Forst erklärt https://forsterklaert.de/ Wissen aus dem Wald Thu, 08 Jan 2026 09:02:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Forst erklärt https://forsterklaert.de/ 32 32 WMADWR #30 Mit Baldrian auf Katzensuche https://forsterklaert.de/wmadwr30wildkatze https://forsterklaert.de/wmadwr30wildkatze#respond Sun, 11 Jan 2026 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6259 Im vergangenen Herbst haben Felix und Jan reichlich Baldrian geschnüffelt und sich auf die Suche nach ihren Artgenossen gemacht –...

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Im vergangenen Herbst haben Felix und Jan reichlich Baldrian geschnüffelt und sich auf die Suche nach ihren Artgenossen gemacht – den Europäischen Wildkatzen. Der BUND e.V. ist seit einiger Zeit im Siebengebirge bei Bonn aktiv und unterstützt dort die Rückkehr der Wildkatze, die in Deutschland fast ausgestorben war. Während Felix ein Video zu den “Wildkatzenwäldern von morgen” moderiert hat, hat Jan sich mit Katharina und Dominic im Podcast über die Wildkatze unterhalten. Die drei teilen mit Euch die spannendsten und wichtigsten Infos zur Wildkatze: Wie unterscheiden sich Hauskatzen und Wildkatzen? Was tun, wenn man Wildkatzenjunge findet? Spoilerwarnung: Die Tierchen sind echt garstig! Und natürlich am allerwichtigsten: Wo findet man die Wildkatze und wie können wir Wälder so gestalten und bewirtschaften, dass sich die Wildkatzen wieder wohl fühlen und wieder Teil des Ökosystems Wald werden? 

Die drei hatten offensichtlich Spaß bei der Podcast-Aufnahme!

Im Podcast erfahrt Ihr dann auch, was es mit dem Baldriangeschnüffel auf sich hat und wieso im Siebengebirge doch kein Merinoschaf rumläuft…ein kleiner Cliffhanger.

Wenn Ihr nochmal einige Infos zur Wildkatze nachlesen wollt, haben wir hier auch noch einen Artikel für Euch!

Schaut gerne mal bei den BUND Landes- und Regionalgruppen vorbei und engagiert Euch für den Naturschutz vor Ort (und habt im schlimmsten Fall einen Tag im Wald verbracht 😉 )! Wir freuen uns immer sehr, wenn sich viele für den Wald und unsere Umwelt interessieren und engagieren:

https://www.bund.net/tiere-pflanzen/wildkatze/projekt-wildkatzenwaelder-von-morgen

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr sogar selbst mal mit uns quatschen?

Viel Spaß beim Zuhören!

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Darf ich Wildtiere füttern – Weihnachten Gutes für die Wildtiere tun https://forsterklaert.de/weihnachten https://forsterklaert.de/weihnachten#respond Sun, 21 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6246 Weihnachten steht vor der Tür und egal, ob man feiert oder nicht: Die Schulen und Universitäten sind zu, auf der...

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Weihnachten steht vor der Tür und egal, ob man feiert oder nicht: Die Schulen und Universitäten sind zu, auf der Arbeit ist nicht viel los und die meisten Leute haben frei. Toll! Endlich Zeit, mal wieder in den Wald zu gehen. Zu dieser besonderen Zeit im Jahr überlegt vielleicht der ein oder die andere, ob man den Spaziergang etwas anders gestalten kann. Setzt man da mal eine der gängigen Suchmaschinen in Gang, kommt schnell ein Vorschlag: Tierweihnacht. Was ist das und können wir das empfehlen? Das erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Ast mit verwelktem Laub, schneebedeckt
Alles ist (machmal) schneebedeckt und die Pflanzen schon verwelkt. Muss man den Tieren da unter die Arme oder Hufe greifen?

Tierweihnacht mit Kindern

Bei meiner ersten Recherche (Google-Suche) zu “Weihnachten Wald” war direkt der erste Vorschlag bei den weiteren Fragen “Welche Tiere im Wald kann man zu Weihnachten füttern?”. Hab ich natürlich nicht verstanden, also direkt angeklickt. Die KI-Zusammenfassung fängt mit folgendem Satz an: “Es ist keine gute Idee, große Wildtiere wie Rehe, Füchse oder Wildschweine im Wald zu füttern, da dies gegen Gesetze verstoßen kann und schädlich für die Tiere ist.”

Zwei Einträge später berichtet aber ein Lifestyle-Blog von der wundervollen Familientradition der Tierweihnacht. Am ersten Weihnachtstag gehen die Eltern mit ihren Kindern in den Wald und bringen den Tieren ihre Geschenke, also Nahrung, die sie in den letzten Monaten gesammelt haben. Etwas Ähnliches berichtet auch ein Zeitschriftenartikel für Kitas. Die Gruppe hat Futtergeschenke zusammengestellt und in ein Waldstück gebracht. Dabei haben sie viel über den Wald und die Tiere gelernt. Die Aktion kam bei den Kleinen so gut an, dass daraus eine Tradition für die nächsten Jahre werden sollte.

Was also ist richtig? Darf man Tieren im Winter Futtergeschenke machen und ihnen ein Weihnachten bescheren?

Eine Ente schwimmt auf dem Wasser und spreizt die Flügel
Wo wir schon beim Thema Tiere füttern sind: Dass man Enten mit Brot füttern sollte, ist ein Mythos. Menschenfutter bleibt in den meisten Fällen am besten beim Menschen.

Gute Frage!

Kennt Ihr noch “GuteFrage.net”? Das ist ein Online-Forum, in dem alle ihre offenen Fragen stellen können und irgendwelche anderen User:innen geben dann Antworten. Expertise ist hierbei erstmal egal. Vor ein paar Jahren hat eine Userin eine ganz ähnliche Idee gehabt wie der Lifestyle-Blog:

"Weihnachten für Waldtiere? gerne würde ich mit meinen Mädchen und Eltern an heilig abend in den Wald gehen und dort einen Baum für Tiere schmücken mit essen...gefüllte Kokosnüsse etc....hättet ihr Ideen, was alles wichtig wäre an Lebensmitteln damit wir an alle Tierlein denken und Zero waste vllt auch mitbedienen."

Ihren Vorschlag, Kokosnüsse in Bäume zu hängen, lehnen die Antworten (zum Glück) alle ab. Genauso einig sind sie sich in ihrem Tipp, Kontakt zu den Förster:innen, Jäger:innen oder den Waldbesitzer:innen aufzunehmen und erstmal zu fragen. Wie praktisch, dass wir unseren eigenen Förster und Jäger:innen im Team haben.

Das sagt Jäger Felix

Felix guckt ernst und erhebt den Zeigefinger
Felix ist schon seit Jahren Jäger und kennt sich daher gut mit den geltenden Gesetzen und Regeln aus.

Tierweihnacht mit Geschenken?

Die Tradition, an Weihnachten mit der ganzen Familie raus in den Wald zu gehen, ist super schön. Auch die Idee, das Ganze mit einem besonderen Anlass zu verknüpfen, ist schön und nachvollziehbar. Die Geschenke für die Tiere sollte man aber Zuhause lassen.

Welchen Tieren darf man sich nähern?

Mal ganz abgesehen vom Füttern selbst, sollte man sich keinem wilden Tier nähern, gerade im Winter. Das löst bei den Tieren Stress aus und die meisten fliehen. Das verbraucht hohe Energiemengen, die die Tiere in den kalten Monaten nicht erübrigen können.

Darf man Tiere im Wald füttern?

Nein, nie. Das ist in allen Landesjagdgesetzen ausdrücklich verboten. Ein paar Kastanien zu sammeln und an Weihnachten in den Wald zu bringen, ist zwar sehr nett gemeint, kann aber auch schlimme Konsequenzen für die Tiere haben. Das Verhalten und das ganze Verdauungssystem der Tiere passt sich an die kalten, eher nahrungsarmen Monate an. Sie verbrauchen weniger Energie und verbrennen die Fettschicht, die sie sich im Sommer und Herbst angefressen haben. Die Tiere sind nicht mehr auf viel Nahrung angewiesen. Sollten die Tiere auf einen Schlag “zu viel” oder das falsche Futter finden, kann sich ihr auf den Winter eingestelltes Verdauungssystem hochfahren. Stellt sich das System auf Frühling (mit viel Nahrung) um, fährt auch der Energieverbrauch wieder hoch. Liegen dann noch einige Frostmonate vor ihnen, können sie ein riesiges Problem kriegen und das Verdauungssystem muss sich wieder anpassen.

Wenn man dann regelmäßig füttern würde, würde man sehr in das natürliche Gleichgewicht des Waldes eingreifen. Vor allem, weil man das erste Ungleichgewicht selbst verursacht hat. Und ein weiteres Problem entsteht: Regelmäßige Futterstellen werden zu Sammelplätzen für die Tiere. So treffen viel mehr Tiere viel öfter zusammen, als sie es natürlicherweise tun würden. Die Konsequenz? Krankheiten können sich viel leichter verbreiten. So kann die gut gemeinte Idee, die Tiere gesund durch den Winter bringen sollte, sie stattdessen krank werden lassen. Und kranke Tiere haben im Winter viel schlechtere Chancen.

Ein Rothirsch steht auf einer Lichtung und brüllt
Die Organe vom Rothirsch passen sich der Jahreszeit an.

