Fans der Filmreihe Jurassic Park haben sicherlich schon einmal etwas von der Chaostheorie gehört. Diese beschreibt die Grenze zwischen Vorherhersehbarkeit und “Chaos”. Als Beispiel hierfür gibt es den sogenannten Butterfly Effect. Was das alles mit dem Ökosystem Wald zu tun hat, erfahrt Ihr noch in diesem Artikel. Du hast noch nie was vom Butterfly Effect gehört? Hier eine Erklärung in Kurzform:

Wusstest du schon…?
Butterfly Effect
Der Schmetterlingseffekt beschreibt die Unvorhersehbarkeit der Auswirkungen, die kleinste Veränderungen mit sich bringen können. So stellt sich die Frage, ob ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen könnte.

Auch wenn wir diese Frage nicht abschließend beantworten können, lassen sich doch einige Parallelen zum Wald entdecken. Denn der Wald befindet sich in einem sensiblen Gleichgewicht, bei dem eine kleine Veränderung Auswirkungen auf die ganze Tier- und Pflanzenwelt haben kann. Bevor wir näher auf dieses empfindliche Ökosystem eingehen, müssen wir zunächst einmal feststellen, wie sich das Ökosystem Wald überhaupt definiert. Denn nicht jede Ansammlung von Bäumen ist direkt ein Wald.

Was ist eigentlich Wald?

Das Bundeswaldgesetz definiert ihn als jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche. Zusätzlich gelten aber auch kahlgeschlagene Flächen, die zum Beispiel nach einer Borkenkäferkalamität entstehen, immer noch als Wald, obwohl dort kein Baum mehr steht. Außerdem gehören Waldwege, Waldwiesen oder Holzlagerplätze ebenfalls dazu.

Ihr seht, ein Wald besteht aus sehr unterschiedlichen Flächen. Und auch in seiner vertikalen Struktur ist er sehr vielfältig. Man kann den Wald in einzelne Schichten einteilen, in der ganz verschiedene Verhältnisse herrschen. Das könnt Ihr Euch wie die Stockwerke eines Hauses vorstellen. Der Fachbegriff für die Einteilung der Schichten heißt übrigens Stratifikation.

Das „Blätterdach“ bestimmt maßgeblich darüber, welches Leben darunter stattfinden kann.

Der Wald als Hochhaus

Wenn wir uns den Wald als Haus vorstellen, dann ist der Boden der Keller mit Vorratskammer. Hier bedienen sich die Pflanzen an Wasser und lebensnotwendigen Nährstoffen, an die sie mit Hilfe ihrer Wurzeln gelangen. In einer Hand voll Boden leben mehr kleine Tiere als es Menschen auf der Erde gibt. Sie erfüllen den wichtigen Zweck, die Laubstreu zu zersetzen und Nährstoffe verfügbar zu machen. Doch sie haben noch viele andere wichtige Aufgaben. Regenwürmer durchlüften beispielsweise den Boden, wodurch er mehr Wasser speichern kann. Wenn Ihr mehr über den Boden erfahren wollt, schaut mal hier vorbei.

Ein Stockwerk über der Wurzelschicht im Boden kommt das Erdgeschoss mit der Moos- und Krautschicht. Sie beginnt oberirdisch direkt auf dem Boden und endet bei einer Höhe von 0,5 – 1 Meter, je nachdem welcher Definition man folgt. Neben den Moosen und Pilzen finden sich hier besonders viele krautige Pflanzen wie die Frühblüher. Sie sind Nahrungsgrundlage für verschiedenste Insekten und der Lebensraum von Kleinsäugern wie Mäuse und Igel. Aber auch wir Menschen wissen viele der Pflanzen zu schätzen. Probiert doch mal unser Rezept für eine leckere Waldmeisterbowle aus.

Welche krautigen Pflanzen wachsen können, hängt von den Standortbedingungen ab.

Eine Etage höher befindet sich die Strauchschicht. Diese Bezeichnung ist etwas irreführend, denn neben den namensgebenden Sträuchern wie Haselnuss und Schwarzdorn, zählen hier auch junge Bäume dazu. Die Strauchschicht ist nämlich nichts anderes als eine Bezeichnung für die Höhe von der Krautschicht bis zu 5 Meter über dem Boden. In dieser Etage fühlen sich vor allem Vögel wohl, die sich hier ihre Nester bauen. Die Strauchschicht ist an den Waldrändern oft besonders vielfältig und stark ausgeprägt.

Und zu guter Letzt befindet sich im Dachgeschoss die Baumschicht. Hier wachsen große Bäume mit einer ausgeprägten Krone. Sie bestimmen welche Pflanzen und Tiere unter ihnen überleben können. Denn ein ganz entscheidender Faktor für die meisten Tier- und Pflanzenarten ist die Verfügbarkeit von Licht. Deshalb ist die Artenvielfalt in einem ausgedunkelten Buchenwald oft niedriger als in einem hellen Eichenmischwald.

