Waldbrände sind angsteinflößend, gewaltig und oft verheerend. Wenn Feuer durch einen Wald zieht, denken wir zuerst an zerstörte Lebensräume, tote Tiere und einen Ausstoß an CO2, der zu Zeiten des Klimawandels erst recht kontraproduktiv ist. Diese Assoziation ist nicht falsch. Schwer vorstellbar ist für uns Menschen aber, dass Feuer in der Natur mehr als nur Zerstörung bedeutet.

Wichtiger Hinweis

So können die Folgen eines Waldbrands bei uns aussehen.

Im Laufe dieses Artikels werden wir thematisieren, dass es Ökosysteme gibt, in denen Feuer natürlicherweise auftreten und dort Störungen erzeugen, von denen ein solches Ökosystem auch langfristig profitieren kann. Das lässt sich aber nicht direkt auf Wälder in Deutschland, bzw. Wälder in unseren Breitengraden übertragen. Deshalb möchten wir explizit darauf hinweisen, dass ganz besonders Zigaretten, Batterien, Akkus, Glas- oder Plastikflaschen in der Landschaft nichts zu suchen haben. Der größte Teil unserer Waldbrände ist auf menschliches Handeln zurückzuführen und wir alle können dazu beitragen, unsere Landschaften frei von Müll zu halten und auch keine Zigaretten aus brennenden Fahrzeugen zu werfen. 

Die ökologische Bedeutung von Waldbränden

Wir kennen Waldbrände oft nur aus dem Moment der Katastrophe. Wir sehen nicht, wie nach einem Brand Nährstoffe wieder in den Kreislauf gelangen. Und wir sehen auch nicht, dass die Konkurrenz zwischen Arten reduziert wird und wir sehen nicht, dass neue Lebensräume entstehen. In der Ökologie gilt Feuer deshalb als sogenanntes Störungsereignis: ein plötzliches Ereignis, das Biomasse reduziert, Ressourcen neu verteilt und dadurch die weitere Entwicklung eines Ökosystems beeinflusst. In einigen Ökosystemen gehört es seit Millionen Jahren zur natürlichen Dynamik. Feuer wurde dadurch zu einem wichtigen Faktor in der Evolution, der auch entscheidend daran mitgewirkt hat, ob eine Pflanzenart überlebt oder nicht.

Die sogenannten Pyrophyten

Manche Pflanzenarten, die über sehr lange Zeiträume immer wieder Bränden ausgesetzt waren, entwickelten im Laufe der Evolution Eigenschaften, die ihnen halfen, zu überleben, sich schneller zu regenerieren oder sogar von Feuer zu profitieren. Sie werden auch Pyrophyten genannt. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „pyr“ bedeutet Feuer, „phyton“ Pflanze. Vereinfacht gesprochen sind Pyrophyten also „Feuerpflanzen“. Der Begriff wird in der Wissenschaft allerdings nicht immer einheitlich verwendet. Manche Arten sind tatsächlich stark feuerabhängig, andere lediglich feuerresistent. Wichtig ist dabei vor allem: Pflanzen sind nie einfach „an Feuer“ angepasst, sondern immer an ein bestimmtes Feuerregime. In der Feuerökologie beschreibt ein Feuerregime unter anderem Häufigkeit, Intensität, Jahreszeit, Ausbreitungsform und Größe von Bränden. Es macht einen enormen Unterschied, ob regelmäßig niedrig intensive Bodenfeuer durch einen lichten Wald ziehen oder ob seltene, extrem heiße Kronenfeuer ganze Wälder verschlingen.

Spannend wird es, wenn wir uns einige der Eigenschaften anschauen, welche die Evolution als Anpassung an Feuer hervorgebracht hat. Im Angebot sind hier beispielsweise eine wahnsinnig dicke Baumrinde (Borke), sogenannte serotine Zapfen, die sich erst unter Hitze öffnen und dann die Samen freigeben und solche Samen, die durch Hitze in ihrer Keimung gefördert werden.

Mammutbäume: Giganten, die mit Feuer leben

Der Stamm eines Mammutbaums im Vergleich zu umliegenden Bäumen, die winzig wirken.

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für Pyrophyten sind die Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) Nordamerikas. Diese Bäume wachsen natürlicherweise nur an der Westflanke der Sierra Nevada in Kalifornien. Sie gehören zu den größten lebenden Organismen der Erde und können mehrere tausend Jahre alt werden. Bei uns sind sie neben den botanischen Gärten häufiger in Parkanlagen oder so manchem Privatgarten zu finden.

