Forst erklärt https://forsterklaert.de/ Wissen aus dem Wald Fri, 28 Aug 2026 12:51:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.8 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Forst erklärt https://forsterklaert.de/ 32 32 Pyrophyten: Wenn Waldbrände nicht nur Zerstörung bringen https://forsterklaert.de/pyrophyten https://forsterklaert.de/pyrophyten#respond Fri, 28 Aug 2026 12:51:37 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6885 Waldbrände sind angsteinflößend, gewaltig und oft verheerend. Wenn Feuer durch einen Wald zieht, denken wir zuerst an zerstörte Lebensräume, tote...

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Waldbrände sind angsteinflößend, gewaltig und oft verheerend. Wenn Feuer durch einen Wald zieht, denken wir zuerst an zerstörte Lebensräume, tote Tiere und einen Ausstoß an CO2, der zu Zeiten des Klimawandels erst recht kontraproduktiv ist. Diese Assoziation ist nicht falsch. Schwer vorstellbar ist für uns Menschen aber, dass Feuer in der Natur mehr als nur Zerstörung bedeutet.

Wichtiger Hinweis

So können die Folgen eines Waldbrands bei uns aussehen.

Im Laufe dieses Artikels werden wir thematisieren, dass es Ökosysteme gibt, in denen Feuer natürlicherweise auftreten und dort Störungen erzeugen, von denen ein solches Ökosystem auch langfristig profitieren kann. Das lässt sich aber nicht direkt auf Wälder in Deutschland, bzw. Wälder in unseren Breitengraden übertragen. Deshalb möchten wir explizit darauf hinweisen, dass ganz besonders Zigaretten, Batterien, Akkus, Glas- oder Plastikflaschen in der Landschaft nichts zu suchen haben. Der größte Teil unserer Waldbrände ist auf menschliches Handeln zurückzuführen und wir alle können dazu beitragen, unsere Landschaften frei von Müll zu halten und auch keine Zigaretten aus brennenden Fahrzeugen zu werfen. 

Die ökologische Bedeutung von Waldbränden

Wir kennen Waldbrände oft nur aus dem Moment der Katastrophe. Wir sehen nicht, wie nach einem Brand Nährstoffe wieder in den Kreislauf gelangen. Und wir sehen auch nicht, dass die Konkurrenz zwischen Arten reduziert wird und wir sehen nicht, dass neue Lebensräume entstehen. In der Ökologie gilt Feuer deshalb als sogenanntes Störungsereignis: ein plötzliches Ereignis, das Biomasse reduziert, Ressourcen neu verteilt und dadurch die weitere Entwicklung eines Ökosystems beeinflusst. In einigen Ökosystemen gehört es seit Millionen Jahren zur natürlichen Dynamik. Feuer wurde dadurch zu einem wichtigen Faktor in der Evolution, der auch entscheidend daran mitgewirkt hat, ob eine Pflanzenart überlebt oder nicht.

Die sogenannten Pyrophyten

Manche Pflanzenarten, die über sehr lange Zeiträume immer wieder Bränden ausgesetzt waren, entwickelten im Laufe der Evolution Eigenschaften, die ihnen halfen, zu überleben, sich schneller zu regenerieren oder sogar von Feuer zu profitieren. Sie werden auch Pyrophyten genannt. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „pyr“ bedeutet Feuer, „phyton“ Pflanze. Vereinfacht gesprochen sind Pyrophyten also „Feuerpflanzen“. Der Begriff wird in der Wissenschaft allerdings nicht immer einheitlich verwendet. Manche Arten sind tatsächlich stark feuerabhängig, andere lediglich feuerresistent. Wichtig ist dabei vor allem: Pflanzen sind nie einfach „an Feuer“ angepasst, sondern immer an ein bestimmtes Feuerregime. In der Feuerökologie beschreibt ein Feuerregime unter anderem Häufigkeit, Intensität, Jahreszeit, Ausbreitungsform und Größe von Bränden. Es macht einen enormen Unterschied, ob regelmäßig niedrig intensive Bodenfeuer durch einen lichten Wald ziehen oder ob seltene, extrem heiße Kronenfeuer ganze Wälder verschlingen.

Spannend wird es, wenn wir uns einige der Eigenschaften anschauen, welche die Evolution als Anpassung an Feuer hervorgebracht hat. Im Angebot sind hier beispielsweise eine wahnsinnig dicke Baumrinde (Borke), sogenannte serotine Zapfen, die sich erst unter Hitze öffnen und dann die Samen freigeben und solche Samen, die durch Hitze in ihrer Keimung gefördert werden.

Mammutbäume: Giganten, die mit Feuer leben

Der Stamm eines Mammutbaums im Vergleich zu umliegenden Bäumen, die winzig wirken.

Eines der eindrucksvollsten Beispiele für Pyrophyten sind die Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum) Nordamerikas. Diese Bäume wachsen natürlicherweise nur an der Westflanke der Sierra Nevada in Kalifornien. Sie gehören zu den größten lebenden Organismen der Erde und können mehrere tausend Jahre alt werden. Bei uns sind sie neben den botanischen Gärten häufiger in Parkanlagen oder so manchem Privatgarten zu finden.

Wusstest Du schon…?
Ein Riesenmammutbaum mit dem eindrucksvollen Namen „General Sherman“ hat an der dicksten Stelle seiner Basis einen Stammdurchmesser von 11,1 Metern. Würde man diese Fläche als Kreis betrachten, käme man auf eine Fläche von etwa 97 Quadratmetern. Das ist größer als so manche Wohnung.

Gerade weil Riesenmammutbäume so alt und so majestätisch werden können, würde man nicht annehmen, dass sie in ihrem Leben immer wieder mit Waldbränden zu kämpfen haben und sich auch an diese angepasst haben. Darauf mussten Forschende erst stoßen. Die haben festgestellt, dass über eine lange Zeit im 20. Jahrhundert kaum junge Riesenmammutbäume nachwuchsen. Analysen von Holzproben konnten aber zeigen, dass die Populationen noch im 19. Jahrhundert zugenommen hatten. 

Problem: Zu wenig Waldbrand

Als Ursache wurde die jahrzehntelange Feuerunterdrückung erkannt. Ohne Feuer fehlten lichte Lücken, offener Mineralboden und die Reduktion von konkurrierenden Schattenbaumarten. Bei den Riesenmammutbäumen beginnt der Schutz gegen Waldbrände mit ihrer dicken Borke. Sie ist besonders bei älteren Exemplaren extrem faserig, dick und wirkt wie eine isolierende Schutzschicht. Sie enthält wenig Harz und brennt deshalb nicht so leicht wie die Rinde vieler anderer Nadelbäume. Die Borke schützt das darunterliegende Kambium, also das lebende Gewebe des Stammes, welches für die Zellteilung zuständig ist, vor tödlicher Hitze. Zusätzlich sitzen die Kronen alter Mammutbäume sehr hoch über dem Boden. Dadurch erreichen niedrigere Bodenfeuer die Nadeln und Äste großer Bäume meist nicht direkt. Auch das langfristige Absterben tieferer Äste kann dazu beitragen, dass Feuer nicht so leicht vom Boden in die Krone aufsteigen kann.

Wusstest Du schon…?
Die Borke von Riesenmammutbäumen kann mehr als 45 Zentimeter dick werden — also fast einen halben Meter. Viele ältere Mammutbäume weisen schwarze Brandnarben auf. Diese Bäume wurden zwar vom Feuer getroffen, haben es jedoch überlebt und sind weitergewachsen.

Aber Mammutbäume schützen sich nicht nur gegen Feuer — sie brauchen es auch für ihren Nachwuchs. Höhere Temperaturen fördern das Öffnen der Zapfen dieser Art, um die Samen freizugeben. Die winzigen Samen des Riesenmammutbaums keimen zudem besonders gut auf freiliegendem mineralischem Boden mit ausreichend Licht. Ohne regelmäßige Feuer kann sich die Laub-/Nadelstreu am Waldboden ansammeln und konkurrierende Pflanzen können Schatten erzeugen, was der Entwicklung direkt entgegenwirkt.

Aber Achtung: die Anpassung an Feuer bedeutet nicht automatisch, dass die durch den Klimawandel verstärkt auftretenden Waldbrände in Kalifornien gut für die Mammutbäume wären. Wenn sich Feuer durch Klimawandel, Trockenheit und Feuerunterdrückung stark verändert oder in die Baumkronen übergeht, kann selbst ein Pyrophyt überfordert werden. Der National Park Service berichtet, dass die Brände 2020 und 2021 zusammen schätzungsweise 13 bis 19 Prozent der großen Riesenmammutbäume der gesamten Sierra-Nevada-Population getötet haben könnten.

Brände in unseren Wäldern?

Nicht jeder Wald ist automatisch ein „Feuerwald“. Viele Wälder der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas waren historisch deutlich weniger von regelmäßigen Bränden geprägt als etwa boreale Kiefernwälder Skandinaviens, nordamerikanische Nadelwälder oder mediterrane Buschlandschaften. Besonders viele mitteleuropäische Laubwälder entwickelten sich eher unter feuchten Bedingungen mit seltenen natürlichen Feuerereignissen. Statt großflächiger Feuer, spielten dort oft andere Störungen wie Windwurf, kleinräumiges Absterben einzelner Bäume, Insektenbefall oder Überschwemmungen eine wichtigere Rolle für die Walddynamik. 

Deshalb können große, intensive und häufige Waldbrände bei uns problematisch sein. Wenn Feuer in Ökosystemen auftritt, die evolutionär nicht an ein solches Feuerregime angepasst sind, kann es Böden, Samenreserven im Boden und empfindliche Arten stärker schädigen. Dadurch kann die natürliche Regeneration erschwert werden und betroffene Ökosysteme können lange brauchen, um sich wieder zu erholen. Hinzu kommt, dass viele heutige Wälder durch Forstwirtschaft, Monokulturen, Entwässerung und Klimawandel ohnehin unter Stress stehen. Feuerökologie bedeutet also nicht, Waldbrände zu verharmlosen. Sie hilft vielmehr zu verstehen, warum Feuer in manchen Landschaften ein natürlicher Teil der Dynamik ist, während es in anderen Regionen deutlich stärker als außergewöhnliche Störung wirkt.

Die Frage ist also nicht: „Sind unsere Wälder Feuerwälder?“ Sondern eher: Welche heimischen oder hier vorkommenden Arten besitzen Eigenschaften, die Feuer überstehen oder nach einem Feuer profitieren können?

Die Waldkiefer: Pyrophyten unserer Wälder?

Aufgrund ihrer Rinde ist die Kiefer eine Baumart, die man wirklich gut erkennen kann.

Bei unseren Waldbäumen ist die wichtigste Art in diesem Zusammenhang die Waldkiefer (Pinus sylvestris). Zu erkennen ist diese Baumart ganz einfach an ihrer Rinde. Schaut man nach oben, fällt auf, dass ihre Rinde im oberen Stammbereich eine orange-rote Farbe annimmt.

