Ein großer, bärtiger Mann mit Hut und grünem Lodenmantel steht mit Dackel und Büchse im Wald – das ist das Bild, das vermutlich den meisten als Erstes in den Sinn kommt, wenn man(n) an einen Förster denkt. Forstliche Berufe waren lange Zeit komplett den Männern vorbehalten und auch heute noch ist die Forstwirtschaft eine deutlich männerdominierte Branche. Dieser Artikel soll über den steinigen Weg der Frauen in der Forstwelt und den aktuellen Stand informieren, über Herausforderungen von Försterinnen und Forstwirtinnen aufklären, aber auch Lösungen und Perspektiven aufzeigen.

Forstfrauen – zum Pflanzen okay, aber doch bitte nicht im Hörsaal
Historisch gesehen sind Frauen schon immer im Wald zu finden und haben dort wichtige Jobs übernommen. In der Geschichte waren es meist die Frauen, die Beeren, Kräuter und Laubstreu beispielsweise als Einstreu für Tiere mit nach Hause brachten. Außerdem waren Frauen oft zuständig für das Sammeln von Brennholz, das der ganzen Familie in den harten Wintern das Überleben sicherte.
Der erste bezahlte Job, den Frauen im Wald übernahmen, war der der Kulturfrauen. Sie arbeiteten oft in den Pflanzgärten der Baumschulen oder pflanzten und pflegten Aufforstungen. Das war schwere körperliche Arbeit, die schlecht entlohnt und vollkommen fremdbestimmt war (By the way: alle, die schon mal als Saisonarbeiter:innen in einem Pflanztrupp im Wald mitgearbeitet haben, wissen, dass das ein knochenharter Job sein kann – also von wegen schwächeres Geschlecht!). Die Bedeutung der Kulturfrauen wurde besonders nach dem Ende des 2. Weltkrieges deutlich, als sie als „Trümmerfrauen des Waldes“ riesige kahle Flächen wieder aufforsteten. Nach dem Krieg wurden große Mengen an Holz geschlagen, das zum Wiederaufbau oder als Teil der Reparationszahlungen benötigt wurde. Im Anschluss waren es Frauen, die einen großen Teil der heutigen Wälder wieder begründeten.
Kulturfrauen ja, ABER
Im Forstdienst hingegen waren zu dieser Zeit keine Frauen zu finden – aus dem einfachen Grund, dass diese nicht erwünscht waren. Vor dem 2. Weltkrieg war ein abgeleisteter Militärdienst die Voraussetzung, um Förster zu werden, wodurch Frauen grundsätzlich ausgeschlossen wurden. Obwohl es diese Regelung nach dem Krieg nicht mehr gab, wurde dann ein amtsärztliches Zeugnis gefordert, durch das Frauen (wer hätte es gedacht) wieder systematisch benachteiligt wurden, indem zum Beispiel eine Mindestkörpergröße gefordert wurde.
In Deutschland hat sich die allererste Frau im Jahr 1934 in den Studiengang Forstwissenschaften eingeschrieben. Aber erst viel später, in den 1970er Jahren, war es dann so weit, dass mehrere Frauen an unterschiedlichen Universitäten in Deutschland in forstlichen Studiengängen eingeschrieben waren. Zu dieser Zeit war es Frauen außerdem erstmals möglich, als Försterinnen oder in Führungspositionen zu arbeiten.
Wusstest Du schon…?
Wer lieber zuhört statt selbst zu lesen kann sich die sehr gute Folge des sehr guten Podcasts „Wie man aus dem Wald ruft“ von Forst erklärt mit Maren und Gesa, die unter anderem von ihren Erfahrungen als junge Frauen im Forst berichten, anhören – zu finden ist die WMADWR-Folge #14 auf allen gängigen Podcastplattformen, wie z.B. hier auf Spotify.
Wie ist die Lage für Frauen im Forst heute?
Der kurze geschichtliche Abriss zeigt deutlich, wie schwer der Weg von Frauen in der Forstwirtschaft war. Seit gut 50 Jahren arbeiten Frauen in Deutschland also im Forst und trotzdem liegt ihr Anteil in den Landesforstverwaltungen im Durchschnitt bei lediglich 9 %. In der DDR gab es mehr lohnarbeitende Frauen. Die Gleichstellung war dadurch schon früher weiter fortgeschritten als im Westen, weshalb die Anteile in den neuen Bundesländern häufig höher sind.
