Wer bei uns im Wald die dicken, alten Bäume besonders schön findet, sollte sich jetzt lieber warm anziehen. Heute werfen wir nämlich einen Blick auf zwei Baumarten, die im westlichen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika heimisch sind. Die USA sind vor allem für eins bekannt: Alles ist größer als bei uns! Nicht nur die Hochhäuser, Autos und Tetrapacks, sondern auch einige Baumarten. Heute geht es um Mammutbäume. Alles was Ihr braucht, um diese Arten sicher zu erkennen, Baumarten, mit denen man sie verwechseln kann und viele interessante Infos bekommt Ihr in diesem Artikel. 

Das ist der Stamm eines Riesenmammutbaums (Sequoiadendron giganteum) aus einem botanischen Garten in Deutschland. Obwohl die Exemplare bei uns wesentlich kleiner sind als in den USA, sind sie im Vergleich zu unseren heimischen Baumarten sehr eindrucksvoll. 

Mehrere Mammutbaumarten?!?

Wenn wir von „Mammutbäumen“ sprechen, sind meist zwei Arten gemeint: der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) und der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens). Was dem Namen nach wie Geschwister klingt, lässt sich zum Glück einfach auseinanderhalten. Wichtig ist auch, dass Ihr nicht unbedingt nach Kalifornien reisen müsst! Mammutbäume sind nämlich mittlerweile in vielen unserer Parkanlagen zu finden – wenn auch nicht ganz so imposant, wie auf der anderen Seite des Atlantiks. 

Und wir wären ja nicht Forst erklärt, wenn wir Euch nicht auch noch von einer weiteren Art, mit der man diese beiden Mammutbaumarten verwechseln kann, vorstellen würden.

Bestimmung: Woran erkennt man Mammutbäume?

Die Rinde (Borke) der beiden Mammutbaumarten sieht sehr ähnlich aus. Aber dafür hat schon eine der beiden mehrere Arten an Nadeln. Die Küstenmammutbäume haben nämlich zwei Formen. Weiter unten finden sich einfache Nadeln, wie man sie auch von Tannenbäumen kennt. Weiter oben in der Baumkrone, finden sich schuppenartigere, derbere, kürzere Formen von Nadeln. Der Baum baut seine Krone also nicht überall gleich, sondern passt seine Blätter an die Bedingungen in der jeweiligen Höhe an. Botanisch spricht man hier von einer höhenabhängigen Veränderung der Blatt- und Sprossform. 

Das Bild zeigt die benadelten Seitentriebe des Küstenmammutbaums (Sequoia sempervirens). Die Nadeln sind am Spross grundsätzlich spiralig angeordnet, erscheinen an den flachen Seitentrieben jedoch durch ihre Drehung zweizeilig bis kammförmig. Sie sind flach und laufen in eine deutlich spitze Spitze aus. Die Nadeln sitzen nicht an einem ausgeprägten Stiel, sondern besitzen eine herablaufende Blattbasis. Die Oberseite ist kräftig dunkelgrün und ebenfalls mit feinen Linien an Spaltöffnungen (Stomata) bedeckt, während die Unterseite heller wirkt und zwei weißliche Stomatabänder mit zahlreichen Stomata trägt.

Möglich ist es, dass die Baumkronen der Mammutbäume schon so hoch oben am Baum sitzen, dass Ihr gar nicht in den Genuss kommt, die Nadeln richtig ansehen zu können. Orientieren könnt Ihr Euch natürlich auch an der Nadelstreu, die Ihr auf dem Boden findet. 

Mammutbäume an den Nadeln erkennen

Bleiben wir für die Bestimmung noch beim Küstenmammutbaum. Verwechseln könnte man diese Art von den Nadeln her mit einer Eibe (Taxus baccata). Die Nadeln beider Arten sind von oben matt dunkelgrün und laufen spitz zu. Es lohnt sich aber ein Blick auf die Unterseite der Nadeln. Anders als bei der Eibe, deren Nadelunterseite matt-hellgrün sein kann, ist die Unterseite der Nadeln des Küstenmammutbaums weißlich mit zwei weißen Streifen.

Links im Bild zu sehen ist ein Urwelt-Mammutbaum (Metasequoia glyptostroboides). Charakteristisch ist hier, dass die einzelnen Nadelkurztriebe sich immer gegenüberliegen. Botanisch spricht man in diesem Fall von Gegenständigkeit. Im Winter werden die gesamten Kurztriebe abgeworfen. Übrig bleiben dann nur die gegenständigen Knospen. In der Mitte findet sich ein Küstenmammutbaum. Im Vergleich fällt direkt auf, dass hier keine Gegenständigkeit vorliegt. Leichter mit dem Küstenmammutbaum zu verwechseln ist die Eibe (Taxus baccata), die sich rechts im Bild befindet. Eine Eibe lässt sich gut von einem Küstenmammutbaum unterscheiden, wenn man sich die Nadelunterseiten ansieht. Bei der Eibe ist die Unterseite matt grünlich, wohingegen sie beim Küstenmammutbaum zwei weiße Stomabänder aufweisen.