Wusstest Du schon…?
Im Winter schrumpfen die Organe von Rothirsch und Co., damit weniger Energie verbraucht wird. Auch ihr Ruhepuls verringert sich stark, wie man es auch bei anderen Wildtieren in der Winterruhe kennt. Sogar die Darmwand passt sich der kargen Nahrung an und die Tiere benötigen weniger Futter und verwerten dieses deutlich besser.

Aber können wir nicht mal zu Weihnachten eine Ausnahme machen?

Im Gesetz gibt es eine Ausnahme, der sind Daten und Feiertage aber ziemlich egal. Es geht nur darum, ob eine so genannte Notzeit herrscht. Wenn so eine Notzeit offiziell ausgerufen wird, dann dürfen Wildtiere gefüttert werden. Aber das heißt immer noch nicht, dass wir alle Geschenke in den Wald bringen sollten. Die Fütterung übernehmen die Jäger:innen, bzw. die Jagdpächter:innen. Die sind für die Tiere in dem Gebiet, das sie gepachtet haben, verantwortlich und damit in der sinnvollsten Position, sich um die Fütterung zu kümmern. Das ist zum Wohl der Tiere, denn die Jäger:innen wissen am genauesten, wie viele welcher Tierarten in ihrem Gebiet leben und welche Pflanzen dort wachsen. Sie können also auch das reguläre Futterangebot gut einschätzen und mit ihrer Fütterung möglichst passend nachahmen.

Ein Rehkitz liegt im Gras
Die Aufzuchtsphase ist sensibel, eine harte Kälteperiode in der Zeit kann vielen Tieren richtig Stress machen.

Weihnachten ist keine Notzeit

Notzeiten sind in der Vergangenheit mal vorgekommen, wenn im Frühling, also ungefähr März oder April, noch eine längere oder härtere Frostperiode kam und eine dicke Schneedecke mögliches Futter bedeckt hat. Zu diesem Zeitpunkt haben viele Tiere ihre Fettreserven aufgebraucht und brauchen frische Nahrung, gleichzeitig sind einige Tiere trächtig (also schwanger) oder bekommen schon Nachwuchs. Das ist also eine sehr sensible Zeit in der Tierwelt, in der eine Frostperiode wirklich Konsequenzen haben kann. Aber aktuell zeichnet sich ab, dass es solche Notzeiten eigentlich nicht mehr gibt. Wegen des Klimawandels sind unsere Winter immer milder geworden und die kurzen kalten Phasen, die wir noch haben, machen den Tieren wenig aus.

Wusstest Du schon…?
Es mag hart erscheinen, aber so herausfordernde Zeiten wie frostige Winter sind in der Natur vorgesehen. So sortiert die Natur selbst die kranken und schwachen Tiere aus. Dadurch wird der Bestand mit starken Tieren gesichert und gleichzeitig reguliert. Dass wir mancherorts eine Wildschweinplage haben, die ganze landwirtschaftliche Felder platt machen und Unheil anrichten, liegt auch daran, dass kaum noch Frischlinge im Winter erfrieren.

Was kann man stattdessen machen?

Statt die Tiere im Wald zu füttern und eine Tierweihnacht zu veranstalten, kann man vor der eigenen Haustür schauen. Im dicht besiedelten Gebiet finden die Tiere viel weniger Nahrung als im Wald, vor allem wenn einige in der Nachbarschaft Steingärten schön finden. Man kann sich also erkundigen, ob man Anlaufstellen für Igel anlegen sollte, welche Vogelhäuschen schön und sinnvoll wären und wo man Meisenknödel, also Vogelfutter, aufhängen kann. Bei all dem lohnt es sich, vorher herauszufinden, was die Tiere in der Nähe brauchen. Der Nabu oder der BUND sind dafür zum Beispiel meistens gute Anlaufstellen. Wenn Ihr Ideen sucht, was Ihr in Eurem eigenen Garten machen könnt, oder eine Anleitung braucht, um selbst Vogelhäuschen zu basteln, schaut mal hier vorbei.

In dem eingangs erwähnten Lifestyleblog erzählt die Autorin, dass sie neben der Geschenkaktion auch mit ihren Kindern einen Baum weihnachtlich schmückt und die Tee- bzw. Kaffeezeit des Weihnachtstages in den Wald verlegt. Da am Ende sowohl Deko als auch Snacks komplett wieder mit nach Hause genommen werden, klingt das nach einer schönen, festlichen Aktion für die Kinder! Vielleicht könnt Ihr Euch lieber von dieser Idee inspirieren lassen.

Es hängen drei Beutel mit Vogelfutter aus, auf dem mittleren sitzt ein Vogel
In städtischen, verbauten Gebieten kann man Vögeln mit etwas extra Futter im Winter etwas Gutes tun.

Wünscht Ihr Euch weitere Vorschläge, was man für den Wald tun kann oder welche Aktionen man mit und ohne Kindern auch im Winter im Wald machen kann? Dann schreibt es uns in die Kommentare! Bis dahin wünschen wir Euch schöne Feiertage und ein schönes neues Jahr! Natürlich begleitet Forst erklärt Euch auch durch die nächsten 12 Monate, online, im Wald und mit unserem Kalender. Bis bald im Wald!

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WMADWR #29 Was verraten uns Jahrringe? https://forsterklaert.de/wmadwr29jahrringe https://forsterklaert.de/wmadwr29jahrringe#respond Fri, 19 Dec 2025 14:04:20 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6255 In dieser Folge ist Felix das erste Mal alleine zur Podcastaufnahme unterwegs. Er ist zu Besuch bei dem Forstwissenschaftler des Jahres: Prof....

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In dieser Folge ist Felix das erste Mal alleine zur Podcastaufnahme unterwegs. Er ist zu Besuch bei dem Forstwissenschaftler des Jahres: Prof. Dr. Ernst van der Maaten. Er ist Dendrowissenschaftler und Professor an der TU Dresden. In der Dendrowissenschaft werden die Jahrringe der Bäume ganz genau untersucht. Wächst ein Baum besonders gut, dann sind die Jahrringe schön breit. Viel interessanter ist aber die Zeit, in der die Jahrringe der Bäume sehr dünn sind. Dann sind die Wachstumsbedingungen schlecht, beispielsweise in trockenen und heißen Jahren. Und welche Auswirkungen das auf das Wachstum der Bäume, ihre Überlebenschancen im Klimawandel und das Waldgefüge hat, das untersucht Ernst. Was ihn zu dem Forstwissenschaftler des Jahres macht, erfahrt Ihr dann später vom Träger des Deutschen Forstwissenschaftspreises 2025.

Eingeladen wurden wir von der Eva-Mayr-Stihl Stiftung. Die Stiftung fördert unter anderem in den Bereichen Medizin, Kunst & Kultur und weiteren Feldern. Aber vor allem auch im Bereich Wissenschaft & Forschung, insbesondere im Bereich Wald. Die Eva-Mayr-Stihl Stiftung verleiht seit dem Jahr 2000 alle zwei Jahre den Deutschen Forstwissenschaftspreis. Dieser ist mit 50.000 € prämiert. Na Ernst, was fängst Du mit der Kohle an? Die Antwort hört Ihr im Podcast. Mehr Infos zu Eva-Mayr-Stihl Stiftung findet Ihr hier: https://eva-mayr-stihl-stiftung.de/

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Das Grüne Band – Die unberührte Natur der Wiedervereinigung  https://forsterklaert.de/grueneband https://forsterklaert.de/grueneband#respond Sun, 14 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6238 Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die...

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Die innerdeutsche Grenze teilte Deutschland fast 40 Jahre lang – davon zwei Drittel der Zeit durch Mauern, Stacheldraht und die sogenannte Todeszone. In diesem für den Menschen gefährlichen Streifen Landschaft erblühte dadurch jedoch ein Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt. “Das Grüne Band” nennt man diesen besonderen Naturraum heute. Mehr über die Geschichte des Bandes und den Kampf, es zu erhalten, erfährst Du in diesem Artikel. 

Ein Abschnitt der Mauer steht hinter einer Wiese, hinter ihr ragen die Dächer einiger Häuser.
In der Nähe von Schöningen (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) finden sich immer noch alte Grenzanlagen.

Wusstest Du schon…?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen unterteilt. Die Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hatten sich so Deutschland untereinander aufgeteilt. In der sowjetischen Besatzungszone kam es immer mehr zu einer Flucht der Bewohner in die westlichen Zonen. Um diese sogenannte Landflucht zu verhindern, baute die Sowjetunion eine Mauer. Diese Grenze wurde durch Wachtürme, Schießanlagen und Hunde nahezu unüberwindbar und wurde deswegen auch “Todeszone” genannt. 

Entstehung des Grünen Bandes 

Die innerdeutsche Grenze teilte Ost- und Westdeutschland ab 1949. Den Höhepunkt dieser Teilung erlangte die Grenze mit dem Mauerbau 1961, die auf einem 1.400 Kilometer langen Streifen mit 50 bis 200 Metern Breite bis 1989 Bestand hatte. Durch die jahrzehntelange Ungestörtheit, die durch die “Todeszone” entstand, erlangten Tier- und Pflanzenarten ein Refugium. Dieser Rückzugsort beheimatet heute mehr als 5.000 unterschiedliche Arten, 1.200 davon sind selten oder gefährdet. Ungefähr zwei Drittel der 177 Quadratkilometer großen Fläche besteht aus gefährdeten Biotopen. 17 Naturräume und 9 Bundesländer sowie 146 Lebensraumtypen werden durch den Streifen Natur miteinander vernetzt und ermöglichen den Austausch von Tier- und Pflanzenarten. Also genau das, von dem jede:r Naturschützer:in nur träumen kann. Denn ein genetischer Austausch fördert die Gesundheit von Populationen und sorgt für eine kontinuierliche Ausbreitung von Arten. 

