Seltene Tiere und Pflanzen brauchen zumeist auch einen ganz besonderen Lebensraum. 
Doch wie schützt man diese besonderen Arten und ihre Lebensräume? Wie hält man den Menschen davon ab, diese besonderen Orte der Vielfalt zu zerstören? Die meisten von Euch denken jetzt wahrscheinlich an das Stichwort “Naturschutz”. Viele Menschen verbinden diesen mit einem Verbot der Bewirtschaftung. Es geht aber auch anders. FFH-Gebiete unterstützen den Naturschutz, die Bewirtschaftung wird aber weiterhin ermöglicht. Wie das gelingen kann und was es mit den FFH-Gebieten auf sich hat, lernt Ihr in diesem Artikel. 

Größtes EU-weites Netz aus Schutzgebieten

FFH” ist die Abkürzung für “Fauna-Flora-Habitate”. Diese Gebiete dienen dem Schutz gefährdeter Tiere und Pflanzen, sowie dem Erhalt besonderer Lebensräume.
Die FFH-Gebiete sind ein Teil des “Natura 2000”-Programms. Das ist ein EU-weites Netz aus Schutzgebieten, welches grenzüberschreitend und koordiniert FFH-Gebiete verbinden und schützen soll. Es ist das größte Schutzgebietsnetz weltweit und nimmt ungefähr 18,5% der EU-Landfläche ein. Klingt ganz schön kompliziert – ist es auch.  

Wesentliche Kriterien für die Auswahl eines Gebietes sind die Flächengröße, der Erhaltungszustand, die Artenausstattung und die Vernetzungsmöglichkeiten. Es muss den darin zahlreich vorkommenden Arten genug Platz bieten. Und sich in einem guten natürlichen Zustand befinden. Die Grundlage zur Auswahl solcher FFH-Gebiete sind die landesweit durchgeführten Biotopkartierungen. Bei so einer Kartierung werden vor allem die Vegetation und die standörtlichen Gegebenheiten vor Ort erfasst. Aus ihnen lassen sich dann Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie ableiten.

Ein Beispiel:
Bei einer Biotopkartierung wurden hauptsächlich Rotbuchen in der Baumschicht gefunden. Und das Anlegen mehrerer Bodenprofile (hier ein Video dazu) ergab einen kalkreichen Standort im Bergland. Dann handelt es sich um ein Biotop namens “Mesophiler Kalkbuchenwald” (kurz: WMK). Dank dieser Daten können die Naturschutzbehörden darauf schließen, dass es sich hier gleichzeitig auch um das FFH-Gebiet “Waldmeister-Buchenwald” handelt, welches mesophile Buchenwälder als Voraussetzung hat.

Manche Gebiete gelten aber auch automatisch als schützenswert, selbst wenn dort keine bedrohte Tier- oder Pflanzenart gefunden wurde. Zum Beispiel sind Moore, Sümpfe und Quellbereiche schon aufgrund ihrer besonderen Struktur und Seltenheit geschützt. Sie müssen gar nicht erst als FFH-Gebiet ausgewiesen werden. 

Auch die Pflanzen entlang von Flüssen sind anders, als an anderen Stellen im Wald. Hier wachsen wasserliebende Bäume, die auch mal im Wasser stehen können. Diese natürlichen Habitate gilt es zu schützen.

Wusstest Du schon…? 
Der Luchs gehört zu einem der Tiere, für welches FFH-Gebiete ausgewiesen werden. Sein Lebensraum reicht von 16 bis zu 246 Quadratkilometer, in Extremfällen sogar bis über 1000 Quadratkilometer. Ein FFH-Gebiet bietet ihm Schutz, doch genügt es nicht unbedingt den Ansprüchen des Luchses. Die Strecke, die er eigentlich zurücklegt, ist damit noch nicht abgedeckt.

Wie soll das funktionieren?  

In Deutschland sind 15,5% der Landfläche alleine durch das internationale Projekt “Natura 2000” geschützt. 
Derzeit gibt es dazu 385 FFH-Gebiete. Um deren Zustand zu überprüfen, soll alle 6 Jahre eine Art Inventur stattfinden. So sollen ökologische, ökonomische und soziale Interessen vereinbart werden. 
In den ausgewiesenen Gebieten herrscht ein “Verschlechterungsverbot”. Das bedeutet, dass die Grundeigentümer:innen den Zustand der Lebensräume auf dem gleichen Niveau halten müssen, wie dies bei der ersten Erfassung des Gebietes der Fall war. Eine besondere Pflanzenart muss beispielsweise ihr Vorkommen in einem zuvor festgelegten Maße halten. Durch die Bewirtschaftung, aber auch durch das Unterlassen von Maßnahmen darf sie nicht reduziert oder ausgelöscht werden. 

Darüber hinaus werden konkrete Maßnahmen durch Naturschutzprogramme festgelegt.
Die Bewirtschaftung wird dabei manchmal eingeschränkt, aber zumeist nicht verboten. Zum Beispiel dürfen nur während einer festgelegten Jahreszeit Holzerntemaßnahmen stattfinden oder manche Baumarten dürfen nicht gepflanzt werden. Einige der besonders schützenswerten Lebensräume sind sogar erst durch die Bewirtschaftung des Menschen entstanden. Ein Ende von menschlichen Eingriffen würde dann zu einer massiven Verschlechterung führen. 

Förster:innen müssen besondere Lebensräume, Tiere und Pflanzen erkennen. Ihre Arbeit schützt FFH-Flächen oder andere Naturschutzgebiete.

