Klimawandel Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/klimawandel Wissen aus dem Wald Fri, 30 Jan 2026 11:44:12 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Klimawandel Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/klimawandel 32 32 ​​Die Küstentanne: Eine Tanne für den Wald der Zukunft?   https://forsterklaert.de/kuestentanne https://forsterklaert.de/kuestentanne#comments Sun, 22 Jun 2025 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5960 Schon seit geraumer Zeit bereiten der Klimawandel und das Wohlergehen unserer Wälder den Förster:innen Sorge. Die Folgen der Erderwärmung machen...

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Schon seit geraumer Zeit bereiten der Klimawandel und das Wohlergehen unserer Wälder den Förster:innen Sorge. Die Folgen der Erderwärmung machen den meisten unserer heimischen Baumarten zu schaffen, reißen Lücken in das Ökosystem Wald und wirken sich so auch auf die Verfügbarkeit von Holz aus.
Die Küstentanne (Abies grandis), die eigentlich aus dem Westen Nordamerikas stammt, könnte Abhilfe schaffen und Lücken im Wald wieder füllen, den Holzvorrat wieder aufstocken und eine Zukunft in unseren Wäldern haben. Warum die Küstentanne gar nicht so neu ist, was sie sonst noch besonders macht und wie Ihr sie erkennt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

In dem Revier, in dem Simon Förster ist, stehen beachtliche Küstentannen.

Die Küstentanne erkennen

Die Küstentanne ist ein immergrüner Nadelbaum. Wenn sie noch jung ist, könnt Ihr sie an der glatten und grauen Rinde erkennen. Danach bilden sich kleine Blasen an der Rinde. Wenn Ihr diese mit dem Fingernagel ankratzt, quillt Baumharz hervor. Die Rinde wird mit zunehmendem Alter schuppig, rissig und dunkelbraun.

Wie viele Tannenarten auch hat die Küstentanne glänzende, flache und weiche Nadeln, welche auf der Unterseite zwei helle Streifen haben. Wenn Ihr die Nadeln mal in die Hände nehmt und zerreibt, könnt Ihr einen Zitrusduft wahrnehmen.

In Deutschland gehört die Küstentanne zu einer der höchsten Baumarten und kann bis zu 50 Meter groß werden. Von weitem könnt Ihr sie daran erkennen, dass ihre Krone spitz zuläuft.

Für Zitrusgeruch einfach ein paar Nadeln in der Hand zerreiben.

Wusstest Du schon…?
Die Küstentanne kann in ihrer eigentlichen Heimat im Westen Nordamerikas sogar eine Höhe von bis zu 100 Metern erreichen und gehört damit zu den höchsten Tannen der Welt. Die größten Exemplare stehen in den USA.

Herkunft der Küstentanne

Die Küstentanne stammt aus Nordamerika und wächst dort vor allem in regenreichen Wäldern an der Westküste der USA und Kanada. Wegen der guten Holzqualität und des schnellen Wachstums wurde ihr Saatgut schon 1833 nach Europa und Deutschland gebracht, wo forstliche Versuchsanstalten mit den ersten Anbauversuchen begannen.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gestarteten Anbauversuche waren erfolgreich. So wurden damals einige der heutigen Bestandsflächen, also Küstentannen-Flächen, begründet. Diese liegen heute in Deutschland vor allem in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Mittlerweile wird die Küstentanne vor allem in Mischbeständen, also Wäldern mit vielen verschiedenen Baumarten wie Buchen oder Douglasien, gepflanzt.

Obwohl die Küstentanne schon lange in Deutschland vorkommt, ist ihr Bestand relativ gering, besonders im Vergleich zu unseren Hauptbaumarten wie Fichte, Kiefer, Buche oder Eiche.

Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern. Denn gerade im Hinblick darauf, wie sich unser Wald in den letzten Jahren schon verändert hat, rückt die Küstentanne durch einige interessante Eigenschaften weiter ins Bewusstsein vieler Förster:innen.

In diesem Mischwald vermehrt sich die Küstentanne natürlich. Auf dem Waldboden sind einige junge Exemplare zu sehen.

Küstentanne gegen den Klimawandel?

Die Küstentanne kann sich sehr gut an verschiedene Bodenverhältnisse anpassen und hat eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Pilzkrankheiten, die in den Wäldern zunehmend problematisch werden.

Auch beim Stichwort Dürreperioden und extreme Stürme, welche in Zeiten des Klimawandels zunehmen werden, ist die Küstentanne zum Beispiel durch ihr tiefes Pfahlwurzelsystem gut vorbereitet. Das Pfahlwurzelsystem verleiht der Küstentanne die Eigenschaft, auch in trockenen Zeiten an Wasser in tieferen Schichten des Bodens zu kommen. Die tiefen Wurzeln machen die Küstentanne außerdem stabiler und weniger anfällig für die heftigen Stürme.

Einige Eigenschaften sprechen also dafür, dass die Küstentanne gut gegen Folgen des Klimawandels gerüstet ist. Damit wäre sie in unseren Mischwäldern der Zukunft zumindest für ein stabiles und intaktes Ökosystem und vielleicht ja auch für die Produktion von Holz ein echter Gewinn.

Edit:
Wir haben von Euch Feedback bekommen, dass es der Küstentanne in Euren Wäldern nicht so gut geht, wie bisher veröffentlichte Forschung uns glauben lässt. Das nehmen wir natürlich ernst! Daraufhin haben wir direkt in der Wissenschaft nachgefragt. Die Küstentanne wird als Zukunftsbaum untersucht und schien bis vor Kurzem klimawandelresistent. Doch die letzten ein bis zwei Jahre haben leider etwas anderes gezeigt und die Küstentanne ist scheinbar anfälliger gegenüber Pilzen und Krankheiten. Diese Erkenntnisse sind allerdings so neu, dass sie noch nicht veröffentlich wurden! Manchmal kann der Prozess wissenschaftlichen Arbeitens eben nicht mit dem Klimawandel mithalten.

Ein Meer aus kleinen Küstentannen.

Eine produktive Tanne?

Die Küstentanne ist nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch für die Holzproduktion und Holzindustrie spannend für die Zukunft, denn Ihr Holz ist weich und lässt sich gut verarbeiten.

Das Holz der Küstentanne ist außerdem eher wenig verharzt, was sowohl bei der Bearbeitung im Sägewerk, als auch bei der Trocknung vorteilhaft ist. Im Sägewerk verschmutzt und verklebt Harz oft die Maschinen und bei der Trocknung führt es dazu, dass Wasser nicht gut aus dem Holz entweichen kann. Holz, das besonders viel Harz hat, trocknet also langsamer und unregelmäßiger. Das Holz der Küstentanne ist wegen dieser Eigenschaften in der Papierproduktion und im Möbelbau beliebt.

Die Küstentanne wächst außerdem schneller als viele heimische Baumarten und hat noch eine weitere wichtige Eigenschaft: Ihr Stamm ist vollholzig. Vollholzig beschreibt die Form des Stammes und dass dieser auch oben in der Krone noch relativ dick ist. Das Gegenteil von vollholzig ist abholzig und beschreibt einen Stamm, der mit zunehmender Höhe stetig dünner wird.

Der sonnenbestrahlte Stamm der Tanne.

Dass der Stamm der Küstentanne auch hoch oben in der Krone noch einen relevanten Durchmesser aufweist, steigert natürlich die Menge Holz, die man ernten kann. Das führt natürlich auch dazu, dass wir im gesamten vielleicht weniger Bäume fällen müssen. So sparen wir nicht nur Aufwand und Mühen, sondern auch Kosten.

All diese Eigenschaften der Küstentanne führen also zu einer hohen Produktivität in der Holzproduktion und machen sie damit auch zu einem wichtigen Faktor für die Forstwirtschaft der Zukunft.

Wusstest Du schon…?
Wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel spricht man bei Baumarten wie der Küstentanne von sogenannten Zukunftsbäumen.

Mit dem Begriff Zukunftsbäume sind solche Arten gemeint, die mit den zukünftigen Veränderungen des Klimas in Deutschland und Europa umgehen können.

Diese Arten werden also womöglich zu einem festen, stabilen und wichtigen Bestandteil unserer Wälder der Zukunft sein. Damit könnten die Zukunftsbäume die ein oder andere heimische Baumart, die sich nicht an die Veränderungen des Klimas anpassen kann, ersetzen.

Und die Nachteile?

Trotz ihrer Vorteile gibt es auch Bedenken bei der verstärkten Nutzung der Küstentanne. Es bleibt zum Beispiel die Sorge, dass sie als nicht heimische Baumart langfristige ökologische Auswirkungen auf unsere Wälder hat. Solche Auswirkungen kann man erst nach langfristigen Anbauversuchen mit entsprechender wissenschaftlicher Untersuchung herausfinden. Die Küstentanne benötigt in jungen Jahren außerdem ausreichend Feuchtigkeit, um gut anzuwachsen, was in trockenen Regionen Deutschlands durchaus ein Problem darstellen kann.

Außerdem besteht wie auch bei allen anderen Baumarten natürlich die Gefahr, dass sich vor allem bei zu starker Monokultur-Nutzung künftig Schädlinge auf sie spezialisieren und so eine solche Kultur erheblich bedrohen könnten.

In Mischbeständen machen die kleinen Tannen eine gute Figur.

Wie viel Küstentanne braucht unser Wald?

Noch ist die Küstentanne in unseren Wäldern eine eher seltene Erscheinung. Trotzdem ist sie längst mehr als ein forstliches Versuchsexperiment und hat sich nun schon seit einiger Zeit bewährt und sich in viele Mischbestände integriert.

Gerade ihre Eigenschaft, gut mit Trockenperioden umzugehen, sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge sprechen dafür, dass wir die Küstentanne in Zukunft noch mehr in unsere Mischbestände einbringen sollten, wenn wir dem Klimawandel etwas entgegensetzen wollen.

Wie hoch der Anteil der Küstentanne in unseren Wäldern der Zukunft allerdings wirklich sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass sie auch heute schon als Ergänzung heimischer Baumarten eine Bereicherung für klimastabile Wälder darstellt und für die Zukunft ein großes Potenzial bereithält.

Quellen:

https://www.holzvomfach.de/fachwissen-holz/glossar/abholzigkeit/

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/grosse-kuestentanne#c79245

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/nadelbaeume/hoehenwachstum-der-grossen-kuestentanne

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Forstgelesen #5 – Der klimastabile Mischwald https://forsterklaert.de/forstgelesen5 https://forsterklaert.de/forstgelesen5#respond Tue, 24 Dec 2024 16:15:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5449 Der Tag war lang, man hat viel erlebt, alles erreicht, und will jetzt nur noch in Ruhe einschlafen. Doch die...

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Der Tag war lang, man hat viel erlebt, alles erreicht, und will jetzt nur noch in Ruhe einschlafen. Doch die Generation Benjamin Blümchen wurde zur Generation Die Drei ??? wurde zur Generation noch-kurz-bei-Insta-rumhängen wurde zur Generation ich-kann-bei-Stille-nicht-einschlafen. Wir haben eine Lösung für Euch, die entspannender und klüger ist als der halbstündige Insta-Grind im Bett. 
Forstgelesen ist ein Podcast, mit dem Ihr im Wald einschlaft! Mit beruhigenden Stimmen lesen Jan und Gesa Euch Forst erklärt-Artikel vor und entführen Euch in circa zehnminütigen Folgen in den Wald. So überbrückt Ihr perfekt die Zeit vorm Einschlafen und Eure letzten Gedanken gelten der Natur, nicht Social Media oder gar Arbeit.

Forstgelesen Staffel 1

Diese erste Staffel besteht aus fünf Folgen, in denen Ihr zwei Baumarten besser kennenlernt, ein putziges Tier rettet, in die Pflanzenwelt und den Wald der Zukunft eintaucht. Wir veröffentlichen die Folgen in der gemütlichen Adventszeit und schenken Euch die letzte Episode zu Weihnachten. Forstgelesen ist ein neues Projekt von uns, mit dem wir jetzt in die erste Runde starten. Daher freuen wir uns sehr über Euer Feedback und Euren Input! Und wenn es Euch gefällt, freuen wir uns auch über Eure Unterstützung. Da wir keine Werbung schalten, tragen sich diese Art von Projekt nicht selbst. Über Ko-fi könnt Ihr uns zum Beispiel einen Kaffee ausgeben, wenn wir Euch zu gutem Schlaf verholfen haben, Ihr unsere Artikel gerne lest oder mit den Fun Facts angeben konntet, die Ihr aus unseren Instagram-Posts gelernt habt.

