Hainbuche, Weißbuche oder Hagebuche – ein Baum, viele Namen! Auf den ersten Blick wirkt die Hainbuche eher unscheinbar. Doch hinter ihr verbirgt sich eine Baumart, die angesichts des Klimawandels immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. In diesem Artikel erfahrt Ihr, warum das so ist, was es mit den vielen Namen auf sich hat und weshalb wir von ihr als Dienerin sprechen! 

Eine Besonderheit der Hainbuche: sie wächst oft mehrstämmig.

Merkmale der Hainbuche 

Die Hainbuche (Carpinus betulus) ist flächendeckend in Deutschland verbreitet. Die eher unscheinbare Baumart, die nur etwa 1,2 % der gesamten Waldfläche in Deutschland ausmacht, kommt vor allem in den hügeligen Landschaften des Tieflandes und dem Mittelgebirge vor. Häufig wird die Hainbuche mit der bei uns ebenfalls heimischen Rotbuche (Fagus sylvatica) verwechselt. Dabei sind die beiden nicht mal im Entferntesten miteinander verwandt! Während die Rotbuche zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) gehört, ist die Hainbuche Bestandteil der Birkengewächse (Betulaceae) und damit näher mit der Birke als mit der Buche verwandt. 

Damit Ihr die beiden beim nächsten Waldspaziergang besser auseinanderhalten könnt, zeigen wir Euch hier, wie man Rotbuche und Hainbuche gut voneinander unterscheiden kann. Das einfachste Merkmal, an dem man die beiden Baumarten auseinanderhalten kann, sind die Blätter. Zwar ähneln sich diese in ihrem Aussehen, jedoch hat die Rotbuche ganzrandige Blätter, während die Hainbuche doppelt gesägte Blattränder hat. Ganzrandige Blätter sind völlig glatt und haben keine Einschnitte, während gesägte Blätter spitze Vorsprünge und Einschnitte haben. Bei doppelt oder mehrfach gesägten Blättern wechseln sich große Zähne mit kleineren ab. Zudem weisen die Blätter von der Hainbuche mehr Struktur auf als die der Rotbuche. Während die Blätter der Rotbuche glatt sind, haben die der Hainbuche tiefe, sichtbare Blattadern.

Dieser Stamm ist nicht rund

Man kann Rotbuche und Hainbuche auch anhand ihrer Wuchsform unterscheiden. Während die Rotbuche meistens gerade in die Höhe wächst und einen runden Stamm hat, wächst die Hainbuche gerne spannrückig. “Häh?“, fragt Ihr Euch jetzt vielleicht. Spannrückigkeit bedeutet bei Bäumen, dass sie keinen kreisrunden, sondern einen unregelmäßigen Querschnitt besitzen. Dieser ist durch tiefe Furchen und Wülste gekennzeichnet. Zudem behält die Hainbuche in der Regel kleinere Dimensionen und wird nicht so groß wie die Rotbuche. Daneben wächst die Hainbuche deutlich unregelmäßiger. Häufig auch in mehreren Stämmen. 

Wusstest Du schon…?
…dass das Adjektiv “hanebuechen” von der Hainbuche kommt? Dies ist eine ältere Bezeichnung für derb, knorrig und grob, angelehnt an das Aussehen der Hainbuche. 

Waldbauliche Bedeutung der Hainbuche 

Wie der prozentuale Anteil der Hainbuche an der Gesamtbewaldung Deutschlands vermuten lässt, spielt die Hainbuche nicht die allergrösste waldbauliche Rolle. Sie übernimmt nur in Ausnahmefällen die Funktion als Hauptbaumart, also der Baumart, die in einem Waldstück am häufigsten vertreten und vorherrschend ist. 

