Schon seit vielen Jahrhunderten fällen wir Holz in den Wäldern. Doch wie fand das Holz früher seinen Weg ins Tal? Und wie kam es von dort in das Sägewerk, bis wir es letztendlich als Möbelstück, Bauholz, Brennholz oder weitere Produkte kaufen konnten? Ab dem 15. Jahrhundert war die Flößerei ein wichtiges Handwerk zum Holztransport. Stämme sind mühselig den Hang entlang ins Tal gebracht worden. Anschließend gelangten sie über einen Fluss an ihren Zielort. Klingt aufregend? Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel!
Rutsch mir doch den Hang hinunter!
Heute sind meist Maschinen wie Harvester und Forwarder dafür zuständig, die schweren Holzstämme aus dem Wald zu bringen. In Hanglagen, wenn es sehr steil wird, kommen Seilkräne und Hubschrauber zum Einsatz, die das Holz ins Tal befördern. Doch bevor es all diese Erfindungen gab, haben die Menschen auf natürliche Mittel zurückgegriffen. Sie bauten Holzriesen den Hang entlang durch den Wald bis ins Tal. Eine Riese ist eine Erdrinne, welche die Waldarbeiter für sich nutzten und erweiterten, um Stammholz das Tal hinunter rutschen zu lassen. Dabei erreichten die Stämme oft hohe Geschwindigkeiten. Nicht ganz ungefährlich war diese Arbeit. Viele Riesen sahen aus wie eine lange Rutsche. Zusätzlich hat man sie im Winter vereist oder im Sommer geölt, damit der Holzstamm geschmeidig ans Wasser „geriest“ werden konnte.

Wusstest Du schon…?
Größere Holzriesen wurden mit Holz ausgebaut. Dieses Holz war oft ein Drittel des Holzeinschlags. Nachdem alle Stämme das Tal erreicht hatten, wurde die Holzriese von oben beginnend abgebaut und ist ebenfalls ins Tal gerutscht und in das Floß eingebaut worden.
Aber wozu ein Floß bauen? Flößerei macht‘s möglich
Einzelne Stämme, die als Brennholz dienen sollten, hat man bei der Trift (so nannte man diesen Vorgang) den Fluss hinab geschickt. Das bedeutet, dass man sie lose in den Fluss geschmissen und nach wenigen Kilometern wieder herausgezogen und weiterverarbeitet hat.
Stämme, die später als Stammholz verwendet werden sollten, wurden unten im Tal in Poltern gelagert. Ein Polter ist ein Holzlagerplatz, wo die Stämme gelagert werden, bis sie nach der Holzernte zu einem Floß zusammengebaut wurden. Mit Wieden wurde das Floß zusammengebaut. Wieden sind Zweige aus Weide oder Haselnuss, aber auch Fichte oder Tanne. Weicht man sie im Wasser ein, kann man sie als Zurrmaterial verwenden und so die einzelnen Stämme für das Floß miteinander verbinden. Habt Ihr schon einmal etwas aus Zweigen gebastelt? Die Zweige der Korbweide dienen bis heute zum Flechten von Körben. Mehr über die Weide erfahrt Ihr in diesem Artikel.
Mithilfe von Wasser und viel Körpereinsatz hat man das Holz so auf Flüssen zum Zielort geliefert. Die Floßmeister, auch Schiffer genannt, und Floßknechte legten mit dem Floß teils tausende Kilometer zurück und sind anschließend auf einem langen Heimweg zu ihrem Heimatort zurückgelaufen. Während die Floßmeister beruflich als Holz- oder auch Steinhändler aktiv waren, waren die Floßknechte ihre Bediensteten, die für den Bau des Floßes eingestellt wurden.

Bis nach Holland und um die Welt
Holland spielte in der Forstwirtschaft im 17.-19. Jahrhundert eine tragende Rolle. Das eher ressourcenarme Land benötigte große Holzmengen. Für seine zahlreichen Handels- und Kriegsflotten, aber auch für den Hafen- und Städtebau war es auf Nadelholz und Eiche aus anderen Ländern angewiesen. Dicke, lange Fichten- und Tannenstämme nannte man deshalb sogar „Holländer“. Sie brauchten eine Länge von mindestens 30 m und am dünnen Ende einen Durchmesser von 40 cm. Bis heute stehen Teile Hollands auf sogenannten Rammpfählen. Rammpfähle wurden tief in den weichen Boden gerammt und dienten als Fundament für Gebäude. Bei Neubauten verwendet man mittlerweile Betonpfähle anstelle der Holzpfähle.
Durch den Rhein war Holland perfekt an Deutschland und die Schweiz mit den hohen Holzvorräten angebunden. So wurden die meisten Flöße in dieser Zeit aus dem Schwarzwald, dem Frankenwald und den Schweizer Bergen in die Niederlande geschickt. In diesen Zeiten gründeten sich unter anderem die Pforzheimer Flößerzunft oder die Calwer Holzhandelskompanie im Schwarzwald. Im Frankenwald hat man Nebenflüsse begradigt, um Langhölzer flößern zu können. Ganz schöner Aufwand oder? Flöße mit einer Länge von bis zu 300 m – 600 m und einer Besatzung von 500 Personen wurden in sechs Wochen über den Rhein bis nach Holland gebracht. Immer wieder wurden auch Gäste zur Fahrt eingeladen oder Bürger:innen nutzten das Floß als schnelle Mitfahrgelegenheit. Würdet Ihr Euch heute noch auf solch eine lange Fahrt trauen?
Wusstest Du schon…?
Die Holländer entdeckten schon früh die Windkraft für sich. Für den Bau eines Windmühlenflügels waren astfreie Kiefernbalken am besten geeignet. Mithilfe der Flößerei sind sie in die Niederlande geflößt worden. Dieser Reise dauerte bis zu sechs Wochen.
Das Ende der Flößerei
Gibt es die Flößerei heute noch? Seit der Industrialisierung lösten Maschinen und gut ausgebaute Straßen die Arbeit der Flößerei ab. Über große Maschinen im Wald erfahrt Ihr mehr in diesem Artikel. Darüber hinaus zeigen wir Euch in diesem Video, wie ein Harvester funktioniert.
Das Holzrücken, also Stämme aus dem Wald an die Straße zu befördern und in Poltern zu lagern, ist bis heute eine wichtige Arbeit. Jedoch spielen die Holzriesen und die Flößerei dabei keine Rolle mehr. In vielen Städten wie Loßburg und Pforzheim im Schwarzwald gibt es Flößermuseen und Wanderwege, auf welchen man mehr über die Flößerei erfährt. Auf der Seite der Deutschen Flößervereinigung seht Ihr mit einem Blick auf die Karte alle Möglichkeiten und Orte, wo Ihr die Flößerei heute noch erleben könnt.
Wusstest Du schon…?
Die Flößerei gehört der Geschichte an, doch Flößervereine lassen gelegentlich das alte Handwerk wieder aufleben und veranstalten Floßfahrten, wie zum Beispiel in Schiltach im Schwarzwald. Sowieso ist der Schwarzwald immer einen Ausflug wert. Schaut doch hierzu mal in diesen Artikel rein!
Vielen Dank an den Bundesvorsitzenden der Deutschen Flößerei-Vereinigung, Martin Spreng! Er hat uns mit Engagement und einigen der schönen Bilder hier im Artikel unterstützt.