Folge 5 – Der klimastabile Mischwald

Auch in der Zukunft wollen wir noch möglichst viel gesunden Wald haben. Um das zu erreichen, brauchen wir klimastabile Mischwälder. Möglichst schnell müssen unsere Wälder also verändert werden. Was “möglichst schnell” in der Forstwelt bedeutet, erfahrt Ihr in diesem Artikel. Schlaft dazu ein, wie andere Leute ihre Wälder umbauen!

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Warum sieht unser Wald so scheiße aus? https://forsterklaert.de/scheisse https://forsterklaert.de/scheisse#respond Sun, 03 Nov 2024 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5363 Stellt Euch vor, Ihr wollt einen gemütlichen Sonntagsspaziergang machen, am liebsten im Wald (da riecht es immer so frisch). Angekommen...

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Stellt Euch vor, Ihr wollt einen gemütlichen Sonntagsspaziergang machen, am liebsten im Wald (da riecht es immer so frisch). Angekommen müsst Ihr feststellen, dass dort, wo früher der Wald stand, jetzt eine große kahle Fläche entstanden ist. Hier und da seht Ihr krank aussehende Bäume. Ihr kriegt das Gefühl, eher auf eine Mondlandschaft als auf einen Wald zu schauen. Dieses Bild ist leider an vielen Orten Deutschlands die Realität. Wie es dazu kam, dass unsere Wälder so scheiße aussehen, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Ein Blick in die Vergangenheit

Wald gab es eigentlich schon immer in Deutschland, auch schon lange bevor wir Menschen überhaupt auf die Idee gekommen sind, ihn zu nutzen oder überhaupt zu kultivieren. Wenn wir uns die Probleme, die unser Wald heute hat, anschauen wollen, dann müssen wir nicht ganz so weit in die Vergangenheit schauen. Eine Buche wird, je nachdem wie dick sie ist, im Alter von 100 bis 120 Jahren gefällt. Dieser Zeitraum wird von Förster:innen “Umtriebszeit” genannt. Unser heutiger Wald entstand demnach vor ungefähr 80 bis 100 Jahren. Was war zu dieser Zeit in Deutschland los? Für eine ausführliche Antwort – mit schönen Bildern – schaut Euch gerne unser Video zu dem Thema an. 

Kurz gefasst: In der Nachkriegszeit gab es einen großen Bedarf an Bauholz, zum einen wurde es für die Reparationszahlungen an die Alliierten benötigt und zum anderen, um die zerstörten Städte wieder aufzubauen. Hinzu kommt, dass die Nationalsozialisten im Vorfeld schlecht mit dem Wald umgegangen sind, wodurch sowieso schon ein Mangel an Holz entstanden ist.

Wusstest Du schon…?
Die Hasel (Corylus avellana) war nach der letzten Eiszeit die Hauptbaumart in Europa. Genauso wie heute bei der Buche, gab es damals Wälder aus Haselnuss-Sträuchern, bis sie von der Eiche abgelöst wurden.

In einem Fichtenzapfen stecken jede Menge dieser kleinen Samen.

In der Not pflanzt der Teufel Fichte

Die Lösung fanden die Förster:innen der damaligen Zeit in der Fichte (Picea abies). Die Gemeine Fichte ist eine schnell wachsende Baumart, die dabei vor allem schön gerade wächst. Außerdem kommt sie ziemlich gut mit verschiedensten Standorten zurecht. Allerdings ist die Fichte in Deutschland lediglich in Gebirgslagen heimisch, wie z.B. in den Alpen oder im Harz. Trotzdem pflanzten die Förster:innen viele dieser Bäume in Monokulturen bzw. Reinbestände im kompletten Land. Die ernste Lage erforderte es. Rückblickend können wir  mit unserem neu erworbenen Wissen natürlich urteilen und feststellen, dass das vielleicht nicht die beste Idee war. Damals wussten die Leute jedoch noch wenig vom Klimawandel und schon gar nichts von den Auswirkungen auf den Wald. 

Der Klimawandel wandelt

Der Klimawandel bringt eine Menge Veränderungen und Probleme mit sich: die Temperaturen steigen, es wird trockener und extreme Ereignisse, wie Dürren, Überflutungen und Flächenbrände häufen sich. Und im Wald? Der Grundwasserspiegel sinkt und damit die Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen. Der Boden wird trocken und rissig, wodurch er seine Schwamm-Wirkung zum Wasser halten verliert. Dadurch leiden die Bäume an Trockenstress und an diesen gestressten Bäumen fühlen sich Sekundärschädlinge besonders wohl. Im Falle der Fichte wären das der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) und der Buchdrucker (Ips typographus). Allgemein sind sie Euch vermutlich als “Borkenkäfer” bekannt. Bedingt durch die Reinbestände und fehlenden Gegenspielern, kommt es zur Massenvermehrung. Aber auch andere Bäume sind von Sekundärschädlingen betroffen, wie z.B. die Buche oder die Eiche. Außerdem steigt die Waldbrandgefahr und die Anzahl an tatsächlichen Waldbränden. Puh, das ist ganz schön viel!

Auf der Freifläche kommt schon die Naturverjüngung.

Gute und schlechte Neuigkeiten

Konkrete Auswirkungen könnt Ihr in der neuen Bundeswaldinventur nachlesen. Einige wichtige Aspekte: die Wissenschaftler:innen haben festgestellt, dass unser Wald zu einer Kohlenstoffquelle geworden ist, das heißt, dass er mehr Kohlenstoff abgibt als er aufnimmt. Bei einem gesunden Wald ist es genau anders herum. Außerdem hat die Menge an Fichten im Wald stark abgenommen. Es gibt aber auch gute Nachrichten! Die Wälder werden strukturreicher. Das bedeutet zum einen, dass die Wälder aus jungen, mittelalten und alten Bäumen bestehen (vertikale Struktur). Zum anderen heißt es, dass die Wälder aus verschiedensten Baumarten zusammengesetzt sind (horizontale Struktur). Diese Vielfalt erzeugt so etwas wie eine Kettenreaktion: Strukturreichtum führt zu einer Vielfalt an Arten und genetischem Material, wodurch das Ökosystem des Waldes besser auf Veränderungen der Umwelt reagieren kann. Trotzdem hat der Wald Hilfe nötig.

Wusstest Du schon…?
Die Eiche ist ein besonders beliebter Kandidat zur Anpflanzung auf Freiflächen. Sie ist eine Lichtbaumart, die eine gute Anpassungsfähigkeit gegenüber Störungen aufweist. Damit ist sie ideal für einen Wald der Zukunft geeignet.

Ein Licht im Wald

Die Kalamitäten bieten uns einige Chancen. Mit der Zeit haben sich nämlich unsere Ansprüche an den Wald gewandelt. Mittlerweile muss er nicht nur Holz liefern, sondern Kohlenstoff speichern, biodivers sein und uns Raum zur Erholung bieten (hier findet Ihr einen Artikel zu Kur- und Heilwäldern). Deshalb brauchen wir Förster:innen, die den Wald ein wenig lenken, sodass er möglichst viele unserer Bedürfnisse erfüllt.

Wissenschaftler:innen forschen an der Frage, welche Baumarten in Zukunft gut an die Bedingungen in Deutschland angepasst sein werden. Dazu gibt es sogar schon einige Ergebnisse! Trotzdem dauert diese Art von Versuchen lange, schon allein weil Bäume unglaublich alt werden können. Dieses Wissen nutzen dann die Förster:innen bei ihrer Auswahl von Arten, die sie dann auf die Freifläche pflanzen. 

Allerdings sollten wir nicht nur zu sehen, dass unsere Wälder klimastabil und produktiv sind, damit sie weiter unsere Bedürfnisse decken. Um dem Wald entgegenzukommen, sollten wir uns überlegen, wie wir unser Konsumverhalten ändern können. Dann kann unser Bedarf nämlich leichter mithilfe der vorhandenen Ressourcen gedeckt werden. Anregungen dazu findet Ihr hier.

Gepflanzte Bäumchen vor dem Verbiss geschützt.

Das Ökosystem Wald ist furchtbar komplex und von vielen Zusammenhängen haben wir gar keine Ahnung. Deshalb ist es wichtig, dass wir weiter forschen und weiter unseren Teil dazu beitragen, unsere Wälder zu schützen. Wie sieht der Wald bei Euch vor der Haustür aus und was könnt Ihr ihm Gutes tun? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Quellen:

https://forsterklaert.de/die-rotbuche

https://www.bmz.de/de/themen/klimawandel-und-entwicklung/folgen-des-klimawandels-124774

https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/wald-trockenheit-klimawandel.html

https://www.thuenen.de/de/themenfelder/waelder/die-bundeswaldinventur/ergebnisse-der-bundeswaldinventur-2022

https://www.bundeswaldinventur.de/vierte-bundeswaldinventur-2022/zusammenfassung

https://www.nw-fva.de/forschen/waldbau

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/143_2024_texte_wadklim.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Hasel#Verbreitung_und_Florengeschichte

https://www.nw-fva.de/forschen/projekte/kph-anpassungspotenziale-eichenarten

Vorlesung Waldbau, C. Ammer, Georg-August-Universität Göttingen

Vorlesung Vegetationskunde, P. Fischer, Georg-August-Universität Göttingen

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Unsere Bäume – Die Elsbeere https://forsterklaert.de/elsbeere https://forsterklaert.de/elsbeere#respond Sun, 07 Jul 2024 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4994 Heute stellen wir Euch eine weitere Baumart vor, die für den deutschen Wald der Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnte. Die “Schöne Else” ist ein edles Gehölz und nur selten zu finden. Der Schnaps aus ihren Beeren ist vor allem in Frankreich besonders beliebt. Noch viel mehr über die Elsbeere erfahrt Ihr in diesem Artikel.

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Heute stellen wir Euch eine weitere Baumart vor, die für den deutschen Wald der Zukunft eine wichtige Rolle spielen könnte. Die “Schöne Else” ist ein edles Gehölz und nur selten zu finden. Der Schnaps aus ihren Beeren ist vor allem in Frankreich besonders beliebt. Noch viel mehr über die Elsbeere erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Die Elsbeere ist eine Baumart, die viel Licht benötigt und die Sonne genießt.

So erkennt Ihr eine Elsbeere

Die Elsbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Ihr wissenschaftlicher Name Sorbus torminalis leitet sich von der Gattung der Mehlbeeren (Sorbus) ab, zu denen weltweit etwa 100 Arten zählen. In Deutschland sind heimische Verwandte beispielsweise der Speierling, die Vogelbeere und die Mehlbeere.

Vom Erscheinungsbild ähnelt die Elsbeere einem typischen Obstbaum. Im Normalfall wird sie etwa 15 Meter hoch. Auf freier Fläche bildet sie eine große, breite Krone aus, ganz ähnlich wie ein Apfel- oder Birnenbaum. Auch ihre graue Rinde, die im Alter rissig wird und teilweise abblättert, ähnelt einer Wildbirne. 

Die Elsbeere ist ein sommergrüner Laubbaum. Während der warmen Jahreszeit können wir sie also am besten anhand ihrer Blätter erkennen. Sie sind wechselständig am Trieb angeordnet. Die Blattspreite ist oberseits dunkelgrün und unterseits blassgrün gefärbt. Der Rand ist gesägt. Außerdem ist das Blatt in 5 bis 7 Lappen unterteilt und ähnelt deshalb dem Blatt eines Ahorns oder einer Roteiche. Im Herbst verfärben sich die Blätter der Elsbeere in ein schönes Rot. Sobald alle Blätter auf dem Boden liegen, bestimmen wir den Baum anhand der Knospen. Sie sind kugelig geformt und haben einen braunen Rand an den Knospenschuppen. Außerdem ist die Knospe der Elsbeere auffällig groß.

Das Blatt der Elsbeere ist sehr markant. Es ähnelt ein wenig dem Blatt des Spitz-Ahorns oder einer Rot-Eiche.

Die Elsbeere blüht in der Zeit zwischen Mai und Juli in einem schönen weiß. Nach der Blütezeit entwickelt sie Früchte, die ab September reif sind. Sie sind eiförmig, braun gefärbt und haben viele helle Punkte.

Wo findet man eine Elsbeere?

Ihr könnt Euch merken, Elsbeeren sind edle Gehölze. Sie mögen es gerne warm, brauchen viele Nährstoffe und auch ihre Produkte sind edel. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich hauptsächlich auf Mittel- und Südeuropa sowie Nordafrika und einzelne Teile von Asien. 