Infotafel im Biosphärenreservat Schaalsee
Nach der Grenzöffnung waren die lange Zeit unberührten Seen nahe Zarrentin plötzlich wieder für die Öffentlichkeit begehbar. Um diese besondere Natur zu erhalten, ist sie im Biosphärenreservat Schaalsee geschützt. 

Langer Atem für den Naturschutz 

Damit dieser Verbund von Lebensräumen als erhaltenswerte Besonderheit geschützt werden darf, benötigten Naturschützer:innen einen langen Atem und einiges an Überredungskunst. 

Der Naturschützer Kai Frobel, der bereits 1975 begann, die Vogelwelt im Grenzstreifen zu untersuchen, organisierte nach dem Mauerfall das erste Treffen von Naturschützer:innen im wiedervereinigten Deutschland. Bei diesem Treffen wird der Gedanke des Grünen Bandes geboren. Bis zu seiner Umsetzung sollten jedoch viele Jahre vergehen.

Nach der Wende galt der grüne Streifen zeitweise als “rechtsfreier Raum”. In althergebrachten Ackerbauregionen sind die Flächen dadurch in kürzester Zeit wieder zu Ackerland umgewandelt worden. Auch das “Mauergrundstücksgesetz” bereitete den Naturschützer:innen Kopfschmerzen. Nach diesem Gesetz sollten die Grenzflächen den ehemaligen Besitzer:innen oder ihren Erb:innen für einen geringen Preis übergeben werden. Andere Flächen sollten auch ohne Besitzer:in aus dem Besitz des Bundes verkauft werden. Also wie gelang der Umbruch heraus aus diesen Ideen hin zum Schutz der grünen Oasen?

Zwei Kraniche stehen auf einem Feld und spreizen ihre Flügel
Zugvögel aus aller Welt nutzen die Natur um den Schaalsee, um auf ihrer langen Reise rast zu suchen. 

Übertragung der Flächen an den Naturschutz 

Die herausragende naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes ist zwischen 2001 und 2002 durch eine Bestandesaufnahme der Flora und Fauna belegt worden. Dies legte den Grundstein dafür, dass die Gebiete heute im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind. In den Koalitionsvereinbarungen von 2005, 2009, 2013 und 2018 schaffte es das Grüne Band neben anderen Naturflächen dann in eine Auswahl von Lebensräumen, welche die Regierung unentgeltlich an den Naturschutz abgeben wollte. Damit wollten sie eine Privatisierung von besonderen Flächen verhindern und eine Pflege mit naturschutzfachlichen Zielen fördern. Bis heute sind insgesamt 165.000 Hektar an Naturschutz-Akteure übergeben worden, womit sie zum “Nationalen Naturerbe” Deutschlands gehören. Circa die Hälfte des Grünen Bandes sind dadurch geschützt und 87 Prozent gelten als naturnah. 

Wusstest Du schon…?
“Nationale Naturmonumente” beschreiben seit 2010 eine neue Schutzgebietskategorie. In Thüringen wurde das Grüne Band dadurch 2018 im gesamten Bundesland unter Schutz gestellt. 2019 folgte Sachsen-Anhalt dem Beispiel. Der Slogan “Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ verbindet dabei ganz bewusst Erinnerungskultur und Naturschutz.

Blick von einem Boot am Ufer des Schaalsees über den See
Lange Zeit konnte man über den Schaalsee von Ost- nach Westdeutschland blicken und anders herum. Die Anwohner Techins, die noch rechtzeitig übersetzen konnten, mussten jahrelang auf ihre alte Heimat, ihr Zuhause blicken. Ein zurück gab es lange Zeit nicht.

Grünes Band Europa – gewagte Vision 

Der “Eiserne Vorhang” schlängelte sich jedoch nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Entlang der damaligen länderübergreifenden Grenze befindet sich nun ein zusammenhängendes Refugium für Tiere und Pflanzen. Auf einer Länge von circa 1.400 km verbindet es Vegetations- und Klimazonen miteinander und schafft so einen grünen Korridor des Austausches mit globaler Bedeutung.

Seit 2003 arbeiten verschiedene Organisationen in 24 Ländern in der Initiative Grünes Band Europa, um die wertvolle Natur entlang der alten Grenze zu erhalten und zu fördern. 

Es gibt vier Hauptregionen: Fennoskandinavien (klug für die geologisch-geografische Fläche von Norwegen, Schweden, Finnland und einem vorgelagerten Bereich Russlands), Ostsee, Zentraleuropa und den Balkan. Neben weiten Wäldern finden sich hier auch Moore, Seen, Flüsse oder Meeresküsten. Durch die vielfältigen Habitate bietet das Grüne Band Europa neben Großräubern wie Elchen, Braunbären oder Wölfen auch Kegelrobben oder Fischottern eine Heimat.

Es steht damit nicht nur für intakte Ökosysteme und herausragenden Naturschutz, sondern ist ein bemerkenswertes Beispiel für internationale Zusammenarbeit.

Braun weißes Schild, das eine Karte Europas zeigt, auf der die Mauer und Teilung eingezeichnet ist. darunter steht "Hier waren Deutschland und Europa bis zum 19. November 1989 um 7:50 Uhr geteilt."
Der “Eiserne Vorhang” erstreckte sich weiter über Deutschland hinaus durch Europa. In Deutschland erinnern diese Schilder an den heutigen “Grenzübergängen” an die Vergangenheit. 

Wusstest Du schon…?
Neben den Naturschutzverbänden pflegt auch der Deutsche Staat selbst die grünen Oasen. Dazu beauftragt der Bund sowie auch einige der Naturschutzorganisationen den Bundesforst. Der Bundesforst betreut Flächen des Staates und achtet darauf, dass die wertvollen Lebensräume ihre Qualität behalten. Durch gezielte forstliche Eingriffe pflegen sie die Landschaft – nicht nur förster-typisch den Wald – und verbessern Biotope wenn möglich noch weiter. 

Hat der Artikel Euch neugierig gemacht und Ihr wüsstet gerne mehr dazu? Dann lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, ob Euch auch Ausflugsziele in diesen grünen Streifen interessieren. 

Bis dahin könnt Ihr schon mal mit dem Rad den 160 km langen Mauerradweg in Berlin erkunden!

Quellen:

https://www.bfn.de/gruenes-band

https://www.bund.net/themen/gruenes-band/gruenes-band-europa

https://www.bund.net/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band#c124962

https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/gruenes-band/geschichte-gruenes-band

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Buchrezension Tina Stein: Secret Forest Academy https://forsterklaert.de/secretforestacademy https://forsterklaert.de/secretforestacademy#respond Sun, 07 Dec 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6227 Ich habe schon als Kind und Jugendliche gerne gelesen. Eigentlich kein Wunder, dass mein Weg mich dann in die Redaktionsarbeit...

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Ich habe schon als Kind und Jugendliche gerne gelesen. Eigentlich kein Wunder, dass mein Weg mich dann in die Redaktionsarbeit geführt hat. Und jetzt führt mich diese Leidenschaft zu einem sehr ungewöhnlichen Forst erklärt-Artikel: Eine Buchrezension. Tina Stein hat uns ihr Buch “Secret Forest Academy – Avas Bestimmung” zugeschickt. Wer des Englischen ein wenig mächtig ist, weiß auch direkt warum. Das Buch spielt im Forest, also im Wald, doch der Wald ist noch viel mehr als nur ein Ort.

Eine Reise durch den Forest äh Wald? Wir sind dabei!

Warum schreiben wir eine Buchrezension?

Unser Anspruch bei Forst erklärt ist, für alle da zu sein. Man braucht keinen akademischen Abschluss und kein forstliches Vorwissen, um bei uns mitlesen zu können. Dennoch sind unsere Texte und Beiträge auf einem gewissen Niveau, sodass zumindest eine Grenze klar ist: das Alter. Mit einigen Waldpädagog:innen im Team wissen wir aber auch, dass die Bildung zum Wald und die Begeisterung für den Wald früh beginnen kann und sollte. Und wisst Ihr, was da gut funktioniert? Kinderbücher.

Daher hatten wir sofort Interesse, als Tina uns geschrieben hat. An dieser Stelle einmal der Disclaimer: Wir kriegen kein Geld für diesen Artikel, haben das Buch aber als Rezensionsexemplar zugesandt bekommen.

Das Buch ist von außen schön gestaltet.

Wie begeistert man Kinder für den Wald?

Man nimmt sie mit und zeigt ihnen, wie vielfältig, wie aufregend der Wald ist. Man zeigt und erklärt, lässt sie spielerisch die Magie des Waldes entdecken und nutzt die Gelegenheit, um Baumarten vorzustellen oder vielleicht sogar um zu erläutern, wie wichtig der Wald für unseren Planeten und uns Menschen ist. Wichtig ist dabei die Sprache, die wir nutzen. Auch mit Kindern kann man auf Augenhöhe sprechen. Gleichzeitig wird auch die Sprachentwicklung der Kinder angeregt, da sie im Wald auf neue Formen, Farben und Strukturen treffen, die dazu einladen, neue Worte zu lernen.

