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Zugvögel – ab in den Süden, der Sonne hinterher (ey jo, was geht)

Wo sind eigentlich die ganzen Vögel, die wir im Sommer beobachten können? Vielleicht ist es Euch noch gar nicht aufgefallen. Viele unserer heimischen Vögel entfliehen dem kalten Wetter, indem sie den Winter in Südfrankreich oder Afrika verbringen. Da kann man schon mal neidisch werden, oder? Wer hätte nicht gerne eine Winterresidenz am Mittelmeer? Andererseits könnt Ihr auch genügsamere Vögel im Winter bei uns beobachten, die das restliche Jahr weiter nördlich in Skandinavien oder Russland verbringen. Das gilt zum Beispiel für die Sumpfohreule, die bei uns hauptsächlich während der kalten Jahreszeit anzutreffen ist. Diese Zugvögel nehmen jedes Jahr viele Strapazen auf sich, um der Wärme hinterher zu fliegen. Aber warum machen sie das eigentlich?

Der Haussperling ist kein Zugvogel, sondern ein häufiger Gast an unseren Vogelfütterungen.

Zugvogel oder Vogelzug?

Als Vogelzug bezeichnet man den jährlichen Flug von Zugvögeln aus den Brutgebieten in ihre Winterquartiere und wieder zurück. Schätzungsweise gibt es weltweit 50 Milliarden Vögel, die sich am Vogelzug beteiligen. Je nachdem wie weit die Vögel unterwegs sind, kategorisiert man sie in Kurz-, Mittel- und Langstreckenzieher. Wann es für die Tiere soweit ist loszufliegen, machen sie hauptsächlich von der Tageslänge abhängig und weniger von den tatsächlich vorherrschenden Witterungsbedingungen. Sowohl die Flugrichtung, als auch die Flugdauer sind genetisch angeboren und deshalb jedes Jahr gleich. 

Wie orientieren sich die Zugvögel?

Um sich nicht zu verirren, besitzen die Tiere einen Magnetsinn, also eine Art “innerer Kompass”. Außerdem nutzen sie Landmarken, zum Beispiel große Gebirgsketten wie die Alpen, und auch den Sonnenstand als Himmelsrichtung. Zugvögel wissen also, dass im Osten die Sonne aufgeht. Manche Zugvögel ändern zur Zeit ihr Verhalten und werden zum Standvogel – vielleicht eine Reaktion auf den Klimawandel?

Zugvögel kommen im Frühjahr wieder zurück, um ihre Jungen aufzuziehen.

Warum fliegen die Zugvögel in den Süden?

Der wesentliche Grund, um überhaupt eine derart große Kraftanstrengung jedes Jahr auf sich zu nehmen, ist die Nahrungsknappheit während der Wintermonate. Viele Vögel sind auf Insekten als Nahrungsquelle angewiesen, die während der kalten Jahreszeit Mangelware sind. Gleichzeitig können die Zugvögel allerdings auch nicht in ihren Winterquartieren das ganze Jahr über bleiben. Denn dort sammeln sich derart viele Vögel, dass das Futterangebot für eine Jungenaufzucht nicht reichen würde. Der Vogelzug ist somit ein notwendiges Übel, um zu überleben.

Wusstest Du schon…?
Den Rekord für die weiteste Strecke während des Vogelzugs hält eine besenderte Pfuhlschnepfe und liegt bei 12.000 Kilometern nonstop von Alaska über den Pazifik nach Neuseeland.

Eine kleine Auswahl unserer Zugvögel

Weißstorch (Ciconia ciconia)

Dieser Weißstorch ist beringt, um Flugrouten auswerten zu können.

Der umgangssprachlich genannte “Klapperstorch” ist in Deutschland ein starkes Symboltier und bringt laut einigen Erzählungen die Babys. Wer von Euch hat die Geschichte als Kind auch erzählt bekommen? Der große Vogel hat eine Flügelspannweite von über 2 Meter und ein weißes Gefieder mit teilweise schwarzen Flügeln. Die Beine und der Schnabel sind rot. Er ist ein Langstreckenzieher, da er bis nach Afrika unterwegs ist. Dort wird er teilweise bejagt. Weltweit gibt es etwa 230.000 Brutpaare, aber in Deutschland gilt er als gefährdet. 

