Unsere Bäume Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/unsere-baeume Wissen aus dem Wald Fri, 14 Nov 2025 13:18:41 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Unsere Bäume Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/unsere-baeume 32 32 Unsere Bäume: Die Europäische Lärche https://forsterklaert.de/laerche https://forsterklaert.de/laerche#comments Sun, 29 Jan 2023 19:26:13 +0000 https://forsterklaert.de/?p=3761 Habt Ihr Euch eigentlich schon mal gefragt welche Baumart sich hinter dem Forst erklärt-Logo verbirgt? Ein kleiner Tipp - diese Nadelbaumart gehört zu den wenigen, die ihre Nadeln im Winter abwerfen. Vielleicht seid Ihr jetzt bereits drauf gekommen - in diesem Artikel geht es um die Lärche.

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Habt Ihr Euch eigentlich schon mal gefragt welche Baumart sich hinter dem Forst erklärt-Logo verbirgt? Ein kleiner Tipp – diese Nadelbaumart gehört zu den wenigen, die ihre Nadeln im Winter abwerfen. Vielleicht seid Ihr jetzt bereits drauf gekommen – in diesem Artikel geht es um die Lärche. Was das Besondere an dieser Baumart ist, wie Ihr sie sicher bestimmen könnt und welche Probleme auf sie im Klimawandel zukommen, haben wir in diesem Artikel mal etwas genauer für Euch unter die Lupe genommen.

Ein leuchtender Farbtupfer im Wald! Im Herbst verfärben sich die Nadeln der Lärche zunächst gelb, bevor sie abfallen. 

Allgemeine Fakten zur Baumart

Die Europäische Lärche (Larix decidua) ist eine Baumart des Gebirges und hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet in den Alpen und Karpaten. Zusammen mit der Zirbel-Kiefer (Pinus cembra) bildet die Lärche einen ganz natürlich vorkommenden Waldtyp, auch bezeichnet als Arven-Lärchenwald. Dieses Waldbild ist vor allem im Hochgebirge, nahe zur natürlichen Waldgrenze vorzufinden. 

Heute findet Ihr die Lärche oftmals auch in sogenannten Reinbeständen, auch weit außerhalb ihres Verbreitungsgebietes. Diese Verbreitung hat sie sozusagen dem Menschen zu “verdanken”. Denn zum einen wäre sie als Lichtbaumart irgendwann von anderen, konkurrenzstärkeren Baumarten überwachsen worden und zum anderen ist es ihr in den Regionen, wo sie angepflanzt wurde, eigentlich viel zu warm. Aber dazu später mehr. 

Na, erkennt Ihr das Forst erklärt-Logo? 

Im Gegensatz zur Brotbaumart Deutschlands – der Gemeinen Fichte – macht die Lärche nur einen geringen Anteil von 2,9 % der Waldfläche in Deutschland aus (Stand Bundeswaldinventur 2012).

Wusstest Du schon…?
Die Zirbel-Kiefer wird auch als Arve bezeichnet.

Eine Besonderheit an der Lärche ist, dass sie als einzige in Europa heimische Nadelbaumart ihre Nadeln im Winter verliert. Doch warum ist das eigentlich so?

Du grünst nicht nur zur Sommerzeit – oder?

Ein wunderschöner Anblick. Lärchen vorm Alpenpanorama!

Tatsächlich hat das etwas mit dem natürlichen Verbreitungsgebiet der Lärche zu tun. Sie kann bis zu Höhen von 2.500 Metern vorkommen. Dort oben können die Winter schon mal ordentlich kalt und sehr lang sein. Über die Blätter oder Nadeln verlieren Bäume Wasser. Im Sommer können sie über ihre Wurzeln immer wieder Wasserreserven auffüllen. Doch in eisigen Wintern, wenn die Böden gefroren sind und der Baum kein Wasser nachziehen kann, würde er, wenn die Blätter weiter Wasser abgeben, verdursten. Deshalb verliert sie im Winter ihre Nadeln. Ziemlicher clever, oder? Sie ist also keiner Gefahr durch Frosttrocknis ausgeliefert.

