Forst erklärt https://forsterklaert.de/ Wissen aus dem Wald Mon, 23 Feb 2026 09:46:01 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Forst erklärt https://forsterklaert.de/ 32 32 Bodendenkmäler – historische Geheimnisse des Waldes https://forsterklaert.de/bodendenkmaeler https://forsterklaert.de/bodendenkmaeler#respond Mon, 23 Feb 2026 09:45:56 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6467 Viele Funktionen des Waldes sind offensichtlich: er ist Holzlieferant, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und ein Ort für Erholung. Eine...

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Viele Funktionen des Waldes sind offensichtlich: er ist Holzlieferant, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und ein Ort für Erholung. Eine weitere wichtige, wenn auch weniger offensichtliche Funktion, ist der Erhalt und die Konservierung von historischen Strukturen. Insbesondere der Waldboden schützt teilweise schon seit Jahrtausenden das kulturelle Erbe unserer Vorfahren. Warum der Wald für Bodendenkmäler so wichtig ist, was man im Wald tief versteckt alles finden kann und warum auch hier der Klimawandel eine Bedrohung ist, wollen wir Euch in diesem Artikel erklären. 

Jan hat sich Bodendenkmäler von einem richtigen Experten erklären lassen, schaut mal rein!

Der Wald als Zeitzeuge

Als Bodendenkmäler bezeichnet man archäologische Stätten oder historische Strukturen im Boden. Diese sind häufig in Wäldern zu finden, unter deren Schutz sie über Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende hinweg, erhalten geblieben sind. Der Wald bewahrt also wie ein Archiv wichtiges Kulturerbe. Meist sind Bodendenkmäler überirdisch sichtbar – als künstlich angelegte Hügel, Gräben oder Steinformationen verschmelzen sie heute mit der Waldlandschaft. Doch wenn man genauer hinschaut, erzählen sie die Geschichte unserer Vorfahren, die Siedlungen erbauten, Grabstätten errichteten, Handelsrouten anlegten und in Schlachten kämpften.

Die Rolle des Waldes

Der Wald und die Umweltbedingungen, die er schafft, spielen eine elementare Rolle beim Erhalt von kulturellem Erbe im Boden. Der Wald schützt durch einen intakten Baumbestand vor Überprägung sowie Erosion durch Wind und Wasser. Die im Boden eingeschlossenen historischen Relikte sind weder Sauerstoff noch Sonnenlicht ausgesetzt und sind bei konstanter Temperatur über Jahrhunderte hinweg bestens konserviert. Im Offenland hingegen überbauen oder verändern wir Menschen viele historische Strukturen. Im Wald findet keine derart intensive Nutzung des Bodens statt, weshalb die Bodendenkmäler oft deutlich besser erhalten und dadurch wissenschaftlich wesentlich interessanter sind. 

Ein ganz normaler Hügel – oder doch nicht?

Es gibt eine ganze Reihe von historischen Strukturen, die heute als Denkmäler in Wäldern an vergangene Zeiten erinnern. Hier mal ein paar Beispiele aus vorindustriellen Zeiten:

Hügelgräber

Hügelgräber sind runde Aufschüttungen aus Steinen und Erde aus der Bronze- und Eisenzeit (ca. 2.200 bis 550 Jahre v. Chr.). Sie haben einen Durchmesser zwischen 5 und 40 m. Je größer der Hügel, desto mächtiger und angesehener war die Person, die dort begraben liegt. Hügelgräber enthalten oft wertvolle Grabbeigaben wie Schmuck und Waffen und wurden meist entlang von Fernhandelsrouten und Straßen angelegt. 

Wenn Ihr wissen wollt, ob Jan hier vor einem echten Hügelgrab steht, schaut ins Video oben!

Gräben und Steinformationen

Als unmissverständliche Grenzmarkierungen zwischen Siedlungsgebieten hat man früher Gräben angelegt. Die hat man auch zur Markierung von speziellen Nutzungsrechten, wie z.B. dem Jagdrecht, genutzt. Eine weitere Form der Grenzmarkierung sind Steine und Steinformationen, die man oft auch als Richtungsweiser verwendet hat.

Hohlwege

Eine hohe kulturhistorische Bedeutung haben sogenannte Hohlwege. Durch die jahrhundertelange intensive Nutzung mit Vieh und Fahrzeugen sowie Erosion sind aus Verbindungen zwischen zwei Orten tiefe Fahrwege entstanden, die man dadurch heute noch gut erkennen kann. 

Aborglyphen

Die Denkmäler im Wald müssen aber nicht immer schon hunderte von Jahren alt sein. Auch aus dem 20. Jahrhundert finden wir Kulturrelikte in unseren Wäldern. Vor allem die Weltkriege habe Spuren im Wald und an den Bäumen hinterlassen: Sogenannte Arborglyphen sind in die Baumrinde geritzte Symbole und Zeichen, die oft im Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Diese Ritzungen finden wir häufig an Buchen, weil ihre Rinde so glatt ist und damit eine gute Leinwand bietet. 

Das Bild zeigt eine Arborglyphe, also ein Ritzung in die Rinde einer Buche, aus dem Zweiten Weltkrieg.

Granatsplitter und Geschosse

Bei der Ernte von alten Laubbäumen, oft Eichen, findet man immer wieder Granatsplitter oder Geschosse, die im Holz stecken. Diese Relikte aus den Weltkriegen führen zu einem erheblichen Wertverlust des Holzes. Laubholzsägewerke in entsprechenden Gebieten haben deswegen Metalldetektoren, damit ihre Sägen nicht durch das Metall im Holz kaputt gehen.

Schützengräben

Auch Gräben im Wald können aus dem modernen Zeitalter stammen. Besonders größere Gräben in räumlicher Nähe zu Städten sind meist Schützengräben aus dem Krieg.

Wusstest du schon…?
Der Limes ist wohl das bekannteste Beispiel für ein Bodendenkmal. Der Limes diente als militärische und wirtschaftliche Abgrenzung zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Völkern. Die antike Grenzlinie, die in Deutschland durch Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz verläuft, ist 550 km lang und damit das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wie gut der Wald historische Strukturen konserviert. Dort, wo der Limes im Wald verläuft, ist er noch deutlich besser erhalten als im Offenland.

Bodendenkmäler erkennen

Doch woher weiß ich denn nun, ob die Erhöhung im Wald einfach nur ein stinknormaler Hügel ist – oder tatsächlich ein Zeitzeuge aus der Vergangenheit sein könnte? Diese Frage ist nicht nur interessant, sondern auch relevant für Förster:innen und Waldarbeiter:innen, um die Bodendenkmäler bei ihrer Arbeit berücksichtigen und dadurch schützen zu können. 

Zur Erkennung von Bodendenkmälern kann man Kartenmaterial verwenden. Es gibt sogenannte Schummerungskarten, die die Erdoberfläche plastisch darstellen und somit Strukturen im Boden sichtbar werden lassen. Solche Karten sind in den meisten Bundesländern online öffentlich verfügbar. Eine Alternative dazu sind historische Karten aus Archiven. 

Solche digitalen Schummerungskarten kann ein:e Förster:in nutzen, um Strukturen im Boden zu erkennen.

Ein weiterer Indikator für historische Nutzung können sogenannte Kulturreliktarten sein. Das sind meist Pflanzen, die oft in der Nähe von alten Siedlungen vorkommen und dadurch Zeugen von menschlicher Aktivität sind. Ein Beispiel hierfür ist das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), eine aufrechte Staudenpflanze mit kleinen lila Blüten. Das Eisenkraut kommt als Kulturrelikt in der Nähe von Wegen und Siedlungen vor und genießt als Heilpflanze und kulturelles Symbol einen mystischen Ruf.

Wusstest du schon…?
Archäolog:innen und Expert:innen für Denkmalpflege identifizieren Bodendenkmäler durch Auswertungen von Luftbildern und Archivrecherchen sowie durch Geländebegänge. Seit noch nicht allzu langer Zeit gibt es außerdem eine technische Innovation, mit der man Denkmäler finden kann: Das sogenannte LiDAR, „Light Detection and Ranging“. Sehr detailliertes, luftbildgestütztes Laserscanning macht die Geländeoberfläche sichtbar, indem Vegetation und Bebauung herausgerechnet werden. Dadurch sieht man menschliche Eingriffe in den Boden sehr gut, auch wenn sie vor Ort kaum zu erkennen sind. Durch diese neue Methode kommen viele, bislang nicht entdeckte Bodendenkmäler zum Vorschein.

Die Geheimnisse des Waldes in Gefahr

Also – Metalldetektor, Bodendenkmalkarte, Schaufel und los geht’s zur Schatzsuche?

Auf keinen Fall! Jedes Bodendenkmal, das der Wald für uns bewahrt, ist ein empfindliches und wertvolles kulturelles Gut. Illegale Ausgrabungen und Grabraub führen zu unumkehrbarer Zerstörung und dem Verlust von einem Teil Geschichte. Auch die Verfüllung von Hohlwegen und Gräben zerstört Landschaftsmerkmale mit historischer Bedeutung. Meistens werden Bodendenkmäler allerdings nicht absichtlich beschädigt, sondern durch Unwissenheit. Dieses Unwissen kann beispielsweise bei der Holzernte durch große Maschinen zur Schädigung von eingelagerten Funden führen. Eine weitere Gefährdung ist wie so oft der Klimawandel. Dieser kann durch teils drastische Veränderungen der Umweltbedingungen beispielsweise zum Absterben von Bäumen mit Arborglyphen führen, die dann für immer verloren sind. 

Schützen kann man nur, was man kennt

Wie kann man also den Schutz von Denkmalsubstanz sicherstellen? Der Schutz von Bodendenkmälern ist im Bundeswaldgesetz sogar gesetzlich verankert: §11, Abs. 2 Nr. 1 BWaldG: „Bei der Bewirtschaftung soll die Funktion des Waldes als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte angemessen berücksichtigt werden.“ Genauere Vorgaben dazu geben die jeweiligen Landesdenkmalpflegegesetze. 

Aber: man kann nur schützen, was man kennt. Nur durch das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit von Förster:innen, Waldbesitzer:innen und Jäger:innen ist ein Schutz überhaupt möglich. Wenn man also im Wald historische Strukturen findet oder vermutet, kann man diese beim Landesamt für Denkmalpflege melden, sodass sie offiziell ausgewiesen und kartiert werden können. 

Auch historische Karten wie diese können Hinweise auf Bodendenkmäler im Wald geben.

Bodendenkmäler vor Eurer Haustür?

