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Sollen wir Wildtieren im Winter helfen?

Wildtiere haben die unterschiedlichsten Überlebensstrategien, um durch den kalten Winter zu kommen. Manche machen es sich leicht und verbringen einen netten Urlaub im Süden. Die meisten Wildtiere bleiben während des kalten Winters jedoch hier. Im Normalfall benötigen sie nicht die Hilfe von uns Menschen. Manchmal kann es aber durchaus Sinn ergeben, dem einen oder anderen Tier ein bisschen unter die Arme zu greifen. Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Diese Tiere verschlafen den Winter

Einige Säugetiere, zum Beispiel Murmeltier, Igel oder Fledermaus, verschlafen die kalte Jahreszeit in Erdhöhlen oder anderen Rückzugsmöglichkeiten. Während des Winterschlafs nehmen die Tiere keine Nahrung zu sich. Die Atmung, der Puls und der Stoffwechsel verlangsamen sich. Igel nehmen beispielsweise nur noch 2 Atemzüge pro Minute. Und auch die Körpertemperatur sinkt stark. Während des Winterschlafs zehren die Tiere von ihren Fettreserven, die sie sich während des Sommers angefressen haben. Im nächsten Frühling bringen sie dann häufig nur noch halb so viel auf die Waage wie im Herbst zuvor. Wenn man Winterschläfer während ihres Schlafes stört und aufweckt, fährt der Stoffwechsel wieder hoch und die Tiere verbrauchen viel Energie. Das kann dazu führen, dass sie verhungern. Die Winterruhe ist eine abgeschwächte Form des Winterschlafs. Die Tiere fahren ihren Stoffwechsel ebenfalls herunter, aber wachen immer mal wieder auf und bewegen sich. Zu ihnen gehören beispielsweise Eichhörnchen und Waschbär.

Igel verschlafen den Winter gerne in großen Laubhaufen bei Euch im Garten.

Wusstest Du schon…?
Murmeltiere verschlafen einen Großteil ihres Lebens. Bis zu 9 Monate können sie unter der Erde in ihren Höhlen verbringen. Auch sie reduzieren ihre Herz- und Atemfrequenz. Zusätzlich haben sie eine besondere Überlebensstrategie entwickelt. Sie betreiben sozialen Winterschlaf. Bis zu 20 Tiere kuscheln sich in einem Bau aneinander. Dadurch erhöht sich vor allem die Überlebensrate der Jungtiere, die in ihrem ersten Winter noch keine großen Fettreserven besitzen.

Zu Eis erstarrt

In eine Winterstarre bzw. Kältestarre verfallen wechselwarme Tiere. Zu ihnen gehören Amphibien und Reptilien. Im Gegensatz zu gleichwarmen Säugetieren können Amphibien und Reptilien sich nicht aktiv dazu entscheiden, jetzt schlafen zu gehen. Ihre Körpertemperatur ist abhängig von der Außentemperatur. Sinkt sie unter ein bestimmtes Minimum, können die Tiere sich nicht mehr bewegen. Auch ihre Körperfunktionen reduzieren sich auf das absolut Notwendige. Dadurch wird gewährleistet, dass sie nicht aus Versehen während zu kalter Temperaturen aus der Kältestarre erwachen und dann erfrieren. Mehr zum Thema Überwinterungsstrategien könnt ihr in unserem Artikel nachlesen.

Frösche verharren in einer Winterstarre am Grund von Gewässern. Sie können über ihre Haut atmen.

Wusstest Du schon…?
Frösche weisen während der Winterstarre keine Hirnaktivität auf und es laufen auch überhaupt keine Körperfunktionen. Bei zu kalten Temperaturen erleiden die Tiere einen sogenannten Kältetod. Ob Frösche tatsächlich tot sind, kann man erst herausfinden, wenn sie im Frühling wieder auftauen.

