Holzmerkmale – wofür verwenden wir welches Holz?

Wisst Ihr, wie Ihr erkennt, ob die Baumstämme in Eurem Lieblingswald für einen Massivholztisch taugen oder eher eine Palette draus wird? Wir erklären Euch die Holzmerkmale. In vergangenen Artikeln haben wir Euch erklärt, wie man mit Bäumen Geld verdienen kann und wie viel ein Baum wert ist. Zusammengefasst: Man fällt Bäume, kategorisiert sie beispielsweise in A, B, C oder D Qualität oder sonstige Kategorien, legt einen Wert fest, berechnet das Holzvolumen und damit den Gesamtpreis. Ziemlich einfach, oder? Heute soll es darum gehen, wie und wieso in diese Kategorien A, B, …  unterteilt wird. Ist Holz nicht gleich Holz?  

Holz ist nicht gleich Holz

Logisch, oder? Wer sich schon mal ein bisschen mit dem Material Holz beschäftigt hat, dem sollte das eigentlich klar sein. Es gibt Nadelholz und Laubholz. Und auch diese Holzarten unterteilen sich nochmal untereinander. Ob Buche oder Eiche, Tanne oder Douglasie, macht einen ziemlichen Unterschied. Holz kann unterschiedlich schwer sein oder unterschiedliche Farben haben. Wer es ganz genau nimmt, der kann auch auf Festigkeit, Dichte, Dauerhaftigkeit, Härte oder sowas wie Formstabilität achten. Es gibt also ziemlich viele Eigenschaften und die beeinflussen, wie Holz verwendet wird.

Buche ist nicht gleich Buche! Diese Buche ist durch Trockenheit krank geworden und von Pilzen befallen. Ob da noch ein schöner Tisch draus wird…?

Holzmerkmale – was ist das?

Jetzt wisst Ihr welche Eigenschaften Holz haben kann. Eiche ist beispielsweise meist sehr hart und dauerhaft. Aber auch Eichenholz ist nicht gleich Eichenholz. Hier kommen die Holzmerkmale ins Spiel. Kein Baum gleicht dem anderen. Durch den Standort, die Konkurrenz, die er durch andere Bäume erfährt, oder durch seine Gene wächst jeder Baum einzigartig. Manche Bäume sind beulig und voller toter Äste oder sie sind schlank und haben wenig Äste. All das hat Einfluss aufs Holz – und damit auch auf die Verwendung, denn: Aus faulem Holz einen Dachstuhl zu bauen oder Eiche mit 1A Qualität im Ofen zu verfeuern, wäre wirklich unsinnig. Das Gute ist, man kann diese Holzmerkmale entweder am stehenden Baum oder am liegenden Stamm erkennen und damit die Verwendung und auch den Wert  bestimmen. Die Merkmale zeigen sich an der Mantelfläche, also an der Rinde, oder an den Stirn- bzw. Schnittflächen des Stamms. 

Anhand von den Holzmerkmalen des Einzelbaumes entscheiden Förster:innen und Forstwirt:innen, inwieweit der Baum weiterverarbeitet wird und teilen so den ganzen Stamm in unterschiedliche Sortimente ein. Aus einem einzigen Baum kann also sowohl der Massivholztisch (aus schönem Stammstück unten), sowie Zaunpfähle (aus dünnen astigen Teil oben), als auch Papier und Brennholz (aus der Krone) entstehen. In der Forstwirtschaft spricht man bei dieser Einteilung auch von einer wertoptimierten Aushaltung. Jedes Stammstück soll seiner wertvollsten Verwendung zugeführt werden. Man möchte jeden Baum vielseitig verwenden und optimal verwerten, sobald er gefällt worden ist.

Im Folgenden erklären wir Euch einige Merkmale und wie sie sich auf die Verwendung auswirken können.