Was die Sprache gut ergänzt, ist klar: Kinderbücher. Die sind vor allem praktisch in den dunklen Stunden des Tages, um die Fantasie der Kinder anzuregen, aber auch, um ihren Wissensdurst zu stillen. Als Jugendliche habe ich gerne eine Reihe Romane über die Geschichte des englischen Königshauses gelesen und noch immer weiß ich mehr über die Rosenkriege, als der Geschichtsunterricht in der Schule je hätte erreichen können. Wenn ich mich als Teammitglied von Forst erklärt vorstelle, sage ich gerne (halb ernst gemeint), dass ich die einzige ohne forstlichen Hintergrund bin und keine drei Bäume bestimmen kann. Hätte ich als Kind Bücher wie Secret Forest Academy gelesen, könnte ich diesen Spruch vermutlich nicht bringen. In diesem Buch lernt man sogar die wissenschaftlichen Namen der verschiedenen Arten!

Wusstest Du schon…?
In der Waldpädagogik verweist man gerne auf die Theorie von Kopf, Herz und Hand nach Pestalozzi. Wenn das Denken (Kopf), die Gefühle (Herz) und das Handeln (Hand) angeregt werden, ist das Lernen besonders nachhaltig. Ein Waldbesuch schafft das spielerisch! Ein gutes Buch kann das perfekt ergänzen.

Für eine kürzere Zusammenfassung, ist hier die Rückseite des Buchs.

Worum geht es in Secret Forest Academy?

Die 12-jährige Ava wohnt mit ihren Eltern in einem Haus im Wald, umgeben von Bäumen und mit nur einer Nachbarin weit und breit. Eines Tages, während Ava in der Schule ist, brennt ihr Haus und ihre Eltern verschwinden. In den Wochen darauf lebt sie bei ihrer Nachbarin, aber natürlich ist alles komisch und Ava und ihr ganzes Leben sind verändert. Sie fängt an zu schlafwandeln und wacht morgens manchmal mitten im Wald auf. An so einem Morgen trifft sie auf zwei sehr sonderbare Gestalten. Der eine stinkt faulig, ist übersät von Käfern und droht Ava: sie soll ihn begleiten, sonst verletzt er sie. Zum Glück bricht da ein Bär durch die Bäume und beschützt sie vor der stinkenden Figur.

Während Ava erleichtert ist, versteht sie auch die Welt nicht mehr, denn der Bär kann mit ihr sprechen und stellt sich als Urs vor. Um sie zu schützen und damit sie mehr über sich, den Wald und ihre Eltern herausfinden kann, will er sie zu einer Akademie bringen. Dort beginnt das Abenteuer so richtig! Sie wohnt in einem Riesenmammutbaum und trifft viele spannende Waldbewohner. Mehr will ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten…

Kann Forst erklärt die Forest Academy empfehlen?

Ein Kinderbuch, in dem verschiedenste Arten von Bäumen und Waldbewohnern nicht nur vorgestellt werden, sondern sogar mit wissenschaftlichen Namen benannt werden, kann den Wissensdurst von 12-jährigen anregen. Während die lateinisch wirkenden Namen einen schnell erschlagen können, sind sie in diesem Buch eher spielerisch platziert. Außerdem wird an mehreren Stellen das Problem der Waldrodungen benannt, ohne dass es erdrückend wird. Ein komplexes Thema wie der Landraub und die Waldrodung von Gebieten, die eigentlich die Heimat indigener Völker waren, ist emotional aufgeladen und kompliziert. Einerseits wird das Ausmaß in so einer Geschichte natürlich nicht erklärt, andererseits eröffnet das die Gelegenheit, Fragen zu stellen und überhaupt darüber nachzudenken. So können die Eltern mitentscheiden, was und wie ihre Kinder lernen.

Bei der Schriftgröße schafft sogar Felix mal mehr als ein Bilderbuch (oder Fachliteratur)!

Gleichzeitig ist es einfach eine süße, magische Geschichte, die zu einem fantastischen Ausflug in den Wald einlädt. Wenn ich mir nur eine Veränderung im zweiten Teil (erscheint Anfang nächsten Jahres) wünschen dürfte, dann wäre es, dass größere Teile des Buchs in den Wäldern Deutschlands spielen könnten. Die Geschichte und die Figuren sind international, was zur Magie des Buches beiträgt. Aber wie schon die Brüder Grimm bewiesen haben, ist auch der deutsche Wald ziemlich vielfältig und mystisch! 

Schnelle Einschätzung

Autorin: Tina Stein

Seitenzahl: 284

Preis: 14,90 €

Zielgruppe: ca. 12-Jährige 

Verlag: Fischer Sauerländer

Fortsetzung: kommt 2026

Auf einer Skala von 1 bis 5 Bäumen

Idee: 🌳🌳🌳🌳

Spaß: 🌳🌳🌳🌳🌳

Vermittelt Wald-Wissen: 🌳🌳🌳🌳🌳

Wie gefällt es Euch, wenn wir uns den Wald auch aus der Perspektive der Bücher anschauen? Gibt es Bücher, über die Ihr gerne solche Rezensionen lesen wollen würdet? Schreibt es uns in die Kommentare! Und wenn ihr selbst Bücher schreibt oder bei einem Verlag arbeitet und Interesse an Rezensionen von uns habt, schreibt uns gerne eine Mail mit einer kurzen Beschreibung an redaktion@forsterklaert.de. Bitte nicht einfach so Pakete schicken! Wir wollen ja nicht unnötig Ressourcen verbrauchen, sollte es bei uns gerade nicht passen.

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Unsere Vögel – Der Eisvogel https://forsterklaert.de/eisvogel https://forsterklaert.de/eisvogel#respond Mon, 01 Dec 2025 09:45:31 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6193 Leuchtend bunte Farben sind in unseren Wäldern eher ungewöhnlich, vor allem im Winter. Doch zwischen grau in grau, und, wenn...

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Leuchtend bunte Farben sind in unseren Wäldern eher ungewöhnlich, vor allem im Winter. Doch zwischen grau in grau, und, wenn es gut läuft, mal strahlend weiß, sitzt ein bunter Hingucker. Dabei ist der kleine Winzling erstmal gar nicht so einfach zu entdecken, denn der “blaue Blitz” ist furchtbar schnell unterwegs. Die Rede ist vom wunderschönen Eisvogel. Wo Ihr diese faszinierenden Vögel entdecken könnt und wieso die Eisvögel Anzeichen für eine unversehrte Umwelt sind, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wie erkennt Ihr den Eisvogel?

Das bläuliche, orange glänzende Gefieder des Eisvogels macht ihn einzigartig und einfach erkennbar. 

Der Eisvogel gehört zu den farbenprächtigsten Arten unserer heimischen Vogelwelt. Der kleine Vogel ist gerade mal 16 bis 18 cm groß und wiegt süße 35 bis 40 g. Damit ist er gerade mal so schwer wie eine halbe Tafel Schokolade. Den kleinen Winzling muss man also erstmal entdecken – dabei hilft seine auffallende Färbung. Sein Gefieder am Rücken, am Kopf und an den Flügeln ist bläulich-türkis gefärbt und glänzt im Sonnenlicht richtig metallisch. Auf dem Rücken ist vor allem im Flug ein heller, fast leuchtender Rückenstreifen zu erkennen. Die Flügelspannweite des Vogels beträgt ca. 25 cm. Seine Brust und der Bauch sind kräftig orange bis rostrot gefärbt. An der Kehle hat er eine weißliche Färbung.

Mit seiner eher gedrungenen Gestalt, dem kurzen Hals und den leuchtend roten Beinen wirkt der Körper des Eisvogels recht kompakt. Auffällig ist sein langer, gerader Schnabel, der sich perfekt zum Fangen kleiner Fische eignet. Beim Männchen ist er tiefschwarz und unten hell gefärbt, während beim Weibchen der Unterschnabel oft eine rötliche Färbung zeigt.

Den kleinen Eisvogel im blitzschnellen Flug zu erkennen, ist fast unmöglich, aber an seinem hellen, typischen Ruf kann man ihn meist schon vorher bemerken. Es klingt ein wenig wie ein lang gezogenes “ZiiiiiiI”.

Eisvögel warten meist auf einem Ast sitzend auf passende Beute im Wasser, etwa einen Fisch oder Insekten.

Der Eisvogel hat Eier in der Röhre 

Der Eisvogel ist in Europa weit verbreitet und kommt auch in Asien, Westafrika und sogar Australien vor. Bei uns in Mitteleuropa ist er meist auch ein sogenannter Standvogel, er ist also ganzjährig hier und zieht nicht Richtung Süden zum Überwintern. Der Eisvogel braucht vor allem klare, langsam fließende oder stehende Gewässer wie Bäche, Flüsse, Seen und Teiche, deren Ufer reich mit Bäumen bewachsen sind. Diese nutzt der Vogel entweder als Sitzwarten oder zur Anlage von Brutröhren. Entscheidend für seinen Lebensraum ist eine gute Wasserqualität, denn nur in sauberem, fischreichen Wasser findet er ausreichend Nahrung. Steile, unbefestigte Uferböschungen, am besten aus Lehm oder Sand, sind für ihn besonders wichtig, da er in diesen brütet. Teilweise nutzt er dazu auch die Wurzelteller großer, umgestürzter Bäume. Die Brutröhren können bis zu einem Meter lang sein. 

