Forst erklärt https://forsterklaert.de/ Wissen aus dem Wald Sun, 12 Jul 2026 10:13:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Forst erklärt https://forsterklaert.de/ 32 32 WMADWR #38 Zombiebäume im Mittelalter https://forsterklaert.de/wmadwr38zombiebaume https://forsterklaert.de/wmadwr38zombiebaume#respond Sun, 12 Jul 2026 10:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6789 Nach dem ersten Gespräch beim Chef gibt es nun ein zweites. Diesmal ist der Chef aber Gregor Seitz, Forstamtsleiter im...

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Nach dem ersten Gespräch beim Chef gibt es nun ein zweites. Diesmal ist der Chef aber Gregor Seitz, Forstamtsleiter im Forstamt Annweiler. Nachdem die Westfälische Dachsbracke Enno auch endlich mal das Podcast-Studio betreten hat, packt Gregor sein geballtes Wissen aus. Der erste Tausendsassa, den er vorstellt, ist die Esskastanie aka Edelkastanie aka Marone aka Keschte aka Nenn-Den-Baum-Wie-Du-Willst. Dass der Baum so weit in der Pfalz verbreitet ist, wird klar, wenn man die historische Nutzung betrachtet: Holzpfähle für Rebstöcke, Bretter für Möbel, saure Rinde zum Gerben, Blütentracht für die Honigbiene und die Kastanie aka Marone, zum Räuchern, Rösten, Brotbacken und sogar Brauen. Und letztendlich konnte man die Stämme auch als Brennholz benutzen. Denkt man mal 200 Jahre zurück, fragt man sich, wie Bäume eigentlich geerntet und transportiert worden sind. Damit sind wir beim Thema der Folge angekommen: Holztrift. Wer die Trift mal in Aktion sehen möchte, kann es in unserem Video anschauen. Das Triftfest ist leider schon vorbei – wird aber bestimmt nächstes Jahr wiederholt.

Wenn Ihr denkt, die Esskastanie war die Art der Folge, dann habt Ihr Euch geschnitten! Das ist nämlich dieser Kamerad: Der Veränderliche Edelscharrkäfer. Seltener als selten und trotzdem hat er sich mit seiner Geschichte in unseren Titel geschlichen.

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr uns sogar selbst mal für eine Podcastfolge buchen?

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Rezension: Praxis Handbuch – Naturschutz in der Waldwirtschaft https://forsterklaert.de/handbuch https://forsterklaert.de/handbuch#respond Sun, 12 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6751 Moin zusammen an alle Waldinteressierten da draußen. Wir, bei Forst erklärt, möchten Euch alle Themen rund um den Wald und...

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Moin zusammen an alle Waldinteressierten da draußen. Wir, bei Forst erklärt, möchten Euch alle Themen rund um den Wald und die Forstwirtschaft näher bringen. Sowohl die Aspekte rund um die Nutzung des Waldes, aber auch die Schutz- und Erholungsfunktion. Dabei haben wir in vielen Artikeln bereits öfter das Thema Waldnaturschutz beleuchtet. Was bedeutet zum Beispiel Prozessschutz? Oder was sind eigentlich Mikrohabitate, und wo finden wir die? In unserem heutigen Artikel möchten wir tatsächlich gar nicht selbst über das Thema Waldnaturschutz schreiben, haben aber einen Tipp für ein Handbuch für Euch.

Ein erster Blick ins Handbuch.

Was kann Naturschutz im Wald bedeuten?

Bei Waldnaturschutz soll es nicht darum gehen, Wälder komplett stillzulegen und nicht mehr zu nutzen. Vielmehr ist das Ziel, Aspekte zum Schutz mit in die Waldnutzung zu integrieren: Wie gestalte ich eigentlich einen Wald so, dass bestimmte, seltene oder bedrohte Insekten- oder Pilzarten darin vorkommen können? Wieso mögen bestimmte Fledermäuse sogenannte “Raschelwälder” ohne Unterwuchs, also junge Bäume? Wie unterscheidet sich die Schwarzspechthöhle von der eines Buntspechtes? Wieso können zerfahrene Wege auch etwas gutes bewirken? Wer sich diese und weitere spannende Infos nicht entgehen lassen möchte, sollte dran bleiben. 

Was erwartet Euch in diesem Handbuch?

Das Praxis Handbuch – Naturschutz in der Waldwirtschaft von Andreas Arnold, Hans-Joachim Bek, Markus Handschuh, Heiko Hinneberg, Andreas Kühnhöfer, Jochen Müller, Peter Schüle, Winfried Seitz und Claus Wurst, 2024 erschienen im Ulmer Verlag, liefert einen ziemlich aktuellen Wissensstand rund um das Thema Waldnaturschutz. Das Buch ist mit etwa 180 Seiten kein dicker Wälzer, sondern liefert kompakt die wichtigsten Fakten. Vor allem ist es aber ein praxisnaher Leitfaden für alle, die Wald nicht nur nutzen, sondern auch aktiv zum Erhalt des Artenschutzes beitragen möchten. Das Buch liefert grundlegendes Wissen über waldtypische Arten mit konkreten Vorschlägen zu Maßnahmen, um deren Lebensräume zu schützen, erhalten und zu verbessern. Dabei gibt es praxisnahe Handlungsempfehlungen, um die Bewirtschaftung und den Schutz möglichst gleichermaßen umsetzen zu können. Mal eben fix durchgeblättert, findet man ziemlich schnell die wichtigsten Infos und Tipps, wie man bspw. dem Schwarzspecht oder der Mopsfledermaus ein angenehmes Zuhause schaffen kann.

Wie lässt sich der Schutz des Waldes mit in die Bewirtschaftung integrieren? Das Anbringen von Nistkästen kann dabei eine Maßnahme darstellen.

Welche Infos kriege ich im Praxis Handbuch, welche nicht?

Das Buch gliedert sich in eine allgemeine Einleitung zum Naturschutz im Wald und bietet dann eine Aufgliederung in bedeutende Artengruppen und Arten im Wald. Zunächst werden Artengruppen wie Käfer, Fledermäuse, Spechte, Eulen oder Amphibien vorgestellt, bevor einzelne Leitarten exemplarisch vertieft werden – etwa Eremit und Heldbock bei den Käfern, Mopsfledermaus und Großes Mausohr bei den Fledermäusen oder Sperlingskauz und Uhu bei den Eulen. Leserinnen und Leser erhalten Einblicke in deren Lebensraum- und Nahrungsansprüche sowie Hinweise darauf, wie sich das Vorkommen bestimmter Arten im eigenen Wald erkennen lässt. Dabei geht es wirklich nur um die wichtigsten Informationen. Wer jedoch tiefer einsteigen möchte, erhält Hinweise zu weiterführender Literatur.

Am Ende gibt es zudem noch einen Abschnitt, bei dem der Erhalt und Schutz eines ganz besonderen Waldtypes im Vordergrund steht: die sogenannten Waldweiden oder auch Hutewälder. Ein Relikt aus vergangen Zeiten, was tatsächlich immer seltener wird und aktiver Pflege bedarf. In diesem Video haben wir Euch bereits dazu berichtet.

Außerdem gibt es Tipps und Ideen zur Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Waldnaturschutz. Wie kann ich der Welt da draußen eigentlich vermitteln, was ich hier Tolles umgesetzt habe? Auch ein ganz wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit für Waldnaturschutz zu sensibilisieren und zu begeistern, denn: Man schützt nur, was man kennt. 

Viele waldbewohnende Arten sind auf das Vorkommen von ausreichend Totholz und alten Bäumen angewiesen.

Ein großer Mehrwert des Handbuchs liegt in seinem konsequenten Praxisbezug. Zu jeder Art oder Artengruppe werden konkrete Maßnahmen beschrieben, mit denen Waldbesitzende und Förster:innen Lebensräume erhalten oder gezielt verbessern können. Dabei geht es sowohl um strukturelle Maßnahmen im Wald als auch um eine veränderte Bewirtschaftung. 

Für wen ist das Buch was?

Adressiert ist das Buch vor allem an Waldbesitzende, Försterinnen und Förster sowie Forstwirtinnen und Forstwirte. Gleichzeitig eignet es sich auch für alle Naturschutz- und Waldinteressierten, die ein fundiertes Überblickswerk suchen. Es ist bewusst nicht für Laien geschrieben, sondern für diejenigen, die täglich im Wald arbeiten. Entsprechend kann es schwerer zugänglich sein, wenn man es aus reiner Neugier lesen möchte.

Abblätternde Rinde kann eine Unterschlupfmöglichkeit bieten, beispielsweise für die Mopsfledermaus.

Unser Fazit

Wer Basiswissen für bestimmte Waldarten und deren Lebensraumansprüche sucht, macht mit diesem Buch alles richtig. Das Handbuch bietet eine gelungene Kombination aus Artenkenntnis und praktischen Handlungsempfehlungen. Es vermittelt ein grundlegendes Verständnis für die Ansprüche ausgewählter Waldarten und zeigt auf, wie Bewirtschaftung entsprechend angepasst werden kann – oder wo es sinnvoll ist, bewusst auf Eingriffe zu verzichten. Gleichzeitig liefert es weiterführende Literaturhinweise für alle, die tiefer in einzelne Themen einsteigen möchten. Insgesamt ist es ein wertvolles Werkzeug für alle, die den Naturschutz im eigenen Wald aktiv voranbringen wollen. Erhältlich beim Ulmer Verlag für 44 Euro. Leute ruhig bleiben, das könnt Ihr alles von der Steuer absetzen! Fortbildungsliteratur und so…

Transparenzhinweis: Wir haben das Rezensionsexemplar für diesen Artikel kostenfrei zugeschickt bekommen. Für die Veröffentlichung der Rezension erhalten wir kein Geld und sind zu keiner bestimmten Darstellung verpflichtet.

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Unsere Bäume – Zitterpappel (Populus tremula)  https://forsterklaert.de/zitterpappel https://forsterklaert.de/zitterpappel#respond Sun, 05 Jul 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6739 Die Zitterpappel – ein Baum mit vielen Namen. Auch als Espe oder Aspe bekannt, steckt sie hinter dem bekannten Sprichwort...

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Die Zitterpappel – ein Baum mit vielen Namen. Auch als Espe oder Aspe bekannt, steckt sie hinter dem bekannten Sprichwort „zittern wie Espenlaub“. Doch während die Redewendung fast alle kennen, wissen nur die wenigsten, welche heimische Baumart dahinter steckt. Dabei ist die Zitterpappel ein wahres Multitalent und wurde nicht ohne Grund zum Baum des Jahres 2026 gekürt. Was diesen Baum so einzigartig macht, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Zitterpartie im Blätterkleid 

Die Zitterpappel (Populus tremula) zählt zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen. Schon der kleinste Windhauch lässt ihre Blätter flirren und rascheln, wodurch der Baum fast lebendig wirkt. Genau dieses charakteristische „Zittern“ gab ihr ihren Namen und machte das Sprichwort „zittern wie Espenlaub“ bekannt. Die typisch rundlich, leicht gezähnten Blätter, die an langen, abgeflachten Stielen hängen, lassen sich besonders leicht bewegen und zittern deshalb schon beim kleinsten Windhauch. 

Die grünen, rundlichen Blätter der Espe, die nie stillstehen.