Wusstest Du schon…?
Wie sich die Merkmale der Bäume ausprägen, können Försterinnen und Förster mehr oder weniger steuern. Wenn ganz viele Bäume in ihrer Jugend sehr eng stehen, dann bilden sie nur wenige dünne Äste aus. Stehen Bäume frei, so wie es bei Bäumen in Parks ist, werden sie astig und knorrig.

Äste

Äste sind das wahrscheinlich größte Thema, wenn es um Holzmerkmale geht. Es gibt gesunde und faule, es gibt dicke und dünne, es gibt verwachsene und nicht verwachsene. An Ästen verändert sich die Faserstruktur des Baumes, denn Holzfasern im Stamm laufen Richtung Krone, die im Ast aber im etwa 90° Winkel davon weg. Äste haben also Einfluss auf die Verwendung des Holzes. 

Wenn ich beispielsweise einen Baum habe, dessen Äste nicht richtig verwachsen sind, dann fallen diese, wenn ich Bretter aus dem Stamm schneide aus dem Holz – und ich habe ein Loch im Brett. Andere Bäume und ihre Äste sind aber fest miteinander verwachsen, da macht es kaum einen Unterschied. Von außen kann man auch erkennen, ob Äste faul oder gesund sind. Sind sie faul, hinterlassen sie definitiv ein Loch und gegebenenfalls hat sich der Fäulepilz schon ins Holz “durchgefressen” und der Stamm ist innen faul oder hohl. Äste haben auch eine ästhetische Wirkung. Bäume, die kaum Äste haben, gelten als makellos und die Bretter daraus sind besonders wertvoll und teuer. Manch eine findet ganz glatte Bretter schnöde und langweilig und möchte lieber ein paar “Musterungen” im Holz haben. 

Die Auswirkung von Holzmerkmalen kann sich also auch von Mensch zu Mensch und Geschmack zu Geschmack unterscheiden. Generell gilt aber, je weniger Äste am Stamm sind und je gesünder und kleiner die vorhandenen sind, desto teurer wird das Holz und so “edler” ist die Verarbeitung. Wiederum sind Baumstämme mit vielen großen und sogar faulen Ästen in der Regel weniger wert.

Hier wurde ein gesunder starker Ast abgesägt. Die Struktur des Holzes ist bis in den Kern verändert.

Astnarben

Nicht alle Äste, die ein Baum besitzt, behält er auch sein Leben lang. Äste aus der Jugend, die irgendwann von der Krone überschattet werden, sterben ab. Je nach Baumarten fallen sie ab oder bleiben am Baum. Fallen die Äste ab, werden die übriggebliebenen Stummel überwachsen – Forstleute sagen überwallt. Zurück bleibt eine Narbe. An den sogenannten Astsiegeln kann man erkennen, wie dick der Ast war, den der Baum überwallt hat. Und bei glattrindigen Bäumen kann man noch die (im Forst politisch unkorrekt bezeichneten) “Chinesenbärte” erkennen. Diese “Rindenquetschfalte” entsteht, wenn der Baum Äste überwallt. Standen die Äste im 90°-Winkel ab, dann sind die “Chinesenbärte” flach. War es aber ein Steilast, sind die Bärte nach unten gezogen und lang. Auch hier gilt, je kleiner und weniger die Astnarben und je flacher die “Chinesenbärte”, desto wertvoller das Holz.

Hier ist ein Astsiegel mit einem “Chinesenbart” zu sehen. Das ist die Stelle, an der der Baum den toten Ast überwachsen hat. Hier entsteht eine Rindenquetschfalte, die an die Form traditioneller chinesischer Bärte erinnern soll.

Wusstest Du schon…?
Manche Bäume, wie die Douglasie oder die Kirsche, stoßen ihre Äste nicht ab, wenn sie abgestorben sind. Diese werden dann eigentlich vom Baum überwallt. Da aber Bäume mit wenig Ästen im Holz mehr wert sind, lassen Förster:innen diese mit langen Sägen von Forstwirt:innen abstoßen und absägen. So werden die Stämme und damit das Holz später schön astfrei. Man spricht von der Wertästung. 

