Setzt die Abenddämmerung ein, erwacht die Nacht zum Leben und somit auch die Fledermäuse. Mit ihren spitzen Zähnen, großen Ohren und zarten Flughäuten werden sie auch als Kobolde der Nacht bezeichnet. Lautlos und schnell gleiten sie durch den Wald oder über unsere Häuser. Einige Arten sind dabei auf intakte, naturnahe Wälder angewiesen – warum das so ist und wie wir diese faszinierenden Geschöpfe schützen können, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wenn der Tag in die Nacht übergeht, beginnt seine Jagd – ein Abendsegler auf Insektenfang.

Kleine Körper, große Superkräfte: Fledermäuse erklärt

Vielleicht habt Ihr es auch schon mal erlebt: Ihr seid an einem lauen Sommerabend durch den Wald oder die Straßen gelaufen und plötzlich huscht etwas Dunkles und Schnelles über Eure Köpfe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren es Fledermäuse!

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Kein anderes Säugetier auf der Erde beherrscht die Lüfte so wie sie. Um fliegen zu können, haben sie sogenannte Flughäute zwischen ihren verlängerten Fingerknochen, Armen, Beinen sowie dem Schwanz. Die Flugkünstler haben ein dichtes Fell, das meist braun, grau oder fast schwarz gefärbt ist. Besonders auffällig sind ihre großen Ohren, mit denen sie Schallwellen auffangen und so ihre Beute orten können. Kaum zu glauben, aber wahr: Fledermäuse können trotz ihrer geringen Größe (5-8 cm) bis zu 30 Jahre alt werden. Zudem spielen die kleinen Lebewesen in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle, denn sie übernehmen nachts die Aufgabe, die tagsüber von Vögeln erledigt wird: Sie jagen Insekten und halten so das Gleichgewicht der Natur aufrecht.

Wusstest Du schon…?
Fledermäuse sind die einzigen Landlebewesen, die sich mithilfe von Ultraschall und Echoortung orientieren. Sie stoßen Töne aus, die für uns Menschen unhörbar sind, und „sehen“ damit ihre Umgebung und Beute allein durch das Zurückwerfen der Echos. Ziemlich faszinierend, oder?

Eine Bechsteinfledermaus mit ihren großen Ohren, flauschigem Fell und den zarten Flughäuten.

Welche Fledermäuse leben in unseren Wäldern?

Die meisten Fledermäuse in Deutschland sind eng an den Wald gebunden. Mikrohabitate wie Baumhöhlen, Spalten und abstehende Rindenstücke dienen ihnen als wichtige Verstecke. Selbst kleine Hohlräume, die durch Spechte oder abgebrochene Äste entstehen, verwandeln sich mit der Zeit in sichere Quartiere. In diesen geschützten Rückzugsorten finden die kleinen Kobolde der Nacht alles, was sie zum Leben brauchen: Schlafplätze, Winterquartiere und Orte, um ihren Nachwuchs großzuziehen – fern von Fressfeinden und Störungen. Dabei nutzen die verschiedenen Fledermausarten den Wald auf ganz unterschiedliche Weise.

Manche Arten verbringen ihr gesamtes Leben zwischen den Bäumen, wie die Bechsteinfledermaus, die Mopsfledermaus oder das Braune Langohr. Diese Arten sind besonders auf alte, strukturreiche Laubmischwälder mit vielen Höhlen angewiesen. Andere hingegen kommen vor allem zur Jagd in den Wald, wie beispielsweise der große oder kleine Abendsegler. Die Wasserfledermaus hingegen geht einen anderen Weg: Sie streift entlang von Bächen und Gewässern, während sie ihre Quartiere oft in Gebäuden oder unter Brücken hat. Für die Bechsteinfledermaus und die Mopsfledermaus trägt Deutschland sogar eine besondere Verantwortung, da ein großer Teil ihrer weltweiten Population hier vorkommt.

Wusstest Du schon…?
Weltweit gibt es bis zu 1.500 Fledermausarten, davon leben rund 55 in Europa. In Deutschland sind 25 Arten heimisch und alle stehen unter Schutz, weil ihre Bestände zum Teil stark gefährdet sind!

Baumhöhlen bieten ein natürliches Versteck für Fledermäuse.

Insekten satt! So decken Fledermäuse ihren Nachttisch

Der Wald ist für Fledermäuse weit mehr als nur ein Ort für ihre Quartiere. Er bietet ihnen ein wichtiges Nahrungsangebot. Hier finden sie eine große Vielfalt an Insekten, die sich in der geschützten Umgebung des Waldes besonders gut vermehren können. Obwohl alle Fledermausarten in Deutschland Insekten jagen, haben sie unterschiedliche Strategien entwickelt, um sich dabei nicht in die Quere zu kommen.

Der Große Abendsegler etwa jagt hoch über den Baumkronen und fängt seine Beute im freien Luftraum. Andere Arten wie die Bechsteinfledermaus oder das Braune Langohr gehen deutlich ruhiger vor: Sie schweben langsam durch den Wald und „lesen“ ihre Beute von Blättern und Zweigen ab. Dabei erbeuten sie auch flugunfähige Tiere wie Raupen, Heuschrecken, Wanzen und Spinnen. Das Große Mausohr jagt nahe am Boden und bevorzugt hierbei Wälder mit möglichst wenig Unterwuchs. Im Gegensatz dazu verrät bei der Wasserfledermaus bereits der Name, dass diese Art ihre Beute über Bächen und Gewässern jagt. Die hocheffizienten Insektenjäger tragen somit maßgeblich zur Regulierung von Insektenschädlingen bei und sind dadurch eine wertvolle Unterstützung für die Forstwirtschaft.

