Das IKEA-Regal aus Holz aus Russland, die Mahagoni-Sapeli Terrasse aus Afrika oder die Holzkohle aus Polen. Viele unserer Alltagsgegenstände aus Holz sind nicht immer aus Deutschland. Egal ob Holz oder Holzprodukt, Deutschland ex- und importiert jedes Jahr Millionen von Kubikmetern Holz. Wieso wir das machen und was am Export von Holz kritisch zu sehen ist, das erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Nackte Zahlen

Um einen Überblick zu erhalten in welchem Umfang Deutschland mit Holz handelt, bekommt Ihr hier einen kleinen Überblick. Im Jahr 2020 wurden hierzulande 80,4 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen. Davon gingen 12 Millionen m3 als Export von Rohholz ins Ausland. Das sind fast 80% mehr als im Vorjahr, was vor allem daran liegt, dass die Corona-Pandemie zu einem Bauboom in den USA geführt hat. Mehr als die Hälfte des Exportholzes ging jedoch nach China.

Besonders häufig geht Nadelholz in den Container. Es ist vielseitig nutzbar und vor allem als Baumaterial von besonderem Interesse.

Importiert hat man hingegen nur etwa die Hälfte an Rohholz. Doch nicht nur ganze Stämme sondern auch geschnittenes Holz aus dem Sägewerk wurde exportiert. Etwa 9,5 Mio m3 gingen per Zug, LKW und Schiff über die Grenzen.

Wusstest Du schon…?
Wenn Du Dich besonders für die Zahlen rund um Import und Export interessierst, findest Du auf der Seite der FAO ein spannendes Statistiktool. 

Containerweise Holz

Wie funktioniert der internationale Holzhandel? Eingestellten Holzkäufer:innen oder Zwischenhändler:innen begutachtet, qualifiziert und kaufen die Stämme bzw. das Schnittholz im Herkunftsland. Ein Speditionsunternehmen lädt dann die einzelnen Stämme in Container und bringt sie zu einem Hafen. Vorher wird das Frachtgut aber kontrolliert und ein sog. phytosanitäres Zeugnis durch die örtliche amtliche Pflanzenschutzbehörde ausgestellt. Dieses regelt, ob die Unternehmen die Maßnahmen zum Pflanzenschutz durchgeführt haben. Manche Container werden dazu begiftet oder erhitzt, damit Schädlinge absterben. Das ist wichtig, damit keine Krankheitserreger in fremde Länder eingeschleppt werden. Das Eschentriebsterben gelang z. B. aus dem Ausland durch den globalen Handel aus dem asiatischen Raum nach Europa. Später verlädt man die Container dann auf Schiffe und verschifft sie in ihr Zielland. 

Diese Gemeine Esche leidet unter Eschentriebsterben. Durch eine Pilzart, die aus dem asiatisch Raum eingeschleppt wurde, sterben hierzulande nahezu alle Eschen ab. Eine Folge des globalen Handels.

Macht Holzhandel Sinn?

Im Generellen unterscheidet sich der Handel von Holz nicht vom Handel mit anderen Gütern. So sind die Vorteile von Holzhandel recht klar. Wie die momentane Situation zeigt, spielt wie immer Geld eine große Rolle. Holzeinkäufer:innen aus dem Ausland zahlen mehr Geld als bspw. inländische Sägewerke. Aus ökonomischer Sicht ist der Export ins Ausland also vorteilhaft. 

Aber auch die Verfügbarkeit ist ein Grund für Handel. Beispielsweise exportiert Deutschland Eichenholz in Form von Fässern nach Frankreich. Hier kann die inländische Industrie die Mengen und Qualitäten nicht wie benötigt herstellen. Aber auch die oben genannten Terrassendielen aus Sapeli-Mahagoni aus Afrika können kaum hier in Deutschland wachsen. Auch wenn Produkte “überverfügbar” sind, ist der Verkauf ins Ausland sinnvoll. Wenn im Inland Holz nicht benötigt wird, kann es im Ausland einer Nutzung zugeführt werden.

Holz wird nicht nur als Stamm oder Schnittware, sondern auch als fertiges Produkt exportiert. Diese Eichenfässer gehen nach Frankreich, um dort Wein einzulagern.

