Sicher habt Ihr in den letzten Frühlingstagen im Wald ein paar unserer vorgestellten Frühblüher entdecken können. Doch nicht jede krautige Pflanze wächst auch überall. Wenn Ihr beispielsweise auf der Suche nach Bärlauch seid, habt Ihr Euch wahrscheinlich die heimlichen Bärlauch-Ecken bereits genau gemerkt. Viele Pflänzchen sind auf einen gewissen Standort angewiesen. Daraus können wir schlussfolgern, ob dieser Boden hier eher trocken oder nass ist und wie die Versorgung mit Nährstoffen ist. Sie zeigen es uns quasi an, weshalb man sie Zeigerarten nennt. Wie Ihr mit Blühpflanzen die Zusammensetzung des Waldbodens erkennen könnt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Achtung: Nerdalarm!

Was sind Zeigerarten?

Jan hat Euch in seinem Artikel über den Boden bereits erklärt, dass die Eigenschaften und die Zusammensetzung des Bodens entscheidend für das Wachstum der Pflanzen sind. Sowohl Bäume, als auch krautige Pflanzen, bevorzugen dabei natürlicherweise bestimmte Standorte, auf denen sie besonders gut gedeihen können. Sie sind daher Zeigerarten für ihren Lieblingsstandort. Für den Boden hat man dazu zwei Parameter festgemacht, um den Standort zu bestimmen. Einmal die Feuchtigkeit: Ist der Boden nass oder trocken? Und einmal die Nährstoffversorgung: Ist der Boden sauer oder basisch? Letzteres kann man mit einem pH-Test bestimmen.

Bäume sind insgesamt vergleichsweise anspruchslos an ihren Standort. Die Buche wächst zum Beispiel auf nahezu jedem Boden in Deutschland. Lediglich extrem nasse Standorte, wie Moore, und sehr trockene, wie Dünen, verträgt die Buche nicht. Eine Vielzahl von Blühpflanzen ist dagegen sehr anspruchsvoll. Die Sumpfdotterblume zum Beispiel verrät mit ihrem Namen schon, auf welchem Standort sie wächst. Auf nassen Böden, eher kleinen Sümpfen, die gut mit Nährstoffen versorgt sind. Wenn Ihr also demnächst Sumpfdotterblumen seht, dann wisst Ihr, hier bekommt man nasse Füße. Vielleicht verrät es Euch aber auch der Sumpf…

Wusstest du schon…?
Die Große Brennnessel ist ein ausgesprochener Stickstoffzeiger. Häufig wächst sie an Ackerrandbereichen und zeigt die Auswirkung von landwirtschaftlichem Dünger im Wald auf. Diese Zeigerart kann vielfältig genutzt werden. Zum Beispiel als Tee oder Salat. Manche Gartenliebhaber:innen kennen auch die düngende Funktion von Brennnesseljauche.

Mit Ellenberg zum Zeigerwert

Im Zuge unseres Forststudiums beschäftigen wir uns viel mit der Botanik. Prof. Heinz Ellenberg, ein namhafter Botaniker und Biologe, hat für hunderte Pflanzen die sogenannten Zeigerwerte abgeleitet. Unzählige Pflanzenarten Europas erhielten Werte für die Kategorien Licht, Temperatur, Feuchte, Kontinentalität (atlantische oder kontinentale Lage), Reaktion (pH-Wert), Stickstoffversorgung, Salzgehalt und Schwermetallresistenz. Auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 9 (sehr hoch). Das ist natürlich hochkomplex und für die pragmatischen Förster:innen nur schwer in der Praxis anzuwenden. Nach dem oben erklärten Prinzip wurden diese Pflanzen zu Gruppen von Zeigerarten zusammengefügt. Diese eignen sich zur Bestimmung des Standortes, weil sie besonders anspruchsvoll sind und deshalb nur an ganz bestimmten Orten wachsen.

Der kriechende Günsel (Ajuga reptans) – Wir nennen ihn auch gerne den kriechenden Gönnjamin.