Wusstest Du schon…?
Eisvögel legen zwischen sechs bis acht weiß gefärbte Eier. Ein Ei wiegt gerade mal um die 4 Gramm. Der Bruterfolg ist vor allem durch Feinde wie Waschbären oder Ratten, aber auch durch längere Störungen durch den Menschen gefährdet.

Ruhige Sitzmöglichkeiten, zum Beispiel über das Wasser hängende Äste, dienen ihm als Ausgangspunkt für seine Jagd. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Fischen, aber auch Insekten oder Kaulquappen.

Naturbelassene Flüsse und Bäche mit ausgespülten Uferbereichen und genügend Bäumen in der Umgebung bilden einen perfekten Lebensraum für die Eisvögel. 

Der Eisvogel ist ein hochspezialisierter Jäger. Die Jagdmethode wird als sogenanntes  “Stoßtauchen” bezeichnet. Er wartet auf einem Ast sitzend und späht ins Wasser, um Fische oder andere Wasserinsekten zu entdecken. Sobald er passende Beute sieht, stürzt er sich blitzschnell ins Wasser und fängt sie mit dem langen Schnabel. Danach kehrt er meistens direkt zu seinem Sitzplatz zurück, um seine Beute dort direkt zu verspeisen. 

Um seine Beute zu bearbeiten, benötigt der Eisvogel eine stabile, möglichst wenig schwingende Sitzmöglichkeit, zum Beispiel einen kräftigen Ast, eine markante Wurzel oder eine andere feste Unterlage. Kleinere Fische oder Wasserinsekten verschlingt er meist im Ganzen, indem er sie mit kräftigem Schnabeldruck betäubt oder direkt tötet. Unverdauliche Bestandteile wie Fischknochen werden etwa ein bis zwei Stunden nach der Mahlzeit wieder herausgewürgt. Diese Reste bezeichnet man auch als “Gewölle”. 

Wusstest Du schon…?
Die meisten Eisvögel leben monogam. Die Paarungszeit ist meist im Frühjahr zwischen Februar und März.

Lasst den Tümpel trocken!

Aktuell ist der Eisvogel bei uns nicht gefährdet. Trotzdem ist der Vogel ein guter Indikator für intakte Natur. Verschmutzungen oder Verbauung von Gewässern schmecken dem kleinen Vogel überhaupt nicht, denn sie führen meist dazu, dass nicht genügend Nahrung vorhanden ist oder geeignete Brutplätze verloren gehen. Naturbelassene Flüsse, Seen oder Bäche sind der ideale Lebensraum für den kleinen Vogel. Doch viele Feuchtgebiete und Tümpel wurden in der Vergangenheit durch die Menschen trockengelegt, um angrenzende Ackerflächen bewirtschaften zu können. 

Ein Eisvogel bei der erfolgreichen Jagd!

Eisvögel brauchen naturnahe Uferbereiche mit alten Bäumen und Totholz. Das Fehlen von Bäumen, die als Sitzplätze während der Jagd genutzt werden, erschwert ihre Jagdstrategie. Eisvögel sind erstaunlich scheu und reagieren empfindlich auf Störungen, besonders während der Brutzeit. Wenn Ihr also eine Brutstätte des Eisvogels sehen solltet, dann lasst dem kleinen Gesellen lieber seine Ruhe. Als äußerst scheuer Vogel könnte er sonst seine Brut aufgeben. Auch für eine erfolgreiche Jagd benötigen die Eisvögel genug Ruhe, um auch ausreichend Beute zu machen. Sie sind sehr standorttreu, sie lieben also Ihr Zuhause. Und wer möchte da schon Unruhe haben? Wichtig ist für die Vögel ein Gewässer, was im Winter nicht völlig zufriert, ansonsten fehlt Ihnen Ihre Nahrungsgrundlage. Strenge Winter sind deshalb auch eine große Gefahr für den ausbleibenden Bruterfolg des Eisvogels. Lange anhaltende Kälteperioden können im schlimmsten Fall sogar zu einem Bestandseinbruch von bis zu 90 % führen.

Der Eisvogel ist eine faszinierende Vogelart, die uns zugleich vor Augen führt, wie empfindlich unsere Ökosysteme sind und wie wichtig ihr Schutz bleibt. 

Nun endet mit diesem letzten Artikel des Monats im Dezember unsere Reihe der Monatsartikel, aus denen Ihr hoffentlich bereits in diesem Jahr viel Neues mitnehmen konntet. Also seid gespannt auf die AdMs in 2026!

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Leider oder lieber LiDAR? https://forsterklaert.de/lidar https://forsterklaert.de/lidar#respond Sun, 23 Nov 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6153 Nicht Leiden, nicht Liebe, nicht Lieder, sondern: Lidar. Wer jetzt erstmal auf dem Schlauch steht, ist damit sicherlich nicht alleine....

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Nicht Leiden, nicht Liebe, nicht Lieder, sondern: Lidar. Wer jetzt erstmal auf dem Schlauch steht, ist damit sicherlich nicht alleine. Denn Lidar fällt in die Kategorien “neumodischer Unfug” und “Technik-Schnickschnack”. Was es genau ist, warum man es im Forst verwendet und wie es Platz in unseren neuen Kalendern gefunden hat, erklären wir heute.

Na, erkennt Ihr den Baum?

Lidar: Light Detection and Ranging

Gaaaanz einfach gesagt geht es um das Scannen und Messen mithilfe von Licht. Die Übersetzung von “Light Detection and Ranging” wäre etwa lichtgestützte Objekterkennung und Abstandsmessung.

Es wird also mit Lasern die Umgebung gemessen, zum Beispiel die Entfernung zu Objekten, sagen wir mal Bäumen. Das geht, indem Lichtimpulse ausgesendet werden, die von diesen Bäumen zurückgeworfen werden. Ein Sensor misst dann, wie lange es gedauert hat, bis der Lichtimpuls zurück ist. Über den Winkel und die Entfernung kann der Sensor dem Punkt, den er getroffen hat, quasi eine Koordinate im Raum zuordnen. Das geschieht mehrere tausend Mal in der Sekunde. Zuhause am PC kann man aus den Millionen von räumlichen Koordinaten eine Punktewolke erstellen. Und die sieht dann (oh Wunder!) aus wie ein Wald. Wenn die Laserscanner besonders genau sind, kann man teilweise sogar die Rindenstruktur erkennen.  

Licht im Dunkeln des Waldes

Man kann mit diesen Messungen hochauflösende Landkarten erstellen. Das wird in der Geologie, Geographie, Seismologie und anderen Wissenschaften genutzt, aber eben auch im Forst. Zum Beispiel indem man mit einem mobilen Laser über den Boden durch den Wald läuft und so den ganzen Waldbestand erfasst. Man misst also nicht mehr einzelne Bäume und schließt von diesen Exemplaren aufs große Ganze. Statt zu schätzen, misst man einfach. Vor allem können so auch Bereiche am Baum gemessen werden, die man sonst nur sehr aufwendig erklettern müsste.
Einen Hektar Wald kann man so in etwa 20 – 30 Minuten vollständig erfassen.

Wusstest Du schon…? 
Lidar-Systeme werden mittlerweile in Smartphones und bei VR-Spielen verwendet. Dank Lidar werden unsere Selfies besser und wir rennen nicht gegen unseren Couchtisch, wenn wir mit VR-Brille zocken.

Lidar in unserem Kalender 2026

Jeden Monat könnt Ihr raten, welcher Baum hier gescannt wurde!

Das Quiz im Kalender 2026 besteht aus Baum-Silhouetten, bei denen man die Art bestimmen soll. Die Silhouetten der Bäume werden alle nach oben hin etwas undeutlicher. Daran erkennt man: Es sind nicht einfach Bilder, sondern Scans von echten Bäumen, die vom Waldboden aus aufgenommen wurden. Weil die Bäume im Wald dicht an dicht stehen und die Kronen sich so gegenseitig verdecken, stehen sie dem Scanner manchmal im Weg. So können nicht alle Details erfasst werden.

Die Daten zu den Bildern kommen aus unterschiedlichen Forschungsprojekten von Prof. Dr. Dominik Seidel an der Uni Göttingen. In seinen Forschungsprojekten geht es um die räumlichen Strukturen und die Digitalisierung von Wäldern. Einfach gesagt betrachtet man hier nicht mehr den einzelnen Baum, sondern das Gefüge des Waldes als komplexes System. So wird geschaut, wie Wälder aufgebaut und strukturiert sein müssen, wenn sie in Zeiten des Klimawandels zukunftsfähig bleiben sollen. Unter anderem darüber hat Felix seine Masterarbeit geschrieben und er wollte auch schon immer mal einen Artikel dazu schreiben… !  

Perfektes System?

Laserscanning ist also wesentlich effektiver als einzelne Bäume auszumessen. Gleichzeitig gibt es Schwierigkeiten, wenn das Blätterdach und der Unterwuchs im Wald sehr dicht sind, wenn das Wetter schlecht ist und bei der Erfassung von Baumwipfeln. Es ist also genauso wenig perfekt wie irgendwas anderes auf der Welt, kann aber bestimmte Dinge sehr, sehr gut.