Aber nur weil sie selten die Hauptbaumart ist, muss sie noch lange nicht die Dienerin sein, von der wir im Titel sprechen, oder? Gehen wir dem auf den Grund, warum sie aber oftmals als solche bezeichnet wird! Häufig wird von ihr als “dienende Baumart“ gesprochen, da sie gerne in Eichenwäldern zur Schaftreinigung und Bodenpflege genutzt wird. Wenn Förster:innen von Schaftreinigung oder Astreinigung sprechen, dann beziehen sie sich in diesem Fall auf die beschattende Eigenschaft einer Baumart. Kommt die Hainbuche beispielsweise zusammen mit Eichen vor, ist die Eiche in der Regel die vorherrschende Baumart, während die Hainbuche im Unterstand, also quasi ein Stockwerk tiefer, vorkommt. Dadurch, dass die Hainbuche nicht so hoch wird wie die Eiche, hat sie eine beschattende Wirkung auf den Stamm der Eiche. Das sorgt dafür, dass sekundäre Zweige am Eichenstamm absterben. Sekundäre Äste können entstehen, wenn der Baum unter Stress gerät.

Sie spielt in der Holzproduktion keine Rolle, dient ihr aber

Stellt Euch vor, es fegt ein gewaltiger Sturm durch den Wald und reißt einen großen Teil einer Eichenkrone zu Boden. Die Krone ist quasi der Motor eines Baumes, also der Ort, wo Photosynthese betrieben wird und der Baum somit mit Nährstoffen versorgt wird. Jetzt fehlt ihr ein Teil des Motors. Um das auszugleichen, können sich am Stamm sogenannte sekundäre Äste bilden. Die Krone braucht viele gesunde Zweige, die durch Photosynthese das Wachstum des Baumes ermöglichen. Doch aus Sicht der Holzproduktion sind Äste am Stamm unerwünscht. Insbesondere bei Eichen gilt: Je astärmer der Stamm, desto hochwertiger ist das daraus gewonnene Schnittholz, beispielsweise für Furniere. Die Hainbuche selbst spielt zwar in der Holzproduktion eine sehr untergeordnete Rolle, ist aber für die Holzproduktion anderer wertvoller Baumarten wie eben der Eiche wichtig. Eine stille Dienerin also! 

Auf diesem Foto wird die “dienende” Funktion deutlich. Ihr seht einen Eichenbestand mit unterständigen Hainbuchen, was bedeutet, dass die Hainbuchen kleiner sind als die Eichen. Sie beschatten den Stamm der Eiche, wodurch keine Äste am Stamm wachsen und das Holz dadurch qualitativ hochwertiger wird. 

Die Härteste in ganz Europa?   

Kommen wir nun zu den vielen Namen der Hainbuche und zu dem, was es mit diesen auf sich hat. Zu Beginn haben wir Euch ja bereits erläutert, dass die Hainbuche eigentlich gar keine richtige Buche ist und näher mit der Birke als mit unserer Rotbuche verwandt ist. Woher kommt dann also der Name? Handelt es sich hier um einen Fall wie bei der Erdbeere, die botanisch gesehen gar keine Beere ist? So ähnlich! 

Tatsächlich beruht der zweite Namensteil auf der optischen Ähnlichkeit mit der Rotbuche. Der Name Weißbuche hingegen spielt auf die Holzfärbung an. Hainbuchen haben sehr helles Holz, das vor allem eine hohe Dichte aufweist und extrem hart ist, weshalb es oftmals in Werkzeugteilen, für Hobelbänke, als Keilholz oder in Spielzeugen verbaut ist. Historisch wurde es vor allem in der Wagnerei und für den Bau von Mühl- und Zahnrädern verwendet. Der Name Hagebuche hingegen leitet sich vom althochdeutschen “Haganbuoche” ab, wobei “hag” Einzäunung oder Hecke bedeutet und sich auf die gute Eignung der Hainbuche als Heckenpflanze bezieht. Aufgrund ihrer Schnittfähigkeit und weil die braunen Blätter im Herbst lange an den Zweigen hängen bleiben, bietet sie langen Sichtschutz. Sie ist auch aus Biotopschutzgründen eine gute Heckenpflanze, da sie optimale Brut- und Nahrungsbedingungen für viele Heckenbrüter bietet. Ein unscheinbares, aber echtes Multitalent! 