Bodendenkmäler machen Geschichte im Wald vor unserer Haustür greifbar und erlebbar und sind dadurch ein wertvolles und schützenswertes Kulturerbe. Wenn Ihr jetzt Lust auf noch mehr Forstgeschichte bekommen habt, müsst Ihr nicht lange suchen – schaut Euch doch mal diese Artikel von Forst erklärt an:

Hutewälder – Relikte einer vergangenen Zeit

Forstgeschichte – ein Blick in die Vergangenheit der Wälder 

Waldglas – wie in unseren Wäldern Glas hergestellt wurde 

Wisst Ihr von historischen Strukturen und Denkmälern im Wald vor Eurer Haustür? Berichtet uns gerne davon in den Kommentaren!

Quellen:

https://www.waldwissen.net/de/lernen-und-vermitteln/forstgeschichte/archaeologie-im-wald

https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/aktuelles/pdf/neu_Hessen_Bodendenkmaeler-unter-Wald_2018.pdf

https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/lwf-spezial-03_denkm__ler_im_wald.pdf

https://bodendenkmalpflege.lvr.de/media/bodendenkmalpflege/projekte/pdf_2/Cott_Zeiler_Die_Waldbauern_in_NRW_Heft_4_2023.pdf

https://www.gesetze-im-internet.de/bwaldg/BJNR010370975.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Eisenkraut

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Ernte von Saatgut in schwindelerregenden Höhen https://forsterklaert.de/saatgut https://forsterklaert.de/saatgut#respond Sun, 15 Feb 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6442 Wir brauchen auch in Zukunft gesunde Wälder, vor allem brauchen wir in diesen eine größtmögliche Baumartenvielfalt. Förster:innen sind seit Jahren...

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Wir brauchen auch in Zukunft gesunde Wälder, vor allem brauchen wir in diesen eine größtmögliche Baumartenvielfalt. Förster:innen sind seit Jahren dabei, dem Wald unter die Arme zu greifen, um ihn klimafit zu gestalten. Stichwort Waldumbau! Dazu nutzen sie unter anderem Bäume, die in Baumschulen aus einer kleinen Frucht oder einem Saatkorn herangezüchtet wurden. Doch woher kommt eigentlich das Saatgut für alle diese Bäume? Kann man das einfach vom Boden aufsammeln? Nicht ganz. Für manches Saatgut, beispielsweise der Tanne, müssen Zapfenpflücker:innen bis zu 35 m hoch hinauf in die Baumkronen – ganz schön wackelig und gefährlich. Was vom Sammeln des Saatgutes bis zum Pflanzen eines neuen Baumes noch alles passieren muss, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wusstest Du schon…?
Während bei der Fichte die Zapfen nach unten hängen, stehen die Zapfen der Tanne auf dem Ast. Sie lösen sich irgendwann langsam auf und rieseln als Einzelteile auf den Boden. Wenn Ihr auf dem Waldboden also einen ganzen Zapfen seht, kann es sich dabei niemals um einen Tannenzapfen handeln. 

Eine Weißtanne aus der Vogelperspektive. Um an die oben auf dem Ast stehenden Zapfen zu gelangen, müssen die Zapfenpflücker:innen bis hoch hinauf in die Krone.

Vom Mutterbaum zum Wald von morgen

Bei der Saatguternte werden die Samen, Zapfen oder die Früchte von Bäumen geerntet, um daraus neues Pflanzmaterial für Baum-Nachwuchs zu erzeugen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel und den Waldumbau spielt die Gewinnung von hochwertigem Saatgut eine zentrale Rolle. Aus dem geernteten Saatgut sollen gesunde und qualitative neue Bäume wachsen. Bis so ein neuer Baum aber wieder irgendwo in den Wald gepflanzt wird, steht erstmal einiges an Arbeit an: Zunächst identifiziert man geeignete Samenbäume, das Saatgut muss man ernten und lagern bzw. weiterverarbeiten. Anschließend verkauft man entweder das Saatgut oder bereits daraus gezogene junge Bäumchen. Doch wie genau läuft dieser ganze Prozess ab?

Vom Saatkorn zum neuen Baum. Um diese junge Weißtanne in den Wald pflanzen zu können, benötigen wir mutige Baumkletter:innen.

Wusstest Du schon…?
Fruktifizieren nennt man das Ausbilden von Früchten des Baumes. Teilweise dauert es Jahrzehnte, bis ein Baum zum ersten Mal Früchte ausbildet. Bei der Weißtanne sind es beispielsweise um die 40 Jahre. Außerdem tragen die Bäume nicht in jedem Jahr gleich viele Früchte. In sogenannten Mastjahren bilden sie besonders viele aus.

Auch beim Saatgut kommt es sowohl auf äußere, als auch innere Werte an

Wichtig ist, dass man beim Saatgut auf eine geeignete Herkunft und Qualität achtet. Man erntet die Samen, Früchte oder Zapfen der sogenannten Mutterbäume. Diese Bäume müssen, um beerntet werden zu können, aus zugelassenen Erntebeständen stammen. Das bedeutet, die Vitalität, also die Gesundheit des Baumes, sowie auch die Wuchsleistung und äußere Qualität, bspw. ein gerader Wuchs, wurden geprüft und erfüllen die gestellten Voraussetzungen. 

Aber auch die inneren Werte, die genetischen Eigenschaften der Bäume, sind enorm wichtig. Auch dabei gilt es, eine hohe Vielfalt zu bewahren, um möglichst viele unterschiedliche genetische Voraussetzungen zu sichern. So gibt es genetische Unterschiede zwischen den Baumarten, aber auch zwischen Bäumen einer Art. Die Herkunft der Bäume gibt Informationen zur Angepasstheit, Stresstoleranz und Widerstandsfähigkeit. Also wie gut oder lange ein Baum zum Beispiel mit Trockenstress umgehen kann. 

Woher das Saatgut für neue Bäume stammt, kann genau nachvollzogen werden. Um Zapfen oder Früchte ernten zu dürfen, müssen die Wälder dafür zugelassen sein.

Welches Saatgut für welche Region?

Zusätzlich achtet man deshalb noch auf die Herkunft des Saatgutes. In Deutschland gibt es verschiedene Herkunftsgebiete, aus denen das Saatgut stammen kann. Je nach Herkunft können sich Bäume „innerlich“, also genetisch, sowie von ihrem äußerlichen Erscheinungsbild unterscheiden. Ein Herkunftsgebiet weist gleiche ökologische Bedingungen auf, differenziert nach klimatischen Gegebenheiten. Bei manchen Baumarten ist zusätzlich die Höhenlage besonders wichtig. Die Fichten aus höheren Bergregionen haben bspw. schmalere Kronen und sind so besser gewappnet gegen Schnee und Sturm als Fichten aus flachen Lagen. Wichtig ist also, dass das Herkunftsgebiet des Saatgutes mit dem des neuen Pflanzortes des Baumes übereinstimmt.

Fichte ist nicht gleich Fichte! So besitzen Fichten, die aus höheren Lagen stammen, meist eine säulenförmigere Krone mit kürzeren Ästen. So sind besser vor Schnee und Stürmen geschützt. Fichten, die in tieferen Lagen stehen, haben eher Kronen in Form eines Kegels.

Wusstest Du schon…?
Nichts passiert hier ohne Regeln! Das Inverkehrbringen von forstlichem Saat- oder Pflanzgut wird seit 2003 durch das sogenannte Forstvermehrungsgutgesetz geregelt. Nur in dafür zugelassenen Beständen darf eine Saatguternte überhaupt durchgeführt werden. Eine klitzekleine Ausnahme gibt es. Wenn ich in meinem eigenen Wald junge Pflanzen ausbuddele und sie an einem anderen Ort in MEINEM Wald wieder einpflanze, ist das erlaubt. Man bezeichnet es auch als Wildlinge werben. 

Wie erntet man das Saatgut?

Ab dem Frühsommer kann man bei den meisten Baumarten beispielsweise anhand der Dichte von Blüten festgestellen, wie viele Samen bzw. Früchte sie tragen werden und ob sich eine Ernte lohnen wird.

Je nach Baumart unterscheidet sich das Saatgut erheblich in seiner Größe und Form. Eicheln und Bucheckern sind vergleichsweise schwere Baumfrüchte, die “einfach” von den Bäumen fallen und die man entweder mit Hilfe von ausgebrachten Netzen oder durch Aufsammeln ernten kann. Gleiches gilt auch für Nüsse, wie Walnuss oder Schwarznuss. Bei Wildobstarten, wie der Kirsche oder auch der Mehlbeere, pflückt man die Früchte von den Ästen aus dem Baum. 

Eicheln und Bucheckern lassen sich in sogenannten Mastjahren gut vom Boden aufsammeln. Teilweise legt man auch Netze unter die Kronen, um die Früchte so aufzufangen.

Weiter gibt es sogar richtige Samenplantagen, die man extra für die Gewinnung von Saatgut angelegt hat. Auf diesen Plantagen hat man Bäume gepflanzt, die eine besondere Vitalität, Form und Wuchsleistung aufwiesen. Hier pflegt man die Bäume extra so, dass sie sich gut vom Boden aus beernten lassen, aber trotzdem ausreichend Saatgut liefern.

Saatguternte in windigen Höhen

Teilweise kann eine Ernte von Saatgut auch am liegenden Stamm erfolgen. Am aufwändigsten und auch am gefährlichsten ist das Ernten von Saatgut am stehenden Stamm. Diese Arbeit leisten die Baumsteiger:innen, auch als Zapfenpflücker:innen  bezeichnet. Um beispielsweise an die Zapfen der Weißtanne zu kommen muss man sich in schwindelige Höhen begeben – nämlich bis zur Krone des Baumes. Das sind mal eben ganz sportliche 35 bis 50 Meter! Die Baumsteiger:innen sammeln in der Krone die noch geschlossenen Zapfen, in denen sich der Samen befindet. Eine ausreichende Sicherung ist dafür unabdingbar. Einen Baumsteiger in Action könnt Ihr Euch in diesem Video ansehen. 

Was passiert mit dem geernteten Saatgut?

Da viele Baumarten nicht jährlich Früchte ausbilden, ist eine korrekte Lagerung notwendig, um jedes Jahr Saatgut anbieten zu können. In sogenannten Samendarren wie in Jatznick oder Annaburg werden Nadelholz- oder Erlenzapfen weiterverarbeitet. Felix durfte für den Videodreh zur Saatguternte einen Blick in die Samendarre des FOGZ (Forstliche Genressourcen Zentrum) der Landesforsten Rheinland-Pfalz werfen. Gemeinsam mit Mitarbeiter Lars können wir jetzt den Weg des gepflückten Zapfens bis hin zum fertig aufbereiteten Saatgutes verfolgen:

Zunächst werden die Zapfen zum Nachreifen und Trocknen gelagert. Durch regelmäßiges Umschichten verhindert man, dass sie schimmeln und entzieht weiter Feuchtigkeit.