Vor allem ist es also ein System, das komplett neue Möglichkeiten öffnet. Man kann die Datenerfassung im Wald dank solcher Systeme völlig neu denken. Diese Daten geben möglicherweise emotionalen Themen eine neue Grundlage, zum Beispiel wenn man so beweisen kann, dass ein Mischwald im Klimawandel besser performt. Neue Messungen und neue Arten der Datenverarbeitung machen es möglich. Vor allem, wenn man die KI ins Boot holt. Dann wird’s richtig wild.

In diesem Video seht Ihr einen Lidar-Scanner in Action!

Zusammengefasst: Wir kriegen super viele neue Daten über den Wald, was uns hoffentlich hilft, ihn zu verstehen. Langfristig führt das bestenfalls dazu, dass wir uns besser um ihn kümmern können. Schon cool, oder? Ein praktisches Nebenprodukt sind schöne Motive für ein Quiz in einem Waldkalender. Habt Ihr jetzt direkt Lust, neue Technologien zu testen? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Pilzjahr 2025  – Eine erfolgreiche Sammel-Saison https://forsterklaert.de/pilzsaison https://forsterklaert.de/pilzsaison#respond Sun, 16 Nov 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6168 Im Wald riecht es nach feuchtem Laub, das Licht fällt gedämpft durch die orange-braunen Baumkronen und überall sprießen sie aus...

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Im Wald riecht es nach feuchtem Laub, das Licht fällt gedämpft durch die orange-braunen Baumkronen und überall sprießen sie aus dem Boden: Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen. Wer in diesem Jahr unterwegs war, hatte Glück – die Pilzsaison 2025 gehört zu den besten der letzten Jahre. Doch was steckt hinter dieser Fülle? Und lohnt es sich noch, loszuziehen?

Sieht toll aus, aber wir lernen schon als Kinder, dass wir den Fliegenpilz in jeder Pilzsaison besser stehen lassen.

Optimales Pilzwetter

Feuchtigkeit ist das Lebenselixier der Pilze – und davon gab es dieses Jahr reichlich. Nach einem nassen Frühjahr und einem milden Sommer blieben die Waldböden vielerorts konstant feucht. Sammler:innen freuten sich über die idealen Wachstumsbedingungen: Regenperioden, gefolgt von warmen Tagen, ließen das Myzel, das feine Wurzelgeflecht der Pilze, ordentlich wachsen. 

Das Ergebnis? Die Pilzsaison beginnt früh. Schon im Juni tauchten erste Pfifferlinge auf, im August schossen die Pilze regelrecht aus dem Boden. Auch aktuell lohnt es sich noch, sich mit Pilzmesser und Körbchen in den Wald aufzumachen.

Wusstest Du schon…?
In Oregon (USA) wächst ein Hallimasch, der als größter Organismus der Welt gilt. Sein unterirdisches Myzel durchzieht den Waldboden auf einer Fläche von etwa neun Quadratkilometern – das entspricht rund 1.200 Fußballfeldern. Forschende schätzen, dass dieser „Riesenpilz“ bis zu 8.500 Jahre alt und rund 400 Tonnen schwer ist.

Jetzt noch rausgehen – was Pilzsammler:innen wissen sollten

Auch im späten Oktober und frühen November lohnt sich ein Ausflug in den Wald: Zwar gehen viele klassische Arten zurück, aber für einige Sorten ist die Pilzsaison noch lange nicht vorbei. Hierzu gehören etwa der Hallimasch, die Herbsttrompete und der anfängerfreundliche Maronenröhrling, die bei feucht‑kühlem Wetter bis in den November hinein gefunden werden können. 

Pilze findet Ihr am besten an feuchten, schattigen Stellen des Waldes, wie unter Laubbäumen, auf morschem Holz oder im Moos. Zudem erweisen sich lichte Waldränder und Bereiche entlang von Waldwegen oft als besonders ergiebig.

Manche Pilze verstecken sich schon fast im Moos. Wenn man den Pilz ernten möchte, sollte man vorsichtig sein und das umliegende Moos nicht verletzen.

Zum Sammeln solltet Ihr ein scharfes Messer, einen Korb und ein Bestimmungsbuch mitnehmen. Pilze können bodennah abgeschnitten oder vorsichtig herausgedreht werden. Das Loch im Boden sollte danach wieder leicht verschlossen werden. Im Korb lassen sich Eure Funde ohne Frischeverlust zu Euch nach Hause in die Küche transportieren. Plastiktüten solltet Ihr besser nicht nutzen: Sie können nicht nur dafür sorgen, dass Eure Pilze schnell Feuchtigkeit verlieren. Der Mangel an Luft führt zu einer beschleunigten Eiweißzersetzung und Gärung, wodurch die Pilze ungenießbar werden. 

Wann Ihr Pilze besser stehen lassen solltet

Schon angefressene oder leicht verdorbene Pilze gehören dabei nicht in Euer Körbchen. Bitte lasst Exemplare, die Zuhause nicht mehr in die Pfanne wandern, einfach stehen. Denn im Wald bieten sie kleinsten Lebewesen Unterschlupf oder werden von Tieren gefressen und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht im Wald bei. Außerdem tragen die Fruchtkörper die Sporen der Pilze, ernten wir sie, können sie nicht für eine neue Pilzgeneration sorgen. Daher müssen immer einige Exemplare im Wald erhalten bleiben!

Die wichtigste Regel lautet jedoch: Sammelt nur Pilze, die Ihr sicher bestimmen könnt! Diese Pilzsaison gab es wieder zahlreiche Meldungen über Vergiftungen. Denn häufig kommt es zu Verwechslungen von essbaren Pilzen mit giftigen Doppelgängern wie Gifthäublingen oder Pantherpilzen. Seid vorsichtig, informiert Euch vorab über aktuelle Warnungen und vertraut im Zweifel auf Expert:innen. Bevor Ihr loszieht, solltet Ihr Euch die Nummer vom Giftnotruf abspeichern. Da gibt es Kontaktdaten für Eure Region. Hoffentlich werdet Ihr sie nie brauchen, aber im Notfall wollt Ihr nicht erst danach suchen müssen.

Für Anfänger:innen sind geführte Wanderungen mit VHS-Kursen, Naturschutzvereinen oder Pilz-Expert:innen ideal, um die Artenkenntnis zu schulen. Auch Bestimmungs-Apps und Pilzbücher können die Orientierung erleichtern – eine Kombination aus Theorie und Praxis ist am sichersten. In unserem Blogbeitrag über Bestimmungsapps findet Ihr Empfehlungen für Pilzapps. Außerdem erklärt Felix Euch in unserem Video, welche Regeln Ihr beim Pilzesammeln im Wald sonst noch beachten solltet: 

Wusstest Du schon…?
Schon als Kinder lernen wir, dass Fliegenpilze für uns Menschen hochgiftig sind. Nur 100 g können sogar tödlich wirken. Rentiere in Nordeuropa stört das jedoch kaum: Im Winter suchen sie sogar aktiv unter der Schneedecke nach den leuchtend roten Pilzen und fressen sie. Danach torkeln sie unsicher durch die Tundren Skandinaviens.

Warum Pilze für unsere Wälder so wichtig sind

Wer Pilze sammelt, sollte nicht vergessen: Sie sind weit mehr als nur kulinarische Schätze, ein gutes Pilzjahr freut auch unsere Wälder. Sie sind zentrale Akteure im Ökosystem und sorgen dafür, dass unsere Wälder gesund und vielfältig bleiben. Pilze betreiben keine Photosynthese. Ihre Nährstoffe beziehen sie aus dem Boden, von totem Holz oder in Symbiose mit Pflanzen, sie gehen also Beziehungen mit Pflanzen ein und arbeiten mit ihnen zusammen. Deshalb leben sie unter anderem in Symbiose mit Bäumen – eine Lebensgemeinschaft, die man Mykorrhiza nennt. Dabei liefern Pilze Nährstoffe und Wasser, während sie in der Photosynthese der Bäume hergestellten Zucker als „Gegenleistung“ erhalten.

Pilze übernehmen im Wald wichtige Funktionen, zum Beispiel können sie Holz zersetzen und so die Nährstoffe wieder freigeben.

Außerdem sind Pilze wichtige Zersetzer: viele Pilze sind sogenannte Schwächeparasiten, die nur geschwächte, kranke oder gestresste Pflanzen befallen. Sie nutzen die Abwehrschwäche von Bäumen aus, z. B. nach Trockenstress, Frostschäden oder Schädlingsbefall. Schritt für Schritt zersetzen Pilze das Holz. Dabei setzen sie Nährstoffe frei, die den kommenden Baumgenerationen und dem Waldboden wieder zugutekommen. 

Gleichzeitig dienen Pilze zahlreichen Lebewesen als Lebensraum und Nahrung. Die Pilze mit großen Fruchtkörpern bilden eigene Mikrohabitate, in denen vor allem kleine Lebewesen wie Springschwänze und Insekten leben. Einige Arten haben sogar ganz spezielle Bewohner, etwa die Pilzgallenfliege, die ausschließlich im Fruchtkörper des Flachen Lackporlings lebt. 