Füttern in Notzeiten

Jäger:innen haben die gesetzliche Verpflichtung, Wildtiere in Notzeiten zu füttern. Im Winter fahren viele Säugetiere, zum Beispiel Reh- und Rotwild, ihren Stoffwechsel herunter. Um Kräfte zu sparen, versuchen sie sich möglichst wenig zu bewegen. Deswegen kann es schon mal vorkommen, dass Ihr auf Eurem Spaziergang einem Reh besonders nahe kommt. Sie flüchten nur, wenn es absolut notwendig ist. Das heißt aber nicht, dass ihr ihnen näherkommen solltet. Spaziergängerinnen und Mountainbiker erhöhen den Stresslevel der Tiere. Mehr dazu in diesem Artikel. Zu dieser Jahreszeit finden sie ohnehin kaum Nahrung.

Aber wenn eine Notzeit eintritt und es den Tieren praktisch unmöglich macht etwas zu fressen, müssen Jäger:innen Fütterungen anlegen. Diese Pflicht geht mit der im Bundesjagdgesetz festgelegten Hege einher. Die Jagdbehörde ruft eine Notzeit offiziell aus. Während dieser Zeit darf man nicht jagen. Neben hoher Schneelage kann das auch während einer langen Dürreperiode im Sommer oder bei Überflutungen geschehen, so wie es kürzlich in einigen Teilen Niedersachsens der Fall war. Davon abzugrenzen ist die sogenannte Ablenkfütterung. Diese soll Wildtiere von einem bestimmten Platz fernhalten (ablenken). So kann man beispielsweise Wildschäden im Mais verringern. Eine Fütterung ist nicht das gleiche wie eine Kirrung. Kirrungen sind ebenfalls Plätze, wo man Futter ausbringt. Allerdings nur in sehr geringem Maße. Sie dienen als Bejagungshilfe, indem man Wildtiere an eine bestimmte Stelle lockt.

Für unsere Vierbeiner bedeutet Schnee Spaß und Action. Sie werden ja täglich gefüttert.

Eine Frage der Ethik

Das Beste, was wir für Tiere in der freien Natur tun können, ist, sie in Ruhe zu lassen. Oder? Diese Annahme beruht auf einer verzerrten Wahrnehmung, wie Wildtiere tatsächlich leben. Oft ist es eine romantisierte Vorstellung von einer heilen Welt, in der wir Menschen keine Rolle spielen. Eigentlich kämpfen fast alle Wildtiere ab dem Tag ihrer Geburt gegen ums Überleben. Dabei geht es beispielsweise um Nahrung, Wasser, Krankheiten oder Konkurrenz mit Artgenossen. Das alles sind sogenannte natürliche Regulationsmechanismen. Jede Tierart hat sich darauf angepasst, zum Beispiel indem sie jedes Jahr viele Jungtiere gebären. Wenn aus dem 6-köpfigen Wurf eines Fuchses nur 1 Welpe das Erwachsenenalter erreicht, ist das schon ausreichend für den Erhalt dieser Tierart.

Der Winter bringt mit besonders kalten Nächten und wenig Nahrung einen ähnlichen Regulationsmechanismus. Es gehört zur Natur, dass Wildtiere während des Winters sterben. Das ist Teil der natürlichen Selektion: “Nur die Stärksten überleben”. Sollten wir also Vogelfutter ausbringen und Nistkästen aufhängen? Ein wahres Dilemma, über das man sich Gedanken machen muss. Wenn wir einer Tierart helfen, hat das auch immer Auswirkungen auf andere Arten. Nichtsdestotrotz ist ein wenig Hilfe für die Tiere, die durch uns Menschen sowieso einen Nachteil haben, aus unserer Sicht nicht verwerflich. Allein aus dem Grund, dass es so viele Katzenliebhaber unter uns gibt, geht die Zahl der Vogelverluste in die Millionen. Da ist ein bisschen Vogelfutter das Mindeste, was wir im Ausgleich tun können.

Vogelhäuschen mit Futter helfen vielen Singvögeln durch die kalte Jahreszeit. Und Ihr habt immer was zu beobachten, wenn Ihr aus dem Fenster schaut.