Sie benötigt eine Jahresdurchschnittstemperatur von mindestens 10 Grad Celsius. Zum Vergleich: Die 30-jährige Durchschnittstemperatur zwischen 1961 und 1990 betrug 8,2 Grad. Aufgrund des Klimawandels steigt sie jedoch kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr 2023 betrug sie bereits 10,6 Grad Celsius. Was also im ersten Moment als ein “hoher Anspruch” an den Standort einer Elsbeere klingt, dürfte zukünftig kein großes Hindernis darstellen. Heute trifft man sie am ehesten im Tiefland oder an Südhängen, wo besonders lange die Sonne scheint.

Die Borke der Elsbeere wird im Alter immer rissiger. In der Jugend ist sie dagegen noch recht glatt.

An den Boden stellt die Elsbeere ebenfalls hohe Ansprüche. Sie braucht eine gute Nährstoffversorgung, zum Beispiel mit Calcium und Magnesium. Daher eignet sich ein basenreicher Boden, zum Beispiel auf Kalkstein, besonders gut für ihr Wachstum. Auf Sandböden werdet Ihr sie wohl eher nicht antreffen.

Wusstest Du schon…?
Üblicherweise werden Elsbeeren nicht höher als 15 Meter. Die größte bekannte Elsbeere der Welt hatte eine Höhe von 25 Meter. Sie stand ganz in der Nähe unserer Studienstadt Göttingen, auf dem sogenannten Hengstberg. Leider fiel sie 2017 einem Sturm zum Opfer.

Die Elsbeere ist selten, aber nicht mehr lange

Eigentlich gibt es genügend Standorte, wo die Elsbeere wachsen könnte. Weshalb ist sie trotzdem ein seltener Baum? Das liegt daran, dass sie konkurrenzschwach ist. Denn sie wächst nur langsam und braucht viel Licht. Somit würde sie in einem dunklen Buchenwald, der auf Kalkstandorten relativ häufig ist, nicht überleben können. Mit Eichen harmoniert sie ganz gut. Diese findet man allerdings auf Kalkstandorten eher selten. Ein weiteres Hindernis der Elsbeere ist ihre Verbreitung. Sie bildet nur wenige Früchte aus, die von Tieren gefressen werden. Und kleine Elsbeeren werden von Wildtieren, wie dem Reh, geliebt. Sie knabbern die Triebe gerne ab.

Der Wald der Zukunft in Deutschland besteht aus deutlich weniger Nadelbaumanteil als heute. Stattdessen setzen Försterinnen und Förster auf eine große Mischung von Baumarten, vor allem Laubbäumen. Die Elsbeere wird heute vielerorts als Zukunftsbaumart in die Wälder gepflanzt. Auf nährstoffreichen Standorten kommt sie hervorragend mit hohen Temperaturen zurecht und kann gleichzeitig ein Dürrejahr mit wenig Niederschlag gut wegstecken. Wegen ihrer sehr tief reichenden Wurzeln, gelangt die Elsbeere an die Wasservorräte in tieferen Bereichen der Erde. Aufgrund ihrer hohen Anfälligkeit gegenüber Wildverbiss müssen Försterinnen und Förster jedoch ihren Wildbestand im Griff haben oder mit Einzelschutzmaßnahmen arbeiten.

Wildtiere lieben die Blätter und Knospen der Elsbeere. Deshalb benötigt sie besonderen Schutz.

So kann man Elsbeeren verwenden

Die Elsbeere ist ein Wildobst. Ihre Früchte sind ab September reif und schmecken säuerlich. Im Mittelalter wurden sie als Heilmittel gegen Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Daher stammt übrigens auch ihr wissenschaftlicher Name. Tormina bedeutet Bauchschmerzen. Man kann die Beeren auch zu Marmelade, Gelee oder Schnaps verarbeiten. Besonders in Frankreich wird aus den Beeren der Elsbeere der bekannte Obstbrand “Eau d’ Alisier” hergestellt. Schon mal probiert? Dann wisst Ihr sicherlich, dass so ein Fläschchen nicht ganz billig ist. Auch viele Vögel lieben die Früchte, sobald sie reif sind. Da man sie allerdings erst ernten kann, wenn die Beeren überreif sind, existiert ein schmaler Grat zwischen warten, bis die Früchte reif genug sind und ernten, bevor die Vögel alles aufgefressen haben.

Försterinnen und Förster pflanzen die Elsbeere allerdings nicht wegen ihrer Früchte, sondern weil sie ihr Holz verkaufen möchten. Reif, um geerntet zu werden, sind die Bäume mit etwa 100 Jahren. Sie wächst nur sehr langsam, weshalb die Nachfrage nach dem Holz der Elsbeere größer ist als das Angebot. Das treibt den Holzpreis hoch, Erlöse von 700 Euro pro Festmeter sind keine Seltenheit.

Das schönste Holz der Welt

Das Holz der Elsbeere gehört zu den härtesten in ganz Europa. Es ist gelblich bis schwach rötlich gefärbt und hat große Ähnlichkeit mit anderen Sorbus-Arten wie Speierling und Vogelbeere. Wegen ihres schönen Holzes nennt man die Elsbeere manchmal auch die “Schöne Else”. Im Jahr 1900 wurde ihr Holz bei der Pariser Weltausstellung zum schönsten Holz der Welt gekürt. Damals gab es die Elsbeere noch deutlich häufiger als heutzutage.

Üblicherweise werden aus dem Holz Messwerkzeuge wie Lineal oder Zollstöcke hergestellt. Außerdem kann man Massivholzmöbel und Musikinstrumente bauen oder dünne Furniere schälen. Furniere sind hauchdünne Holzscheiben, die zum Verzieren von minderwertigem Holz genutzt werden. Wegen der geringen Dauerhaftigkeit ist es allerdings nicht für den Außenbereich geeignet. Wer nach Elsbeerenholz im Möbelhaus oder Baumarkt sucht, wird scheitern. Es gehört zum Wildobst und wird unter diesem Sammelbegriff, zusammen mit Vogelkirsche, Wildbirne, Mehlbeere u. a. vermarktet. 

Das unscheinbare Bäumchen in der Mitte ist eine Elsbeere. Erkennt Ihr die anderen Baumarten?

So, jetzt wisst Ihr alles Wichtige über diese faszinierende Baumart, die zukünftig bestimmt öfter in unseren Wäldern zu finden sein wird. Habt Ihr vielleicht schon mal eine Elsbeere entdecken können? Oder habt Ihr sogar Möbel aus ihrem Holz Zuhause?

Quellen:

https://www.lfl.bayern.de/iab/kulturlandschaft/123135/index.php

https://de.wikipedia.org/wiki/Elsbeere

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/gehoelze/12971.html

https://www.genres.de/fachportale/baeume-und-straeucher/seltene-baumarten/elsbeere

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/holz-und-markt/verarbeitung-und-technik/nutzung-der-elsbeere https://www.youtube.com/watch?v=_ZLAmWnMcnk

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Agroforst: Wie Bäume der Landwirtschaft im Klimawandel helfen können https://forsterklaert.de/agroforst-2 https://forsterklaert.de/agroforst-2#respond Sun, 12 May 2024 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4846 Man hört es ja immer wieder: Die Landwirtschaft hat es nicht leicht. In diesem Artikel präsentieren wir Euch eine Idee, die viele der Probleme lösen oder zumindest vereinfachen kann! Es geht um die Idee des Agroforst.

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Man hört es ja immer wieder: Die Landwirtschaft hat es nicht leicht. Durch den Klimawandel werden Dürreperioden und Hochwasserereignisse immer wahrscheinlicher. Das führt unter anderem zu Ernteausfällen. Gleichzeitig gibt es Probleme mit Bodenerosion und über den Verlust der Artenvielfalt haben wir schon oft genug geschrieben. Könnte es auf all diese Probleme eine gemeinsame Antwort geben? In diesem Artikel präsentieren wir Euch eine Idee, die viele dieser Probleme lösen oder zumindest vereinfachen kann! Es geht um die Idee des Agroforst.

Das wissen wir bereits über Agroforst

Vielleicht wusstet Ihr es noch gar nicht, aber bereits vor über zwei Jahren haben wir schon einmal über das Thema Agroforst berichtet. Wenn Ihr Euch nicht mehr richtig erinnern könnt, folgt jetzt eine kurze Zusammenfassung.

Agroforst ist eine Kombination aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft, bei der sich beide Systeme positiv beeinflussen sollen. Kurz gesagt: Man pflanzt Bäume auf eine Ackerfläche. Das bewirkt einige positive Effekte, zum Beispiel verbessert sich die Bodenfruchtbarkeit und Wasserversorgung. Außerdem wird die monotone Ackerwüste zu einem strukturreicheren Lebensraum für viele Tiere. Also ist so ein Agroforst-System nicht nur gut für uns Menschen, sondern auch für die Artenvielfalt etwas getan.

Wenn Ihr mehr über die Grundlagen von Agroforst nachlesen wollt, könnt Ihr das in unserem ersten Artikel erledigen. Jetzt wollen wir ein wenig tiefer in die Materie eintauchen und uns mit verschiedenen Agroforst-Systemen auseinandersetzen.

Die höhere Strukturvielfalt kommt vielen Insekten zugute.

Das passende Agroforst-System finden

Wir haben bereits unzählige Beiträge über die unterschiedlichen Arten der Waldbewirtschaftung mit Euch geteilt. Deshalb wisst Ihr sicherlich alle, dass kein Wald dem anderen gleicht. Genau so ist es auch im Agroforst. Man kann diese Art der Bewirtschaftung in verschiedenen Systemen aufbauen. Generell sollen Agroforst-Systeme mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie. Das heißt, Landwirtinnen und Landwirte fokussieren sich nicht auf eine einzelne Pflanze, zum Beispiel Weizen oder Mais, sondern kombinieren eine Vielfalt von unterschiedlichen Nutz- und Beipflanzen. Dadurch entsteht ein Lebensraum, der sehr viel artenreicher und auch naturnäher ist als eine Agrarwüste.

Wusstest Du schon…?
Das sind die 3 Prinzipien der Pflanzenvielfalt im Agroforst:

Artenvielfalt: Viele verschiedene Pflanzenarten und -gattungen kommen zum Einsatz.
Elementvielfalt: Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen und erntereif sind, verschiedene Wuchshöhen erreichen und andere Wurzeln ausbilden.
Sukzessionsvielfalt: Kombination aus kurzlebigen Pflanzen (z.B. Kartoffeln, Erbsen, Petersilie), mittellanglebigen Pflanzen (z.B. Holunder, Himbeere, Apfelbaum) und langlebigen Pflanzen (z.B. Buche, Eiche).

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Ein Agroforst-System besteht aus einer Kombination von mindestens zwei Nutzungsformen, zum Beispiel ein Weizenfeld mit mehreren Streifen von schnellwüchsigen Pappeln. Das ist eine Kombination aus Bäumen und Ackerkulturen und wird “silvoarables System” genannt. (Unnützes Wissen für zwischendurch: von silva=Wald. Andere Kombinationsmöglichkeiten bestehen aus Bäumen und Tierhaltung wie Rinder und Hühner (silvopastorale Systeme) oder eine Dreier-Kombi mit Bäumen, Ackerkulturen und Tierhaltung (agrosilvopastorale Systeme). Und aus diesen Nutzungsformen kann man sich wie in einem Baukasten-Prinzip eine ganz individuelle Kombination heraussuchen. Für welches System sich Landwirt:innen entscheiden, hängt hauptsächlich von den standörtlichen Bedingungen und eigenen Zielen ab. Außerdem sollte sich das Agroforst-System möglichst einfach in die bereits bestehenden landwirtschaftlichen Strukturen einfügen können.

Eine klassische Kombination im Agroforstbetrieb: Waldbäume mit Weidetierhaltung.

Diese Fragen muss man zuerst klären

Bevor man einen Agroforst anlegen kann, muss man viele Fragen klären. Hier stellen wir Euch ein paar der wichtigsten Entscheidungsfaktoren zusammen.

