Tiere Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/tiere Wissen aus dem Wald Thu, 06 Feb 2025 15:47:50 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Tiere Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/tiere 32 32 Mikrohabitate – Die kleinsten Wohnungen im Wald https://forsterklaert.de/mikrohabitate https://forsterklaert.de/mikrohabitate#comments Sun, 17 Oct 2021 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2631 Wenn Ihr im Wald spazieren geht, habt Ihr bestimmt schon viele Tiere entdecken können. Dabei geht es nicht nur um die großen Vertreter wie Reh-, Rot- oder Schwarzwild. Auch Vögel tummeln sich am Boden im Laub oder in den Kronen der Bäume. Doch sind dies die kleinsten Bewohner des Waldes oder gibt es noch andere, vielleicht besser versteckte? Und wieso ist der Wald nicht überfüllt, wenn ihn sich doch so viele Tiere als Wohnung ausgesucht haben? Was ökologische Nischen dabei für eine Rolle spielen und was damit gemeint ist, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

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Wenn Ihr im Wald spazieren geht, habt Ihr bestimmt schon viele Tiere entdecken können. Dabei geht es nicht nur um die großen Vertreter wie Reh-, Rot- oder Schwarzwild. Auch Vögel tummeln sich am Boden im Laub oder in den Kronen der Bäume. Doch sind dies die kleinsten Bewohner des Waldes oder gibt es noch andere, vielleicht besser versteckte? 

Und wieso ist der Wald nicht überfüllt, wenn ihn sich doch so viele Tiere als Wohnung ausgesucht haben? Was ökologische Nischen dabei für eine Rolle spielen und was mit „Mikrohabitate“ gemeint ist, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Wusstest Du schon…?
Die Hauskatze ist eine große Bedrohung für unsere einheimischen Vögel. Sie töten jährlich bis zu 200 Millionen Stück. Dabei sind vor allem verwilderte Hauskatzen ein großes Problem, da sie nicht nur als Freizeitbeschäftigung jagen, sondern davon leben müssen. Darüber hinaus können sie sich in der Natur unkontrolliert vermehren. 

Wer treibt sich wo herum? 

Jede Tierart hat besondere Ansprüche an Nahrung, Klima und Wohnort. Das Rebhuhn brütet beispielsweise auf dem Boden, während die Amsel eine Erhöhung durch einen Baum oder eine Hecke bevorzugt. Durch die unterschiedlichen Ansprüche und die für sie relevanten beeinflussenden Umweltfaktoren, besiedeln die Arten unterschiedliche Lebensräume, auch Habitat genannt. Dies wird dann die sogenannte ökologische Nische jeder Tierart, also ihr spezifischer Lebensraum. Je kleiner das Tier, desto kleiner der Lebensraum. Ein Mikrohabitat beschreibt demnach einen kleinen Lebensraum. Bei einem Baum wäre dies zum Beispiel ein toter Ast, ein Riss in der Rinde oder eine Höhle im Baumstamm selbst. Obwohl diese Verletzungen negativ für die Vitalität oder den wirtschaftlichen Wert des Baumes sind, haben sie einen hohen naturschutzfachlichen Wert. Denn manche Tier- und Pilzarten sind gerade auf ältere und geschädigte Bäume als Lebensraum angewiesen.  

Eine Mulm- und Stammfußhöhle in einer Pappel. Eine Mulmhöhle liegt im Stamm so weit unten, dass sie Bodenkontakt hat, wodurch die Bodenfeuchte in den Stamm eindringen kann. Eine Stammhöhle befindet sich weiter oben im Stamm. Dieser Baum ist von unten ausgehend bis in ca. 60 cm Höhe ausgehöhlt.

Wusstest Du schon…? 
Ein ganz besonderes Habitat ist ein Dendrotelm. Dabei handelt es sich um eine mit Regenwasser gefüllte Baumhöhle. Sie bietet nicht nur eine Wassertränke für Vögel, sonder auch einen Lebensraum für kleine Wasserinsekten.

Habitatbäume – der Neubau unter den Habitaten 

Habitatbaum: Ein abgestorbener Baum wird durch den Specht zu einem Lebensraum umgewandelt. In diesem wohnt ein Schwarzspecht.