Die Natur kontrolliert nachahmen

In der Natur würde der Tannenzapfen irgendwann einfach zerbröseln und der Samen durch den Wind verbreitet werden. In der Samendarre muss man nach dem Trocknen des Zapfens das “Zerbröseln” nachahmen und die verschiedenen Bestandteile des Zapfens mit Hilfe einer Siebtrommel voneinander trennen. Die sogenannte Entflügelungsmaschine befreit am Ende den Samen noch vom Flügelchen. Danach reinigt man mit Hilfe von Luftdruck noch weiter und siebt, bis am Ende dann nur noch das Saatkorn übrig bleibt. Das Saatgut von Nadelbäumen kann man, wenn man es gut gekühlt, bis zu zehn Jahre aufbewahren.

Wusstest Du schon…?
Tannenzapfen bestehen aus der sogenannten Spindel (Längsachse im Zapfen), dem Samenkorn mit dem Flügelchen und den Zapfenschuppen.

Laubholzsamen können entweder direkt ausgesät oder auch eingelagert werden. Bucheckern müssen beispielsweise trocken, im Dunkeln und vor allem sehr kühl eingelagert werden. Am besten bei 3-5°C, wobei die Luftfeuchtigkeit bei 28-30 % liegen sollte. Bei diesen Bedingungen verbleibt das Saatgut bis zu 100 Tage. Wenn man erste Keimwurzeln erkennen kann, ist das Saatgut bereit, um es auszusäen. Das Saatgut wird dann vor allem an Baumschulen oder direkt an Landesforstverwaltungen verkauft, diese nutzen es, um den klimastabilen Wald von morgen zu pflanzen. 

Et voilà – nun lagert man das fertige Weißtannen Saatgut erstmal ein.

Wusstest Du schon…?
Strati – was? Die sogenannte Stratifikation bedeutet, dass das eingelagerte Saatgut vor der Aussaat gekühlt gelagert wird. Damit simuliert man den “Winter”, um die Keimung des Saatgutes zu fördern. Why that? Natürlicherweise würden die Samen, nachdem sie am Mutterbaum gereift sind, in eine Ruhephase (Dormanz) verfallen. Sie benötigen dann eine Kältephase, denn erst danach überwinden sie die Keimruhe und die Samen beginnen zu keimen. 

Saatgut-Forschung für den klimastabilen Wald von morgen

Auch zu Forschungszwecken wird das Saatgut genutzt. Beispielsweise um zu testen, wie bestimmte Herkünfte auf Stress, bspw. wenig Wasser, reagieren. So kann man Hinweise darüber bekommen, welche Genetik potentiell in Zukunft am besten für den Klimawandel gewappnet ist.

Um den klimastabilen Mischwald von morgen zu gestalten, braucht es hochwertiges Saatgut. Der Weg vom gesammelten Zapfen über die Aufbereitung und Lagerung bis hin zum ausgepflanzten Pflänzchen und dem erfolgreichen Heranwachsen eines Baumes dauert mindestens so lange, wie diesen Satz zu lesen. Wir hoffen, dass Ihr in diesem Artikel etwas Neues lernen konntet – vor allem aber, dass deutlich geworden ist, wie viel Geduld, Fachwissen und Verantwortung in der Saatguternte stecken. Denn jeder gesammelte Samen ist ein kleiner, aber entscheidender Baustein für die Wälder der Zukunft.

Quellen:

Morat, J. (2015). Der Forstwirt (6. Aufl.). Verlag Eugen Ulmer, 679 S.

https://fgrdeu.genres.de/nationales-inventar/herkunftsgebiete/fov-herkunftsgebiets-vo

https://baumspezialisten.de/leistungen/saatguternte/#:~:text=Was%20ist%20Saatguternte?,sowie%20in%20der%20Holzqualit%C3%A4t%20erbringen.

https://www.nw-fva.de/unterstuetzen/vermehrungsgut

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Lesung: Wir haben ein Buch geschrieben! https://forsterklaert.de/lesung https://forsterklaert.de/lesung#respond Mon, 09 Feb 2026 15:56:17 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6399 Das Buch trägt den Namen “Forst erklärt: Warum wir den Wald brauchen – und er uns” und erscheint am 18.03.26...

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Das Buch trägt den Namen “Forst erklärt: Warum wir den Wald brauchen – und er uns” und erscheint am 18.03.26 im EMF-Verlag. Und wir sind stolz wie bolle! Hier findet Ihr alle Infos rund ums Buch und unsere ganz offizielle Einladung zur Release-Lesung!

Das Cover unseres ersten Buchs!

Worum geht’s in unserem Buch?

Dieses Buch beginnt mit der Frage, was Wald eigentlich ist. Es geht um den Wirtschaftsraum, der gleichzeitig Erholungsort ist und nebenbei essentiell für das Leben auf unserem Planeten. Es geht aber auch um andere Aspekte, wie die Jagd, wie man mit Holz Geld verdient und ob das alles so gut fürs Klima ist. Wir erklären, warum nichts tun oft keine Option ist, wenn der Wald allein nicht mehr gegen den Klimawandel ankommt. Mit Steckbriefen werden die wichtigsten Tier- und Pflanzenarten in unseren Wäldern vorgestellt. Schon bald werdet Ihr Fichten und Tannen voneinander unterscheiden und Tiere aufzählen können, denen man beim Waldspaziergang am ehesten begegnet. Und Ihr erhaltet Tipps, wie nachhaltiges Walderleben für Erwachsene und Kinder noch mehr Spaß machen kann. Mit diesem Buch schauen wir auch gemeinsam in die Zukunft und fragen uns, wohin sich der Wald entwickeln könnte. Denn obwohl es beim Thema Wald vor allem um das Analoge geht, hält auch hier die Digitalisierung und der technische Fortschritt Einzug.

Die Idee hinter unserem Buch ist eigentlich die gleiche, die wir mit all unseren Plattformen, vor allem aber mit der Website und dem Blog verfolgen. Wir wollen Wissen über den Wald leicht zugänglich machen und für den Wald begeistern. Wichtig ist uns dabei, den Wald als Ganzes zu erfassen und die verschiedenen Perspektiven einzunehmen. Deshalb ist unser Buch nicht nur Waldführer, sondern zeigt mit einer gehörigen Portion Realismus auf, warum wir den Wald brauchen – und er uns.

Warum ausgerechnet ein Buch?

In unserem Buch können wir unsere Inhalte nochmal anders und neu angehen, manchen Themen mehr Platz geben oder für eine neue Übersichtlichkeit sorgen. Und vor allem: Ein Buch bleibt. Das Haptische eines Buches sorgt dafür, dass man Informationen anders, teilweise besser aufnehmen kann. Man kann sich Wichtiges markieren, vielleicht sogar Eselsohren reinmachen. Man kann ein Buch verschenken und sich darüber austauschen, wie man es über einen Artikel im Internet selten macht. Außerdem lädt es zum Blättern und Schmökern ein, das kann man über keine Internetseite sagen.

Klingt toll, wo kriege ich dieses Buch?

Bei uns! Und überall, wo es Bücher gibt. Ihr könnt also in den Buchladen Eures Vertrauens gehen, besonders gerne natürlich in unabhängige Buchhandlungen, und dort dieses Buch kaufen. Genauso könnt Ihr das Buch natürlich in allen bekannten Online-Shops bestellen – und auch bei uns.

Wenn Ihr das Buch bei uns (vor-)bestellt, verdienen wir ein klein wenig mehr daran. Da wir alle Einnahmen aus dem Buch verwenden, um unser Projekt und damit die Bildungsarbeit für Naturthemen weiter voranzutreiben, freuen wir uns, wenn Ihr uns mit einem Kauf in unserem Shop direkt unterstützt. Als kleines Add-On werden wir alle bei uns im Shop vorbestellten Exemplare persönlich für Euch signieren!

Als Autor:in verdient man erst so richtig gut, wenn man sämtliche Bestsellerlisten anführt. Bis dahin muss man sich mit Anteilen am Verkaufspreis zufriedengeben, nachdem Kosten für Druck und Material abgezogen wurden und natürlich andere Akteure wie Handel und Verlag ihre Anteile bestimmt haben. Wenn wir über unseren eigenen Shop verkaufen, ist unser Anteil vom Kuchen einfach etwas größer. Dadurch wird es uns ermöglicht, unsere Arbeit fortzuführen und mehr solcher Bildungsprojekte umzusetzen!

Hab ich da was von Lesung gehört?

Absolut! Das Erscheinen unseres ersten Buches wollen wir mit Euch feiern. Und deswegen veranstalten wir unsere erste Lesung in unserer Geburtststadt Göttingen: 

Datum: 20. März 2026
Zeit: 19:00 – 21:00 Uhr
Veranstaltungsort: Nörgelbuff
Adresse: Gronerstraße 23, 37073 Göttingen
Abendkasse: 20 €
Vorverkauf: 15 € (zzgl. Gebühren)
Kulturticket (gilt für Studis aus Göttingen): VVK 1 € (zzgl. Gebühren), AK 5 €

Tickets bekommt Ihr hier:

Was erwartet mich bei der Lesung?

Felix darf unter Beweis stellen, dass er das Buch tatsächlich endlich komplett durchgelesen hat (kein Versprechen, testen wir dann gemeinsam). Er, Lea und Jan führen uns etwas durch das Buch, erzählen von seiner Entstehungsgeschichte und lesen vielleicht die ein oder andere Stelle vor. Außerdem zeigen wir Filme und werden bestimmt auch die ein oder andere witzige oder abenteuerliche Geschichte aus 6 Jahren Forst erklärt erzählen. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen von Forst erklärt und von dem Prozess, ein Buch zu schreiben. Vor allem wollen wir aber diesen Meilenstein zusammen feiern!

Im Anschluss an die Lesung gibt es natürlich die Möglichkeit, das Buch und weiteren Forst erklärt-Merch zu kaufen und ne Runde zu plaudern.

Danach (ab 22 Uhr) legt Jan bei der Indie Party “Ich geh heut tanzen” auf und alle, die schon bei der Lesung waren, kriegen einen Rabatt auf den Einlass! Es wird schön und vielleicht auch ein bisschen wild! Bis bald im Buff!

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Flößerei: Wie kam früher das Holz zu uns? https://forsterklaert.de/floesserei https://forsterklaert.de/floesserei#respond Sun, 08 Feb 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6388 Schon seit vielen Jahrhunderten fällen wir Holz in den Wäldern. Doch wie fand das Holz früher seinen Weg ins Tal?...