Im Frühjahr erscheinen an der Zitterpappel noch vor dem Blattaustrieb ihre Blüten: männliche purpurfarbene und weibliche grünliche Kätzchen. Aus ihnen entwickeln sich kleine Früchte mit watteartigen Samen, die der Wind über weite Strecken verbreitet. Im Herbst verwandelt sich der Baum dann in ein leuchtendes Farbspiel aus warmem Goldgelb, das kaum zu übersehen ist. Mit ihrer lockeren, luftigen Krone und dem schlanken Stamm wirkt die Zitterpappel elegant und leicht. Sie wächst schnell und erreicht meist Höhen von 15 bis 25 Meter. Hierbei besitzen junge Bäume eine glatte, graugrüne Rinde, die im Alter dunkler wird und aufreißt.

Wusstest Du schon…?
Die Zitterpappel zählt zu den am weitesten verbreiteten Baumarten der Welt. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Europa über Kleinasien bis nach China und Japan, sogar einzelne Vorkommen in Nordafrika sind bekannt. In Europa ist sie nahezu flächendeckend verbreitet und fehlt nur in wenigen Regionen wie Südspanien, Portugal oder Sizilien. 

Die graue, glatte Rinde der Zitterpappel bekommt mit dem Alter langsam ihre ersten Risse und wird dunkler. 

Die Zitterpappel, ein Multitalent

Die Espe zählt als sehr genügsame Baumart und besiedelt ein breites Klima- und Standortspektrum. Sie kommt mit ganz unterschiedlichen Bedingungen zurecht – von kühlen bis warmen Regionen und von trockenen bis niederschlagsreichen Standorten. Daher gehört sie oft zu den ersten Baumarten, die Schadflächen nach Störungen durch Stürme, Brände oder Borkenkäfer besiedeln, als sogenannte Pionierbaumart. Dabei hilft sie, den Boden zu verbessern und schafft neuen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Daher gewinnt sie in der Forstwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Doch das war nicht immer so.

Weil man ihr Holz wirtschaftlich kaum genutzt hat und sie im Wald häufig zugunsten anderer, forstwirtschaftlich attraktiverer Baumarten zurückgedrängt wurde, verschwand die Zitterpappel in den vergangenen 150 Jahren zunehmend aus unseren Wäldern. Heute ist sie selten geworden – nur etwa jeder hundertste Baum in Deutschland ist noch eine Zitterpappel. Im Hinblick auf den Klimawandel und den Artenrückgang zählt sie jedoch heute als wichtige und zukunftsfähige Baumart. 

Ob im Wald oder am Wegesrand – die Zitterpappel zeigt sich hier in ihrem saftigen Grün. 

Zittern im Wald, in Gärten und an Alleen

Die Zitterpappel fühlt sich besonders an sonnigen Waldrändern wohl, wo sie viel Licht bekommt und ihre lockere Krone frei entfalten kann. Zudem ist die Espe wegen ihres schlanken Wuchs und der leuchtend goldgelben Herbstfärbung ein beliebter Zier- und Alleebaum. Auch in der Landwirtschaft wird sie häufig auf offenen Flächen gepflanzt, um den Wind zu bremsen und so die Erosion des Bodens zu verringern. Zudem zeigt sie ihre Vielseitigkeit nicht nur als lebender Baum, sondern auch nach der Holzernte. Ihr Holz ist hell, sehr leicht und lässt sich gut verarbeiten. Deshalb steckt die Zitterpappel heute in vielen Alltagsprodukten – von Zündhölzern über Sperrholz und leichte Möbel bis hin zu Papier. Doch damit nicht genug: Durch ihr schnelles Wachstum eignen sich Pappeln auch hervorragend für Plantagen. Dort liefern sie in kurzer Zeit große Mengen an Biomasse, die unter anderem zu Hackschnitzeln für die Energiegewinnung verarbeitet werden. 

Wusstest Du schon…?
Früher nutzten Menschen die jungen Blätter der Zitterpappel als Salatzutat oder fermentierten sie aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und nutzten sie so als Ersatz für Sauerkraut. Auch die Rinde spielte damals eine wichtige Rolle: Sie enthält natürliche Stoffe, die traditionell zur Linderung von Fieber, Schmerzen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt wurden. 

Hieraus einen kleinen Beilagensalat?

Hotspot der Artenvielfalt 

Ein entscheidender Grund für die Auszeichnung der Zitterpappel als Baum des Jahres ist ihre große Bedeutung für die Artenvielfalt. Sie gehört zu den wichtigsten heimischen Futterpflanzen für Schmetterlinge. Damit bietet sie über 60 Schmetterlingsarten eine Eiablage und Nahrungsgrundlage für ihre Raupen. Sehr seltene und gefährdete Schmetterlingsarten wie der Große Eisvogel (Limenitis populi) und der Kleine Schillerfalter (Apatura ilia) sind eng an die Zitterpappel gebunden und kommen dort regelmäßig vor. Auch viele Vogelarten profitieren indirekt von der Aspe, da sie eine große Zahl an Insekten wie beispielsweise verschiedene Käferarten anziehen. So entsteht ein reich gedecktes Buffet für die gefiederten Bewohner des Waldes.

Durch ihr weiches Holz entstehen häufig Höhlen, die vielen Vogelarten und anderen Tieren geschützte Nist- und Rückzugsorte bieten. So leistet die Zitterpappel einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und bietet auch spezialisierten sowie gefährdeten Insektenarten eine wertvolle Lebensgrundlage. Aus Sicht des Waldnatuschutzes zählt die Aspe daher als wertvolle Baumarten, um die Artenvielfalt zu bewahren. 

Im Stamm der Zitterpappel entsteht eine natürliche Höhle, die wertvollen Lebensraum für viele Arten schafft.

Die Auszeichnung der Zitterpappel als Baum des Jahres 2026 ist somit mehr als verdient. Nicht nur ihre Namensvielfalt, sondern auch ihre weite Verbreitung und ihre Bedeutung für zahlreiche Arten machen sie zum Sinnbild für Vielfalt. Damit macht sie deutlich, dass Bäume weit mehr sind als Teil des Waldes oder Landschaft. Sie sind lebendige Lebensräume, deren Schutz entscheidend für die Zukunft unserer Natur ist.

Quellen:

https://www.forstpraxis.de/baum-fuer-wandel-zitterpappel-baum-jahres-2026-24052

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/zitterpappel

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WMADWR #37 – Von Business und Bäumen https://forsterklaert.de/wmadwr37business https://forsterklaert.de/wmadwr37business#respond Sat, 04 Jul 2026 22:01:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6760 Habt Ihr auch manchmal Ideen im Kopf, bei denen Ihr Euch denkt: Das ist die Geschäftsidee! Das fehlt noch in...

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Habt Ihr auch manchmal Ideen im Kopf, bei denen Ihr Euch denkt: Das ist die Geschäftsidee! Das fehlt noch in der Welt, das müsste mal jemand machen. Ein Start-Up gründen oder sonst ein Business. Mit Drohnen Waldbrände suchen und löschen oder keine Ahnung was…

Und am Ende verwerft Ihr diese Ideen meist, weil Ihr kein Geld für die Entwicklung oder keine Ahnung habt, wie man ein Unternehmen gründet. Aber einige solcher Ideen werden dann tatsächlich in die Tat umgesetzt und das ein oder andere Business mit den Bäumen geht an den Start. 

Es ist eine Premiere oder irgendwie auch gleich zwei: Jan und Felix haben ihren ersten Live-Podcast auf der Forstvereinstagung aufgenommen und das nicht mit einem, nicht mit zwei, sondern mit drei Gästen! Verrückt die beiden! Und dann auch noch mit so einem aufregenden Thema.

Mit Audiohorchboxen in Wald und Feld soll Biodiversität mit Hilfe von KI-gestützter Arterkennung erfasst und überwacht werden. Diese Start-Up Idee stellt Euch Julia Roblick von Hula Earth vor. Benjamin Kowalski von der Future Forest Initiative erklärt, wie aus einer Idee ein Unternehmen entsteht. Und Hagen Augustin von der Rentenbank erklärt, wie es ums Geld für Start-Ups steht und welche Kriterien ein Unternehmen und deren Vision erfüllen muss, damit es auch gefördert wird.

Es ging locker lustig und etwas wild zu. Aber hört selbst rein…

Erzählt uns gerne, wie Ihr unseren Podcast findet, welche Gäste Ihr gerne hören würdet und welche Themen wir in den nächsten Folgen besprechen sollen. Tippt Eure Anregungen gerne einfach hier unten in die Kommentare! Oder wollt Ihr uns sogar selbst mal für eine Podcastfolge buchen?

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Karte, Kluppe, Kompass – Must-Have Ausrüstung von Förster:innen https://forsterklaert.de/ausruestung https://forsterklaert.de/ausruestung#respond Sun, 28 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6727 Förster:innen haben einen abwechslungsreichen und sehr vielseitigen Beruf – genau das macht ihn für viele so spannend. Bei der Arbeit...

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Förster:innen haben einen abwechslungsreichen und sehr vielseitigen Beruf – genau das macht ihn für viele so spannend. Bei der Arbeit im Wald wird es nie langweilig, denn die Tätigkeiten sind so vielfältig wie der Wald selbst – oft von Jahreszeiten und Wetter beeinflusst. Viele verschiedene Aufgaben erfordern natürlich eine entsprechende Ausrüstung. Nicht verwunderlich also, dass das Auto von Revierleiter:innen oft rollendes Büro, Kleiderschrank und Werkstatt in einem ist. Was man in der Wunderkiste Forstauto alles finden kann und welche Grundausrüstung Förster:innen für die alltägliche Arbeit so brauchen, lest Ihr in diesem Artikel! 

Falls Ihr nach diesem Artikel auch mit den ganzen Gadgets arbeiten wollt, erfahrt Ihr hier, wie Ihr Förster:in werden könnt.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!

Mit der richtigen Kleidung steht und fällt der Arbeitsalltag im Wald. Im Sommer sollte sie möglichst atmungsaktiv und trotz der Temperaturen lang sein, da Zecken und Mücken sonst ein leichtes Spiel haben. Auch kurze Hosen sind im Wald nicht immer eine gute Idee, Brombeerstacheln oder dichte Naturverjüngung sind nicht unbedingt angenehm. Im Winter bewährt sich vor allem atmungsaktive, wärmende Kleidung. Zwiebellook ist hier die beste Wahl, um flexibel auf wechselnde Bedingungen reagieren zu können. Ein weiterer Tipp ist, in wirklich hochwertige Kleidung zu investieren. Während Architekt:innen und Banker:innen für viel Geld teure Anzüge kaufen, sind es im Forst eben die hochwertige Regenjacke und die guten Bergschuhe, die teuer sind, aber den Arbeitsalltag deutlich angenehmer machen. Gerade die Schuhe spielen eine zentrale Rolle – sie müssen unbedingt wasserdicht sein, sicheren Halt bieten und bequem sein, da man oft den ganzen Tag auf den Beinen ist. 

Ein weiterer, ganz wichtiger Punkt ist Warnkleidung und ein geeigneter Forsthelm. Gerade im laufenden Hieb, also bei der Holzernte, sind Jacken in neongelb oder neonorange und ein Helm das absolute Minimum, wenn man sich den großen Maschinen nähert. Nur so können Maschinenführer:innen sich nähernde Personen rechtzeitig erkennen und reagieren. Die Sichtbarkeit ist hier ein entscheidender Sicherheitsfaktor. 

Gute Ausrüstung macht den Arbeitsalltag nicht nur angenehmer, sondern auch sicherer.