Darüber hinaus hat die Lärche nur geringe Ansprüche an die Verfügbarkeit von Nährstoffen und wächst auf ganz unterschiedlichen Böden. 

Wusstest Du schon…?
Die Europäische Lärche kann bis zu 600 Jahre alt werden.

So sieht also eine Lärche aus!

Wie erkennt Ihr sie?

Die Kronenform der Europäischen Lärche ist pyramidenförmig. Dabei sehen die Nadeln aus weiter Entfernung schon deutlich “weicher” aus, als bspw. die einer Tanne oder Fichte.

Die Rinde ist längs aufgerissen und schuppig. Sie ist grau-braun bis grünlich gefärbt. Manchmal erinnert die schuppige Rinde etwas an die der Gemeinen Kiefer. Doch wenn Ihr solch eine Rindenschuppe einmal vorsichtig vom Stamm löst, werdet Ihr feststellen, dass die Farbe darunter rosa ist. Das ist ein ganz typisches Merkmal für die Rinde der Lärche.

Die Nadeln der Lärche sind an den Zweigen meist als Kurztriebe in kleinen Büscheln angeordnet. Sie sind hellgrün und fühlen sich weich an. Im Herbst verfärben sich die Nadeln – bevor sie abfallen – und haben eine wunderschöne leuchtend gelbe Farbe. Wenn die Nadeln von den Zweigen abgefallen sind, bleiben am Zweig sogenannte “Blattblasen” über. Diese sehen aus wie kleine Knubbel und sind ein unverwechselbares Merkmal, um sie als Lärchenzweig zu identifizieren.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die, im Vergleich zur Fichte, kleinen Zapfen. Die hellbraunen Zapfen stehen wie bei der Tanne am Zweig nach oben. 

Achtung! Verwechslungsgefahr!?

Immer häufiger wird durch Förster:innen die Japanische Lärche (Larix kaempferi) gepflanzt. Diese beiden Arten zu unterscheiden ist teilweise gar nicht so einfach. Vor allem wenn es sich um eine Hybrid-Form handelt und sowohl Merkmale der Japanischen, sowie auch der Europäischen Lärche vorzufinden sind.

Ein Unterscheidungsmerkmal sind die Zapfen. Die Zapfenschuppen der Europäischen Lärche sind immer eng anliegend, während sie bei der Japanischen etwas abstehend wirken. Außerdem kann man sich dann noch die Triebe anschauen. Diese sollen bei der Europäischen eine eher grau-gelbliche Färbung besitzen und bei der Japanischen rotbraun aussehen.

Was kann man mit der Lärche anfangen?

Ebenso wie die Kiefer oder Douglasie gehört die Lärche zu den Kernholz bildenden Baumarten. Wenn Ihr mal die Stirnfläche eines Lärchenstammes zu Gesicht bekommt, dann werdet Ihr einen deutlichen Farbunterschied zwischen Kern- (rötlich) und Splintholz (gelblich) sehen können. Die rötliche Färbung des Holzes macht es auch aus ästhetischen Aspekten äußerst attraktiv.

Das Holz der Lärche ist im Vergleich zu anderen Nadelholzarten deutlich schwerer und fester. Es wird vor allem für Möbel- und Bauholz verwendet, also zum Beispiel als Dachtragewerk oder auch im Innenausbau für Wandverkleidungen oder Treppen.
Neben der hohen Tragfähigkeit, ist das Holz aber auch äußerst witterungsbeständig. Das macht sie auch attraktiv für die Nutzung im Außenbereich.  

Die Zukunft sieht nicht so rosig aus…

Wie Ihr bereits wisst, ist das Verbreitungsgebiet der Lärche natürlicherweise in den Alpen bzw. Regionen der Karpaten. Aus wirtschaftlichen Interessen wurde sie in der Vergangenheit und auch noch heute weit über dieses natürliche Verbreitungsgebiet angebaut. Ähnlich wie bei anderen Baumarten, wird sich sowohl das natürliche Verbreitungsgebiet als auch das potentielle Anbaugebiet der Lärche in Deutschland durch den Klimawandel stark verkleinern. 

