Mit einer stumpfen Kettensäge Holz zu sägen, macht genauso wenig Spaß, wie mit stumpfen Messern zu schneiden. Die Kette muss man also regelmäßig schärfen. Wie das funktioniert und wie Ihr dabei bares Geld spart, erfahrt Ihr nun.

Weil wir von der ganzen Thematik nicht so viel Ahnung haben, waren wir zu Besuch bei Lars, der ist Forstwirtschaftsmeister und Ausbilder im Waldbildungszentrum der Landesforsten Rheinland-Pfalz.

Ihr braucht folgende Utensilien:

  • Werkbank mit Schraubstock bzw. Feilbock (Mini-Schraubstock) für Holzstumpf
  • Arbeitshandschuhe
  • Rundfeile und Flachfeile
  • Motorsägen-Kombischlüssel
  • Tiefenbegrenzerlehre
  • Schärfgitter
  • Edding

YouTube-Link: 

Wie Ihr richtig eine Kette schärft, haben Euch Lars und Felix in diesem Video erklärt. Oder eher: Lars erklärt und Felix stellt doofe Fragen. Viel Spaß beim Zusehen!

Kurz vorab: Eine scharfe Motorsäge, bzw. Kette zu haben macht nicht nur mehr Spaß – es ist auch sicherer. Dass man sich mit stumpfen Küchenmessern eher schneidet als mit scharfen, trifft genauso auf stumpfe Motorsägen zu. Wenn die Säge nicht richtig schneidet, fangen wir an unnötig Kraft einzusetzen, rumzuruckeln und ermüden schneller. All das kann zu Unfällen führen. Daher ist eine scharfe Säge nicht nur “nice-to-have” sondern ein “must-have”. Und dazu schont eine scharfe Kette die Motorsäge und Ihr benötigt weniger Sprit.

1. Motorsäge einspannen und Kette spannen

Um die Kette auf der Kettensäge richtig zu schärfen, spannt Ihr sie waagerecht in einen Schraubstock ein. Dies sollte immer möglichst nah am Motorblock, also dem Schwerpunkt geschehen. Die Kette müsst Ihr dann spannen. Die Treibglieder sollten unten nicht durchhängen und stramm, aber nicht zu fest in der Führungsschiene sitzen. Zum Kettespannen muss die Kettenraddeckelschraube gelöst und dann über die Spannschraube die Kette vorsichtig gespannt werden. Nun kann es auch schon losgehen. 

Tipp aus der Community:
Ein paar von Euch haben uns bei Instagram den Tipp gegeben, die Säge auf dem Kopf einzuspannen. So kommt man besser an das Schwert, weil der Motorblock nicht im Weg ist!

Eure Kettensäge spannt Ihr zum Schärfen idealerweise in eine Schraubstock. So könnt Ihr einfach und sicher Arbeiten.

2. Welche Feile brauche ich für welche Motorsägenkette? 

Es geht los bei der richtigen Feile. Die Feile muss immer passend zur Kettenteilung gewählt werden. Die Kettenteilung steht auf Eurem Sägeschwert bzw. Führungsschiene. Gängig sind die Teilungen 0,325’’ (8,25 mm) bei mittelgroßen Sägen und 3/8 ‘’ (9,52 mm) bei größeren Motorsägen. Hierzu wählt Ihr dann die passende Rundfeile mit einem Durchmesser von 4,8 bzw. 5,2 mm. Je öfter Ihr die Kette schleift, desto kleiner werden die Zähne. Irgendwann müsst ihr dann eine kleinere Feile z.B. 4,5 statt 4,8 mm nutzen.

Auf Eurem Sägeschwert findet Ihr die Kettenteilung. Sie entscheidet darüber, welche Feile Ihr nutzen müsst, um Eure Säge richtig scharf zu machen.

3. Kette schärfen / Den richtigen Schleifwinkel wählen

Die Sägezähne werden nun mit der Feile geschärft. Ihr markiert Euch dazu den Sägezahn, bei dem Ihr anfangen wollt, mit einem Edding. Dann befestigt Ihr das Schärfgitter mit dem Schärfwinkel am Sägeschwert. Mit einem Schleifwinkel von 30° könnt Ihr in der Regel nichts falsch machen – wichtig ist, dass Ihr den Winkel immer gleich haltet. Nun beginnt Ihr mit der Feile den Sägezahn zu feilen. Ihr schiebt dazu die Feile waagerecht von Euch weg (! – nicht nach oben oder unten) entlang des Sägezahns. Auf dem “Rückweg” löst Ihr die Feile von der Kette und beginnt von neuem. Das macht Ihr solange, bis sich ein feiner Grat umblättert – in der Regel reichen dazu drei bis vier Feilenzügen. Im Video kann man das übrigens ganz gut erkennen!

Um Eure Kette richtig scharf zu machen, müsst Ihr die Sägezähne so lang feilen, bis sich ein kleiner Grat umblättert.

4. Säge drehen

Nun schiebt Ihr die Kette weiter zu Eurem nächsten Treibglied. Spätestens jetzt sollte Euch auffallen, dass die Sägezähne immer abwechselnd nach rechts und links stehen. Ihr schärft also immer nur jeden zweiten Zahn. Wenn Ihr Euren Eddingstrich wieder erreicht habt, dann müsst Ihr die Motorsäge aus dem Schraubstock ausspannen, drehen und wieder einspannen. Nun feilt Ihr die andere Seite.
Falls Euch das ganze “Rechts” und “Links” und “Waagerecht” und “Winkel hier und da” verwirrt, schaut doch gerne mal ins Video, da erklärt Lars das Ganze für Anfänger (also Felix) sehr verständlich.

5. Tiefenbegrenzer schleifen

Die meisten Motorsägenketten sind sogenannte Hobelzahn-Ketten. Die Sägezähne hobeln quasi kleine Späne aus dem Holz und schneiden es so. Die Spanstärke wird durch den Platz zwischen Sägezahn und Tiefenbegrenzer bestimmt. Auf deutsch: Ist der Tiefenbegrenzer ganz runtergefeilt, dann hackt der Sägezahn riesige Hobel aus dem Holz und die Säge braucht dafür enorm viel Kraft. Wenn Sägezahn und Tiefenbegrenzer aber gleich hoch sind, dann schleift die Kette ohne zu schneiden über das Holz. Mit der Tiefenbegrenzerlehre stellt Ihr fest, ob Hobelzahn und Tiefenbegrenzer auf passender Höhe sind. Falls nicht, könnt Ihr den Tiefenbegrenzer etwas herunter schleifen.

Mit der aufgelegten Tiefenbegrenzerlehre stellt Ihr fest, ob Eure Sägezähne zu tief ins Holz eingreifen oder sie nur knapp über das Holz schleifen.

Wie viel kostet es, eine Kettensäge schärfen zu lassen?

Wenn Ihr keine Lust auf das ganze Gefeile habt, dann könnt Ihr die Kettensäge auch in den Baumarkt oder zum Landmaschinenhändler bringen. Hier kostet das Schleifen in der Regel zwischen 10 und 15 €. Ganz schön viel Geld, wenn Ihr überlegt, dass Ihr es mit unserer Anleitung und einem Satz Feilen für circa 40 € ein Leben lang quasi kostenlos machen könnt. Alternativ gibt es auch Schärfmaschinen im Baumarkt zu kaufen. Erfahrene Forstwirt:innen behaupten aber, sie kriegen ihre Kette mit der eigenen Feile tausend mal schärfer als jede Maschine.

Lasst uns gerne einen Kommentar dazu da, wie Ihr Eure Kette schärft und wenn Ihr Bäume lieber fällen lasst, dann lest doch mal unseren Artikel zum Harvester.

Übrigens: Wir haben eine neue Funktion hier auf der Website, mit der Ihr Euch benachrichtigen lassen könnt, wenn jemand auf Euren Kommentar antwortet. Es ist nämlich leider oft vorgekommen, dass Ihr unsere Antworten gar nicht mitbekommen habt!

Bis bald im Wald!