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Schon seit vielen Jahrhunderten fällen wir Holz in den Wäldern. Doch wie fand das Holz früher seinen Weg ins Tal? Und wie kam es von dort in das Sägewerk, bis wir es letztendlich als Möbelstück, Bauholz, Brennholz oder weitere Produkte kaufen konnten? Ab dem 15. Jahrhundert war die Flößerei ein wichtiges Handwerk zum Holztransport. Stämme sind mühselig den Hang entlang ins Tal gebracht worden. Anschließend gelangten sie über einen Fluss an ihren Zielort. Klingt aufregend? Mehr dazu erfahrt Ihr in diesem Artikel!

Rutsch mir doch den Hang hinunter!

Heute sind meist Maschinen wie Harvester und Forwarder dafür zuständig, die schweren Holzstämme aus dem Wald zu bringen. In Hanglagen, wenn es sehr steil wird, kommen Seilkräne und Hubschrauber zum Einsatz, die das Holz ins Tal befördern. Doch bevor es all diese Erfindungen gab, haben die Menschen auf natürliche Mittel zurückgegriffen. Sie bauten Holzriesen den Hang entlang durch den Wald bis ins Tal. Eine Riese ist eine Erdrinne, welche die Waldarbeiter für sich nutzten und erweiterten, um Stammholz das Tal hinunter rutschen zu lassen. Dabei erreichten die Stämme oft hohe Geschwindigkeiten. Nicht ganz ungefährlich war diese Arbeit. Viele Riesen sahen aus wie eine lange Rutsche. Zusätzlich hat man sie im Winter vereist oder im Sommer geölt, damit der Holzstamm geschmeidig ans Wasser „geriest“ werden konnte.

Die “Holzriese an der Eng” war ursprünglich 7 km lang. Heute erinnert sie an die schwere Arbeit der Holzknechte.

Wusstest Du schon…?
Größere Holzriesen wurden mit Holz ausgebaut. Dieses Holz war oft ein Drittel des Holzeinschlags. Nachdem alle Stämme das Tal erreicht hatten, wurde die Holzriese von oben beginnend abgebaut und ist ebenfalls ins Tal gerutscht und in das Floß eingebaut worden.

Aber wozu ein Floß bauen? Flößerei macht‘s möglich

Einzelne Stämme, die als Brennholz dienen sollten, hat man bei der Trift (so nannte man diesen Vorgang) den Fluss hinab geschickt. Das bedeutet, dass man sie lose in den Fluss geschmissen und nach wenigen Kilometern wieder herausgezogen und weiterverarbeitet hat.

Mit sogenannten Wieden, eingeweichte Haselnuss- oder Weidenzweige, wurde das Floß zusammengezurrt.

Stämme, die später als Stammholz verwendet werden sollten, wurden unten im Tal in Poltern gelagert. Ein Polter ist ein Holzlagerplatz, wo die Stämme gelagert werden, bis sie nach der Holzernte zu einem Floß zusammengebaut wurden. Mit Wieden wurde das Floß zusammengebaut. Wieden sind Zweige aus Weide oder Haselnuss, aber auch Fichte oder Tanne. Weicht man sie im Wasser ein, kann man sie als Zurrmaterial verwenden und so die einzelnen Stämme für das Floß miteinander verbinden. Habt Ihr schon einmal etwas aus Zweigen gebastelt? Die Zweige der Korbweide dienen bis heute zum Flechten von Körben. Mehr über die Weide erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Mithilfe von Wasser und viel Körpereinsatz hat man das Holz so auf Flüssen zum Zielort geliefert. Die Floßmeister, auch Schiffer genannt, und Floßknechte legten mit dem Floß teils tausende Kilometer zurück und sind anschließend auf einem langen Heimweg zu ihrem Heimatort zurückgelaufen. Während die Floßmeister beruflich als Holz- oder auch Steinhändler aktiv waren, waren die Floßknechte ihre Bediensteten, die für den Bau des Floßes eingestellt wurden.

Mit dem sogenannten Flößerhaken, der bis zu 4 m lang war, konnten die Floßknechte das Floß und einzelne Stämme mit der Eisenspitze drehen, lenken, schieben oder auch festhalten.

Bis nach Holland und um die Welt

Holland spielte in der Forstwirtschaft im 17.-19. Jahrhundert eine tragende Rolle. Das eher ressourcenarme Land benötigte große Holzmengen. Für seine zahlreichen Handels- und Kriegsflotten, aber auch für den Hafen- und Städtebau war es auf Nadelholz und Eiche aus anderen Ländern angewiesen. Dicke, lange Fichten- und Tannenstämme nannte man deshalb sogar „Holländer“. Sie brauchten eine Länge von mindestens 30 m und am dünnen Ende einen Durchmesser von 40 cm. Bis heute stehen Teile Hollands auf sogenannten Rammpfählen. Rammpfähle wurden tief in den weichen Boden gerammt und dienten als Fundament für Gebäude. Bei Neubauten verwendet man mittlerweile Betonpfähle anstelle der Holzpfähle.

Durch den Rhein war Holland perfekt an Deutschland und die Schweiz mit den hohen Holzvorräten angebunden. So wurden die meisten Flöße in dieser Zeit aus dem Schwarzwald, dem Frankenwald und den Schweizer Bergen in die Niederlande geschickt. In diesen Zeiten gründeten sich unter anderem die Pforzheimer Flößerzunft oder die Calwer Holzhandelskompanie im Schwarzwald. Im Frankenwald hat man Nebenflüsse begradigt, um Langhölzer flößern zu können. Ganz schöner Aufwand oder? Flöße mit einer Länge von bis zu 300 m – 600 m und einer Besatzung von 500 Personen wurden in sechs Wochen über den Rhein bis nach Holland gebracht. Immer wieder wurden auch Gäste zur Fahrt eingeladen oder Bürger:innen nutzten das Floß als schnelle Mitfahrgelegenheit. Würdet Ihr Euch heute noch auf solch eine lange Fahrt trauen?

Wusstest Du schon…?
Die Holländer entdeckten schon früh die Windkraft für sich. Für den Bau eines Windmühlenflügels waren astfreie Kiefernbalken am besten geeignet. Mithilfe der Flößerei sind sie in die Niederlande geflößt worden. Dieser Reise dauerte bis zu sechs Wochen.

Das Ende der Flößerei 

Gibt es die Flößerei heute noch? Seit der Industrialisierung lösten Maschinen und gut ausgebaute Straßen die Arbeit der Flößerei ab. Über große Maschinen im Wald erfahrt Ihr mehr in diesem Artikel. Darüber hinaus zeigen wir Euch in diesem Video, wie ein Harvester funktioniert.

Capitalfloß auf dem Rhein

Das Holzrücken, also Stämme aus dem Wald an die Straße zu befördern und in Poltern zu lagern, ist bis heute eine wichtige Arbeit. Jedoch spielen die Holzriesen und die Flößerei dabei keine Rolle mehr. In vielen Städten wie Loßburg und Pforzheim im Schwarzwald gibt es Flößermuseen und Wanderwege, auf welchen man mehr über die Flößerei erfährt. Auf der Seite der Deutschen Flößervereinigung seht Ihr mit einem Blick auf die Karte alle Möglichkeiten und Orte, wo Ihr die Flößerei heute noch erleben könnt.

Wusstest Du schon…?
Die Flößerei gehört der Geschichte an, doch Flößervereine lassen gelegentlich das alte Handwerk wieder aufleben und veranstalten Floßfahrten, wie zum Beispiel in Schiltach im Schwarzwald. Sowieso ist der Schwarzwald immer einen Ausflug wert. Schaut doch hierzu mal in diesen Artikel rein!

Vielen Dank an den Bundesvorsitzenden der Deutschen Flößerei-Vereinigung, Martin Spreng! Er hat uns mit Engagement und einigen der schönen Bilder hier im Artikel unterstützt.

Quellen:

https://www.waldwissen.net/de/lernen-und-vermitteln/forstgeschichte/aufzeichnungen-eines-floessers

https://de.wikipedia.org/wiki/Riese_(Holz)

https://www.floesserei-vereinigung.de/wissenswertes

https://www.waldwissen.net/de/lernen-und-vermitteln/der-hollaenderholzhandel

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Lawinenschutzwald: Warum intakte Wälder Leben schützen https://forsterklaert.de/lawinen https://forsterklaert.de/lawinen#respond Sun, 25 Jan 2026 08:54:31 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6373 Auf den ersten Blick wirken verschneite Berggipfel ruhig und harmlos. Doch aus der weißen Pracht kann in Sekunden eine tödliche...

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Auf den ersten Blick wirken verschneite Berggipfel ruhig und harmlos. Doch aus der weißen Pracht kann in Sekunden eine tödliche Gefahr entstehen. Was im Winter idyllisch aussieht, kann im Gebirge schnell gefährlich werden. Schneemassen geraten ins Rutschen und Lawinen entstehen. Eine zentrale, aber oft unterschätzte Rolle spielt dabei der Lawinenschutzwald. Warum der Bergwald dabei eine wichtige Rolle spielt, erklären wir Euch in diesem Artikel.

Gebirgswälder sind mehr als Landschaft. Sie schützen Hänge und Täler vor Lawinen. 

Ursachen und Entstehung von Lawinen

Lawinen können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Durch Tiere, Skifahrer:innen, die sich außerhalb der Piste befinden, oder auch von selbst. Vor allem wenn sich große Schneemassen in sehr steilem Gelände sammeln, steigt die Gefahr, dass diese plötzlich abrutschen können. Lawinen entstehen vor allem an Hängen, welche steiler als 30° sind. Besonders wenn in kurzer Zeit viel Neuschnee fällt, steigt das Risiko für Lawinen. 

Jedes Jahr gehen weltweit etwa 25.000 Lawinen ab – meist ohne dabei jemandem oder etwas Schaden zuzufügen. 

Wusstest Du schon…?
Oft ist beim Wald von drei Funktionen die Rede: Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. In Gebirgsregionen, wie etwa in Österreich, wird jedoch genauer unterschieden, da der Wald dort besonders viele Aufgaben erfüllt. Neben der Nutzfunktion (z. B. Holzproduktion) und der Erholungsfunktion umfasst die sogenannte Wohlfahrtsfunktion unter anderem den Natur-, Klima- und Bodenschutz. Davon getrennt betrachtet man die Schutzfunktion des Waldes: Sie beschreibt den Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Erdrutschen. Gerade im Gebirge ist diese Schutzfunktion entscheidend, um Menschen, Siedlungen und Infrastruktur in den Tälern zu sichern. 

Die meisten Lawinen fügen niemandem Schaden zu. Der Lawinenschutzwald hilft dabei, dass das so bleibt.

