Moin zusammen an alle Waldinteressierten da draußen. Wir, bei Forst erklärt, möchten Euch alle Themen rund um den Wald und die Forstwirtschaft näher bringen. Sowohl die Aspekte rund um die Nutzung des Waldes, aber auch die Schutz- und Erholungsfunktion. Dabei haben wir in vielen Artikeln bereits öfter das Thema Waldnaturschutz beleuchtet. Was bedeutet zum Beispiel Prozessschutz? Oder was sind eigentlich Mikrohabitate, und wo finden wir die? In unserem heutigen Artikel möchten wir tatsächlich gar nicht selbst über das Thema Waldnaturschutz schreiben, haben aber einen Tipp für ein Handbuch für Euch.

Ein erster Blick ins Handbuch.

Was kann Naturschutz im Wald bedeuten?

Bei Waldnaturschutz soll es nicht darum gehen, Wälder komplett stillzulegen und nicht mehr zu nutzen. Vielmehr ist das Ziel, Aspekte zum Schutz mit in die Waldnutzung zu integrieren: Wie gestalte ich eigentlich einen Wald so, dass bestimmte, seltene oder bedrohte Insekten- oder Pilzarten darin vorkommen können? Wieso mögen bestimmte Fledermäuse sogenannte “Raschelwälder” ohne Unterwuchs, also junge Bäume? Wie unterscheidet sich die Schwarzspechthöhle von der eines Buntspechtes? Wieso können zerfahrene Wege auch etwas gutes bewirken? Wer sich diese und weitere spannende Infos nicht entgehen lassen möchte, sollte dran bleiben. 

Was erwartet Euch in diesem Handbuch?

Das Praxis Handbuch – Naturschutz in der Waldwirtschaft von Andreas Arnold, Hans-Joachim Bek, Markus Handschuh, Heiko Hinneberg, Andreas Kühnhöfer, Jochen Müller, Peter Schüle, Winfried Seitz und Claus Wurst, 2024 erschienen im Ulmer Verlag, liefert einen ziemlich aktuellen Wissensstand rund um das Thema Waldnaturschutz. Das Buch ist mit etwa 180 Seiten kein dicker Wälzer, sondern liefert kompakt die wichtigsten Fakten. Vor allem ist es aber ein praxisnaher Leitfaden für alle, die Wald nicht nur nutzen, sondern auch aktiv zum Erhalt des Artenschutzes beitragen möchten. Das Buch liefert grundlegendes Wissen über waldtypische Arten mit konkreten Vorschlägen zu Maßnahmen, um deren Lebensräume zu schützen, erhalten und zu verbessern. Dabei gibt es praxisnahe Handlungsempfehlungen, um die Bewirtschaftung und den Schutz möglichst gleichermaßen umsetzen zu können. Mal eben fix durchgeblättert, findet man ziemlich schnell die wichtigsten Infos und Tipps, wie man bspw. dem Schwarzspecht oder der Mopsfledermaus ein angenehmes Zuhause schaffen kann.

Wie lässt sich der Schutz des Waldes mit in die Bewirtschaftung integrieren? Das Anbringen von Nistkästen kann dabei eine Maßnahme darstellen.

Welche Infos kriege ich im Praxis Handbuch, welche nicht?

Das Buch gliedert sich in eine allgemeine Einleitung zum Naturschutz im Wald und bietet dann eine Aufgliederung in bedeutende Artengruppen und Arten im Wald. Zunächst werden Artengruppen wie Käfer, Fledermäuse, Spechte, Eulen oder Amphibien vorgestellt, bevor einzelne Leitarten exemplarisch vertieft werden – etwa Eremit und Heldbock bei den Käfern, Mopsfledermaus und Großes Mausohr bei den Fledermäusen oder Sperlingskauz und Uhu bei den Eulen. Leserinnen und Leser erhalten Einblicke in deren Lebensraum- und Nahrungsansprüche sowie Hinweise darauf, wie sich das Vorkommen bestimmter Arten im eigenen Wald erkennen lässt. Dabei geht es wirklich nur um die wichtigsten Informationen. Wer jedoch tiefer einsteigen möchte, erhält Hinweise zu weiterführender Literatur.

Am Ende gibt es zudem noch einen Abschnitt, bei dem der Erhalt und Schutz eines ganz besonderen Waldtypes im Vordergrund steht: die sogenannten Waldweiden oder auch Hutewälder. Ein Relikt aus vergangen Zeiten, was tatsächlich immer seltener wird und aktiver Pflege bedarf. In diesem Video haben wir Euch bereits dazu berichtet.

Außerdem gibt es Tipps und Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Waldnaturschutz. Wie kann ich der Welt da draußen eigentlich vermitteln, was ich hier Tolles umgesetzt habe? Auch ein ganz wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit für Waldnaturschutz zu sensibilisieren und zu begeistern, denn: Man schützt nur, was man kennt. 

Viele waldbewohnende Arten sind auf das Vorkommen von ausreichend Totholz und alten Bäumen angewiesen.

Ein großer Mehrwert des Handbuchs liegt in seinem konsequenten Praxisbezug. Zu jeder Art oder Artengruppe werden konkrete Maßnahmen beschrieben, mit denen Waldbesitzende und Förster:innen Lebensräume erhalten oder gezielt verbessern können. Dabei geht es sowohl um strukturelle Maßnahmen im Wald als auch um eine veränderte Bewirtschaftung. 

Für wen ist das Buch was?

Adressiert ist das Buch vor allem an Waldbesitzende, Försterinnen und Förster sowie Forstwirtinnen und Forstwirte. Gleichzeitig eignet es sich auch für alle Naturschutz- und Waldinteressierten, die ein fundiertes Überblickswerk suchen. Es ist bewusst nicht für Laien geschrieben, sondern für diejenigen, die täglich im Wald arbeiten. Entsprechend kann es schwerer zugänglich sein, wenn man es aus reiner Neugier lesen möchte.

Abblätternde Rinde kann eine Unterschlupfmöglichkeit bieten, beispielsweise für die Mopsfledermaus.

Unser Fazit

Wer Basiswissen für bestimmte Waldarten und deren Lebensraumansprüche sucht, macht mit diesem Buch alles richtig. Das Handbuch bietet eine gelungene Kombination aus Artenkenntnis und praktischen Handlungsempfehlungen. Es vermittelt ein grundlegendes Verständnis für die Ansprüche ausgewählter Waldarten und zeigt auf, wie Bewirtschaftung entsprechend angepasst werden kann – oder wo es sinnvoll ist, bewusst auf Eingriffe zu verzichten. Gleichzeitig liefert es weiterführende Literaturhinweise für alle, die tiefer in einzelne Themen einsteigen möchten. Insgesamt ist es ein wertvolles Werkzeug für alle, die den Naturschutz im eigenen Wald aktiv voranbringen wollen. Erhältlich beim Ulmer Verlag für 44 Euro. Leute ruhig bleiben, das könnt Ihr alles von der Steuer absetzen! Fortbildungsliteratur und so…

Transparenzhinweis: Wir haben das Rezensionsexemplar für diesen Artikel kostenfrei zugeschickt bekommen. Für die Veröffentlichung der Rezension erhalten wir kein Geld und sind zu keiner bestimmten Darstellung verpflichtet.