Mikrohabitate sind oft Nebenerscheinungen eines Alterungsprozesses. Je dicker ein Baum wird, desto mehr Mikrohabitate entstehen. Denn je älter die Bäume werden, desto häufiger entstehen Verletzungen und es sterben immer mehr Teile des Baumes ab. Eben diese werden dann zu Mikrohabitaten. Gerade Laubbäume schaffen mit steigendem Alter diverse Lebensräume. Ab einem BHD von 80 cm kann ein Baum als ein Habitatbaum ausgewählt werden. Dieser soll dann wegen seines besonderen ökologischen Wertes erhalten bleiben, um die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt durch seine Mikrohabitate zu erhöhen. Dabei ist es empfehlenswert eine Art Habitatbaum-Insel zu erschaffen, also eine Art Pulk mit mehreren älteren Bäumen auf kleiner Fläche. So können sich Arten, welche auf Mikrohabitate angewiesen sind, in diesem Bereich am besten vermehren. Dabei werden sie in ihrer Vermehrung nicht auf einen Baum beschränkt, sondern können sich in der Habitatbaum-Insel besser entwickeln. Mehr dazu könnt Ihr in unserem Totholz Artikel lesen.  

Durch verschiedene Waldprogramme für eine naturnahe Waldbewirtschaftung wie dem LÖWE Programm der Niedersächsischen Landesforsten, wird sogar eine Mindestzahl der notwendigen Habitatbäume vorgegeben. 
In einem solchen Baum kann man dann Pilze, Käfer und Insekten, sowie Vogelarten wie den Specht neben dem Siebenschläfer finden. Durch die unterschiedlichen Mikrohabitate ist es den Tieren möglich, in nur einem Baum gemeinsam zu leben, ohne sich groß in die Quere zu kommen. 

Wusstest Du schon…? 
Füchse, Dachse, Kaninchen leben in Tunnelsystemen, die man als Bau bezeichnen kann.  Eigentlich sollte jede Art einen eigenen Bau haben, doch manchmal kommt es dazu, dass sich diese Tiere einen Wohnort “teilen”. Sie leben dann an unterschiedlichen Orten im Tunnelsystem und begegnen sich zumeist nicht. Doch auch bei einem zufälligen Treffen geht dies konfliktlos vorüber und die Tiere tun sich nichts. Es heißt bei dieser verrückten Wohngemeinschaft, die Tiere würden “Burgfrieden” halten, sich also als Mitbewohner verschonen.

Totholz – der Alt- und Abbau 

Auch Totholz ist ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Artenvielfalt im Wald. Gerade holzbewohnende, sogenannte xylobionte Käfer, tragen zum Abbau des Totholzes bei. Sie sind auf das tote Holz als Lebensgrundlage angewiesen. Durch die Bewirtschaftung des Waldes und die damit einhergehende Nutzung des Rohstoffes Holz, werden die Bäume jedoch schon vor ihrem Zerfall geerntet. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Hälfte der in Deutschland vorkommenden xylobionten Käfer auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Das bedeutet, dass sie immer seltener in Deutschland leben.

Deshalb sollte auch auf eine gewisse Menge Totholz im Wald geachtet werden. Und das hilft nicht nur den Käfern, sondern auch anderen Arten. So entstehen zum Beispiel Höhlen, in welchen Vögel nisten können und Nahrung in Form der Käfer finden. Auch Fledermäusen oder Eidechsen dienen die Käfer als Nahrung. Sie schaffen so durch ihre Anwesenheit Mikrohabitate für weitere Arten. 

Totholz wird in kürzester Zeit von Käfern und anderen Holz bewohnenden Insekten besiedelt und zersetzt.

Also einfach ein paar Bäume fällen und liegen lassen? 

Ganz so einfach ist es nicht. Um die Anzahl der Mikrohabitate zu erhöhen, muss das Totholz an der richtigen Stelle platziert werden.Wenn ein Stamm zum Beispiel in der Sonne liegt, können sich die Larven durch die Wärme besser entwickeln. Ist dieser jedoch von einem Kronendach abgeschirmt, besiedeln die Käfer das Holz weniger stark. Darüber hinaus ist der Anteil der im Holz lebenden Käfer von der jeweiligen Zersetzungsphase des Holzes und der Baumart abhängig. Nach fünf Jahren ist der Zerfall des Holzes weniger vorangeschritten als nach zehn Jahren. Wenn Tierarten sehr zersetztes Holz als Mikrohabitat benötigen, dauert es also eine Zeit, bis sie am Totholz vorkommen können. Es ist deswegen empfehlenswert, in einem gleichmäßigem Rhythmus Totholz hinzuzufügen, damit alle Stadien des Zerfalls vorkommen und Lebensräume bieten können. 

