Draußen ist alles grün und üppig, die Sonne brennt vom Himmel, wir schwitzen – während wir uns im Sommer mit Urlaub, Freibad und Grillpartys das Leben schön machen, geht es im Wald in den heißen Monaten deutlich ruhiger zu. Die großen, sattgrünen Kronen der Bäume spenden kühlenden Schatten und es riecht nach Sommer. Die Tiere im Wald lassen es langsam angehen und meiden die Hitze, indem sie ihre Aktivitäten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen. Doch was genau machen Rehe, Hirsche, Wildschweine und Co. im Sommer eigentlich? Und welche Aufgaben haben Jäger:innen in der heißen Jahreszeit? Dieser Artikel liefert Dir Antworten auf diese Fragen, also bleib dran!
Was macht das Rehwild im Sommer?
Anfang Juni bringen die Geißen, also die mehrjährigen, weiblichen Tiere, die letzten Kitze zur Welt (außerhalb Süddeutschlands nennen wir die Ricken). Die warmen Temperaturen und die Aufzucht des Nachwuchses fordern dem Rehwild im Sommer viel ab. Außerdem gibt es in den Sommermonaten ein üppiges Nahrungsangebot, sodass für das Rehwild gar nicht viel Bewegung von Nöten ist, um satt zu werden. Sie verbringen die heißen Sommertage viel lieber in ihrem Einstand, also in den dichten, schattigen Waldbereichen, wo niemand sie stört. In den kühleren Stunden abends, in der Nacht und in den Morgenstunden sind sie etwas aktiver und gehen auf Nahrungssuche. Die Rehböcke leben im Sommer territorial, also in “ihrem” Revier, das sie durch Duftmarken markieren und gegen andere Böcke verteidigen. Der Höhepunkt im Sommer ist die Paarungszeit des Rehwildes, die sogenannte Blattzeit, die Ende Juli und Anfang August stattfindet. In dieser Zeit sind die Böcke aktiv auf der Suche nach den Geißen.
Wusstest Du schon…?
Warum wird die Paarungszeit des Rehwilds eigentlich Blattzeit genannt? Der Ausdruck Blattzeit kommt von der Redensart, dass die Böcke in der zweiten Hälfte der Rehbrunft nach Geißen suchen und dann „auf’s Blatt springen“. Die Jäger:innen haben früher mithilfe eines Buchenblatts oder manchmal auch eines Grashalms die Laute einer paarungsbereiten Geiß nachgeahmt. Das findet der Bock unwiderstehlich und kommt angesprungen, um seine Geliebte zu beglücken. Auch heute noch betreibt man diese Art der Lockjagd während der Rehbrunft, allerdings gibt es dafür heute sogenannte Blatter aus Holz oder Kunststoff, mit denen man die Laute mit etwas Übung nachahmen kann.
Was machen Rotwild und Damwild im Sommer?
Anfang Juni kommen auch die Kälber des Rotwilds zur Welt. Meistens setzt ein Alttier (ein mehrjähriges, weibliches Stück Rotwild) ein Kalb, nur selten kommt es zu Zwillingsgeburten – und im Anschluss dreht sich dann alles erstmal um die Aufzucht des Nachwuchses. Das Rotwild lebt in dieser Zeit meist in geschlechtergetrennten Rudeln. Die Rothirsche gesellen sich in dieser Zeit zu Hirschrudeln zusammen und fressen sich über den Sommer Fettreserven für die bevorstehende Brunft im Herbst an.
Die Hirsche sind in dieser Zeit im Bast und bilden ihr Geweih aus. Ab Juli beginnen sie damit, den Bast zu verfegen. Das heißt, dass sie sich die samtartige Schutzhaut, die sich während der aktiven Geweihentwicklung am Geweih befindet, an jungen Bäumen abschubbern (zum Leidwesen der Förster:innen…). Auch das Rotwild ist im Sommer dämmerungs- und nachtaktiv, um Aktivität während der heißen Phase des Tages möglichst zu vermeiden. Um sich abzukühlen, nutzt das Rotwild gerne Wasserlöcher, die sogenannten Suhlen. Das Wälzen im schlammigen Wasser ist bei sommerlichen Temperaturen aber nicht nur angenehm, sondern die Schlammschicht schützt außerdem vor Mücken und Parasiten. Doppelt gut also!
Damhirsche hingegen suhlen sich nicht. Ansonsten hat Damwild, was das Verhalten im Sommer angeht, viele Gemeinsamkeiten mit dem Rotwild. Auch sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie setzen im Frühsommer meist ein Kalb, selten auch mal zwei Kälber und sind dann mit deren Aufzucht beschäftigt. Das Damwild lebt im Sommer ebenfalls meist in geschlechtergetrennten Rudeln und während die Alttiere mit der Jungtieraufzucht beschäftigt sind, bilden die Damhirsche zu der Zeit ihr Geweih aus.
