Wer schon einmal in einem richtig steilen Hang stand, weiß: Schon das Hinaufgehen bringt den Puls hoch. Und jetzt stelle man sich vor, man soll hier mehrere Tonnen schwere Baumstämme sicher ins Tal oder auf einen Forstweg bringen… Willkommen in der Welt der Holzbringung im Steilgelände! Während im Flachland schwere Maschinen fast wie auf einer asphaltierten Straße arbeiten können, gelten am Hang andere Regeln: Schwerkraft und Sicherheit bestimmen hier die Technik. Manchmal reicht ein Traktor mit Seilwinde, manchmal braucht es aber auch Hightech-Seilkräne oder sogar Hubschrauber. Warum man Holz am Hang lieber nach oben zieht als nach unten rollen lässt, weshalb ein Seilkran eben kein Skilift ist – und was passiert, wenn selbst Seile nicht mehr reichen – genau das schauen wir uns jetzt an!

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Einsatz des Seilkran – wenn das Gelände zu steil wird 

Um Euch das Ganze etwas bildhafter zu erklären, begleiten wir heute unsere imaginäre Maschinenführerin Carla, die unseren Seilkran bedient!

Sobald das Gelände mehr als etwa 50 % Hangneigung hat, können Forstmaschinen es nicht mehr befahren. In diesen Fällen kann ein Seilkran zum Einsatz kommen. 

Voraussetzung für den Seilkraneinsatz ist ein befahrbarer Weg oberhalb oder unterhalb des Waldstückes, in dem die Arbeiten stattfinden sollen, um den Seilkran auf diesem aufzubauen. Die Verwendung von Seilkränen ist eine der technisch anspruchsvollsten und kostenintensivsten Holzbringungsmethoden, weshalb eine genaue Planung notwendig ist. 

Bevor Carla also mit ihrer Arbeit loslegen kann, muss sie sich das Waldstück genau anschauen, um die Trassenführung und Aufstellung des Seilkrans festzulegen. 

Wusstest Du schon…?
Was bedeutet eigentlich 50 % Hangneigung? Die Prozentangabe beschreibt das Verhältnis von Höhenunterschied zur waagerechten Strecke. 50 % Hangneigung bedeutet: Auf 100 Meter waagerechter Strecke steigt das Gelände um 50 Meter an. Das entspricht einem Winkel von etwa 27°. 
Zum Vergleich: Eine normale Treppe hat etwa 30-35°. Viele Skipisten liegen zwischen 25 und 35°. Ab etwa 50 % Hangneigung wird es für Forstmaschinen kritisch. 

Seilkraneinsatz in Kärnten 

Den Seilkran sicher aufbauen

Stellt Euch vor, Ihr steht mit Carla, unserer Seilkrahnfahrerin, an einem steilen Hang. Von hier aus spannt sie ein dickes Stahlseil quer über den Hang – das sogenannte Tragseil. Eine Winde hält es gespannt, denn ohne ordentlich Spannung läuft hier gar nichts! Am anderen Ende der Strecke steht der Endmast. Er markiert das Ende der Trasse, also der Linie, über die später das Holz transportiert wird. Carla sucht diesen Punkt möglichst hoch im Gelände aus, denn dann können die Stämme später besser vom Boden abgehoben werden. 

Je nach Gelände und Länge der Trasse kann es sein, dass das Seil in der Mitte zu stark durchhängt. In solchen Fällen baut Carla zusätzliche Stützen ein, diese nennt man auch Sättel. Sie halten das Tragseil höher über dem Boden. Besonders bei längeren Trassen, meist ab etwa 200 Metern, kommen solche Sättel häufig zum Einsatz. 

Die Schwerkraft hilft

Auf dem gespannten Tragseil fährt der Laufwagen. Er hängt auf Rollen am Seil und transportiert später die Stämme. Die Schwerkraft hilft dabei mit: Der Laufwagen rollt von selbst hangabwärts. Hier liegt auch der Unterschied zum Skilift: Beim Skilift bewegt sich das Seil, wohingegen beim Seilkran das Tragseil fest gespannt ist und sich der Laufwagen auf diesem bewegt. 

Damit das Holz später wieder nach oben zum Weg kommt, nutzt Carla ein weiteres Seil – das Zugseil. Damit zieht der Seilkran den Laufwagen, an dem die Stämme hängen, wieder bergauf. Das Holz wird dabei meist aus einer seitlichen Entfernung von etwa 20 bis 40 Metern zum Seil gezogen. So kann eine einzige Trasse einen Bereich von bis zu 80 Metern Breite abdecken! 