  1. Wie sind die Standortbedingungen? 
    Bodenart, Nährstoffverfügbarkeit, Grundwassereinfluss, Niederschlag, …
  1. Was ist das Produktionsziel? 
    Energieholz, Wertholz, Weizen, Gemüse, Obst, Pilze, …
  1. Welche Umweltleistungen sollen erbracht werden? 
    z.B. Erhöhung der Artenvielfalt, Verbesserung des Landschaftsbildes, Schutz vor Wind, Klimaschutz, …
  1. Welche Technik ist vorhanden? 
    ist z.B. ein Mähdrescher mit einer bestimmten Breite vorhanden, sollten die Abstände zwischen den Baumreihen dementsprechend angepasst sein
  1. Welche Probleme gab es bisher? 
    Gab es in den Vorjahren Probleme mit z.B. Trockenheit, sollte man auf Bäume setzen, die besonders gut für die Wasserversorgung sind und viel Schatten spenden

Alley-Cropping als häufigste Form im Agroforst

“Alley-Cropping” bezeichnet eine Kombination aus zueinander parallel angelegten Gehölzreihen zwischen konventionellen Feld- oder Ackerstreifen. Die Abstände der Baumreihen sind meistens so gering, dass ein Kronenschluss nahezu möglich ist. Die Ausrichtung dieser Streifen sollte gut überlegt sein. Die größte Sonnenenergie kommt aus dem Süden. Legt man die Baumstreifen zum Beispiel also in Ost-West-Richtung an, werfen sie den größten Schatten auf unsere Ackerpflanzen, wenn die Sonne am stärksten ist. Die Produkte bei dieser Agroforst-Variante sind Wertholz und, je nach Baumartenwahl, Nüsse oder Früchte. Auf dem Acker kann man ganz klassisch das Getreide ernten. Für diese Art der Bewirtschaftung eignen sich Baumarten wie Kirsche, Walnuss, Eiche oder Kastanie. Sie lassen sich gut mit Weizen, Mais oder Kartoffeln auf dem Acker kombinieren.

Hier wird mit einer Kombination aus schnellwüchsigen Pappeln und Raps gearbeitet.

Eine abgewandelte Form ist das Kurzumtrieb-Alley-Cropping. Hier wird auf schnellwachsende Baumarten wie Pappel, Weide und Robinie gesetzt. Man kann sie schon nach 3 – 6 Jahren Wachstumszeit ernten und beispielsweise zu Hackschnitzeln verarbeiten. Bei dieser Bewirtschaftungsform sollte man eher auf Ackerfrüchte setzen, die viel Licht benötigen. Denn Bäume, die man alle paar Jahre erntet, spenden viel weniger Schatten als eine mehrere Jahrzehnte alte Eiche. Das Schöne an der Landwirtschaft ist, dass man jedes Jahr neue Ackerfrüchte wählen kann. Solange die Bäume noch klein sind, sind lichtliebende Ackerpflanzen sinnvoller. Je höher die Bäume wachsen und je mehr Schatten sie spenden, desto schattenfreundlicher kann das Getreide sein.

Wusstest Du schon…?
Studien haben ergeben, dass der Ertrag der landwirtschaftlichen Getreidefläche nicht sinkt, obwohl weniger Fläche zur Verfügung steht. Durch positive Effekte der Gehölze kann der Ertrag ausgeglichen oder sogar erhöht werden.

Welche Produkte stellt man im Agroforst her?

Gehölze

Die Bäume im Agroforst kann man auf sehr unterschiedliche Weise nutzen. Ihr Holz wird gerne zu Hackschnitzeln verarbeitet und als Brennmaterial oder zur Abdeckung von Beeten verwendet. Das Coole an Pappeln und Weiden ist, dass diese Bäume nach der Ernte erneut austreiben und 3 Jahre später wieder erntereif sind. Das heißt, man pflanzt sie nur einmal, kann aber mehrfach ernten. Natürlich kann man 6 Meter lange Stämme auch schon als Bauholz vermarkten. Vor allem die Robinie mit ihrem sehr harten und witterungsbeständigen Holz eignet sich dafür.

Auch eine Streuobstwiese fällt in den Bereich Agroforst. Die Apfel- und Birnenbäume pflanzt man nur nachrangig wegen ihres Holzes. Obwohl auch das Holz von Wildobst sehr ästhetisch sein kann und in speziellen Fällen stark nachgefragt ist. Hauptsächlich geht es bei der Streuobstwiese aber natürlich um die Früchte der Bäume. Von ihnen kriegen wir leckere Säfte, Marmeladen, Obstbrände und vieles mehr.

Geimpfte Bäume

Ein relativ neuer Trend ist das Pflanzen von ganz besonderen Bäumen. Damit meinen wir nicht eine spezielle Baumart. Hierbei geht es um “geimpfte” Bäume. Und zwar nicht geimpft gegen bestimmte Krankheiten, sondern geimpft mit Pilzen. Über das Thema Mykorrhiza haben wir bereits berichtet. Das sind Pilze, die mit Bäumen und anderen Pflanzen eine Symbiose eingehen. Im Agroforst kann man beispielsweise Bäume mit Trüffeln “impfen”. Das hat den Vorteil, dass man schon nach wenigen Jahren Trüffeln ernten kann und früh nach der Pflanzung einen Umsatz mit den Bäumen erzielt, anstatt viele Jahrzehnte warten zu müssen.

Hühner haben im Agroforst einen großzügigen Auslauf und dienen gleichzeitig als Schädlingsbekämpfer gegen Parasiten.

Tiere

Auch Landwirtschaftsbetriebe, die ihre Brötchen mit der Haltung von Tieren verdienen, können auf Agroforst umstellen. Grünlandweideflächen eignen sich genauso gut für die Pflanzung von Baumreihen wie eine Ackerfläche. Schweine und Rinder profitieren ganz besonders davon, denn sie finden auch an heißen Sommertagen schattige Plätze. Auch Hühner und Gänse kann man hier halten. Nachts kommen die Hühner zum Schlafen in mobile Hühnerställe und legen dort ihre Eier, tagsüber streifen sie durch die Baumreihen und finden hier Schutz vor natürlichen Feinden wie dem Habicht. Ein ganz wesentlicher Vorteil bei Hühnern ist zusätzlich, dass sie als Schädlingsbekämpfer fungieren, indem sie Insekten vom Getreide picken können. In einer Gesellschaft, die sich immer mehr um das Wohl der Tiere und um eine gute Tierhaltung bemüht, ist dies ein guter Schritt in die richtige Richtung. Für die Haltung von Gänsen im Agroforst ist sogar bereits ein erstes Gütesiegel vorhanden. Dadurch erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher, woher ihr Produkt stammt und Landwirt:innen können für ihren erhöhten Aufwand entlohnt werden.

Getreide

Im Prinzip sind alle Getreidesorten in einem Agroforst Betrieb denkbar. Es ist sogar möglich, auf jedem Ackerstreifen, der zwischen den Bäumen liegt, eine andere Getreidepflanze anzubauen. Irgendwann wird es dann allerdings zu aufwändig und unrentabel. Trotzdem können Landwirtinnen und Landwirte frei darüber entscheiden. Aus dem Getreide werden dann die klassischen Produkte wie Brot und Backwaren oder Speiseöl hergestellt. Langfaserige Pflanzen finden auch Anwendung in der Textilindustrie.

Agroforst ist auch gut für den Naturschutz

Agroforst kann nicht nur ökonomische Vorteile bieten, sondern ist auch gut für den Naturschutz. Ganz vereinfacht kann man sagen, dass sich durch die Pflanzung von Baumstreifen auf einem Acker die Anzahl der Lebensräume verdreifacht. Durch den Aufbau von Humus und die Produktion von mehr Biomasse wird außerdem Kohlenstoff gespeichert. 

Landwirt:innen legen seit Jahren sogenannte Blühstreifen an. Sie liegen meist am Rande von Feldern mit Saatgutmischungen und sind gut für Insekten und andere Tierarten. Diese Streifen können nicht mehr bewirtschaftet werden, weshalb der Ertragsverlust durch den Staat kompensiert wird. Agroforst könnte ähnliche positive ökologische Effekte erzielen, ohne die Bewirtschaftung der Fläche einstellen zu müssen.

Dieser Rehbock fühlt sich im Getreide pudelwohl.

Sogenannte Gewässerschutzstreifen sind Baum- oder Strauchreihen entlang von Gewässern. Sie verbessern die Wasserqualität, stabilisieren mit ihren Wurzeln die Uferbereiche und bieten wichtige Lebensräume für zahlreiche Land- und Wassertiere. Sie fungieren also als naturnahe Pufferzonen zwischen Ackerfläche und Gewässer. Auch Hecken können sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch wertvoll sein. Einerseits schützen sie ein Getreidefeld vor starkem Wind und reduzieren dadurch Ernteausfälle. Gleichzeitig bieten Hecken für Insekten, Vögel und Hasen einen Lebensraum.

Die vielen Vorteile von Agroforst

Einige Vorteile haben wir schon besprochen und der Artikel soll ja auch nicht viel zu lang werden. Deshalb kommen hier jetzt stichpunktartig noch ein paar weitere gute Aspekte von Agroforst. Solltet Ihr Fragen dazu haben, könnt Ihr sie gerne in den Kommentaren stellen.

Stichpunkte zum Anklicken
  • Durch eine größere Produktpalette streut man das wirtschaftliche Risiko breiter
  • Vor allem auf nährstoffärmeren Standorten verbessert sich das Einkommen
  • Durch besseres Mikroklima (Wind, Schatten, …) erhöhen sich die Erträge
  • Aufwertung des Landschaftsbildes
  • gute Verteilung der Arbeit im Jahr (Getreide im Sommer, Holzernte im Winter)
  • bessere Grundwasserqualität
  • weniger Bodenerosion und bessere Bodenfruchtbarkeit
  • Erhöhung der Struktur- und Artenvielfalt

Wenn Agroforst wirklich so toll sein sollte wie bisher beschrieben, wieso gibt es das dann so selten? Natürlich hat Agroforst nicht nur Vorteile. Nicht für jeden Betrieb ist eine Umwandlung in ein Agroforst-System sinnvoll. Wenn es für den Betrieb gut läuft, ist es oft unrentabel, etwas zu ändern. In erster Linie geht es also um Betriebe mit Problemen, zum Beispiel durch Dürre oder Erosion. Allerdings ist so ein Umstieg nicht ganz einfach. Zu Beginn steigen die Kosten stark an und gleichzeitig wird der Ertrag geringer. Das muss man sich erstmal leisten können. Außerdem ist der Aufwand größer, denn unterschiedliche Systeme benötigen viel mehr Pflegeaufwand. Das schreckt natürlich ab.

Dennoch ist Agroforst im Kommen und verbreitet sich immer weiter. Ein positives Beispiel ist Frankreich. Hier ist Agroforst bereits weit verbreitet. Durch finanzielle Anreize könnte das auch bald bei uns der Fall sein. Ein Gütesiegel für Agroforst-Produkte, ähnlich wie für Bio-Produkte, könnte ein guter Schritt sein. Ein Erfolg: Seit 2023 wird die Umstellung auf Agroforst staatlich gefördert.

Und zum Schluss eine schnelle Lernanalyse: Wisst Ihr noch, was genau ein agrosilvopastorales System ist und welche Baumarten beim Kurzumtrieb-Alley-Cropping gerne verwendet werden?

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Die Notwendigkeit vom Landnutzungswandel  https://forsterklaert.de/landnutzungswandel https://forsterklaert.de/landnutzungswandel#respond Sun, 17 Mar 2024 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4644 Diese Umwandlung der ursprünglichen Landbedeckung - nämlich Wald - droht nun alle Grenzen zu sprengen und uns in große Gefahr zu bringen. Was es mit dem Landnutzungswandel auf sich hat und was wir gegen die Gefahren tun können, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

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Seit der Mensch sesshaft geworden ist, gestaltet er die Umwelt anders als zuvor. Dem folgten die Kultivierung von Feldern und die Haltung von Vieh. Um die Ansprüche der Menschen zu befriedigen, werden bis heute Wälder gerodet. Entweder um die Flächen umzuwandeln und neben der Nahrungssicherung Bauland zu gewinnen oder für die Gewinnung von Ressourcen, wie zum Beispiel Brenn- oder Bauholz.
Diese Umwandlung der ursprünglichen Landbedeckung – nämlich Wald – droht nun alle Grenzen zu sprengen und uns in große Gefahr zu bringen. Was es mit dem Landnutzungswandel auf sich hat und was wir gegen die Gefahren tun können, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Weideland für Tiere spielt schon seit jeher eine wichtige Rolle. Früher wurden die Tiere auch in alte Eichenwälder getrieben, wo sie sich an den Eicheln satt fressen konnten. Wenn Ihr mehr über diese Hutewälder wissen möchtet, findet Ihr in unserem Artikel über die Eiche mehr dazu.