Vom Zeigerwert zum Ökogramm

Abgeleitet aus diesen Zeigerartengruppen wurde dann das sogenannte Zeigerarten-Ökogramm von Jörg Ewald entwickelt. Dieses Ökogramm ermöglicht es Euch, einen Waldstandort anhand seiner Bodenvegetation zu bestimmen. Föster:innen nutzen dieses Ökogramm, um einen Standort besser einschätzen und bewerten zu können. So können sie feststellen, welche Baumart heute und in Zukunft dort gut wachsen wird. Natürlich beeinflussen aber noch andere Indikatoren, wie die Hangneigung, Sonnenexposition oder Niederschlagsmengen diese Entscheidung, eine grobe Richtung kann aber trotzdem anhand der Zeigerarten ausgemacht werden.

Das Ökogramm ist dabei wie ein Diagramm aufgebaut. Auf der x-Achse findet ihr fünf Kategorien zur Bodenreaktion, also dem pH-Wert. Diese reichen von „sehr stark sauer“ bis „kalkreich/betont basenreich“. Auf der y-Achse befinden sich von „nass“ bis „trocken“ sechs Einstufungen zum Wasserversorgung. Dabei wird die Feuchtigkeit in römischen und die Bodenreaktion in arabischen Ziffern angegeben. Innerhalb des Koordinatensystems befinden sich die Zeigerartengruppen, diese wurden nach ihren ökologischen Optima gruppiert, so wie es einst Ellenberg tat. Beispielsweise findet Ihr dort die Artengruppe III.5 mit dem Hohen Lerchensporn als Hauptart, sowie unter anderem das Gelbe Windröschen, das Ihr aus unserem Frühblüher Artikel kennt, oder den Bärlauch (ohne Butter). Aus dem Diagramm könnt Ihr nun ablesen, dass Euch diese Arten einen kalkreichen (pH-Wert) und frischen (Wasserhaushalt) Boden anzeigen. Förster:innen wissen nun, dass hier anspruchsvolle Edellaubhölzer, wie zum Beispiel die Esche oder der Bergahorn, sehr gut wachsen können. Und das ohne irgendwelche Bodenproben analysieren zu müssen!

Das Zeigerartenökogramm nach J. Ewald.

Beim nächsten Waldspaziergang: Zeigerarten im Ökogramm markieren

Wenn Ihr Euch also nun in den Wald begebt, könnt Ihr Euch das Zeigerartenökogramm zu Hilfe nehmen. Dabei markiert Ihr alle Arten, die Ihr in dem vorliegenden Waldgebiet entdecken könnt, auf Eurem Ökogramm, das Ihr natürlich parat haben solltet. Falls Ihr mal eine Art nicht eindeutig identifizieren könnt, gibt es nützliche Hilfen, wie Bestimmungsbücher oder auch Apps, die Euch sagen welche Pflanze Ihr gefunden habt. Nun findet man natürlich nicht immer nur Arten aus einer Artengruppe. Meist werdet Ihr unzählige Arten finden, die vielleicht auch nicht immer den gleichen Standort anzeigen. Nun gilt es, bei der Auswertung Eurer gefundenen Arten eine Art Punktewolke zu finden. Das bedeutet, Ihr versucht herauszufinden, wo sich Eure Punktewolke zentriert befindet/ am stärksten auftritt.

Der Waldsauerklee wächst auf starksauren frischen Standorten. Auch der “saure” Nadelteppich unter Fichten lässt oft jede Menge Sauerklee wachsen.

Nicht nur das Entdecken der Arten ist faszinierend! Darüber hinaus sogar die Eigenschaften eines Waldstandorts einschätzen zu können, ist nicht nur für Förster:innen äußerst spannend und interessant. Also, schnappt Euch ein Ökogramm und begebt Euch doch bei Eurem nächsten Spaziergang einmal selbst auf die Suche. Wir wünschen viel Spaß und sind gespannt, welche besonderen Arten und Standorte Ihr entdecken werdet!

Quellen:

Jörg Ewald: Beurteilung von Waldstandorten und Waldgesellschaften mit Zeigerarten-Okogrammen

Vorlesungsunterlagen Öder, V. Ökologie der Gehölze.

Ellenberg, H. & C. Leuschner 1978: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. S. 1334

Literaturtipps zur Bestimmung:

Lüder, Rita (2017): Grundkurs Pflanzenbestimmung – Eine Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene. 8. Auflage. Wiebelsheim

Spohn, Margot; Spohn, Roland (2017): Welche Blume ist das? Kosmos Verlag, Stuttgart