Ist eine Trasse fertig bearbeitet, wird der ganze Seilkran abgebaut und an der nächsten Stelle wieder aufgebaut. Carla muss zudem die ganze Konstruktion in mehrere Richtungen mit Seilen abspannen, damit sie auch sicher stehen bleibt. Wir wollen ja nicht, dass sich der Seilkran oder Endmast neigt oder sogar umfällt. Ihr seht schon, so ein Seilkranaufbau ist ganz schön aufwendig! 

Kein passender Baum? Dann übernimmt ein Endmastbagger die Aufgabe des Endmasts.

Wusstest Du schon…?
Als Trasse bezeichnet man die gedachte Linie, entlang derer das Tragseil eines Seilkrans verläuft. Sie ist also nicht einfach nur “irgendein Seil im Wald”, sondern eine genau geplante Transportachse. 

Die Lage der Trasse entscheidet darüber: 

  • wie viel Holz von einem Standort des Seilkrans aus gerückt werden kann 
  • aus welcher Entfernung seitlich Holz zur Seillinie gezogen werden kann (meist 20-40 Meter je Seite) 
  • wie viele Stützpunkte (“Sättel”) nötig sind 
  • und wie wirtschaftlich der Einsatz insgesamt wird

Je länger die Trasse, desto größer sind die Spannkräfte im Seil und desto stabiler müssen Endmast und Abspannungen gebaut sein. 

Kurz-, Mittel- und Langstreckenseilkrane 

Seilkräne werden häufig nach der Länge ihrer Trasse unterschieden. Man unterscheidet dabei zwischen Kurz-, Mittel- und Langstreckenseilkränen:

  • Kurzstreckenseilkräne arbeiten auf Trassen bis etwa 200 Meter. 
  • Mittelstreckenseilkräne erreichen Entfernungen von bis zu 400 Metern. 
  • Langstreckenseilkräne können Holz über Strecken von bis zu 1000 Metern transportieren. 

Es gibt Seilkräne sowohl als Anbaugeräte für Schlepper als auch als eigenständige Maschinen, beispielsweise Gebirgsharvester. Dieser ist meistens eine auf einem LKW aufgebaute eigenständige Arbeitsmaschine, die aus einem Seilkran mit einem Prozessor besteht. Ein Prozessor ist ähnlich einem Harvesteraggregat mit dem Unterschied, dass Letzteres die Bäume ebenfalls fällt, während ein Prozessor lediglich die Entlastung und Einschneidung in die einzelnen Stammabschnitte übernimmt. 

Wird die Trasse noch länger, kommen sogenannte Seilbahnen zum Einsatz. Diese werden meist im hochalpinen Gelände verwendet und sind an beiden Enden fest verankert. Da ihr Aufbau aufwendig ist, bleiben sie oft länger an einem Standort und werden nur in besonderen Situationen eingesetzt. 

Gebirgsharvester im Schwarzwald: Hier übernimmt die Maschine das Entasten und Einschneiden der Stämme direkt am Seilkranstandort. 

Das Standardverfahren: Bergaufbringung mit dem Seilkran

Jetzt geht es ans Eingemachte! Wie läuft das Ganze genau ab? Wie bringt Carla die Stämme aus dem Bestand

Im einfachsten Fall steht der Seilkran auf einem Weg oberhalb des Waldstücks, in dem die Fällungen durchgeführt werden. Das ist die häufigste, einfachste und sicherste Seilkranbringung. 

Carlas Team, die Forstwirt:innen, fällen die Bäume im Bestand mit der Motorsäge. Anschließend befestigen sie sogenannte Chokerketten um die Stämme. Diese hängen am Zugseil des Seilkrans. Sobald alles eingehängt ist, geben sie Carla ein Signal und der Laufwagen fährt in Richtung Seilkran und zieht dabei die Stämme den Hang hinauf zur Maschine. 

Steht am Weg ein Gebirgsharvester, übernimmt dessen Kran die Stämme direkt vom Laufwagen. Ein Prozessor entastet sie und schneidet sie in die gewünschten Stammabschnitte. Danach zieht ein Forstspezialschlepper die Stämme noch ein Stück weiter und stapelt sie ordentlich am Wegrand. 

Ist ein Arbeitsgang abgeschlossen, rollt der Laufwagen durch die Schwerkraft von selbst wieder zurück in den Bestand. Carla muss ihn also nicht aktiv nach unten fahren lassen, der Hang erledigt das für sie. 