Große Kritik am Holzhandel

Besonders im Jahr 2021 wurden Stimmen zur Regulierung des Holzhandels laut. Während die Sägeindustrie Rekorderlöse mit dem Export von Holz aus Deutschland erzielten, mussten Handwerksbetriebe überhöhte Preise zahlen, um überhaupt noch Holz zu erhalten. Hier lag der Fokus vor allem auf den ökonomischen Aspekten, weniger auf der Versorgung des lokalen Marktes.

Grund für den Holzhandel ist auch die weiterverarbeitende Industrie im Ausland. Absurderweise schickt man Buchenstämme nach Indien, verarbeitet sie dort bspw. zu Tischen weiter und sendet sie nach Deutschland zurück. So hat der sonst klimaneutrale Rohstoff Holz schnell einen ziemlich üblen CO2-Fußabdruck.

Deutschland importiert also auch eine große Menge an Holz. Nicht nur als verarbeitetes Holzprodukt, sondern auch als Rohholz. Die Herkunft ist aber häufig nicht eindeutig zu bestimmen. Das Problem: Die Bewirtschaftung der Wälder läuft fast nirgendwo auf der Welt so nachhaltig und einzelstammweise ab wie in Deutschland. Ein Beispiel stellt Holz aus Russland dar. Hier erntet man Holz im Regelfall durch hektargroße Kahlschläge. In Deutschland kam es kalamitätsbedingt zwar auch zu Kahlschlägen. Diese Ausnahme galt aber nur aufgrund der gesonderten Situation durch Stürme und dem Borkenkäferbefall.

Export und Import von zertifiziertem Holz?

Dies kann als FSC-zertifiziertes Holz verkauft und weiterverarbeitet werden, da sich die Standards von Land zu Land unterscheiden. FSC rechtfertigt das damit, dass die natürlichen Gegebenheiten in borealen Nadelwälder gänzlich anders sind: “Typisch sind u.a. das großflächige Vorkommen von natürlichen Monokulturen, regelmäßige Schadereignisse durch Insekten oder natürliche Feuer. Deshalb gehört das Entstehen großer Kahlflächen zur natürlichen Dynamik dieser Wälder.” Dass es aber kein Zurücklassen von Totholz und Habitatbäumen gibt und natürliche Dynamiken gänzlich andere Strukturen zurücklassen, bleibt scheinbar unberücksichtigt. 

Auf einem ganz anderen Blatt steht natürlich der Raubbau in Rumänien, Südamerika und im asiatischen Raum. Illegal eingeschlagenes Holz, das als legales Holz deklariert und nach Deutschland verschifft wird, richtet immense Schäden am örtlichen Ökosystem an.

Kahlschläge wie diese dürfen in Deutschland nur im Ausnahmefall durchgeführt werden. In anderen Ländern ist dies (trotz Zertifizierung) der Regelfall.

Was kann jede:r täglich tun?

Der Holzhandel sorgt dafür, dass teilweise neue Schädlinge eingeführt werden. Nicht nur Holzprodukte sondern auch Zierpflanzen und Co. sollten vorzugsweise aus Deutschland oder dem europäischen Raum kommen. 

Trotz Zertifizierung können Standards “schlechter” bzw. anders sein als Ihr es in Deutschland gewohnt seid. Schaut deshalb genau hin, wo Euer Holz herkommt und wie die Standards vor Ort sind. Nichtsdestotrotz ist eine Zertifizierung bspw. durch FSC oder PEFC besser als keine und wir sollten sie immer berücksichtigen. Die Herkunftsverfolgung ist nicht immer einfach für Konsument:innen. Holz aus Deutschland gibt also nicht nur Sicherheit, sondern verringert auch Transportwege und damit den ökologischen Fußabdruck. 

Trotz aller Kritik ist Holz ein wichtiger Rohstoff im Kampf gegen den Klimawandel und wir sollten es langfristig, nachhaltig und lokal nutzen. Die naturgemäße Waldwirtschaft ist also der örtlichen Stilllegung von Wäldern vorzuziehen, wodurch sonst die Probleme nur ins Ausland verlagert werden.

Eure Meinung zum Export von Holz

Ihr habt nun also ein bisschen Hintergrundwissen zum Holzhandel in Deutschland und der Welt erlangt. Habt Ihr gewusst, dass so viel Holz über die Weltmeere geschifft wird? Wie steht Ihr zum Handel mit Holz? Wir appellieren natürlich wie immer dafür, regionales nachhaltig geschlagenes und verarbeitetes Holz zu nutzen. Damit bleibt der ökologische Fußabdruck gering und die Herkunft klar. 

Bis bald im Wald!