In der Literatur wird die Waldkiefer häufig als feuerangepasste, lichtbedürftige Pionierbaumart beschrieben. Dabei sollte man jedoch genau formulieren: Die Waldkiefer ist nicht in dem Sinne feuerabhängig wie manche nordamerikanischen Kiefernarten mit streng serotonin Zapfen, die sich erst unter großer Hitze öffnen. Sie besitzt aber mehrere Merkmale, die ihr in feuergeprägten Landschaften Vorteile verschaffen: Sie braucht viel Licht, besiedelt offene Flächen schnell und ihre Samen keimen gut auf freigelegtem Mineralboden. Unter Mineralboden versteht man die erste Bodenschicht unterhalb von Laubstreu und Humusauflage. Natürlicherweise liegt der Mineralboden beispielsweise frei, wenn Bäume durch einen Sturm samt ihrer Wurzeln umgeworfen werden. Ältere Waldkiefern können schwächere Bodenfeuer überleben. Das liegt an ihrer dicken Borke im unteren Stammbereich, die sie besser vor Hitze schützt als die Borke vieler anderer heimischer Baumarten.

Die Waldkiefer passt deshalb gut in die Kategorie einer feuerbegünstigten Baumart: Sie ist nicht auf Feuer allein angewiesen, kann aber von den Strukturen profitieren, die Feuer schafft. Es verbrennt Teile der Streu- und Humusauflage, reduziert konkurrierende Bodenvegetation, setzt Asche und Nährstoffe frei und erhöht das Lichtangebot und die Bodentemperatur. Für die Waldkiefer kann das günstig sein, solange das Feuer nicht zu heiß, nicht zu langanhaltend ist und nicht in die Krone übergeht.

Warum natürliche Kiefernwälder oft anders brennen als Kiefern-Forste

Ein deutscher Kiefernforst ist oft der Inbegriff von: „den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“. Viele Stämme stehen in Reih und Glied. Je nach Altersstufe der Bäume stehen die einzelnen Bäume auch recht nah beieinander. Solche Forste können brandgefährdet sein, weil ein Feuer leichter vom Boden in den Kronenraum übergehen kann. Hinzu kommen trockene Nadelstreu, feine abgestorbene Zweige, harzhaltige Pflanzenteile und weitere Faktoren, die eine Ausbreitung des Feuers begünstigen können.

Wenn wir von einem Forst sprechen, wird bereits sprachlich deutlich, dass es sich meist um etwas anderes handelt als um einen natürlich entstandenen Wald. Natürliche Kiefernwälder, die historisch durch Feuer geprägt sind, können dagegen teilweise eher an eine Parklandschaft erinnern: mit einzelnen Altbäumen, Baumgruppen und offenen Zwischenräumen. Das hängt unter anderem mit der Lichtbedürftigkeit der Kiefer zusammen. Junge Kiefern setzen sich unter dichtem, schattigem Kronendach nur schlecht durch. In feuergeprägten Systemen kommt hinzu, dass wiederkehrende, wenig intensive Bodenfeuer viele Sämlinge, Jungbäume, Sträucher und bodennahe Brennstoffe immer wieder reduzieren. Viele junge Bäume erreichen dadurch gar nicht erst die Kronenschicht. Übrig bleiben eher ältere, feuerresistentere Kiefern und offene Zwischenräume.

Die Borke der Wald-Kiefer: Schutzschild mit Grenzen

Anhand dieses exemplarischen Kiefernforstes kann man erahnen, wie dicht ein solcher Forst angelegt sein kann. 

Bei der Waldkiefer verändert sich die Borke mit dem Alter deutlich: Im unteren Stammbereich entsteht eine grobe, rissige Schuppenborke, während die obere Rinde dünner, glatter und auffällig orange- bis rot gefärbt ist. Diese obere Rinde wird oft Spiegelrinde genannt. Für den Brandschutz entscheidend ist aber vor allem die dicke Borke am Stammfuß. Bei Bodenfeuern trifft die Hitze zuerst den unteren Stamm, und die isolierende Borke kann das empfindliche Kambium vor tödlichen Temperaturen schützen. Studien zeigen, dass insbesondere Stammdurchmesser, Baumhöhe und Dicke der groben Borke wichtige Faktoren für die Feuerresistenz der Waldkiefer sind. Der Schutz hat jedoch Grenzen: In tiefen Borkenrissen kann Hitze stärker eindringen, und junge Kiefern mit dünner Borke sind deutlich anfälliger. Auch alte Bäume überleben nicht jedes Feuer — hohe Feuerintensität, lange Hitzeeinwirkung, Kronenbrand, Trockenstress und nachfolgender Insektenbefall können selbst große Kiefern töten. 

Über Pyrophyten hinaus

Wenn dieser Artikel Eure Neugier auf Waldökologie und Zusammenhänge von Wäldern und verschiedensten Faktoren geweckt hat – und falls Ihr neben der Waldkiefer noch andere bei uns vorkommende Nadelbaumarten sicher erkennen können möchtet, dann kommen hier ein paar ganz heiße Empfehlungen für Euch: 

Quellen:

Ellenberg, H., & Leuschner, C. (2010). *Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht* (6. Aufl.). Ulmer.

Fernandes, P. M., Vega, J. A., Jiménez, E., & Rigolot, E. (2008). Fire resistance of European pines. *Forest Ecology and Management, 256*(3), 246–255. https://doi.org/10.1016/j.foreco.2008.04.032

Goldammer, J. G., & Furyaev, V. V. (Hrsg.). (1996). *Fire in ecosystems of boreal Eurasia*. Springer. https://doi.org/10.1007/978-94-015-8737-2

Harvey, H. T., Shellhammer, H. S., & Stecker, R. E. (1980). *Giant sequoia ecology*. U.S. Department of the Interior, National Park Service.

Keeley, J. E., Pausas, J. G., Rundel, P. W., Bond, W. J., & Bradstock, R. A. (2011). Fire as an evolutionary pressure shaping plant traits. *Trends in Plant Science, 16*(8), 406–411. https://doi.org/10.1016/j.tplants.2011.04.002

Lamont, B. B., Le Maitre, D. C., Cowling, R. M., & Enright, N. J. (1991). Canopy seed storage in woody plants. *The Botanical Review, 57*(4), 277–317. https://doi.org/10.1007/BF02858770

National Park Service. (o. D.). *Giant sequoias and fire*. U.S. Department of the Interior. Abgerufen am 11. Mai 2026, von https://www.nps.gov/seki/learn/nature/giant-sequoias-and-fire.htm

Sydorenko, O., Goldammer, J. G., & Held, A. (2019). Fire resistance of Scots pine (*Pinus sylvestris* L.) in relation to bark properties and tree morphology. *Forests, 10*(11), 1020. https://doi.org/10.3390/f10111020

U.S. Forest Service. (o. D.). *Pinus sylvestris*. Fire Effects Information System (FEIS). Rocky Mountain Research Station. Abgerufen am 11. Mai 2026, von https://www.fs.usda.gov/database/feis/plants/tree/pinsyl/all.html

Wohlgemuth, T., Jentsch, A., & Seidl, R. (Hrsg.). (2019). *Störungsökologie* (UTB 5018). Haupt Verlag.

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Jagd im Jahresverlauf – Teil 1: Sommer (Juni, Juli, August) https://forsterklaert.de/jagdimsommer https://forsterklaert.de/jagdimsommer#respond Sun, 26 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6810 Draußen ist alles grün und üppig, die Sonne brennt vom Himmel, wir schwitzen – während wir uns im Sommer mit...

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Draußen ist alles grün und üppig, die Sonne brennt vom Himmel, wir schwitzen – während wir uns im Sommer mit Urlaub, Freibad und Grillpartys das Leben schön machen, geht es im Wald in den heißen Monaten deutlich ruhiger zu. Die großen, sattgrünen Kronen der Bäume spenden kühlenden Schatten und es riecht nach Sommer. Die Tiere im Wald lassen es langsam angehen und meiden die Hitze, indem sie ihre Aktivitäten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen. Doch was genau machen Rehe, Hirsche, Wildschweine und Co. im Sommer eigentlich? Und welche Aufgaben haben Jäger:innen in der heißen Jahreszeit? Dieser Artikel liefert Dir Antworten auf diese Fragen, also bleib dran!

Ein sanfter Moment zwischen Geiß und Kitz auf einer blühenden Sommerwiese.

Was macht das Rehwild im Sommer?

Anfang Juni bringen die Geißen, also die mehrjährigen, weiblichen Tiere, die letzten Kitze zur Welt (außerhalb Süddeutschlands nennen wir die Ricken). Die warmen Temperaturen und die Aufzucht des Nachwuchses fordern dem Rehwild im Sommer viel ab. Außerdem gibt es in den Sommermonaten ein üppiges Nahrungsangebot, sodass für das Rehwild gar nicht viel Bewegung von Nöten ist, um satt zu werden. Sie verbringen die heißen Sommertage viel lieber in ihrem Einstand, also in den dichten, schattigen Waldbereichen, wo niemand sie stört. In den kühleren Stunden abends, in der Nacht und in den Morgenstunden sind sie etwas aktiver und gehen auf Nahrungssuche. Die Rehböcke leben im Sommer territorial, also in “ihrem” Revier, das sie durch Duftmarken markieren und gegen andere Böcke verteidigen. Der Höhepunkt im Sommer ist die Paarungszeit des Rehwildes, die sogenannte Blattzeit, die Ende Juli und Anfang August stattfindet. In dieser Zeit sind die Böcke aktiv auf der Suche nach den Geißen.

Ein treibender Rehbock hinter seiner Auserwählten, kurz bevor es zur Sache geht!

Wusstest Du schon…?
Warum wird die Paarungszeit des Rehwilds eigentlich Blattzeit genannt? Der Ausdruck Blattzeit kommt von der Redensart, dass die Böcke in der zweiten Hälfte der Rehbrunft nach Geißen suchen und dann „auf’s Blatt springen“. Die Jäger:innen haben früher mithilfe eines Buchenblatts oder manchmal auch eines Grashalms die Laute einer paarungsbereiten Geiß nachgeahmt. Das findet der Bock unwiderstehlich und kommt angesprungen, um seine Geliebte zu beglücken. Auch heute noch betreibt man diese Art der Lockjagd während der Rehbrunft, allerdings gibt es dafür heute sogenannte Blatter aus Holz oder Kunststoff, mit denen man die Laute mit etwas Übung nachahmen kann.

Was machen Rotwild und Damwild im Sommer?

Anfang Juni kommen auch die Kälber des Rotwilds zur Welt. Meistens setzt ein Alttier (ein mehrjähriges, weibliches Stück Rotwild) ein Kalb, nur selten kommt es zu Zwillingsgeburten – und im Anschluss dreht sich dann alles erstmal um die Aufzucht des Nachwuchses. Das Rotwild lebt in dieser Zeit meist in geschlechtergetrennten Rudeln. Die Rothirsche gesellen sich in dieser Zeit zu Hirschrudeln zusammen und fressen sich über den Sommer Fettreserven für die bevorstehende Brunft im Herbst an.