Und die Sauen?
Auch die Wildschweine verbringen die Sommermonate mit der Aufzucht ihrer Jungtiere, die sogenannten Frischlinge. Dafür benötigen auch sie Ruhe und viel Nahrung. Wildschweine sind Allesfresser und fressen im Wald zum Beispiel Früchte, Würmer, Pilze, Samen, Wurzeln und kleine Tiere. Im Sommer, wenn Getreide, Mais und andere Feldfrüchte reif werden, ziehen die Tiere zum Leidwesen vieler Landwirt:innen gerne auf die Felder und schlagen sich dort den Bauch voll, wodurch sie große wirtschaftliche Schäden verursachen können. Genau wie das Rotwild nutzen auch die Wildschweine im Sommer gerne Wasserlöcher als Suhlen.
Wusstest Du schon…?
Während Wildschweine auf landwirtschaftlichen Flächen meist keine willkommenen Gäste sind, sind sie im Wald dagegen eigentlich immer gerne gesehen. Durch das sogenannte Brechen, also das Umwühlen des Waldbodens auf der Suche nach Nahrung, lockern und durchlüften die Wildschweine den Waldboden. Das bringt viele Vorteile für das Ökosystem mit sich. Zum Beispiel verbessert diese sogenannte „Bioturbation“ die Bodenstruktur und Wasseraufnahmekapazität des Bodens und sorgt außerdem für ein ideales Keimbett für die herabfallenden Samen der Bäume.

… und was machen die Jäger:innen in dieser Zeit?
Nicht nur für die Wildtiere, sondern auch für Jäger:innen ist der Sommer aus jagdlicher Sicht eine eher ruhige Zeit, in der wenig aktive Jagdausübung stattfindet. Oft wird von Anfang Juni bis Mitte Juli, also bis die Blattzeit beim Rehwild beginnt, Jagdruhe gehalten, also nicht gejagt. Zu dieser Zeit ist das Wild ohnehin wenig sichtbar aufgrund von Hitze, dichter Vegetation und heruntergefahrener Aktivität. Außerdem braucht das Wild in diesen Monaten unbedingt Ruhe für die Jungtieraufzucht. Der Sommer ist also nicht die Jahreszeit, um sinnvoll zu jagen.
Die Jäger:innen haben aber in den Sommermonaten trotzdem wichtige Aufgaben. Sie kontrollieren und reparieren beispielsweise sie Ansitzeinrichtungen, um diese für die Jagd im Herbst vorzubereiten. Die Zeit im Revier wird auch genutzt, um im Blick zu haben, wie viele Tiere wo leben und wie es um die Wasserverfügbarkeit im Revier steht, was vor allem in der heißen Sommerzeit sehr wichtig ist.
Eine im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtige Aufgabe, die viele Jäger:innen im Frühsommer übernehmen, ist die Kitzrettung. Wenn die Landwirt:innen ihre Wiesen mähen wollen, verständigen sie Jäger:innen und ehrenamtliche Kitzretter:innen. Die stehen freiwillig mitten in der Nacht auf, um ganz früh morgens z.B. mit Wärmebilddrohnen die Wiesen abzusuchen, um die Kitze dort in Sicherheit zu bringen.
Sobald die Brut- und Setzzeit Mitte Juli endet, fangen außerdem viele Jäger:innen an, mit ihren Hunden im Revier zu arbeiten. Sie verlegen die Jagdhundeausbildung von Haus und Garten in das Revier, um die jungen Hunde praxisnah auf die Jagdhundeprüfungen, die meistens im Herbst stattfinden, vorzubereiten.
Jagd im Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Das ist der erste Artikel einer vierteiligen Serie zum Thema Jagd im Jahresverlauf. Wenn Dich also interessiert, was Rehe, Hirsche und Co. den Rest des Jahres so machen, dann halte gerne Ausschau nach dem nächsten Artikel! Kleiner Tipp: folge Forst erklärt auf Instagram, um keinen Artikel mehr zu verpassen 🙂
Quellen:
Happ, N. 2017. Hege und Bejagung des Schwarzwildes. – Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 224 S.
Hespeler, B. 2015. Hege und Jagd im Jahresverlauf: Revierpraxis von Januar bis Dezember. – BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 240 S.
Krebs, H. Vor und nach der Jägerprüfung. – BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 898 S.
Menzel, K. 2018. Jagdpraxis Reh- und Rotwild. – Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 335 S.






