Kann der Ausbau einer Autobahn gut für den Naturschutz sein? Vermutlich eher nicht. Aber zumindest schaffen wir es in Deutschland, dass sich so ein Ausbau nicht negativ auswirkt. Und das funktioniert mit sogenannten Kompensationsmaßnahmen. Sie kompensieren die negativen Auswirkungen des Straßenbaus an anderer Stelle. Wie das genau funktioniert und welche Maßnahmen für den Naturschutz dabei umgesetzt werden, erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Wofür braucht man Kompensationsmaßnahmen?

Im Bundesnaturschutzgesetz ist festgehalten, dass bei Eingriffen in die Natur und Landschaft ein Ausgleich der negativen ökologischen Folgen geschaffen werden muss. Die „Eingriffsregelung“ besagt, dass es ein generelles Verschlechterungsverbot in der Natur und Landschaft gibt. Damit zusammenhängend gilt im Baurecht das „Vermeidungs- und Minimierungsgebot“. Dieses besagt, dass vermeidbare Beeinträchtigungen vermieden und unvermeidbare Beeinträchtigungen minimiert werden müssen. Für nicht vermeidbare Eingriffe muss daher eine Kompensation durchgeführt werden. Konkret bedeutet das, wer irgendetwas bauen will und dadurch einen Umweltschaden anrichtet, muss es woanders wiedergutmachen.

In naturbelassenen Gewässern können sich seltene Tierarten ungestört ausbreiten.

Wusstest Du schon…?
Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Natur stellt keinen Eingriff dar, der kompensiert werden muss, solange sie nach der “guten fachlichen Praxis” durchgeführt wird. Diese orientiert sich am aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Was sind Kompensationsmaßnahmen?

Sobald eine ökologische Funktion durch ein Bauvorhaben negativ beeinflusst wird, muss im besten Fall genau diese Funktion in unmittelbarer räumlicher Nähe ausgeglichen werden. Also wenn man durch den Bau einer Straße der Boden versiegelt und Regenwasser dadurch keine Möglichkeit mehr hat zu versickern, könnte man eine in der Nähe nicht mehr genutzte alte Straße zurückbauen. Dadurch ist die beeinträchtigte Funktion wieder ausgeglichen. Wenn in der Nähe keine Möglichkeit für einen Ausgleich vorhanden ist, muss man Ersatzmaßnahmen durchführen. Diese Maßnahmen sind räumlich flexibel und können auch andere naturschutzrelevante Funktionen verbessern. Das wohl bekannteste Beispiel sind Baumpflanzaktionen, die solche Baumaßnahmen finanzieren. Sollte keine sinnvolle Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahme möglich sein, darf man Bauvorhaben  in Ausnahmefällen durch Ersatzzahlungen kompensieren.

Wildblumenwiesen fördern die Artenvielfalt.

Welche Kompensationsmaßnahmen gibt es?

Es gibt eine ganze Reihe an Kompensationsmaßnahmen für einen Eingriff in die Natur und Landschaft. Wenn Landwirt:innen beispielsweise ein neues Silo bauen möchten, können sie einen unfruchtbaren Acker in eine Wildblumenwiese umwandeln. Zusätzlich können sie ihre Flächen auch für andere Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung stellen. Auch das Anlegen von Hecken bietet einen großen Nutzen für die Artenvielfalt. Ein weiteres wichtiges Feld für Kompensationsmaßnahmen bildet das Element Wasser. Das Anlegen von Feuchtbiotopen fördert viele bedrohte Tierarten wie die Gelbbauchunke oder verschiedene Libellenarten. Auch die Renaturierung von Gewässern ist ein geeignetes Mittel für eine Ersatzmaßnahme. Und zu guter Letzt sind auch Baumpflanzaktionen, die wir bereits häufig thematisiert haben, eine tolle Wahl. Nach den verheerenden Trockenperioden und Sturmereignissen müssen wir viele Waldflächen aufforsten und dafür ist finanzielle Unterstützung sehr wichtig.

Wie genau funktioniert das?

Die Verantwortung für Kompensationsmaßnahmen liegt bei den Verursacher:innen. Das sind in der Regel die Bauherr:innen. Sie müssen sich also selbstständig um einen Ausgleich kümmern. Das Problem besteht darin, dass die Verursacher:innen meistens kein passendes Grundstück für eine Kompensation besitzen. Hier sind sogenannte „Flächenpools“ eine Alternative. Das sind Flächen, die zur Verfügung stehen, um Naturschutzmaßnahmen durchzuführen. Diese Maßnahmen kann man dann gebündelt an einem Ort, mit finanzieller Hilfe der Eingriffsverursacher:innen, durchführen.

Auf solchen Flächen braucht die Natur ein wenig Unterstützung. Deshalb werden hier Bäume für die Zukunft gepflanzt.

Wusstest Du schon…?
Ausgleichsmaßnahmen kann man bereits im Voraus durchführen und auf einem Ökokonto speichern, um spätere Bauvorhaben umzusetzen. Die früheren Ausgleichsmaßnahmen werden dann für das neue Projekt angerechnet.

Und zum Schluss

Wir halten Kompensationsmaßnahmen für ein geeignetes Mittel, um Bauvorhaben, die der sozialen Gerechtigkeit (Wohnungsbau) oder einer besseren Infrastruktur dienen, durchführen zu können. Allerdings darf damit kein Green Washing betrieben werden. Es sollte deshalb kein Freifahrtschein für alles Mögliche sein. Ähnliches kennt man von diversen umweltschädlichen Produktionen, die als Ausgleich einfach ein Stück Regenwald kaufen und ihr Produkt dadurch als “klimaneutral” betiteln dürfen. 

Wie ist Eure Meinung zu dem Thema und kennt Ihr noch weitere gute Maßnahmen, die bei einer Kompensation umgesetzt werden können?