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Forststudium-Lifehacks – wichtige Infos zum Studienbeginn

Während der Sommer gerade in den letzten Zügen ist, geht es im Wald richtig los. Die Blätter färben sich langsam bunt, die Holzernte beginnt bald und auch die Jagdsaison fängt jetzt erst so richtig an. Für manche Menschen bedeutet der Herbstbeginn aber auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Die Rede ist von allen, die das Glück haben, ein Forststudium zu beginnen. Für Euch ist dieser Artikel!

Wir bei Forst erklärt haben (fast) alle Forst studiert. Um ehrlich zu sein, sind manche von uns auch noch dabei. Trotzdem blicken wir auf einige Jahre an forstlichen Hochschulen und Unis zurück. Und da wir immer wieder Fragen bekommen, wie man sich am besten auf so ein Studium vorbereitet, hatten wir kurzerhand die Idee mal ein kleines Forststudium 1×1 zu schreiben. In diesem Artikel erfahrt Ihr alles, was Ihr braucht, was Ihr lernen werdet und worauf es (aus studentischer Perspektive) wirklich ankommt. Einen kleinen Disclaimer müssen wir allerdings machen: Die meisten von uns haben in Göttingen an der HAWK und der Uni studiert. Forst kann man aber auch an anderen Orten in Deutschland studieren. Die Grundlagen sind vermutlich alle gleich, im Detail unterscheiden sich die Ansprüche der Unis aber dann schon. Es ist also schwierig, eine Pauschale für alle Universitäten zu finden. 

Was lernt man im Studium?

Im Grunde ist das Forststudium ein breit aufgestelltes, naturwissenschaftliches Studium mit wirtschaftlichen Einflüssen. Ihr könnt also davon ausgehen, dass ihr alle Bäume, die bei uns wachsen erkennen und bestimmen müsst. Ja, dazu  gehört auch, dass man die botanischen Namen (die so lateinisch und griechisch anmuten) kennen muss. Eine Liste, welche Arten das sind, verlinken wir Euch hier. Ihr könnt also mit dem Lernen der botanischen Namen direkt beginnen! Wie Ihr vielleicht schon mal gehört habt, sehen Bäume aber nicht immer gleich aus. Deswegen müssen wir sie im Winter anhand ihrer Knospen und im Sommer anhand der Blätter bestimmen können. Um das zu lernen, gibt es extra Bestimmungsschlüssel. Welche das sind, haben wir Euch unten in der Bücherliste verlinkt.

Neben den Bäumen müssen wir auch eine Vielzahl von krautigen Pflanzen kennen. Im Grunde alles, was auf dem Waldboden wächst, sollten wir bestimmen können. Von Farnen über Moose bis zu Gräsern rauben die krautigen Pflanzen, die meist im Frühjahr abgefragt werden, vielen Studierenden den Schlaf. 

Keine Angst!

Aber keine Angst. Bei uns gab es eine Vielzahl von Tutorien und Praxisübungen, in denen man alle Pflanzen in Ruhe lernen konnte. Auch hier ist es tatsächlich von Vorteil, möglichst frühzeitig mit dem Lernen der botanischen Begriffe zu beginnen. Umso früher Ihr damit anfangt, desto mehr Zeit habt Ihr während des Studiums für Kneipentouren oder andere Freuden des Studilebens. Außerdem solltet Ihr auf Euren Katerspaziergängen und Dates im Wald mal rechts und links vom Wegesrand schauen. Dort werdet Ihr immer wieder auf “Ah, das kenne ich doch!” oder “Was war das nochmal?” stoßen. 

Neben den botanischen Kenntnissen werden natürlich auch verschiedene Tiere, Insekten und Pilze abgefragt. Als Förster:in sollte man einen Borkenkäfer am besten erkennen, bevor er den ganzen Wald aufgefressen hat. Auch dazu gibt es dann Listen mit prüfungsrelevanten Arten, die aber recht stark variieren. 

Neben der Artenkunde geht es besonders am Anfang des Studiums auch viel um Grundlagen. Ihr dürft also schön nochmal Mathe, Physik und Chemie lernen. Besonders letzteres ist wichtig, wenn es dann später in die Bodenkunde geht. Aber auch hier keine Sorge. Wir hatten ziemlich tolle Profs und Kommilitoninnen und Kommilitonen, die die Bodenkunde so großartig fanden, dass die Begeisterung einfach irgendwann übergesprungen ist. Und dann ging das Lernen quasi von selbst!

Neben diesen naturwissenschaftlichen Themen ging es bei uns auch viel um Grundlagen der BWL, Controlling oder anderen betriebswissenschaftlichen Themen. Dazu findet man im Internet aber glücklicherweise eine Vielzahl von Lehrvideos, weil diese Themen in so vielen anderen Bereichen im Leben ebenfalls relevant sind.

Auch zum Studium gehört der Umgang mit Karten und GIS Software.

Die Sache mit den Scheinen

Eine der häufigsten Fragen ist, ob man als Förster oder Försterin auch einen Jagdschein braucht. Und tatsächlich wird diese Qualifikation in den meisten Stellenausschreibungen verlangt. Das ist auch logisch, denn die Jagd ist unmittelbar mit dem Wald verknüpft. Falls Ihr jetzt einen Studienplatz, aber noch keinen Jagdschein habt, könnt Ihr ganz entspannt aufatmen: Eigentlich alle forstlichen Universitäten bieten die Möglichkeit, einen Jagdschein zu absolvieren. Das kann zwar ganz schön anstrengend sein, nach einem langen Unitag dann auch noch abends für den Jagdschein zu lernen – dafür hat man aber viele Freund:innen und Kommilitoninnen und Kommilitonen um sich, mit denen man gemeinsam leiden kann. Außerdem ist der Jagdschein über die Unis meist deutlich günstiger als in privaten Jagdschulen.