Wie der Wald vor Lawinen schützt

Wälder können einen wirksamen Schutz vor Lawinen bieten, was eine der wichtigsten Funktionen des Gebirgswaldes ist. Dabei wirken sie auf zwei unterschiedliche Arten: vorbeugend und abschwächend. 

Besonders bedeutend ist die vorbeugende Schutzwirkung. Ein intakter Wald kann verhindern, dass sich Schneemassen überhaupt erst lösen und eine Lawine entsteht. Er stabilisiert die Schneedecke auf vielfältige Weise: Ein Teil des Schnees bleibt bereits in den Baumkronen hängen und erreicht den Boden gar nicht. Gleichzeitig sorgt der Wald für ein ausgeglicheneres Klima innerhalb des Bestandes. Im Vergleich zu offenen Flächen erwärmt sich der Schnee tagsüber weniger stark und kühlt nachts weniger aus. Dadurch entstehen seltener schwache Schichten im Schnee, die Lawinen begünstigen. Auch der Wind wird im Wald gebremst, sodass es zu weniger Schneeverfrachtungen kommt. Insgesamt wirkt der Wald damit stabilisierend auf die Schneedecke.

Die abschwächende Wirkung des Waldes ist dagegen nicht ganz so stark Lawinen, die weit oberhalb der Waldgrenze anbrechen, lassen sich meist nicht aufhalten. Besonders bei großen Schneemengen und hohen Geschwindigkeiten kann der Wald zerstört werden. Mitgerissene Bäume und Holz verstärken dann sogar die zerstörerische Kraft der Lawine. Zudem können niedrige, vollständig überschneite Bäume oder Arten mit biegsamen, buschartigem Wuchs,  wie etwa die Grünerle, die Lawinenbildung unter Umständen sogar begünstigen.

Hier liegt zum Glück bisher recht wenig Schnee, aber man sieht schon, was der Winterwald so aushalten muss.

Trotzdem kann der Wald eine bremsende Wirkung auf Lawinen haben. Wenn eine Lawine nur knapp oberhalb der Waldgrenze anbricht, kann sie je nach Beschaffenheit des Waldes auch vollständig vom Wald aufgehalten werden. Besonders in der Auslaufzone kann der Wald die Reichweite von Lawinen verringern. 

Doch wie muss ein Wald beschaffen sein, damit er seine Schutzfunktion bestmöglich erfüllen kann?

Schnee und Winter haben auch schöne Seiten.

Was einen guten Lawinenschutzwald ausmacht 

Damit ein Wald ideal vor Lawinen schützen kann, muss er gewisse Bedingungen erfüllen. Ein guter Lawinenschutzwald wird daher als Dauerwald bewirtschaftet, um seine Schutzfunktion langfristig zu sichern. 

Entscheidend ist, dass die Bäume die Schneedecke durchstoßen und so stabilisieren. Als Faustregel gilt: Die Bäume sollten mindestens doppelt so hoch wie die Schneedecke sein. Zusätzlich spielt eine Rolle, wie rau der Boden ist. Unebenheiten am Boden bremsen Schneebewegungen und senken so das Lawinenrisiko. Je nach Hangneigung und Schneehöhe wären dafür teilweise 500 bis 1.000 Stämme pro Hektar notwendig – eine Dichte, die in der Praxis jedoch nur selten erreicht wird.

Bei der Holzernte können Stöcke bewusst höher belassen werden, um die Bodenrauhigkeit zu erhöhen. 

Neben lebenden Bäumen tragen auch Totholz und höhere Stöcke dazu bei, die Bodenrauhigkeit zu erhöhen. Ebenso wichtig ist die Baumartenwahl: Winterkahle Arten wie die Lärche sind besonders widerstandsfähig und finden sich häufig an den Rändern von Lawinengängen. Für die vorbeugende Schutzwirkung sind jedoch vor allem immergrüne Baumarten mit höherer Schneerückhaltefähigkeit, wie etwa die Fichte, von großer Bedeutung. 

Neben der Baumartenwahl ist es ebenso wichtig, dass die Bäume eine gewisse Höhe haben, um effektiv vor Lawinen zu schützen. Eine Lawine kann erst aufgehalten werden, wenn die Bäume mindestens doppelt so hoch sind wie die Schneedecke.  

Wo Wald an Grenzen stößt, hilft Technik

Klimawandel, großflächige Borkenkäferkalamitäten und starker Wildverbiss setzen den Lawinenschutzwald zunehmend unter Druck. Ist der Wald geschädigt oder fehlt er ganz, kann er seine Schutzfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen. In solchen Fällen kommen zusätzliche technische Maßnahmen zum Einsatz, um Täler und Siedlungen vor Lawinen zu schützen.

In Österreich übernimmt diese Aufgabe unter anderem die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) als Teil des Forsttechnischen Dienstes. Neben der gezielten Bewirtschaftung und Wiederherstellung von Schutzwäldern plant und realisiert die WLV auch technische Schutzmaßnahmen – insbesondere dort, wo kein Wald vorhanden ist oder ein zusätzlicher Schutz erforderlich ist. 

Stahlschneebrücken im Lesachtal verhindern das Anbrechen von Lawinen.

Das Spektrum dieser Maßnahmen ist breit: Es reicht von kleineren Eingriffen wie Seil- und Schneenetzen, die die Bodenrauhigkeit erhöhen und Schneebewegungen bremsen, bis hin zu großdimensionierten Bauwerken wie Stahlschneebrücken oder Lawinenauffangdämmen, die ganze Gemeinden in den Tälern schützen.

Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt der intakte Schutzwald jedoch die effektivste und kostengünstigste Lösung. Technische Bauwerke verursachen häufig ein Vielfaches der Kosten im Vergleich zur langfristigen Erhaltung und Pflege eines funktionsfähigen Lawinenschutzwaldes.

Wusstest Du schon…?
Ein intakter Schutzwald ist deutlich kostengünstiger als technische Lawinenschutzmaßnahmen. Als Faustregel gilt: Die Kosten verhalten sich etwa wie 1:10:100 – für Erhaltung des Waldes, Wiederherstellung des Waldes und technische Bauwerke.

Lawinenauffangdämme halten Schneemassen auf, wie hier in der Steiermark.

Schutzwald – auch bei uns ein Zukunftsthema  

Die Schutzfunktion des Waldes, etwa vor Lawinen, Steinschlag oder Erdrutschen, spielt im deutschen Forststudium bislang eine eher untergeordnete Rolle. Das ist angesichts der Topografie Deutschlands nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigen zunehmende Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, dass der Wald auch hierzulande eine wichtige Schutzfunktion übernimmt. Diese wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. 

In alpinen Regionen ist das Wissen über den Lawinenschutzwald dagegen präsenter. Viele Wintersportler:innen begegnen ihm im Skiurlaub, oft ohne sich dessen Wirkung bewusst zu sein. Umso wichtiger ist es, die Schutzfunktion des Waldes sichtbar zu machen, nicht nur in den Bergen, sondern auch vor unserer eigenen Haustür. 

Habt Ihr schon einmal vom Lawinenschutzwald oder von der Schutzfunktion des Waldes gehört? Schreibt es gerne in die Kommentare!

Quellen:

Huber, A.; Hainzer, E.; Kofler, A.; Fischer, J.-T. (2015) Die Schutzwirkung des Waldes in der Lawinensimulation. Ländlicher Raum. 03/2015 https://www.bmluk.gv.at/dam/jcr:57e4ab87-3216-41fb-a11f-0fc38baa089e/09_Schutzwirkungen%20des%20Waldes.pdf

Margreth, S. (2004) Die Wirkung des Waldes bei Lawinen. Forum für Wissen 21-26 https://www.waldwissen.net/assets/wald/schutzfunktion/schnee/wsl_wald_lawinen/download/wsl_wald_lawinen_originalartikel.pdf.pdf

Neumann, M. (2025) Schutzwirkung von Wald gegen Lawinen. Lehrveranstaltung Spezieller Waldbau für Schutzwälder. 10.04.2025. Universität für Bodenkultur, Wien 

https://www.wsl.ch/de/news/ab-wann-baeume-vor-lawinen-schuetzen

https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/18219-rtkl-weisse-wucht-wie-entsteht-eine-lawine

https://www.naturgefahren.at/naturgefahrenmanagement/diewildbachundlawinenverbauung.html

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Vom Weihnachtsbrauch zum Waldproblem? Wie Misteln unsere Bäume beeinflussen https://forsterklaert.de/mistel https://forsterklaert.de/mistel#respond Sun, 18 Jan 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6261 Wer sich unter einem Mistelzweig küsst, dem werden Glück, Liebe und eine lange Beziehung versprochen. Als Weihnachtsbrauch hängt die Mistel...

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Wer sich unter einem Mistelzweig küsst, dem werden Glück, Liebe und eine lange Beziehung versprochen. Als Weihnachtsbrauch hängt die Mistel bei vielen im Türrahmen. Im Wald jedoch sorgt sie weniger für Romantik, sondern kann für Bäume zur Belastung werden. Was die Mistel eigentlich ist und warum sie immer mehr zum Problem wird, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Grüne Mistel Büsche in kahler, winterlicher Krone eines Laubbaumes.
Grüne Mistel Büsche in kahler, winterlicher Krone eines Laubbaumes.

Schmarotzer des Waldes

Die Mistel (Viscum album L.) zählt zu den wenigen parasitischen Pflanzen in Deutschland. Schaut man jedoch genauer hin, entpuppt sie sich gar nicht als „echter“ Parasit. Vielmehr handelt es sich bei der Mistel um einen sogenannten Halbparasiten oder Halbschmarotzer. Wie jede andere grüne Pflanze betreibt auch sie Photosynthese und deckt einen Großteil ihres Nährstoffbedarfs selbst, weshalb sie nur ein “Halb”parasit ist. Da Misteln meist hoch oben in der Baumkrone wachsen, haben sie keinen Kontakt zum Boden. An Wasser und Bodennährstoffe gelangen sie deshalb nicht aus eigener Kraft. Stattdessen nutzen sie ihren Wirt, den Baum, auf dem sie leben, wie eine natürliche Versorgungsleitung: Über dessen Leitbahnen lässt sich die Mistel Wasser und Nährstoffe vom Wurzelbereich bis hinauf in die Krone transportieren. Dort oben entwickeln sich die grünen Büsche, die erstaunlich langlebig sind und bis zu 60 Jahre alt werden können.

Wusstest Du schon…?
Die Mistel gilt als Heilpflanze. Mit Misteln werden nicht nur Gelenkbeschwerden behandelt, sie lindert auch Schmerzen bei bösartigen Tumoren und hat positive Auswirkungen auf die Psyche. Zum Einsatz kommt sie dabei auf verschiedene Weise: als Tropfen, Säfte, Tabletten oder Injektionen bei Krebstherapien. Unverarbeitet ist die Mistel jedoch giftig und kann beim Menschen zu Magenproblemen führen.

