Weihnachten steht vor der Tür und egal, ob man feiert oder nicht: Die Schulen und Universitäten sind zu, auf der Arbeit ist nicht viel los und die meisten Leute haben frei. Toll! Endlich Zeit, mal wieder in den Wald zu gehen. Zu dieser besonderen Zeit im Jahr überlegt vielleicht der ein oder die andere, ob man den Spaziergang etwas anders gestalten kann. Setzt man da mal eine der gängigen Suchmaschinen in Gang, kommt schnell ein Vorschlag: Tierweihnacht. Was ist das und können wir das empfehlen? Das erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Ast mit verwelktem Laub, schneebedeckt
Alles ist (machmal) schneebedeckt und die Pflanzen schon verwelkt. Muss man den Tieren da unter die Arme oder Hufe greifen?

Tierweihnacht mit Kindern

Bei meiner ersten Recherche (Google-Suche) zu “Weihnachten Wald” war direkt der erste Vorschlag bei den weiteren Fragen “Welche Tiere im Wald kann man zu Weihnachten füttern?”. Hab ich natürlich nicht verstanden, also direkt angeklickt. Die KI-Zusammenfassung fängt mit folgendem Satz an: “Es ist keine gute Idee, große Wildtiere wie Rehe, Füchse oder Wildschweine im Wald zu füttern, da dies gegen Gesetze verstoßen kann und schädlich für die Tiere ist.”

Zwei Einträge später berichtet aber ein Lifestyle-Blog von der wundervollen Familientradition der Tierweihnacht. Am ersten Weihnachtstag gehen die Eltern mit ihren Kindern in den Wald und bringen den Tieren ihre Geschenke, also Nahrung, die sie in den letzten Monaten gesammelt haben. Etwas Ähnliches berichtet auch ein Zeitschriftenartikel für Kitas. Die Gruppe hat Futtergeschenke zusammengestellt und in ein Waldstück gebracht. Dabei haben sie viel über den Wald und die Tiere gelernt. Die Aktion kam bei den Kleinen so gut an, dass daraus eine Tradition für die nächsten Jahre werden sollte.

Was also ist richtig? Darf man Tieren im Winter Futtergeschenke machen und ihnen ein Weihnachten bescheren?

Eine Ente schwimmt auf dem Wasser und spreizt die Flügel
Wo wir schon beim Thema Tiere füttern sind: Dass man Enten mit Brot füttern sollte, ist ein Mythos. Menschenfutter bleibt in den meisten Fällen am besten beim Menschen.

Gute Frage!

Kennt Ihr noch “GuteFrage.net”? Das ist ein Online-Forum, in dem alle ihre offenen Fragen stellen können und irgendwelche anderen User:innen geben dann Antworten. Expertise ist hierbei erstmal egal. Vor ein paar Jahren hat eine Userin eine ganz ähnliche Idee gehabt wie der Lifestyle-Blog:

"Weihnachten für Waldtiere? gerne würde ich mit meinen Mädchen und Eltern an heilig abend in den Wald gehen und dort einen Baum für Tiere schmücken mit essen...gefüllte Kokosnüsse etc....hättet ihr Ideen, was alles wichtig wäre an Lebensmitteln damit wir an alle Tierlein denken und Zero waste vllt auch mitbedienen."

Ihren Vorschlag, Kokosnüsse in Bäume zu hängen, lehnen die Antworten (zum Glück) alle ab. Genauso einig sind sie sich in ihrem Tipp, Kontakt zu den Förster:innen, Jäger:innen oder den Waldbesitzer:innen aufzunehmen und erstmal zu fragen. Wie praktisch, dass wir unseren eigenen Förster und Jäger:innen im Team haben.

Das sagt Jäger Felix

Felix guckt ernst und erhebt den Zeigefinger
Felix ist schon seit Jahren Jäger und kennt sich daher gut mit den geltenden Gesetzen und Regeln aus.

Tierweihnacht mit Geschenken?