Wusstest Du schon…?
Ein Riesenmammutbaum mit dem eindrucksvollen Namen „General Sherman“ hat an der dicksten Stelle seiner Basis einen Stammdurchmesser von 11,1 Metern. Würde man diese Fläche als Kreis betrachten, käme man auf eine Fläche von etwa 97 Quadratmetern. Das ist größer als so manche Wohnung.

Gerade weil Riesenmammutbäume so alt und so majestätisch werden können, würde man nicht annehmen, dass sie in ihrem Leben immer wieder mit Waldbränden zu kämpfen haben und sich auch an diese angepasst haben. Darauf mussten Forschende erst stoßen. Die haben festgestellt, dass über eine lange Zeit im 20. Jahrhundert kaum junge Riesenmammutbäume nachwuchsen. Analysen von Holzproben konnten aber zeigen, dass die Populationen noch im 19. Jahrhundert zugenommen hatten. 

Problem: Zu wenig Waldbrand

Als Ursache wurde die jahrzehntelange Feuerunterdrückung erkannt. Ohne Feuer fehlten lichte Lücken, offener Mineralboden und die Reduktion von konkurrierenden Schattenbaumarten. Bei den Riesenmammutbäumen beginnt der Schutz gegen Waldbrände mit ihrer dicken Borke. Sie ist besonders bei älteren Exemplaren extrem faserig, dick und wirkt wie eine isolierende Schutzschicht. Sie enthält wenig Harz und brennt deshalb nicht so leicht wie die Rinde vieler anderer Nadelbäume. Die Borke schützt das darunterliegende Kambium, also das lebende Gewebe des Stammes, welches für die Zellteilung zuständig ist, vor tödlicher Hitze. Zusätzlich sitzen die Kronen alter Mammutbäume sehr hoch über dem Boden. Dadurch erreichen niedrigere Bodenfeuer die Nadeln und Äste großer Bäume meist nicht direkt. Auch das langfristige Absterben tieferer Äste kann dazu beitragen, dass Feuer nicht so leicht vom Boden in die Krone aufsteigen kann.

Wusstest Du schon…?
Die Borke von Riesenmammutbäumen kann mehr als 45 Zentimeter dick werden — also fast einen halben Meter. Viele ältere Mammutbäume weisen schwarze Brandnarben auf. Diese Bäume wurden zwar vom Feuer getroffen, haben es jedoch überlebt und sind weitergewachsen.

Aber Mammutbäume schützen sich nicht nur gegen Feuer — sie brauchen es auch für ihren Nachwuchs. Höhere Temperaturen fördern das Öffnen der Zapfen dieser Art, um die Samen freizugeben. Die winzigen Samen des Riesenmammutbaums keimen zudem besonders gut auf freiliegendem mineralischem Boden mit ausreichend Licht. Ohne regelmäßige Feuer kann sich die Laub-/Nadelstreu am Waldboden ansammeln und konkurrierende Pflanzen können Schatten erzeugen, was der Entwicklung direkt entgegenwirkt.

Aber Achtung: die Anpassung an Feuer bedeutet nicht automatisch, dass die durch den Klimawandel verstärkt auftretenden Waldbrände in Kalifornien gut für die Mammutbäume wären. Wenn sich Feuer durch Klimawandel, Trockenheit und Feuerunterdrückung stark verändert oder in die Baumkronen übergeht, kann selbst ein Pyrophyt überfordert werden. Der National Park Service berichtet, dass die Brände 2020 und 2021 zusammen schätzungsweise 13 bis 19 Prozent der großen Riesenmammutbäume der gesamten Sierra-Nevada-Population getötet haben könnten.

Brände in unseren Wäldern?

Nicht jeder Wald ist automatisch ein „Feuerwald“. Viele Wälder der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas waren historisch deutlich weniger von regelmäßigen Bränden geprägt als etwa boreale Kiefernwälder Skandinaviens, nordamerikanische Nadelwälder oder mediterrane Buschlandschaften. Besonders viele mitteleuropäische Laubwälder entwickelten sich eher unter feuchten Bedingungen mit seltenen natürlichen Feuerereignissen. Statt großflächiger Feuer, spielten dort oft andere Störungen wie Windwurf, kleinräumiges Absterben einzelner Bäume, Insektenbefall oder Überschwemmungen eine wichtigere Rolle für die Walddynamik. 