Hier haben wir in Orange grob nachgezeichnet, wie weit die Mistel in einen Ast hereinwächst. Ganz schön frech, oder?

Wie erkennt Ihr Misteln?

Am einfachsten lassen sich Misteln im Winter entdecken. Dann heben sich die grünen, kugeligen Büsche deutlich von den sonst kahlen Baumkronen ab. Manche erreichen dabei einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Da Misteln Sonne und Wärme lieben, befinden sie sich meist hoch oben im Kronenbereich der Bäume. Ihre ledrigen, länglichen Blätter sind immergrün und behalten das ganze Jahr über ihre Farbe. Im Frühjahr, zwischen März und Mai, blüht die Mistel gelblich-grün. Im Spätherbst bildet die Mistel ihre Samen in den typisch klebrigen, weißen Beeren.

Winterkahler Laubbaum mit starkem Mistelbefall
Bei diesem Laubbaum sieht man erst im Winter, wie stark die Krone mit Misteln befallen ist. 

Wusstest Du schon…?
Die Mistel steht nicht unter Naturschutz. Als Privatperson dürft Ihr daher beim Spaziergang in der freien Natur kleine Mengen mitnehmen. Vorausgesetzt, Ihr kommt überhaupt an sie heran. Erlaubt ist das über die sogenannte “Handstraußregelung”: Man darf so viele mitnehmen, wie in eine Hand passen.

Fliegende Helfer: Vögel als Mistel-Verbreiter

Misteln und Vögel sind ein perfektes Team. Die Pflanzen können sich nicht selbst verbreiten und sind daher auf die gefiederten Helfer angewiesen. Gleichzeitig sind die Beeren der Mistel ein willkommener und wichtiger Winter-Snack für einige Vogelarten wie die Misteldrossel oder Mönchsgrasmücke, die als Hauptverbreiter der Halbschmarotzer gelten. Beim Auszupfen der Beeren wird die zähe Fruchtwand verletzt, erst dadurch kann der darin enthaltene Samen keimen. Da die Beeren nur kurz im Verdauungstrakt der Vögel bleiben, legt der Samen keine besonders weiten Strecken zurück und wird schließlich irgendwann wieder ausgeschieden. Zudem sind die Beeren stark klebrig und bleiben häufig an Schnabel oder Federn der Vögel haften. Beim Abstreifen an Ästen oder der Rinde bleibt der Samen zurück, wodurch sich dort neue Misteln bilden können. 

Die weißen Beere einer Mistel
Das sind die weißen, klebrigen Beeren der Mistel.

Wusstest Du schon…?
In Mitteleuropa unterscheidet man drei Unterarten der Mistel. Die Laubholzmistel besiedelt viele verschiedene Baumarten, z.B. Linden, Pappeln und Obstbäume. Die Tannenmistel und die Kiefernmistel haben ihre Lieblingswirte bereits im Namen verraten. Spannend ist, dass auf der Buche trotz allem keine Misteln wachsen. Ein kleines Rätsel der Natur, das zeigt, wie speziell diese grünen Halbschmarotzer ihren Platz im Wald finden.

Der Zapfhahn der Mistel

Ist der Samen des grünen Halbschamrotzers erst einmal auf der Rinde gekeimt, entwickeln sich sogenannte Saug- oder auch Senkwurzel, die in die Leitbahnen des Baumes hineinwächst und Wasser sowie Nährstoffe „anzapft“. Das Einwachsen der Wurzel kann sogar den Wert des Holzes mindern. Doch der Baum ist nicht wehrlos. Besonders gesunde Bäume können sich behaupten. Mit ihrem stetigen Dickenwachstum überwachsen sie die Mistel im Laufe der Zeit regelrecht, bis diese schließlich abstirbt.

Grüner Mistelbusch am Stamm einer Kiefer
Ein grüner Mistelbusch am Stamm einer Kiefer sieht fast aus wie ein Vogelnest. 

Gewinner des Klimawandels 

Aber warum wird die Mistel immer öfter kritisch gesehen? In den letzten Jahren hat sich die Mistel stark verbreitet. Die zunehmende Trockenheit hat viele Bäume geschwächt. Das macht es den Misteln leicht, sich auf ihren Wirten festzusetzen. Schwache Bäume können neu keimende Misteln nur schwer überwachsen. Zudem verlieren beispielsweise geschwächte Nadelbäume häufig ihre Nadeln, wodurch sich ihre Krone öffnet und für mehr Licht sorgt, was das Wachstum der Mistel begünstigt.

Besonders Kiefern (Pinus sylvestris) sind betroffen. Normalerweise regulieren sie in Trockenzeiten ihren Wasserverbrauch, indem sie die Atemöffnungen ihrer Nadeln schließen. Misteln hingegen tun das nicht: Sie zapfen weiterhin Wasser aus den Leitbahnen der Kiefer ab, genau dann, wenn der Baum ohnehin schon wenig Wasser zur Verfügung hat. Das setzt den Baum zusätzlich unter Stress. Bei stark befallenen Bäumen kann dies im schlimmsten Fall zum Absterben führen. Zudem sind geschwächte Bäume ein leichtes Ziel für weitere Schädlinge. Ist ein Gebiet einmal befallen, kann sich die Mistel in den kommenden Jahren auf die umliegenden Bäume ausbreiten. Tröstlich ist jedoch, dass dies nicht sofort passiert: Oft dauert es mehrere Jahre, sodass es noch Handlungsmöglichkeiten gibt, bevor der Befall kritisch wird.

Kiefer mit Mistelbefall in der Krone
Kiefer mit Mistelbefall in der Krone: Die grünen Büsche unten links und rechts fügen sich fast nahtlos zwischen die Nadeln ein.

Nach all der weihnachtlichen Stimmung des letzten Monats hättet Ihr gedacht, dass die Mistel, die wir als romantischen Weihnachtsbrauch kennen, sich in Wirklichkeit als zunehmendes Problem unserer Wälder darstellt? Schreibt es uns in die Kommentare.

Dieser Artikel ist von unserer neuen Autorin Laura! Ganz schön cool für einen allerersten Artikel, oder?

Quellen:

https://pflanzen.fnr.de/industriepflanzen/arzneipflanzen/pflanzen-auswahl/mistel

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/straeucher-krautpflanzen/biologie-der-mistel

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/kiefern-mistel-ein-zukunftsproblem

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/trockenheit/ungebetene-saeufer

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/klima-und-umwelt/klimawandel-und-co2/mehr-misteln-wegen-der-klimaerwaermung

https://www.br.de/radio/bayern1/misteln-naturschutz-100.html

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WMADWR #30 Mit Baldrian auf Katzensuche https://forsterklaert.de/wmadwr30wildkatze https://forsterklaert.de/wmadwr30wildkatze#respond Sun, 11 Jan 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6259 Im vergangenen Herbst haben Felix und Jan reichlich Baldrian geschnüffelt und sich auf die Suche nach ihren Artgenossen gemacht –...

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Im vergangenen Herbst haben Felix und Jan reichlich Baldrian geschnüffelt und sich auf die Suche nach ihren Artgenossen gemacht – den Europäischen Wildkatzen. Der BUND e.V. ist seit einiger Zeit im Siebengebirge bei Bonn aktiv und unterstützt dort die Rückkehr der Wildkatze, die in Deutschland fast ausgestorben war. Während Felix ein Video zu den “Wildkatzenwäldern von morgen” moderiert hat, hat Jan sich mit Katharina und Dominic im Podcast über die Wildkatze unterhalten. Die drei teilen mit Euch die spannendsten und wichtigsten Infos zur Wildkatze: Wie unterscheiden sich Hauskatzen und Wildkatzen? Was tun, wenn man Wildkatzenjunge findet? Spoilerwarnung: Die Tierchen sind echt garstig! Und natürlich am allerwichtigsten: Wo findet man die Wildkatze und wie können wir Wälder so gestalten und bewirtschaften, dass sich die Wildkatzen wieder wohl fühlen und wieder Teil des Ökosystems Wald werden? 

Die drei hatten offensichtlich Spaß bei der Podcast-Aufnahme!

Im Podcast erfahrt Ihr dann auch, was es mit dem Baldriangeschnüffel auf sich hat und wieso im Siebengebirge doch kein Merinoschaf rumläuft…ein kleiner Cliffhanger.

Wenn Ihr nochmal einige Infos zur Wildkatze nachlesen wollt, haben wir hier auch noch einen Artikel für Euch!

Schaut gerne mal bei den BUND Landes- und Regionalgruppen vorbei und engagiert Euch für den Naturschutz vor Ort (und habt im schlimmsten Fall einen Tag im Wald verbracht 😉 )! Wir freuen uns immer sehr, wenn sich viele für den Wald und unsere Umwelt interessieren und engagieren:

https://www.bund.net/tiere-pflanzen/wildkatze/projekt-wildkatzenwaelder-von-morgen

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr sogar selbst mal mit uns quatschen?

Viel Spaß beim Zuhören!

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Darf ich Wildtiere füttern – Weihnachten Gutes für die Wildtiere tun https://forsterklaert.de/weihnachten https://forsterklaert.de/weihnachten#respond Sun, 21 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6246 Weihnachten steht vor der Tür und egal, ob man feiert oder nicht: Die Schulen und Universitäten sind zu, auf der...

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Weihnachten steht vor der Tür und egal, ob man feiert oder nicht: Die Schulen und Universitäten sind zu, auf der Arbeit ist nicht viel los und die meisten Leute haben frei. Toll! Endlich Zeit, mal wieder in den Wald zu gehen. Zu dieser besonderen Zeit im Jahr überlegt vielleicht der ein oder die andere, ob man den Spaziergang etwas anders gestalten kann. Setzt man da mal eine der gängigen Suchmaschinen in Gang, kommt schnell ein Vorschlag: Tierweihnacht. Was ist das und können wir das empfehlen? Das erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Ast mit verwelktem Laub, schneebedeckt
Alles ist (machmal) schneebedeckt und die Pflanzen schon verwelkt. Muss man den Tieren da unter die Arme oder Hufe greifen?

Tierweihnacht mit Kindern

Bei meiner ersten Recherche (Google-Suche) zu “Weihnachten Wald” war direkt der erste Vorschlag bei den weiteren Fragen “Welche Tiere im Wald kann man zu Weihnachten füttern?”. Hab ich natürlich nicht verstanden, also direkt angeklickt. Die KI-Zusammenfassung fängt mit folgendem Satz an: “Es ist keine gute Idee, große Wildtiere wie Rehe, Füchse oder Wildschweine im Wald zu füttern, da dies gegen Gesetze verstoßen kann und schädlich für die Tiere ist.”

