Wir alle kennen Pferde von Lucky Luke, Bibi und Tina oder manch einer auch aus dem Reitunterricht. Kinder kennen sie oft als süße Ponys, die man streicheln möchte, oder als leistungstragende Sporttiere, die Turniere wie beim Springreiten bestreiten. Aber wusstet Ihr, dass manche Pferde auch außerhalb der Hobby-Reitwelt Jobs haben? Ein paar davon arbeiten im Wald als Rückepferde.  Doch was ist eigentlich ein Rückepferd? Kann jedes Pferd im Wald aktiv werden? Welche Arbeit kann es überhaupt im Forst übernehmen und wird es zukünftig mit großen Forstmaschinen mithalten können?

Hier kriegt Ihr einen kleinen Vorgeschmack, um was es sich heute drehen könnte. 

Na, seid Ihr nun neugierig, was es braucht, um ein Rückepferd zu werden? Dann bleibt dran, denn mehr erfahrt Ihr in diesem Artikel! 

https://youtu.be/AnMJ4xDDTpw

Was macht ein Pferd zum Rückepferd?

Ein Rückepferd unterstützt in der Forstwirtschaft, wie der Name schon sagt, beim Holzrücken. Bei der Holzernte ziehen normalerweise Seilschlepper die gefällten Stämme an die Rückegassen gezogen oder der Harvester legt diese direkt an der Rückegasse ab. Das Pferd ersetzt diesen Arbeitsschritt. Es zieht also die Stämme von ihrem Ursprungsort an die Rückegasse. Dort lädt der Forwarder das Holz anschließend auf und bringt es aus dem Bestand an den Waldweg. 

Im Forst eignen sich hauptsächlich Kaltblutrassen, wie bsp. Rheinisch-Deutsches Kaltblut oder der Schwarzwälder Fuchs, mit einem Mindestgewicht von 800 kg – 1.200 kg für die Ausbildung zum Rückepferd. Sie sind nämlich von Natur aus sehr ausdauernd und leistungsstark, was wichtig für die schwere Arbeit ist. Diese Arbeit wäre für Warmblutpferde, die mit ihrer Athletik und Aktivität im Reitsport zuhause sind zu schwer, weshalb nur die ausgeglichenen, kräftigen Kaltblutpferde sich für die Arbeit eignen. Mittelschwere Kaltblutpferde mit einem Gewicht von 700 – 800 kg kommen vor allem in bergigen Gelände zum Einsatz, da sie am Hang geschickter sind.

Das Verhältnis von Mensch und Tier

In jedem Fall sollten Mensch und Pferd ein gutes Verhältnis zueinander haben, denn ohne Zusammenarbeit geht es in der Tat schleppend voran. Auch wenn ein Pferd erst in einem Alter von sechs Jahren komplett entwickelt ist, kann man es ab einem Alter von drei Jahren ausbilden. In der Ausbildung übt man mit dem Pferd zunächst die wichtigen Kommandos. Sowohl vorwärts und rückwärts laufen, als auch das Stehen bleiben auf Kommando, will trainiert sein. Schließlich besteht die Arbeit später aus einem ständigen Wechsel zwischen Belastung und Pause. Auch an die Arbeitsausrüstung muss man das Pferd gewöhnen. Zu guter Letzt steht das Laufen mit leichter und schwerer Last auf dem Trainingsplan. 

Rückepferd Dolch mitten an der Arbeit. Um seinen Hals trägt er das Kummet, welches dick gepolstert, versteift um seinen Hals hängt. Es sorgt dafür, dass sich die Last gleichmäßig auf den Schultern des Pferdes verteilt.

Wusstest Du schon…?
Die Kommandos, die der Mensch an das Pferd gibt, müssen eindeutig und klar verständlich sein. “Ha” und “Hot” ersetzen “links” und “rechts”. Bei “Hü” geht es vorwärts und “Brr” bedeutet “stehen bleiben”. Von Gespann zu Gespann gibt es natürlich Unterschiede. Die Führleine, die am Geschirr eingehakt ist, unterstützt dabei die Stimm-Kommandos.