Die Hirsche sind in dieser Zeit im Bast und bilden ihr Geweih aus. Ab Juli beginnen sie damit, den Bast zu verfegen. Das heißt, dass sie sich die samtartige Schutzhaut, die sich während der aktiven Geweihentwicklung am Geweih befindet, an jungen Bäumen abschubbern (zum Leidwesen der Förster:innen…). Auch das Rotwild ist im Sommer dämmerungs- und nachtaktiv, um Aktivität während der heißen Phase des Tages möglichst zu vermeiden. Um sich abzukühlen, nutzt das Rotwild gerne Wasserlöcher, die sogenannten Suhlen. Das Wälzen im schlammigen Wasser ist bei sommerlichen Temperaturen aber nicht nur angenehm, sondern die Schlammschicht schützt außerdem vor Mücken und Parasiten. Doppelt gut also!

Ein Rotwildkalb im Porträt.

Damhirsche hingegen suhlen sich nicht. Ansonsten hat Damwild, was das Verhalten im Sommer angeht, viele Gemeinsamkeiten mit dem Rotwild. Auch sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie setzen im Frühsommer meist ein Kalb, selten auch mal zwei Kälber und sind dann mit deren Aufzucht beschäftigt. Das Damwild lebt im Sommer ebenfalls meist in geschlechtergetrennten Rudeln und während die Alttiere mit der Jungtieraufzucht beschäftigt sind, bilden die Damhirsche zu der Zeit ihr Geweih aus.

Ein Damtier mit ihrem Kalb – Mama passt auf!

Und die Sauen?

Auch die Wildschweine verbringen die Sommermonate mit der Aufzucht ihrer Jungtiere, die sogenannten Frischlinge. Dafür benötigen auch sie Ruhe und viel Nahrung. Wildschweine sind Allesfresser und fressen im Wald zum Beispiel Früchte, Würmer, Pilze, Samen, Wurzeln und kleine Tiere. Im Sommer, wenn Getreide, Mais und andere Feldfrüchte reif werden, ziehen die Tiere zum Leidwesen vieler Landwirt:innen gerne auf die Felder und schlagen sich dort den Bauch voll, wodurch sie große wirtschaftliche Schäden verursachen können. Genau wie das Rotwild nutzen auch die Wildschweine im Sommer gerne Wasserlöcher als Suhlen.

Wusstest Du schon…?
Während Wildschweine auf landwirtschaftlichen Flächen meist keine willkommenen Gäste sind, sind sie im Wald dagegen eigentlich immer gerne gesehen. Durch das sogenannte Brechen, also das Umwühlen des Waldbodens auf der Suche nach Nahrung, lockern und durchlüften die Wildschweine den Waldboden. Das bringt viele Vorteile für das Ökosystem mit sich. Zum Beispiel verbessert diese sogenannte „Bioturbation“ die Bodenstruktur und Wasseraufnahmekapazität des Bodens und sorgt außerdem für ein ideales Keimbett für die herabfallenden Samen der Bäume.

Ein junger Keiler (männliches Wildschwein), wahrscheinlich auf dem Weg, eine:n Landwirt:in zu ärgern.

… und was machen die Jäger:innen in dieser Zeit?

Nicht nur für die Wildtiere, sondern auch für Jäger:innen ist der Sommer aus jagdlicher Sicht eine eher ruhige Zeit, in der wenig aktive Jagdausübung stattfindet. Oft wird von Anfang Juni bis Mitte Juli, also bis die Blattzeit beim Rehwild beginnt, Jagdruhe gehalten, also nicht gejagt. Zu dieser Zeit ist das Wild ohnehin wenig sichtbar aufgrund von Hitze, dichter Vegetation und heruntergefahrener Aktivität. Außerdem braucht das Wild in diesen Monaten unbedingt Ruhe für die Jungtieraufzucht. Der Sommer ist also nicht die Jahreszeit, um sinnvoll zu jagen.

Aus alt mach neu! – Bau einer neuen Ansitzeinrichtung im Revier.

Die Jäger:innen haben aber in den Sommermonaten trotzdem wichtige Aufgaben. Sie kontrollieren und reparieren beispielsweise sie Ansitzeinrichtungen, um diese für die Jagd im Herbst vorzubereiten. Die Zeit im Revier wird auch genutzt, um im Blick zu haben, wie viele Tiere wo leben und wie es um die Wasserverfügbarkeit im Revier steht, was vor allem in der heißen Sommerzeit sehr wichtig ist.

Eine im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtige Aufgabe, die viele Jäger:innen im Frühsommer übernehmen, ist die Kitzrettung. Wenn die Landwirt:innen ihre Wiesen mähen wollen, verständigen sie Jäger:innen und ehrenamtliche Kitzretter:innen. Die stehen freiwillig mitten in der Nacht auf, um ganz früh morgens z.B. mit Wärmebilddrohnen die Wiesen abzusuchen, um die Kitze dort in Sicherheit zu bringen.

Ein schon etwas älteres Rehkitz.

Sobald die Brut- und Setzzeit Mitte Juli endet, fangen außerdem viele Jäger:innen an, mit ihren Hunden im Revier zu arbeiten. Sie verlegen die Jagdhundeausbildung von Haus und Garten in das Revier, um die jungen Hunde praxisnah auf die Jagdhundeprüfungen, die meistens im Herbst stattfinden, vorzubereiten.

Jagd im Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Das ist der erste Artikel einer vierteiligen Serie zum Thema Jagd im Jahresverlauf.  Wenn Dich also interessiert, was Rehe, Hirsche und Co. den Rest des Jahres so machen, dann halte gerne Ausschau nach dem nächsten Artikel! Kleiner Tipp: folge Forst erklärt auf Instagram, um keinen Artikel mehr zu verpassen 🙂

Quellen:

Happ, N. 2017. Hege und Bejagung des Schwarzwildes. – Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 224 S.

Hespeler, B. 2015. Hege und Jagd im Jahresverlauf: Revierpraxis von Januar bis Dezember. – BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 240 S.

Krebs, H. Vor und nach der Jägerprüfung. – BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München, 898 S.

Menzel, K. 2018. Jagdpraxis Reh- und Rotwild. – Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 335 S.

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Wenn’s mal hängt – unsichtbare Gefahren im Wald https://forsterklaert.de/haenger https://forsterklaert.de/haenger#respond Sun, 19 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6782 Ihr lauft durch den Wald und seht einen schiefen Baum, der sich an einen anderen Baum anlehnt. Voller Begeisterung geht...

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Ihr lauft durch den Wald und seht einen schiefen Baum, der sich an einen anderen Baum anlehnt. Voller Begeisterung geht Ihr auf ihn zu und wollt unter ihm hindurchlaufen. Doch „knacks” da fällt der Baum um und Ihr könnt gerade noch rechtzeitig zur Seite springen. Ihr kommt mit einem Schrecken davon, doch wie konnte es zu dieser gefährlichen Situation kommen? Die Forstwelt spricht hier von einem Hänger. Wie er entstehen kann, was ihn so gefährlich macht und wie man damit umgeht, erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Hier hängt’s wohl!

Was ist ein Hänger?

Bei der Holzernte läuft es normalerweise wie folgt ab: Eine Forstwirtin oder ein Forstwirt sägt einen Baum an und dieser fällt in eine vorgesehene Richtung um. Doch manchmal passiert es, dass der Baum in eine ungeplante Richtung fällt und dabei an einem anderen Baum hängen bleibt. Auch Stürme produzieren sogenannte Hänger oder sorgen dafür, dass ganze Bäume entwurzeln oder abbrechen und nicht komplett zu Boden fallen.

In beiden Fällen steht man bei einem Hänger vor dem Problem, dass der Baum unten oft noch nicht komplett abgesägt oder abgebrochen ist, jedoch oben fest verhakt in einer anderen Baumkrone steckt. Dadurch gerät der Stamm schnell unter Spannung. Das könnt Ihr Euch so vorstellen, als würdet Ihr eine ungekochte Spaghetti biegen. Bis zu einem gewissen Grad funktioniert das, doch irgendwann bricht sie durch. Bei einem Holzstamm sind die Dimensionen natürlich um einiges größer, doch die Energie, die dabei freigesetzt wird, ist die gleiche. Und genau hier beginnt die Gefahr. 

Wusstest Du schon…?
In dichten Beständen steigt die Gefahr, dass Hänger entstehen. Warum? Die Bäume haben weniger Platz und werden nicht so dick. Dadurch fehlt es Ihnen an Gewicht und Masse. Kommt nun ein Sturm, weht er die Bäume wortwörtlich um. Wenn Bäume bei einem Sturm abbrechen, weil sie zu dünn sind, birgt das nicht nur eine unsichtbare Gefahr, sondern bringt auch einen Wertverlust mit sich. Um dies zu vermeiden, streben Försterinnen und Förster bei älteren Beständen eine aufgelockerte Verteilung der Bäume an. Das heißt, jeder Baum bekommt genug Platz, um dick und stabil zu wachsen und damit kein Hänger zu werden. Schließlich wird Holz irgendwann zu Geld. Wie viel so ein Stamm wert sein kann, seht Ihr auch in diesem Video.  

Hier sieht man nach einem Sturm dünne, umgebogene Bäume. Ob die sich wieder aufrichten? Dazu wird es nicht mehr kommen!

Hänger sind gefährlich

Wie Hänger entstehen, wisst Ihr nun. Doch wo genau verbirgt sich jetzt die Gefahr? Ein Szenario habt Ihr in der Einleitung bereits kennengelernt. Der Baum kann sich jederzeit aus der Krone lösen und plötzlich herunterbrechen. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort steht, kann unter dem herabfallenden Baum begraben werden. Auch Äste können sich mit der Zeit lösen und auf den Boden krachen. Durch die unnatürliche Schieflage des Baumes hat sich auch die Spannung im Holzstamm verändert. Sägen Forstwirt:innen den Stamm unten ab, kann diese Spannung gefährlich werden.

Das neue Ungleichgewicht des Baumes bewirkt, dass im Holzstamm eine sogenannte Druckseite und eine Zugseite entstehen. Wird der Stamm auf der Druckseite abgesägt, klemmt er die Schiene der Motorsäge ein. Sägt man nur von der Zugseite, kann der Stamm aufreißen und zur Seite ausschlagen. Forstwirt:innen brauchen also aufwendigere Schnitttechniken, um den Baum sicher zu Boden zu bringen. Verschätzt man sich beim Absägen, kann es schnell sehr gefährlich werden. Auch Forstwirt:innen brauchen also ein wenig Übung, um routiniert zu reagieren. Als Laie überlassen wir das in jedem Fall lieber den Profis. 