Ein paar aktuelle Zahlen zur Frauenquote in verschiedenen Positionen im Forstsektor liefert eine repräsentative Untersuchung aus Bayern. Die beiden Projekte „Fem4Forest“ und „Fem2Forest“ sind EU-kofinanzierte Projekte der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft als eine von 15 Partnerorganisationen aus zehn Ländern des Donauraumes. Die Forschungs- und Innovationsprojekte beschäftigen sich mit den Themen Wald in Frauenhand und der Einbindung von jungen Frauen in den Forstsektor. Die Umsetzung und die daraus resultierenden Ergebnisse und Publikationen liefern sehr wertvolle, aktuelle Informationen rund um das Thema Frauen im Forst in Bayern und Mitteleuropa.
Aktuelle Zahlen belegen: Die Forstbranche bleibt männerdominiert
Im Rahmen des EU-Projekts „Fem2Forest“ wurde zum Beispiel untersucht, wie der Frauenanteil in der bayerischen Forstwirtschaft dauerhaft erhöht werden kann, wobei auch Zahlen erhoben wurden. Der Anteil von Absolventinnen des Ausbildungsberufs Forstwirt:in liegt in Bayern bei 2-3 %. Der Anteil an weiblichen Studentinnen in den Bachelor- und Masterstudiengängen ist im Gegensatz dazu schon deutlich höher und liegt bei rund 30 %. Interessant ist allerdings, dass im Anwärterjahr bzw. im Referendariat die Quote dann wieder nur noch bei 28 % bzw. 25 % liegt. Es ist also nicht nur eine gefühlte Wahrheit, sondern durch Untersuchungen wie diese wissenschaftlich belegt, dass die Forstbranche nach wie vor ein eher konservatives, männerdominiertes Umfeld ist.
Wusstest Du schon…?
Der Frauenanteil des Forst erklärt-Teams liegt mittlerweile bei knapp 60 % und entspricht damit so gar nicht einer branchenüblichen Verteilung. Forst erklärt ist also ein schlechtes Beispiel zum Stützen der Statistiken, aber wohl das beste Beispiel überhaupt, dass Frauen, auch und gerade in einem männlich dominierten Umfeld, nicht fehl am Platz sind. Im Gegenteil, das Team profitiert von der Diversität und den unterschiedlichen Sichtweisen.
Herausforderungen von Frauen in forstlichen Berufen
Die geringen Frauenanteile und die damit einhergehende Unterrepräsentation sind aber nicht die einzigen Herausforderungen, denen Frauen im Forstsektor begegnen. Auch einige Stereotype und Vorurteile halten sich immer noch hartnäckig. Frauen seien ja schwach und einfach nicht geeignet für einen “Männerberuf” wie diesen. Dadurch wird Frauen ihre Kompetenz abgesprochen und sie werden anders behandelt als ihre männlichen Kollegen. Auch heutzutage werden gerade junge Frauen oftmals nicht ernst genommen oder auf Äußerlichkeiten reduziert.
Und ja, leider fallen auch im Jahr 2026 noch viel mehr diskriminierende und sexistische Kommentare als man denkt. Oft kommen da Sprüche, die klar machen, dass einem die Arbeit nicht zugetraut wird oder die auf Äußerlichkeiten bezogen sind. Meistens kommen diese Kommentare allerdings von Außenstehenden wie z.B. Waldbesitzern oder Jagdpächtern, und sind mittlerweile glücklicherweise eher Einzelfälle und nicht mehr die Norm. Trotzdem sind ein dickes Fell und eine gewisse Portion Schlagfertigkeit Eigenschaften, die Frauen im Forst nach wie vor zugutekommen – zum Beispiel, wenn einem doch mal Fragen gestellt werden wie: „Ja Mädel, wann kommt denn jetzt eigentlich mal der richtige Förster?“.
Innerhalb der Branche, unter Kolleg:innen und im Arbeitsalltag ist der Umgang meist sehr wertschätzend und auf Augenhöhe. Trotzdem gibt es diese Problematik durch eine jahrzehntelange Internalisierung auf jeden Fall noch. So ist es leider für Frauen durch veraltete Rollenbilder und Strukturen immer noch schwieriger, z.B. Führungspositionen zu erreichen oder überhaupt ernst genommen zu werden.
Vereinbarkeit von Waldberufen und Familie
Eine weitere geschlechtsspezifische Herausforderung ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die in der Realität nach wie vor oft sehr schwierig ist. Schade ist, dass das oft zu einem Problem der Frauen gemacht wird, statt anzuerkennen, dass es sich hierbei um ein strukturelles, gesellschaftliches Problem handelt.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist heutzutage immer noch ein Punkt, der viele Frauen in Forstberufen beschäftigt. Dabei könnte das gerade im Forst eigentlich richtig gut funktionieren. Bei den meisten Forstberufen gibt es nämlich Gleitzeitmodelle, bei denen viel Homeoffice möglich ist, was die Organisation vom Familienalltag schon erleichtern kann. Jobsharing, ein Konzept, bei dem sich zwei Personen eine Stelle teilen, ist ebenfalls eine Möglichkeit, die sich vor allem für Revierleitungspositionen hervorragend anbietet. Und sind wir mal ehrlich, wenn es wirklich mal brennt, kann man Kinder doch auch gut mal mit in den Wald nehmen – auf alle Fälle besser als in ein Großraumbüro!