Rückepferd und Maschine ergänzen sich

In den letzten Jahrzehnten übernahmen Schlepper die Aufgaben der Pferde, sodass die tierischen Mitarbeiter immer weniger zum Einsatz kamen. Doch früher unterstützten Pferde die Menschen in Land- und Forstwirtschaft in vielen Bereichen. Im Forst ist das bis heute nicht nur das Holzrücken, sondern zum Beispiel auch die Bodenlockerung mit einem Pflug, damit Naturverjüngung sich leichter verbreiten kann oder auch die Unterstützung beim Anlegen von Pflanzstreifen für die Pflanzung neuer Aufforstungsflächen. Heute kann man den Einsatzbereich von Maschine und Pferd gut kombinieren.

Maschinen brauchen bekanntlich breite Rückegassen im Wald, um dem Bestand keinen Schaden zuzufügen. Der Boden in diesen Gassen ist dementsprechend stark verdichtet. Das könnt Ihr Euch vorstellen, als würdet Ihr einen Schneeball formen und den dann feste zusammendrücken. Die wenige Luft zwischen den Schneeflocken wird herausgedrückt und der Schnee verfestigt. Das gleiche passiert mit dem Boden, wenn schwere Maschinen ihn befahren. Keine Lufträume im Boden? Kein Leben!

Rückepferd gegen Bodenverdichtung

Um also die Bodenverdichtung minimal zu halten, werden die Abstände von Rückegasse zu Rückegasse vergrößert – beispielsweise auf 40 m Gassenabstand. Der Harvester kann allerdings oft nicht weiter als 10 m mit seinem Kran greifen. Nach ihm bleibt also die Mitte des Bestandes unbearbeitet. Um an das noch stehende Holz zu kommen, gibt es nun zwei Möglichkeiten. Forstwirt:innen fahren mit einem Schlepper und Seilwinde die Gasse entlang, fällen die Bäume im Mittelblock und ziehen die Stämme mit der Seilwinde an die Rückegasse. Oder aber statt des Schleppers kommt hier unser Pferd zum Einsatz und zieht die Stämme an den Gassenrand. Vorliefern nennt man das übrigens. 

Kaltblüter können die Arbeit im Wald leisten, da sie von Natur aus eine ruhige und leistungsstarke Art mit sich bringen. 

Wusstest Du schon…?
Pferde können am Tag bis zu 30 Festmeter bewegen. Kurzzeitig sind sie sogar fähig, bis zu 50 % ihres eigenen Körpergewichtes zu ziehen. Das ist schon eine ganze Menge. Ihr idealer Einsatzbereich liegt jedoch bei einer Belastung von nicht mehr als 20 % und in Beständen, die vor allem Brennholz liefern. Also Stämme, die maximal 30 cm dick und 5 – 10 m lang sind. Stammholz, aus dem man Möbel und Bauholz fertigen kann, liegt aufgrund der Dimension außerhalb des Machbaren für ein Pferd. Für starkes Holz liegt der Fokus also weitestgehend auf Maschinen. Bei Standorten mit empfindsamen Böden und schwächerem Holz kann das Pferd eine gute Alternative sein. Denn Brennholzstämme sind weniger lang, dünner und deshalb leichter, weshalb das Pferd diese leichter bewegen kann.

Wenn das Pferd flacher und schneller atmet, braucht es eine Pause. Das ist im Schnitt nach ca. 2 – 4 Stunden.

Pferdearbeit im Detail: Die Pro und Contras für das Pferd im Wald 

Vorliefern kann man folglich sowohl mit der Maschine als auch mit dem Pferd. Die Arbeit beim Rückepferd läuft wie folgt ab: Eine Forstwirtin oder ein Forstwirt fällt einen Baum. Das Pferd zieht eine Kette hinter sich her, an welcher der Pferdeführer den Stamm anbindet. Mithilfe der trainierten Kommandos wird der Stamm an die Gasse gezogen, dort abgelegt und der nächste geholt. Die Vorteile dieser Arbeitsweise?