Die Bergaufbringung ist das Standard-Seilkranverfahren. Es ist das organisatorisch einfachste und sicherste Verfahren mit dem Seilkran.

Seilkranbringung bergab oder in der Ebene 

Manchmal funktioniert dieses System jedoch nicht. Wenn oberhalb des Waldstücks kein Weg vorhanden ist oder der Transport ins Tal sonst zu schwierig wäre, muss Carla den Seilkran unterhalb des Bestandes aufbauen. Dann arbeitet sie mit einer Bergabbringung. 

Das Problem: Die Schwerkraft hilft ihr jetzt nicht mehr. Der Laufwagen rollt nicht von selbst in den Bestand. Deshalb muss Carla ein 3-Seil-System aus Tragseil, Zugseil und Umlaufseil aufbauen. Das Umlaufseil zieht den Laufwagen aktiv vom Tal in den Bestand

Wenn eine Bergaufbringung nicht möglich ist, kann der Seilkran auch talseitig des Hangs aufgebaut werden, um das Holz bergab aus dem Wald zu bringen.

Solche Systeme kommen übrigens nicht nur im Steilhang vor. Auch auf sehr nassen oder weichen Böden kann Carla damit arbeiten, etwa wenn schwere Maschinen den Boden zu stark beschädigen würden oder wenn im Winter der Frost ausbleibt. 

Aus Sicht des Bodenschutzes ist der Seilkran daher oft die beste Lösung. Allerdings ist sein Aufbau aufwendig und teuer. Ob sich der Einsatz lohnt, hängt vor allem davon ab, wie viel Holz entlang einer Trasse anfällt. Je mehr Stämme Carla pro Trasse rücken kann, desto wirtschaftlicher wird das Verfahren. 

Heli-Logging – Bringung aus luftiger Höhe  

Verschiedene Helikoptermodelle können zur Bringung eingesetzt werden.

In ganz besonders abgelegenen Regionen, wie dem nördlichen Kanada oder unbefahrbarem hochalpinen Gelände in der Schweiz, können auch Hubschrauber zur Bringung eingesetzt werden. Da Hubschrauber in den 1970ern erstmals in Nordamerika zur Holzbringung eingesetzt wurden, spricht man auch bei uns vom Heli-Logging. 

Hubschrauber arbeiten hierbei noch bodenschonender als Seilkräne, da auf eine Erschließung durch Wege vollständig verzichtet werden kann. Aufgrund hoher Fix- und Betriebskosten ist die Hubschrauberbergung allerdings ein sehr kostspieliges Verfahren, wobei die Menge des pro Einsatz entfernten Holzes maximiert und die Flugzeit pro Einsatz minimiert werden sollte, um wirtschaftlich zu bleiben.

Die einzusetzenden Hubschrauber werden normalerweise nach der Nutzlast, welche sie heben können, in Schwerlast-, Mittel- oder Leichthelikopter eingeteilt. Schwerlasthubschrauber werden als solche definiert, die eine Außenlast von etwa 7 Tonnen heben können.  

Bringung aus der Luft – Heli-Logging in der Schweiz.

Ähnlich wie beim Seilkranverfahren werden die Bäume mit der Motorsäge gefällt. Mit speziellen Seilen oder Greifsystemen wird das Holz an einem langen Seil an der Unterseite des Hubschraubers befestigt und aus dem Bestand geflogen. An einem nahe gelegenen Ort lädt der Helikopter das Holz ab und es kann durch LKWs oder Züge weitertransportiert werden. 

Am Ende zeigt sich also, dass, was von unten oft nur “nach ein paar Stämmen am Hang” aussieht, in Wirklichkeit millimetergenaue Technikarbeit zwischen Schwerkraft und Sicherheitsabstand ist! 

Quellen:

LWF (2019) LWF Merkblatt 13. Holzernte in steilen Hanglagen. https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/wissenstransfer/bilder/mb-13-2019-holzernte-steile-hanglagen.pdf 

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https://www.fs.usda.gov/forestmanagement/equipment-catalog/helicopter.shtml

Wolff, D. (2021) Holzernteverfahren. Lehrveranstaltung Holzernte. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Steiert, J. (2023) Seilkranplanung. Lehrveranstaltung Hiebsplanung. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Korneck, H. (2023) Seilkrantechnik. Lehrveranstaltung Hiebsplanung. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.