Deshalb können große, intensive und häufige Waldbrände bei uns problematisch sein. Wenn Feuer in Ökosystemen auftritt, die evolutionär nicht an ein solches Feuerregime angepasst sind, kann es Böden, Samenreserven im Boden und empfindliche Arten stärker schädigen. Dadurch kann die natürliche Regeneration erschwert werden und betroffene Ökosysteme können lange brauchen, um sich wieder zu erholen. Hinzu kommt, dass viele heutige Wälder durch Forstwirtschaft, Monokulturen, Entwässerung und Klimawandel ohnehin unter Stress stehen. Feuerökologie bedeutet also nicht, Waldbrände zu verharmlosen. Sie hilft vielmehr zu verstehen, warum Feuer in manchen Landschaften ein natürlicher Teil der Dynamik ist, während es in anderen Regionen deutlich stärker als außergewöhnliche Störung wirkt.

Die Frage ist also nicht: „Sind unsere Wälder Feuerwälder?“ Sondern eher: Welche heimischen oder hier vorkommenden Arten besitzen Eigenschaften, die Feuer überstehen oder nach einem Feuer profitieren können?

Die Waldkiefer: Pyrophyten unserer Wälder?

Aufgrund ihrer Rinde ist die Kiefer eine Baumart, die man wirklich gut erkennen kann.

Bei unseren Waldbäumen ist die wichtigste Art in diesem Zusammenhang die Waldkiefer (Pinus sylvestris). Zu erkennen ist diese Baumart ganz einfach an ihrer Rinde. Schaut man nach oben, fällt auf, dass ihre Rinde im oberen Stammbereich eine orange-rote Farbe annimmt.

In der Literatur wird die Waldkiefer häufig als feuerangepasste, lichtbedürftige Pionierbaumart beschrieben. Dabei sollte man jedoch genau formulieren: Die Waldkiefer ist nicht in dem Sinne feuerabhängig wie manche nordamerikanischen Kiefernarten mit streng serotonin Zapfen, die sich erst unter großer Hitze öffnen. Sie besitzt aber mehrere Merkmale, die ihr in feuergeprägten Landschaften Vorteile verschaffen: Sie braucht viel Licht, besiedelt offene Flächen schnell und ihre Samen keimen gut auf freigelegtem Mineralboden. Unter Mineralboden versteht man die erste Bodenschicht unterhalb von Laubstreu und Humusauflage. Natürlicherweise liegt der Mineralboden beispielsweise frei, wenn Bäume durch einen Sturm samt ihrer Wurzeln umgeworfen werden. Ältere Waldkiefern können schwächere Bodenfeuer überleben. Das liegt an ihrer dicken Borke im unteren Stammbereich, die sie besser vor Hitze schützt als die Borke vieler anderer heimischer Baumarten.

Die Waldkiefer passt deshalb gut in die Kategorie einer feuerbegünstigten Baumart: Sie ist nicht auf Feuer allein angewiesen, kann aber von den Strukturen profitieren, die Feuer schafft. Es verbrennt Teile der Streu- und Humusauflage, reduziert konkurrierende Bodenvegetation, setzt Asche und Nährstoffe frei und erhöht das Lichtangebot und die Bodentemperatur. Für die Waldkiefer kann das günstig sein, solange das Feuer nicht zu heiß, nicht zu langanhaltend ist und nicht in die Krone übergeht.

Warum natürliche Kiefernwälder oft anders brennen als Kiefern-Forste

Ein deutscher Kiefernforst ist oft der Inbegriff von: „den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“. Viele Stämme stehen in Reih und Glied. Je nach Altersstufe der Bäume stehen die einzelnen Bäume auch recht nah beieinander. Solche Forste können brandgefährdet sein, weil ein Feuer leichter vom Boden in den Kronenraum übergehen kann. Hinzu kommen trockene Nadelstreu, feine abgestorbene Zweige, harzhaltige Pflanzenteile und weitere Faktoren, die eine Ausbreitung des Feuers begünstigen können.

Wenn wir von einem Forst sprechen, wird bereits sprachlich deutlich, dass es sich meist um etwas anderes handelt als um einen natürlich entstandenen Wald. Natürliche Kiefernwälder, die historisch durch Feuer geprägt sind, können dagegen teilweise eher an eine Parklandschaft erinnern: mit einzelnen Altbäumen, Baumgruppen und offenen Zwischenräumen. Das hängt unter anderem mit der Lichtbedürftigkeit der Kiefer zusammen. Junge Kiefern setzen sich unter dichtem, schattigem Kronendach nur schlecht durch. In feuergeprägten Systemen kommt hinzu, dass wiederkehrende, wenig intensive Bodenfeuer viele Sämlinge, Jungbäume, Sträucher und bodennahe Brennstoffe immer wieder reduzieren. Viele junge Bäume erreichen dadurch gar nicht erst die Kronenschicht. Übrig bleiben eher ältere, feuerresistentere Kiefern und offene Zwischenräume.