Sein Lebensraum ist das Offenland mit Feuchtwiesen, wo er nach Mäusen und Regenwürmern jagt. Oft sieht man ihn hinter Traktoren herlaufen, wo er Kleintiere einsammelt, die durch das Mähwerk der Traktoren gestorben sind. Eine sehr effiziente Strategie der Nahrungsbeschaffung! Sein naher Verwandter, der Schwarzstorch, hat ein komplett schwarzes Gefieder und lebt weit zurückgezogen in den Wäldern. In Deutchland ist er stark gefährdet, doch dank intensiver Schutzmaßnahmen erholt sich der Bestand langsam.

Kranich (Grus grus)

Der Kranich hat eine rote „Kappe“ auf dem Kopf.

Der Kranichzug ist immer wieder ein besonderes Naturschauspiel. Zu Tausenden sammeln sich die Tiere an ihren Rastplätzen, hauptsächlich in Nord- und Ostdeutschland, und veranstalten ein sehr lautes Konzert. Die 1,20 Meter großen Vögel sind größer als Störche und haben ein hellgraues Gefieder. Der Hals und der Kopf sind schwarz-weiß gefärbt, außerdem haben Kraniche eine rote Kappe auf dem Kopf. Sie bauen ihre Nester auf überfluteten Stellen, zum Beispiel im Moor oder auf Feuchtwiesen. Dadurch sind sie besser vor Eierdieben, wie zum Beispiel dem Fuchs, geschützt. Kraniche sind Kurzstreckenzieher, da sie im Mittelmeerraum von Südeuropa oder Nordafrika überwintern. Manche Vögel bleiben auch in Deutschland.

Kraniche im abendlichen Landeanflug.

Kuckuck (Cuculus canorus)

Der Kuckuck ist eine Vogelart, die durch den Klimawandel große Probleme bekommen hat. Jede:r von Euch kennt wahrscheinlich dieses Tier und weiß welche Besonderheit es hat. Denn der Kuckuck brütet seine Eier nicht selber aus, sondern legt sie in fremde Vogelnester. Das Weibchen kann bis zu 25 Eier legen, je 1 oder 2 in ein fremdes Nest. Die bereits vorhandenen Eier werden entweder gefressen oder aus dem Nest geschmissen, damit das andere Vogelweibchen nicht misstrauisch wird.

Der Langstreckenzieher kommt aus dem tropischen Afrika etwa im April zurück nach Deutschland. Standvögel können ihr Brutgeschäft nach der Witterung anpassen. Aufgrund des Klimawandels fangen sie immer früher im Jahr damit an. Und wenn der Kuckuck im April aus Afrika zurückkehrt, haben die Standvögel, in denen der Kuckuck seine Eier ablegt, bereits ihr Brutgeschäft abgeschlossen. Ob sich der Kuckuck schnell genug an die sich verändernden Umweltbedingungen anpassen kann, bleibt abzuwarten. Vielleicht entwickelt er sich ja auch zu einem Standvogel.

Kiebitz (Vanellus vanellus)

Der Kiebitz war früher ein häufig anzutreffender Zugvogel.

Der Kiebitz verdankt seinen Namen dem charakteristischen Ruf “ki-witt”. Früher waren die Tiere weit verbreitet, doch wegen der Entwässerung und Trockenlegung von Wiesen und der immer intensiveren Landwirtschaft sind die Bestände stark zurückgegangen. Ihr könnt den Kiebitz an der schwarz-weißen Gefiederfärbung mit metallischem Glanz und seiner Federholle am Kopf erkennen. Außerdem sind seine Flugmanöver während der Paarungszeit im Frühjahr sehr auffällig. Die Bodenbrüter sind auf Feuchtwiesen und Moorgebiete als Lebensraum angewiesen.

Habt Ihr auch schon die ersten Rückkehrer entdeckt?

Über Göttingen konnten wir in den letzten Tagen bereits einige Kraniche finden, die auf ihrem Weg vom Mittelmeer zurück nach Deutschland sind. Außerdem sind auch die ersten Kiebitze und Brachvögel wieder da und bereiten sich auf die Balzzeit vor. Konntet Ihr auch schon Rückkehrer bei Euch entdecken? Haltet mal die Augen auf und berichtet uns von Euren Beobachtungen!

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