Gute Organisation ist die halbe Miete

Nicht nur für Influencer:innen, sondern auch für Förster:innen gilt: ohne Smartphone läuft hier gar nichts! Handy, Terminkalender und Notizbuch gehören zu den wichtigsten Begleitern im Arbeitsalltag und sind oft im Dauereinsatz. Man unterschätzt leicht, wie viel Arbeitszeit ein:e Förster:in am Telefon verbringt! Beim Koordinieren von mehreren Forstunternehmen, Holzkäufen, Waldbesitzenden, usw. ist eine gute Organisation das A und O für einen funktionierenden Arbeitsalltag. 

Zu der technischen Ausrüstung gehört neben dem Smartphone häufig noch ein Tablet. Das nutzen die meisten Forstbetriebe mit speziellen Softwareprogrammen für die Forstwirtschaft. Solche Programme und Apps ermöglichen eine vollständige Digitalisierung des Reviers und aller Maßnahmen, was die Planung von Hieben oder die Einweisung von Forstunternehmen enorm vereinfacht. Das Tablet ersetzt dabei inzwischen oft die physische Forstbetriebskarte von früher. Ein weiterer Bereich, in dem Tablets klare Vorteile bieten, ist die Holzaufnahme, also die Erfassung des gefällten und zu verkaufenden Holzes. Maße lassen sich schnell erfassen und direkt weiterleiten. Moderne Anwendungen können sogar Polter über ein einfaches Foto davon vermessen. Ein Foto genügt, um die Holzmenge auf dem Lagerplatz zu bestimmen – das ist effektiv und spart viel Zeit im Arbeitsalltag.

Wichtiger Tipp: immer Ladekabel und/oder Powerbanks im Auto haben – der Weg ins Büro und zur nächsten Steckdose kann lang sein!

Kein Arbeitstag ohne Handy & Terminkalender!

Der ständige Begleiter: Forstmarkierfarbe

Ein Gegenstand, ohne den Förster:innen nicht aus dem Auto steigen, ist die Farbdose. Das Markierungsspray gibt es in allen möglichen Neon- und Standardfarben. Es gibt neben der normalen Farbe zum Auszeichnen von zu fällenden Bäumen auch Langzeitfarbe für Grenz- oder Gassenmarkierungen, die deutlich länger sichtbar ist. Damit markiert man beispielsweise auch Habitatbäume, die unbedingt stehen bleiben sollen. Verschiedene Farben und Zeichen markieren die Bäume so, dass die Zeichen für alle, die im Forst arbeiten, verständlich sind. Falls Du Dich fragst, was all die bunten Zeichen im Wald bedeuten, schau Dir gerne dieses Video an. Neben der (semi-)permanenten Forstmarkierfarbe finden für temporäre Markierungen biologisch abbaubare Markierungsbänder Verwendung. 

Ohne die Farbdose steigt kein:e Förster:in aus dem Auto!

Wusstest Du schon…?
Das Forstmarkierungsspray gibt es neben den ganzen Neonfarben auch in braun. Scheint auf den ersten Blick nicht viel Sinn zu ergeben, braune Farbe auf meist brauner Rinde zu verwenden. Trotzdem ist braunes Markierungsspray ein echter Geheimtipp – es eignet sich nämlich super als Radiergummi! Zum Auszeichnen einfach eine Farbdose in braun mitnehmen und wenn man sich nach dem Markieren nochmal umentscheidet, kann man braun drübersprühen, die Markierung damit „wegradieren“ und so Verwirrung beim Forstunternehmen vermeiden!

Grundausrüstung zum Messen

Eine Aufgabe, die die meisten Förster:innnen regelmäßig machen, ist das Vermessen von Holz. Einzelstammweise Vermessung z.B. von Wertholz oder Langholz erfolgt mithilfe von Maßband und Kluppe. Mit der Kluppe misst man den Durchmesser der Stämme. Um die Stämme später eindeutig zuordnen zu können, werden sie in dem Zug häufig mit individuellen Nummern versehen. Das macht man mit dem sogenannten Nummernhammer. Holzpolter dagegen vermisst man mit einem Maßband und je nach Höhe des Polters mit einem Meterstab oder einer Messlatte. Ein weiterer Gegenstand, der im forstlichen Arbeitsalltag oft Verwendung findet, ist ein Kompass. Dieser sorgt z.B. dafür, dass das Rückegassensystem möglichst parallel und gleichförmig wird. 

Hier zu sehen sind eine Kluppe, ein Maßband, ein Meterstab und ein Kompass.

Werkzeug für alle Fälle 

Obwohl ein:e Förster:in eher wenig schwere körperliche Arbeit verrichtet, gibt es dennoch Werkzeug, das in keinem Forstauto fehlen soll. Dazu gehört beispielsweise ein gutes Taschenmesser. Das ist nicht nur praktisch für die Brotzeit, sondern kann auch verwendet werden, um bei einem mit dem Borkenkäfer befallenen Baum mal einen Blick unter die Rinde werfen zu können. So kann man das Entwicklungsstadium des Käfers sehen und dann einschätzen, wie viel Zeit noch für die Aufarbeitung bleibt. 

Außerdem schadet es auch als Förster:in nicht, eine kleine Motorsäge im Auto zu haben. So kann man kleinere Arbeiten gleich selbst erledigen. Besonders wichtig wird dies nach einem Sturmereignis, wenn des Öfteren Bäume über den Forststraßen liegen und den Weg versperren. Aber Achtung, Arbeiten mit der Motorsäge bitte in jedem Fall nur mit entsprechender Schnittschutzausrüstung durchführen!

Tierisch wichtige Ausrüstung

Wie schön wäre es, wenn die Vierbeiner einfach selbst markieren könnten, oder? (Pun intended)

Für die Hundebesitzenden unter uns ist die allerwichtigste Ausrüstung natürlich eine stets adäquate Menge an Hundeschmeckis, die jederzeit griffbereit sein muss! Ebenso sollte immer ein Halsband am Hund und eine Leine am Mann bzw. an der Frau sein. Denn auch wenn der Hund gut hört, gerade in der Brut- und Setzzeit sollten die Förster:innen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Hunde angeleint lassen. Im Sommer sollte jede:r Hundebesitzer:in außerdem an einen Napf und frisches Wasser für den Vierbeiner denken. 

Richtet man den Blick statt auf Haustiere auf die Wildtiere, ist ein Fernglas ein sinnvoller Ausrüstungsgegenstand, nicht nur für Jäger:innen. Beispielsweise kann es den Blick in die Baumkrone erleichtern, um etwaige Kronenveränderungen an der Fichte durch den Borkenkäfer erkennen zu können. Auch Vogelnester oder Greifvogelhorste lassen sich damit sicher identifizieren, sodass man bei Bedarf geeignete Naturschutzmaßnahmen einleiten kann.

Die Grundausrüstung für Hundebesitzer:innen – wobei genügend zu Trinken und ein guter Snack für jeden eine gute Idee ist!

Andere Schwerpunkte, andere Must-Haves

Die Arbeit im Wald ist sehr vielseitig – und genauso unterschiedlich fällt die jeweilige Grundausstattung aus. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt variieren die Anforderungen: ein:e Waldpädagog:in arbeitet mit ganz anderer Ausrüstung als ein:e Revierleiter:in im Staatswald oder ein:e Beratungsförster:in im Privatwald. Erzähl uns doch gerne in den Kommentaren, auf welche Basics Du bei deiner Arbeit im Wald nicht verzichten kannst!

Quellen:

Eigene Praxiserfahrungen 🙂

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Biodiversität im Wald https://forsterklaert.de/biodiversitaet https://forsterklaert.de/biodiversitaet#comments Sun, 21 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6686 Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau...

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Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau ist Biodiversität eigentlich? Und was hat das mit unserem Wald zu tun? Diese Fragen und noch viele weitere zum Thema Biodiversität werden im folgenden Artikel beantwortet.

Nicht nur Pflanzen machen unseren Wald aus – auch Pilze!

Biodiversität – was steckt dahinter?

Bevor wir uns in das Thema stürzen, wie genau Biodiversität im Wald aussieht, sollten wir erst einmal klären, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Biodiversität besteht aus drei Komponenten.

Genetische Vielfalt

Die genetische Vielfalt könnt Ihr Euch gut an dem Beispiel der Gelbbauchunken vorstellen. In einem Wald gibt es eine Gelbbauchunken Population und die haben zwei Gene, die bestimmen, ob sie eher gräulich oder eher bräunlich gefärbt sind. In einem anderen Wald haben die Gelbbauchunken 6 Gene, die ihre Färbung bestimmen (hier handelt es sich lediglich um ein vereinfachtes Beispiel – Gene sind in Wahrheit viel komplizierter!). Das heißt, dass die zweite Gelbbauchunken Population eine höhere genetische Vielfalt hat, weil bei ihnen insgesamt mehr unterschiedliche Gene vorkommen. Das ist sehr wichtig, weil dadurch hat die zweite Population größere Überlebenschancen. Vielleicht versteht Ihr es besser mit einem Beispiel.

Um bei unseren Gelbbauchunken zu bleiben: Die Gelbbauchunken aus dem ersten Moor (nur zwei Gene) leben in der Nähe einer Waschbärfamilie. Die Waschbären haben sich auf die gräulichen Unken spezialisiert, weil sie diese leichter erkennen und futtern alle auf. Damit ist die Hälfte der Population weg (50 %). Waschbären sind schlau und wenn sie herausfinden, dass es auch bräunliche Unken gibt, ist die restliche Population in Gefahr. In der zweiten Gelbbauchunken Population gibt es viel mehr äußerliche Unterschiede (6 Gene), das heißt, sollten die Waschbären alle Unken einer Färbung ausrotten (1 Gen), gibt es noch ca. 84 % der restlichen Population. 

Wusstest Du schon…?
Gelbbauchunken sind auf ihrem Rücken langweilig gräulich bis bräunlich gefärbt. Auf ihrem Bauch wird es spannender. Da sind sie (wie der Name schon verrät) gelb gefleckt. Die Bauchfärbung von jeder Gelbbauchunke ist anders, genauso wie der Fingerabdruck eines Menschen. Daran können wir die Gelbbauchunken voneinander unterscheiden. Das Süßeste sind allerdings ihre Pupillen, die sind nämlich herzförmig.

Ein Waschbär hält Ausschau – vielleicht sogar nach Gelbbauchunken!

Eine hohe genetische Vielfalt ist also ausgesprochen wichtig. Eine höhere Vielfalt von Genen erhöht die Möglichkeit, dass mindestens ein Tier Gene hat, die für eine neue Situation notwendig sind. Die genetische Diversität bildet also die Grundlage für Evolution. Dies ist besonders wichtig, wenn wir an das Klima denken. Der Klimawandel bringt Veränderungen mit sich, die Temperaturen steigen und es wird mehr Extremwetterereignisse geben. Für viele Tiere und Pflanzen ist es schwierig, unter diesen Lebensbedingungen zurechtzukommen. Da kann es hilfreich sein, wenn es eine große genetische Vielfalt gibt, sodass evolutionäre Anpassungen möglich sind. Es gibt sogar schon einige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass einige Tiere heute schon ihr Aussehen verändern, um sich den wandelnden Umweltbedingungen anzupassen.

Mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Rotmilane brüten in Deutschland.

Zur Biodiversität gehört also genetische Vielfalt. Aber es war doch die Rede von drei Komponenten, oder? Genau! Genetische Vielfalt allein langt nämlich nicht. Stellt Euch mal vor, es gäbe nur Buchen und Rotmilane. Selbst wenn die mega diverse Gene haben, macht das noch keinen Wald. Deshalb sind die anderen beiden Komponenten, Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. 