Die Borke der Wald-Kiefer: Schutzschild mit Grenzen

Anhand dieses exemplarischen Kiefernforstes kann man erahnen, wie dicht ein solcher Forst angelegt sein kann. 

Bei der Waldkiefer verändert sich die Borke mit dem Alter deutlich: Im unteren Stammbereich entsteht eine grobe, rissige Schuppenborke, während die obere Rinde dünner, glatter und auffällig orange- bis rot gefärbt ist. Diese obere Rinde wird oft Spiegelrinde genannt. Für den Brandschutz entscheidend ist aber vor allem die dicke Borke am Stammfuß. Bei Bodenfeuern trifft die Hitze zuerst den unteren Stamm, und die isolierende Borke kann das empfindliche Kambium vor tödlichen Temperaturen schützen. Studien zeigen, dass insbesondere Stammdurchmesser, Baumhöhe und Dicke der groben Borke wichtige Faktoren für die Feuerresistenz der Waldkiefer sind. Der Schutz hat jedoch Grenzen: In tiefen Borkenrissen kann Hitze stärker eindringen, und junge Kiefern mit dünner Borke sind deutlich anfälliger. Auch alte Bäume überleben nicht jedes Feuer — hohe Feuerintensität, lange Hitzeeinwirkung, Kronenbrand, Trockenstress und nachfolgender Insektenbefall können selbst große Kiefern töten. 

Über Pyrophyten hinaus

Wenn dieser Artikel Eure Neugier auf Waldökologie und Zusammenhänge von Wäldern und verschiedensten Faktoren geweckt hat – und falls Ihr neben der Waldkiefer noch andere bei uns vorkommende Nadelbaumarten sicher erkennen können möchtet, dann kommen hier ein paar ganz heiße Empfehlungen für Euch: 

Quellen:

Ellenberg, H., & Leuschner, C. (2010). *Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht* (6. Aufl.). Ulmer.

Fernandes, P. M., Vega, J. A., Jiménez, E., & Rigolot, E. (2008). Fire resistance of European pines. *Forest Ecology and Management, 256*(3), 246–255. https://doi.org/10.1016/j.foreco.2008.04.032

Goldammer, J. G., & Furyaev, V. V. (Hrsg.). (1996). *Fire in ecosystems of boreal Eurasia*. Springer. https://doi.org/10.1007/978-94-015-8737-2

Harvey, H. T., Shellhammer, H. S., & Stecker, R. E. (1980). *Giant sequoia ecology*. U.S. Department of the Interior, National Park Service.

Keeley, J. E., Pausas, J. G., Rundel, P. W., Bond, W. J., & Bradstock, R. A. (2011). Fire as an evolutionary pressure shaping plant traits. *Trends in Plant Science, 16*(8), 406–411. https://doi.org/10.1016/j.tplants.2011.04.002

Lamont, B. B., Le Maitre, D. C., Cowling, R. M., & Enright, N. J. (1991). Canopy seed storage in woody plants. *The Botanical Review, 57*(4), 277–317. https://doi.org/10.1007/BF02858770

National Park Service. (o. D.). *Giant sequoias and fire*. U.S. Department of the Interior. Abgerufen am 11. Mai 2026, von https://www.nps.gov/seki/learn/nature/giant-sequoias-and-fire.htm

Sydorenko, O., Goldammer, J. G., & Held, A. (2019). Fire resistance of Scots pine (*Pinus sylvestris* L.) in relation to bark properties and tree morphology. *Forests, 10*(11), 1020. https://doi.org/10.3390/f10111020

U.S. Forest Service. (o. D.). *Pinus sylvestris*. Fire Effects Information System (FEIS). Rocky Mountain Research Station. Abgerufen am 11. Mai 2026, von https://www.fs.usda.gov/database/feis/plants/tree/pinsyl/all.html

Wohlgemuth, T., Jentsch, A., & Seidl, R. (Hrsg.). (2019). *Störungsökologie* (UTB 5018). Haupt Verlag.