Pilzsaison: Zeit für Schatzsuche und Risotto

So ein Steinpilz ist ein echter Schatz und schmeckt nicht nur im Risotto hervorragend.

Welche Pilze sind dieses Jahr schon in Eurem Korb gelandet, und welche möchtet Ihr noch entdecken? Habt Ihr beim Lesen Lust bekommen, selbst wieder in den Wald zu ziehen? Vielleicht habt Ihr ja Pilzglück und probiert danach gleich das Rezept für unser Pilz-Risotto aus. Oder Ihr nehmt Euch Zeit, den Wald genauer zu beobachten und neue Arten zu entdecken, die Euch beim Spaziergang vielleicht sonst entgehen würden.

Egal ob voller Pilzkorb oder spannende Funde beim Spaziergang – wir wünschen Euch viel Spaß beim Entdecken der herbstlichen Pilzvielfalt im Wald!

Von wem ist dieser Artikel?

Dieser Artikel stammt nicht aus unserer Feder, sondern ist ein Gastauftritt von Clara Meyer zu Altenschildesche. Clara ist begeisterte Artikelschreiberin und Kommunikationsexpertin. Zusammen mit Maren Mußenbrock bildet sie Redebedarf, eine Kommunikationsagentur, mit der wir von Forst erklärt schon lange und gerne zusammenarbeiten. Schaut da mal vorbei!

Quellen:

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/9/12.html

https://www.helmholtz.de/newsroom/artikel/der-groesste-organismus/

https://www.pilzbuch-pilzwelten.de/

https://www.weser-kurier.de/landkreis-verden/expertin-niemals-in-einer-plastiktuete-sammeln-doc7e4cteg7xw2kwdey599

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze/wissenswertes/

https://www.gartenverband-wedding.de/gartenfachberatung/tipps-fuer-den-garten/baumpilze-die-gefahr-im-holz/10602

https://www.dgfm-ev.de/infothek/pilze-im-oekosystem

https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2025/09/24/vergiftungen-durch-pilze-verwechslungen-koennen-toedlich-sein/

https://www.pirsch.de/jagdwissen/drogen-gifte-wie-reagieren-tiere-darauf-37330 

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze-und-flechten/04010.html

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Unsere Vögel: Der Sperlingskauz https://forsterklaert.de/sperlingskauz https://forsterklaert.de/sperlingskauz#respond Sat, 01 Nov 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6146 Wir sollen nicht nach dem Äußeren urteilen, das lernen wir (im besten Fall) schon in unserer Kindheit. Was essentiell für...

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Wir sollen nicht nach dem Äußeren urteilen, das lernen wir (im besten Fall) schon in unserer Kindheit. Was essentiell für ein gutes menschliches Miteinander ist, trifft auch bei diesem kleinen Vögelchen zu. Der Sperlingskauz ist winzig, aber es verbirgt sich einiges hinter seiner unscheinbaren Fassade. Was, lernt Ihr in diesem Artikel.

Der irritierte Blick vom Sperlingskauz ist iconic. Foto: igreen/Jonathan Fieber

Die kleinste Eulenart Europas

Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) ist winzig. Die Weibchen werden größer und erreichen trotzdem nur eine Größe von bis zu 19 cm, was so ungefähr einer Handspanne entspricht. Sie überragen nur so gerade eben unsere Smartphones! Entsprechend wiegt der Kauz auch nur ungefähr so viel wie eine Tafel Schokolade, seitdem wir nur noch Mogelpackungen von 80 oder 90 Gramm kriegen.

Das Gefieder vom Sperlingskauz ist braun mit weißen Sprenkeln, wobei die Unterseite weißlicher ist. Über den Bauch ziehen sich dünne Streifen und die Brust ist braun. Auffallend ist auch sein “Gesichtsausdruck”. Es sieht fast so aus, als hätte er Augenbrauen, weshalb er die meiste Zeit streng oder irritiert guckt und etwas angepisst wirkt.

Wusstest Du schon…?
Manche Eulen, wie auch der Sperlingskauz, haben ein sogenanntes Scheingesicht. Die Federzeichnung am Hinterkopf der Eule sieht aus wie ein zweites Paar Augen. Das soll Fressfeinde abschrecken.

Der Sperlingskauz ist Nachmieter vom Specht

Der Kauz lebt vor allem in Nadelholz-, aber auch in Mischwäldern. Wichtig ist dabei vor allem, dass sich dort einige ältere Bäume befinden, in denen Höhlen sind. In diesen lebt und nistet der Sperlingskauz nämlich, besonders gern in Baumhöhlen, die ihm zuvor der Specht angelegt hat.

In Deutschland leben geschätzte 3400 – 6000 Brutpaare und der Sperlingskauz ist nicht gefährdet. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall: Man ist immer wieder überrascht, wo man den kleinen Vogel überall findet. Entweder er breitet sich weiter aus oder wurde schlichtweg bisher oft übersehen. Der Sperlingskauz ist sehr scheu und bevorzugt dichte und strukturreiche Wälder. Er ist zwar manchmal tagsüber, aber vor allem in der Dämmerung unterwegs. Wenn er bisher oft übersehen wurde, wäre das also nicht überraschend.

Was kaut der Kauz?

Auf dem Speiseplan stehen Singvögel und Kleinsäuger wie Mäuse. Während der Sperlingskauz am liebsten Tiere jagt, die kleiner sind als er, kann er auch Vögel erlegen, die ihn überragen, zum Beispiel die ein oder andere Drossel. Die Jagd auf Vögel ist im Winter wichtig, da sich Mäuse unter der Schneedecke verstecken können. Im Winter – und im Frühling, wenn die Jungen versorgt werden müssen – legt er deshalb auch Vorräte an. Dafür deponiert er seine meist kopflose Jagdbeute auf Astgabeln in der Nähe seiner Höhle.

Dieser Sperlingskauz ist noch recht jung. Foto: igreen/Jonathan Fieber

Sperlingskauz-Babys werden gegen ALLE verteidigt

Kauz-Paare gehen saisonale Beziehungen ein, das Weibchen legt Mitte April bis Mitte Mai vier bis sieben Eier. Es legt die Eier im Abstand von zwei Tagen, trotzdem schlüpfen die Junge meist ziemlich gleichzeitig nach ungefähr 30 Tagen. Das gelingt, indem das Weibchen erst mit dem letzten Ei zu brüten anfängt. Bis Mitte Juli werden die Baby-Kauze dann flügge.

Wenn man jetzt aber nur süße kleine Vögel im Kopf, und noch viel süßere noch kleinere Baby-Vögel, dann hat man sich vom Sperlingskauz täuschen lassen. Vor allem bei der Verteidigung der Junge können die Kauze ganz schön aggressiv werden und nehmen es da auch gerne mal mit deutlich größeren Vögeln wie Krähen auf. Nesträuber sollten also ganz genau kontrollieren, dass die Eltern-Kauze gerade nicht Zuhause sind, wenn sie auf einen Beutezug gehen wollen. Bloß bei den natürlichen Feinden vom Sperlingskauz geht der Kampf öfter anders aus, das sind andere Eulenarten, Sperber und Habichte. Die Art hält sich aber ganz gut, weil jedes Paar so viele Eier ausbrütet.

Kleiner Vogel viel dahinter

Es ist wirklich schön, ab und zu mal über Arten schreiben zu können, die nicht akut gefährdet sind. Klar, auch für den Sperlingskauz sind Straßenverkehr und Lebensraumverlust durch menschliches Eingreifen und den Klimawandel Gefahren. Aber bisher findet man eher mehr Kauze als erwartet. Vielleicht liegt das an seinen Kampfskills, aber wir reden ja nicht über den Fight Club. Hättet Ihr gewusst, wie gut sich der kleine Kauz verteidigen kann? Lasst uns gerne mal einen Kommentar da – denn wir hatten jetzt seit einer Weile ein Problem mit der Kommentarfunktion und freuen uns nun, wo es repariert ist, um so mehr über jedes Feedback von Euch!

Quellen:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/portraets/sperlingskauz/

https://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/arten/gruppe/voegel/kurzbeschreibung/102973

https://www.wald.rlp.de/wald/voegel/sperlingskauz https://www.featherbase.info/de/species/glaucidium/passerinum

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Heilpflanzen des Waldes https://forsterklaert.de/heilpflanzen https://forsterklaert.de/heilpflanzen#respond Sun, 26 Oct 2025 09:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6075 Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch...

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Der Wald bietet uns nicht nur Ruhe in unserem Alltag, Holz für unsere Öfen oder reines Grundwasser. Er beherbergt auch viele heilende Pflanzen, Pilze und Bäume, die uns mit ihren Blättern, Rinden oder Beeren auf natürliche Weise helfen können. Selbst wenn wir in die Apotheke gehen, befinden sich in einigen der Medikamente noch pflanzliche Bestandteile. Wenn Ihr mehr über einige Heilpflanzen aus dem Wald lernen möchtet, seid Ihr hier genau richtig! 

Jahrhundertelange Anwendung von Heilpflanzen

Die Anwendung von Heilpflanzen oder -pilzen geht Hand in Hand mit der Existenz des Menschen. Habt Ihr als Kinder vielleicht auch Kamillentee zu trinken bekommen, wenn Ihr Magen-Darm hattet? Bereits bei Steinzeitmenschen vor über 50.000 Jahren wurden Pflanzenrückstände wie Kamille oder Schafgarbe nachgewiesen. Forscher:innen vermuten, dass die in der Küche wenig relevanten Kräuter schon damals zum Kurieren von Magen-Darm-Problemen genutzt wurden! 

