Moose – der Wunderteppich des Waldes

Seid Ihr schon mal durch einen moosbedeckten Wald gewandert? Vor allem in Fichtenwäldern findet man oftmals dicht bemooste Waldböden. Doch auch in Laubwäldern gibt es viele unterschiedliche Moose. Sie verraten uns genauso etwas über die standörtlichen Bedingungen wie krautige Pflanzen und sind dabei auch noch die ersten Landpflanzen überhaupt! Moospflanzen bieten kleinen Lebewesen wie Insekten, Spinnen, Reptilien oder Schnecken einen besonderen Lebensraum. Mehr zu ihnen erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Wusstest Du schon…? 
Wenn Du im Wald die Himmelsrichtungen wissen willst, reicht es oft aus, sich die Baumstämme genauer anzusehen. Zumeist wächst Moos nämlich im Norden oder der nordwestlichen Seite des Stammes und weist Dir so die Richtung. Die meisten Moose mögen es nämlich dunkler und im Norden scheint nur wenig Sonne auf die Bäume.

Die ersten Landgänger 

Moose gibt es schon seit über 400 Millionen Jahren. Man findet sie überall auf der Welt und das mit etwa 16.000 Arten. Evolutionär markieren sie den Übergang von Wasser- zu Landpflanzen und waren auch die ersten an Land wachsenden Pflanzen. 

Aus diesem Grund fehlen ihnen aber auch typische Pflanzenstrukturen. Sie haben nämlich keine Wurzeln, Blätter oder Stengel. Ihnen fehlen also wichtige Leitgefäße, weswegen sie auch nicht sonderlich hoch wachsen können, da sie Stoffe nicht in große Höhen weiterleiten können. Der Transport von Wasser findet in ihnen statt, jedoch nicht über die typischen Wege. Moose haben nämlich eine dünne Cuticula, das ist das Gewebe auf der Pflanze, sozusagen die Haut. Durch sie kann das Moos Wasser aufnehmen und speichern.  

Sie sind wahre Schwämme und können teilweise fast das 30-fache ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen. So spielen sie zum Beispiel in Mooren eine wichtige Rolle!

Natürlich haben sie wurzelähnliche Organe, die ihnen bei der Verankerung an Ort und Stelle helfen. Diese heißen Rhizoide. 

Wusstest Du schon…?
Moose können komplett austrocknen, ohne abzusterben. Bei Trockenheit reduzieren sie ihren Stoffwechsel. Sobald sie wieder bewässert werden, quellen sie auf und werden wieder grün. Das könnt Ihr super im Sommer ausprobieren!

Das Frauenhaar des Waldes

Eine weitere gut erkennbare Art ist das Frauenhaarmoos oder auch Schönes Frauenhaar (Polytrichum formosum) genannt.

Es wächst ähnlich wie das Torfmoos in die Höhe, sieht jedoch weniger fleischig aus. Die kleinen Blättchen sind schmal und angeordnet wie Sterne. Die Sterne wachsen an einer breiten Mittelrippe. Sie Samenstände sind unten rötlich und färben sich weiter oben gelblich. Man findet es oft in dunkel- bis schwach hellgrünen Büscheln. 

Über Bienchen und Blümchen

Jede Pflanzenart sichert ihre Existenz durch die Vermehrung. Moose tun dies aber anders als Blütenpflanzen. Sie vermehren sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich. Was das jetzt nun wieder heißt, erklären wir Euch jetzt. Unter der Erklärung findet Ihr eine anschauliche Abbildung dazu. 

Aus dem Moos ragt eine Art Stiel. An dessen Ende befindet sich eine sogenannte Sporenkammer.

Im ungeschlechtlichen Zustand bildet das Moos eine Art Stiel mit einer Sporenkapsel (s. oben), die Sporangium genannt wird. Wenn sich die Kapsel öffnet, entlässt sie Sporen, die vom Wind verbreitet werden. Die Sporen sind entweder weiblich oder männlich, also folgt nun die geschlechtliche Generation. Denn je nach Spore entwickelt sich ein Moos mit weiblichen oder männlichen Geschlechtsorganen. Die weiblichen Organe nennt man (Achtung Nerd Alarm) Archegonien und in ihnen befinden sich Eizellen. Die männlichen Organe bezeichnet man als (noch mehr Latein) Antheridien und in ihnen befinden sich männliche Geschlechtszellen. Die männlichen Zellen sind beweglich und können über Wasser an die weiblichen Moose herangetragen werden und befruchten diese. Ab der Befruchtung, über die Entwicklung von einem Embryo bis zur Ausbildung eines neuen Sporophyten (mit männlichen und weiblichen Zellen), spricht man wieder von einer ungeschlechtlichen Generation. Ungeschlechtlich, da beide Geschlechter vorhanden sind.

Schon geschafft! 

Wir haben den Generationenwechsel des Mooses im Uhrzeigersinn beschrieben. Als Gametophyten bezeichnet man die Moose bei einer geschlechtlichen Generation. Sporophyten sind die Erscheinungsform von ungeschlechtlichen Moosen.

Wusstest Du schon…?
Auch Farne haben einen ähnlich komplizierten Lebenszyklus. Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob Ihr mehr darüber erfahren wollt oder Euch ein wilder Exkurs auf Latein gereicht hat!

Alle Moose mögen’s nass? 

Wer hätte es gedacht: Natürlich nicht. Natürlich findet man Moose viel auf feuchten Standorten, da sie Wasser – wie oben gelernt – für einen Teil ihrer Fortpflanzung brauchen. Dennoch gibt es auch Moose wie das Bogige Krummstielmoos (Campylopus flexuosus), die auch auf trockenen, sauren Standorten zu finden sind. 

Dadurch werden Moose von Förster:innen genauso als Zeigerarten gesehen wie Blütenpflanzen. Das bedeutet, dass man durch sie auf die Eigenschaften des Standorts schließen kann, auf dem sie wachsen. 

Darüber hinaus ist Moos auch nicht gleich Moos. Es wird in drei unterschiedliche Artengruppen aufgeteilt, die nicht auf einen gemeinsamen Vorfahr zurückgeführt werden können und sich somit unabhängig voneinander entwickelt haben. Lebermoose haben einen rundlichen, fleischigen Körper. Hornmoose sehen durch ihre kleinen, länglichen Stängel aus wie Hörner. Am relevantesten im Wald sind jedoch die Laubmoose. Es gibt sie am häufigsten. Laubmoose besitzen eine Art Stämmchen, an dem blattähnliche Strukturen sitzen. Diese Arten sind für Förster:innen die wichtigsten Moos-Zeigerpflanzen.  

Wusstest Du schon…?
Moose können uns Auskunft über die Luftverunreinigung durch Schadstoffe geben. Sie nehmen diese direkt über den Regen auf. Bei einem sogenannten Moosmonitoring kann die Belastung durch Schadstoffe je Fläche gemessen werden. 

Konnten wir Euer Interesse für Moose wecken? Welche Arten kennt Ihr aus dem Wald? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen.

Edit: Wir haben die „Wurzeln“ vom Moos ursprünglich als Rhizome, nicht Rhizoide, bezeichnet. Das war ein kleiner Tippfehler! Sorry und danke für den Hinweis.

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