In diesem Sinne ist das gleiche Herangehen wie bei allen anderen Baumarten zu befolgen. Der Anbau sollte keinesfalls in Reinbeständen erfolgen. Vielmehr sollte sie einzelbaumweise, also nur kleinflächig, gepflanzt werden und dabei mit möglichst vielen anderen Bäumen gemischt werden. Das machen bereits viele Förster:innen, um ihre Wälder möglichst klimastabil für die Zukunft zu gestalten. Durch diese Mischwälder erreicht man auch eine Risikostreuung. Was bedeutet das? Das ist vor allem auf die Wirtschaftlichkeit bezogen. Wenn eine Baumart bspw. durch Trockenheit oder Käferbefall abstirbt, so kann man noch auf einige weitere Baumarten zurückgreifen und es kommt nicht zu einem “Totalausfall”.

Auch die Zukunft der Lärche in unseren Wäldern scheint also eher ungewiss. Doch als Mischbaumart ist sie auch weiterhin in einem geringen Maß in unseren Wäldern zu finden. Wir hoffen wir konnten Euch in diesem Artikel diese tolle Baumart etwas näher bringen und vielleicht entdeckt Ihr ja auf Eurem nächsten Spaziergang eine Lärche im Wald.

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Unsere Bäume: Der Berg-Ahorn https://forsterklaert.de/bergahorn https://forsterklaert.de/bergahorn#respond Sun, 17 Jul 2022 15:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=3306 Deutschland von den Talauen bis in die höchsten Berglagen verbreitet ist der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus). Er ist die bei uns am häufigsten anzutreffende Ahorn-Art und kann bis zu 500 Jahre alt und 35 Meter hoch werden.

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Heute möchten wir Euch eine weitere wichtige Baumart aus unseren Wäldern vorstellen. In ganz Deutschland von den Talauen bis in die höchsten Berglagen verbreitet ist der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus). Er ist die bei uns am häufigsten anzutreffende Ahorn-Art und kann bis zu 500 Jahre alt und 35 Meter hoch werden.

Wie erkenne ich einen Berg-Ahorn?

Das Blatt eines Ahorns ist sehr markant und eigentlich kaum mit einer anderen Baumart zu verwechseln. Es könnte lediglich zu Problemen bei der Unterscheidung mit einem Blatt der anderen heimischen Ahorne, dem Spitz- oder Feld-Ahorn, kommen. Deshalb habt Ihr hier mal einen Vergleich.

Im direkten Vergleich lassen sich gut die Unterschiede der häufigsten Ahorn-Arten erkennen.

Die Knospe des Berg-Ahorns ist eiförmig und hat grüne Knospenschuppen mit braunem Rand. Die Knospenschuppen des Spitz-Ahorns sind rötlicher. Ab April / Mai beginnt der Berg-Ahorn zu blühen und bildet eine 15 cm lange traubenartige, hängende Rispe aus. Die Borke des Berg-Ahorns ist in seiner Jugend unscheinbar glatt, ähnlich der einer Rot-Buche. Im Alter wird die Borke dann immer schuppiger.

Hier beginnt die glatte Rinde so langsam aufzureißen.

Wo ist er zu finden?

