Der Deutsche Wald – Daten, Fakten und Grundlagen zum Forst in Deutschland

In keinem anderen Land der Europäischen Union steht so viel Holz, wie im deutschen Wald. Nach einer Schätzung (Bundeswaldinventur) stehen in unseren Wäldern über 90 Mrd. Bäume, verteilt auf 72 verschiedene Baumarten. Im folgenden Artikel erfahrt Ihr wissenschaftliche und faktenbasierte Besonderheiten zu unserem Wald.

Deutschland ist eines der waldreichsten Länder der EU. Knapp ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands ist bewaldet. Insgesamt steht auf 11,4 Mio. Hektar (ha = Flächengröße 100 x 100 m) Wald. Die waldreichsten Bundesländer sind Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen (absolut). Der Großteil der Wälder ist in Besitz von Privatleuten, was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr hier.

Bewaldung in Deutschland nach der dritten Bundeswaldinventur
Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Der deutsche Wald setzt sich zu 56 % aus Nadelbäumen und 44 % aus Laubbäumen zusammen. Die Hauptbaumarten sind die Fichte, die Kiefer, die Buche und die Eiche. Seit den letzten zehn Jahren steigt der Anteil der Laubbäume im Wald, sowie der allgemeine Anteil von Mischwäldern.

Funktionen des Deutschen Waldes

Der Wald nimmt unzählige Funktionen ein und ist von besonderer Bedeutung in vielerlei Hinsicht. So steht der Wald in enger Wechselwirkung mit dem Klima, lokal und global. Er leistet:

  • Beitrag zur Sauerstofferzeugung
  • Minderung der Treibhausgase
  • Zentrale Rolle im Wasserkreislauf
  • Beeinflussung des Umgebungsklimas

Wald ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sowie komplexe Ökosysteme. In Deutschland ist der Wald ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, Rohstofflieferant, Arbeitsplatz und Erfahrungs- und Rückzugsraum für den Menschen. Allesamt Funktionen, die oft unterschätzt werden. Der Wald ist also bedeutend mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen!

Kennzahlen zum Deutschen Wald

Fast ein Viertel der deutschen Wälder ist über 100 Jahre alt. Der Holzvorrat (ein forstwirtschaftlicher Begriff, der beschreibt wie viel Holz in Form von Bäumen auf einer Fläche steht) ist so hoch wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Der Gesamtvorrat beträgt 3,7 Mrd. m3, was Deutschland zum Land mit dem höchsten absoluten Vorrat der EU macht. Ein wichtiger Faktor für die Artenvielfalt im Wald und wichtiger Bestandteil des Ökosystems, stellt abgestorbenes Holz dar. Hier befindet sich in deutschen Wäldern auf einem Hektar (ha) 13,6 Vorratsfestmeter (Vfm – auch ein forstwirtschaftlicher Parameter = Kubikmeter) Totholz, Tendenz steigend. Dies ist, verglichen mit anderen Ländern der EU, ebenfalls sehr viel, vergleichsweise Österreich 11,9 Vfm/ha, Schweiz 6,1 Vfm/ha.

Der überwiegende Teil der deutschen Wälder wird forstwirtschaftlich genutzt. Dabei bewahrt die nachhaltige deutsche Forstwirtschaft den Wald, verjüngt (das bedeutet die Anpflanzung und Fortpflanzung von Bäumen), pflegt und bewirtschaftet ihn und stellt seine vielfältigen oben genannten Funktionen der Gesellschaft bereit. Das Ziel ist es, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Leistungen des Waldes (hier spricht man auch von „Ökosystemleistungen“) gegenwärtigen und zukünftigen Generationen dauerhaft und gesichert zur Verfügung zu stellen.

Aktuelle Situation und Folgen des Klimawandels

Doch die letzten Jahre und die Folgen des Klimawandels haben den Wald getroffen. Stürme, Dürre, Brände und Käferbefall haben deutschlandweit ca. 160 Mio. m3 Holz auf einer Fläche von 245.000 ha (das ist mehr als drei mal die Fläche Hamburgs) zerstört. Doch auch die kurzfristige Zerstörung bietet Chancen. Die deutsche Forstwirtschaft ist bereits dabei einen klimaangepassten Wald zu erziehen (d.h. auf folgende Klimaveränderungen einen angepassten Wald zu entwickeln) und Flächen wieder aufzuforsten. Wie dieser klimaangepasste Wald genau aussehen kann erfahrt Ihr in kommenden Artikeln!

Quellen: Thünen Institut, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Vorlesungsunterlagen HAWK Modul Forstpolitik, Prof. Dr. Thren 2019

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