Zwei Einträge später berichtet aber ein Lifestyle-Blog von der wundervollen Familientradition der Tierweihnacht. Am ersten Weihnachtstag gehen die Eltern mit ihren Kindern in den Wald und bringen den Tieren ihre Geschenke, also Nahrung, die sie in den letzten Monaten gesammelt haben. Etwas Ähnliches berichtet auch ein Zeitschriftenartikel für Kitas. Die Gruppe hat Futtergeschenke zusammengestellt und in ein Waldstück gebracht. Dabei haben sie viel über den Wald und die Tiere gelernt. Die Aktion kam bei den Kleinen so gut an, dass daraus eine Tradition für die nächsten Jahre werden sollte.

Was also ist richtig? Darf man Tieren im Winter Futtergeschenke machen und ihnen ein Weihnachten bescheren?

Eine Ente schwimmt auf dem Wasser und spreizt die Flügel
Wo wir schon beim Thema Tiere füttern sind: Dass man Enten mit Brot füttern sollte, ist ein Mythos. Menschenfutter bleibt in den meisten Fällen am besten beim Menschen.

Gute Frage!

Kennt Ihr noch “GuteFrage.net”? Das ist ein Online-Forum, in dem alle ihre offenen Fragen stellen können und irgendwelche anderen User:innen geben dann Antworten. Expertise ist hierbei erstmal egal. Vor ein paar Jahren hat eine Userin eine ganz ähnliche Idee gehabt wie der Lifestyle-Blog:

"Weihnachten für Waldtiere? gerne würde ich mit meinen Mädchen und Eltern an heilig abend in den Wald gehen und dort einen Baum für Tiere schmücken mit essen...gefüllte Kokosnüsse etc....hättet ihr Ideen, was alles wichtig wäre an Lebensmitteln damit wir an alle Tierlein denken und Zero waste vllt auch mitbedienen."

Ihren Vorschlag, Kokosnüsse in Bäume zu hängen, lehnen die Antworten (zum Glück) alle ab. Genauso einig sind sie sich in ihrem Tipp, Kontakt zu den Förster:innen, Jäger:innen oder den Waldbesitzer:innen aufzunehmen und erstmal zu fragen. Wie praktisch, dass wir unseren eigenen Förster und Jäger:innen im Team haben.

Das sagt Jäger Felix

Felix guckt ernst und erhebt den Zeigefinger
Felix ist schon seit Jahren Jäger und kennt sich daher gut mit den geltenden Gesetzen und Regeln aus.

Tierweihnacht mit Geschenken?

Die Tradition, an Weihnachten mit der ganzen Familie raus in den Wald zu gehen, ist super schön. Auch die Idee, das Ganze mit einem besonderen Anlass zu verknüpfen, ist schön und nachvollziehbar. Die Geschenke für die Tiere sollte man aber Zuhause lassen.

Welchen Tieren darf man sich nähern?

Mal ganz abgesehen vom Füttern selbst, sollte man sich keinem wilden Tier nähern, gerade im Winter. Das löst bei den Tieren Stress aus und die meisten fliehen. Das verbraucht hohe Energiemengen, die die Tiere in den kalten Monaten nicht erübrigen können.

Darf man Tiere im Wald füttern?

Nein, nie. Das ist in allen Landesjagdgesetzen ausdrücklich verboten. Ein paar Kastanien zu sammeln und an Weihnachten in den Wald zu bringen, ist zwar sehr nett gemeint, kann aber auch schlimme Konsequenzen für die Tiere haben. Das Verhalten und das ganze Verdauungssystem der Tiere passt sich an die kalten, eher nahrungsarmen Monate an. Sie verbrauchen weniger Energie und verbrennen die Fettschicht, die sie sich im Sommer und Herbst angefressen haben. Die Tiere sind nicht mehr auf viel Nahrung angewiesen. Sollten die Tiere auf einen Schlag “zu viel” oder das falsche Futter finden, kann sich ihr auf den Winter eingestelltes Verdauungssystem hochfahren. Stellt sich das System auf Frühling (mit viel Nahrung) um, fährt auch der Energieverbrauch wieder hoch. Liegen dann noch einige Frostmonate vor ihnen, können sie ein riesiges Problem kriegen und das Verdauungssystem muss sich wieder anpassen.

Wenn man dann regelmäßig füttern würde, würde man sehr in das natürliche Gleichgewicht des Waldes eingreifen. Vor allem, weil man das erste Ungleichgewicht selbst verursacht hat. Und ein weiteres Problem entsteht: Regelmäßige Futterstellen werden zu Sammelplätzen für die Tiere. So treffen viel mehr Tiere viel öfter zusammen, als sie es natürlicherweise tun würden. Die Konsequenz? Krankheiten können sich viel leichter verbreiten. So kann die gut gemeinte Idee, die Tiere gesund durch den Winter bringen sollte, sie stattdessen krank werden lassen. Und kranke Tiere haben im Winter viel schlechtere Chancen.

Ein Rothirsch steht auf einer Lichtung und brüllt
Die Organe vom Rothirsch passen sich der Jahreszeit an.

Wusstest Du schon…?
Im Winter schrumpfen die Organe von Rothirsch und Co., damit weniger Energie verbraucht wird. Auch ihr Ruhepuls verringert sich stark, wie man es auch bei anderen Wildtieren in der Winterruhe kennt. Sogar die Darmwand passt sich der kargen Nahrung an und die Tiere benötigen weniger Futter und verwerten dieses deutlich besser.

Aber können wir nicht mal zu Weihnachten eine Ausnahme machen?

Im Gesetz gibt es eine Ausnahme, der sind Daten und Feiertage aber ziemlich egal. Es geht nur darum, ob eine so genannte Notzeit herrscht. Wenn so eine Notzeit offiziell ausgerufen wird, dann dürfen Wildtiere gefüttert werden. Aber das heißt immer noch nicht, dass wir alle Geschenke in den Wald bringen sollten. Die Fütterung übernehmen die Jäger:innen, bzw. die Jagdpächter:innen. Die sind für die Tiere in dem Gebiet, das sie gepachtet haben, verantwortlich und damit in der sinnvollsten Position, sich um die Fütterung zu kümmern. Das ist zum Wohl der Tiere, denn die Jäger:innen wissen am genauesten, wie viele welcher Tierarten in ihrem Gebiet leben und welche Pflanzen dort wachsen. Sie können also auch das reguläre Futterangebot gut einschätzen und mit ihrer Fütterung möglichst passend nachahmen.

Ein Rehkitz liegt im Gras
Die Aufzuchtsphase ist sensibel, eine harte Kälteperiode in der Zeit kann vielen Tieren richtig Stress machen.

Weihnachten ist keine Notzeit

Notzeiten sind in der Vergangenheit mal vorgekommen, wenn im Frühling, also ungefähr März oder April, noch eine längere oder härtere Frostperiode kam und eine dicke Schneedecke mögliches Futter bedeckt hat. Zu diesem Zeitpunkt haben viele Tiere ihre Fettreserven aufgebraucht und brauchen frische Nahrung, gleichzeitig sind einige Tiere trächtig (also schwanger) oder bekommen schon Nachwuchs. Das ist also eine sehr sensible Zeit in der Tierwelt, in der eine Frostperiode wirklich Konsequenzen haben kann. Aber aktuell zeichnet sich ab, dass es solche Notzeiten eigentlich nicht mehr gibt. Wegen des Klimawandels sind unsere Winter immer milder geworden und die kurzen kalten Phasen, die wir noch haben, machen den Tieren wenig aus.

Wusstest Du schon…?
Es mag hart erscheinen, aber so herausfordernde Zeiten wie frostige Winter sind in der Natur vorgesehen. So sortiert die Natur selbst die kranken und schwachen Tiere aus. Dadurch wird der Bestand mit starken Tieren gesichert und gleichzeitig reguliert. Dass wir mancherorts eine Wildschweinplage haben, die ganze landwirtschaftliche Felder platt machen und Unheil anrichten, liegt auch daran, dass kaum noch Frischlinge im Winter erfrieren.

Was kann man stattdessen machen?

Statt die Tiere im Wald zu füttern und eine Tierweihnacht zu veranstalten, kann man vor der eigenen Haustür schauen. Im dicht besiedelten Gebiet finden die Tiere viel weniger Nahrung als im Wald, vor allem wenn einige in der Nachbarschaft Steingärten schön finden. Man kann sich also erkundigen, ob man Anlaufstellen für Igel anlegen sollte, welche Vogelhäuschen schön und sinnvoll wären und wo man Meisenknödel, also Vogelfutter, aufhängen kann. Bei all dem lohnt es sich, vorher herauszufinden, was die Tiere in der Nähe brauchen. Der Nabu oder der BUND sind dafür zum Beispiel meistens gute Anlaufstellen. Wenn Ihr Ideen sucht, was Ihr in Eurem eigenen Garten machen könnt, oder eine Anleitung braucht, um selbst Vogelhäuschen zu basteln, schaut mal hier vorbei.

In dem eingangs erwähnten Lifestyleblog erzählt die Autorin, dass sie neben der Geschenkaktion auch mit ihren Kindern einen Baum weihnachtlich schmückt und die Tee- bzw. Kaffeezeit des Weihnachtstages in den Wald verlegt. Da am Ende sowohl Deko als auch Snacks komplett wieder mit nach Hause genommen werden, klingt das nach einer schönen, festlichen Aktion für die Kinder! Vielleicht könnt Ihr Euch lieber von dieser Idee inspirieren lassen.

Es hängen drei Beutel mit Vogelfutter aus, auf dem mittleren sitzt ein Vogel
In städtischen, verbauten Gebieten kann man Vögeln mit etwas extra Futter im Winter etwas Gutes tun.

Wünscht Ihr Euch weitere Vorschläge, was man für den Wald tun kann oder welche Aktionen man mit und ohne Kindern auch im Winter im Wald machen kann? Dann schreibt es uns in die Kommentare! Bis dahin wünschen wir Euch schöne Feiertage und ein schönes neues Jahr! Natürlich begleitet Forst erklärt Euch auch durch die nächsten 12 Monate, online, im Wald und mit unserem Kalender. Bis bald im Wald!

Der Beitrag Darf ich Wildtiere füttern – Weihnachten Gutes für die Wildtiere tun erschien zuerst auf Forst erklärt.

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WMADWR #29 Was verraten uns Jahrringe? https://forsterklaert.de/wmadwr29jahrringe https://forsterklaert.de/wmadwr29jahrringe#respond Fri, 19 Dec 2025 14:04:20 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6255 In dieser Folge ist Felix das erste Mal alleine zur Podcastaufnahme unterwegs. Er ist zu Besuch bei dem Forstwissenschaftler des Jahres: Prof....