Der Berg-Ahorn ist ein sogenannter Edellaubbaum. Diese Bezeichnung lässt schon vermuten, dass er nicht ganz so anspruchslos ist wie vielleicht eine Buche oder Eiche. Man findet ihn in nahezu allen Höhenlagen bis zur Laubwaldgrenze bei 1300 – 2000 m Höhe. Wie der Name schon vermuten lässt, fühlt er sich ganz besonders im bergigen Gelände wohl und gehört zur natürlichen Waldgesellschaft des Bergmischwaldes. Der Berg-Ahorn bevorzugt lehmige, tiefgründige, humose Böden mit einer guten Wasserversorgung. An die Nährstoffversorgung hat er, verglichen mit anderen Edellaubbäumen wie der Gemeinen Esche, keine besonders großen Ansprüche. An Standorten, die regelmäßig überschwemmt werden oder saisonal austrocknen, wird sich der Berg-Ahorn nicht dauerhaft halten können. Hier ist er sehr empfindlich und im Zuge der Klimaerwärmung treten auch beim Ahorn auf ungünstigen Standorten vermehrt Krankheiten auf.

Wusstest Du schon…?
In Kanada hat der Ahorn einen besonderen Status. Ein rotes Ahornblatt ziert sogar die Nationalflagge. Doch handelt es sich hier nicht um einen Berg-Ahorn, sondern um seinen kanadischen Verwandten, den Zucker-Ahorn. 

Das rote Blatt des Zucker-Ahorns ziert seit 1965 die kanadische Flagge.

Wie gehen Förster:innen mit dem Berg-Ahorn um?

Wenn der Standort stimmt, dann ist der Berg-Ahorn für Forstleute ein sehr dankbarer Baum. Steht ein Altbaum irgendwo in der Nähe, dann findet sich in der größeren Umgebung auch überall Verjüngung von ihm. Berg-Ahorne verbreiten sich nämlich in großer Zahl durch den Wind. Diese Samen, die wie ein Propeller aussehen, habt Ihr bestimmt schon mal durch die Gegend fliegen sehen. Diese Art der Verbreitung hat den Charakter einer Pionierbaumart.

Doch Förster:innen pflanzen den Berg-Ahorn auch sehr gerne auf Kalamitätsflächen, die wiederbewaldet werden sollen. Im Optimalfall am Rand der Flächen, wo es noch ein wenig Schatten vom Nachbarwald gibt, denn Berg-Ahorne wachsen in der Jugend am besten im Halbschatten. Sie kommen aber auch ohne Schatten gut zurecht. 

So sieht ein typischer junger Mischwald aus Edellaubholz und Rot-Buche aus.

In der Jugend wächst der Berg-Ahorn schnell in die Höhe. Das ist vor allem im Wettkampf um Licht mit Gräsern und der Brombeere von großem Vorteil, den sich Forstleute gerne zunutze machen. Je älter der Baum wird, umso weniger schattentolerant wird er auch. Ab jetzt kommt der klassiche Charakter eines Edellaubbaums zum Vorschein. Er benötigt viel Licht und muss dementsprechend von Förster:innen gefördert werden, indem sie Bedränger entnehmen und dadurch immer für ausreichend Lichtverfügbarkeit sorgen.

Oft wird der Berg-Ahorn in Mischung mit Rot-Buchen angebaut. Das funktioniert gut, sofern Förster:innen immer wieder dafür sorgen, dass der Berg-Ahorn genügend Licht bekommt. An Hängen im Gebirge hat er eine stabilisierende Funktion als Schutzwald. Außerdem verbessert seine Streu, also die zersetzten Blätter, den Boden. Das ist vor allem in Gegenden mit einem hohen Nadelbaumanteil von großer Wichtigkeit, denn Nadeln lassen sich nur schlecht zersetzen und können Böden versauern. 

Was kann man mit dem Holz anfangen?

Das Holz des Berg-Ahorn ist hart, elastisch und mittelschwer. Es lässt sich sehr gut bearbeiten und wird deshalb oft als Werkholz zum schnitzen oder drechseln verwendet. Außerdem lassen sich schöne Möbel und Instrumente aus seinem Holz herstellen. Für den Außenbereich ist es allerdings nicht geeignet, denn es ist nicht sonderlich witterungsfest. Es würden sich schnell Pilze im Holz ausbreiten. Ganz besonders wertvoll ist ein sogenannter Riegel-Ahorn. Dieser hat einen welligen Faserverlauf und ist äußerst selten. Deshalb findet man ihn oft in teuren Produkten wie Musikinstrumenten oder zum Beispiel in Luxusyachten.