Artenvielfalt

Artenvielfalt ist eigentlich ziemlich selbsterklärend: Wir wollen möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Farne, Gräser, Sträucher, Flechten, Pilze und Moose gehören neben Bäumen in einen intakten Wald, genauso wie große und kleine Säugetiere, Greifvögel und Singvögel, ebenso wie alles mögliche an Insekten, Reptilien und Amphibien. Die Liste könnte fast ewig so weitergehen. 

Vielfalt der Ökosysteme

Hinsichtlich der Vielfalt der Ökosysteme werden einige von Euch vielleicht stutzig. Dass es verschiedene Ökosysteme gibt – Meer, Wüste, Wald – ist Euch bestimmt klar, aber Wald ist doch nur ein Ökosystem, oder? Nicht direkt, auch beim “Wald” gibt es Unterschiede. Ein tropischer Regenwald zum Beispiel ist ein ganz anderes Ökosystem als unser europäischer Wald, aber auch Laub-, Nadel- und Mischwälder unterscheiden sich voneinander. Auch innerhalb Deutschlands gibt es unterschiedliche Wald-Arten. Diese nennen wir Waldgesellschaften. Wenn Ihr mehr über das Ökosystem Wald erfahren wollt, schaut Euch doch gerne diesen Artikel an!

Wusstest Du schon…?
Es gibt Waldgesellschaften, die solche poetischen Namen tragen wie Linden-Ahorn-Hang- und Schluchtwälder (Tilio platyphylli-Acerion pseudoplatani) oder Erlen-Ulmen-Hartholzauen (Alno-Ulmion minoris). Wahre Zungenbrecher!

Dieser blühende Bergahorn (Acer pseudoplatanus) bringt mehr Artenvielfalt in den Wald.

Dienste der Natur

Dass es schöner ist, durch einen gesunden, vielfältigen Wald zu spazieren als durch einen eintönigen Wald, da sind wir uns bestimmt alle einig. Ein strukturreicher Wald mit den unterschiedlichsten Arten hilft uns nicht nur bei der Erholung, sondern bietet uns viel mehr. Da fällt mir das ewig lange Stichwort ‘Ökosystemleistungen’ ein. Ökosystemleistungen sind Dinge, die wir zum Überleben brauchen und die uns die unterschiedlichen Ökosysteme kostenlos zur Verfügung stellen.

Unser Wald leistet sehr wichtige Arbeit für uns. Er kann zum Beispiel eine CO2-Senke sein, außerdem nutzen wir das Holz als Baustoff oder als Energiequelle. Wälder produzieren Sauerstoff, filtern Regenwasser und speichern dieses wiederum als Grundwasser. Von den zahlreichen Pflanzen und den Tieren, die dort leben, können wir uns ernähren. In einigen Regionen schützt der Wald uns vor Lawinen. Dass es dem Wald gut geht, ist also dringend notwendig, damit es uns gut geht. Aber wie merken wir, dass es unserem Wald nicht gut geht? Ein Kennzeichen eines gesunden Waldes ist unter anderem die Biodiversität. Wälder mit einer hohen Biodiversität können sich schneller von Störungen erholen bzw. sind weniger stark von ihnen betroffen (Stabilität). Außerdem können sie sich an Veränderungen anpassen (Plastizität). Je mehr (Arten-)Vielfalt es gibt, desto vielfältiger kann der Wald auf Störungen reagieren bzw. sich anpassen.

So sieht ein gesunder Wald aus der auf alles mögliche reagieren kann, weil er auch alles mögliche hat: verschiedene Arten, Bäume mit unterschiedlichem Alter und mal mehr Licht, mal weniger.

Gefährdung der Vielfalt

Es gibt viele Ursachen für die Abnahme an Biodiversität im Wald. Klimawandel setzt unseren Wäldern zu. Aber auch unsere historische Waldnutzung hat dazu beigetragen, dass die Artenvielfalt abgenommen hat (mehr dazu hier!). Das klassische Beispiel ist da natürlich der Borkenkäfer (eigentlich Buchdrucker). Jahrzehntelang wurde die Fichte in einem Reinbestand angepflanzt, was dem Borkenkäfer sehr gut gepasst hat – da sind die Flugdistanzen schön kurz! Im Reinbestand ist die Biodiversität sehr niedrig, der Wald wird nur von wenigen Arten geprägt. Deshalb konnten kaum natürliche Regulatoren die Massenvermehrung eindämmen.

Die Fressfeinde des Buchdruckers (Ips typographus) benötigen nämlich vielfältige und strukturreiche Wälder mit Totholz und Blumen, wie sie in einem Reinbestand nicht zu finden sind. Diese Arten übernehmen sogenannte Schlüsselrollen. Wenn sie fehlen, kann es beispielsweise  zu Massenvermehrungen oder anderen Problemen kommen. Im Fall des Buchdruckers ist das unter anderem  der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius). Am Ende kann der Wald nicht mehr so funktionieren, wie wir es brauchen: Wir kriegen kein gesundes Holz, Waldspaziergänge sind deprimierend und statt CO2 zu speichern, wird der Wald zu einer CO2-Quelle. Deshalb ist Artenvielfalt so wichtig.

Die Überreste des Waldes im Harz nach einer Massenvermehrung des Buchdruckers.

Wusstest Du schon…?
Die Borkenkäfer sind eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Von den Borkenkäfern gibt es ca. 230 Arten. Weitere Unterfamilien sind die Splint- (ca. 160 Arten) und die Bastkäfer (ca. 210 Arten). 

Wir haben mehr Probleme als den Klimawandel

Leider gibt es mehr Probleme als die Klimawandel bedingten Trockenperioden und die Orkane, die unseren Wäldern und somit der biologischen Vielfalt zusetzen. Die Zerschneidung der Landschaft, zum Beispiel durch Straßen, kann für einige Tiere ein unüberwindbares Hindernis sein. Frösche können nicht ihre gewohnten Wanderwege nutzen oder begeben sich beim  Überqueren der Straße in Lebensgefahr, aber auch größere Tiere, wie das Rotwild leiden unter Autobahnen, die ihr Streifgebiet kreuzen. Die Tiere können diese Hindernisse nicht passieren, was dazu führt, dass einige Populationen sich gar nicht mehr miteinander vermischen können. Dadurch gibt es immer mehr Inzucht und die genetische Vielfalt in den Populationen nimmt ab. 

Rotwild ist sehr aufmerksam und vermeidet Störungen so gut es kann.

Weitere Bedrohungen für die Biodiversität sowohl der Fauna als auch der Flora sind Neophyten und Neozoen. So heißen Pflanzen und Tiere, die ursprünglich von woanders herkommen und sich hier wohl fühlen. Weshalb sie problematisch sein können, könnt Ihr hier (Neophyten) oder hier (Neozoen) genauer nachlesen. Kurz gesagt: Es ist schwierig für unsere heimischen Tiere und Pflanzen mit den Neuankömmlingen zu konkurrieren, wenn die neuen Mitbewohner hier keine natürlichen Feinde haben. Diese werden dann teilweise verdrängt oder ausgerottet und die Artenvielfalt nimmt ab.

Zuletzt gibt es da noch das Problem des Wild-Wald-Konfliktes. Das Wild knabbert gerne an den Blättern und Knospen der Bäume herum. An sich ist das ja auch kein Problem, ihnen schmecken nur manche Baumarten besser als andere und die verschwinden dann langsam aus unseren Wäldern. Wenn Ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, gibt es eine ganze Artikelserie allein zu dem Thema “Wieso wir jagen (müssen)” und besonders der dritte Artikel dieser Serie beschäftigt sich mit dem Einfluss der Jagd auf die Biodiversität.

Hier seht Ihr die Schäden, die das Schälen des Rotwildes an Fichten verursachen kann.

Ideen für die Biodiversität

Das klang jetzt alles ein wenig düster und deprimierend, aber zum Glück gibt es viele Dinge, die wir tun können – und die auch schon getan werden! Zurzeit gibt es einige Forschungsprojekte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, welche Baumarten gut gemischt werden können. In Bezug auf die Holzwirtschaft ist das hilfreich zu wissen, da manche Bäume produktiver sind, wenn sie mit bestimmten anderen Arten gemischt werden. Ein weiterer netter Nebeneffekt des Mischwaldes sind die zusätzlichen Arten, die dort natürlicherweise Vorkommen im Gegensatz zu Reinbeständen.

Wie oben bereits erwähnt, wissen die Förster:innen, dass Reinbestände zum einen nicht sehr divers sind und zum anderen nicht gut auf die klimatischen Veränderungen reagieren können. Deshalb bemühen sie sich, Reinbestände in Mischwälder umzubauen – das hilft auch der Biodiversität. Außerdem bewirtschaften viele Förster:innen ihre Reviere naturnah, das heißt sie erhalten Strukturen, die Artenvielfalt bedingen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die Forstwirt:innen die Kronen der Bäume als Totholz im Wald liegen lassen, weil sich viele Käfer- und Pilzarten dort wohlfühlen. Außerdem lassen Förster:innen in unregelmäßigen Abständen knorrige, alte Bäume (auch Biotop- oder Habitatbäume genannt) stehen oder auch Baumgruppen, die eine Vielzahl an Mikrohabitaten zu bieten haben. Dieses Prinzip wird “Trittsteinkonzept” genannt und viele Tiere freuen sich über diese Oasen im Wald.

Wusstest Du schon…?
Schon so etwas Simples wie ein festes Netz an Rückegassen kann helfen, die Biodiversität in einem Wald zu erhalten. Die Mikroorganismen im Boden mögen es nämlich gar nicht, vom Harvester überfahren zu werden, deswegen sollten wir möglichst viel vom Waldboden in Ruhe lassen.

Viele Insekten freuen sich über Mikrohabitate – so wie diese Biene im Bärlauch!

Schutz in nicht-bewirtschafteten Wäldern

Bisher haben wir uns angeschaut, welche Möglichkeiten Förster:innen in ihrem Alltag haben, um Biodiversität zu fördern und zu erhalten. Wenn wir weg von den bewirtschafteten Wäldern schauen, gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, die biologische Vielfalt effektiv zu schützen. Um die genetische Vielfalt zu sichern, sind Wildbrücken zum Beispiel sehr praktisch. Sie können den Austausch zwischen verschiedenen Populationen ermöglichen. Für den Artenschutz wäre ein Ansatz zum Beispiel der Schutz von sogenannten “Schirmarten”. Eine Schirmart ist eine Art, die spezielle Bedingungen zum Überleben braucht. Andere Arten sind da genügsamer in ihren Ansprüchen. Schützen wir beispielsweise den Grünspecht (unsere Schirmart), schützen wir den Schwarzspecht, die Hohltaube und Wildbienen, die auf Totholz spezialisiert sind, gleich mit. 

Den letzten Aspekt der Biodiversität – die Vielfalt der Ökosysteme – schützen wir am besten indem wir möglichst viele unterschiedliche Lebensräume und Habitate schützen und erhalten. Das heißt, neben Naturschutzgebieten, in denen der Prozessschutz herrscht (keine Eingriffe des Menschen, die Natur entwickelt sich von ganz allein), müssen wir auch die Kulturlandschaft (von Menschen geprägte Landschaft) schützen und erhalten. Für möglichst verschiedene Arten brauchen wir auch möglichst verschiedene Lebensräume. Hutewälder, Moore, Auwälder, klassische Buchenwälder – alle gehören zu einer vielfältigen Landschaft dazu.
Ihr merkt bestimmt, Biodiversität im Wald ist ein kompliziertes Thema und dieser Artikel hat selbst erst an der Oberfläche gekratzt. Aber das Schöne ist, es ist sehr einfach mit zu helfen! Ihr könnt in Eurem Garten zum Beispiel ein Insektenhotel bauen oder (die entspannte Variante) einfach ein wenig Totholz rumliegen lassen. Schreibt uns doch in die Kommentare, wofür Ihr Euch entschieden habt!

