Ein gefällter Baum ist kein Leichtgewicht, ganz im Gegenteil! Ein einziger Festmeter Holz kann je nach Baumart rund eine Tonne auf die Waage bringen. Bei der Waldarbeit hat man es also schnell mit gewaltigen Massen zu tun. Ist ein Baum erstmal gefällt, beginnt die eigentliche Herausforderung: Wie bewegt man diesen schweren Stamm durch unwegsames Gelände aus dem Wald? Vom Holzfällen kommen wir zur Holzbringung.

Um einen gefällten Baum zu bewegen, braucht es spezielle und leistungsstarke Maschinen. Ein paar von diesen und wie sie arbeiten, zeigen wir euch in diesem Artikel und unserem neuen Video! 

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Holzbringung – Wie kommt das Holz an den Waldweg? 

Sicherlich habt Ihr schon mal bei einem Waldspaziergang einen großen Stapel Stämme aufgeschichtet am Wegesrand liegen sehen. Bei solchen Haufen sprechen Förster:innen von Poltern. In solchen Poltern wird das Holz zwischengelagert, bis ein LKW es abholt und  zu z.B. einem Sägewerk transportiert. Doch wie kommt das Holz überhaupt aus dem Wald auf den Weg? 

Oft werden Holzstämme in sogenannten Poltern am Wegesrand zwischengelagert, bis sie weiter zum Sägewerk transportiert werden.

In früheren Zeiten brachte man das Holz nach der Fällung mit Pferden oder Flößen aus dem Wald. Während man die Flößerei nicht mehr praktiziert, werden heutzutage aber immer noch Pferde zur Rückung eingesetzt, vor allem bei sehr empfindlichen Böden. 

Mittlerweile ist die Holzbringung aber meistens ein hochtechnisches Unterfangen, das eine Erschließung des Waldbestandes erfordert. Innerhalb des Waldes legen Förster:innen sogenannte Rückegassen an, um das Holz einfacher aus dem Waldstück transportieren zu können. Diese Rückegassen legen sie meistens in einem Abstand von 20 bis 40 Metern an. Auf den Gassen können die Rückemaschinen fahren, gefällte Stämme einsammeln und aus dem Wald bringen.

Der Forstspezialschlepper ist eine der Standardmaschinen in der modernen Forstwirtschaft.

Der Normalfall in der Holzbringung: Der Forstspezialschlepper 

Die gewöhnlichste Maschine, die Forstwirte in vielen Situationen nutzen, ist der Forstspezialschlepper, der auch Skidder genannt wird. Diese Maschine fährt auf vier Rädern und hat einen angebauten Kran, mit welchem der/die Maschinenführer:in das Holz aus dem Bestand greifen und so an die Waldstraße transportieren kann. Der Kran kann ein Gewicht von bis zu 3 Tonnen heben. Ist der Abstand zwischen den Rückegassen jedoch so groß, dass die Kranreichweite nicht ausreicht, braucht der/die Maschinenführer:in ein Seil, um die Stämme aus dem Bestand zu ziehen. Die Seilwinde, die an einem Forstspezialschlepper eingebaut ist, hat meistens eine Auszugslänge von etwa 100 Metern und kann bis zu 8 Tonnen Gewicht ziehen. Liegen die Stämme also zu weit von der Rückegasse entfernt, zieht der/die Maschinenführer:in die Stämme mit Hilfe des Seils zur Maschine, welche dann die Stämme aus dem Wald fahren kann.

Um die schweren Stämme bewegen zu können, braucht der Skidder festen Halt. Beim Heranziehen eines Stammes wirken enorme Zugkräfte – ohne Gegenstütze könnte die Maschine nach vorne gezogen werden oder an Stabilität verlieren. Deshalb sind die meisten Forstspezialschlepper mit einem sogenannten Rückeschild ausgestattet. Dieses Schild wird vor dem Ziehen in den Waldboden gedrückt. Es wirkt wie ein Anker: Es vergrößert die Standfestigkeit der Maschine und verhindert, dass die durch das Gewicht und die Zugkraft des Stamms verrutscht oder kippt. So kann der Skidder die Last kontrolliert und sicher zu sich heranziehen. Die Seile haben zudem noch eine wichtige Sicherheitsfunktion: Handelt es sich um schwierige Fällungen, kann man das Seil am Baum befestigen und den Baum so aus den Gefahrenbereichen ziehen. So gewährleistet man die Sicherheit der Forstwirt:innen während der Holzernte.  

Ausgestattet mit einem Rückeschild fällt das Poltern leichter.

Der größere Fall in der Holzbringung: Der Tragschlepper 

Eine größere Maschine zur Holzbringung ist der sogenannte Tragschlepper. Den kann man je nach Länge des zu transportierenden Holzes in zwei Kategorien unterscheiden: Forwarder und Klemmbankschlepper. Die Tragschlepper haben dabei meistens sechs bis acht Räder und können mit einer Traktionshilfswinde ausgestattet sein, um auch in steilem Gelände fahren zu können. 

