und Forstwirtinnen aufklären, aber auch Lösungen und Perspektiven aufzeigen.

Wir haben das Glück, immer wieder mit kompetenten und coolen Frauen im Forst zusammenarbeiten zu können. Hier zum Beispiel Försterin Paula von Landesforsten Rheinland-Pfalz.

Forstfrauen – zum Pflanzen okay, aber doch bitte nicht im Hörsaal

Historisch gesehen sind Frauen schon immer im Wald zu finden und haben dort wichtige Jobs übernommen. In der Geschichte waren es meist die Frauen, die Beeren, Kräuter und Laubstreu beispielsweise als Einstreu für Tiere mit nach Hause brachten. Außerdem waren Frauen oft zuständig für das Sammeln von Brennholz, das der ganzen Familie in den harten Wintern das Überleben sicherte.

Der erste bezahlte Job, den Frauen im Wald übernahmen, war der der Kulturfrauen. Sie arbeiteten oft in den Pflanzgärten der Baumschulen oder pflanzten und pflegten Aufforstungen. Das war schwere körperliche Arbeit, die schlecht entlohnt und vollkommen fremdbestimmt war (By the way: alle, die schon mal als Saisonarbeiter:innen in einem Pflanztrupp im Wald mitgearbeitet haben, wissen, dass das ein knochenharter Job sein kann – also von wegen schwächeres Geschlecht!). Die Bedeutung der Kulturfrauen wurde besonders nach dem Ende des 2. Weltkrieges deutlich, als sie als „Trümmerfrauen des Waldes“ riesige kahle Flächen wieder aufforsteten. Nach dem Krieg wurden große Mengen an Holz geschlagen, das zum Wiederaufbau oder als Teil der Reparationszahlungen benötigt wurde. Im Anschluss waren es Frauen, die einen großen Teil der heutigen Wälder wieder begründeten.

Die Arbeit der Kulturfrauen wurde unter anderem auf der 50 Pfennig Münze festgehalten.

Kulturfrauen ja, ABER

Im Forstdienst hingegen waren zu dieser Zeit keine Frauen zu finden – aus dem einfachen Grund, dass diese nicht erwünscht waren. Vor dem 2. Weltkrieg war ein abgeleisteter Militärdienst die Voraussetzung, um Förster zu werden, wodurch Frauen grundsätzlich ausgeschlossen wurden. Obwohl es diese Regelung nach dem Krieg nicht mehr gab, wurde dann ein amtsärztliches Zeugnis gefordert, durch das Frauen (wer hätte es gedacht) wieder systematisch benachteiligt wurden, indem zum Beispiel eine Mindestkörpergröße gefordert wurde. 

In Deutschland hat sich die allererste Frau im Jahr 1934 in den Studiengang Forstwissenschaften eingeschrieben. Aber erst viel später, in den 1970er Jahren, war es dann so weit, dass mehrere Frauen an unterschiedlichen Universitäten in Deutschland in forstlichen Studiengängen eingeschrieben waren. Zu dieser Zeit war es Frauen außerdem erstmals möglich, als Försterinnen oder in Führungspositionen zu arbeiten.

Wusstest Du schon…? 
Wer lieber zuhört statt selbst zu lesen kann sich die sehr gute Folge des sehr guten Podcasts „Wie man aus dem Wald ruft“ von Forst erklärt mit Maren und Gesa, die unter anderem von ihren Erfahrungen als junge Frauen im Forst berichten, anhören – zu finden ist die WMADWR-Folge #14 auf allen gängigen Podcastplattformen, wie z.B. hier auf Spotify.

Wie ist die Lage für Frauen im Forst heute?

Der kurze geschichtliche Abriss zeigt deutlich, wie schwer der Weg von Frauen in der Forstwirtschaft war. Seit gut 50 Jahren arbeiten Frauen in Deutschland also im Forst und trotzdem liegt ihr Anteil in den Landesforstverwaltungen im Durchschnitt bei lediglich 9 %. In der DDR gab es mehr lohnarbeitende Frauen. Die Gleichstellung war dadurch schon früher weiter fortgeschritten als im Westen, weshalb die Anteile in den neuen Bundesländern häufig höher sind.

Fürs Auszeichnen braucht es vor allem Sachverstand, den können sich alle aneignen.