Quellen:

https://www.bmz.de/de/service/lexikon/biodiversitaet-14106

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/13654.html

https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/auf-einen-blick-alle-leistungen-des-oekosystems-wald

https://www.cell.com/trends/ecology-evolution/fulltext/S0169-5347(21)00197-X

https://www.geo.de/natur/tierwelt/klimawandel-veraendert-aussehen-von-tieren-30723346.html

https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/biodiversitaet-im-wald

https://www.fnr.de/fileadmin/Projekte/2022/Mediathek/1136_Borkenkaefer_web_2022_bf_final.pdf

https://www.bfn.de/zerschneidung-und-wiedervernetzung

https://www.geo.de/natur/tierwelt/siedlungen-und-strassen-treiben-inzucht-bei-rotwild-voran-35711080.html

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/waldumbau/bedeutung-der-biodiversitaet

https://ulrich-mergner.de/das-trittsteinkonzept

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/monitoring/biodiversitaet-auf-ganzer-flaeche

https://www.artenschätze.de/das-konzept/strategie/schirmarten

https://www.artenschätze.de/artenschaetze/detail/gruenspecht

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10637.html

https://www.waldkulturerbe.de/service/wissenswertes/wissenswertes-detail/natur-und-artenschutz-im-wald

https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/13992

Fischer, F., Oberhansberg, H. and Steffens, D. (2020) Was hat die Mücke je für uns getan? endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet. München: oekom verlag.

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Prof. C. Ammer, Modul Waldbau

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Dr. I. Lusebrink, Modul Forstentomologie

Der Beitrag Biodiversität im Wald erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Holz am Limit: Mit Seilkran und Helikopter am Steilhang  https://forsterklaert.de/seilkran https://forsterklaert.de/seilkran#respond Sun, 14 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6641 Wer schon einmal in einem richtig steilen Hang stand, weiß: Schon das Hinaufgehen bringt den Puls hoch. Und jetzt stelle...

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Wer schon einmal in einem richtig steilen Hang stand, weiß: Schon das Hinaufgehen bringt den Puls hoch. Und jetzt stelle man sich vor, man soll hier mehrere Tonnen schwere Baumstämme sicher ins Tal oder auf einen Forstweg bringen… Willkommen in der Welt der Holzbringung im Steilgelände! Während im Flachland schwere Maschinen fast wie auf einer asphaltierten Straße arbeiten können, gelten am Hang andere Regeln: Schwerkraft und Sicherheit bestimmen hier die Technik. Manchmal reicht ein Traktor mit Seilwinde, manchmal braucht es aber auch Hightech-Seilkräne oder sogar Hubschrauber. Warum man Holz am Hang lieber nach oben zieht als nach unten rollen lässt, weshalb ein Seilkran eben kein Skilift ist – und was passiert, wenn selbst Seile nicht mehr reichen – genau das schauen wir uns jetzt an!

Einsatz des Seilkran – wenn das Gelände zu steil wird 

Um Euch das Ganze etwas bildhafter zu erklären, begleiten wir heute unsere imaginäre Maschinenführerin Carla, die unseren Seilkran bedient!

Sobald das Gelände mehr als etwa 50 % Hangneigung hat, können Forstmaschinen es nicht mehr befahren. In diesen Fällen kann ein Seilkran zum Einsatz kommen. 

Voraussetzung für den Seilkraneinsatz ist ein befahrbarer Weg oberhalb oder unterhalb des Waldstückes, in dem die Arbeiten stattfinden sollen, um den Seilkran auf diesem aufzubauen. Die Verwendung von Seilkränen ist eine der technisch anspruchsvollsten und kostenintensivsten Holzbringungsmethoden, weshalb eine genaue Planung notwendig ist. 

Bevor Carla also mit ihrer Arbeit loslegen kann, muss sie sich das Waldstück genau anschauen, um die Trassenführung und Aufstellung des Seilkrans festzulegen. 

Wusstest Du schon…?
Was bedeutet eigentlich 50 % Hangneigung? Die Prozentangabe beschreibt das Verhältnis von Höhenunterschied zur waagerechten Strecke. 50 % Hangneigung bedeutet: Auf 100 Meter waagerechter Strecke steigt das Gelände um 50 Meter an. Das entspricht einem Winkel von etwa 27°. 
Zum Vergleich: Eine normale Treppe hat etwa 30-35°. Viele Skipisten liegen zwischen 25 und 35°. Ab etwa 50 % Hangneigung wird es für Forstmaschinen kritisch. 

Seilkraneinsatz in Kärnten 

Den Seilkran sicher aufbauen

Stellt Euch vor, Ihr steht mit Carla, unserer Seilkrahnfahrerin, an einem steilen Hang. Von hier aus spannt sie ein dickes Stahlseil quer über den Hang – das sogenannte Tragseil. Eine Winde hält es gespannt, denn ohne ordentlich Spannung läuft hier gar nichts! Am anderen Ende der Strecke steht der Endmast. Er markiert das Ende der Trasse, also der Linie, über die später das Holz transportiert wird. Carla sucht diesen Punkt möglichst hoch im Gelände aus, denn dann können die Stämme später besser vom Boden abgehoben werden. 

Je nach Gelände und Länge der Trasse kann es sein, dass das Seil in der Mitte zu stark durchhängt. In solchen Fällen baut Carla zusätzliche Stützen ein, diese nennt man auch Sättel. Sie halten das Tragseil höher über dem Boden. Besonders bei längeren Trassen, meist ab etwa 200 Metern, kommen solche Sättel häufig zum Einsatz. 

Die Schwerkraft hilft

Auf dem gespannten Tragseil fährt der Laufwagen. Er hängt auf Rollen am Seil und transportiert später die Stämme. Die Schwerkraft hilft dabei mit: Der Laufwagen rollt von selbst hangabwärts. Hier liegt auch der Unterschied zum Skilift: Beim Skilift bewegt sich das Seil, wohingegen beim Seilkran das Tragseil fest gespannt ist und sich der Laufwagen auf diesem bewegt. 

Damit das Holz später wieder nach oben zum Weg kommt, nutzt Carla ein weiteres Seil – das Zugseil. Damit zieht der Seilkran den Laufwagen, an dem die Stämme hängen, wieder bergauf. Das Holz wird dabei meist aus einer seitlichen Entfernung von etwa 20 bis 40 Metern zum Seil gezogen. So kann eine einzige Trasse einen Bereich von bis zu 80 Metern Breite abdecken! 

Ist eine Trasse fertig bearbeitet, wird der ganze Seilkran abgebaut und an der nächsten Stelle wieder aufgebaut. Carla muss zudem die ganze Konstruktion in mehrere Richtungen mit Seilen abspannen, damit sie auch sicher stehen bleibt. Wir wollen ja nicht, dass sich der Seilkran oder Endmast neigt oder sogar umfällt. Ihr seht schon, so ein Seilkranaufbau ist ganz schön aufwendig! 

Kein passender Baum? Dann übernimmt ein Endmastbagger die Aufgabe des Endmasts.

Wusstest Du schon…?
Als Trasse bezeichnet man die gedachte Linie, entlang derer das Tragseil eines Seilkrans verläuft. Sie ist also nicht einfach nur “irgendein Seil im Wald”, sondern eine genau geplante Transportachse. 

Die Lage der Trasse entscheidet darüber: 

  • wie viel Holz von einem Standort des Seilkrans aus gerückt werden kann 
  • aus welcher Entfernung seitlich Holz zur Seillinie gezogen werden kann (meist 20-40 Meter je Seite) 
  • wie viele Stützpunkte (“Sättel”) nötig sind 
  • und wie wirtschaftlich der Einsatz insgesamt wird

Je länger die Trasse, desto größer sind die Spannkräfte im Seil und desto stabiler müssen Endmast und Abspannungen gebaut sein. 

Kurz-, Mittel- und Langstreckenseilkrane 

Seilkräne werden häufig nach der Länge ihrer Trasse unterschieden. Man unterscheidet dabei zwischen Kurz-, Mittel- und Langstreckenseilkränen:

  • Kurzstreckenseilkräne arbeiten auf Trassen bis etwa 200 Meter. 
  • Mittelstreckenseilkräne erreichen Entfernungen von bis zu 400 Metern. 
  • Langstreckenseilkräne können Holz über Strecken von bis zu 1000 Metern transportieren. 

Es gibt Seilkräne sowohl als Anbaugeräte für Schlepper als auch als eigenständige Maschinen, beispielsweise Gebirgsharvester. Dieser ist meistens eine auf einem LKW aufgebaute eigenständige Arbeitsmaschine, die aus einem Seilkran mit einem Prozessor besteht. Ein Prozessor ist ähnlich einem Harvesteraggregat mit dem Unterschied, dass Letzteres die Bäume ebenfalls fällt, während ein Prozessor lediglich die Entlastung und Einschneidung in die einzelnen Stammabschnitte übernimmt. 

Wird die Trasse noch länger, kommen sogenannte Seilbahnen zum Einsatz. Diese werden meist im hochalpinen Gelände verwendet und sind an beiden Enden fest verankert. Da ihr Aufbau aufwendig ist, bleiben sie oft länger an einem Standort und werden nur in besonderen Situationen eingesetzt. 

Gebirgsharvester im Schwarzwald: Hier übernimmt die Maschine das Entasten und Einschneiden der Stämme direkt am Seilkranstandort. 

Das Standardverfahren: Bergaufbringung mit dem Seilkran

Jetzt geht es ans Eingemachte! Wie läuft das Ganze genau ab? Wie bringt Carla die Stämme aus dem Bestand? 

Im einfachsten Fall steht der Seilkran auf einem Weg oberhalb des Waldstücks, in dem die Fällungen durchgeführt werden. Das ist die häufigste, einfachste und sicherste Seilkranbringung. 

Carlas Team, die Forstwirt:innen, fällen die Bäume im Bestand mit der Motorsäge. Anschließend befestigen sie sogenannte Chokerketten um die Stämme. Diese hängen am Zugseil des Seilkrans. Sobald alles eingehängt ist, geben sie Carla ein Signal und der Laufwagen fährt in Richtung Seilkran und zieht dabei die Stämme den Hang hinauf zur Maschine. 

Steht am Weg ein Gebirgsharvester, übernimmt dessen Kran die Stämme direkt vom Laufwagen. Ein Prozessor entastet sie und schneidet sie in die gewünschten Stammabschnitte. Danach zieht ein Forstspezialschlepper die Stämme noch ein Stück weiter und stapelt sie ordentlich am Wegrand. 

Ist ein Arbeitsgang abgeschlossen, rollt der Laufwagen durch die Schwerkraft von selbst wieder zurück in den Bestand. Carla muss ihn also nicht aktiv nach unten fahren lassen, der Hang erledigt das für sie. 

Die Bergaufbringung ist das Standard-Seilkranverfahren. Es ist das organisatorisch einfachste und sicherste Verfahren mit dem Seilkran.

Seilkranbringung bergab oder in der Ebene 

Manchmal funktioniert dieses System jedoch nicht. Wenn oberhalb des Waldstücks kein Weg vorhanden ist oder der Transport ins Tal sonst zu schwierig wäre, muss Carla den Seilkran unterhalb des Bestandes aufbauen. Dann arbeitet sie mit einer Bergabbringung. 