Die Nadeln von Riesenmammutbäumen sind ganz leicht zu erkennen. Sie haben nämlich nichts mit den Nadeln von Weihnachtsbäumen, die wir kennen, zu tun. Bei dieser speziellen Form von Nadeln, bzw. Schuppenblättern, sprechen Expert:innen von „pfriemförmigen Nadeln“.

Wusstest Du schon…?
Der Begriff „Pfriem“ stammt von einem alten Werkzeug ab, was an diese Form erinnert hat. Mit diesem spitzen Werkzeug hat man Löcher in Materialien wie Leder gestochen.

Zu sehen sind die pfriemförmigen Nadeln eines Riesenmammutbaums (Sequoiadendron giganteum) und ein Zapfen dieser Art. Letztere sind sehr charakteristisch und wirklich gut zu erkennen.

Urweltmammutbäume – die angeheiratete Cousine 

Um die Verwirrung komplett zu machen, stellen wir Euch noch den Urweltmammutbaum vor. Diese Art wurde erst vor wenigen Jahrzehnten in einer ganz abgelegenen Region Chinas von Wissenschaftler:innen entdeckt und beschrieben. Urweltmammutbäume sehen hinsichtlich ihrer Borke ähnlich aus wie die beiden Mammutbaumarten, die wir jetzt kennen. Tatsächlich gehört der Urweltmammutbaum wissenschaftlich gesehen zur selben Unterfamilie wie der Riesen- und der Küstenmammutbaum. Der wissenschaftliche Name Metasequoia glyptostroboides lässt diese Verwandtschaft eventuell bereits an der Gattung “Metasequoia” erahnen. Auf den ersten Blick haben viele Forststudis Probleme beim Auseinanderhalten dieser ähnlichen Arten. Dabei ist es ganz einfach. Urweltmammutbäume bekommen im Winter rotbraune Nadeln, die sie abwerfen. Super bestimmen lässt sich diese Art, indem man sich die Knospen anschaut. Die sind immer gegenständig – also liegen auf beiden Seiten eines Zweiges direkt gegenüber. Riesen- und Küstenmammutbäume sind immergrün und werfen ihre Nadeln nicht jährlich ab.

Der Heimatort des Riesenmammutbaums

Das natürliche Areal des Riesenmammutbaums liegt im Landesinneren Kaliforniens in montanen Gebirgslagen. Natürlicherweise wachsen Riesenmammutbäume nicht als „Monokultur“, in der man den Wald vor lauter Mammutbäumen nicht mehr sehen kann. Stattdessen kommen sie in Mischwäldern mit vielen anderen Nadelbaumarten und auch einer Eichenart vor. Die Böden, also die Standorte, auf denen diese Mischwälder wachsen sind eher trocken. Im Sommer weisen die Böden aber trotzdem noch ausreichend viel Feuchtigkeit zum Überleben auf.

Ökologisch gesehen wächst die Art in einem sehr speziellen Fenster. An ihrem Heimatort herrschen kalte, schneereiche Winter und trockene Sommer vor. Riesenmammutbäume sind damit ein Relikt feuchterer Klimaperioden, das heute nur noch in wenigen, oft inselartig verteilten Gebirgsbeständen überlebt. Ganz anders handhaben es die Küstenmammutbäume.

Wusstest Du schon…?
Mammutbäume haben eine ganz besondere Beziehung zu Feuer. Anders als wir es von den meisten Bäumen in unseren heimischen Wäldern kennen, sind sie nämlich ziemlich feuerresistent und können sogar von einem Waldbrand profitieren. Man nennt sie daher auch Pyrophyten – und dazu haben wir Euch auch schon einen ganzen Artikel geschrieben.

Küstenmammutbäume verstecken sich im Nebel 

Der Küstenmammutbaum, auch Coast Redwood genannt, unterscheidet sich ökologisch deutlich vom Riesenmammutbaum. Beim Küstenmammutbaum handelt es sich um eine Art der kühlen, feuchten Pazifikküste. Sein natürliches Areal zieht sich als schmaler Streifen von Südwest-Oregon bis in zur Mitte Kaliforniens. Die Wälder liegen in einer Region mit milden Temperaturen, feuchten, regnerischen Wintern und trockeneren Sommern. Letztere sind allerdings durch Nebel geprägt. Dieser Nebel wirkt ganz entscheidend beim Vorkommen der Art mit. Er reduziert nämlich unter anderem die Verdunstung der Bäume, womit sie wassersparend durch den Sommer kommen. Deshalb wächst die Art fast nur im „Küstennebelgürtel“ oder weiter landeinwärts an besonders feuchten Sonderstandorten.

Wusstest Du schon…?
Nur weil Bäume Wasser durch kleine Öffnungen in ihren Blättern oder Nadeln verdunsten, können sie auch neues Wasser über die Wurzeln aufnehmen. Man kann sich das vorstellen, wie bei einem Strohhalm, in dem das Wasser nach oben gesogen werden muss. Dabei ist es aber die Atmosphäre, die das Wasser nach oben saugt. Wenn die Umgebungsluft der Bäume heiß und trocken ist, dann saugt sie mehr Wasser an und die Bäume verdunsten mehr Wasser. Ist die Umgebungsluft bereits sehr feucht, wie beispielsweise bei Nebel, dann verdunsten Bäume weniger Wasser, was im Sommer durchaus Vorteile haben kann. Den Prozess des Verdunstens nennt man übrigens auch “Transpiration”.