Auch Ötzi, eine der wohl bekanntesten Gletschermumien, trug neben Pfeil, Bogen und Feuerstein auch einen Pilz bei sich. Der Birkenporling wird heutzutage als sogenanntes “Superfood” geschätzt. Der Mann aus dem Eis trug ihn damals wohl aufgrund seiner Heilkräfte mit sich. Denn heute ist nachgewiesen, dass der Birkenporling antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend wirkt. 

Der Birkenporling ist einer von vielen Pilzen, die an der Birke vorkommen können. 

Zunächst ist es aber wichtig eines klarzustellen: Grundsätzlich sollte man als unerfahrene Person nichts aus dem Wald sammeln oder essen. Auch das Reinigen der Heilpflanzen aus dem Wald ist unheimlich wichtig, damit man sich nicht mit Krankheiten wie dem Fuchsbandwurm infiziert. Kontaminierte Lebensmittel sind dabei nicht unbedingt von außen erkennbar. Vor allem beim Sammeln von Pilzen gilt besondere Vorsicht. Mehr darüber erfahrt Ihr in diesem Artikel

Wusstest Du schon…?
Die Knolle des Bärlauchs soll in Alkohol eingelegt ein wirksames Heilmittel gegen Verspannungen und Krämpfe sein. Man reibt das Gemisch auf die Gliedmaßen. Wenn Ihr mehr über den Bärlauch, das Sammeln und das Zubereiten erfahren möchtet, findet Ihr hier mehr! 

Der Baum – Die Weide (Salicaceae) 

Weiden findet man nicht in jedem Waldgefüge. Sie bevorzugen helle und feuchte Standorte und kommen deswegen oft an Flussufern oder in Moorlandschaften vor. Wälder, die in der Überflutungszone von Gewässern liegen und mit einem hohen Grundwasserspiegel gesegnet sind, nennt man Auwälder. Auch in diesen Ökosystemen fühlt sich die Baumart sehr wohl.

Die Purpur-Weide ist eine der Heilpflanzen, nach denen Ihr bei Kopfschmerzen Ausschau halten müsst!

In der Rinde einiger Weidenarten ist der schmerzlindernde Wirkstoff Salicylat enthalten. Sein Gehalt variiert je nach Art. Besonders die heimische Bruchweide (Salix fragilis), Purpurweide (Salix purpurea) und Silberweide (Salix alba) sind reich an diesem natürlichen Heilmittel – sie gelten als „Aspirin aus der Natur“. Der in ihrer Rinde enthaltene Stoff ist mit jenem verwandt, der auch in handelsüblichen Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen zum Einsatz kommt. Bereits in der Antike sprach der berühmte griechische Arzt Hippokrates in seinen Schriften über die schmerzlindernden Fähigkeiten der Weidenrinde. Nach der Entdeckung des Salicin in der Weide begann jedoch die Entwicklung von synthetischer Salicylsäure, um den Stoff in der Pharmazie zu etablieren. 

Der natürliche Wirkstoff ist dabei milder, aber langanhaltender als der synthetische Stoff (z.B. in Aspirin) und ruft weniger Nebenwirkungen hervor. Leidet man also häufig unter Kopfschmerzen, kann man sich aus der Rinde dieser Bäume und in der richtigen Dosierung einen Tee aufgießen. Die schmerzlindernde, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkung der Weide hilft auch bei fiebrigen Erkältungen oder Rückenschmerzen.

Die Weiden-Arten sehen sich häufig zum Verwechseln ähnlich und hybridisieren auch miteinander. Das bedeutet, dass Ihr auch Mischungen zweier Weiden-Arten vorfinden könnt. 

Die Pflanze – Brennnessel (Urtica dioica) 

Viele Pflanzen haben wohltuende Auswirkungen auf uns. Bei einigen wie Finger- oder Eisenhut kommt es jedoch ganz auf die Dosierung an. Mehr über Giftpflanzen und ihre Verwendung in der Medizin, erfahrt Ihr in diesem Artikel

Eine Pflanze, die auch in Massen nicht gefährlich wird und sich deshalb ausgezeichnet zum Sammeln eignet, ist die Brennnessel. Trotz ihrer Abwehrmechanismen, die rote Quaddeln und Brennen hinterlassen, kann man die Pflanze vielseitig nutzen. 

Im Mittelalter wurden die harten Stängel der Brennnessel genutzt, um aus den Fasern Stoff herzustellen. Nur circa 8 % der Pflanze verbleiben nach der Verarbeitung für die Stoffherstellung. Dieser sogenannte Nesselstoff wird heute aufgrund der wenig ergiebigen Herstellung nur noch vereinzelt gehandelt. 

Die Brennnessel scheint ein gemeiner Garten-Gefährte zu sein, doch schlummern in ihr wahre Heilkräfte! 

Wusstest Du schon…?
Wenn Ihr eine Brennnessel ohne Handschuhe pflücken möchtet, müsst Ihr sie von unten nach oben anfassen. Wenn Ihr in diese Richtung streicht und zugreift, bleiben die Härchen intakt und die brennende Flüssigkeit wird nicht freigesetzt. 

Widerspenstiges Unkraut oder Heilpflanzen?

Doch wieso sollte man sich die Mühe machen, diese widerspenstige Pflanze zu sammeln? Die Brennnessel regt die Blasen- und Nierentätigkeit an. Auf gut Deutsch heißt das, sie spült einen so richtig durch. Dadurch werden Schadstoffe oder Bakterien aus dem Körper ausgeschieden. Dafür muss man die Pflanze noch nicht einmal konsumieren. Ein Tee aus den Blättern genügt vollständig. Wenn man sich eine Suppe aus den Blättern zubereitet, sollte die Pflanze auch heilsam auf Magen und Darm wirken. Durch die entzündungshemmende Wirkung der Brennnessel findet man sie in vielen Tees, zum Beispiel zum Kurieren von Blasenentzündungen. 

Im Wald findet Ihr Brennnesseln auf nährstoffreichen oder verdichteten Böden. So fühlen sie sich sehr wohl auf Rückegassen, Waldränder oder Freiflächen. Vor dem Verzehr oder Trocknen solltet Ihr die Pflanzen gründlich abwaschen.  

Kleiner Tipp: Die Brennhaare der Pflanze stechen Euch nur, wenn Ihr sie gegen die Wuchsrichtung anfasst. Das heißt, wenn Ihr die Brennnessel von unten nach oben am Stengel anfasst, um sie z.B. zu entfernen, wird sie Euch nicht stechen. 

Der Strauch – Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) 

Der Schwarze Holunder ist ein bis zu 8 Meter hoher Strauch. Von Juni bis Juli trägt er weiße Blüten, die später zu blauschwarzen Beeren werden.

Bereits die Römer und Germanen schätzten die heilenden Wirkungen des Strauchs und nutzten sie für unterschiedliche Krankheiten. Die Germanen waren außerdem davon überzeugt, dass im Holunder gute Geister wohnen und pflanzten ihn in die Nähe ihrer Häuser. 

Ein großer Holunderstrauch am Wegesrand im Wald. 

Heute weiß man, dass die Blüten des Holunders schweißtreibend wirken. Aus ihnen kann man Sirup, Gelee oder Sekt herstellen. Der Saft der Beeren hilft gegen Erkältungen und Fieber. Bei Rachen- oder Mandelentzündung wirkt das Gurgeln lindernd auf die Beschwerden. Als einheimischer Vitamin C Lieferant kann der Saft auch zu Gelee weiterverarbeitet werden und kann so auch als Leckerei den Herz-Kreislauf fördern. 

Roh sollte man die Beeren des Holunders jedoch nicht essen. Selbst wenn die Beeren reif sind, lösen sie bei vielen Menschen Brechreiz aus. In noch nicht vollständig gereiften Beeren befindet sich darüber hinaus noch ein giftiger Stoff, der abführend wirkt und zu Erbrechen führen kann. Der Stoff namens Sambunigrin befindet sich auch in der Rinde oder den Blättern des Strauches.

Aus diesem Grund sollte der Saft vor dem Konsum noch einmal aufgekocht werden.  

Die Blüte des Holunders lockt auch viele Insekten an, die sich genau wie wir an ihrem Geschmack erfreuen. 

Interessieren Euch Anleitungen, wie Ihr die heilenden Säfte und Tees herstellen könnt? Oder habt Ihr selbst erprobte Rezepte und Erfahrungen mit Heilpflanzen aus dem Wald? Dann lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Quellen:

https://www.komp-wald-natur.de/fort-weiterbildung/heilpflanzen-im-wald/heilpflanzen-im-wald/

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/nebennutzung/waldprodukte/heilpflanzen-aus-dem-wald#c107655

https://vorarlberg.orf.at/stories/3130602

https://www.brennpunktbrennnessel.ch/brennnesselfaser.php

https://blog.naturimgarten.at/beitrag/heimische-weiden-fuer-viele-einsaetze.html

https://www.muenchener-verein.de/ratgeber/gesundheit/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-migraene

https://kraeutermax.com/de-de/pages/weidenrinde-laeuse-wirkung 
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/natur/02698.html

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