Schwarzspecht Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/schwarzspecht Wissen aus dem Wald Thu, 03 Sep 2026 12:43:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.8 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Schwarzspecht Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/schwarzspecht 32 32 Unsere Vögel – Der Schwarzspecht https://forsterklaert.de/schwarzspecht https://forsterklaert.de/schwarzspecht#respond Sun, 06 Sep 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6888 Der Schwarzspecht gilt als größte Spechtart in ganz Europa. Als häufig vorkommender Vogel in unseren Wäldern können wir oft sein...

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Der Schwarzspecht gilt als größte Spechtart in ganz Europa. Als häufig vorkommender Vogel in unseren Wäldern können wir oft sein lautes Klopfen und Trommeln während eines Waldspaziergangs hören. Ein weiterer Hinweis, dass er da ist: Angelegte Höhlen an den Bäumen. Der Schwarzspecht beeindruckt außerdem durch sein auffällig schwarzes Federkleid, dem roten Scheitel und sein auffälliges Rufen. Vor allem ist er aus Naturschutzsicht eine sehr bedeutsame Art in unseren Wäldern, denn seine angelegten Höhlen werden von vielen anderen “Nachmietern” genutzt. Wo genau Ihr den Schwarzspecht entdecken könnt und wie Ihr bereits an der Höhlenform im Baum erkennt, dass hier ein Schwarzspecht wohnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wie erkennt Ihr den Schwarzspecht?

Insgesamt neun heimische Spechtarten besiedeln verschiedene Waldlebensräume bei uns. Während Bunt- oder Grünspecht als Kulturfolger mittlerweile in unseren Gärten oder in Parkanlagen heimisch geworden sind, so gelten andere Spechtarten als vom Aussterben bedroht. Beispielsweise der Klein- oder Dreizehenspecht. Sie benötigen große Totholzmengen und finden mittlerweile kaum noch geeignete Lebensräume. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist der Schwarzspecht an seinem überwiegend schwarz gefärbten Gefieder zu erkennen. Auf dem Kopf hat er einen leuchtend roten Scheitel. Bei den Männchen ist der Scheitel komplett von vorne bis hinten (Schnabel bis Nacken) gefärbt, während bei den Weibchen nur der hintere Teil (Nackenbereich) rot ist. Der Schwarzspecht ist ungefähr so groß wie eine Krähe und gilt als der größte in Europa vorkommende Specht. Insgesamt ist die Körperform des Spechtes relativ schlank und der Schwanz deutlich länger als bei einer Krähe. Der Schnabel ist grauweiß und hat eine dunklere Spitze. 

Der Schwarzspecht hat nicht nur ein markantes Aussehen, auch an seiner Stimme könnt Ihr den Waldbewohner meist gut erkennen. Der Ruf klingt entweder wie ein mehrmals hintereinander langgezogenes einzelnes “Kliiih” Rufen oder während des Fluges wie ein “Krück Krück Krück” Rufen. Das Trommeln ist sehr laut und meist über große Entfernungen zu hören. 

Wusstest Du schon…?
Der Schwarzspecht gilt im Naturschutz als sogenannte Schlüsselart. Viele Tierarten sind vom Höhlenbau des Spechtes abhängig und nutzen die von ihm angelegten “Wohnungen” als Nachmieter. Dazu gehören zum Beispiel die Hohltaube, Schellente, verschiedene Eulen- und Fledermausarten, aber auch Säugetiere wie der Baummarder oder Bilche. 

Der Schwarzspecht liefert Wohnraum für alle! Hier macht es sich gerade ein Kleiber gemütlich.

Wo lebt der Schwarzspecht?

In Mitteleuropa ist der Schwarzspecht ein häufig vorkommender Vogel, der auch in kleinflächigen oder zerschnittenen Waldgebieten lebt. In Deutschland brüten ca. 50.000 Schwarzspecht Paare. Am besten zu beobachten sind sie von Februar bis März, wenn sie ihre Reviere abgrenzen und fleißig Balzgesang betreiben. Zu dieser Zeit kann man die Vögel in den Bäumen noch sehr gut sehen, da diese noch keine Blätter tragen. 

Wusstest Du schon…?
Oftmals legt der Specht mehrere Höhlen übereinander an, das bezeichnet man das als “Spechtflöte”.

Der Vogel ist als Standvogel ganzjährig bei uns zu beobachten, also auch über den Winter in Deutschland. Generell ist er sehr standorttreu und begibt sich nur in Notfällen auf Wanderungen, etwa wenn das Futter knapp wird. Im Durchschnitt ist ein Schwarzspecht-Revier um die 150 Hektar groß. Der Schwarzspecht ist eine sehr anpassungsfähige Vogelart und kann sich in vielen verschiedenen Lebensräumen erfolgreich vermehren. Als typischer Waldbewohner mag er vor allem Buchen-Laubmischwälder, am liebsten mit Fichten oder Tannen darin. Aber auch in Nadelwäldern fühlt er sich Zuhause. Die höchsten Siedlungsdichten hat der Specht in Mischwäldern, in denen er alte Buchen für die Anlage von Bruthöhlen und Nadelbäume für die Nahrungssuche eng beieinander findet.