Ein paar aktuelle Zahlen zur Frauenquote in verschiedenen Positionen im Forstsektor liefert eine repräsentative Untersuchung aus Bayern. Die beiden Projekte „Fem4Forest“ und „Fem2Forest“ sind EU-kofinanzierte Projekte der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft als eine von 15 Partnerorganisationen aus zehn Ländern des Donauraumes. Die Forschungs- und Innovationsprojekte beschäftigen sich mit den Themen Wald in Frauenhand und der Einbindung von jungen Frauen in den Forstsektor. Die Umsetzung und die daraus resultierenden Ergebnisse und Publikationen liefern sehr wertvolle, aktuelle Informationen rund um das Thema Frauen im Forst in Bayern und Mitteleuropa.

Aktuelle Zahlen belegen: Die Forstbranche bleibt männerdominiert

Im Rahmen des EU-Projekts „Fem2Forest“ wurde zum Beispiel untersucht, wie der Frauenanteil in der bayerischen Forstwirtschaft dauerhaft erhöht werden kann, wobei auch Zahlen erhoben wurden. Der Anteil von Absolventinnen des Ausbildungsberufs Forstwirt:in liegt in Bayern bei 2-3 %. Der Anteil an weiblichen Studentinnen in den Bachelor- und Masterstudiengängen ist im Gegensatz dazu schon deutlich höher und liegt bei rund 30 %. Interessant ist allerdings, dass im Anwärterjahr bzw. im Referendariat die Quote dann wieder nur noch bei 28 % bzw. 25 % liegt. Es ist also nicht nur eine gefühlte Wahrheit, sondern durch Untersuchungen wie diese wissenschaftlich belegt, dass die Forstbranche nach wie vor ein eher konservatives, männerdominiertes Umfeld ist.

Wusstest Du schon…?
Der Frauenanteil des Forst erklärt-Teams liegt mittlerweile bei knapp 60 % und entspricht damit so gar nicht einer branchenüblichen Verteilung. Forst erklärt ist also ein schlechtes Beispiel zum Stützen der Statistiken, aber wohl das beste Beispiel überhaupt, dass Frauen, auch und gerade in einem männlich dominierten Umfeld, nicht fehl am Platz sind. Im Gegenteil, das Team profitiert von der Diversität und den unterschiedlichen Sichtweisen.

Herausforderungen von Frauen in forstlichen Berufen

Die geringen Frauenanteile und die damit einhergehende Unterrepräsentation sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, denen Frauen im Forstsektor begegnen. Auch einige Stereotype und Vorurteile halten sich immer noch hartnäckig. Frauen seien ja schwach und einfach nicht geeignet für einen “Männerberuf” wie diesen. Dadurch wird Frauen ihre Kompetenz abgesprochen und sie werden anders behandelt als ihre männlichen Kollegen. Auch heutzutage werden gerade junge Frauen oftmals nicht ernst genommen oder auf Äußerlichkeiten reduziert.

Und ja, leider fallen auch im Jahr 2026 noch viel mehr diskriminierende und sexistische Kommentare als man denkt. Oft kommen da Sprüche, die klar machen, dass einem die Arbeit nicht zugetraut wird oder die auf Äußerlichkeiten bezogen sind. Meistens kommen diese Kommentare allerdings von Außenstehenden wie z.B. Waldbesitzern oder Jagdpächtern, und sind mittlerweile glücklicherweise eher Einzelfälle und nicht mehr die Norm. Trotzdem sind ein dickes Fell und eine gewisse Portion Schlagfertigkeit Eigenschaften, die Frauen im Forst nach wie vor zugutekommen – zum Beispiel, wenn einem doch mal Fragen gestellt werden wie: „Ja Mädel, wann kommt denn jetzt eigentlich mal der richtige Förster?“.

Innerhalb der Branche, unter Kolleg:innen und im Arbeitsalltag ist der Umgang meist sehr wertschätzend und auf Augenhöhe. Trotzdem gibt es diese Problematik durch eine jahrzehntelange Internalisierung auf jeden Fall noch. So ist es leider für Frauen durch veraltete Rollenbilder und Strukturen immer noch schwieriger, z.B. Führungspositionen zu erreichen oder überhaupt ernst genommen zu werden. 

Försterin, der schönste Beruf?

Vereinbarkeit von Waldberufen und Familie

Eine weitere geschlechtsspezifische Herausforderung ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die in der Realität nach wie vor oft sehr schwierig ist. Schade ist, dass das oft zu einem Problem der Frauen gemacht wird, statt anzuerkennen, dass es sich hierbei um ein strukturelles, gesellschaftliches Problem handelt. 