Das Pferd ist nicht an die Rückegassen gebunden und kann quer durch den Bestand laufen, ohne dem Boden langfristig zu schaden. Außerdem ist es sehr flexibel und wendig zwischen Bäumen, wo eine Seilwinde nicht mehr mithalten kann, da diese immer einen geraden Seilzug zwischen den Bäumen braucht. Dadurch kann das Pferd pfleglicher arbeiten und hinterlässt oft weniger Schäden. Es lockert sogar den Boden mit seinen Hufen auf, wodurch sich Naturverjüngung später leichter ansamen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass unser Pferd nicht in großen Mengen mit fossilen Kraftstoffen wie Diesel “fährt”, sondern mit Heu, Kraftfutter, Obst und Gemüse. 

Wichtig für die Arbeit ist, dass das Gelände nicht zu steil ist und dass wenig Gestrüpp und Sträucher auf dem Boden wachsen. Die sind beim Laufen im Weg. Und die Nachteile? Die Stärke eines Pferdes ist beschränkt. Maschinen haben weitaus mehr Kraft. Sie können länger arbeiten, deutlich mehr heben und die Holzstämme zu Holzpoltern aufhäufen. Wirtschaftlich schenken sich die beiden Verfahren eher wenig. Die Maschine ist durch ihre Einsatzstärke auf den ersten Blick günstiger. Wenn diese jedoch Schäden hinterlassen, gleicht sich dieser Punkt dem Pferd gegenüber wieder aus. Dennoch kann ein Pferd nicht die gleiche Menge an Arbeit in einer Stunde leisten, wie es die Maschine kann, was für das Pferd ein begrenzender Faktor ist.  

An der Kette zieht das Pferd den Stamm hinter sich her.

Also nur noch “über Stock und über Stein” oder kann es nur noch ein Harvester sein?

Rückepferd und Maschine können sich heutzutage gut ergänzen. Vor allem in Brennholzbeständen ist das Pferd der Maschine einen Tritt voraus. Das Pferd ist, gerade auf empfindlichen Böden pfleglicher und wendiger, die Maschine stärker und schneller. Was das Pferd nicht an Diesel braucht, bedarf es aber an Aufmerksamkeit und Pflege. Schließlich stellt man es nach getaner Arbeit nicht einfach in eine Garage und schmiert die Schrauben. Dieser Hingabe muss sich erstmal jemand annehmen. Auch bedarf es Fingerspitzengefühl des Menschen, das Tier nicht zu überlasten. Denn leider leuchtet hier kein Warnlicht auf, wenn der Kran… äh das Pferd überladen ist. Rückepferde zeigen eindrucksvoll, dass traditionelle Methoden auch heute noch eine nachhaltige und schonende Alternative in der Forstwirtschaft darstellen können. Na seid Ihr neugierig geworden? Hier könnt Ihr sehen, ob es vielleicht auch eine/n Pferderücker:in in Eurer Nähe gibt. 

Quellen:

Clara Zins-Grohé (2022): ,Verrücktes‘ Holz im Gerolsteiner Winterwald. Hg. v. Stadt Gerolstein. Online verfügbar unter https://gerolstein.org/de/nachrichten/details-nachrichten/verruecktes-holz-im-gerolsteiner-winterwald.html, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Inga Maushake (o.D.): Rückepferde bei der Holzernte – ein Zukunftstrend? Hg. v. Grube KG. Online verfügbar unter https://www.grube.de/magazin/holzernte-mit-rueckepferden/, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Julia Wirth (2008): Pferde in der modernen Forstwirtschaft: Vergleich von Leistung und Pfleglichkeit zwischen Pferd und Seilschlepper beim Vorliefern von Fichten – Vollbäumen. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Monika Runkel (2025): Umweltfreundliches Holzrücken – Pferd und Maschine. Hg. v. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Online verfügbar unter https://www.waldwissen.net/de/technik-und-planung/forsttechnik-und-holzernte/waldarbeit/umweltfreundliches-holzruecken-pferd-und-maschine, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Sebastian Seyboldt (2023): Vorliefern in hochwertigen Eichen-Mischbeständen mittels Rückepferd und Vorlieferraupe: Ein Systemvergleich von Wirtschaftlichkeit und Pfleglichkeit. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. 

Sieltec GmbH & Co. KG: PUR Einspännergeschirr komplett. Online verfügbar unter https://sieltec-shop.com/pur-einspaennergeschirr-komplett/siel300m.5 , zuletzt geprüft am 12.04.2026.