Solche Informationstafeln findet Ihr auf dem Silberbornpfad im Nationalpark Hainich.

Neben dem Holz wurde früher aus dem Saft des Berg-Ahorn Zucker hergestellt. Dieser Ahornsirup hatte eine große Bedeutung für die Versorgung von Soldaten während Kriegszeiten. Und nicht nur wir Menschen, sondern auch Tiere wie Vögel oder Ameisen nutzen den Ahornsirup gerne als Nahrungsquelle. 

Wusstest Du schon…?
Um 1 Kilogramm Zucker herzustellen benötigt man 100 Liter Baumsaft.

Wie geht es dem Berg-Ahorn?

Anhand solcher Grafiken lässt sich ableiten wie es um die Zukunft einer Baumart steht.

Glücklicherweise sind am Berg-Ahorn noch keine Komplexkrankheiten aufgetreten wie etwa bei der Eiche. Ahorne sind generell aber relativ anfällig gegenüber Pilzbefall. Vielleicht sind Euch schon mal schwarze Flecken auf den Blättern des Ahorns aufgefallen. Das ist die sogenannte Teerfleckenkrankheit. Sie ist zwar sehr auffällig, aber schädigt den Baum eigentlich nicht. 

Wir finden, der Berg-Ahorn ist ein sehr vielseitiger Baum mit ganz unterschiedlichen Facetten. Auch im Klimawandel wird er höchstwahrscheinlich eine Zukunft haben. Nach aktuellen Erkenntnissen und Prognosen ist der Berg-Ahorn ausreichend anpassungsfähig, um auf den Temperaturanstieg und der geringere Niederschläge reagieren zu können. Wir hoffen, Euch hat der Artikel gut gefallen und würden gerne wissen über welchen Baum Ihr beim nächsten Mal mehr erfahren wollt? Schreibt es in die Kommentare!

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Unsere Bäume – Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) https://forsterklaert.de/kastanie https://forsterklaert.de/kastanie#comments Sun, 09 May 2021 15:59:57 +0000 https://forsterklaert.de/?p=2105 Freut Euch schon mal, denn bald beeindruckt sie uns wieder mit einem weißen Blütenmeer. Und im Herbst basteln die Kinder wieder Figuren aus den Früchten. Ihr könnt es Euch bestimmt denken, heute geht es um die Kastanie!

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Freut Euch schon mal, denn bald beeindruckt sie uns wieder mit einem weißen Blütenmeer. Und im Herbst basteln die Kinder wieder Figuren aus den Früchten. Ihr könnt es Euch bestimmt denken, heute geht es um die Kastanie!

Vom Balkan bis nach Westeuropa – die Verbreitung der Rosskastanie

Mit ihren cremeweißen Blüten erregt die Kastanie Aufmerksamkeit.

Ihren Ursprung hat die Rosskastanie (wissenschaftlicher Name Aesculus hippocastanum) in den Bergwäldern des Balkans, in Nordgriechenland und Kleinasien. Dort wächst sie auf nährstoffreichen Sand- und Lehmböden. 

Im 16. Jahrhundert wurde sie dann in Westeuropa wieder eingebracht. Zum einen von den Osmanen, die damals die Kastaniensamen als Pferdeheilmittel verwendeten, zum anderen durch den Botaniker Carolus Clusius, der sie erstmals in Wien anpflanzte.

Wusstest du schon…? 
Ob Früchte, Knospen oder Wurzel, die Kastanie wird schon seit über 400 Jahren als Heilpflanze verwendet. Die Früchte enthalten zum Beispiel Aescin. Dieses Extrakt stellt die Basis für diverse Heilmittel dar, da es durchblutungsfördernd und abschwellend wirkt. Speziell für Venenerkrankungen wird es eingesetzt. Auch die Knospen werden z.B. in Sonnencremes oder anderen Kosmetika verwendet. 