Das Problem: Die Schwerkraft hilft ihr jetzt nicht mehr. Der Laufwagen rollt nicht von selbst in den Bestand. Deshalb muss Carla ein 3-Seil-System aus Tragseil, Zugseil und Umlaufseil aufbauen. Das Umlaufseil zieht den Laufwagen aktiv vom Tal in den Bestand. 

Wenn eine Bergaufbringung nicht möglich ist, kann der Seilkran auch talseitig des Hangs aufgebaut werden, um das Holz bergab aus dem Wald zu bringen.

Solche Systeme kommen übrigens nicht nur im Steilhang vor. Auch auf sehr nassen oder weichen Böden kann Carla damit arbeiten, etwa wenn schwere Maschinen den Boden zu stark beschädigen würden oder wenn im Winter der Frost ausbleibt. 

Aus Sicht des Bodenschutzes ist der Seilkran daher oft die beste Lösung. Allerdings ist sein Aufbau aufwendig und teuer. Ob sich der Einsatz lohnt, hängt vor allem davon ab, wie viel Holz entlang einer Trasse anfällt. Je mehr Stämme Carla pro Trasse rücken kann, desto wirtschaftlicher wird das Verfahren. 

Heli-Logging – Bringung aus luftiger Höhe  

Verschiedene Helikoptermodelle können zur Bringung eingesetzt werden.

In ganz besonders abgelegenen Regionen, wie dem nördlichen Kanada oder unbefahrbarem hochalpinen Gelände in der Schweiz, können auch Hubschrauber zur Bringung eingesetzt werden. Da Hubschrauber in den 1970ern erstmals in Nordamerika zur Holzbringung eingesetzt wurden, spricht man auch bei uns vom Heli-Logging. 

Hubschrauber arbeiten hierbei noch bodenschonender als Seilkräne, da auf eine Erschließung durch Wege vollständig verzichtet werden kann. Aufgrund hoher Fix- und Betriebskosten ist die Hubschrauberbergung allerdings ein sehr kostspieliges Verfahren, wobei die Menge des pro Einsatz entfernten Holzes maximiert und die Flugzeit pro Einsatz minimiert werden sollte, um wirtschaftlich zu bleiben.

Die einzusetzenden Hubschrauber werden normalerweise nach der Nutzlast, welche sie heben können, in Schwerlast-, Mittel- oder Leichthelikopter eingeteilt. Schwerlasthubschrauber werden als solche definiert, die eine Außenlast von etwa 7 Tonnen heben können.  

Bringung aus der Luft – Heli-Logging in der Schweiz.

Ähnlich wie beim Seilkranverfahren werden die Bäume mit der Motorsäge gefällt. Mit speziellen Seilen oder Greifsystemen wird das Holz an einem langen Seil an der Unterseite des Hubschraubers befestigt und aus dem Bestand geflogen. An einem nahe gelegenen Ort lädt der Helikopter das Holz ab und es kann durch LKWs oder Züge weitertransportiert werden. 

Am Ende zeigt sich also, dass, was von unten oft nur “nach ein paar Stämmen am Hang” aussieht, in Wirklichkeit millimetergenaue Technikarbeit zwischen Schwerkraft und Sicherheitsabstand ist! 

Quellen:

LWF (2019) LWF Merkblatt 13. Holzernte in steilen Hanglagen. https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/wissenstransfer/bilder/mb-13-2019-holzernte-steile-hanglagen.pdf 

https://www.fs.usda.gov/forestmanagement/equipment-catalog/helicopter.shtml

Wolff, D. (2021) Holzernteverfahren. Lehrveranstaltung Holzernte. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Steiert, J. (2023) Seilkranplanung. Lehrveranstaltung Hiebsplanung. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Korneck, H. (2023) Seilkrantechnik. Lehrveranstaltung Hiebsplanung. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

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Einzigartige Jäger im Wald – Fledermäuse  https://forsterklaert.de/fledermaeuse https://forsterklaert.de/fledermaeuse#respond Sun, 07 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6675 Setzt die Abenddämmerung ein, erwacht die Nacht zum Leben und somit auch die Fledermäuse. Mit ihren spitzen Zähnen, großen Ohren...

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Setzt die Abenddämmerung ein, erwacht die Nacht zum Leben und somit auch die Fledermäuse. Mit ihren spitzen Zähnen, großen Ohren und zarten Flughäuten werden sie auch als Kobolde der Nacht bezeichnet. Lautlos und schnell gleiten sie durch den Wald oder über unsere Häuser. Einige Arten sind dabei auf intakte, naturnahe Wälder angewiesen – warum das so ist und wie wir diese faszinierenden Geschöpfe schützen können, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Wenn der Tag in die Nacht übergeht, beginnt seine Jagd – ein Abendsegler auf Insektenfang.

Kleine Körper, große Superkräfte: Fledermäuse erklärt

Vielleicht habt Ihr es auch schon mal erlebt: Ihr seid an einem lauen Sommerabend durch den Wald oder die Straßen gelaufen und plötzlich huscht etwas Dunkles und Schnelles über Eure Köpfe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren es Fledermäuse!

Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. Kein anderes Säugetier auf der Erde beherrscht die Lüfte so wie sie. Um fliegen zu können, haben sie sogenannte Flughäute zwischen ihren verlängerten Fingerknochen, Armen, Beinen sowie dem Schwanz. Die Flugkünstler haben ein dichtes Fell, das meist braun, grau oder fast schwarz gefärbt ist. Besonders auffällig sind ihre großen Ohren, mit denen sie Schallwellen auffangen und so ihre Beute orten können. Kaum zu glauben, aber wahr: Fledermäuse können trotz ihrer geringen Größe (5-8 cm) bis zu 30 Jahre alt werden. Zudem spielen die kleinen Lebewesen in unserem Ökosystem eine wichtige Rolle, denn sie übernehmen nachts die Aufgabe, die tagsüber von Vögeln erledigt wird: Sie jagen Insekten und halten so das Gleichgewicht der Natur aufrecht.

Wusstest Du schon…?
Fledermäuse sind die einzigen Landlebewesen, die sich mithilfe von Ultraschall und Echoortung orientieren. Sie stoßen Töne aus, die für uns Menschen unhörbar sind, und „sehen“ damit ihre Umgebung und Beute allein durch das Zurückwerfen der Echos. Ziemlich faszinierend, oder?

Eine Bechsteinfledermaus mit ihren großen Ohren, flauschigem Fell und den zarten Flughäuten.

Welche Fledermäuse leben in unseren Wäldern?

Die meisten Fledermäuse in Deutschland sind eng an den Wald gebunden. Mikrohabitate wie Baumhöhlen, Spalten und abstehende Rindenstücke dienen ihnen als wichtige Verstecke. Selbst kleine Hohlräume, die durch Spechte oder abgebrochene Äste entstehen, verwandeln sich mit der Zeit in sichere Quartiere. In diesen geschützten Rückzugsorten finden die kleinen Kobolde der Nacht alles, was sie zum Leben brauchen: Schlafplätze, Winterquartiere und Orte, um ihren Nachwuchs großzuziehen – fern von Fressfeinden und Störungen. Dabei nutzen die verschiedenen Fledermausarten den Wald auf ganz unterschiedliche Weise.

Manche Arten verbringen ihr gesamtes Leben zwischen den Bäumen, wie die Bechsteinfledermaus, die Mopsfledermaus oder das Braune Langohr. Diese Arten sind besonders auf alte, strukturreiche Laubmischwälder mit vielen Höhlen angewiesen. Andere hingegen kommen vor allem zur Jagd in den Wald, wie beispielsweise der große oder kleine Abendsegler. Die Wasserfledermaus hingegen geht einen anderen Weg: Sie streift entlang von Bächen und Gewässern, während sie ihre Quartiere oft in Gebäuden oder unter Brücken hat. Für die Bechsteinfledermaus und die Mopsfledermaus trägt Deutschland sogar eine besondere Verantwortung, da ein großer Teil ihrer weltweiten Population hier vorkommt.

Wusstest Du schon…?
Weltweit gibt es bis zu 1.500 Fledermausarten, davon leben rund 55 in Europa. In Deutschland sind 25 Arten heimisch und alle stehen unter Schutz, weil ihre Bestände zum Teil stark gefährdet sind!

Baumhöhlen bieten ein natürliches Versteck für Fledermäuse.

Insekten satt! So decken Fledermäuse ihren Nachttisch

Der Wald ist für Fledermäuse weit mehr als nur ein Ort für ihre Quartiere. Er bietet ihnen ein wichtiges Nahrungsangebot. Hier finden sie eine große Vielfalt an Insekten, die sich in der geschützten Umgebung des Waldes besonders gut vermehren können. Obwohl alle Fledermausarten in Deutschland Insekten jagen, haben sie unterschiedliche Strategien entwickelt, um sich dabei nicht in die Quere zu kommen.

Der Große Abendsegler etwa jagt hoch über den Baumkronen und fängt seine Beute im freien Luftraum. Andere Arten wie die Bechsteinfledermaus oder das Braune Langohr gehen deutlich ruhiger vor: Sie schweben langsam durch den Wald und „lesen“ ihre Beute von Blättern und Zweigen ab. Dabei erbeuten sie auch flugunfähige Tiere wie Raupen, Heuschrecken, Wanzen und Spinnen. Das Große Mausohr jagt nahe am Boden und bevorzugt hierbei Wälder mit möglichst wenig Unterwuchs. Im Gegensatz dazu verrät bei der Wasserfledermaus bereits der Name, dass diese Art ihre Beute über Bächen und Gewässern jagt. Die hocheffizienten Insektenjäger tragen somit maßgeblich zur Regulierung von Insektenschädlingen bei und sind dadurch eine wertvolle Unterstützung für die Forstwirtschaft.

Wusstest Du schon…?
Manche Fledermäuse fressen in nur einer Nacht bis zu 4.000 Mücken! Tatsächlich besteht die Nahrung der in Deutschland lebenden Fledermäuse fast ausschließlich aus Insekten. Auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, Fledermäuse seien blutsaugende Wesen, stimmt das so nicht: Weltweit gibt es nur drei Arten, die sich überhaupt von Blut anderer Säugetier oder Vögel ernähren (ausschließlich in Amerika). Und keine Sorge, Menschen stehen dabei nicht auf ihrem Speiseplan.

Ganz schön beeindruckend, oder? Sogar Schmetterlinge stehen auf der Speiseliste der Fledermäuse.

Warum sind unsere Fledermäuse gefährdet?

Fledermäuse gehören in Deutschland zu den besonders gefährdeten Säugetieren. Mit zunehmender intensiver Nutzung der Wälder verschwinden immer mehr alte Bäume, Höhlen und strukturreiche Bereiche. Genau diese Orte brauchen Fledermäuse als Quartiere und Jagdgebiete. Ihr Lebensraum wird dadurch immer kleiner oder geht ganz verloren. Das ist besonders problematisch, weil Fledermäuse sich nur langsam vermehren: Oft bringt ein Weibchen pro Jahr nur ein Jungtier zur Welt. Geht ein Quartier verloren, kann das deshalb große Auswirkungen auf die gesamte Population haben.