Der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes) siedelt sich an Felsspalten und kleinen Rissen im Gestein an

Auch der Unterschied von stehendem und liegendem Totholz ist von Bedeutung, da beispielsweise Spechte – als wichtige Lebensraum schaffende Art – stehendes Totholz bevorzugen. 
Das Absterben eines Baumes ist ein langer Prozess, der zumeist bei sehr alten Bäumen auftritt. Zu Lebzeiten des Baumes bietet er dabei aber ebenfalls wichtige Mikrohabitate als Habitatbaum. 

Wusstest Du schon…? 
Wenn im Sommer ein Käfer in dein alkoholisches Getränk fliegt, muss das nicht immer ein Zufall sein. Der gestreifte Nutzholzborkenkäfer beispielsweise wird von Alkohol angezogen, da auch frisch abgestorbene Bäume einen alkoholischen Duft verströmen. In den abgestorbenen Bäumen legt der Käfer seine Brutgänge an, legt Eier ab und “züchtet” für die schlüpfenden Larven den Ambrosiapilz als Nahrung heran. In dem von den sterbenden Bäumen ausgeschütteten Alkohol können diese Pilze sehr gut gedeihen. Man findet sie deswegen oft in den Bohrgängen von Holz zersetzenden Käfern.

Stein der Weisen – Eidechsen 

Im Wald befinden sich nicht nur Bäume als mögliche Habitate. Auch Felsen bilden eine Vielzahl an Mikrohabitaten, vor allem wenn sie durch Verwitterung Felsspalten und kleine Höhlen bieten. Besonders auf dunklen, nach Süden ausgerichteten Felsen findet man unterschiedliche Reptilien wie Eidechsen oder Schlangen. Auf zerklüfteten Felsen können darüber hinaus auch Pflanzen besser wurzeln.   

Ein Sandsteinfelsen bietet für den Wald ungewohnte, aber ökologisch wertvolle Habitate. Bei richtiger Exposition nach Süden können sich Eidechsen und andere Kleintiere wie Schlangen ansiedeln. Ist der Felsen von einem Blätterdach überdacht, setzten bodenbildende Prozesse ein und der Felsen wird mit der Zeit von Vegetation überwachsen.

Habt Ihr besondere Lebensräume in Euren Wäldern entdeckt, über die Ihr gerne mehr erfahren wollt? Dann schreibt es doch gerne in die Kommentare! 

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Brut- und Setzzeit – Ruhe für die Tiere https://forsterklaert.de/brutundsetzzeit https://forsterklaert.de/brutundsetzzeit#comments Tue, 30 Mar 2021 15:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=1959 Jeden Frühling heißt es wieder: Hunde anleinen und Sägen still stellen - es herrscht Brut- und Setzzeit. In der Natur ist dann die Zeit der Geburten und der Jugendaufzucht. Was während der Brut- und Setzzeit zu beachten ist und was es dabei spannendes zu beobachten gibt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

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Jeden Frühling heißt es wieder: Hunde anleinen und Sägen still stellen – es herrscht Brut- und Setzzeit. In der Natur ist dann die Zeit der Geburten und der Jugendaufzucht. Was während der Brut- und Setzzeit zu beachten ist und was es dabei spannendes zu beobachten gibt, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Felix hat in Schottland dieses gut versteckte Nest einer Bekassine gefunden.

Was bedeutet die Brut- und Setzzeit? 

Diese Zeit dauert den gesamten Frühling über, bis in den Sommer. Währenddessen kommen beinahe alle Jungen im Tierreich zur Welt und die Vögel brüten. Ricken, also die Rehmütter, lassen ihre Jungen versteckt im Feld liegen, um sie später zu säugen. Wildschweinbachen führen ihre kleinen gestreiften Frischlinge und sind zu dieser Zeit sehr aggressiv, um ihre Jungen zu beschützen. Küken, die langsam flügge werden, verlassen ihre Nester und unternehmen erste Flugversuche. 

Nur gucken, nicht anfassen! 