Würde man den Stamm von oben einmal durchsägen, würde das Holz aufreißen und die Stammteile nach außen schnellen. Würde man hingegen von unten nach oben durchsägen, würde das Holz so sehr auf die Schiene drücken, dass es diese einklemmen würde. Für ein unfallfreies Durchsägen braucht man hier also mehrschrittige Schnitttechniken.

Wie die Profis damit umgehen….

In der Holzernte gibt es immer wieder Hänger. Forstwirte und Forstwirtinnen arbeiten ständig mit Holz unter Spannung, sie entwickeln ein Gefühl dafür und wenden verschiedene Techniken an. Zum Beispiel den „Drehzapfen” oder den „Brückenschnitt”. Beim Drehzapfen werden wenige Holzfasern in der Mitte der sogenannten Bruchleiste, man könnte auch sagen am Stammboden, stehen gelassen. Beim Brückenschnitt hingegen, wird die sogenannte Bruchleiste in der Mitte durchgesägt und eine Seite der Bruchleiste ausgewählt, wo wenige Fasern stehen bleiben. Die andere Seite wird komplett abgesägt. Diese Schnitte können reichen, damit der Baum sein Gewicht verlagert und sich von selbst auf den Boden herunterdreht. 

Manchmal reicht es auch, den Baum unten abzusägen und mit einem Wendehaken zu drehen. Dabei wird im ersten Schritt der Haken, an dem eine lange Stange befestigt ist, am Stamm angesetzt, sodass er sich in die Rinde reingraben kann. Durch Ziehen an der Stange bewegen die Forstwirt:innen den Baum zu Boden. Noch sicherer ist jedoch der Einsatz von Maschinen. Seilwinden und lange Kräne machen es möglich, mit großem Sicherheitsabstand am Baum zu arbeiten. Wenn aber zu viele Hindernisse wie beispielsweise ein Haus oder eine Stromleitung im Weg sind, führt man Spezialfällungen durch.

…zum Beispiel bei Stadtbäumen…

Das passiert vor allem bei Stadtbäumen. Hier wird der Baum von der Baumkrone beginnend Stück für Stück zersägt und stückchenweise nach unten abgeseilt. Wart Ihr schon mal mit einem Kletterseil in einem Baum unterwegs? Dann aber bestimmt nicht mit einer Säge, oder? Dafür gibt es Fortbildungen. Verschiedene Kletterschulen können Euch die Seilklettertechnik beibringen. Falls Ihr Euch dafür interessiert, schaut mal hier vorbei.

Wusstest Du schon…?
In Städten dürfen Bäume nicht das ganze Jahr über gefällt werden. Von Oktober bis Ende Februar ist das erlaubte Zeitfenster. In dieser Jahreszeit sind die Bäume in ihrer Ruhephase, wie Ihr bereits aus diesem Artikel wisst. Vom 1. März bis zum 30. September braucht es eine Sondergenehmigung. Manchmal wird zum Beispiel ein holzzersetzender Pilz, wie der Diplodia an der Kiefer festgestellt. Dann reicht es nicht, bis zum Herbst zu warten, bevor der Baum unkontrolliert von alleine umfällt. Hat man keine Genehmigung, wird es teuer.

….und was Ihr dabei beachten müsst

Schräge Bäume mit Vorsicht genießen! Haltet lieber etwas Abstand und bleibt auf dem Boden der Tatsachen, anstatt den Baum hinaufzuklettern. Denn eins habt Ihr jetzt gelernt – die Spannung im Baum ist oft anders als man denkt und das kann gefährlich werden. Nehmt Absperrungen ernst, denn im abgesperrten Bereich gibt es besonders viele Hänger. Und guckt Euch nach einem Sturm vielleicht einmal mehr nach schrägen Bäumen um, bevor Ihr Euch bei einem Waldspaziergang auf einer Bank ausruht. Schließlich zählen Hänger zu waldtypischen Gefahren und werden gerne unterschätzt. Ihr seid nun gut vorbereitet für Euren nächsten Waldausflug und wisst, wo Vorsicht geboten ist.   

Wusstest Du schon…?
Wann Waldwege bei der Holzernte abgesperrt werden müssen, ist vorgeschrieben. Befindet sich der Weg zwei Baumlängen entfernt vom zu fällenden Baum, muss der Weg mit einem Banner abgesperrt werden. Trifft folgendes gleichzeitig zu, müssen zusätzlich zwei Menschen den Weg überwachen:
– Der Weg liegt nur eine Baumlänge entfernt
– Die Fallrichtung geht zum Weg 
– Der oder die Fäller:in kann den Weg nicht gut sehen

Sicherheitshalber nie wieder in den Wald?

Natürlich nicht! Bei der Holzernte entstandene Hänger werden gar nicht erst im unabgesperrten Bereich gelassen. Denn schließlich ist der Wald für alle da. Zum Glück gibt es Menschen, die sich darin auskennen. Also: Hat mal ein Sturm in Eurem Garten Euren Lieblingsbaum umgeweht, dann lasst lieber die Finger von der Säge, wenn Ihr keine Routine habt. Und im Wald: Vertraut Euren Forstleuten vor Ort, denn die kennen sich damit aus!

Quellen:

https://www.waldwissen.net/de/technik-und-planung/forsttechnik-und-holzernte/arbeitssicherheit/der-zapfenschnitt

https://www.bussgeldkatalog.org/umwelt-baum-faellen

https://www.svlfg.de/anerkannte-fortbildungsstaetten-seilklettertechnik

https://www.forstbw.de/fileadmin/user_upload/ForstBW_PRAXIS_Leitfaden_Verkehrssicherungspflicht_FSCkonform.pdf

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WMADWR #39 – Dem Naturschutz auf der Spur https://forsterklaert.de/wmadwr39naturschutz https://forsterklaert.de/wmadwr39naturschutz#respond Sat, 18 Jul 2026 22:01:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6791 Behördenabsprachen, Maßnahmen planen und über Jahre hinweg umsetzen und dutzende Gesetze durchstöbern – das ist nicht das, woran man beim...

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Behördenabsprachen, Maßnahmen planen und über Jahre hinweg umsetzen und dutzende Gesetze durchstöbern – das ist nicht das, woran man beim Thema „Naturschutz“ denkt. Aber genau damit beschäftigt sich Waldnaturschützerin Yasmin Wingender von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Doch keine Sorge: Yasmin hat noch genug Zeit draußen unterwegs zu sein und die Früchte (oder Insekten?) ihrer Arbeit zu genießen und uns davon zu erzählen!

Naturschutz und Bewirtschaftung werden häufig als “Konkurrenz” oder Widerspruch dargestellt, aber stimmt das wirklich? An welchen Stellen müssen Forstleute dann doch mal die Finger vom Wald lassen und ihn sich in Ruhe entwickeln lassen? Oder muss man der Natur hier und da mal unter die Arme greifen? 

Viele Fragen und viele Antworten, die Yasmin mit einigen Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag beantwortet. Und am Ende wird es ganz abgefahren: Yasmins Artenspürhund sucht nach einem kletternden Mini-Äffchen – oder so… Viel Spaß beim Zuhören!

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr uns sogar selbst mal für eine Podcastfolge buchen?

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WMADWR #38 Zombiebäume im Mittelalter https://forsterklaert.de/wmadwr38zombiebaume https://forsterklaert.de/wmadwr38zombiebaume#respond Sun, 12 Jul 2026 10:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6789 Nach dem ersten Gespräch beim Chef gibt es nun ein zweites. Diesmal ist der Chef aber Gregor Seitz, Forstamtsleiter im...

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Nach dem ersten Gespräch beim Chef gibt es nun ein zweites. Diesmal ist der Chef aber Gregor Seitz, Forstamtsleiter im Forstamt Annweiler. Nachdem die Westfälische Dachsbracke Enno auch endlich mal das Podcast-Studio betreten hat, packt Gregor sein geballtes Wissen aus. Der erste Tausendsassa, den er vorstellt, ist die Esskastanie aka Edelkastanie aka Marone aka Keschte aka Nenn-Den-Baum-Wie-Du-Willst. Dass der Baum so weit in der Pfalz verbreitet ist, wird klar, wenn man die historische Nutzung betrachtet: Holzpfähle für Rebstöcke, Bretter für Möbel, saure Rinde zum Gerben, Blütentracht für die Honigbiene und die Kastanie aka Marone, zum Räuchern, Rösten, Brotbacken und sogar Brauen. Und letztendlich konnte man die Stämme auch als Brennholz benutzen. Denkt man mal 200 Jahre zurück, fragt man sich, wie Bäume eigentlich geerntet und transportiert worden sind. Damit sind wir beim Thema der Folge angekommen: Holztrift. Wer die Trift mal in Aktion sehen möchte, kann es in unserem Video anschauen. Das Triftfest ist leider schon vorbei – wird aber bestimmt nächstes Jahr wiederholt.

Wenn Ihr denkt, die Esskastanie war die Art der Folge, dann habt Ihr Euch geschnitten! Das ist nämlich dieser Kamerad: Der Veränderliche Edelscharrkäfer. Seltener als selten und trotzdem hat er sich mit seiner Geschichte in unseren Titel geschlichen.

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr uns sogar selbst mal für eine Podcastfolge buchen?

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Rezension: Praxis Handbuch – Naturschutz in der Waldwirtschaft https://forsterklaert.de/handbuch https://forsterklaert.de/handbuch#respond Sun, 12 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6751 Moin zusammen an alle Waldinteressierten da draußen. Wir, bei Forst erklärt, möchten Euch alle Themen rund um den Wald und...

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Moin zusammen an alle Waldinteressierten da draußen. Wir, bei Forst erklärt, möchten Euch alle Themen rund um den Wald und die Forstwirtschaft näher bringen. Sowohl die Aspekte rund um die Nutzung des Waldes, aber auch die Schutz- und Erholungsfunktion. Dabei haben wir in vielen Artikeln bereits öfter das Thema Waldnaturschutz beleuchtet. Was bedeutet zum Beispiel Prozessschutz? Oder was sind eigentlich Mikrohabitate, und wo finden wir die? In unserem heutigen Artikel möchten wir tatsächlich gar nicht selbst über das Thema Waldnaturschutz schreiben, haben aber einen Tipp für ein Handbuch für Euch.

Ein erster Blick ins Handbuch.

Was kann Naturschutz im Wald bedeuten?

Bei Waldnaturschutz soll es nicht darum gehen, Wälder komplett stillzulegen und nicht mehr zu nutzen. Vielmehr ist das Ziel, Aspekte zum Schutz mit in die Waldnutzung zu integrieren: Wie gestalte ich eigentlich einen Wald so, dass bestimmte, seltene oder bedrohte Insekten- oder Pilzarten darin vorkommen können? Wieso mögen bestimmte Fledermäuse sogenannte “Raschelwälder” ohne Unterwuchs, also junge Bäume? Wie unterscheidet sich die Schwarzspechthöhle von der eines Buntspechtes? Wieso können zerfahrene Wege auch etwas gutes bewirken? Wer sich diese und weitere spannende Infos nicht entgehen lassen möchte, sollte dran bleiben. 