Der Beitrag WMADWR #29 Was verraten uns Jahrringe? erschien zuerst auf Forst erklärt.

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In dieser Folge ist Felix das erste Mal alleine zur Podcastaufnahme unterwegs. Er ist zu Besuch bei dem Forstwissenschaftler des Jahres: Prof. Dr. Ernst van der Maaten. Er ist Dendrowissenschaftler und Professor an der TU Dresden. In der Dendrowissenschaft werden die Jahrringe der Bäume ganz genau untersucht. Wächst ein Baum besonders gut, dann sind die Jahrringe schön breit. Viel interessanter ist aber die Zeit, in der die Jahrringe der Bäume sehr dünn sind. Dann sind die Wachstumsbedingungen schlecht, beispielsweise in trockenen und heißen Jahren. Und welche Auswirkungen das auf das Wachstum der Bäume, ihre Überlebenschancen im Klimawandel und das Waldgefüge hat, das untersucht Ernst. Was ihn zu dem Forstwissenschaftler des Jahres macht, erfahrt Ihr dann später vom Träger des Deutschen Forstwissenschaftspreises 2025.

Eingeladen wurden wir von der Eva-Mayr-Stihl Stiftung. Die Stiftung fördert unter anderem in den Bereichen Medizin, Kunst & Kultur und weiteren Feldern. Aber vor allem auch im Bereich Wissenschaft & Forschung, insbesondere im Bereich Wald. Die Eva-Mayr-Stihl Stiftung verleiht seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre den Deutschen Forstwissenschaftspreis. Dieser ist mit 50.000 € prämiert. Na Ernst, was fängst Du mit der Kohle an? Die Antwort hört Ihr im Podcast. Mehr Infos zu Eva-Mayr-Stihl Stiftung findet Ihr hier: https://eva-mayr-stihl-stiftung.de/

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr sogar selbst mal mit uns quatschen?

Viel Spaß beim Zuhören!

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Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  https://forsterklaert.de/grueneband https://forsterklaert.de/grueneband#respond Sun, 14 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6238 Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die...

Der Beitrag Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die sogenannte Todeszone. In diesem für den Menschen gefährlichen Streifen Landschaft erblühte dadurch jedoch ein Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt. “Das Grüne Band” nennt man diesen besonderen Naturraum heute. Mehr über die Geschichte des Bandes und den Kampf, es zu erhalten, erfährst Du in diesem Artikel. 

Ein Abschnitt der Mauer steht hinter einer Wiese, hinter ihr ragen die Dächer einiger Häuser.
In der Nähe von Schöningen (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) finden sich immer noch alte Grenzanlagen.

Wusstest Du schon…?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen unterteilt. Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hatten sich so Deutschland untereinander aufgeteilt. In der sowjetischen Besatzungszone kam es immer mehr zu einer Flucht der Bewohner in die westlichen Zonen. Um diese sogenannte Landflucht zu verhindern, baute die Sowjetunion eine Mauer. Diese Grenze wurde durch Wachtürme, Schießanlagen und Hunde nahezu unüberwindbar und wurde deswegen auch “Todeszone” genannt. 

Entstehung des Grünen Bandes 

Die innerdeutsche Grenze teilte Ost- und Westdeutschland ab 1949. Den Höhepunkt dieser Teilung erlangte die Grenze mit dem Mauerbau 1961, die auf einem 1.400 Kilometer langen Streifen mit 50 bis 200 Metern Breite bis 1989 Bestand hatte. Durch die jahrzehntelange Ungestörtheit, die durch die “Todeszone” entstand, erlangten Tier- und Pflanzenarten ein Refugium. Dieser Rückzugsort beheimatet heute mehr als 5.000 unterschiedliche Arten, 1.200 davon sind selten oder gefährdet. Ungefähr zwei Drittel der 177 Quadratkilometer großen Fläche besteht aus gefährdeten Biotopen. 17 Naturräume und 9 Bundesländer sowie 146 Lebensraumtypen werden durch den Streifen Natur miteinander vernetzt und ermöglichen den Austausch von Tier- und Pflanzenarten. Also genau das, von dem jede:r Naturschützer:in nur träumen kann. Denn ein genetischer Austausch fördert die Gesundheit von Populationen und sorgt für eine kontinuierliche Ausbreitung von Arten. 

Infotafel im Biosphärenreservat Schaalsee
Nach der Grenzöffnung waren die lange Zeit unberührten Seen nahe Zarrentin plötzlich wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Um diese besondere Natur zu erhalten, ist sie im Biosphärenreservat Schaalsee geschützt. 

Langer Atem für den Naturschutz 

Damit dieser Verbund von Lebensräumen als erhaltenswerte Besonderheit geschützt werden darf, benötigten Naturschützer:innen einen langen Atem und einiges an Überredungskunst. 

Der Naturschützer Kai Frobel, der bereits 1975 begann, die Vogelwelt im Grenzstreifen zu untersuchen, organisierte nach dem Mauerfall das erste Treffen von Naturschützer:innen im wiedervereinigten Deutschland. Bei diesem Treffen wird der Gedanke des Grünen Bandes geboren. Bis zu seiner Umsetzung sollten jedoch viele Jahre vergehen.

Nach der Wende galt der grüne Streifen zeitweise als “rechtsfreier Raum”. In althergebrachten Ackerbauregionen sind die Flächen dadurch in kürzester Zeit wieder zu Ackerland umgewandelt worden. Auch das “Mauergrundstücksgesetz” bereitete den Naturschützer:innen Kopfschmerzen. Nach diesem Gesetz sollten die Grenzflächen den ehemaligen Besitzer:innen oder ihren Erb:innen für einen geringen Preis übergeben werden. Andere Flächen sollten auch ohne Besitzer:in aus dem Besitz des Bundes verkauft werden. Also wie gelang der Umbruch heraus aus diesen Ideen hin zum Schutz der grünen Oasen?

Zwei Kraniche stehen auf einem Feld und spreizen ihre Flügel
Zugvögel aus aller Welt nutzen die Natur um den Schaalsee, um auf ihrer langen Reise rast zu suchen. 

Übertragung der Flächen an den Naturschutz 

Die herausragende naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes ist zwischen 2001 und 2002 durch eine Bestandesaufnahme der Flora und Fauna belegt worden. Dies legte den Grundstein dafür, dass die Gebiete heute im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind. In den Koalitionsvereinbarungen von 2005, 2009, 2013 und 2018 schaffte es das Grüne Band neben anderen Naturflächen dann in eine Auswahl von Lebensräumen, welche die Regierung unentgeltlich an den Naturschutz abgeben wollte. Damit wollten sie eine Privatisierung von besonderen Flächen verhindern und eine Pflege mit naturschutzfachlichen Zielen fördern. Bis heute sind insgesamt 165.000 Hektar an Naturschutz-Akteure übergeben worden, womit sie zum “Nationalen Naturerbe” Deutschlands gehören. Circa die Hälfte des Grünen Bandes sind dadurch geschützt und 87 Prozent gelten als naturnah. 

Wusstest Du schon…?
“Nationale Naturmonumente” beschreiben seit 2010 eine neue Schutzgebietskategorie. In Thüringen wurde das Grüne Band dadurch 2018 im gesamten Bundesland unter Schutz gestellt. 2019 folgte Sachsen-Anhalt dem Beispiel. Der Slogan “Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ verbindet dabei ganz bewusst Erinnerungskultur und Naturschutz.

Blick von einem Boot am Ufer des Schaalsees über den See
Lange Zeit konnte man über den Schaalsee von Ost- nach Westdeutschland blicken und anders herum. Die Anwohner Techins, die noch rechtzeitig übersetzen konnten, mussten jahrelang auf ihre alte Heimat, ihr Zuhause blicken. Ein zurück gab es lange Zeit nicht.

Grünes Band Europa – gewagte Vision 

Der “Eiserne Vorhang” schlängelte sich jedoch nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Entlang der damaligen länderübergreifenden Grenze befindet sich nun ein zusammenhängendes Refugium für Tiere und Pflanzen. Auf einer Länge von circa 1.400 km verbindet es Vegetations- und Klimazonen miteinander und schafft so einen grünen Korridor des Austausches mit globaler Bedeutung.

Seit 2003 arbeiten verschiedene Organisationen in 24 Ländern in der Initiative Grünes Band Europa, um die wertvolle Natur entlang der alten Grenze zu erhalten und zu fördern. 

Es gibt vier Hauptregionen: Fennoskandinavien (klug für die geologisch-geografische Fläche von Norwegen, Schweden, Finnland und einem vorgelagerten Bereich Russlands), Ostsee, Zentraleuropa und den Balkan. Neben weiten Wäldern finden sich hier auch Moore, Seen, Flüsse oder Meeresküsten. Durch die vielfältigen Habitate bietet das Grüne Band Europa neben Großräubern wie Elchen, Braunbären oder Wölfen auch Kegelrobben oder Fischottern eine Heimat.

Es steht damit nicht nur für intakte Ökosysteme und herausragenden Naturschutz, sondern ist ein bemerkenswertes Beispiel für internationale Zusammenarbeit.

Braun weißes Schild, das eine Karte Europas zeigt, auf der die Mauer und Teilung eingezeichnet ist. darunter steht "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 19. November 1989 um 7:50 Uhr geteilt."
Der “Eiserne Vorhang” erstreckte sich weiter über Deutschland hinaus durch Europa. In Deutschland erinnern diese Schilder an den heutigen “Grenzübergängen” an die Vergangenheit. 

Wusstest Du schon…?
Neben den Naturschutzverbänden pflegt auch der Deutsche Staat selbst die grünen Oasen. Dazu beauftragt der Bund sowie auch einige der Naturschutzorganisationen den Bundesforst. Der Bundesforst betreut Flächen des Staates und achtet darauf, dass die wertvollen Lebensräume ihre Qualität behalten. Durch gezielte forstliche Eingriffe pflegen sie die Landschaft – nicht nur förster-typisch den Wald – und verbessern Biotope wenn möglich noch weiter. 

Hat der Artikel Euch neugierig gemacht und Ihr wüsstet gerne mehr dazu? Dann lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob Euch auch Ausflugsziele in diesen grünen Streifen interessieren. 

Bis dahin könnt Ihr schon mal mit dem Rad den 160 km langen Mauerradweg in Berlin erkunden!

Quellen:

https://www.bfn.de/gruenes-band

https://www.bund.net/themen/gruenes-band/gruenes-band-europa

https://www.bund.net/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band#c124962

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band/geschichte-gruenes-band

Der Beitrag Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  erschien zuerst auf Forst erklärt.

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