Schon seit Ludwig XIV. sind Kastanien besonders als Zier-, Park- und Straßenbaum nicht mehr wegzudenken. Doch durch den Klimawandel ist auch diese Art durch Insekten und Parasiten gefährdet.

Kurz und knapp: die Erkennungsmerkmale der Kastanie

So sehen die fingerförmigen Blätter der Kastanie aus. Der Blattrand wird als „einfach oder doppelt gesägt“ bezeichnet – Ihr erkennt, warum.

Am schnellsten erkennt Ihr die Kastanie an ihren fingerförmigen Blättern. Meistens sind 5-7 davon an einem Blattstiel. Schon bald, Mai bis Juni, könnt ihr die cremeweißen Blüten bewundern. Bis September reifen dann die Früchte, auch einfach Kastanien genannt, in stacheligen Kapseln. Diese platzen auf und die Früchte fallen zu Boden. Jeder und jede von uns kennt die glänzend braunen Samen mit dem weißen Fleck, die von vielen gerne aufgesammelt werden. Der weiße Fleck ist übrigens der Nabelfleck, also der Punkt, an dem die Frucht mit der Kapsel verbunden war. Falls Eure Finger geklebt haben, nachdem Ihr Euch die Kastanie genauer angeguckt habt, liegt das an den Endknospen (die Knospen am Ende der Triebe/Äste). Diese Knospen sind sehr groß, rotbraun und bilden Harz aus, was dann an Euren Fingern klebt.

Wusstest Du schon…? 
Besonders interessant ist die “Ampelanlage“ der Blüten der Rosskastanien. Die obersten beiden Kronblätter weisen einen Farbfleck auf, das sogenannte Saftmal. Dieses Mal färbt sich gelb oder rot und sendet damit eindeutige Signale an die Insekten. Das Gelb lockt an, die Blüte ist bestäubungsbereit und es ist noch genügend Nektar vorhanden. Ist der Nektar jedoch aufgebraucht, wird das Saftmal rot. Das ist für die Insekten nicht mehr attraktiv und sie wissen, dass der Anflug sich nicht lohnt.

Erzähl mir nichts vom Pferd!

Im Gegensatz zu den Maronen sind Kastanien ungenießbar und für uns Menschen sogar schwach giftig. Für verschiedene Tiere bieten sie dagegen wertvolle Nahrung. Sie sind reich an Stärke, ähnlich wie die Kartoffel. Früher wurden die Samen den Pferden als Heilmittel gefüttert, woher unter anderem auch der Beiname “Ross“ stammt.

Sammelt die Kastanien nicht für Euren Verzehr! Für Eure Tiere vielleicht schon.

Weiß nicht genau wohin sie will: das besondere Wuchsverhalten der Kastanie

Der graubraune Stamm der Kastanie weist eine grobe Schuppenborke und bei genauerem Hinsehen auffallenden Drehwuchs auf. Drehwuchs bedeutet, dass die Holzstrukturen längs des Stammes nicht genau senkrecht orientiert, sondern verdreht sind. Durch diese Eigenschaft wird die Verarbeitung erheblich beeinträchtigt. Bis jetzt ist noch nicht geklärt woher dieses Wuchsverhalten, bei fast 90 % der Kastanien, stammt. 

Das Holz der Rosskastanie ist gelblich gefärbt. Es eignet sich nicht besonders gut als Bauholz, da es sehr weich und wenig dauerhaft ist. Beliebt ist das Holz jedoch als Ziergehölz für z.B. Klavierbauteile oder Spielzeuge. 

Im Vergleich zu anderen Baumarten hat die Kastanie eher eine untergeordnete Rolle im Wald. Da aber ihre nahrhaften Früchte im Herbst gerne von Damwild und Wildschweinen aufgesucht werden, pflanzen Förster:innen Rosskastanien teilweise in Mischwäldern an. 

Paradies für Kinder (und auch einige Erwachsene): Kastanien sammeln und Figürchen basteln.