Was erwartet Euch in diesem Handbuch?

Das Praxis Handbuch – Naturschutz in der Waldwirtschaft von Andreas Arnold, Hans-Joachim Bek, Markus Handschuh, Heiko Hinneberg, Andreas Kühnhöfer, Jochen Müller, Peter Schüle, Winfried Seitz und Claus Wurst, 2024 erschienen im Ulmer Verlag, liefert einen ziemlich aktuellen Wissensstand rund um das Thema Waldnaturschutz. Das Buch ist mit etwa 180 Seiten kein dicker Wälzer, sondern liefert kompakt die wichtigsten Fakten. Vor allem ist es aber ein praxisnaher Leitfaden für alle, die Wald nicht nur nutzen, sondern auch aktiv zum Erhalt des Artenschutzes beitragen möchten. Das Buch liefert grundlegendes Wissen über waldtypische Arten mit konkreten Vorschlägen zu Maßnahmen, um deren Lebensräume zu schützen, erhalten und zu verbessern. Dabei gibt es praxisnahe Handlungsempfehlungen, um die Bewirtschaftung und den Schutz möglichst gleichermaßen umsetzen zu können. Mal eben fix durchgeblättert, findet man ziemlich schnell die wichtigsten Infos und Tipps, wie man bspw. dem Schwarzspecht oder der Mopsfledermaus ein angenehmes Zuhause schaffen kann.

Wie lässt sich der Schutz des Waldes mit in die Bewirtschaftung integrieren? Das Anbringen von Nistkästen kann dabei eine Maßnahme darstellen.

Welche Infos kriege ich im Praxis Handbuch, welche nicht?

Das Buch gliedert sich in eine allgemeine Einleitung zum Naturschutz im Wald und bietet dann eine Aufgliederung in bedeutende Artengruppen und Arten im Wald. Zunächst werden Artengruppen wie Käfer, Fledermäuse, Spechte, Eulen oder Amphibien vorgestellt, bevor einzelne Leitarten exemplarisch vertieft werden – etwa Eremit und Heldbock bei den Käfern, Mopsfledermaus und Großes Mausohr bei den Fledermäusen oder Sperlingskauz und Uhu bei den Eulen. Leserinnen und Leser erhalten Einblicke in deren Lebensraum- und Nahrungsansprüche sowie Hinweise darauf, wie sich das Vorkommen bestimmter Arten im eigenen Wald erkennen lässt. Dabei geht es wirklich nur um die wichtigsten Informationen. Wer jedoch tiefer einsteigen möchte, erhält Hinweise zu weiterführender Literatur.

Am Ende gibt es zudem noch einen Abschnitt, bei dem der Erhalt und Schutz eines ganz besonderen Waldtypes im Vordergrund steht: die sogenannten Waldweiden oder auch Hutewälder. Ein Relikt aus vergangen Zeiten, was tatsächlich immer seltener wird und aktiver Pflege bedarf. In diesem Video haben wir Euch bereits dazu berichtet.

Außerdem gibt es Tipps und Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Waldnaturschutz. Wie kann ich der Welt da draußen eigentlich vermitteln, was ich hier Tolles umgesetzt habe? Auch ein ganz wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit für Waldnaturschutz zu sensibilisieren und zu begeistern, denn: Man schützt nur, was man kennt. 

Viele waldbewohnende Arten sind auf das Vorkommen von ausreichend Totholz und alten Bäumen angewiesen.

Ein großer Mehrwert des Handbuchs liegt in seinem konsequenten Praxisbezug. Zu jeder Art oder Artengruppe werden konkrete Maßnahmen beschrieben, mit denen Waldbesitzende und Förster:innen Lebensräume erhalten oder gezielt verbessern können. Dabei geht es sowohl um strukturelle Maßnahmen im Wald als auch um eine veränderte Bewirtschaftung. 

Für wen ist das Buch was?

Adressiert ist das Buch vor allem an Waldbesitzende, Försterinnen und Förster sowie Forstwirtinnen und Forstwirte. Gleichzeitig eignet es sich auch für alle Naturschutz- und Waldinteressierten, die ein fundiertes Überblickswerk suchen. Es ist bewusst nicht für Laien geschrieben, sondern für diejenigen, die täglich im Wald arbeiten. Entsprechend kann es schwerer zugänglich sein, wenn man es aus reiner Neugier lesen möchte.

Abblätternde Rinde kann eine Unterschlupfmöglichkeit bieten, beispielsweise für die Mopsfledermaus.

Unser Fazit

Wer Basiswissen für bestimmte Waldarten und deren Lebensraumansprüche sucht, macht mit diesem Buch alles richtig. Das Handbuch bietet eine gelungene Kombination aus Artenkenntnis und praktischen Handlungsempfehlungen. Es vermittelt ein grundlegendes Verständnis für die Ansprüche ausgewählter Waldarten und zeigt auf, wie Bewirtschaftung entsprechend angepasst werden kann – oder wo es sinnvoll ist, bewusst auf Eingriffe zu verzichten. Gleichzeitig liefert es weiterführende Literaturhinweise für alle, die tiefer in einzelne Themen einsteigen möchten. Insgesamt ist es ein wertvolles Werkzeug für alle, die den Naturschutz im eigenen Wald aktiv voranbringen wollen. Erhältlich beim Ulmer Verlag für 44 Euro. Leute ruhig bleiben, das könnt Ihr alles von der Steuer absetzen! Fortbildungsliteratur und so…

Transparenzhinweis: Wir haben das Rezensionsexemplar für diesen Artikel kostenfrei zugeschickt bekommen. Für die Veröffentlichung der Rezension erhalten wir kein Geld und sind zu keiner bestimmten Darstellung verpflichtet.

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Unsere Bäume – Zitterpappel (Populus tremula)  https://forsterklaert.de/zitterpappel https://forsterklaert.de/zitterpappel#respond Sun, 05 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6739 Die Zitterpappel – ein Baum mit vielen Namen. Auch als Espe oder Aspe bekannt, steckt sie hinter dem bekannten Sprichwort...

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Die Zitterpappel – ein Baum mit vielen Namen. Auch als Espe oder Aspe bekannt, steckt sie hinter dem bekannten Sprichwort „zittern wie Espenlaub“. Doch während die Redewendung fast alle kennen, wissen nur die wenigsten, welche heimische Baumart dahinter steckt. Dabei ist die Zitterpappel ein wahres Multitalent und wurde nicht ohne Grund zum Baum des Jahres 2026 gekürt. Was diesen Baum so einzigartig macht, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Zitterpartie im Blätterkleid 

Die Zitterpappel (Populus tremula) zählt zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen. Schon der kleinste Windhauch lässt ihre Blätter flirren und rascheln, wodurch der Baum fast lebendig wirkt. Genau dieses charakteristische „Zittern“ gab ihr ihren Namen und machte das Sprichwort „zittern wie Espenlaub“ bekannt. Die typisch rundlich, leicht gezähnten Blätter, die an langen, abgeflachten Stielen hängen, lassen sich besonders leicht bewegen und zittern deshalb schon beim kleinsten Windhauch. 

Die grünen, rundlichen Blätter der Espe, die nie stillstehen.

Im Frühjahr erscheinen an der Zitterpappel noch vor dem Blattaustrieb ihre Blüten: männliche purpurfarbene und weibliche grünliche Kätzchen. Aus ihnen entwickeln sich kleine Früchte mit watteartigen Samen, die der Wind über weite Strecken verbreitet. Im Herbst verwandelt sich der Baum dann in ein leuchtendes Farbspiel aus warmem Goldgelb, das kaum zu übersehen ist. Mit ihrer lockeren, luftigen Krone und dem schlanken Stamm wirkt die Zitterpappel elegant und leicht. Sie wächst schnell und erreicht meist Höhen von 15 bis 25 Meter. Hierbei besitzen junge Bäume eine glatte, graugrüne Rinde, die im Alter dunkler wird und aufreißt.

Wusstest Du schon…?
Die Zitterpappel zählt zu den am weitesten verbreiteten Baumarten der Welt. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Europa über Kleinasien bis nach China und Japan, sogar einzelne Vorkommen in Nordafrika sind bekannt. In Europa ist sie nahezu flächendeckend verbreitet und fehlt nur in wenigen Regionen wie Südspanien, Portugal oder Sizilien. 

Die graue, glatte Rinde der Zitterpappel bekommt mit dem Alter langsam ihre ersten Risse und wird dunkler. 

Die Zitterpappel, ein Multitalent

Die Espe zählt als sehr genügsame Baumart und besiedelt ein breites Klima- und Standortspektrum. Sie kommt mit ganz unterschiedlichen Bedingungen zurecht – von kühlen bis warmen Regionen und von trockenen bis niederschlagsreichen Standorten. Daher gehört sie oft zu den ersten Baumarten, die Schadflächen nach Störungen durch Stürme, Brände oder Borkenkäfer besiedeln, als sogenannte Pionierbaumart. Dabei hilft sie, den Boden zu verbessern und schafft neuen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Daher gewinnt sie in der Forstwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Doch das war nicht immer so.

Weil man ihr Holz wirtschaftlich kaum genutzt hat und sie im Wald häufig zugunsten anderer, forstwirtschaftlich attraktiverer Baumarten zurückgedrängt wurde, verschwand die Zitterpappel in den vergangenen 150 Jahren zunehmend aus unseren Wäldern. Heute ist sie selten geworden – nur etwa jeder hundertste Baum in Deutschland ist noch eine Zitterpappel. Im Hinblick auf den Klimawandel und den Artenrückgang zählt sie jedoch heute als wichtige und zukunftsfähige Baumart. 

Ob im Wald oder am Wegesrand – die Zitterpappel zeigt sich hier in ihrem saftigen Grün. 

Zittern im Wald, in Gärten und an Alleen

Die Zitterpappel fühlt sich besonders an sonnigen Waldrändern wohl, wo sie viel Licht bekommt und ihre lockere Krone frei entfalten kann. Zudem ist die Espe wegen ihres schlanken Wuchs und der leuchtend goldgelben Herbstfärbung ein beliebter Zier- und Alleebaum. Auch in der Landwirtschaft wird sie häufig auf offenen Flächen gepflanzt, um den Wind zu bremsen und so die Erosion des Bodens zu verringern. Zudem zeigt sie ihre Vielseitigkeit nicht nur als lebender Baum, sondern auch nach der Holzernte. Ihr Holz ist hell, sehr leicht und lässt sich gut verarbeiten. Deshalb steckt die Zitterpappel heute in vielen Alltagsprodukten – von Zündhölzern über Sperrholz und leichte Möbel bis hin zu Papier. Doch damit nicht genug: Durch ihr schnelles Wachstum eignen sich Pappeln auch hervorragend für Plantagen. Dort liefern sie in kurzer Zeit große Mengen an Biomasse, die unter anderem zu Hackschnitzeln für die Energiegewinnung verarbeitet werden. 