Auch ein Motorsägenschein ist vorteilhaft, wenn man im Wald arbeiten möchte. Den kann man manchmal über die Unis machen, wir kennen aber auch viele, die den einfach irgendwann über private Lehrgänge absolviert haben. Da man in der Regel aber nur einen Wochenendkurs machen muss, ist das keine allzu große Herausforderung.

Ein Angelschein ist als Förster:in in der Regel nicht vonnöten. Da könnt Ihr also in Ruhe aufatmen.

Ein Hörsaal an der Uni Göttingen.

Was muss man vor dem Forststudium können?

Ein alter Witz unter Studierenden sagt “Wenn man vor dem Bachelor eine Ausbildung zum Forstwirt und einen Jagdschein hat, ist es ein ganz entspanntes Studium”. Natürlich fallen viele Dinge leichter, wenn man sie vorher schonmal gehört hat. Gerade der Jagdschein ist neben dem Studium ein recht großer zeitlicher (und emotionaler) Stressfaktor. Trotzdem kann man auch ohne Vorkenntnisse gut ins Studium starten und zu einem sehr guten Abschluss kommen. Am Ende ist es wie so oft eine Frage der eigenen Motivation und Disziplin. Lasst Euch also nicht einschüchtern, wenn Ihr ohne Vorkenntnisse im Hörsaal sitzt. Das Studium ist ja dafür da, euch alles beizubringen!

Ein Geheimtipp zum Studienbeginn

Ein Tipp, den wir allen künftigen Forststudis geben wollen, ist, vorher ein kleines Praktikum zu machen. Selbst wenn Ihr nur für ein paar Tage bei einem Förster oder einer Försterin mitgeht, hilft es doch enorm, wenn man die Dinge, die man im Studium lernt schon einmal in der Praxis gesehen hat. Die meisten Forstleute sind auch total nett und freuen sich über interessierte, junge Menschen. Wenn Ihr Interesse habt, fragt also einfach mal bei Eurem nächsten Forstamt nach, ob Ihr mal vorbei gucken könnt. Generell gilt: Auch während des Studiums, auch in den Semesterferien, sind Praktika sinnvoll. Gelerntes wirklich einmal anzuwenden hilft wahnsinnig weiter und außerdem lernt man ab und an Kniffe für folgende Semester. Manch eine böse Zunge sagt, “In einem Monat Praktikum habe ich mehr gelernt als in einem ganzen Jahr Studium”.

Und falls Ihr dann immer noch nicht genug bekommt, könnt Ihr ja mal einen Blick in die Literaturliste unten werfen und mit dem auswendig lernen verschiedenster Pflanzen beginnen!

Ein wichtiger Teil vom Forststudium findet draußen statt.

Die wichtigste Literatur fürs Forststudium:

Bäume bestimmen:

Bäume bestimmen wir in der Regel im winterkahlen Zustand mit diesem Bestimmungsbuch. Bei uns wurde das als Sammelbestellung über die Hochschule angeschafft. Es bietet aber einen tollen Einstieg in die Arbeit mit Bestimmungsschlüsseln. 

Dann haben wir noch eigene Sammlungen von Bildern in unserer Dropbox, mit denen ihr die Bestimmung üben könnt:

Die Bildrechte liegen alle bei uns und dürfen gerne von Studis zum Lernen genutzt werden. Für alle anderen Arten der Nutzung schreibt uns bitte eine kurze E-Mail!

Krautige Vegetation bestimmen:

  • DAS Standardwerk zur Pflanzenbestimmung ist der sogenannte Rothmaler. Dafür muss man aber schon ziemlich geübt sein. Wir haben daher immer eine vereinfachte Version von Rita Lüder genutzt. Die enthält (anders als der Rothmaler) auch Fotos und macht es daher wesentlich einfacher, Pflanzen zu bestimmen.

Forstpraxis:

  • Für alles forstpraktische ist „Beruf Forstwirt“ zu empfehlen (vielen ist das Buch noch unter dem alten Titel “der Forstwirt” bekannt.)
  • Zum Thema Waldökologie empfehlen wir dieses Buch.
  • Für alle Waldbaulichen Themen empfehlen wir dieses Buch. Das ist, wie eigentlich alles hier genannte, ein absolutes Standardwerk auf dem Thema.

Noch ein kleiner Studierenden-Spar Tipp:
Falls Ihr Bücher kauft, behaltet die Belege! Diese Ausgaben könnt Ihr später alle steuerlich geltend machen und so bares Geld sparen. Je nach Uni kann man sich viele Bücher (auch die oben genannten) als E-Book downloaden, wenn man eingeschrieben ist. Das spart ungemein Geld.

Wir hoffen, wir können mit dieser Übersicht einen kleinen Einblick ins Forststudium geben. Falls Ihr selbst studiert (habt), lasst uns gerne einen Kommentar da, welche Standardwerke wir noch in die Liste aufnehmen sollen, oder welche Tipps Ihr für angehende Studis habt.

Falls Ihr gerade ein Studium neu beginnt, wünschen wir Euch ganz, ganz viel Freude mit diesem wunderbaren Studiengang und sicherlich bis bald im Wald!

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