Vielleicht habt Ihr sie schon einmal entdeckt: Kleine „Wälder“, die mitten auf einem Acker wachsen. Doch was steckt dahinter? Hierbei handelt es sich um sogenannte Kurzumtriebsplantagen, auf denen schnellwachsende Baumarten stehen, aus denen später Energieholz und Hackschnitzel entstehen. Wie aus kleinen Bäumen Energie wird, wie die Ernte funktioniert und was Kurzumtriebsplantagen mit Biodiversität zu tun haben, erfahrt Ihr hier.

Junge Korbweiden (Salix viminalis) – hier wächst die Energie von morgen! 

Acker mal anders!

Auf den ersten Blick sehen Kurzumtriebsplantagen (KUP) fast wie kleine Wälder aus. Tatsächlich handelt es sich aber um ganz normale Acker, auf denen man kein Getreide oder Kartoffeln pflanzt, sondern schnell wachsende Baumarten wie Weiden und Pappeln. Meistens findet Ihr KUPs tatsächlich neben landwirtschaftlichen Flächen. Die Bäume stehen dicht an dicht in Reihen und wachsen innerhalb weniger Jahre zu einer beachtlichen Größe heran. Nach einigen Jahren werden die Bäume geerntet und überwiegend zu Hackschnitzel weiterverarbeitet. Diese wiederum kann man zur Energiegewinnung nutzen, indem man sie verbrennt. Deshalb spricht man häufig von Energieholzplantagen oder Energiewäldern. Neben Hackschnitzeln wird auch ein Teil des Holzes in der Papier-, Zellstoff- oder Holzwerkstoffindustrie verwendet.

Vor allem für Land- und Forstwirt:innen werden Kurzumtriebsplantagen immer interessanter. Denn man muss keinen eigenen Wald besitzen, um mit Holz Geld zu verdienen. KUPs machen es möglich, auf landwirtschaftlichen Flächen in kurzer Zeit große Mengen an Holz und demnach nachwachsende Biomasse zu produzieren. Vor allem im Anblick des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen wird nachhaltige Energiegewinnung, wie z.B. mit Hackschnitzel, immer wichtiger.

Wusstest Du schon…?
Auch wenn Kurzumtriebsplantagen auf den ersten Blick wie kleine Wälder aussehen, zählen sie rechtlich nicht als Wald. Die Bäume wachsen nur für wenige Jahre heran, bevor man die gesamte Fläche erntet. Dabei bleiben keine Bäume stehen. So entstehen keine typischen, dauerhaften Waldstrukturen. Deshalb gelten KUPs rechtlich als landwirtschaftliche Dauerkultur, auch wenn sie zwischen den Ernten durchaus wie ein Wald aussehen können. 

Auf der Kurzumtriebsplantage der Baumschule Dendroquant GmbH entwickeln sich die kleinen Bäume zu wertvollem Energieholz.

So wird aus einem Feld eine Kurzumtriebsplantage  

Der Anbau einer KUP beginnt auf einem ganz normalen Acker. Besonders gut eignen sich landwirtschaftliche Flächen, die ausreichend mit Wasser versorgt sind. Dort pflanzt man meist sogenannte Weiden und Pappel-Hybride, meistens Balsam-Pappel und Korbweide, die besonders schnell wachsen und für Ackerstandorte angepasst sind. 

Statt großer Bäume kommen zu Beginn kleine Stecklinge in den Boden. Ein Steckling ist eine etwa 20 bis 35 Zentimeter kleine Jungpflanze, aus der ein Baum heranwächst. Gepflanzt wird in der Regel zwischen Ende März und Anfang Juni. Das erfolgt je nach Größe der Fläche von Hand oder mit speziellen Pflanzmaschinen. Schon jetzt entscheidet sich, wie gut die Bäume später wachsen. Deshalb wählen Land- und Forstwirt:innen die Baumarten sorgfältig aus. Denn nicht jede Weide oder Pappel fühlt sich überall gleich wohl. Boden, Niederschlag und Klima müssen zum jeweiligen Baum passen. Stimmen die Bedingungen, können die jungen Bäume richtig durchstarten und reichlich Biomasse produzieren.

Ungebetene Gäste

In den ersten Monaten brauchen die kleinen Pflanzen noch etwas Aufmerksamkeit. Vor allem Unkraut kann ihnen das Leben schwer machen, wenn es um Wasser, Nährstoffe und Licht konkurriert. Deshalb kommt in dieser Anwuchsphase bei Bedarf Pflanzenschutz zum Einsatz. Sind die Bäume erst einmal kräftig genug, können sie sich weitgehend selbst behaupten. Doch auch eine KUP ist nicht vor ungebetenen Gästen sicher. Da viele Bäume einer Art dicht nebeneinander wachsen, können sich Schädlinge und Krankheiten umso schneller ausbreiten. Deshalb muss man die Plantagen regelmäßig kontrollieren. Mit der richtigen Auswahl und etwas Geduld verwandelt sich der Acker schließlich in eine kleine grüne Energiequelle.

Heranwachsende Balsam-Pappeln (Populus suaveolens) reihen sich dicht an dicht – aus kleinen Stecklingen ist inzwischen ein grüner „Energiewald“ geworden.

Wusstest Du schon…?
Einmal pflanzen, mehrfach ernten! Das ist einer der großen Vorteile von Kurzumtriebsplantagen. Nach der Ernte verschwinden die Bäume zwar vom Acker, ihre Wurzeln bleiben jedoch im Boden. Aus den sogenannten Wurzelstöcken treiben schon bald neue Triebe aus und wachsen wieder zu kräftigen Bäumen heran. 