Den Garten im Winter tierfreundlich gestalten

Wenn Ihr den Tieren bei Euch daheim ein wenig helfen wollt, geben wir Euch jetzt ein paar Tipps.

  1. Habt Ihr Laubbäume im Garten? Dann entsorgt die Blätter nicht, sondern macht einen schön großen Laubhaufen in einer ruhigen Ecke. Hier halten Igel gerne Winterschlaf.
  2. Ihr alle habt bestimmt schon vom Insektensterben gehört. Wollt Ihr den kleinen Tierchen unter die Arme greifen, dann könnt Ihr Insektenhotels im Garten oder auf dem Balkon aufstellen. Das ist übrigens auch ein schönes Projekt mit euren Kindern. Eine Bauanleitung findet Ihr Hier.
  3. Auch Vögel haben es schwer. Für sie könnt Ihr Vogelhäuschen aufstellen (Achtung: Außerhalb der Reichweite von Katzen), Nistkästen aufhängen und Vogelfutter ausbringen. Und schon habt Ihr den ganzen Tag etwas zu beobachten!
  4. Marienkäfer überwintern gerne in den Ritzen von Fensterkästen. Es ist für manche vielleicht zuerst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber eigentlich stören sie doch nicht, oder? Dann lasst sie bis zum nächsten Frühling einfach dort.
  5. Vielleicht hast Du ja sogar auch einen Obstbaum im Garten stehen. Wenn dort im Winter noch einige Früchte am Baum hängen und nicht alle im Kuchen gelandet sind, hast du eine natürliche kleine Fütterung für diverse Singvögel.

Noch mehr zum Thema Insektenhotels und Gartenvielfalt könnt ihr in unseren Artikeln nachlesen.

Insektenhotels bieten Bienen und anderen Arten eine Überwinterungsmöglichkeit.

Nistkasten bauen leicht gemacht

Nistkästen für Vögel zu bauen ist gar nicht schwer und ein Spaß für die ganze Familie. Ihr benötigt lediglich eine Säge, ein paar Schrauben inkl. passendem Schraubendreher und Holzbretter. Beim Holz müsst Ihr darauf achten, dass es witterungsbeständig ist und nicht nach dem ersten Regenschauer anfängt zu gammeln. Wir haben ein 18mm dickes Massivholzbrett verwendet.

Um einen Nistkasten zu bauen, benötigt Ihr nicht viel Werkzeug.

Schritt 1: Messen und Sägen

Überlegt Euch, welche Form der Nistkasten haben soll. Anschließend zeichnet Ihr die benötigten Teile mit einem Stift auf das Holz auf und sägt sie aus. Für das Bodenteil solltet Ihr kleine Löcher bohren, damit Wasser abfließen kann und eine Belüftung stattfindet.

Schritt 2: Schrauben

Wenn alle  Teile ausgesägt sind und ihr euch nicht vermessen habt, könnt ihr jetzt damit beginnen, die Bretter zusammenzuschrauben. Für ein optimales Ergebnis bohrt ihr die Löcher zuerst vor und schraubt dann die Schraube rein.

Nach und nach werden die Bretter zusammengeschraubt. Zum Glück vergeben Vögel keinen Schönheitspreis.

Schritt 3: Aufhängen an geeigneter Stelle

Wenn alles zusammengebaut ist und nicht wieder auseinander fällt, könnt Ihr Euren Nistkasten jetzt aufhängen. Bei der Wahl einer geeigneten Stelle gibt es ein paar Dinge zu beachten. Schaut, dass der Nistkasten außerhalb der Reichweite von Katzen hängt. Außerdem sollte der Nistkasten an einer etwas geschützten Stelle, zum Beispiel einer Hauswand, angebracht werden. Das Einflugloch zeigt am besten in die entgegengesetzte Richtung der Wetterseite. Bei uns in Deutschland kommt das Wetter meistens aus West/Süd-West.

Habt Ihr noch mehr Ideen, wie Ihr Tieren das Leben im Winter erleichtern könnt? Schreibt Eure Tipps gerne in die Kommentare!

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