Die Tradition, an Weihnachten mit der ganzen Familie raus in den Wald zu gehen, ist super schön. Auch die Idee, das Ganze mit einem besonderen Anlass zu verknüpfen, ist schön und nachvollziehbar. Die Geschenke für die Tiere sollte man aber Zuhause lassen.

Welchen Tieren darf man sich nähern?

Mal ganz abgesehen vom Füttern selbst, sollte man sich keinem wilden Tier nähern, gerade im Winter. Das löst bei den Tieren Stress aus und die meisten fliehen. Das verbraucht hohe Energiemengen, die die Tiere in den kalten Monaten nicht erübrigen können.

Darf man Tiere im Wald füttern?

Nein, nie. Das ist in allen Landesjagdgesetzen ausdrücklich verboten. Ein paar Kastanien zu sammeln und an Weihnachten in den Wald zu bringen, ist zwar sehr nett gemeint, kann aber auch schlimme Konsequenzen für die Tiere haben. Das Verhalten und das ganze Verdauungssystem der Tiere passt sich an die kalten, eher nahrungsarmen Monate an. Sie verbrauchen weniger Energie und verbrennen die Fettschicht, die sie sich im Sommer und Herbst angefressen haben. Die Tiere sind nicht mehr auf viel Nahrung angewiesen. Sollten die Tiere auf einen Schlag “zu viel” oder das falsche Futter finden, kann sich ihr auf den Winter eingestelltes Verdauungssystem hochfahren. Stellt sich das System auf Frühling (mit viel Nahrung) um, fährt auch der Energieverbrauch wieder hoch. Liegen dann noch einige Frostmonate vor ihnen, können sie ein riesiges Problem kriegen und das Verdauungssystem muss sich wieder anpassen.

Wenn man dann regelmäßig füttern würde, würde man sehr in das natürliche Gleichgewicht des Waldes eingreifen. Vor allem, weil man das erste Ungleichgewicht selbst verursacht hat. Und ein weiteres Problem entsteht: Regelmäßige Futterstellen werden zu Sammelplätzen für die Tiere. So treffen viel mehr Tiere viel öfter zusammen, als sie es natürlicherweise tun würden. Die Konsequenz? Krankheiten können sich viel leichter verbreiten. So kann die gut gemeinte Idee, die Tiere gesund durch den Winter bringen sollte, sie stattdessen krank werden lassen. Und kranke Tiere haben im Winter viel schlechtere Chancen.

Ein Rothirsch steht auf einer Lichtung und brüllt
Die Organe vom Rothirsch passen sich der Jahreszeit an.

Wusstest Du schon…?
Im Winter schrumpfen die Organe von Rothirsch und Co., damit weniger Energie verbraucht wird. Auch ihr Ruhepuls verringert sich stark, wie man es auch bei anderen Wildtieren in der Winterruhe kennt. Sogar die Darmwand passt sich der kargen Nahrung an und die Tiere benötigen weniger Futter und verwerten dieses deutlich besser.

Aber können wir nicht mal zu Weihnachten eine Ausnahme machen?

Im Gesetz gibt es eine Ausnahme, der sind Daten und Feiertage aber ziemlich egal. Es geht nur darum, ob eine so genannte Notzeit herrscht. Wenn so eine Notzeit offiziell ausgerufen wird, dann dürfen Wildtiere gefüttert werden. Aber das heißt immer noch nicht, dass wir alle Geschenke in den Wald bringen sollten. Die Fütterung übernehmen die Jäger:innen, bzw. die Jagdpächter:innen. Die sind für die Tiere in dem Gebiet, das sie gepachtet haben, verantwortlich und damit in der sinnvollsten Position, sich um die Fütterung zu kümmern. Das ist zum Wohl der Tiere, denn die Jäger:innen wissen am genauesten, wie viele welcher Tierarten in ihrem Gebiet leben und welche Pflanzen dort wachsen. Sie können also auch das reguläre Futterangebot gut einschätzen und mit ihrer Fütterung möglichst passend nachahmen.