Jetzt wird geerntet! 

Nachdem die Bäume Zeit zum Wachsen hatten, kann man sie alle zwei bis fünf Jahre ernten. Dafür eignet sich besonders der Winter: Die Bäume tragen kein Laub und lassen sich somit leichter abholzen. Doch wie erntet man eigentlich ein ganzes Feld voller Bäume? Mit reiner Muskelkraft wäre das eine ziemlich große Aufgabe. Deshalb übernehmen spezielle Maschinen die Arbeit.

Ein selbstfahrender Vollernter fährt durch die Reihen und erledigt gleich mehrere Schritte auf einmal: Er schneidet die Bäume direkt am Stamm ab, zerkleinert das Holz und produziert daraus sofort Hackschnitzel. Unter guten Bedingungen liefert eine Kurzumtriebsplantage im Durchschnitt bis zu rund 10 Tonnen Trockensubstanz pro Jahr und Hektar. Doch was bedeutet das eigentlich? Mit der Trockensubstanz ist die reine Holzmasse ohne Wasser gemeint, also eigentlich einfach nur, wenn man das Holz trocknet. 10 Tonnen – das entspricht ungefähr dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefantenbullen. Läuft es besonders gut, kann sich die Menge sogar verdoppeln. Somit können pro Hektar etwa 19 bis 26 Tonnen Kohlenstoff gespeichert werden!

Nach etwa 20 bis 30 Jahren lässt die Wuchsleistung der KUP jedoch nach. Die Bäume wachsen dann nicht mehr so kräftig und liefern weniger Ertrag. Dann endet der Lebenszyklus der Plantage und die Fläche wird wieder zurück in einen landwirtschaftlichen Acker umgewandelt. Falls Euch interessiert, wie man im Gegensatz dazu einen echten Wald erntet, könnt Ihr das gerne hier nachlesen. 

Damit zeigen KUPs, welches Potenzial in schnell wachsenden Bäumen steckt. Gerade angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen gewinnen nachwachsende Rohstoffe für die Energiegewinnung zunehmend an Bedeutung. Kurzumtriebsplantagen können dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Sie produzieren auf vergleichsweise kleiner Fläche immer wieder neue Biomasse und speichern große Mengen an Kohlenstoff.

Aus den verbliebenen Wurzelstöcken nach der Ernte treiben bereits die nächsten Pappeltriebe aus, ganz ohne Neupflanzung.

Wie sieht es mit der Biodiversität aus?

Auf den ersten Blick könnte man denken: Viele Bäume derselben Art – was soll daran schon gut für die Biodiversität sein? Eine Kurzumtriebsplantage ersetzt zwar keinen naturnahen Wald, kann aber gerade in einer intensiv genutzten Ackerlandschaft einen wichtigen ökologischen Unterschied machen. Wo vorher jedes Jahr eine andere Kultur auf dem Acker stand, wachsen plötzlich über mehrere Jahre Bäume. Der Boden bleibt länger ungestört, zwischen den Baumreihen können Gräser, Kräuter und andere Pflanzen wachsen und die Fläche bietet zusätzlichen Lebensraum für verschiedene Tiere. Gleichzeitig kommen in KUPs meist weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz als im klassischen Ackerbau.

Kurzumtriebsplantagen als Trittsteine

Damit können KUPs wie kleine grüne Trittsteine in einer ansonsten stark landwirtschaftlich geprägten Landschaft wirken. Sie bringen mehr Struktur in die Landschaft, schützen den Boden vor Erosion und fördern das Bodenleben. Auch Humus kann sich im Oberboden anreichern. Allerdings gilt: KUP ist nicht gleich Naturwald. Ein naturnaher Wald bietet deutlich mehr unterschiedliche Lebensräume und Arten. Auch den höheren Wasserbedarf der schnell wachsenden Bäume sollte man im Blick behalten. Besonders in trockenen Regionen kann eine KUP deshalb an ihre Grenzen kommen.

Grüne Trittsteine in der Agrarlandschaft: KUPs bringen Struktur in großflächige Ackerlandschaften und fördern somit die Biodiversität.

Unterm Strich können KUPs die Artenvielfalt in intensiv genutzten Ackerregionen durchaus bereichern – vor allem dort, wo sie für mehr Struktur, längere Bodenruhe und weniger intensive Bewirtschaftung sorgen. Gleichzeitig liefern sie nachwachsenden Rohstoff für die Energiegewinnung und können damit auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Quellen:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/nachhaltiges-wirtschaften/biooekonomie/biomasse/kup.html

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/holz-und-markt/holzenergie/kohlenstoffspeicherung-in-kups

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzumtriebsplantage

Belau, T., 2012. Energiepflanzen: Daten für die Planung des Energiepflanzenanbaus, 2. Aufl. ed, KTBL-Datensammlung mit Internetangebot. KTBL, Darmstadt.

Döpke, K., Moschner, C.R., Hartung, E., 2018. Die ökologischen Aspekte von Kurzumtriebsplantagen – eine Literaturstudie. Landtechnik 68, 33–37.

Janssen, D.A., Fey-Wagner, C., Hofmann, M., Mu, H., HessenRohstoffe, K., 2010. Verbundvorhaben FASTWOOD: Züchtung schnellwachsender Baumarten – Teil Pappeln.

Bildnachweis: Die Bilder durften freundlicherweise auf den Flächen von Dendroquant GmbH aufgenommen werden.