Wusstest Du schon…?
Manche Fledermäuse fressen in nur einer Nacht bis zu 4.000 Mücken! Tatsächlich besteht die Nahrung der in Deutschland lebenden Fledermäuse fast ausschließlich aus Insekten. Auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, Fledermäuse seien blutsaugende Wesen, stimmt das so nicht: Weltweit gibt es nur drei Arten, die sich überhaupt von Blut anderer Säugetier oder Vögel ernähren (ausschließlich in Amerika). Und keine Sorge, Menschen stehen dabei nicht auf ihrem Speiseplan.

Ganz schön beeindruckend, oder? Sogar Schmetterlinge stehen auf der Speiseliste der Fledermäuse.

Warum sind unsere Fledermäuse gefährdet?

Fledermäuse gehören in Deutschland zu den besonders gefährdeten Säugetieren. Mit zunehmender intensiver Nutzung der Wälder verschwinden immer mehr alte Bäume, Höhlen und strukturreiche Bereiche. Genau diese Orte brauchen Fledermäuse als Quartiere und Jagdgebiete. Ihr Lebensraum wird dadurch immer kleiner oder geht ganz verloren. Das ist besonders problematisch, weil Fledermäuse sich nur langsam vermehren: Oft bringt ein Weibchen pro Jahr nur ein Jungtier zur Welt. Geht ein Quartier verloren, kann das deshalb große Auswirkungen auf die gesamte Population haben.

Hinzu kommt, dass viele Fledermäuse regelmäßig ihre Verstecke wechseln, teils alle zwei bis drei Tage. So entgehen sie Parasiten und Fressfeinden. Dafür brauchen sie jedoch viele geeignete Bäume in kurzer Entfernung. In bewirtschafteten Wäldern fehlen diese oft. Neben den schon lange bekannten Problemen kommen weitere und neue Gefahren hinzu: Der Ausbau der Windenergie kann für Fledermäuse zu einer Gefahr werden, da sie beim Jagen in hohen Lüften, wie der große Abendsegler, mit Windrädern kollidieren und dadurch sterben können. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Insekten beispielsweise durch Pestizideinsatz stark ab – also genau die Nahrungsquelle, von der Fledermäuse leben.

Kleiner Abendsegler aus Baumhöhle: “Hey! Das ist mein Zuhause – bitte nicht fällen!”

So wird der Wald fledermausfreundlich 

Waldbesitzende und Förster:innen können aktiv dazu beitragen, Fledermäusen zu schützen. Denn schon mit kleinen Maßnahmen lässt sich der Wald wieder zu einem lebendigen Lebensraum für die nächtlichen Jäger machen. Wo natürliche Verstecke fehlen, können Fledermauskästen bzw. Nistkästen als „Ersatzhöhlen“ dienen und den Tieren zumindest vorübergehend Schutz bieten. Bei Waldumwandlungen, also wenn Wälder aufgrund von anderen Nutzungen wie Straßenbau abgeholzt werden, müssen als Ausgleichsmaßnahme für die verlorenen Feldermaushabitate Nistkästen aufgehängt werden. Noch wichtiger ist jedoch ein vielfältiger Wald, der ausreichend Nahrung bereithält. Lichtungen, Waldränder, Forstwege oder Gewässer sind wahre Insekten-Hotspots und damit ideale Jagdgebiete für Fledermäuse.

Gerade scheinbar „unordentliche“ Waldbereiche haben großen Wert: Totholz und alte Bäume fördern die Insektenvielfalt und bieten gleichzeitig wichtige Verstecke. Sogenannte Zwiesel, also Gabelungen eines Astes, werden oftmals in Wirtschaftswäldern entnommen, da sie kaum Gewinn erbringen. Doch diese Strukturen bieten sowohl den Insekten als auch den Fledermäusen einen optimalen Lebensraum. Wer solche Strukturen im Wald belässt, schafft Lebensräume für viele Arten. Besonders wertvoll sind sogenannte Habitatbäume, also alte, höhlenreiche Bäume, die Fledermäusen als Quartier dienen können. Damit Fledermäuse sicher zwischen ihren Quartieren und Jagdgebieten wechseln können, brauchen sie zudem „Leitlinien“ in der Landschaft. Hecken, Feldgehölze oder bewachsene Bachufer dienen ihnen wie unsichtbare Wege, an denen sie sich orientieren und geschützt durch die Nacht fliegen. Diese Maßnahmen helfen dabei, fehlende Lebensräume auszugleichen und Fledermäusen langfristig eine Zukunft zu geben.

Ein großer Abendsegler hat Schutz in einem Nistkasten gefunden.
Quellen:

https://www.bundesumweltministerium.de/themen/artenschutz/internationaler-artenschutz/fledermaeuse

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/artenschutz/fledermaeuse-und-waldstrukturen

https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/forstcastnet/238831/index.php

Hier klicken, um den Inhalt von www.fledermausschutz.de anzuzeigen.

https://www.bfn.de/fledermausschutz-und-windenergieanlagen

Stein, B., Faste, M. (Eds.), 2004. Faszination Fledermaus: von einem, der auszog, Fledermäuse zu fotografieren; der Weg des Naturfreunds Bernd Stein zur Tierfotografie = Amazing bats. Faste, Kassel.

https://stein-naturfoto.de/fledermaeuse/