Wie wir den Wald an den Abgrund drängen

Mit Sicherheit haben die meisten von Euch schon Bilder von brennenden Regenwäldern gesehen. Von 2002 bis 2022 hat die Welt eine Waldfläche verloren, die circa 72,53 Millionen Hektar groß ist. Das ist eine größere Fläche als ganz Marocco. Alleine 2021 wurden jede Minute ungefähr 10 Fußballfelder an tropischem Regenwald vernichtet. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass wir bei einigen tropischen Wäldern bald den Kipppunkt erreicht haben, an dem sie mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) ausstoßen als speichern. Denn ist eine Fläche erstmal gerodet, entwickelt sich nicht wieder direkt die gleiche Artenvielfalt und Waldstruktur.

Wie in unseren heimischen Wäldern in Deutschland, siedeln sich zunächst die Arten an, die mit Freiflächen zurechtkommen. Darüber hinaus siedeln sich lediglich die Bäume an, deren Samen auch auf die Fläche kommen können. Nach einer Brandrodung sind dies viel weniger Arten, als dort ursprünglich vorgekommen sind. Auch die Bodenfunktionen sind geschädigt und durch die Verbrennung ist bereits ein großer Teil des gespeicherten CO2 freigesetzt worden.
Die meisten dieser Brände werden bewusst von Menschen gelegt, um Land für die Landwirtschaft oder Viehzucht zu gewinnen.

57 % des Waldverlustes konnte man unterschiedlichen Gründen zuordnen. Die Gewinnung von unterschiedlichen Rohstoffen wie Fleisch, Palmöl, Soja, Kakao, Kautschuk, Kaffee und Holzfasern wird hier anteilig dargestellt. 

Nicht nur Menschen essen Sojaprodukte

Wie die Abbildung vom “World Recources Institut” zeigt, macht die Viehwirtschaft alleine 36 % der Flächen aus und ist demnach der größte Treiber der Rodungen, gefolgt von Palmöl, welches sich zum Beispiel in Haarprodukten und Nutella versteckt. Das Soja, welches hier größtenteils angebaut wird, landet nicht – wie man jetzt denken könnte –  in vegetarischen oder veganen Produkten. Auch dieses Produkt ist hauptsächlich für die Fütterung in der Massentierhaltung.
Wie Ihr vielleicht schon merkt, ist unser Konsum in der globalisierten Welt das größte Problem für die Wälder in anderen Ländern. Wenn wir also möchten, dass sich in anderen Ländern etwas verändert, sollten wir uns zuerst an die eigene Nase fassen!  

Landnutzungswandel, um die Menschheit trotz Klimawandel zu ernähren

Abgesehen von den menschlichen Eingriffen, bedroht auch der menschengemachte Klimawandel unsere Wälder. Der Wald stirbt und es entstehen große Freiflächen. Gründe dafür sind Windwurf, Borkenkäfer oder auch Waldbrände
Doch wie wir schon in früheren Artikeln erläutert haben, speichert der Wald nicht nur CO2, sondern generiert auch Regen und speichert Wasser, befestigt Land durch Durchwurzelung und steigert die Biodiversität.

Dennoch gibt es mittlerweile so viele Menschen, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln eine große Rolle spielt. Genau aus diesem Grund müssen wir es schaffen, die vorhandene Landfläche multifunktional zu nutzen, ohne dabei die Grenzen unserer Erde zu überschreiten.   

Ein lichter Waldrand in einem Naturschutzgebiet bei Hildesheim. Hier wachsen im Frühjahr zwischen Perlgras Teppichen viele verschiedene Frühblüher wie Lerchensporn (Corydalis cava), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) oder gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides).

Wer definiert die Grenzen? 

Achtung, jetzt wird es erstmal wissenschaftlicher. Wir haben Euch in einem anderen Artikel bereits die planetaren Belastungsgrenzen vorgestellt. Wenn Euch das so gar nichts sagt, könnt Ihr hier mehr darüber erfahren. Als kleine Auffrischung des Themas gibt es jetzt aber nochmal die Kurzfassung: 

Die planetaren Belastungsgrenzen zeigen, wie weit Menschen die Ökosysteme beeinflussen und verändern können, bevor sie durch menschliches Umgestalten kollabieren. Überschreitet man die von Wissenschaftler:innen aufgestellten Grenzen, bewegt man sich außerhalb des sicheren Handlungsraums. Das bedeutet, dass die Auswirkungen des Handelns unabsehbar sind und ein hohes Risiko bergen.  

Die Risikostufen werden durch die Farbgebung dargestellt. Wird eine Grenze überschritten, wechselt die Farbe von Grün zu Gelb oder Rot (steigendes Risiko) bis zu dunkelrot (Hochrisiko-Zone). Die Landnutzungs- oder Landsystemwende Grenze ist bereits überschritten und nähert sich der Hochrisiko-Zone.

Landnutzungswandel

Der Landnutzungswandel oder auch Land-system-change ist eine von neun planetaren Belastungsgrenzen. Sie ist ebenfalls eine von sechs Grenzen, die wir bereits überschritten haben. Die Forscher:innen, welche die Belastungsgrenzen entwickelt haben, legen ihren Fokus beim Landnutzungswandel auf die verbleibenden Waldflächen.

Denn Waldflächen haben einen stärkeren Einfluss auf die Landoberfläche und die Atmosphäre als die meisten anderen Landsysteme. Seine Reduzierung steht repräsentativ für die Umwandlung von ursprünglichen Landsystemen und soll die Überwachung der Grenze vereinfachen. Der Fokus des Walderhalts liegt dabei auf den Wäldern, die nicht nur das regionale, sondern das Weltklima beeinflussen.

Wusstest Du schon…?
Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, ob Waldflächen gerodet wurden. Forscher:innen können zwar Satellitenbilder auswerten, jedoch erkennt man auch hier nicht unbedingt, ob es sich um einen Regenwald oder eine Palmölplantage handelt. Auch gerodete Regenwaldflächen, auf denen sich wieder Wald entwickeln, sind auf Satellitenaufnahmen nur schwer von den ursprünglichen Wäldern zu unterscheiden. Nur durch einen Besuch vor Ort wird deutlich, wie viel Artenärmer die neuen Wälder sind. 

Auch in Deutschland haben wir viele Flächen für die Landwirtschaft oder den Anbau von bestimmten Baumarten entwässert. Auch viele Moorflächen wurden stillgelegt, um Platz für unsere Nahrungsversorgung und Weideland zu generieren. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir jetzt mit dem Finger auf andere Länder zeigen.

Das Problem mit dem CO2

Der tropische Regenwald ist das wohl bekannteste Beispiel dafür. Er speichert Unmengen an Kohlenstoffdioxid (CO2) und hat einen starken Einfluss auf die Verdunstung. Fallen die Wälder weg, verdunstet nicht mehr so viel Wasser, wodurch sich Regenfälle vermindern. Die ursprünglichen Regenwälder verwandeln sich so in trockene Savannen.

Doch auch den borealen Wäldern wird eine große Rolle zugeschrieben. Sie verhindern, dass Sonnenstrahlung die Böden erwärmen und CO2 frei wird. Temperierte Wälder haben voraussichtlich einen weniger starken Einfluss. 
Damit das regionale und globale Klima erhalten bleiben kann, sollte eine gewisse Waldbedeckung gegeben sein. Die Wissenschaftler:innen orientieren sich dabei an der Waldbedeckung, die vor der Industrialisierung vorhanden war – dies betrachten sie als hundertprozentige Bewaldung. 

Landnutzungswandel…zurück?

Was heißt das? Bevor der Mensch Industriegebiete und Kohlekraftwerke erbaute, war die Welt schöner und bewaldeter. Das war ein Zustand, der unserer Umwelt viel besser getan hat. Doch mit der Zeit hat der Mensch die Grenze für die ideale Waldbedeckung überschritten. Die Grenze (in der Abbildung der grüne Bereich, bevor es gelb wird) liegt für tropische und boreale Wälder bei 85 % und für temperierte bei 50 %. Ende 2023 haben wir all diese Grenzen überschritten. Für die tropischen Wälder liegen wir bereits außerhalb der Zone des wachsenden Risikos bei 59 %. 

Ende 2023 liegen die Anteile des tropischen Waldes bei 59 %, des Temperierten bei 41 % und des Borealen bei 63 %.

Was können wir verändern? 

Schon jetzt leben 8,16 Milliarden Menschen auf der Erde. Der Bedarf an Essen, Wohnraum und Energie wird in den nächsten Jahrzehnten nicht sinken. Die Landfläche selbst wird demnach auch immer knapper, weil sie viele Funktionen erfüllen soll. Doch um wie oben gesagt an der eigenen Nase anzufangen, richten wir den Blick wieder auf Deutschland.

Große Flächen wie Felder sind für die Landwirtschaft zum Beispiel sehr attraktiv. Sie bergen wenig Aufwand und demnach einen potentiell hohen Ertrag. Betrachtet man hingegen die Aspekte der Wasserwirtschaft, wird klar, dass offene Agrarflächen schneller aushagern und Stürmen schlechter trotzen können. Vor allem im Klimawandel, durch den Extremereignisse wie Stürme, Dürre oder Überflutungen immer mehr werden, müssen wir Alternativen finden. 

Auch die Artenvielfalt kann durch die großen Äcker leiden, dabei müssen sich biologische Vielfalt und Landwirtschaft nicht ausschließen. Schon Hecken und Blühstreifen zwischen den Feldern erhöhen die Artenvielfalt enorm. Davon profitieren sogar die Feldfrüchte, da mehr bestäubende Insekten vor Ort sind.

Wusstest Du schon…?
Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung von Bienen oder anderen Insekten angewiesen. An den Samen in einer Rapsschote kann man zum Beispiel ablesen, wie erfolgreich und somit zahlreich die Bestäubung der jeweiligen Blüten war. 

Wenn Ihr mal wieder in der Feldmark spazieren seid und Euch der Wind um die Ohren pustet, könnt Ihr mal versuchen auf Hecken in der Nähe zu achten. Oftmals ist es dahinter sehr viel windstiller. 

Ab durch die Hecke

Ist ein Feld von einer Hecke umsäumt, ist es viel besser geschützt. Hecken nehmen aber natürlich bewirtschaftete Fläche weg.
Agroforstsysteme beschäftigen sich unter anderem damit, solche Hecken zu nutzen. Bei diesem Prinzip geht es – wie der Name schon verrät – um eine Mischung aus Land- und Forstwirtschaft. Man kann also nicht nur Feldfrüchte, sondern auch schnellwachsende Pappeln oder Weiden auf den Feldern anpflanzen. Sie schützen die Feldfrüchte vor Winderosion und spenden im Sommer Schatten. Ihr Holz können wir darüber hinaus nutzen. Wenn Euch dieses Thema interessiert, findet Ihr hier einen ganzen Artikel dazu! 

In wärmeren Ländern sind Agroforstsysteme schon weiter verbreitet. In Frankreich werden zum Beispiel Feldfrüchte zusammen mit Walnussbäumen angebaut. So erntet man zusätzlich die Walnüsse und kann das Holz der Bäume nutzen, wenn sie keinen guten Ertrag mehr liefern. Außerdem schützen sie die Fläche vorm Austrocknen und bremsen den Wind auf der Fläche. Über dem Feld auf dem Bild stehen Olivenbäume.

Abgesehen vom Schutz der Feldfrüchte und der Doppelnutzung von angebauten Rohstoffen geht es um den Schutz des Bodens, damit wir den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduzieren. Um die Landflächen multifunktional zu nutzen, hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (sehr viel kürzer ausgedrückt: Der WBGU) ein Konzept entwickelt. Damit Euer Kopf jetzt nicht anfängt zu rauchen, sparen wir uns das für einen anderen Artikel auf.

Das war jetzt wieder mal viel Input auf einmal. Hat Euch das Thema Landnutzungswandel gefallen? Gibt es Fragen, die wir noch nicht beantwortet haben, oder weiterführende Artikel (zum Beispiel zu dem Konzept des WBGU), die Euch gefallen würden? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! 