Hinzu kommt, dass viele Fledermäuse regelmäßig ihre Verstecke wechseln, teils alle zwei bis drei Tage. So entgehen sie Parasiten und Fressfeinden. Dafür brauchen sie jedoch viele geeignete Bäume in kurzer Entfernung. In bewirtschafteten Wäldern fehlen diese oft. Neben den schon lange bekannten Problemen kommen weitere und neue Gefahren hinzu: Der Ausbau der Windenergie kann für Fledermäuse zu einer Gefahr werden, da sie beim Jagen in hohen Lüften, wie der große Abendsegler, mit Windrädern kollidieren und dadurch sterben können. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Insekten beispielsweise durch Pestizideinsatz stark ab – also genau die Nahrungsquelle, von der Fledermäuse leben.

Kleiner Abendsegler aus Baumhöhle: “Hey! Das ist mein Zuhause – bitte nicht fällen!”

So wird der Wald fledermausfreundlich 

Waldbesitzende und Förster:innen können aktiv dazu beitragen, Fledermäusen zu schützen. Denn schon mit kleinen Maßnahmen lässt sich der Wald wieder zu einem lebendigen Lebensraum für die nächtlichen Jäger machen. Wo natürliche Verstecke fehlen, können Fledermauskästen bzw. Nistkästen als „Ersatzhöhlen“ dienen und den Tieren zumindest vorübergehend Schutz bieten. Bei Waldumwandlungen, also wenn Wälder aufgrund von anderen Nutzungen wie Straßenbau abgeholzt werden, müssen als Ausgleichsmaßnahme für die verlorenen Feldermaushabitate Nistkästen aufgehängt werden. Noch wichtiger ist jedoch ein vielfältiger Wald, der ausreichend Nahrung bereithält. Lichtungen, Waldränder, Forstwege oder Gewässer sind wahre Insekten-Hotspots und damit ideale Jagdgebiete für Fledermäuse.

Gerade scheinbar „unordentliche“ Waldbereiche haben großen Wert: Totholz und alte Bäume fördern die Insektenvielfalt und bieten gleichzeitig wichtige Verstecke. Sogenannte Zwiesel, also Gabelungen eines Astes, werden oftmals in Wirtschaftswäldern entnommen, da sie kaum Gewinn erbringen. Doch diese Strukturen bieten sowohl den Insekten als auch den Fledermäusen einen optimalen Lebensraum. Wer solche Strukturen im Wald belässt, schafft Lebensräume für viele Arten. Besonders wertvoll sind sogenannte Habitatbäume, also alte, höhlenreiche Bäume, die Fledermäusen als Quartier dienen können. Damit Fledermäuse sicher zwischen ihren Quartieren und Jagdgebieten wechseln können, brauchen sie zudem „Leitlinien“ in der Landschaft. Hecken, Feldgehölze oder bewachsene Bachufer dienen ihnen wie unsichtbare Wege, an denen sie sich orientieren und geschützt durch die Nacht fliegen. Diese Maßnahmen helfen dabei, fehlende Lebensräume auszugleichen und Fledermäusen langfristig eine Zukunft zu geben.

Ein großer Abendsegler hat Schutz in einem Nistkasten gefunden.
Quellen:

https://www.bundesumweltministerium.de/themen/artenschutz/internationaler-artenschutz/fledermaeuse

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/artenschutz/fledermaeuse-und-waldstrukturen

https://www.lwf.bayern.de/wissenstransfer/forstcastnet/238831/index.php

https://www.bfn.de/fledermausschutz-und-windenergieanlagen

Stein, B., Faste, M. (Eds.), 2004. Faszination Fledermaus: von einem, der auszog, Fledermäuse zu fotografieren; der Weg des Naturfreunds Bernd Stein zur Tierfotografie = Amazing bats. Faste, Kassel.

https://stein-naturfoto.de/fledermaeuse/

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Unsere Bäume – Die Schwarznuss (Juglans nigra)  https://forsterklaert.de/schwarznuss https://forsterklaert.de/schwarznuss#respond Sun, 31 May 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6639 Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kam die erste Schwarznuss nach Deutschland. Heute sind sie immer noch eher selten, obwohl sich...

Der Beitrag Unsere Bäume – Die Schwarznuss (Juglans nigra)  erschien zuerst auf Forst erklärt.

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Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kam die erste Schwarznuss nach Deutschland. Heute sind sie immer noch eher selten, obwohl sich ihr Holz wirklich sehen lassen kann. Wo sie wächst, wie Ihr sie erkennt und wieso sie Eure Hände für einige Tage stark einfärben kann, erfahrt Ihr in diesem Artikel. Außerdem haben wir für Euch mit dem Förster Michael Rost gesprochen, der uns verrät, wie viel die Schwarznüsse momentan auf dem Markt bringen und wie man Wertholz mit ihr erzielen kann.

Die Schwarznuss erkennen 

Die Schwarznuss stammt ursprünglich aus Nordamerika. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Osten des Kontinents. Erste Anbauversuche in Deutschland starteten bereits um 1900. Aus diesem Grund findet man rund um den Rhein und die Donau beeindruckende alte Schwarznüsse, durch die bereits auf deutsche Saatgutbestände für die Nuss zurückgegriffen werden kann. 

Wusstest Du schon…? 
Die Schwarznuss unterliegt nicht dem Forstsaatgutgesetz. Dieses Gesetz regelt die Ansprüche, die an das Saatgut gestellt werden, damit es als gut und somit als “Vertreibbar” gilt. Das bedeutet, dass Ihr stets die Herkunftsbestände kennen solltet, damit Ihr Euch einer guten Qualität sicher sein könnt.   

Von diesem Baum wurden Schwarznüsse geerntet. 

Die Cousine der Walnuss

Die Schwarznuss gehört zur Familie der Walnussgewächse (Juglandaceae) und ist sozusagen die Cousine unserer heimischen Walnuss. Der sommergrüne Baum kann bis zu 250 Jahre alt werden und in Deutschland eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen. In seiner nordamerikanischen Heimat schafft er sogar bis zu 50 Meter! 

Im April startet die Blütezeit der Schwarznuss und zieht sich bis in den Mai. Die Blüten sind einhäusig, das heißt, dass männliche und weibliche Blüten an zwei verschiedenen Orten am selben Baum hängen. Die männlichen Blüten hängen als Kätzchen herab und das weibliche Pendant sitzt an kugeligen Ähren. Die Früchte und somit auch die Nüsse im Inneren des Fruchtfleisches der Schwarznuss werden von September bis Oktober reif, sobald sich ihre grüne Hülle gelb verfärbt. Ihr könnt sie vom Baum pflücken oder wartet einfach, bis sie von selbst herunterfallen.

An diesen jungen Blättern kann man die gefiederte Form schon gut erkennen.

Die Knospe der Schwarznuss hat ein Gesicht?

Die Blätter sind wechselständig. Das bedeutet, dass sich die gefiederten Blätter am Ast nicht gegenüberstehen, sondern abwechselnd von der Mitte abzweigen. Sie sind 30 – 60 cm lang und die Teilblättchen jedes Blattes sind am Rand gesägt sowie länglich, mit einem spitzen Ende. Auf schlau: länglich-lanzettlich. Die Oberseite der Blätter ist glänzend grün, während die Unterseite behaart und eher blau-grün wirkt. Im Herbst erstrahlen sie dann in einem auffälligen Gelb und bringen etwas Freude in die trübe Zeit.

Die Schwarznuss hat Seitenknospen, die wechselständig und somit abwechselnd entlang der Zweige vorkommen, sowie eine Terminalknospe. Die Knospen sind gräulich-braun und haben eine dichte, filzige Behaarung, die sich über die Knospenschuppen erstreckt. Direkt unter den Knospen befindet sich das sogenannte “Affengesicht”: Die große, schildförmige Blattnarbe, die an einen Affen erinnert. Die jungen Triebe sind rotbraun und haben an der Spitze die Terminalknospe. Sie ist größer als die Nebenknospen, eiförmig, etwas abgeflacht und hat eine dumpfe Spitze. 

Die dicken Knospen sitzen direkt über der Blattnarbe, die ein wenig an ein Affengesicht erinnert. 

Ist die Nuss eine gute Nuss?

Die Nüsse der Schwarznuss sind schwer zu knacken, doch der Aufwand lohnt sich. Sie schmecken intensiver als Wal- oder Haselnüsse und verwandeln Gebäck oder Eis in Delikatessen. In den USA sind sie als “Black Walnut” bereits weitläufig bekannt.

Sollte Euch nun die Neugier gepackt haben und Ihr möchtet eine Schwarznuss knacken, dann solltet Ihr vorher folgendes wissen:

Wenn Ihr Euch nicht noch tagelang als Nussknacker identifizieren lassen wollt, solltet Ihr unbedingt Handschuhe tragen. Die Schalen der Schwarznuss färben stark. Am besten gelingt das Öffnen der Nuss mit einem Hammer oder einem Schraubstock. Bei diesem Unterfangen ist eine Schutzbrille durchaus empfehlenswert. Die Schale könnt Ihr vorher runter rubbeln, entweder mit der Hand oder indem Ihr auf den Nüssen herum stampft. 

Wusstest Du schon…?
Die Schalen der Schwarznuss haben einen hohen Anteil an Gerbsäure. Sie wurden deswegen früher auch für das Gerben von Leder eingesetzt.

Die Grüne Schale der Schwarznuss verrottet nur sehr langsam, weil sie hohe Gerbsäureanteile hat.

Wo wachsen Schwarznussbäume?

Die Schwarznuss bevorzugt Standorte, an denen sie ein gutes Wasserangebot vorfindet. Auch an Auwaldstandorte, die ab und zu überfluten können, ist die Schwarznuss angepasst. Für ein hervorragendes Wachstum braucht der Baum nährstoffreiche Böden. Auch auf gut durchlüfteten Lehmböden fühlt er sich wohl. Wichtig ist dabei nur, dass er mehr als 0,8 Meter Durchwurzelungstiefe vorfindet, da er tiefgründige Standorte bevorzugt. Findet Ihr also unter einer sehr dünnen Erdschicht direkt dicke Steine, würde die Schwarznuss hier im Alter Probleme bekommen und absterben. Befinden sich kurz unter der Erdoberfläche Gesteinsmaterial oder dichte Tonschichten, leidet die Schwarznuss im Alter darunter. Obwohl sie flache Böden in der Jugend tolerieren kann, folgen im Alter zurückgehendes Wachstum, andere Gesundheitseinbußen bis hin zum Absterben der Bäume. Was hingegen kein Problem ist, ist Winterfrost: Bis zu -40 Grad kann sie trotzen. Nur Spätfröste im Frühjahr können ihr zusetzen. 

Eng nebeneinander stehen die Schwarznüsse im Pflanzbeet. 

Obwohl der Schwarznuss oft hohe Standortansprüche nachgesagt werden, wächst sie doch an vielen Orten. Die Herkunft der Nuss und die waldbauliche Herangehensweise sind deswegen ausschlaggebend für den Anbau. “In Mecklenburg-Vorpommern kommt sie durchaus auch auf mesotrophen Standorten vor”, bestätigt Förster und Nuss-Experte Michael Rost. Mesotrophe Standorte haben nur einen mittleren Nährstoffgehalt. An diesen Orten wächst sie zwar tendenziell langsamer, aber durch ihre ansonsten regen Zuwächse ist auch das gut zu ertragen. 

Wusstest Du schon…?
Bist Du auch Nussbaum-Fan und möchtest dich einbringen? Dann wäre vielleicht die Einstiegsexkursion der IG-Nuss ein Anlaufpunkt für Dich. Sie findet am 18. und 19.07.2026 auf dem Plauer Werder in Mecklenburg-Vorpommern statt. Mehr Informationen dazu findest Du hier. Auch auf der Forstvereinstagung 2026 gibt es eine Exkursion zu diesem Thema!