Der Biergartenbaum

Fast jede:r kennt den eindrucksvollen Anblick der RK in Biergärten. Zunächst hatte diese jedoch weniger mit der Biertrinkerei an sich zu tun. Früher bepflanzte man die Keller zusätzlich noch mit Bäumen, damit das gelagerte Bier über den gesamten Sommer für die Kunden frisch und kühl gehalten werden konnte. Dabei wurde oft die RK verwendet, da diese mit ihrer wolkigen Kronenstruktur viel Schatten spendet und mit flach liegenden Wurzeln Feuchte gut im Boden halten kann. Daraus entwickelte sich später der Direktverkauf und dann die heutigen Biergärten mit den schattenspendenden Kastanien. 

Kastanie in Gefahr!

Bis vor einigen Jahren galt die Rosskastanie als eine kaum schädlingsanfällige und robuste Baumart. Jedoch beobachtet man immer häufiger unter unseren klassischen Straßenbäumen kranke und sogar abgestorbene  Exemplare…

Die harzig-klebrige Knospe der Kastanie.

Seit den 90er Jahren befällt die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) die Bäume in Deutschland. Diese 3 mm große Motte legt zur Blütezeit bis zu 100 Eier auf den Blättern ab. Die geschlüpften Larven bohren sich in die Blätter und fressen Gänge durch das Gewebe und verpuppen sich dort. Die befallenen Blätter fallen meist durch die Schädigungen im Hochsommer ab und verwelken. Da die Larven im Laub überwintern, kann jeder von uns zum Schutz das Laub rechen und ordnungsgemäß entsorgen, um so der Vermehrung entgegenzuwirken! 

Des Weiteren ist seit 2007 das “Rosskastanien-Sterben” durch das Bakterium Pseudomonas syringae hinzugekommen. Das Bakterium sorgt nicht nur für eine Schwächung des Baumes, wie bei der Miniermotte, sondern er stirbt sogar häufig komplett ab bzw. muss aus Sicherheitsgründen gefällt werden!  Bei einem Befall treten zuerst schwarze Stellen am Stamm auf, der Baum blutet. Die dabei entstandenen Eintrittspforten werden von Pilzen besiedelt, was dann erst zur wirklichen Zerstörung des Holzaufbaus führt. Äußerlich sind senkrecht verlaufende Risse im Holz zu sehen und meist sterben zu Beginn einzelne Äste oder Teile der Krone ab. Grund dafür ist Nährstoff- und Wassermangel sowie die unterbrochene Versorgung  ab.

Im Herbst platzen die Kapseln auf und die Früchte fallen heraus.

Nun werden heute eher seltener Kastanien gepflanzt und zudem auch kranke Bäume aus Sicherheitsgründen für den Straßenverkehr immer öfter gefällt.  Ihr einst prachtvolles Erscheinungsbild und auch der starke Kühlungseffekt des Blätterdaches,  werden durch die extremen, klimatischen Veränderungen stark beeinträchtigt. Es ist abzuwarten wie sich ihre Anfälligkeit gegenüber Abgasen, Trockenheit und Hitze weiter entwickelt.

Tipp für den nächsten Waldspaziergang?

Ein Mythos besagt, dass man immer drei Kastanien in der Tasche haben soll, um vor rheumatischen Krankheiten und Gicht geschützt zu sein.  Den Tipp könnt Ihr ja vielleicht bei der nächsten Waldwanderung mal ausprobieren, wenn die Füße anschwellen!

Quellen

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/die-rosskastanie#c95002
https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/die-rosskastanie-aesculus-hippocastanum
https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/boden-klima/dateien/w48_biologie_und_oekologie_der_rosskastanie_gesch.pdf
https://www.galk.de/startseite/komplexerkrankung-der-rosskastanien
https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Wetterextreme-und-Krankheiten-Kastanien-leiden-,kastanien164.html
https://mluk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Bakterielles-Rosskastaniensterben.pdf

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