Quellen:

Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ) https://www.youtube.com/watch?v=AtJUBIBzf5k 

WBGU: Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration (o.J.), URL: https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/landwende 

https://research.wri.org/gfr/forest-extent-indicators/deforestation-agriculture#how-much-forest-has-been-replaced-by-specific-agricultural-commodities

Schulz, C.: Planetare Grenzen – Über die Belastbarkeitsgrenzen der Erde (2023), in: CareElite, URL: https://www.careelite.de/planetare-grenzen/ 

Stockholm Resilience Centre: Planetary boundaries (2023), URL: https://www.stockholmresilience.org/research/planetary-boundaries.html

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Planetare Belastungsgrenzen https://forsterklaert.de/planetarebelastungsgrenzen https://forsterklaert.de/planetarebelastungsgrenzen#comments Sun, 18 Feb 2024 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4584 Der menschengemachte Klimawandel stellt eine existentielle Bedrohung für uns Menschen dar. Darüber hinaus gibt es noch weitere Lebensgrundlagen, die durch unser Handeln gefährdet sind, wie zum Beispiel die Meere oder die Artenvielfalt.
Unsere Erde stößt an ihre Grenzen - die planetaren Belastungsgrenzen!

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Der menschengemachte Klimawandel stellt eine existentielle Bedrohung für uns Menschen dar. Darüber hinaus gibt es noch weitere Lebensgrundlagen, die durch unser Handeln gefährdet sind, wie zum Beispiel die Meere oder die Artenvielfalt.
Unsere Erde stößt an ihre Grenzen – die planetaren Belastungsgrenzen! Das klingt erstmal relativ abstrakt. Dabei geht es lediglich darum, wie weit Ökosysteme von Menschen beeinflusst und verändert werden können, bevor sie durch menschliches Umgestalten kollabieren. Diese Grenzen können uns also dabei helfen, besser mit unserer Welt umzugehen. Wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, lest einfach weiter!

Wie wir unsere Welt an ihre Belastungsgrenzen bringen

Erstmal etwas Kontext. Die planetaren Belastungsgrenzen basieren auf einem durch Johan Rockström entstandenen Fachartikel von 2009. Er ist Wissenschaftler und Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Zusammen mit über 30 internationalen Wissenschaftler:innen verfasste er “A safe operating space for humanity” – Ein sicherer Handlungsbereich für die Menschheit. In dem Artikel präsentieren die Forscher:innen neun zentrale, natürliche Erdsysteme.

Damit meinen sie die wichtigsten Bestandteile der Erde, die unser Leben maßgeblich beeinflussen. Wenn Ihr mehr über die einzelnen Grenzen selbst wissen möchtet, könnt Ihr sie euch im Drop-Down Menü weiter unten näher erklären lassen.

Der Zustand der neun planetaren Belastungsgrenzen hat sich seit 2009 stark verschlechtert. Damals waren 3 der Grenzen überschritten. Nun sind es 6 und viele davon auch über die Zone eines hohen Risikos hinaus. 

 

Mittlerweile wissen alle, dass wir Menschen das Klima beeinflussen. Durch die Forscher:innen um Rockström ist jedoch klar, dass wir einen derart starken Anstieg der Temperaturen bewirken, dass wir uns sogar selbst aus dem gegenwärtigen Zeitabschnitt der Erdgeschichte katapultieren. Wie ist das möglich und was bedeutet das?

Das sogenannte Holozän ist das erdgeschichtliche Zeitalter, in dem wir uns durch die natürlichen Entwicklungen der Erde seit über 11.000 Jahren befinden. Dieses Klima würde normalerweise noch mehrere tausend Jahre erhalten bleiben. Doch durch den menschengemachten Klimawandel steigen die Temperaturen so stark, dass wir in ein neues erdgeschichtliches Zeitalter eintauchen werden. Wissenschaftler:innen wollen diesen neuen Zeitabschnitt Anthropozän nennen.

Wusstest Du schon…?
Von 2001 – 2021 verlor die Welt eine Waldfläche, die ungefähr halb so groß ist wie China.

Über die Belastungsgrenzen hinaus ins nächste Erdzeitalter

Das klingt zunächst nicht weiter dramatisch, doch dieses Erdzeitalter bringt Veränderungen mit sich, die wir zuletzt vor 5 – 10 Millionen Jahren hatten. Die Forscher:innen sehen die Stabilität unseres jetzigen Klimas als maßgeblichen Faktor für die große Entwicklung der Menschheit an. Denn die Gewissheit von Jahreszeiten mit bekannten Temperaturen oder moderatem Regenfall sichert die Lebensgrundlage der Menschen beispielsweise durch absehbare Ernten in der Landwirtschaft.

Die Wissenschaftler:innen um Rockström plädieren deshalb dafür, dass wir versuchen, das Holozän zu erhalten. Dies kann uns nur gelingen, wenn wir in den von ihnen vorgegebenen Grenzen der Systeme handeln.  

Der Mensch beeinflusst die Welt seit vielen Jahrhunderten. Doch erst seit der Industrialisierung und dem starken Anstieg der Weltbevölkerung steigt das Ausmaß der Veränderungen in einem bedrohlichen Tempo.

Genau dafür gibt es nun die planetaren Belastungsgrenzen. Sie zeigen, wie weit die Ökosysteme oder andere grundlegende Prozesse unseres Planeten von Menschen beeinflusst und verändert werden können, bevor sie aus den Fugen geraten und weitere Konsequenzen nach sich ziehen.

Dafür entwickelten die Wissenschaftler:innen ein Ampel-System. Grün steht für den Bereich, in dem sich der sichere Handlungsraum befindet. Gelb steht für ein steigendes und rot für ein hohes Risiko. Da einige der Grenzen bereits so weit überschritten sind, dass das potentielle Risiko bereits drastische Folgen hatte, wurden weitere Farben wie Schwarz später ergänzt. Sie zeigen, dass wir uns teilweise schon jetzt an Kipppunkten befinden, die desaströse Ausmaße hervorrufen werden, sofern man nicht jetzt handelt. 

In Grün der sichere Handlungsbereich. Überschreitet man diesen, folgt ein höheres Risiko für unabsehbare Folgen oder Kipppunkte, welche auch Einfluss auf andere planetare Belastungsgrenzen haben können. 

Welche Grenzen gibt es, abgesehen vom Klimawandel?

Neue Substanzen und modifizierte Lebensformen

Durch die Landwirtschaft, unterschiedliche Industriezweige oder Energiegewinnung gelangen oftmals Substanzen in die Natur, mit denen diese nicht umgehen kann. Pestizide, Düngemittel, Schwermetalle oder radioaktive Materialien verändern unsere Umwelt und können die Tier- und Pflanzenwelt stark beeinträchtigen. Viele Materialien werden vor ihrem Einsatz nur unzureichend auf ihre Wechselwirkungen mit der Umwelt getestet. Das kann auch dazu führen, dass sich das Erbgut von Lebensformen ändert, weil sie sich an die vom Menschen verursachten Veränderungen anpassen. Doch auch der Mensch bringt diese veränderten Lebensformen aktiv ein. Dazu gehören beispielsweise genetisch veränderte Weizen-Sorten, die schneller reif werden oder mehr Früchte tragen. Dies bringt den Menschen zwar vorerst einen Vorteil, verdrängt jedoch die ursprünglichen Arten.

Intaktheit der Biosphäre

Die Biosphären-Intaktheit beschreibt die starken Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen vielen Tier- und Pflanzenarten.  

Diese planetare Belastungsgrenze ist in die Teile funktional und genetisch gegliedert. Denn das Artensterben bedroht nicht nur die genetische Vielfalt von Artengruppen und damit auch ihre Anpassungsfähigkeit an Umweltänderungen. Durch die unweigerlichen Zusammenhänge können auch die Funktionen von Ökosystemen stark beeinträchtigt werden. Ein Beispiel dafür sind die Folgen des Bienensterbens. Alleine der Verlust dieser Artengruppe würde das Wegfallen von vielen Pflanzenarten und Lebensmitteln bedeuten, die durch eine Bestäubung auf die Bienen angewiesen sind. Ein Aussterben von mehr als einer Tiergruppe zieht demnach noch größere Folgen nach sich.

Einige Pflanzen werden nicht von Bienen bestäubt, sondern ausschließlich von Fliegen oder anderen Insekten. Fällt diese Insektenart aus, kann sich auch die von ihr abhängige Pflanzenart nicht weiter vermehren. 
Ozonverlust der Stratosphäre

Einige Industriegase – Achtung, Zungenknoten: Fluorchlorkohlenwasserstoff (kurz FCKW, das kennt Ihr vielleicht noch vom Kühlschrank Eurer Großeltern) – haben zu der Schädigung der Ozonschicht geführt, wodurch ein höheres Maß an UV-Strahlung auf die Erde gelangen kann. 1985 wurde der Ausstoß dieser Stoffe untersagt, die unter anderem in Kühlschränken als Kältemittel, aber auch in den Farbdosen von Förster:innen genutzt wurden. Mehr dazu findet Ihr unter “Jetzt mal Schluss mit Hiobsbotschaften”.

Aerosole 

Aerosole sind Schwebeteilchen, die sich in unserer Luft befinden. Neben Staub, der zum Beispiel natürlicherweise aus der Sahara kommen kann, produzieren die Menschen auch selbst Aerosole wie Feinstaub. 

Da die Schwebeteilchen in manchen Gebieten sehr stark ausgestoßen werden, können sie dort das Klima, Wetter und die Gesundheit der Menschen beeinflussen. Die Industrie- und Verkehrsabgase verursachen dabei Atemwegserkrankungen. Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass es geringeren Regenfall in Monsun-Gegenden gibt oder sich der Ort des Regenschauers verschiebt. Befinden sich zum Beispiel in der südlichen Hemisphäre viele Aerosole, fällt als Auswirkung in der nördlichen Hemisphäre mehr Regen, der dafür im Süden fehlt. 

Landnutzungswandel

Der Mensch verändert seine Umwelt immerzu. Wenn wir Straßen oder Häuser bauen, führt das zu einer Versiegelung von Flächen. Zum Beispiel kommt der Regen an diesen Orten nicht mehr ungestört ins Erdreich. Neben Flächenversiegelungen gibt es auch Flächenumwandlungen, wie zum Beispiel Felder. Die Wissenschaftler:innen um Rockström sehen den Wald als einen wichtigen CO2-Speicher, dessen Umwandlung zu Ackerland oder anderen Nutz- und Wohnflächen drastische Folgen nach sich zieht. Deswegen geben sie als sicheren Handlungsspielraum dieser Grenze eine angestrebte Bewaldung der tropischen, borealen und gemäßigten Klimazonen an. So können ihrer Meinung nach Kipppunkte der Ökosysteme vermieden werden.

Die planetare Belastungsgrenze des Landnutzungswandels ist bereits überschritten. Doch es gibt Lösungsansätze, wie die fortschreitende Umwandlung von Wäldern beendet werden und die Nahrungssicherung dennoch bestehen bleiben könnte. Mehr dazu erfahrt Ihr in unserem Artikel zum Landnutzungswandel. 

Auch wenn ein blühendes Rapsfeld stets ein schöner Anblick ist, kann man hier genauso von einer Monokultur sprechen, wie in einem Reinbestand mit Fichte. Obgleich Insekten hier Blüten finden, verdrängen Feldfrüchte oftmals die ursprüngliche, wilde und vielfältigere Vegetation. Durch Pestizide werden die Wildpflanzen aus den Kulturen herausgehalten. 

Wusstest du schon…?
Der größte Flächenverbrauch geht mit dem Fleischkonsum der Menschen einher. Für die Viehhaltung werden Wälder in Weideflächen umgewandelt oder Soja für die Massentierhaltung angebaut.    

Biogeochemische Kreisläufe

Diese planetare Belastungsgrenze ist in den Stickstoff- und Phosphorkreislauf unterteilt. Stickstoff und Phosphor sind  Elemente, die natürlicherweise im Boden vorkommen. Durch chemische Düngemittel nimmt ihre Menge in der Umwelt jedoch drastisch zu und bringt ein Ungleichgewicht hervor. Die überschüssigen Mengen werden durch Regen ausgewaschen und gelangen in Seen oder Flüsse, wo sie durch einen Nährstoffüberschuss (auch Eutrophierung genannt) ganze Ökosysteme bedrohen. Ihr kennt das vielleicht aus dem Sommer, wenn der nahegelegene Badesee wieder gekippt ist und dort die Fische sterben. Das ist eine Folge von Eutrophierung.

Die überschüssige Gülle aus der Massentierhaltung wird zumeist als Dünger auf die Felder ausgebracht. Oftmals sind dies viel zu hohe Mengen, welche in den biogeochemischen Kreislauf eingehen. 
Versauerung der Meere

Diese planetare Belastungsgrenze wird maßgeblich durch die menschlichen Emissionen beeinflusst. Die Meere nehmen das Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre auf und binden es. Doch je mehr CO2 aufgenommen wird, desto mehr reagiert das Wasser damit. Und es entsteht Kohlensäure. Säuren haben bekanntlich einen niedrigen pH-Wert, wodurch Lebensformen wie Korallen angegriffen und somit getötet werden. Aber auch die natürliche Erwärmung setzt vielen Tieren zu. 