Mehr Girl Power für die Forstwirtschaft!
Diversität am Arbeitsplatz bringt viele Vorteile mit sich – das gilt natürlich auch, oder sogar ganz besonders, in der Forstwirtschaft. Frauen in männerdominierten Arbeitsfeldern bringen nämlich nicht nur neue Blickwinkel, Denkweisen und Ideen, sondern auch Kreativität und andere Talente mit. Davon können nicht nur die Forstbetriebe und Verwaltungen profitieren, sondern natürlich auch der Wald und die Natur.
Wie kann man also den Frauenanteil im Forst steigern? Das erfordert ein Umdenken und zielsichere Maßnahmen, um Forstberufe für junge Frauen attraktiver zu machen. Es braucht zum Beispiel mehr Ansätze für flexible Arbeitsmodelle. Was außerdem wichtig ist, ist die Sichtbarkeit von Försterinnen und Forstwirtinnen zu steigern, denn es braucht weibliche Vorbilder, um mehr Frauen auf die Berufe aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass es eben kein „Männerjob“ ist. Bei der erfolgreichen Umsetzung von Maßnahmen für Gleichstellung ist es superwichtig, dass männliche Kollegen in Initiativen und Programmen beteiligt sind. Schließlich wollen wir am Ende ja gemeinsam im und für den Wald arbeiten.
Frauen, Vernetzt Euch!
Ein weiterer Tipp für alle Forstfrauen, und die, die es werden wollen, ist Vernetzung und ein regelmäßiger Austausch untereinander. Dafür gibt es zum Beispiel in Bayern bereits einige Angebote und Initiativen, wie ein Mentoring-Programm für Studentinnen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf oder ein überregionales, mehrtägiges Treffen von Frauen in Forstberufen, mit wechselnden fachlichen Schwerpunkten und Veranstaltungsorten. In Göttingen in Niedersachsen gibt es beispielsweise jeden zweiten Mittwoch im Monat an der HAWK den Forstfrauenstammtisch. Erkundige Dich doch mal, ob es auch in Deiner Nähe spannende Angebote zur Vernetzung unter Forstfrauen gibt!
Wusstest Du schon…?
Wenn Du noch mehr über Försterinnen und Frauen in der Forstwirtschaft wissen willst, dann schau gerne auf der Seite des Vereins Frauen im Forstbereich e.V. vorbei. Das ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen in der deutschen Forst- und Holzwirtschaft zu vernetzen. Sie informieren auf Instagram regelmäßig über Veranstaltungen, internationale Verbindungen und alles, was Frauen im Forst bewegt. Mit Christiane, der 1. Vorsitzenden vom Verein Frauen im Forst gibt es bei Forst erklärt ein spannendes Interview, schaut auch hier gerne mal rein!
Warum Försterin der beste Job der Welt ist
Dieser Artikel berichtet über die Geschichte von Forstfrauen und klärt über die Herausforderungen für Frauen in der Männerdomäne Forstwirtschaft auf. Leider wird auch deutlich, dass man sich als Frau nach wie vor oft beweisen muss und es für Frauen in der Branche schwierig sein kann. Daran wollen und müssen wir etwas ändern. Das geht in erster Linie durch mehr Frauen im Forst. Und das sollte kein Problem sein, denn Försterin ist ja wohl der beste Beruf überhaupt!
Försterin zu sein ist ein abwechslungsreicher Job mit vielen Facetten und dem Wald als den wohl schönsten Arbeitsplatz der Welt. Die Arbeit draußen in der Natur ist eine sinnstiftende Tätigkeit, bei der man etwas bewegen kann, und bei viel Verantwortung auch sehr viel Freiheit und Flexibilität im Arbeitsalltag hat.
Wie erlebt Ihr das Frauenbild in der Forstwirtschaft? Berichtet uns gerne in den Kommentaren!
Quellen:
https://www.bdf-online.de/aktuelles/news/steigender-anteil-von-frauen-in-den-forstberufen
https://www.lwf.bayern.de/fem4forest
Wagner, L.; Skiba, A.; Böhling, K. (2026): Forstberuf im Wandel. LWF aktuell 156, S. 4 – 8
Meier, A.-M. (2018): Geschlechterverhältnisse im Forstbereich. AFZ-Der Wald 1/2018, S. 46f