Der Forwarder ist klassischerweise das Fahrzeug, welches auf den Harvestereinsatz folgt. Er transportiert also kürzere Holzabschnitte, die der Harvester vorher in Sortimente einschneidet. Die Maschine hat ähnlich wie der Forstspezialschlepper einen Kran, mit welchem er die einzelnen Stämme greifen kann und “huckepack” in den sogenannten Rungenkorb ablegt. Der Rungenkorb ist dabei die Ladefläche des Forwarders, die von seitlichen, senkrechten Stangen, den sogenannten Rungen, eingefasst wird und das Holz sichert. Anschließend werden die Stämme aus dem Bestand transportiert. Ein Forwarder kann so viele Stämme auf einmal an die Waldstraße transportieren. Die Kombination von Fällung mit Harvester und Holzbringung mit Forwarder ist deshalb eine der kosteneffizientesten und schnellsten Holzfällungs- und Bringungsmethoden. 

So sieht ein Forwarder mit Rungenkorb zum Transport von Kurzholz (und Förster Jonas) aus.

Stämme, die einfach zu groß sind

Werden die Stämme mit der Motorsäge gefällt und nicht im Wald in kürzere Abschnitte eingeschnitten, sondern als ganze Stämme aus dem Wald gebracht, funktioniert der Transport mit dem Forwarder nicht mehr. Die Stämme sind dann zu lang, um in den Rungenkorb zu passen. Hierfür gibt es aber einen einfachen Trick: In vielen Fällen lässt sich ein Forwarder zu einem sogenannten Klemmbankschlepper umbauen. Verfügt er über ein variables Heck, kann man die Rungen einfach abnehmen. Ähnlich wie beim Transport vom Kurzholz fährt der Klemmbankschlepper auf der Rückegasse in den Wald und greift mit dem Kran links und rechts der Gasse nach den gefällten Stämmen, die er dann “auf seinem Rücken” in die Klemmbank legen kann. Da die Stämme unter anderem bis zu 20 Meter lang sein können, wird lediglich das vorderste Stück in die Klemmbank gelegt und der Rest des Stammes wird hinterhergezogen. 

Wird das Gelände steiler oder ist es durch Geländeformen wie Gräben oder Felsen unbefahrbar, kommen Systeme wie Seilkräne oder sogar Helikopter – ja wirklich – zum Einsatz, um das Holz aus dem Wald zu bergen. 

Klemmbankschlepper werden für die Bringung von Langholz eingesetzt. 

Wusstest Du schon…?
Tragschlepper können bis zu einer Neigung des Geländes von etwa 35 % ohne Unterstützung bergauffahren. Wenn eine Winde oder Bänder eingesetzt werden, ist auch der Transport in steilerem Gelände möglich.

Sicherheit bei der Arbeit mit großen Baumstämmen

Da bei der Holzrückung schwere Massen in Bewegung sind, ist es wichtig für den Schutz des/der Maschinenführer:in zu sorgen. Aufgrund dessen haben alle Forstmaschinen eine sogenannte Sicherheitsausstattung. Die Kabine besteht aus bruchsicherem Glas, um vor stürzenden oder splitternden Baumstämmen zu schützen. Des Weiteren ist die Kabine rundum verglast, um eine gute Umsicht zu gewährleisten. Für die Fahrer:innen ist vor allem Komfort wichtig, weshalb die Kabine, vor allem aber der Fahrersitz, vibrationsgedämpft ist. Zudem sind ergonomische Bedienelemente sowie ein rutschsicherer Einstieg in die Fahrerkabine bedeutend, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. 

Bodenschutz trotz Holzbringung mit schweren Maschinen

Wir wollen aber nicht nur die Menschen möglichst gut schützen, sondern auch auf den Boden Rücksicht nehmen. Wenn schwere Maschinen im Einsatz sind, ist Bodenschutz ein wichtiger Aspekt, der berücksichtigt werden muss. Um Bodenverdichtung zu minimieren, fahren Rückefahrzeuge nur auf ausgewiesenen Rückegassen und nicht kreuz und quer durch den Wald. Für die Rückegassen ist es deshalb wichtig, dass sie immer technisch befahrbar bleiben müssen. Das heißt, dass man nur bei trockenen Witterungsverhältnissen oder im Winter, im Optimalfall bei Frost, das Holz aus dem Wald rücken sollte, um Bodenverwundungen zu minimieren. Bei besonders sensiblen Bodentypen können Pferde, Seilkräne oder Helikopter zur Bringung eingesetzt werden. 

Mit Hilfe von neuer, moderner Technik wird versucht, immer bodenschonender zu arbeiten. Mittlerweile kann man fernbedienbare Raupen einsetzen, um Stämme aus dem Wald zu rücken. 

Wusstest Du schon…?
Je mehr Räder die Rückefahrzeuge haben, desto größer ist die Auflagefläche und desto weniger verdichten sie den Boden, da sich der Druck auf mehr Fläche verteilt als bei Maschinen mit weniger Rädern.

Jetzt kennt Ihr das Grundprinzip und die wichtigsten Maschinen, aber natürlich entwickelt sich auch die Forstwirtschaft konstant weiter und immer mehr technische Möglichkeiten finden ihren Weg in den Wald. VR-Brillen sind gar nicht mehr nur zum Zocken da, sondern können beim Auszeichnen zum Einsatz kommen! Kennt Ihr da noch mehr Beispiele? Oder habt Ihr schon mal was gesehen und fragt Euch, wie das funktioniert? Schreibt es in die Kommentare! 

Quellen:

Wolff, D. (2021) Anforderungen an Rückeschlepper und Bauarten. Lehrveranstaltung Forsttechnik II. 10.11.2021. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg 

Wolff, D. (2021) Harvester und Forwarder. Lehrveranstaltung Forsttechnik II. 01.12.2021. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg