Den Gintrinkern und Gintrinkerinnen unter Euch dürfte diese Pflanze bereits bekannt sein. Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) gehört zu den heimischen Straucharten in Deutschland. Oftmals könnt Ihr diese Pflanze in Vorgärten oder Parkanlagen entdecken. Doch ist Euch ein Wacholder auch schon mal in der Natur aufgefallen? Wahrscheinlich nicht, denn Wacholderheiden sind in Deutschland selten zu entdecken. Was das Besondere an diesen Landschaftsformen ist und wo Ihr sie noch entdecken könnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Der Gemeine Wacholder – Wie erkennt Ihr den Strauch?

Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) ist gar nicht gemein und gehört zur Familie der Zypressengewächse. Innerhalb seiner Gattung ist der Gemeine Wacholder als einzige Art in Deutschland heimisch. Doch wie erkennt Ihr diesen Strauch überhaupt?

Der Gemeine Wacholder ist ein aufrecht wachsender Strauch und sieht dadurch aus wie ein kleiner Baum. Wacholderbüsche können bis zu 18 m hoch werden. Die Borke des Stamms ist grau bis rotbraun gefärbt und hat im Alter immer mehr ausgeprägte Schuppen, die relativ schmal und längs verlaufen.

Die Nadeln sind zu dritt in Quirlen angeordnet und verlaufen am Ende spitz zu.

Die männlichen Exemplare erkennt Ihr zur Blütezeit von April bis Juni an den gelblichen Blüten. Sie sind jedoch recht unscheinbar. Tatsächlich sind männliche Exemplare zur Zeit der Blüte – bei ausreichend Wind – eine recht staubige Angelegenheit…

Und so, wenn zu neugierige Forststudenten oder Forststudentinnen  daran schütteln…

Ein weiteres Merkmal zur Bestimmung des Gemeinen Wacholders sind die Zapfen. Richtig, die korrekte Bezeichnung der Frucht ist hier Zapfen. Oftmals wird jedoch von Wacholderbeeren gesprochen, also die, die Ihr z. B. in unsere tollen Wildrezepte gebt. Diese sind zunächst hellgrün und werden im zunehmenden Alter (ab 3 Jahren) schwarz bläulich.

Hier könnt Ihr einen Wacholderzweig mit teilweise älteren (schwarzblau) und jüngeren (grün) Zapfen erkennen.

Ein Sträuchlein auf der Heide

Der Gemeine Wacholder ist ein Bewohner der Extreme. Da er gegenüber anderen Gehölzen konkurrenzschwach ist, findet Ihr ihn vor allem auf sehr trockenen und nährstoffarmen Böden ohne viel Wasserverfügbarkeit. Konkurrenzschwach bedeutet, dass er von anderen Baum- oder Straucharten verdrängt wird, die auf besseren Standorten schneller wachsen können. Der Wacholder bevorzugt Kalkmagerrasen, felsige Standorte oder lichte Wälder mit einem hohen Kalkanteil im Boden. Der Wacholder ist eine Lichtbaumart, das bedeutet, er benötigt viel Sonnenlicht um wachsen zu können. Wenn also andere Pflanzen schneller wachsen und dem Strauch das Licht klauen, bekommt der Wacholder Schwierigkeiten und wird wohl oder übel mit der Zeit absterben. Deshalb ist die Weidenutzung ein entscheidender Faktor, um Wacholder in der Landschaft zu erhalten – dieser besondere Landschaftstyp wird auch Wacholderheide genannt. Da die Pflanze vom Vieh verschmäht wird, ist der Wacholder oft der einzige Baum/ Strauch, der auf solch einer Fläche noch zu finden ist. Die Weidenutzung ist deshalb auch ein entscheidender Faktor für das Vorkommen von Wacholder.

Wusstest Du schon…?
Die Wacholderdrossel macht ihrem Namen alle Ehre. Der Vogel frisst die Beeren – botanisch korrekt Zapfen –  des Strauches und trägt beim Ausscheiden der Samen mit dazu bei, dass sich der Wacholder verbreiten kann.

Eine Wacholderheide zur Frühlingszeit. Diese Heidefläche befindet sich im Geo-Naturpark Frau Holle Land in Nordhessen.

Ist der Wacholder schutzbedürftig?

Die meisten Wacholderheiden sind in Deutschland geschützt.

Der Gemeine Wacholder gilt zwar als ungefährdet in Deutschland, dennoch sind Kalkmagerrasen oder Heiden mit Wacholder heute oftmals durch Naturschutzgebiete oder als Naturdenkmäler geschützt. Viele davon gehören auch zum Europäischen Schutzgebietsnetz Fauna-Flora-Habitat. Doch warum ist das überhaupt nötig? Obwohl Heidelandschaften nur durch den menschlichen Eingriff entstehen können, gelten sie als schützenswerte Landschaftsformen. Vor allem für lichtbedürftige Arten stellen Heideflächen einen wichtigen Lebensraum dar. Dazu zählen nicht nur Schmetterlinge oder Käfer, sondern auch besondere Pflanzenarten wie zum Beispiel Orchideen. Dadurch, dass diese armen Standorte wenig rentabel für die Landwirtschaft sind, wurden sie in jüngster Vergangenheit oft umgewandelt, bspw. zu Siedlungsflächen. Wichtig ist deshalb, Heideflächen oder andere Magerstandorte zu erhalten. Dafür ist jedoch weiterhin menschliches Eingreifen nötig – oder um es genauer zu sagen: das Eingreifen von Schafen und Ziegen. Denn wie schon erwähnt, braucht der Wacholder viel Licht zum Wachsen. Wenn sich andere Baum- oder Straucharten ungehindert ausbreiten, führen sie zu einer zu starken Ausdunkelung und der Wacholder verschwindet allmählich. 

Wusstest Du schon..?
Das Holz des Wacholders ist vor allem bei Drechsler:innen und Schreiner:innen sehr beliebt. In der Küche werden Wacholderbeeren gerne zum Würzen – oftmals von Wildgerichten – genutzt. Außerdem sehr bekannt ist natürlich auch der Wacholderschnaps aka Gin. 

Ausflugstipp zu einer Wacholderheide

Zuletzt haben wir noch einen kleinen Ausflugstipp für Euch. Dabei handelt es sich um eine Wanderroute ganz in der Nähe der Stadt Göttingen. In Nordhessen gibt es den Geo-Naturpark Frau Holle Land. Dort beginnt vom Ort Roßbach ein toller Rundwanderweg, an dem Ihr mehrere Wacholderheiden passieren und anschauen könnt. Weitere Informationen zur Wanderung findet Ihr nochmal hier.

Wir hoffen, wir haben mit diesem Artikel Euer Interesse an dieser besonderen heimischen Strauchart wecken können. Vielleicht besucht Ihr ja auf Eurer nächsten Wanderung eine Wacholderheide. Wir freuen uns über Bildnachweise!