Er mag große und alte Wälder

Wichtig ist vor allem, dass es sich um größere zusammenhängende Waldgebiete handelt und dass die Bäume alt sind. Am besten mindestens 80, besser noch 100 Jahre. Das Durchschnittsalter unserer Deutschen Wälder ist übrigens 82 Jahre. Ab diesem Alter bilden sich in diesen Wäldern vermehrt Totholz und so genannte Mikrohabitate an Bäumen, also besondere Strukturen wie Höhlen, Astabbrüche oder Risse. Ausreichend Alt- und Totholz ist sehr wichtig für einen qualitativ hochwertigen Lebensraum des Schwarzspechtes. Die glatte Rinde der Buche ermöglicht dem Specht ein einfaches Anlegen von Höhlen. Diese haben eine ovale Form und sind im Vergleich zu anderen Spechthöhlen größer, etwa 8,5 × 13 cm. Die Höhlen werden mit Holzspänen gepolstert und dann als Schlaf- aber auch als Brutplatz genutzt. Das Weibchen legt seine Eier im April dort ab, meistens zwischen drei und fünf Stück. 

Wusstest Du schon…?
Schwarzspechtpaare besitzen mehrere Höhlen. Diese “renovieren” die Paare auch regelmäßig. Der Eingang muss bspw. regelmäßig nachgearbeitet werden, damit der Baum ihn nicht wieder überwallt und es nicht reinregnet. 

Auf Futtersuche in altem Holz

Durch das Hämmern legt der Schwarzspecht auch die Nester holzbewohnender Ameisen frei. Diese frisst der Schwarzspecht am liebsten. Generell ernährt sich der schwarze Vogel vor allem von holzbewohnenden Käfern und Larven. Typisch sind auch zerlegte Wurzelstöcke. Dort sucht der Vogel nach Bockkäfer- oder Holzwespenlarven. Eine weitere Spur der Nahrungssuche des Spechtes sind längliche Löcher in abgestorbenen Fichten, um dort an die Rossameisen zu gelangen.

Wusstest Du schon…?
Das Trommeln des Spechtes besteht aus ca. 60 Einzelschlägen. Während des Trommelns schlägt der Schwarzspecht mit einer durchschnittlichen Frequenz von 17 Schlägen in der Sekunde. Wieso macht ihm das keine Kopfschmerzen? Die Stöße werden durch Knochengewebe an der Schnabelbasis abgefedert und gleichmäßig an der Ober- und Unterseite des Schnabels verteilt. Auch die Augäpfel, das Zungenbein und die Halswirbel sind anatomisch so konstruiert, dass sie das Trommeln abfedern.

Hier sieht es fast aus, als wäre die Gerüchteküche am Kochen.

Ist der Schwarzspecht gefährdet?

Der Bestandstrend des Schwarzspechtes gilt als ungefährdet und entwickelt sich langfristig positiv. Wichtig ist für ihn das Vorkommen von ausreichend Alt- und Totholz. Als Förster:in sollte ich also im Blick haben, davon genug im Wald zu belassen. Wichtig ist auch bei der Entnahme von Bäumen darauf zu achten, dass diese keine Höhlen besitzen. Diese sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht gefällt werden. Meistens sucht sich der Specht genau die Bäume aus, die auch Förster:innen als “Z-Bäume” markieren würden. Also Bäume mit einem geraden Wuchs und ohne viele Äste. Der Specht benötigt einen guten Anflugbereich ohne Hindernisse und baut seine Höhlen meist relativ weit oben, kurz vor dem Kronenansatz des Baumes.

Meist hat der Specht auch mehrere Höhlen an Bäumen angelegt, die räumlich dicht beieinander stehen. So kann es evtl. sinnvoll sein, diesen Bereich des “Höhlenzentrums” aus der völligen Nutzung zu nehmen. Dadurch kann bspw. auch eine richtige Altholzinsel entstehen. Diese Höhlenbäume zu belassen und auch nicht zu stark frei zu stellen, kann also dazu beitragen, dass es dem Specht in unseren Wäldern auch weiterhin gut geht. In manchen Bundesländern ist der Schutz vom Schwarzspecht zudem noch weiter gesetzlich geregelt. In Schleswig-Holstein genießt der Schwarzspecht sogenannten Horstschutz. Das bedeutet, dass innerhalb eines Radius von 100 m um den Höhlenbaum keine forstwirtschaftlichen Maßnahmen oder Störungen stattfinden dürfen, die die Brut gefährden könnten. 

Der gute Vermieter in unseren Wäldern

Wir hoffen, Ihr konntet in diesem Artikel einiges Neues und Interessantes über den Schwarzspecht lernen. Er ist nicht nur unsere größte heimische Spechtart, sondern nimmt eine bedeutende Schlüsselrolle im Ökosystem unserer Wälder ein. Viele andere Arten sind von seinem Höhlenbau abhängig. So schafft er Lebensräume für zahlreiche andere Arten. Der Schwarzspecht ist also ein wichtiger Indikator für naturnahe, strukturreiche Wälder. Umso wichtiger ist es, seine Lebensräume zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften, damit er auch in Zukunft ein fester Bestandteil unserer Natur bleibt.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzspecht

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/schwarzspecht

https://www.natura2000.sachsen.de/schwarzspecht-dryocopus-martius-l-1758-23465.html

https://www.wald.rlp.de/wald/voegel/schwarzspecht

https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/schwarzspecht

Buch:

Müller, J. et al. (2024): Praxis Handbuch Naturschutz in der Waldwirtschaft, Eugen Ulmer KG, 196

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