Vermehrung ohne Bienchen und Blümchen

Spannend ist auch, dass Küstenmammutbäume zwar Nachwuchs über Zapfen mit darin enthaltenen Samen produzieren, aber auch vegetative Vermehrung betreiben können. Dabei treiben aus verborgenen Knospen des Wurzelhalses beispielsweise nach Verletzungen neue Triebe aus. Daraus können neue Baumindividuen entstehen, die komplette Klone des Ursprungsbaums sind. Für die Küstenmammutbäume ist es typisch, dass sie dadurch in Kreisformationen wachsen. Diese werden „Fairy rings“ genannt. 

Ein Blick in die Baumkronen aus dem Inneren eines “Fairy rings”. Es ist nicht genau klar, woher der Name stammt. Man kann sich aber gut vorstellen, dass diese Baumformationen das Material von Märchengeschichten sein können.

Die Spitzenreiter unter den Mammutbäumen

Ohne nach einer Boulevardpresse klingen zu wollen, lässt sich trotzdem zweifelsfrei sagen, dass unter den Bäumen die Mammutbäume den Längsten und den Dicksten aufweisen. 

Unter den Riesenmammutbäumen (Sequoiadendron giganteum) gibt es ein Exemplar mit dem Namen „General Sherman“. Trotz seiner stattlichen Höhe ist in diesem Fall das erstaunliche die „Dicke“. General Sherman hat einen Umfang von 31,1 Metern. Es braucht also etwa 20 Menschen, um diesem Baum eine Umarmung geben zu können. Um Euch noch eine bessere Vorstellung davon zu geben, wie viel das eigentlich ist: Würde man diesen Baum fällen, dann könnte man fast 11 Autos auf dem hinterbliebenen Baumstumpf parken. Auch eine Wohnung von ca. 96 qm würde Platz auf diesem Baumstumpf finden. Sein Volumen ist nicht das Ergebnis eines schnellen Wachstumsschubs, sondern einer langen Phase des Überlebens. Der Baum wird auf ein Alter von 2200 Jahren geschätzt.

Wusstest Du schon…?
Forstleute sind immer an der Dicke eines Baums interessiert, weil sie darüber das im Baum enthaltene Holzvolumen errechnen können. Dafür nimmt man an, dass der Baum die mathematische Form einer Walze hat, die sich nach oben hin verjüngt. Das kann man dann recht einfach berechnen, sobald man mit speziellen Maßbändern die Dicke eines Baums auf der genormten Höhe von 1,3 Metern gemessen hat.

Der höchste lebende Baum der Welt

Die bekannteste Vertreterin unter den Küstenmammutbäumen (Sequoia sempervirens) wird Hyperion genannt. Im Vergleich zu General Sherman handelt es sich hierbei um ein sehr schlankes Exemplar. Dieser Baum gilt allerdings mit 116,07 Metern als höchster lebender Baum der Welt. Damit ist dieses Bäumchen höher als so mancher Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline. 

In Zeiten des Burj Khalifa (829,8 Meter) klingt das nach nicht viel. Wir reden hier aber nicht von einem Bauwerk aus Stahl, sondern von einem Meisterwerk der Natur. Wer schon mal versucht hat, einen Sangria durch einen 1 Meter langen Strohhalm zu trinken, könnte bemerkt haben, dass man hier bereits mehr arbeiten muss als bei einem gewöhnlichen Strohhalm. Wer versucht, auf einem 10 Meter-Turm zu stehen und besagtes Getränk nach oben zu transportieren, wird scheitern. Hyperion transportiert das Wasser allerdings fast 12 Zehnmetertürme hoch. Wie Bäume sowas im Detail machen, erfahrt Ihr bald in unserem Artikel „Wassertransport in Bäumen“. 

Eine Visualisierung zum besseren Verständnis der Größenverhältnisse der beiden angesprochenen Exemplare der Arten Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) (General Sherman) und Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) (Hyperion).

Über Mammutbäume hinaus

Wir hoffen, dass Euch dieser Artikel gefallen hat und möchten Euch abschließend ein paar ganz heiße Empfehlungen machen. Um direkt beim Thema Mammutbäume zu bleiben, könnt Ihr gerne in unserem Pyrophyten-Artikel noch tiefer in die Resistenz gegenüber Waldbränden am Beispiel der Riesenmammutbäume eintauchen. Abseits der Mammutbäume lohnt es sich wirklich, sich auch unseren Artikel über Linden genauer anzuschauen, da diese Baumarten auch ziemlich gut mit Trockenheit und Hitze, wie man sie nur in Städten finden kann, zurechtkommen können. Für Alle, die dann immer noch nicht gesättigt sind, möchten wir noch unseren Artikel: “Wald im Klimawandel – Day after Tomorrow” empfehlen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, vor welchen Herausforderungen Wälder im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen.

Quellen:

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