Wusstest Du schon…?
…dass die Hainbuche eine der härtesten einheimischen Laubholzarten ist? Es ist so hart, dass ihr Holz beispielsweise für die Herstellung von Klavierschlegeln genutzt wird, welche die Töne beim Klavierspielen erzeugen. Zudem hat es auch einen ausgezeichneten Brennwert, allerdings macht das Spalten von Hainbuchenholz aufgrund der Härte mal so gar keinen Spaß! 

Gewinnerin im Klimawandel?   

Wenn Ihr Euch ein bisschen mit den Baumarten auskennt, wisst Ihr vielleicht schon, dass die Hainbuche als eine der Hoffnungsträgerinnen im Klimawandel gehandelt wird. Häufig wird in Bezug auf den Klimawandel mit ausländischen Baumarten experimentiert, die bereits jetzt in Klimaten vorkommen, in denen es deutlich wärmer ist als bei uns. Allerdings lässt sich bei diesen Baumarten nur schwer vorhersagen, ob sie tatsächlich an die Standortgegebenheiten in unseren Breiten angepasst sind. Denn es geht nicht nur um Klimafaktoren wie Temperatur und Niederschlag.

Auch das Bodensubstrat, die Höhenlage und weitere Standortfaktoren entscheiden darüber, ob sich eine Baumart bei uns wohlfühlt. Zudem besteht immer die Gefahr, dass, wenn man eine fremdländische Baumart einführt, diese Probleme mit sich bringen kann. So können eingeführte Arten potenziell invasiv sein und heimische Arten verdrängen, was wir natürlich vermeiden wollen. Aus diesen Gründen ist es lohnenswert, sich unter den heimischen Baumarten umzuschauen. Vielleicht gibt es ja eine heimische Art, die besser mit den sich ändernden Klimabedingungen zurechtkommt? 

Hat die Hainbuche Aufstiegschancen?

Genau so eine Baumart könnte die Hainbuche sein! Aufgrund ihres intensiven Herzwurzelsystems mit hoher Wurzelenergie kann sie sich gut im Boden verankern und ist besonders sturmstabil. Bezüglich ihrer Standortansprüche hat sie eine weite Amplitude und fühlt sich auf vielen Standorten wohl. Generell ist sie trockenheitstoleranter als die Rotbuche, eine wichtige Eigenschaft angesichts der im Klimawandel steigenden Temperaturen. So erträgt sie auch Tonböden, eine Bodenart, mit der viele andere Baumarten ihre Probleme haben. Gleichzeitig ist sie eine Baumart der Hartholzaue und erträgt Überflutungen. Eine echte Allrounderin also! 
Die Hainbuche kann also eine wichtige Rolle für Diversität und Stabilität unserer Wälder spielen, besonders bei Stürmen und Trockenheit. 

Was meint Ihr, hat die Hainbuche Aufstiegschancen über eine dienende Baumart hinaus? Kann sie mehr an Bedeutung gewinnen? Lasst uns gerne darüber in den Kommentaren diskutieren!

Quellen:

Hein, S. (2023) Waldbau mit Hainbuche. Lehrveranstaltung Waldbau II. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg 

Ruge, S. (2020) Baumarten Mitteleuropas. Lehrveranstaltung . Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg 

Ruge, S. (2020) Botanik. Skriptum. Lehrveranstaltung Botanik. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg 

https://www.laubblaetter.de/waldwissen-a-z/hainbuche-carpinus-betulus

waldwissen.net/assets/FVA/Waldwirtschaft/Artensteckbriefe_2.0/Hainbuche.pdf 

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/pilze-und-nematoden/hainbuchensterben-und-rindenkrebs-der-hainbuche

https://wald.fnr.de/wald/baumarten/laubbaeume/hainbuche