Risse

Sternriss, Ringriss, einfacher und durchgehender Kernriss. All das sind Risse an Stämmen, die man an den Schnittflächen oben und unten am Stamm erkennen kann. Gerissenes Holz weist auf Spannungen hin und damit steigt die Gefahr, dass das Holz beim späteren Verarbeiten weiter reißt. Im Holzhandel versucht man, sowas mit sogenannten S-Haken zu verhindern. S-förmige Haken an den Schnittflächen sollen die Spannung aus dem Holz nehmen und so ein Aufreißen des Stammes verhindern. Manchmal werden auch sogenannte Zugaben gegeben. Wenn der Stamm eingerissen ist, dann wird der entwertete Teil an anderer Stelle dazu “geschenkt”. Ein Stamm ist unten 20 cm eingerissen, also wird oben ein gutes Stück dazu gegeben.

Fäule

Im Idealfall ist der Baum und damit das Holz gesund. Denn dann kann man es für alles verwenden. Teilweise sind Bäume aber auch krank, beispielsweise durch den Klimawandel oder durch Verletzungen. Dann dringen Pilze ins Holz ein und bauen es langsam ab. Dadurch verändern sich die Eigenschaften des Holzes. Es wird zum Beispiel weich und brüchig. Ein ordentlicher Tisch lässt sich daraus nicht mehr herstellen. Dann wird dieses Holz, je nach Stadium der Fäule, in die Kategorie Industrieholz “sortiert”. Das Holz wird dann nicht mehr zersägt, sondern zerspant oder in Holzfasern aufgeschlossen. Es werden also Spanplatten oder Klopapier daraus. Dieses Holz ist deutlich weniger Wert als sogenanntes sägefähiges Holz.

Krümmung und Drehwuchs

Sicher sind Euch schon mal stark gekrümmte Bäume im Wald aufgefallen. Wenn aus ihnen Brennholz gemacht wird, dann ist das kein Problem. Aber wenn Bretter aus krummen Bäumen geschnitten werden, dann ist auch das Brett je nach Schnittart auch krumm, bzw. der Faserverlauf gebogen und nicht parallel zur Schnittkante. Dieses Problem gibt es auch beim Drehwuchs. Der Baumstamm dreht sich um sich selbst, wie Ihr auf dem Bild erkennen könnt. Schneidet man nun ein Brett heraus, dann stehen die Fasern aus der Schnittfläche heraus. Wenn das Brett trocknet, dann verformt es sich oft in ganz unterschiedliche Richtungen und kann sogar aufreißen. Außerdem ist durch den ungünstigen Faserverlauf die Stabilität des Holzes eingeschränkt. Auch das senkt den Wert des Holzes.

An dieser Buche kann man bereits den Drehwuchs, die gedrehte Holzstruktur des Stammes, am Rindenverlauf. Ein Minuspunkt beim Thema Holzqualität.

Es gibt auch noch einige andere Holzmerkmale, beispielsweise Rotkerne bei der Buche oder Rindenschäden oder Fraßspuren von Insekten. Das würde hier nun aber etwas zu weit führen und Ihr wollt ja auch in Zukunft noch Spannendes zu lesen haben.

Alles behalten?

Na, habt Ihr alles behalten? Nein? Wir Studierenden mussten das mal alles lernen. Gott sei Dank gibt es kleine Merkhefte, in denen Holzmerkmale und Schwellenwerte zu finden sind. Aber trotzdem: Schaut doch mal auf Eurem nächsten Waldspaziergang, was Ihr an Baumstämmen im Wald finden könnt! Hat der Eichenstamm Potential auf der neuesten Luxusyacht verbaut oder ein Eichenfass zu werden – oder schreibt Ihr bald Euren Einkaufszettel darauf? Wir freuen uns auf Euer Feedback.

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