Wald ist nicht gleich Wald

Wusstest Du schon…?
Wälder weisen die höchste an Land befindliche Artenvielfalt auf. In unseren Buchenwäldern leben beispielsweise über 4.000 Pflanzen- und etwa 6.000 Tierarten.

Ihr wisst natürlich, dass nicht jeder Wald gleich ist. Man kann ihn nach vielen unterschiedlichen Eigenschaften einteilen. Zum Beispiel nach ihrem Entwicklungsstadium. Ist es noch ein sehr junger Wald, wo noch viel Licht auf den Waldboden trifft, wachsen häufig sehr viel mehr krautige Pflanzen als in einem Wald in der sogenannten Optimalphase. Bei dieser gibt es viele ausgewachsene Bäume, die aber noch nicht so alt sind, dass sie absterben. In solchen Wäldern ist es oft sehr dunkel. Andere gängige Einteilungen sind zum Beispiel die nach der Baumartenzusammensetzung oder nach der Vegetationszone. Im Regenwald gibt es natürlich ganz andere Tier- und Pflanzenarten als im borealen Nadelwald.

Diese fremdländischen Douglasien werden hier künstlich angesiedelt, doch nach aktuellem Stand der Wissenschaft gibt es dadurch keine nennenswerten negativen Auswirkungen.

In der Forstwirtschaft werden die Wälder oft nach ihren Waldgesellschaften benannt. Sie erhalten ihren Namen nach einer dort typischen krautigen Pflanze und Baumart. Um herauszufinden auf welche Pflanzen das zutrifft, benötigt man genauere Kenntnisse über die Standortbedingungen. Besonders relevant sind die Faktoren Wasserverfügbarkeit, Nährstoffangebot und Höhe. Aus diesen drei Faktoren lässt sich anhand von Tabellen dann die für diesen Standort natürliche Waldgesellschaft definieren.

Beispiel: In der submontanen Höhenstufe (300 – 450 m ü. NN) befindet sich bei einer mittleren Wasser- und eher schlechten Nährstoffversorgung die natürliche Waldgesellschaft Hainsimsen-Buchenwälder mit Traubeneiche. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir diese Zusammensetzung von Pflanzen auch tatsächlich vor Ort finden. Denn bei einer solchen Einteilung ist der menschliche Einfluss nicht inbegriffen. Wenn die Waldbesitzer:innen zum Beispiel keine Traubeneiche in ihrem Wald haben wollen, dann wird man sie dort auch nicht finden.

Alles hängt mit allem zusammen

Diese Erkenntnis hatte bereits Alexander von Humboldt, Wissenschaftler im 18. und 19. Jahrhundert. Und er hatte recht. Alle Organismen im Wald leben in einer Lebensgemeinschaft, der sogenannten Biozönose. Sie stehen alle in Beziehung zueinander und bilden Nahrungsketten.

Die Organismen kann man in drei Kategorien einteilen. Die Produzenten sind Pflanzen, die organisches Material erzeugen und für andere Organismen zur Verfügung stellen. Das sind die Konsumenten. Sie verbrauchen das produzierte organische Material, indem sie es fressen. Die pflanzenfressenden Tiere sind wiederum Nahrungsgrundlage für Fleischfresser. Jede übergeordnete Ebene ist abhängig von der darunter. Das heißt, wenn es wegen großer Trockenheit zu wenig Blühpflanzen gibt, von denen sich die Insekten ernähren können, dann haben es auch Vögel schwer, die auf Insekten als Nahrung angewiesen sind. Die dritte Kategorie der Nahrungskette bilden die Destruenten. Zu ihnen zählen Bakterien, die totes organisches Material in so kleine Teile zersetzen, dass sie für Pflanzen verfügbar sind. Somit sind wir wieder am Anfang der Nahrungskette angelangt und das Spiel geht von vorne los.

Was passiert, wenn der Mensch eingreift?

In diesem toten Baum gibt es eine Fülle an Leben. Viele Vögel und Insekten finden hier Unterschlupf. Ein wahres Mikrohabitat!

Jedes Ökosystem unterliegt einem ständigen Wandel. Das ist ganz normal und lässt sich gar nicht vermeiden. Dennoch haben wir Menschen einen großen Einfluss auf die Ökosysteme und wollen sie oftmals zu unserem Vorteil “optimieren”. Dass wir das Ausmaß solcher Eingriffe meistens nicht vollends einschätzen können, gestehen wir uns nur selten ein. Bodenverdichtung, Baumartenzusammensetzung, Ausrottung von Tierarten, Ausbau von Infrastruktur und natürlich der Klimawandel sind nur wenige Beispiele dafür.