Wusstest Du schon…?
Früher nutzten Menschen die jungen Blätter der Zitterpappel als Salatzutat oder fermentierten sie aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und nutzten sie so als Ersatz für Sauerkraut. Auch die Rinde spielte damals eine wichtige Rolle: Sie enthält natürliche Stoffe, die traditionell zur Linderung von Fieber, Schmerzen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt wurden. 

Hieraus einen kleinen Beilagensalat?

Hotspot der Artenvielfalt 

Ein entscheidender Grund für die Auszeichnung der Zitterpappel als Baum des Jahres ist ihre große Bedeutung für die Artenvielfalt. Sie gehört zu den wichtigsten heimischen Futterpflanzen für Schmetterlinge. Damit bietet sie über 60 Schmetterlingsarten eine Eiablage und Nahrungsgrundlage für ihre Raupen. Sehr seltene und gefährdete Schmetterlingsarten wie der Große Eisvogel (Limenitis populi) und der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia) sind eng an die Zitterpappel gebunden und kommen dort regelmäßig vor. Auch viele Vogelarten profitieren indirekt von der Aspe, da sie eine große Zahl an Insekten wie beispielsweise verschiedene Käferarten anziehen. So entsteht ein reich gedecktes Buffet für die gefiederten Bewohner des Waldes.

Durch ihr weiches Holz entstehen häufig Höhlen, die vielen Vogelarten und anderen Tieren geschützte Nist- und Rückzugsorte bieten. So leistet die Zitterpappel einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und bietet auch spezialisierten sowie gefährdeten Insektenarten eine wertvolle Lebensgrundlage. Aus Sicht des Waldnatuschutzes zählt die Aspe daher als wertvolle Baumarten, um die Artenvielfalt zu bewahren. 

Im Stamm der Zitterpappel entsteht eine natürliche Höhle, die wertvollen Lebensraum für viele Arten schafft.

Die Auszeichnung der Zitterpappel als Baum des Jahres 2026 ist somit mehr als verdient. Nicht nur ihre Namensvielfalt, sondern auch ihre weite Verbreitung und ihre Bedeutung für zahlreiche Arten machen sie zum Sinnbild für Vielfalt. Damit macht sie deutlich, dass Bäume weit mehr sind als Teil des Waldes oder Landschaft. Sie sind lebendige Lebensräume, deren Schutz entscheidend für die Zukunft unserer Natur ist.

Quellen:

https://www.forstpraxis.de/baum-fuer-wandel-zitterpappel-baum-jahres-2026-24052

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/zitterpappel

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WMADWR #37 – Von Business und Bäumen https://forsterklaert.de/wmadwr37business https://forsterklaert.de/wmadwr37business#comments Sat, 04 Jul 2026 22:01:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6760 Habt Ihr auch manchmal Ideen im Kopf, bei denen Ihr Euch denkt: Das ist die Geschäftsidee! Das fehlt noch in...

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Habt Ihr auch manchmal Ideen im Kopf, bei denen Ihr Euch denkt: Das ist die Geschäftsidee! Das fehlt noch in der Welt, das müsste mal jemand machen. Ein Start-Up gründen oder sonst ein Business. Mit Drohnen Waldbrände suchen und löschen oder keine Ahnung was…

Und am Ende verwerft Ihr diese Ideen meist, weil Ihr kein Geld für die Entwicklung oder keine Ahnung habt, wie man ein Unternehmen gründet. Aber einige solcher Ideen werden dann tatsächlich in die Tat umgesetzt und das ein oder andere Business mit den Bäumen geht an den Start. 

Es ist eine Premiere oder irgendwie auch gleich zwei: Jan und Felix haben ihren ersten Live-Podcast auf der Forstvereinstagung aufgenommen und das nicht mit einem, nicht mit zwei, sondern mit drei Gästen! Verrückt die beiden! Und dann auch noch mit so einem aufregenden Thema.

Mit Audiohorchboxen in Wald und Feld soll Biodiversität mit Hilfe von KI-gestützter Arterkennung erfasst und überwacht werden. Diese Start-Up Idee stellt Euch Julia Roblick von Hula Earth vor. Benjamin Kowalski von der Future Forest Initiative erklärt, wie aus einer Idee ein Unternehmen entsteht. Und Hagen Augustin von der Rentenbank erklärt, wie es ums Geld für Start-Ups steht und welche Kriterien ein Unternehmen und deren Vision erfüllen muss, damit es auch gefördert wird.

Es ging locker lustig und etwas wild zu. Aber hört selbst rein…

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr uns sogar selbst mal für eine Podcastfolge buchen?

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Karte, Kluppe, Kompass – Must-Have Ausrüstung von Förster:innen https://forsterklaert.de/ausruestung https://forsterklaert.de/ausruestung#respond Sun, 28 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6727 Förster:innen haben einen abwechslungsreichen und sehr vielseitigen Beruf – genau das macht ihn für viele so spannend. Bei der Arbeit...

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Förster:innen haben einen abwechslungsreichen und sehr vielseitigen Beruf – genau das macht ihn für viele so spannend. Bei der Arbeit im Wald wird es nie langweilig, denn die Tätigkeiten sind so vielfältig wie der Wald selbst – oft von Jahreszeiten und Wetter beeinflusst. Viele verschiedene Aufgaben erfordern natürlich eine entsprechende Ausrüstung. Nicht verwunderlich also, dass das Auto von Revierleiter:innen oft rollendes Büro, Kleiderschrank und Werkstatt in einem ist. Was man in der Wunderkiste Forstauto alles finden kann und welche Grundausrüstung Förster:innen für die alltägliche Arbeit so brauchen, lest Ihr in diesem Artikel! 

Falls Ihr nach diesem Artikel auch mit den ganzen Gadgets arbeiten wollt, erfahrt Ihr hier, wie Ihr Förster:in werden könnt.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!

Mit der richtigen Kleidung steht und fällt der Arbeitsalltag im Wald. Im Sommer sollte sie möglichst atmungsaktiv und trotz der Temperaturen lang sein, da Zecken und Mücken sonst ein leichtes Spiel haben. Auch kurze Hosen sind im Wald nicht immer eine gute Idee, Brombeerstacheln oder dichte Naturverjüngung sind nicht unbedingt angenehm. Im Winter bewährt sich vor allem atmungsaktive, wärmende Kleidung. Zwiebellook ist hier die beste Wahl, um flexibel auf wechselnde Bedingungen reagieren zu können. Ein weiterer Tipp ist, in wirklich hochwertige Kleidung zu investieren. Während Architekt:innen und Banker:innen für viel Geld teure Anzüge kaufen, sind es im Forst eben die hochwertige Regenjacke und die guten Bergschuhe, die teuer sind, aber den Arbeitsalltag deutlich angenehmer machen. Gerade die Schuhe spielen eine zentrale Rolle – sie müssen unbedingt wasserdicht sein, sicheren Halt bieten und bequem sein, da man oft den ganzen Tag auf den Beinen ist. 

Ein weiterer, ganz wichtiger Punkt ist Warnkleidung und ein geeigneter Forsthelm. Gerade im laufenden Hieb, also bei der Holzernte, sind Jacken in neongelb oder neonorange und ein Helm das absolute Minimum, wenn man sich den großen Maschinen nähert. Nur so können Maschinenführer:innen sich nähernde Personen rechtzeitig erkennen und reagieren. Die Sichtbarkeit ist hier ein entscheidender Sicherheitsfaktor. 

Gute Ausrüstung macht den Arbeitsalltag nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer.

Gute Organisation ist die halbe Miete

Nicht nur für Influencer:innen, sondern auch für Förster:innen gilt: ohne Smartphone läuft hier gar nichts! Handy, Terminkalender und Notizbuch gehören zu den wichtigsten Begleitern im Arbeitsalltag und sind oft im Dauereinsatz. Man unterschätzt leicht, wie viel Arbeitszeit ein:e Förster:in am Telefon verbringt! Beim Koordinieren von mehreren Forstunternehmen, Holzkäufen, Waldbesitzenden, usw. ist eine gute Organisation das A und O für einen funktionierenden Arbeitsalltag. 

Zu der technischen Ausrüstung gehört neben dem Smartphone häufig noch ein Tablet. Das nutzen die meisten Forstbetriebe mit speziellen Softwareprogrammen für die Forstwirtschaft. Solche Programme und Apps ermöglichen eine vollständige Digitalisierung des Reviers und aller Maßnahmen, was die Planung von Hieben oder die Einweisung von Forstunternehmen enorm vereinfacht. Das Tablet ersetzt dabei inzwischen oft die physische Forstbetriebskarte von früher. Ein weiterer Bereich, in dem Tablets klare Vorteile bieten, ist die Holzaufnahme, also die Erfassung des gefällten und zu verkaufenden Holzes. Maße lassen sich schnell erfassen und direkt weiterleiten. Moderne Anwendungen können sogar Polter über ein einfaches Foto davon vermessen. Ein Foto genügt, um die Holzmenge auf dem Lagerplatz zu bestimmen – das ist effektiv und spart viel Zeit im Arbeitsalltag.

Wichtiger Tipp: immer Ladekabel und/oder Powerbanks im Auto haben – der Weg ins Büro und zur nächsten Steckdose kann lang sein!

Kein Arbeitstag ohne Handy & Terminkalender!

Der ständige Begleiter: Forstmarkierfarbe

Ein Gegenstand, ohne den Förster:innen nicht aus dem Auto steigen, ist die Farbdose. Das Markierungsspray gibt es in allen möglichen Neon- und Standardfarben. Es gibt neben der normalen Farbe zum Auszeichnen von zu fällenden Bäumen auch Langzeitfarbe für Grenz- oder Gassenmarkierungen, die deutlich länger sichtbar ist. Damit markiert man beispielsweise auch Habitatbäume, die unbedingt stehen bleiben sollen. Verschiedene Farben und Zeichen markieren die Bäume so, dass die Zeichen für alle, die im Forst arbeiten, verständlich sind. Falls Du Dich fragst, was all die bunten Zeichen im Wald bedeuten, schau Dir gerne dieses Video an. Neben der (semi-)permanenten Forstmarkierfarbe finden für temporäre Markierungen biologisch abbaubare Markierungsbänder Verwendung. 

Ohne die Farbdose steigt kein:e Förster:in aus dem Auto!

Wusstest Du schon…?
Das Forstmarkierungsspray gibt es neben den ganzen Neonfarben auch in braun. Scheint auf den ersten Blick nicht viel Sinn zu ergeben, braune Farbe auf meist brauner Rinde zu verwenden. Trotzdem ist braunes Markierungsspray ein echter Geheimtipp – es eignet sich nämlich super als Radiergummi! Zum Auszeichnen einfach eine Farbdose in braun mitnehmen und wenn man sich nach dem Markieren nochmal umentscheidet, kann man braun drübersprühen, die Markierung damit „wegradieren“ und so Verwirrung beim Forstunternehmen vermeiden!