Süßwassernutzung

Die Süßwassernutzung wird in die Grenzen des Grünen und Blauen Wassers unterteilt. Blaues Wasser beschreibt Oberflächen- und Untergrundwasser in Flüssen oder das Grundwasser. Grünes Wasser ist das pflanzenverfügbare Wasser. Dieses beeinflusst Ökosysteme, Klima und biochemische Prozesse.

Auch hier gibt es Abweichungen von den ursprünglichen Verteilungen des Wassers. Das Problem stellt dabei nicht nur das Ausbleiben von Wasser und die damit einhergehende Dürre dar. Der Überschuss von Wasser durch Überflutungen nimmt zu. Verändert sich der Wasserhaushalt von Ökosystemen, führt dies oftmals zum Tod vieler Tier- und Pflanzenarten, da sie spezifisch auf das Ökosystem angepasst sind.

Schon jetzt gibt es Sommer, in denen das Wasser knapp wird. Vor allem in den südlichen Ländern Europas kommt es jedes Jahr zu Einschränkungen im Wassergebrauch. Aufgrund von heißen Temperaturen und wenig bis keinem Regen wird das Wasser knapp. 

Wie schlagen wir uns?

Seit 2009 hat sich leider noch nichts verändert. Wir steuern weiterhin auf die Überschreitung der meisten Grenzen zu. In Rockströms erstem Fachartikel waren es nur drei überschrittene Grenzen, nun sind es bereits sechs von neun. 

Wusstest Du schon…?
Ein Achtel aller Tierarten der Welt sind gefährdet. Über 10 Prozent der genetischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren hat die Menschheit wahrscheinlich in den letzten 150 Jahren schon verloren. 

Dennoch wurden die planetaren Belastungsgrenzen 2015 mit in die Sustainable Development Goals (kurz SDGs) mit aufgenommen.

Die SDGs sind eine Agenda für 2030, welche von den Vereinten Nationen entworfen wurde. Durch 17 globale Ziele sollen ökonomische, ökologische und soziale Aspekte auf der Welt vereinigt werden, um ein gemeinsames Leben auf der Erde zu ermöglichen. 

Die planetaren Belastungsgrenzen finden durch die Punkte Klima, Trinkwasser, Biodiversität und Meere Einzug. Sie werden als ökologische Grundlage von allen anderen Nachhaltigkeitszielen wahrgenommen und sollten also bis 2030 weiterhin gesichert und zugänglich sein. Ein Schritt in die richtige Richtung ist also getan.

Jetzt mal Schluss mit Hiobsbotschaften! 

Das war jetzt viel auf einmal. Doch die Botschaft dieses Textes soll nicht sein, dass die Welt unweigerlich untergehen wird. Denn es gibt immer mehr Menschen, die sich der Probleme der anthropozänen Einflüsse bewusst werden und etwas dagegen tun möchten. 
Nicht ohne Grund gehen seit 2018 etliche Schüler:innen bei Fridays for Future auf die Straße. Nicht ohne Grund versuchen viele, ihr Konsumverhalten zu verändern. Und nicht ohne Grund lest Ihr gerade diesen Text. Es ist nämlich nicht zu spät!

Ein Beispiel, was uns Hoffnung machen kann, ist das Ozonloch. Klingt erstmal komisch, aber lasst mich ausschreiben. Nachdem 1985 bekannt wurde, dass durch einen weltweit viel genutzten Stoff das Ozonloch entstanden war, arbeitete die Welt zusammen. Die schädlichen Stoffe wurden verboten. Forscher:innen gehen davon aus, dass sich das Loch 2100 wieder geschlossen haben wird, da die Stoffe dann vollständig abgebaut sein werden. Ja, wir waren auch der Grund für die Entstehung, aber der Notstand wurde erkannt und die Maßnahmen haben gefruchtet. Und genau da wollen wir hin.
Die planetaren Belastungsgrenzen können uns dabei helfen.

Wollt Ihr wissen, was der Wald damit zu tun hat und wie wir die Landnutzung verändern müssen, um etwas verändern zu können? Dann gibt es in unserem Artikel zur Landnutzungswende nächsten Monat mehr zu dem Thema.

Quellen:

BMUV: Planetare Belastbarkeitsgrenzen (2021), URL: https://www.bmuv.de/themen/nachhaltigkeit/integriertes-umweltprogramm- 2030/planetare-belastbarkeitsgrenzen, Zugriff am 14.01.2024

Research Gate, URL: https://www.researchgate.net/figure/Conceptual-framework- for-planetary-boundaries-and-their-interactions-a-Planetary_fig1_337953629, Zugriff am 23.01.2024

Richardson, K. et al.: Earth beyond six of nine planetary boundaries (2023), in: Science Advances, URL: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adh2458, Zugriff am 23.01.2024

Rockström, J. et al.: A safe operating space for humanity (2009), in: Nature

Schulz, C.: Planetare Grenzen – Über die Belastbarkeitsgrenzen der Erde (2023), in: CareElite, URL: https://www.careelite.de/planetare-grenzen/, Zugriff am 14.01.2024

Stockholm Resilience Centre: Planetary boundaries (2023), URL: https://www.stockholmresilience.org/research/planetary-boundaries.html, Zugriff am 16.01.2024

TED: Johan Rockström – 10 years to transform the future of humanity or destabilize the planet (2020),URL: https://www.youtube.com/watch?v=8Sl28fkrozE&t=305s&ab_channel=TED, Zugriff am 23.01.2024

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WMADWR #19 – Wie funktioniert Wissenschaft? https://forsterklaert.de/wmadwr19wissenschaft https://forsterklaert.de/wmadwr19wissenschaft#comments Wed, 24 Jan 2024 07:02:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4486 In unserer 19. Podcastfolge von “Wie man aus dem Wald ruft” haben wir Ingolf Profft vom Forschungsprojekt “BucheAkut” zu Gast....

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In unserer 19. Podcastfolge von “Wie man aus dem Wald ruft” haben wir Ingolf Profft vom Forschungsprojekt “BucheAkut” zu Gast. Er forscht mit seinen Kolleginnen und Kollegen an den Auswirkungen des Klimawandels auf die Buche. Aber wie funktioniert das eigentlich? Wie wird so eine Forschung finanziert? Wie kann man die Auswirkungen des Klimawandels an Bäumen messen? Und wie funktioniert eigentlich Wissenschaft genau? All das klären wir in dieser Folge. Also Ohren auf und zulauschen:

Wir würden uns total freuen, wenn Ihr uns Feedback gebt! Schreibt uns doch, wie Ihr die Idee zum Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Wir danken im Namen der Wissenschaft 😉

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Wald im Klimawandel – day after tomorrow? https://forsterklaert.de/klimawandel https://forsterklaert.de/klimawandel#comments Sun, 23 Jul 2023 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4157 Waldbrände, Ernteausfälle, Überflutungen - die Auswirkungen von dem Klimawandel bekommen wir alle zu spüren. Auch in der Politik ist dieses Thema endlich angekommen. Na ja, bei manchen mehr und bei anderen weniger. Bereits 2015 hat Deutschland sich, zusammen mit vielen anderen Nationen der Erde, für das 1,5-Grad-Ziel verpflichtet. Können wir das schaffen? Und was hat der Wald damit zu tun? 

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Waldbrände, Ernteausfälle, Überflutungen – die Auswirkungen von dem Klimawandel bekommen wir alle zu spüren. Auch in der Politik ist dieses Thema endlich angekommen. Na ja, bei manchen mehr und bei anderen weniger. Bereits 2015 hat Deutschland sich, zusammen mit vielen anderen Nationen der Erde, für das 1,5-Grad-Ziel verpflichtet. Können wir das schaffen? Und was hat der Wald damit zu tun? 

Durch den Klimawandel haben wir einen Verlust von Artenvielfalt.

Klimawandel – Was ist das eigentlich genau?

Klima ist die langfristige Entwicklung von kurzfristigen Wetterereignissen in einem bestimmten Gebiet. Veränderungen des Klimas lassen sich also nicht durch ein paar heiße Sommertage oder einen extrem kalten Winter feststellen. Veränderungen werden anhand von Daten analysiert, die man über mehrere Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte sammelt. Fakt ist, seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich unsere Atmosphäre stark erwärmt.

Die Ursache für Klimaveränderungen können natürlichen Ursprungs sein. Die derzeitige Erwärmung ist jedoch hauptsächlich auf uns Menschen zurückzuführen. Unsere Treibhausgasemissionen haben sich durch Industrialisierung und Ausbau des Verkehrs stark erhöht.

Der Borkenkäfer hat in den letzten Jahren viele geschwächte Fichten absterben lassen.

Exkurs: Treibhauseffekt
Auf der Erdoberfläche treffen Strahlungen von der Sonne ein. Auf der Erde wird die Strahlung in Wärme umgewandelt. Ein Teil der Wärme wird direkt wieder zurück in das Weltall reflektiert. Der andere Teil wird durch (Treibhaus-)Gase, wie CO2, in der Luft aufgenommen. Diese erwärmen unsere Atmosphäre und machen es uns möglich, auf der Erde zu leben.

Ein Katastrophenfilm wird Realität

Die relevantesten Treibhausgase sind Methan und Kohlenstoffdioxid (CO2). Durch die vermehrte Abgabe dieser Gase in die Atmosphäre speichert sich dort mehr Wärme und die Atmosphäre erwärmt sich. Die Konsequenzen daraus sind beispielsweise Hitze, Trockenheit und Stürme. Interessanterweise könnte es bei uns aber auch kälter werden. Das hat mit dem Golfstrom zu tun, der für das milde Klima in Nordeuropa sorgt. Durch den Klimawandel schmelzen die Gletscher und es gelangt eine große Menge Süßwasser in den Atlantik. Der sensible Golfstrom könnte dadurch durcheinander geraten und unser Klima maßgeblich verändern. Wer den Film “The Day after Tomorrow” gesehen hat, kennt dieses Zusammenspiel sicherlich.

Eins ist klar: Die Zukunft ist sehr ungewiss. Viele schlaue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich täglich mit der Frage, wie sich unser Klima in 100 Jahren entwickelt. Für uns Förster:innen ist das extrem entscheidend, denn unsere waldbaulichen Entscheidungen müssen auch noch in einigen Jahrzehnten mit dem dann herrschenden Klima verträglich sein. Für die Zukunft sind verschiedene Szenarien denkbar. Welches davon eintritt, hängt ganz davon ab, wie wir uns in den nächsten Jahren verhalten und unseren Lebensstil anpassen.

Fällt in einem Mischwald eine Baumart aus, gibt es noch genügend Alternativen.

Das brauchen Bäume zum überleben

Jede Baumart braucht bestimmte Voraussetzungen, um wachsen zu können. Ihre Ansprüche sind sehr vielfältig und umfassen beispielsweise die Lichtverfügbarkeit, Hangneigung und Temperatur. Vor allem geht es den Pflanzen jedoch um zwei Dinge: Die Nährstoffversorgung und die Wasserverfügbarkeit. Genaueres dazu könnt Ihr in diesem Artikel nachlesen.

Im Zuge des Klimawandels verändert sich neben der Temperatur hauptsächlich die Wasserversorgung der Bäume. Durch weniger Sommerniederschläge während der Vegetationsperiode leiden die Bäume unter Wassermangel und sind geschwächt. Erste Anzeichen eines Wassermangels erkennt Ihr an vertrockneten Blättern im oberen Kronenbereich. Die Bäume haben nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung, um es von den Wurzeln bis ganz nach oben zu pumpen. In späteren Vertrocknungsstadien wirft der Baum auch die Früchte oder ganze Äste ab.

Totholz ist wichtig. Bei Trockenheit erhöht sich jedoch die Waldbrandgefahr.

Geschwächte Bäume und viele Probleme

Nun sind die Bäume geschwächt. Frühzeitiger Laubfall führt zu lichteren Kronen, die den Wald nicht mehr so gut kühlen können. Durch die angestiegenen Temperaturen kann der Boden auch weniger Wasser aufnehmen, was die Situation weiter verschlimmert. Also ein richtiger Teufelskreis.
Geschwächte Bäume sind anfälliger für Schädlingsbefall. Über die Borkenkäferproblematik haben wir ja schon einiges geschrieben. Auch Waldbrände treten in den letzten Jahren immer häufiger auf. Kein Wunder, bei den hohen Temperaturen in Kombination mit den vielen abgestorbenen Bäumen und vertrockneten Ästen.