Tatsache ist, dass es kein natürliches Ökosystem auf der Erde gibt, welches nicht menschlich beeinflusst ist. Selbst in Nationalparks, wo wir der Natur ihren Lauf lassen, wird die Tierwelt durch Tourist:innen eingeschränkt und die Luft durch eine naheliegende Stadt versauert. 

Wusstest Du schon…?
Innerhalb des Waldes befinden sich noch weitere kleine Ökosysteme. Diese findet man auf sogenannten Habitatbäumen. Mehr darüber erfahrt Ihr in unserem Artikel über Mikrohabitate.

Wie der Mensch die Wölfe ausrottete, ohne die Folgen zu kennen

Der Wolf ist ein sogenannter Spitzenprädator. Das heißt, er steht ganz an der Spitze der Nahrungskette und hat keine natürlichen Feinde. Zu seiner Beute zählen vor allem Säugetiere wie Rehe, Wildschweine und Rotwild. Allerdings schnappt er sich auch gerne mal ein Schaf, wenn es nicht gut beschützt wird. Das ist einer der Gründe weshalb der Wolf vor einigen Jahrhunderten bis zur Ausrottung bejagt wurde. Andere Gründe waren der Mythos vom “bösen Wolf” und ein gewisser Konkurrenzgedanke der Jägerschaft. Und so kam es, dass um 1850 der letzte Wolf in Deutschland getötet wurde. 

Das hatte großen Einfluss auf die Population seiner Beutetiere, die dementsprechend anstieg. Einige Jäger:innen begründen ihre jagdlichen Aktivitäten bis zum heute damit, dass sie die Rolle der fehlenden Großraubtiere einnehmen müssen, um die Wildtierpopulation im Gleichgewicht zu halten. Das ist ein guter Gedanke, jedoch wählen nur die wenigsten Jäger:innen ihre Beute nach den gleichen Kriterien aus wie ein Wolf es tun würde. Denn Wölfe haben es vor allem auf kranke und alte Tiere abgesehen, die leicht zu fangen sind. Da kranke Tiere vom Menschen nicht verzehrt werden sollten und alte Tiere meistens nicht so gut schmecken wie die jungen, steht bei den Menschen ein Tier auf der Abschussliste, welches vom Wolf eher nicht gewählt worden wäre. Zudem steht dank der Landwirtschaft den Wildschweinen & Co. ein Übermaß an Nahrung zur Verfügung, weshalb sie sich unnatürlich stark vermehren. Es entstehen große Schäden in den Maisfeldern oder in der Waldverjüngung.

Das Ökosystem erholt sich – Die Rückkehr der Wölfe

Seit den 1990er Jahren kehrt der Wolf wieder zurück nach Deutschland. Aus den Populationen in Polen und Tschechien wanderten die ersten Tiere über die Grenze nach Brandenburg und Sachsen. Die ersten Welpennachweise gab es im Jahr 2000 in der Muskauer Heide in Sachsen. Vom Osten der Republik ist er inzwischen in fast jedem Bundesland wieder vorhanden, doch viele Jäger:innen und vor allem Landwirt:innen stehen dieser Rückkehr kritisch gegenüber. Manche fürchten um ihre Daseinsberechtigung, die Jäger:innen als der Raubtier-Ersatz und Landwirt:innen um ihre Viehherden. Derzeit steht der Wolf noch unter Naturschutz, doch es bleibt fraglich wie wir in Zukunft mit diesem Großraubtier umgehen werden. Fallen Euch noch weitere Beispiele ein, wo wir Menschen in die Natur eingegriffen und diese damit nachhaltig manipuliert haben? Schreibt es in die Kommentare!

Vor vielen Jahrtausenden haben Menschen die Wölfe domestiziert und mit der Zeit entstanden daraus die heutigen Hunderassen.

Es ist eine heikle Situation, denn einerseits wollen wir Menschen die Natur nutzen und sie für unsere Zwecke optimieren. Denn auch wir gehören als Säugetiere zum Ökosystem dazu und haben ein berechtigtes Interesse, ein Teil davon zu sein. Doch mit unseren heutigen Möglichkeiten in Form von großen Maschinen und anderen technischen Einsatzmitteln können wir so ein Ökosystem schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Um dies zu verhindern ist es wichtig weiter an solchen Dingen zu forschen, aber gleichzeitig muss sich jeder auch an die eigene Nase fassen und nach einem gewissen moralischen Selbstverständnis handeln. Das kann schon bei kleinen Dingen wie richtiger Mülltrennung oder sparsamem Umgang mit Strom und Gas anfangen.