Menschgemachte Habitate – Der Magerrasen  

Auf kalkreichem Gestein findet man beispielsweise den Magerrasen. Seinen Namen erhielt dieser durch den fehlenden Nährstoffeintrag, zum Beispiel durch Düngung oder Bewirtschaftung. Er bietet einen besonders artenreichen Graslebensraum, welcher durch eine minimale Bewirtschaftung der Fläche entstehen konnte. So wurden die Wiesen nur einmal jährlich zur Heugewinnung gemäht oder zeitweise von den Tieren der Wanderschäfer beweidet. Wenn diese Art der Bewirtschaftung gestoppt werden würde, könnte der Boden wieder an Nährstoffen gewinnen, das Gras würde besser wachsen und die bis jetzt seltenen Arten verdrängen. Besonders die dort zahlreich vorkommenden Orchideenarten würden darunter leiden.

Doch nicht nur diese profitieren von dem besonderen Lebensraum. Ab Beginn des Frühlings sind diese speziellen Wiesen mit Leben gefüllt. Schmetterlinge, Bienen und Käfer tummeln sich an den farbenfrohen Blüten. Vögel verstecken sich in den spärlich vorkommenden Hecken und verschiedene Reptilien, wie zum Beispiel Eidechsen, wärmen sich auf den Kalksteinen. Für den Schutz dieses Biotops und seiner Bewohner beweidet man die Magerrasen bis heute kurzweilig oder mäht sie einmal im Jahr.

Dieses Gewirr aus Ästen ist ein Seeadlerhorst, also das Nest eines Seeadlers. Auch diese Tierart ist durch FFH-Richtlinien geschützt und bietet einen Grund, ein FFH-Gebiet auszuweisen. 

Menschgemachte Habitate – Die Heide

Auch die Heide ist durch Rodung und die Bewirtschaftung des Menschen entstanden. Dieser betrieb zum Beispiel nahe Lüneburg so lange Ackerbau, bis das Land unfruchtbar wurde. Da den Menschen der Dünger fehlte, überließen sie die Flächen sich selbst. So siedelten sich genügsame Pflanzen wie das Heidekraut an. Solche Flächen beweidete man zwar später durch Heidschnucken, doch der tierische Dünger reichte für die Fläche nicht aus. Als die Bauern durch fehlende Ernten ihr Land verkauften, sollte zunächst eine Aufforstung stattfinden. Der aufkommende Naturschutzgedanke der Menschen führte stattdessen zum Schutz der Heide. So sind heute auch bekannte Heidelandschaften wie die Lüneburger Heide durch die FFH-Richtlinien geschützt. Sie bieten eine außergewöhnliche Landschaft mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. 

Ohne so einen Schutz der Flächen würde der Mensch sie, wie in anderen Gebieten zu sehen, zugunsten der Landwirtschaft mit Dünger wieder fruchtbar machen und somit zerstören.

Wusstest Du schon…? 
Die Orchideen, die wir in der Gärtnerei für unsere Wohnungen kaufen, haben ihren Ursprung nicht in Deutschland, sondern im Regenwald. Dort wachsen sie zum Beispiel hoch oben an Ästen von Bäumen. Aus diesem Grund haben sie sogenannte Luftwurzeln. Diese ermöglichen es ihnen, Nährstoffe und Wasser aus der Luft aufzunehmen. Bei Eurem nächsten Besuch in einer Gärtnerei könnt Ihr ja mal auf die graugrünen Wurzeln achten, welche zumeist aus der Erde herausragen.  

FFH – Nur unnötige Auflagen oder überlebenswichtig? 

Der Verfall von Bäumen und ihr Absterben ist keinesfalls negativ. Durch die Zersetzung von Pilzen können neue Lebensräume entstehen. Höhlen im Baum oder kleine Öffnungen bieten dann ein neues zu Hause für Insekten, Käfer oder Kleintiere. 

Deutschland ist bekannt für die vielen Regeln und Richtlinien, an die man sich halten soll. Bei all diesen Paragraphen kann man ja schon mal den Überblick verlieren. Sind sie wirklich in diesem Umfang nötig? 

Verständlicherweise sind die FFH-Auflagen nicht immer kinderleicht umzusetzen. Waldbesitzer:innen dürfen nur einen geringeren Teil des Holzes ernten, wodurch der Aufwand steigt und die Erlöse sinken. Auch dürfen sie oft nicht die Bäume pflanzen, die den höchsten Ertrag einbringen oder auf dem Standort bereits vorkommen. Ohne jeglichen Eingriff des Menschen, welche Baumart würde dort wachsen? Nur diese dürfen auf FFH-Flächen wachsen. Auch wenn das bedeutet, dass die vorhandenen Bäume gefällt werden müssen. Dennoch sollte man das große Ganze nicht aus den Augen verlieren. 
Die Richtlinien der EU müssten die besonderen Lebensräume und Tierarten nicht schützen, wenn dies bereits in einem angemessenen Rahmen passieren würde. 

Wusstest Du schon…? 
Moore sind wichtige FFH-Gebiete. Die verlorenen deutschen Moorflächen emittieren jährlich 44 Millionen Tonnen CO2. Diese Zahl entspricht 5% der Gesamtemission von Deutschland. 

Wie können wir FFH-Gebiete schützen?

Wie Ihr FFH Gebiete schützen könnt? Bei Eurem nächsten Besuch im Baumarkt oder in der Gärtnerei könnt Ihr Euch beispielsweise die Inhalte der Blumenerde einmal genau ansehen. Wenn Ihr der Natur einen Gefallen tun möchtet, dann greift zu der Blumenerde, die keinen Torf enthält. Das wird nämlich aus Mooren abgebaut und erhöht so den CO2-Eintrag.
Wenn Ihr noch weitere Vorschläge habt, schreibt sie gerne in die Kommentare!