Neben großen finanziellen Schäden führt das zu einem Verlust von Artenvielfalt. Wärmeliebende Arten breiten sich aus und verdrängen die heimische Flora und Fauna. Bäume können sich zwar an neue klimatische Verhältnisse anpassen, das ist ein ganz natürlicher Prozess. Doch bei der Geschwindigkeit, in der sich das Klima zurzeit verändert, kommen unsere Bäume leider nicht hinterher.

Wie Bäume uns vor dem Klimawandel retten

Der Wald ist ein Opfer der Folgen, aber gleichzeitig ein Teil der Lösung für die Bekämpfung des Klimawandels. Er reinigt die Luft und kühlt sie durch Verdunstung von Wasser. Waldböden sind auch sehr gute Wasserspeicher, viel bessere als verdichtete landwirtschaftliche Flächen oder gar versiegelte Siedlungsbereiche. Und der wohl wichtigste Effekt: Wälder speichern Kohlenstoff. Bei der Photosynthese entziehen Bäume CO2 aus der Luft und produzieren Sauerstoff. Holz bindet beim Wachstum den Kohlenstoff.

Diese wichtigen Funktionen geraten durch die angesprochenen Problematiken in Gefahr. Deshalb sind Försterinnen und Förster seit vielen Jahren dabei, die gefährdeten Wälder mit nur einer oder zwei Baumarten in klimaresiliente Mischwälder umzubauen. Mancherorts mag man das vielleicht noch nicht erkennen können, aber bedenkt dabei, dass Bäume nur sehr langsam wachsen und dieser Waldumbau mehrere Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Bei der Auswahl von geeigneten Bäumen setzen die meisten Förster:innen auf eine bunte Mischung. Fällt eine dieser Baumarten in einigen Jahren durch Trockenheit oder einen Krankheitserreger aus, dann bleiben noch genügend andere Baumarten übrig, die den Ausfall einer einzelnen Art kompensieren können.

Der Waldboden dient als Wasserspeicher und -filter.

Was könnt Ihr tun?

Und auch Ihr könnt helfen. Neben den vielen Möglichkeiten im Alltag CO2 einzusparen, ist es wichtig, dass das produzierte Holz möglichst lange in der Wertschöpfungskette erhalten bleibt. Kauft Euch also hochwertig verarbeitete Holzmöbel und verwendet sie lange. Der Kauf von Second-Hand Waren hilft ebenfalls dabei, dass Möbel nicht auf dem Sperrmüll landen. Achtet auch auf die Herkunft des Holzes. Importe aus Übersee sind teilweise deutlich günstiger als bei uns hergestellte Holzwaren. Die haben jedoch einen langen, klimaschädlichen Schiffstransport hinter sich und werden oft im Kahlschlagverfahren geerntet. Ein gutes Indiz für nachhaltig produziertes Holz ist ein Zertifikat, wie zum Beispiel das PEFC oder FSC-Siegel. Habt Ihr noch weitere Ideen, wie Ihr dem Wald helfen könnt? Schreibt es in die Kommentare!

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Unsere Bäume – Die Weißtanne (Abies alba) https://forsterklaert.de/weisstanne https://forsterklaert.de/weisstanne#respond Sun, 20 Nov 2022 17:06:48 +0000 https://forsterklaert.de/?p=3589 Die Weißtanne hatte es in jüngster Vergangenheit nicht leicht. Vor allem das “Waldsterben 1.0” in den achtziger Jahren führte zu einem drastischen Rückgang. Doch die Weißtanne feiert ihr Comeback. Was ist das Besondere an dieser Baumart und wie erkennt Ihr sie im Wald? Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel.

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Die Weißtanne hatte es in jüngster Vergangenheit nicht leicht. Vor allem das “Waldsterben 1.0” in den achtziger Jahren führte zu einem drastischen Rückgang dieser und anderer Tannenarten in Deutschland. Doch die Weißtanne feiert ihr Comeback. Unsere Wälder sehen sich vor einem neuen, großen Problem – der Klimawandel steht mit einem Fuß in der Tür. Die Wälder müssen zu Mischwäldern umgebaut werden, um möglichst klimastabil zu sein. Als Mischbaumart integrieren nun viele Förster:innen auch die Weißtanne. Was ist das Besondere an dieser Baumart und wie erkennt Ihr sie im Wald? Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Die Weißtanne  – Eine kurze Vorstellung

Die Weißtanne (Abies alba) ist eine heimische Baumart. Sie gehört zur Familie der Kieferngewächse und ist eine sogenannte Schattbaumart. Das heißt, sie  kommt sehr gut mit wenig Sonnenlicht zurecht und kann gut unter dem Kronenschirm älterer Bäume wachsen. Sie ist relativ anspruchslos bezüglich des Standorts und wächst schnell – das sogar bis ins hohe Alter. Weißtannen können bis zu 500 Jahre alt werden. In den höheren Lagen des alpinen Raums ist sie Teil des dort natürlicherweise vorkommenden Bergmischwaldes. Doch warum verschwand die Weißtanne dann in den letzten Jahrhunderten? 

Die Weißtanne ist überaus begehrt beim Wild. Während das Rehwild gerne die Knospen an jungen Tannen verbeißt, gibt das Rotwild ihnen den Rest und schält die Rinde der jungen Bäume. Ein anderer großer Gegner der Tanne ist die Weißtannentrieblaus. Hinzu kommt, dass die Weißtanne als eine der empfindlichsten Baumarten gegenüber Schadstoffen gilt. In den achtziger Jahren kam es durch die Belastung mit Schwefeldioxid zu massiven Absterbeerscheinungen. Außerdem hat sich in den letzten Jahrzehnten die Fichte als “Brotbaum” durchgesetzt. Der Anbau dieser Baumart wurde vorwiegend vorangetrieben. Oftmals in Reinbeständen. Doch die letzten Sommer haben gezeigt, dass diese Art der Forstwirtschaft im Zuge des Klimawandels nicht mehr funktioniert. Und da kommt nun auch die Weißtanne wieder mit ins Spiel! Sie hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen, vor allem wenn es darum geht, Mischwälder zu etablieren.

Wusstest Du schon…?
Die Fläche mit Weißtanne hat zwischen 2002 und 2012 in Deutschland um ca. 19.000 Hektar zugenommen. Stand 2012 lag der prozentuale Anteil der Weißtanne bei 1,7 %. 

Die Rinde der Weißtanne ist gräulich. Bei jungen Bäumen ist sie noch glatter und wird mit zunehmendem Alter dann schuppiger.

Wie erkennt Ihr eine Weißtanne?

Die Weißtanne feiert ihr Comeback in der Forstwirtschaft. Doch wie erkennt Ihr diese Baumart überhaupt?

Sie erreicht Wuchshöhen bis zu 50 Metern. Die Kronenform kann stark variieren. Sie ist abhängig von der geographischen Lage des Baumes sowie den Lichtverhältnissen. Bei ausreichendem Licht bildet die Baumart eine spitz zulaufende, kegelförmige Krone aus. Der Stamm ist gerade und hat eine zylindrische Form. Die starken Hauptäste sind in Quirlen, die kleineren eher spiralig angeordnet.

Wusstest Du schon…?
Die (aktuell bekannt) größte Weißtanne steht in Montenegro im Nationalpark Biogradska Gora. Sie ist knapp 60 Meter hoch und besitzt einen Brusthöhendurchmesser von 2,3 Metern. 

Die Rinde der Weißtanne erinnert auf den ersten Blick an die Rinde der Gemeinen Fichte. Jedoch ist die Rinde der Weißtanne deutlich heller. Junge Bäume haben eine glatte, hellgraue Rinde und teilweise sind kleine Harzblasen zu erkennen. Je älter der Baum wird, desto rissiger wird die Rinde und entwickelt eine eher schuppige Borke mit deutlich erkennbaren Querrissen. Diese erscheint dann auch dunkler als die Rinde eines jungen Baumes.

Fichte sticht, Tanne nicht

Die Nadeln der Weißtanne verlaufen im Gegensatz zur Gemeinen Fichte nicht spitz zu, sondern sind abgerundet. Die Oberseite der Nadeln erscheint glänzend und dunkelgrün. Auf der Unterseite sind zwei weißbläuliche Striche zu erkennen. Die Nadeln sitzen wie mit Saugnäpfen befestigt am Zweig. Es sieht ein wenig so aus, als würden sich die Nadeln am Zweig anschmiegen. Anders als bei der Fichte ist kein braunes Nadelkissen zu erkennen. 

Schaut Ihr Euch einen Tannenzweig mal genauer an, so werdet Ihr erkennen, dass die Nadeln V-förmig vom Zweig abgehen. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Küstentanne. Bei der Küstentanne gehen die Nadeln flach und nur in einer Ebene vom Zweig ab.

Die Zapfen der Tanne sind nur  schwer zu finden. Sie fallen anders als bei anderen Baumarten nicht herab, sondern zerfallen am Zweig. Im Gegensatz zu Fichtenzapfen hängen sie außerdem nicht vom Zweig herab, sondern stehen aufrecht. Nach der Samenreife im September schweben die Samen und die Deckschuppen zu Boden. Die “Zapfenspindeln” bleiben jedoch noch länger am Zweig stehen.

Die Tannenzapfen der Weißtanne stehen nach oben.

Wusstest Du schon…?
Die Weißtanne gilt als die am tiefsten wurzelnde Baumart. Sie können Wurzeltiefen von bis zu 1,50 Metern und horizontale Längen von bis zu 10 Metern erreichen. Damit ist diese Baumart besser im Boden verankert und weniger anfällig für Stürme.

Die Nutzung

Das Holz der Weißtanne ist im Vergleich zum Holz der Gemeinen Fichte nicht so beliebt. Gründe dafür sind ein häufiges Auftreten eines Nasskerns oder von Ringschäle. Trotzdem kann sie bei vielen anderen Faktoren deutlich mehr punkten als die Fichte. Das Holz ist für den Außenbereich gut geeignet, sogar für den Erd- oder Wasserbau. Es gilt als äußerst dauerhaft und wetterbeständig. Es hat außerdem eine höhere Tragfähigkeit und lässt sich besser imprägnieren. Doch das Holz der Weißtanne ist nicht nur zum Bauen oder für den Innenausbau attraktiv. Zur Weihnachtszeit werden die Zweige gerne als Schmuckreisig genutzt. Früher wurde die Weißtanne auch gerne als Weihnachtsbaum genutzt. Heute stehen in den meisten Wohnzimmern jedoch eher Nordmanntannen.

Heute finden wir zur Weihnachtszeit vor allem Nordmanntannen in den Wohnzimmern.

Das Comeback der Weißtanne

Warum pflanzen Förster:innen nun wieder vermehrt Weißtannen an? Im Zuge des Klimawandels gilt es, Mischwälder zu etablieren. Diese sollten möglichst viele verschiedene Baumarten enthalten und nach Baumalter gestuft aufgebaut sein. Die Weißtanne erträgt nicht nur Schatten, sie hat auch keine Probleme damit, wenn sie in ihrer Jugend nicht so rasch wachsen kann. Damit eignet sie sich hervorragend als Baumart, die unter dem Kronenschirm einer schon älteren Baumgeneration eingebracht wird. Durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem kann sie zu besserer Stabilität und Wasserverfügbarkeit im gesamten Bestand beitragen. Bezüglich der zu erwartenden klimatischen Veränderungen gilt die Weißtanne auch als Hoffnungsträger, denn sie kommt besser als andere Nadelbaumarten mit Wärme und Trockenheit zurecht .

Die Weißtanne kommt im Vergleich zu anderen Baumarten besser mit Trockenheit und wärmeren Temperaturen klar. Viele Förster:innen setzen deshalb immer mehr auf die Weißtanne und pflanzen sie neben anderen Baumarten, um klimastabile Mischwälder zu begründen.

Fazit

Die Weißtanne ist natürlich kein Allheilmittel gegen den Klimawandel. Sie wird jedoch vermutlich besser mit zukünftigen klimatischen Bedingungen fertig werden als andere Nadelbaumarten. Durch ihre ökologischen Eigenschaften ist sie eine attraktive Baumart, die immer häufiger zur Etablierung von Mischwäldern gepflanzt wird. 

Kanntet Ihr die Weißtanne bereits? Habt ihr diese Baumart bereits selbst in Wäldern entdecken können? Wir freuen uns auf Kommentare zu Euren Beobachtungen und Feedback zu diesem Artikel.

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