Ein Rehkitz liegt im Gras
Die Aufzuchtsphase ist sensibel, eine harte Kälteperiode in der Zeit kann vielen Tieren richtig Stress machen.

Weihnachten ist keine Notzeit

Notzeiten sind in der Vergangenheit mal vorgekommen, wenn im Frühling, also ungefähr März oder April, noch eine längere oder härtere Frostperiode kam und eine dicke Schneedecke mögliches Futter bedeckt hat. Zu diesem Zeitpunkt haben viele Tiere ihre Fettreserven aufgebraucht und brauchen frische Nahrung, gleichzeitig sind einige Tiere trächtig (also schwanger) oder bekommen schon Nachwuchs. Das ist also eine sehr sensible Zeit in der Tierwelt, in der eine Frostperiode wirklich Konsequenzen haben kann. Aber aktuell zeichnet sich ab, dass es solche Notzeiten eigentlich nicht mehr gibt. Wegen des Klimawandels sind unsere Winter immer milder geworden und die kurzen kalten Phasen, die wir noch haben, machen den Tieren wenig aus.

Wusstest Du schon…?
Es mag hart erscheinen, aber so herausfordernde Zeiten wie frostige Winter sind in der Natur vorgesehen. So sortiert die Natur selbst die kranken und schwachen Tiere aus. Dadurch wird der Bestand mit starken Tieren gesichert und gleichzeitig reguliert. Dass wir mancherorts eine Wildschweinplage haben, die ganze landwirtschaftliche Felder platt machen und Unheil anrichten, liegt auch daran, dass kaum noch Frischlinge im Winter erfrieren.

Was kann man stattdessen machen?

Statt die Tiere im Wald zu füttern und eine Tierweihnacht zu veranstalten, kann man vor der eigenen Haustür schauen. Im dicht besiedelten Gebiet finden die Tiere viel weniger Nahrung als im Wald, vor allem wenn einige in der Nachbarschaft Steingärten schön finden. Man kann sich also erkundigen, ob man Anlaufstellen für Igel anlegen sollte, welche Vogelhäuschen schön und sinnvoll wären und wo man Meisenknödel, also Vogelfutter, aufhängen kann. Bei all dem lohnt es sich, vorher herauszufinden, was die Tiere in der Nähe brauchen. Der Nabu oder der BUND sind dafür zum Beispiel meistens gute Anlaufstellen. Wenn Ihr Ideen sucht, was Ihr in Eurem eigenen Garten machen könnt, oder eine Anleitung braucht, um selbst Vogelhäuschen zu basteln, schaut mal hier vorbei.

In dem eingangs erwähnten Lifestyleblog erzählt die Autorin, dass sie neben der Geschenkaktion auch mit ihren Kindern einen Baum weihnachtlich schmückt und die Tee- bzw. Kaffeezeit des Weihnachtstages in den Wald verlegt. Da am Ende sowohl Deko als auch Snacks komplett wieder mit nach Hause genommen werden, klingt das nach einer schönen, festlichen Aktion für die Kinder! Vielleicht könnt Ihr Euch lieber von dieser Idee inspirieren lassen.

Es hängen drei Beutel mit Vogelfutter aus, auf dem mittleren sitzt ein Vogel
In städtischen, verbauten Gebieten kann man Vögeln mit etwas extra Futter im Winter etwas Gutes tun.

Wünscht Ihr Euch weitere Vorschläge, was man für den Wald tun kann oder welche Aktionen man mit und ohne Kindern auch im Winter im Wald machen kann? Dann schreibt es uns in die Kommentare! Bis dahin wünschen wir Euch schöne Feiertage und ein schönes neues Jahr! Natürlich begleitet Forst erklärt Euch auch durch die nächsten 12 Monate, online, im Wald und mit unserem Kalender. Bis bald im Wald!