Die Jungtiere sind in dieser Zeit nicht kräftig und schnell genug, um vor Gefahren zu fliehen. Manche Jungtiere, wie das Rehkitz, besitzen in den ersten Lebenswochen nicht einmal einen Fluchtreflex. Aus diesem Grund ist eines wichtig: Rücksicht nehmen! Viele Tierbabys wirken verlassen und hilflos. Aber häufig sind die Eltern nicht weit weg oder haben, wie beim Hasen und Reh, ihre Kinder absichtlich zurückgelassen. Sie kommen später zurück und versorgen ihren Nachwuchs. Aus diesem Grund solltet Ihr Jungtiere niemals mitnehmen. Die Tiere anzufassen kann für sie eventuell sogar tödlich ausgehen. Denn wenn die Jungen erstmal nach Mensch riechen, werden sie sehr häufig von den Elterntieren verstoßen. Außerdem ist es für Räuber dann einfacher, die sonst geruchlosen Tierchen zu finden.
Ihr solltet außerdem unbedingt auf den Wegen bleiben. Gut versteckte Nester seltener Vögel, wie das der Feldlerche, können alle leicht übersehen und zertrampeln. Werden Vögel zu häufig bei der Brut gestört, geben sie ihre Gelege manchmal ganz auf und verlassen es.

Wichtig:
Wenn Ihr ein Tier findet, das verletzt oder krank aussieht, erkundigt Euch nach dem/der zuständigen Jäger:in. Diese könnt Ihr bei der örtlichen Polizeidienststelle erfragen (nicht 110 wählen, sondern direkt Dienststelle kontaktieren!)

Hunde an den Strick

Zum Schutz der Waldtiere darf Ardelle jetzt nicht mehr frei durch den Wald rennen.

Freilaufende Hunde sind eine erhebliche Gefahr für Jungtiere. Diese haben keine Chance, vor unseren geliebten Vierbeinern zu fliehen. Auch sonst harmlose Familienhunde können die hilflosen Jungen tödlich verletzen. Zu welchem Zeitpunkt und an welchen Orten Hunde angeleint werden müssen, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Hier findet Ihr eine Übersicht, wo welche Regelung gilt. Auch wenn es in manch einem Bundesland keine gesetzlich geregelte Leinenpflicht gibt, ist es trotzdem wichtig, unsere Begleiter zu dieser Zeit freiwillig an die Leine zu nehmen.

Wusstest Du schon…?
Für Katzen gilt in Deutschland keine gesonderte Regelung für die Brut- und Setzzeit. Doch auch unsere Stubentiger haben erhebliche Auswirkungen auf unsere empfindliche Vogelwelt. Jährlich fallen Millionen von Vögeln und Kleinsäugern den Haustieren zum Opfer. Die Katzen zur Brut- und Setzzeit im Haus zu lassen, ist deshalb eine gute Idee. Außerdem helfen Glöckchen oder ein buntes Stoffhalsband den Jagderfolg zu mindern. 

Hecken schneiden verboten! Oder?

Vom Frühling bis zum Herbst ist es nach §39 Bundenaturschutzgesetz verboten: “Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen”. Jedoch sind “schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen” erlaubt. Auch hier muss aber Rücksicht auf die brütenden Vögel genommen werden. 

Küken vom Großen Brachvogel profitieren von der Brut- und Setzzeit.

Was bedeutet die Brut- und Setzzeit für Forstwirtschaft und Jagd?

Im Wald herrscht zu dieser Zeit ebenfalls Einschlagstopp. Es werden also kaum Bäume gefällt. Ausnahmen bilden aber die Erntemaßnahmen zum Waldschutz. Das Fällen von vom Borkenkäfer befallenen Fichten zur Verhinderung seiner Ausbreitung ist dann beispielsweise erlaubt. Auch die Jagd ruht weitestgehend. Lediglich wenige Tiere, wie Rehböcke, dürfen dann erlegt werden. Diese haben mit der Aufzucht der Jungen nichts zu tun. Ein Abschuss stellt also keine Gefahr für Jungtiere dar.

Wir hoffen, Ihr seid nun etwas für die Brut- und Setzzeit sensibilisiert und nehmt zu dieser Zeit besondere Rücksicht auf die jüngsten Wald- und Feldbewohner. Trotzdem sollt Ihr natürlich die Frühlingstage nutzen! Also: Raus in den Wald und all die spannenden Dinge entdecken, die Ihr hier auf unserem Blog gelernt habt.

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