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist heutzutage immer noch ein Punkt, der viele Frauen in Forstberufen beschäftigt. Dabei könnte das gerade im Forst eigentlich richtig gut funktionieren. Bei den meisten Forstberufen gibt es nämlich Gleitzeitmodelle, bei denen viel Homeoffice möglich ist, was die Organisation vom Familienalltag schon erleichtern kann. Jobsharing, ein Konzept, bei dem sich zwei Personen eine Stelle teilen, ist ebenfalls eine Möglichkeit, die sich vor allem für Revierleitungspositionen hervorragend anbietet. Und sind wir mal ehrlich, wenn es wirklich mal brennt, kann man Kinder doch auch gut mal mit in den Wald nehmen – auf alle Fälle besser als in ein Großraumbüro!

Mehr Girl Power für die Forstwirtschaft!

Diversität am Arbeitsplatz bringt viele Vorteile mit sich – das gilt natürlich auch, oder sogar ganz besonders, in der Forstwirtschaft. Frauen in männerdominierten Arbeitsfeldern bringen nämlich nicht nur neue Blickwinkel, Denkweisen und Ideen, sondern auch Kreativität und andere Talente mit. Davon können nicht nur die Forstbetriebe und Verwaltungen profitieren, sondern natürlich auch der Wald und die Natur.

Wie kann man also den Frauenanteil im Forst steigern? Das erfordert ein Umdenken und zielsichere Maßnahmen, um Forstberufe für junge Frauen attraktiver zu machen. Es braucht zum Beispiel mehr Ansätze für flexible Arbeitsmodelle. Was außerdem wichtig ist, ist die Sichtbarkeit von Försterinnen und Forstwirtinnen zu steigern, denn es braucht weibliche Vorbilder, um mehr Frauen auf die Berufe aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass es eben kein „Männerjob“ ist. Bei der erfolgreichen Umsetzung von Maßnahmen für Gleichstellung ist es superwichtig, dass männliche Kollegen in Initiativen und Programmen beteiligt sind. Schließlich wollen wir am Ende ja gemeinsam im und für den Wald arbeiten.

Frauen, Vernetzt Euch!

Ein weiterer Tipp für alle Forstfrauen, und die, die es werden wollen, ist Vernetzung und ein regelmäßiger Austausch untereinander. Dafür gibt es zum Beispiel in Bayern bereits einige Angebote und Initiativen, wie ein Mentoring-Programm für Studentinnen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf oder ein überregionales, mehrtägiges Treffen von Frauen in Forstberufen, mit wechselnden fachlichen Schwerpunkten und Veranstaltungsorten. In Göttingen in Niedersachsen gibt es beispielsweise jeden zweiten Mittwoch im Monat an der HAWK den Forstfrauenstammtisch. Erkundige Dich doch mal, ob es auch in Deiner Nähe spannende Angebote zur Vernetzung unter Forstfrauen gibt!

Wusstest Du schon…? 
Wenn Du noch mehr über Försterinnen und Frauen in der Forstwirtschaft wissen willst, dann schau gerne auf der Seite des Vereins Frauen im Forstbereich e.V. vorbei. Das ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen in der deutschen Forst- und Holzwirtschaft zu vernetzen. Sie informieren auf Instagram regelmäßig über Veranstaltungen, internationale Verbindungen und alles, was Frauen im Forst bewegt. Mit Christiane, der 1. Vorsitzenden vom Verein Frauen im Forst gibt es bei Forst erklärt ein spannendes Interview, schaut auch hier gerne mal rein!

Warum Försterin der beste Job der Welt ist

Dieser Artikel berichtet über die Geschichte von Forstfrauen und klärt über die Herausforderungen für Frauen in der Männerdomäne Forstwirtschaft auf. Leider wird auch deutlich, dass man sich als Frau nach wie vor oft beweisen muss und es für Frauen in der Branche schwierig sein kann. Daran wollen und müssen wir etwas ändern. Das geht in erster Linie durch mehr Frauen im Forst. Und das sollte kein Problem sein, denn Försterin ist ja wohl der beste Beruf überhaupt! 

Der wohl schönste Arbeitsplatz – Hunde immer erlaubt!

Försterin zu sein ist ein abwechslungsreicher Job mit vielen Facetten und dem Wald als den wohl schönsten Arbeitsplatz der Welt. Die Arbeit draußen in der Natur ist eine sinnstiftende Tätigkeit, bei der man etwas bewegen kann, und bei viel Verantwortung auch sehr viel Freiheit und Flexibilität im Arbeitsalltag hat. 

Wie erlebt Ihr das Frauenbild in der Forstwirtschaft? Berichtet uns gerne in den Kommentaren!