Grundausrüstung zum Messen

Eine Aufgabe, die die meisten Förster:innnen regelmäßig machen, ist das Vermessen von Holz. Einzelstammweise Vermessung z.B. von Wertholz oder Langholz erfolgt mithilfe von Maßband und Kluppe. Mit der Kluppe misst man den Durchmesser der Stämme. Um die Stämme später eindeutig zuordnen zu können, werden sie in dem Zug häufig mit individuellen Nummern versehen. Das macht man mit dem sogenannten Nummernhammer. Holzpolter dagegen vermisst man mit einem Maßband und je nach Höhe des Polters mit einem Meterstab oder einer Messlatte. Ein weiterer Gegenstand, der im forstlichen Arbeitsalltag oft Verwendung findet, ist ein Kompass. Dieser sorgt z.B. dafür, dass das Rückegassensystem möglichst parallel und gleichförmig wird. 

Hier zu sehen sind eine Kluppe, ein Maßband, ein Meterstab und ein Kompass.

Werkzeug für alle Fälle 

Obwohl ein:e Förster:in eher wenig schwere körperliche Arbeit verrichtet, gibt es dennoch Werkzeug, das in keinem Forstauto fehlen soll. Dazu gehört beispielsweise ein gutes Taschenmesser. Das ist nicht nur praktisch für die Brotzeit, sondern kann auch verwendet werden, um bei einem mit dem Borkenkäfer befallenen Baum mal einen Blick unter die Rinde werfen zu können. So kann man das Entwicklungsstadium des Käfers sehen und dann einschätzen, wie viel Zeit noch für die Aufarbeitung bleibt. 

Außerdem schadet es auch als Förster:in nicht, eine kleine Motorsäge im Auto zu haben. So kann man kleinere Arbeiten gleich selbst erledigen. Besonders wichtig wird dies nach einem Sturmereignis, wenn des Öfteren Bäume über den Forststraßen liegen und den Weg versperren. Aber Achtung, Arbeiten mit der Motorsäge bitte in jedem Fall nur mit entsprechender Schnittschutzausrüstung durchführen!

Tierisch wichtige Ausrüstung

Wie schön wäre es, wenn die Vierbeiner einfach selbst markieren könnten, oder? (Pun intended)

Für die Hundebesitzenden unter uns ist die allerwichtigste Ausrüstung natürlich eine stets adäquate Menge an Hundeschmeckis, die jederzeit griffbereit sein muss! Ebenso sollte immer ein Halsband am Hund und eine Leine am Mann bzw. an der Frau sein. Denn auch wenn der Hund gut hört, gerade in der Brut- und Setzzeit sollten die Förster:innen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Hunde angeleint lassen. Im Sommer sollte jede:r Hundebesitzer:in außerdem an einen Napf und frisches Wasser für den Vierbeiner denken. 

Richtet man den Blick statt auf Haustiere auf die Wildtiere, ist ein Fernglas ein sinnvoller Ausrüstungsgegenstand, nicht nur für Jäger:innen. Beispielsweise kann es den Blick in die Baumkrone erleichtern, um etwaige Kronenveränderungen an der Fichte durch den Borkenkäfer erkennen zu können. Auch Vogelnester oder Greifvogelhorste lassen sich damit sicher identifizieren, sodass man bei Bedarf geeignete Naturschutzmaßnahmen einleiten kann.

Die Grundausrüstung für Hundebesitzer:innen – wobei genügend zu Trinken und ein guter Snack für jeden eine gute Idee ist!

Andere Schwerpunkte, andere Must-Haves

Die Arbeit im Wald ist sehr vielseitig – und genauso unterschiedlich fällt die jeweilige Grundausstattung aus. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt variieren die Anforderungen: ein:e Waldpädagog:in arbeitet mit ganz anderer Ausrüstung als ein:e Revierleiter:in im Staatswald oder ein:e Beratungsförster:in im Privatwald. Erzähl uns doch gerne in den Kommentaren, auf welche Basics Du bei deiner Arbeit im Wald nicht verzichten kannst!

Quellen:

Eigene Praxiserfahrungen 🙂

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Biodiversität im Wald https://forsterklaert.de/biodiversitaet https://forsterklaert.de/biodiversitaet#comments Sun, 21 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6686 Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau...

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Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau ist Biodiversität eigentlich? Und was hat das mit unserem Wald zu tun? Diese Fragen und noch viele weitere zum Thema Biodiversität werden im folgenden Artikel beantwortet.

Nicht nur Pflanzen machen unseren Wald aus – auch Pilze!

Biodiversität – was steckt dahinter?

Bevor wir uns in das Thema stürzen, wie genau Biodiversität im Wald aussieht, sollten wir erst einmal klären, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Biodiversität besteht aus drei Komponenten.

Genetische Vielfalt

Die genetische Vielfalt könnt Ihr Euch gut an dem Beispiel der Gelbbauchunken vorstellen. In einem Wald gibt es eine Gelbbauchunken Population und die haben zwei Gene, die bestimmen, ob sie eher gräulich oder eher bräunlich gefärbt sind. In einem anderen Wald haben die Gelbbauchunken 6 Gene, die ihre Färbung bestimmen (hier handelt es sich lediglich um ein vereinfachtes Beispiel – Gene sind in Wahrheit viel komplizierter!). Das heißt, dass die zweite Gelbbauchunken Population eine höhere genetische Vielfalt hat, weil bei ihnen insgesamt mehr unterschiedliche Gene vorkommen. Das ist sehr wichtig, weil dadurch hat die zweite Population größere Überlebenschancen. Vielleicht versteht Ihr es besser mit einem Beispiel.

Um bei unseren Gelbbauchunken zu bleiben: Die Gelbbauchunken aus dem ersten Moor (nur zwei Gene) leben in der Nähe einer Waschbärfamilie. Die Waschbären haben sich auf die gräulichen Unken spezialisiert, weil sie diese leichter erkennen und futtern alle auf. Damit ist die Hälfte der Population weg (50 %). Waschbären sind schlau und wenn sie herausfinden, dass es auch bräunliche Unken gibt, ist die restliche Population in Gefahr. In der zweiten Gelbbauchunken Population gibt es viel mehr äußerliche Unterschiede (6 Gene), das heißt, sollten die Waschbären alle Unken einer Färbung ausrotten (1 Gen), gibt es noch ca. 84 % der restlichen Population. 

Wusstest Du schon…?
Gelbbauchunken sind auf ihrem Rücken langweilig gräulich bis bräunlich gefärbt. Auf ihrem Bauch wird es spannender. Da sind sie (wie der Name schon verrät) gelb gefleckt. Die Bauchfärbung von jeder Gelbbauchunke ist anders, genauso wie der Fingerabdruck eines Menschen. Daran können wir die Gelbbauchunken voneinander unterscheiden. Das Süßeste sind allerdings ihre Pupillen, die sind nämlich herzförmig.

Ein Waschbär hält Ausschau – vielleicht sogar nach Gelbbauchunken!

Eine hohe genetische Vielfalt ist also ausgesprochen wichtig. Eine höhere Vielfalt von Genen erhöht die Möglichkeit, dass mindestens ein Tier Gene hat, die für eine neue Situation notwendig sind. Die genetische Diversität bildet also die Grundlage für Evolution. Dies ist besonders wichtig, wenn wir an das Klima denken. Der Klimawandel bringt Veränderungen mit sich, die Temperaturen steigen und es wird mehr Extremwetterereignisse geben. Für viele Tiere und Pflanzen ist es schwierig, unter diesen Lebensbedingungen zurechtzukommen. Da kann es hilfreich sein, wenn es eine große genetische Vielfalt gibt, sodass evolutionäre Anpassungen möglich sind. Es gibt sogar schon einige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass einige Tiere heute schon ihr Aussehen verändern, um sich den wandelnden Umweltbedingungen anzupassen.

Mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Rotmilane brüten in Deutschland.

Zur Biodiversität gehört also genetische Vielfalt. Aber es war doch die Rede von drei Komponenten, oder? Genau! Genetische Vielfalt allein langt nämlich nicht. Stellt Euch mal vor, es gäbe nur Buchen und Rotmilane. Selbst wenn die mega diverse Gene haben, macht das noch keinen Wald. Deshalb sind die anderen beiden Komponenten, Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. 

Artenvielfalt

Artenvielfalt ist eigentlich ziemlich selbsterklärend: Wir wollen möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Farne, Gräser, Sträucher, Flechten, Pilze und Moose gehören neben Bäumen in einen intakten Wald, genauso wie große und kleine Säugetiere, Greifvögel und Singvögel, ebenso wie alles mögliche an Insekten, Reptilien und Amphibien. Die Liste könnte fast ewig so weitergehen. 

Vielfalt der Ökosysteme

Hinsichtlich der Vielfalt der Ökosysteme werden einige von Euch vielleicht stutzig. Dass es verschiedene Ökosysteme gibt – Meer, Wüste, Wald – ist Euch bestimmt klar, aber Wald ist doch nur ein Ökosystem, oder? Nicht direkt, auch beim “Wald” gibt es Unterschiede. Ein tropischer Regenwald zum Beispiel ist ein ganz anderes Ökosystem als unser europäischer Wald, aber auch Laub-, Nadel- und Mischwälder unterscheiden sich voneinander. Auch innerhalb Deutschlands gibt es unterschiedliche Wald-Arten. Diese nennen wir Waldgesellschaften. Wenn Ihr mehr über das Ökosystem Wald erfahren wollt, schaut Euch doch gerne diesen Artikel an!

Wusstest Du schon…?
Es gibt Waldgesellschaften, die solche poetischen Namen tragen wie Linden-Ahorn-Hang- und Schluchtwälder (Tilio platyphylli-Acerion pseudoplatani) oder Erlen-Ulmen-Hartholzauen (Alno-Ulmion minoris). Wahre Zungenbrecher!

Dieser blühende Bergahorn (Acer pseudoplatanus) bringt mehr Artenvielfalt in den Wald.

Dienste der Natur

Dass es schöner ist, durch einen gesunden, vielfältigen Wald zu spazieren als durch einen eintönigen Wald, da sind wir uns bestimmt alle einig. Ein strukturreicher Wald mit den unterschiedlichsten Arten hilft uns nicht nur bei der Erholung, sondern bietet uns viel mehr. Da fällt mir das ewig lange Stichwort ‘Ökosystemleistungen’ ein. Ökosystemleistungen sind Dinge, die wir zum Überleben brauchen und die uns die unterschiedlichen Ökosysteme kostenlos zur Verfügung stellen.