Quellen:

https://www.bdf-online.de/aktuelles/news/steigender-anteil-von-frauen-in-den-forstberufen

https://www.lwf.bayern.de/fem4forest

Wagner, L.; Skiba, A.; Böhling, K. (2026): Forstberuf im Wandel. LWF aktuell 156, S. 4 – 8

Meier, A.-M. (2018): Geschlechterverhältnisse im Forstbereich. AFZ-Der Wald 1/2018, S. 46f

Der Beitrag Frauenpower für den Wald! erschien zuerst auf Forst erklärt.

]]>
https://forsterklaert.de/frauen/feed 0
WMADWR #14 – Forstfrauen https://forsterklaert.de/forstfrauen https://forsterklaert.de/forstfrauen#respond Sun, 09 Jul 2023 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4130 In diesem Artikel, in dieser neuen Podcastfolge geht es um ein Thema, dass uns besonders am Herzen liegt. Daher widmen wir ihm direkt zwei Formate. Die Forstfrauen haben bei "Wie man aus dem Wald ruft" erzählt und unsere Fragen bei "10 Fragen an" beantwortet.

Der Beitrag WMADWR #14 – Forstfrauen erschien zuerst auf Forst erklärt.

]]>
Diese Woche geht es um ein Thema, dass uns besonders am Herzen liegt. Daher widmen wir ihm direkt zwei Formate. Es geht um die Rolle der Frau in der noch immer männlich dominierten Forstwirtschaft. Mitglieder des Vereins Forstfrauen e.V. haben sich unseren Fragen in einer neuen Folge unseres Podcasts gestellt. Und gleichzeitig beginnen wir auch eine neue Rubrik hier auf dem Blog, ein Interviewformat namens „10 Fragen an…“.

Der Podcast

Manchmal ist es einfach schön, nicht die einzige Frau zu sein. Aus diesem Grund vernetzen sich seit inzwischen etwa 40 Jahren Frauen im immer noch hauptsächlich männlichen Forstbereich. Der Verein „Frauen im Forstbereich e.V.“ wurde in Folge von jahrelangen Forstfrauen-Stammtischen in Göttingen und danach auch bundesweiten Treffen vor 30 Jahren gegründet. Ob man als Förster:in im Stehen pinkeln können muss, wie schwer Sprühdosen sind und was die Forschung eigentlich dazu sagt, verrät euch Maren, eine junge Försterin aus Niedersachsen, die bestens Vorbereitet einen Überblick zum Thema Frauen im Forstbereich in unseren Podcast gebracht hat!

Wir stellen vor: Neues Interviewformat

Wir haben lange hinter den Kulissen gegrübelt, wie wir Euch hier auf dem Blog noch mehr spannende Einblicke in die Vielfalt des Waldes bieten können. Ein Ergebnis dieser Überlegungen startet heute! Christiane vom Forstfrauen-Verein startet die neue Reihe „10 Fragen an“. Mit diesem Format möchten wir Euch einen möglichst schnellen und einfachen Einstieg in die Forstwelt bieten und stellen Euch verschiedene Akteure und Akteurinnen vor. Wobei, es ist noch besser, wir geben den Leuten Raum, sich selbst vorzustellen. Die Antworten beinhalten also Meinungen und Erfahrungen der Interviewpersonen und werden unverändert so wiedergegeben.

„10 Fragen an“ steht noch in den Startlöchern und freut sich entsprechend über jedes Feedback. Wenn Euch eine Frage unter den Nägeln brennt oder Ihr dringend mehr über eine Person aus der Forstwelt wissen wollt, lasst uns gerne eine Nachricht oder einen Kommentar da! Auch unsere Interviewpersonen freuen sich bestimmt über jede freundliche Reaktion!

10 Fragen an: Christiane von Frauen im Forst e.V.

Christiane, ihre Hündin Maja und der Forstfrauen-Verein setzten sich seit Jahrzehnten für die Gleichberechtigung im Forstbereich ein.
1. Stell Dich bitte kurz vor: Wer bist Du, was machst Du und warum interviewen wir Dich? 

Ich bin Christiane Lorenz-Laubner, Revierleiterin im niedersächsischen Harz und 1. Vorsitzende von „Frauen im Forstbereich e.V.“ Weil unser Verein sich seit 30 Jahren für die Gleichstellung von Frauen im Forstbereich einsetzt und das Thema zunehmend beachtet wird, werde ich interviewt – nehme ich jedenfalls an. 

2. Was sind Deine Lieblingspflanze, -tier, oder -wald und warum? 

Mein Lieblingstier ist meine Jagdhündin Maja (Bracken Schweißhund Mix), die mich seit 11 Jahren begleitet. Meine Lieblingspflanzen sind alle, die gut riechen, z.B. Rosen, Lavendel, Flieder. Wald finde ich fast immer schön, nur ausgerechnet den Harz finde ich leider nur noch an wenigen Stellen schön.

3. Was motiviert Dich, Deine Arbeit zu machen, warum machst Du sie und wie(so) bist Du in Deine Position gekommen?

Früher habe ich gern ausgezeichnet, Waldarbeit, v.a. Holzernte organisiert. Heute, wo die Hauptbaumart Fichte in meinem Revier tot ist, fällt es mir oft schwer,  mich zu motivieren. Freude bereitet es mir nach wie vor, mit fast immer gut gelaunten Unternehmerarbeitskräften zusammen zu arbeiten. Auch das selbstbestimmte Arbeiten zu jeder Jahreszeit  gefällt mir. Jahrelang habe ich wegen meiner beiden Kinder in Teilzeit in der Waldinformation und Umweltbildung gearbeitet. Vor 11 Jahren habe ich mich dann erfolgreich um ein Revier  beworben. Mütter standen zu meiner Zeit und auch heute vor dem Dilemma, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen, ohne dass jemand oder etwas auf der Strecke bleibt. Auf die wirkt sich Teilzeit allerdings extrem negativ aus.

4. Was war die größte Erkenntnis, die Du durch Deine Tätigkeit bisher hattest? 

Arbeit und Leben gehören zusammen. Wenn der Beruf Berufung ist, dann dann hat frau den richtigen Beruf gewählt.  

5. Wovor hast Du, in Bezug auf den Wald, die Forstwirtschaft oder die Natur, am meisten Angst?

Um den deutschen Waldzustand mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Die Natur heilt fast allein und braucht uns Menschen nicht. International mache ich mir eher Sorgen um nicht nachhaltige Waldnutzung bis hin zu Waldzerstörung, z.B. in borealen Wäldern und noch echten Urwäldern.
Dass wir aber die Natur/den Wald mit ihren/seinen Produkten und ihrem/seinem Nutzen für uns Menschen brauchen, wird nicht hinreichend von der (deutschen) Politik erkannt.
Die Nutzfunktion des Waldes wird zugunsten eines vermeintlichen Natur- und Klimaschutzes marginalisiert.
Ich hoffe, dass weiterhin Forstleute als die kompetenten Fachleute für den Wald angesehen werden.

6. Was ist gesellschaftlich der größte Gewinn für den Wald und Deine Arbeit? 

Der größte gesellschaftliche Gewinn wäre es, wenn der Wald auf überwiegender Fläche nachhaltig und ökologisch von Forstleuten bewirtschaftet wird. 

7. Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir für den Wald, die Forstwirtschaft oder Deine Arbeit wünschen? 

Regen zum richtigen Zeitpunkt. 

8. Wie sieht ein klassischer Tag in Deinem Beruf aus? 

Glücklicherweise jeden Tag anders. Klassischerweise suche ich als erstes alle  Arbeitsstellen im Wald auf. Solange noch Holz geerntet wird, werden die Arbeiten für Mensch und Maschinen vorbereitet und koordiniert, Holz aufgenommen etc.. Dann bereite ich andere Waldarbeiten vor, z.B. die Kulturen. Je nach Jahreszeit und aktuellem Wetter liegen unterschiedliche Arbeiten an:  Forstschutz, Wegepflege, Jagdvorbereitung und so viel mehr. Büroarbeit mache ich eher nachmittags und bei schlechtem Wetter.

9. Welchen Rat würdest Du Dir geben, wenn Du mit Dir reden könntest, als Du gerade mit Deinem Beruf bzw. Deiner Karriere begonnen oder Dich gerade für diesen Weg entschieden hast? 

Mach das ruhig alles nochmal. Nur trete gleich schon am Anfang selbstbewusster auf,  „Du kannst Försterin!“ 

10. Was möchtest Du uns allen, die Dein Interview lesen, empfehlen oder ans Herz legen?

 Nehmt die Kompetenz von Forstfrauen besser an. Arbeitet besser in gemischten vielfältigen Teams. Begegnet anderen „Waldexperten“, Waldnutzenden und Waldschützenden mit Respekt aber macht selbstbewusst klar, dass nur eine multifunktionale Forstwirtschaft zur Lösung beträgt und der Wald bei uns Forstleuten in besten Händen ist. 

Der Beitrag WMADWR #14 – Forstfrauen erschien zuerst auf Forst erklärt.

]]>
https://forsterklaert.de/forstfrauen/feed 0