Unser Wald leistet sehr wichtige Arbeit für uns. Er kann zum Beispiel eine CO2-Senke sein, außerdem nutzen wir das Holz als Baustoff oder als Energiequelle. Wälder produzieren Sauerstoff, filtern Regenwasser und speichern dieses wiederum als Grundwasser. Von den zahlreichen Pflanzen und den Tieren, die dort leben, können wir uns ernähren. In einigen Regionen schützt der Wald uns vor Lawinen. Dass es dem Wald gut geht, ist also dringend notwendig, damit es uns gut geht. Aber wie merken wir, dass es unserem Wald nicht gut geht? Ein Kennzeichen eines gesunden Waldes ist unter anderem die Biodiversität. Wälder mit einer hohen Biodiversität können sich schneller von Störungen erholen bzw. sind weniger stark von ihnen betroffen (Stabilität). Außerdem können sie sich an Veränderungen anpassen (Plastizität). Je mehr (Arten-)Vielfalt es gibt, desto vielfältiger kann der Wald auf Störungen reagieren bzw. sich anpassen.

So sieht ein gesunder Wald aus der auf alles mögliche reagieren kann, weil er auch alles mögliche hat: verschiedene Arten, Bäume mit unterschiedlichem Alter und mal mehr Licht, mal weniger.

Gefährdung der Vielfalt

Es gibt viele Ursachen für die Abnahme an Biodiversität im Wald. Klimawandel setzt unseren Wäldern zu. Aber auch unsere historische Waldnutzung hat dazu beigetragen, dass die Artenvielfalt abgenommen hat (mehr dazu hier!). Das klassische Beispiel ist da natürlich der Borkenkäfer (eigentlich Buchdrucker). Jahrzehntelang wurde die Fichte in einem Reinbestand angepflanzt, was dem Borkenkäfer sehr gut gepasst hat – da sind die Flugdistanzen schön kurz! Im Reinbestand ist die Biodiversität sehr niedrig, der Wald wird nur von wenigen Arten geprägt. Deshalb konnten kaum natürliche Regulatoren die Massenvermehrung eindämmen.

Die Fressfeinde des Buchdruckers (Ips typographus) benötigen nämlich vielfältige und strukturreiche Wälder mit Totholz und Blumen, wie sie in einem Reinbestand nicht zu finden sind. Diese Arten übernehmen sogenannte Schlüsselrollen. Wenn sie fehlen, kann es beispielsweise  zu Massenvermehrungen oder anderen Problemen kommen. Im Fall des Buchdruckers ist das unter anderem  der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius). Am Ende kann der Wald nicht mehr so funktionieren, wie wir es brauchen: Wir kriegen kein gesundes Holz, Waldspaziergänge sind deprimierend und statt CO2 zu speichern, wird der Wald zu einer CO2-Quelle. Deshalb ist Artenvielfalt so wichtig.

Die Überreste des Waldes im Harz nach einer Massenvermehrung des Buchdruckers.

Wusstest Du schon…?
Die Borkenkäfer sind eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Von den Borkenkäfern gibt es ca. 230 Arten. Weitere Unterfamilien sind die Splint- (ca. 160 Arten) und die Bastkäfer (ca. 210 Arten). 

Wir haben mehr Probleme als den Klimawandel

Leider gibt es mehr Probleme als die Klimawandel bedingten Trockenperioden und die Orkane, die unseren Wäldern und somit der biologischen Vielfalt zusetzen. Die Zerschneidung der Landschaft, zum Beispiel durch Straßen, kann für einige Tiere ein unüberwindbares Hindernis sein. Frösche können nicht ihre gewohnten Wanderwege nutzen oder begeben sich beim  Überqueren der Straße in Lebensgefahr, aber auch größere Tiere, wie das Rotwild leiden unter Autobahnen, die ihr Streifgebiet kreuzen. Die Tiere können diese Hindernisse nicht passieren, was dazu führt, dass einige Populationen sich gar nicht mehr miteinander vermischen können. Dadurch gibt es immer mehr Inzucht und die genetische Vielfalt in den Populationen nimmt ab. 

Rotwild ist sehr aufmerksam und vermeidet Störungen so gut es kann.

Weitere Bedrohungen für die Biodiversität sowohl der Fauna als auch der Flora sind Neophyten und Neozoen. So heißen Pflanzen und Tiere, die ursprünglich von woanders herkommen und sich hier wohl fühlen. Weshalb sie problematisch sein können, könnt Ihr hier (Neophyten) oder hier (Neozoen) genauer nachlesen. Kurz gesagt: Es ist schwierig für unsere heimischen Tiere und Pflanzen mit den Neuankömmlingen zu konkurrieren, wenn die neuen Mitbewohner hier keine natürlichen Feinde haben. Diese werden dann teilweise verdrängt oder ausgerottet und die Artenvielfalt nimmt ab.

Zuletzt gibt es da noch das Problem des Wild-Wald-Konfliktes. Das Wild knabbert gerne an den Blättern und Knospen der Bäume herum. An sich ist das ja auch kein Problem, ihnen schmecken nur manche Baumarten besser als andere und die verschwinden dann langsam aus unseren Wäldern. Wenn Ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, gibt es eine ganze Artikelserie allein zu dem Thema “Wieso wir jagen (müssen)” und besonders der dritte Artikel dieser Serie beschäftigt sich mit dem Einfluss der Jagd auf die Biodiversität.

Hier seht Ihr die Schäden, die das Schälen des Rotwildes an Fichten verursachen kann.

Ideen für die Biodiversität

Das klang jetzt alles ein wenig düster und deprimierend, aber zum Glück gibt es viele Dinge, die wir tun können – und die auch schon getan werden! Zurzeit gibt es einige Forschungsprojekte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, welche Baumarten gut gemischt werden können. In Bezug auf die Holzwirtschaft ist das hilfreich zu wissen, da manche Bäume produktiver sind, wenn sie mit bestimmten anderen Arten gemischt werden. Ein weiterer netter Nebeneffekt des Mischwaldes sind die zusätzlichen Arten, die dort natürlicherweise Vorkommen im Gegensatz zu Reinbeständen.

Wie oben bereits erwähnt, wissen die Förster:innen, dass Reinbestände zum einen nicht sehr divers sind und zum anderen nicht gut auf die klimatischen Veränderungen reagieren können. Deshalb bemühen sie sich, Reinbestände in Mischwälder umzubauen – das hilft auch der Biodiversität. Außerdem bewirtschaften viele Förster:innen ihre Reviere naturnah, das heißt sie erhalten Strukturen, die Artenvielfalt bedingen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die Forstwirt:innen die Kronen der Bäume als Totholz im Wald liegen lassen, weil sich viele Käfer- und Pilzarten dort wohlfühlen. Außerdem lassen Förster:innen in unregelmäßigen Abständen knorrige, alte Bäume (auch Biotop- oder Habitatbäume genannt) stehen oder auch Baumgruppen, die eine Vielzahl an Mikrohabitaten zu bieten haben. Dieses Prinzip wird “Trittsteinkonzept” genannt und viele Tiere freuen sich über diese Oasen im Wald.

Wusstest Du schon…?
Schon so etwas Simples wie ein festes Netz an Rückegassen kann helfen, die Biodiversität in einem Wald zu erhalten. Die Mikroorganismen im Boden mögen es nämlich gar nicht, vom Harvester überfahren zu werden, deswegen sollten wir möglichst viel vom Waldboden in Ruhe lassen.

Viele Insekten freuen sich über Mikrohabitate – so wie diese Biene im Bärlauch!

Schutz in nicht-bewirtschafteten Wäldern

Bisher haben wir uns angeschaut, welche Möglichkeiten Förster:innen in ihrem Alltag haben, um Biodiversität zu fördern und zu erhalten. Wenn wir weg von den bewirtschafteten Wäldern schauen, gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, die biologische Vielfalt effektiv zu schützen. Um die genetische Vielfalt zu sichern, sind Wildbrücken zum Beispiel sehr praktisch. Sie können den Austausch zwischen verschiedenen Populationen ermöglichen. Für den Artenschutz wäre ein Ansatz zum Beispiel der Schutz von sogenannten “Schirmarten”. Eine Schirmart ist eine Art, die spezielle Bedingungen zum Überleben braucht. Andere Arten sind da genügsamer in ihren Ansprüchen. Schützen wir beispielsweise den Grünspecht (unsere Schirmart), schützen wir den Schwarzspecht, die Hohltaube und Wildbienen, die auf Totholz spezialisiert sind, gleich mit. 

Den letzten Aspekt der Biodiversität – die Vielfalt der Ökosysteme – schützen wir am besten indem wir möglichst viele unterschiedliche Lebensräume und Habitate schützen und erhalten. Das heißt, neben Naturschutzgebieten, in denen der Prozessschutz herrscht (keine Eingriffe des Menschen, die Natur entwickelt sich von ganz allein), müssen wir auch die Kulturlandschaft (von Menschen geprägte Landschaft) schützen und erhalten. Für möglichst verschiedene Arten brauchen wir auch möglichst verschiedene Lebensräume. Hutewälder, Moore, Auwälder, klassische Buchenwälder – alle gehören zu einer vielfältigen Landschaft dazu.
Ihr merkt bestimmt, Biodiversität im Wald ist ein kompliziertes Thema und dieser Artikel hat selbst erst an der Oberfläche gekratzt. Aber das Schöne ist, es ist sehr einfach mit zu helfen! Ihr könnt in Eurem Garten zum Beispiel ein Insektenhotel bauen oder (die entspannte Variante) einfach ein wenig Totholz rumliegen lassen. Schreibt uns doch in die Kommentare, wofür Ihr Euch entschieden habt!

Quellen:

https://www.bmz.de/de/service/lexikon/biodiversitaet-14106

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/13654.html

https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/auf-einen-blick-alle-leistungen-des-oekosystems-wald

https://www.cell.com/trends/ecology-evolution/fulltext/S0169-5347(21)00197-X

https://www.geo.de/natur/tierwelt/klimawandel-veraendert-aussehen-von-tieren-30723346.html

https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/biodiversitaet-im-wald

https://www.fnr.de/fileadmin/Projekte/2022/Mediathek/1136_Borkenkaefer_web_2022_bf_final.pdf

https://www.bfn.de/zerschneidung-und-wiedervernetzung

https://www.geo.de/natur/tierwelt/siedlungen-und-strassen-treiben-inzucht-bei-rotwild-voran-35711080.html

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/waldumbau/bedeutung-der-biodiversitaet

https://ulrich-mergner.de/das-trittsteinkonzept

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/monitoring/biodiversitaet-auf-ganzer-flaeche

https://www.artenschätze.de/das-konzept/strategie/schirmarten

https://www.artenschätze.de/artenschaetze/detail/gruenspecht

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10637.html

https://www.waldkulturerbe.de/service/wissenswertes/wissenswertes-detail/natur-und-artenschutz-im-wald

https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/13992

Fischer, F., Oberhansberg, H. and Steffens, D. (2020) Was hat die Mücke je für uns getan? endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet. München: oekom verlag.

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Prof. C. Ammer, Modul Waldbau

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Dr. I. Lusebrink, Modul Forstentomologie

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