Vor der Saat wird sich ein Überblick verschafft.

So integriert man die Nuss in unsere heimischen Wälder

Die Schwarznuss weist ein sehr starkes Höhenwachstum auf und kann dabei mit der Esche oder der Roteiche mithalten. Aus diesem Grund kann man sie gut in Mischung mit anderen Baumarten kombinieren – perfekt für den vielfältigen, klimastabilen Wald der Zukunft. Wichtig dabei ist jedoch, dass man ihr Kronenwachstum frühzeitig fördert, indem man diesen Platz schafft. Schafft man der Schwarznuss konsequent eine freie Krone, sodass diese sich ausreichend entwickeln kann, fühlt sie sich pudelwohl – und legt Holz zu! 

Auf der Freifläche steht die Schwarznuss in einer Wuchshülle. Diese schützt die Pflanze vor Verbiss.

Moderner Anbau der schwarzen Nuss

Über 15 Jahre später ist mehr Pflanz- und Saatgut erhältlich und die Preise sind im Vergleich zu damals gesunken. Ein gängiger Pflanzverband in den Wäldern, die Michael Rost betreut, ist nun 2 mal 1 Meter Abstand zwischen den Bäumen. Doch auch im Weitverband wird gepflanzt. “Auf Freiflächen genügt auch ein Weitverband von 200 – 500 Stück auf einen Hektar”, meint Michael. “Die Naturverjüngung stockt die Lücken zwischen den Pflanzen auf – der Pflegeaufwand konzentriert sich dann auf die Schwarznüsse.”

Diese kleine Schwarznuss gedeiht bereits prächtig. 

Um die Unversehrtheit der Pflanzen zu fördern, empfiehlt sich für die Schwarznuss die Saat. Unser Schwarznuss-Profi arbeitet dabei mit 13.000 Stück pro Hektar. Sichere Anlaufstellen für Schwarznuss-Saatgut findet man beispielsweise auf der Internetseite der „Interessengemeinschaft Nuss” (IG Nuss). Die Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Förster:innen, die das Ziel verfolgen, den Anbau von Nussbaum Arten in Deutschland zu fördern. “Bei der Einbringung der Baumart in bereits bestehende Bestände, muss man den Bestand ähnlich stark auflichten, wie bei der Begründung eines Eichenbestandes. Während die Eiche in ihrer Jugend noch ein wenig Schatten ertragen könnte, ist die Schwarznuss wesentlich penibler.”, gibt Michael zu bedenken.

Wusstest Du schon…?
Es besteht das Risiko, dass Wildschweine die Nüsse ausbuddeln. Doch keine Panik: Die Tiere bringen vielleicht die Ordnung der Nüsse etwas durcheinander, aber wegfuttern können sie die Nüsse nicht. Selbst für Wildschweine ist die Schale der Nüsse zu dick und sie können diese nicht zerbeißen.  

Wichtiger Pflegeeingriff 

Um aus dem Holz der Schwarznuss die besten Gewinne zu erzielen, sollte man die Bäume oder besondere Exemplare ästen. Das heißt lediglich, dass man die unteren Äste an einem Baum peu a peu in einem jungen Stadium entfernt. Ziel dabei ist es, dass man später einen großen Teil an Holz hat, in dem wenige Äste vorkommen. Es wird dadurch wertvoller und stabiler. Als Dicke kann man sich merken: Bis zu einer Dicke von einem Bierdeckel kann man die Bäume gut asten.

Spätestens im fünften Jahr der Bäume, teilweise schon ab dem dritten Jahr, sollte die Schwarznuss eine vorauseilende Ästung erfahren. Das bedeutet, dass man nicht nur systematisch von unten nach oben die Äste des Baumes entfernt, sondern auch weiter oben gelegene Äste entfernt, sobald diese zu dick werden. Dadurch verhindert man die Entwertung der Bäume, denn Holzkäufer bevorzugen die Schwarznuss und besseren Qualitäten. Die tiefer gelegenen Äste entnimmt man dann zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn Ihr mehr über die Pflegeeingriffe bei Bäumen erfahren möchtet, wäre dieser Artikel vielleicht etwas für Euch.

Die Astung erfolgt im späten Winter. 

Schnell wachsende Schwarznuss = billiges Holz?

Grundsätzlich wächst die Schwarznuss sehr schnell. In den ersten zwanzig Jahren legt sie auf passenden Standorten 1 cm breite Jahrringe vor. Sie wird also 2 cm breiter. In die Höhe wachsen die Triebe durchschnittlich 1-2 Meter im Jahr. 

Jetzt kommt vielleicht der Gedanke auf: Wenn der Baum so schnell wächst, wird er mit recht weichem Holz wohl weniger beliebt sein. Mit Nichten! Schwarznussholz ist sehr stabil und auf dem Markt auch trotz der schnellen Wuchsleistung begehrt. 

Auf den Submissionen erzielen Schwarznussstämme deutschlandweit durchschnittliche Meistgebote von 500 – 2500 Euro. Wenn es nach Michael geht, ist die Submission sowieso der richtige Ort für die Baumart. Seiner Meinung nach wird die Schwarznuss kein Massensortiment werden. Dennoch gilt für ihn: „Willst du von deinen Erben posthum küsse, pflanze Nüsse, Nüsse, Nüsse.”

Quellen:

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/bestandespflege/die-schwarznuss

https://www.waldwissen.net/assets/FVA/Waldwirtschaft/Artensteckbriefe_2.0/Schwarznuss.pdf

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/artikelsammlung-zu-walnuss-schwarznuss-und-hybridnuss

https://cooketteria.blogspot.com/2012/10/die-schwarznuss-eine-kleine-anleitung.html

https://ig-nuss.de

https://forsterklaert.de/waldpflege

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Arbeiten mit dem Rückepferd https://forsterklaert.de/rueckepferd https://forsterklaert.de/rueckepferd#respond Sun, 24 May 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6703 Wir alle kennen Pferde von Lucky Luke, Bibi und Tina oder manch einer auch aus dem Reitunterricht. Kinder kennen sie...

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Wir alle kennen Pferde von Lucky Luke, Bibi und Tina oder manch einer auch aus dem Reitunterricht. Kinder kennen sie oft als süße Ponys, die man streicheln möchte, oder als leistungstragende Sporttiere, die Turniere wie beim Springreiten bestreiten. Aber wusstet Ihr, dass manche Pferde auch außerhalb der Hobby-Reitwelt Jobs haben? Ein paar davon arbeiten im Wald als Rückepferde.  Doch was ist eigentlich ein Rückepferd? Kann jedes Pferd im Wald aktiv werden? Welche Arbeit kann es überhaupt im Forst übernehmen und wird es zukünftig mit großen Forstmaschinen mithalten können?

Hier kriegt Ihr einen kleinen Vorgeschmack, um was es sich heute drehen könnte. 

Na, seid Ihr nun neugierig, was es braucht, um ein Rückepferd zu werden? Dann bleibt dran, denn mehr erfahrt Ihr in diesem Artikel! 

Was macht ein Pferd zum Rückepferd?

Ein Rückepferd unterstützt in der Forstwirtschaft, wie der Name schon sagt, beim Holzrücken. Bei der Holzernte ziehen normalerweise Seilschlepper die gefällten Stämme an die Rückegassen gezogen oder der Harvester legt diese direkt an der Rückegasse ab. Das Pferd ersetzt diesen Arbeitsschritt. Es zieht also die Stämme von ihrem Ursprungsort an die Rückegasse. Dort lädt der Forwarder das Holz anschließend auf und bringt es aus dem Bestand an den Waldweg. 

Im Forst eignen sich hauptsächlich Kaltblutrassen, wie bsp. Rheinisch-Deutsches Kaltblut oder der Schwarzwälder Fuchs, mit einem Mindestgewicht von 800 kg – 1.200 kg für die Ausbildung zum Rückepferd. Sie sind nämlich von Natur aus sehr ausdauernd und leistungsstark, was wichtig für die schwere Arbeit ist. Diese Arbeit wäre für Warmblutpferde, die mit ihrer Athletik und Aktivität im Reitsport zuhause sind zu schwer, weshalb nur die ausgeglichenen, kräftigen Kaltblutpferde sich für die Arbeit eignen. Mittelschwere Kaltblutpferde mit einem Gewicht von 700 – 800 kg kommen vor allem in bergigen Gelände zum Einsatz, da sie am Hang geschickter sind.

Das Verhältnis von Mensch und Tier

In jedem Fall sollten Mensch und Pferd ein gutes Verhältnis zueinander haben, denn ohne Zusammenarbeit geht es in der Tat schleppend voran. Auch wenn ein Pferd erst in einem Alter von sechs Jahren komplett entwickelt ist, kann man es ab einem Alter von drei Jahren ausbilden. In der Ausbildung übt man mit dem Pferd zunächst die wichtigen Kommandos. Sowohl vorwärts und rückwärts laufen, als auch das Stehen bleiben auf Kommando, will trainiert sein. Schließlich besteht die Arbeit später aus einem ständigen Wechsel zwischen Belastung und Pause. Auch an die Arbeitsausrüstung muss man das Pferd gewöhnen. Zu guter Letzt steht das Laufen mit leichter und schwerer Last auf dem Trainingsplan. 

Rückepferd Dolch mitten an der Arbeit. Um seinen Hals trägt er das Kummet, welches dick gepolstert, versteift um seinen Hals hängt. Es sorgt dafür, dass sich die Last gleichmäßig auf den Schultern des Pferdes verteilt.

Wusstest Du schon…?
Die Kommandos, die der Mensch an das Pferd gibt, müssen eindeutig und klar verständlich sein. “Ha” und “Hot” ersetzen “links” und “rechts”. Bei “Hü” geht es vorwärts und “Brr” bedeutet “stehen bleiben”. Von Gespann zu Gespann gibt es natürlich Unterschiede. Die Führleine, die am Geschirr eingehakt ist, unterstützt dabei die Stimm-Kommandos.

Rückepferd und Maschine ergänzen sich

In den letzten Jahrzehnten übernahmen Schlepper die Aufgaben der Pferde, sodass die tierischen Mitarbeiter immer weniger zum Einsatz kamen. Doch früher unterstützten Pferde die Menschen in Land- und Forstwirtschaft in vielen Bereichen. Im Forst ist das bis heute nicht nur das Holzrücken, sondern zum Beispiel auch die Bodenlockerung mit einem Pflug, damit Naturverjüngung sich leichter verbreiten kann oder auch die Unterstützung beim Anlegen von Pflanzstreifen für die Pflanzung neuer Aufforstungsflächen. Heute kann man den Einsatzbereich von Maschine und Pferd gut kombinieren.

Maschinen brauchen bekanntlich breite Rückegassen im Wald, um dem Bestand keinen Schaden zuzufügen. Der Boden in diesen Gassen ist dementsprechend stark verdichtet. Das könnt Ihr Euch vorstellen, als würdet Ihr einen Schneeball formen und den dann feste zusammendrücken. Die wenige Luft zwischen den Schneeflocken wird herausgedrückt und der Schnee verfestigt. Das gleiche passiert mit dem Boden, wenn schwere Maschinen ihn befahren. Keine Lufträume im Boden? Kein Leben!

Rückepferd gegen Bodenverdichtung

Um also die Bodenverdichtung minimal zu halten, werden die Abstände von Rückegasse zu Rückegasse vergrößert – beispielsweise auf 40 m Gassenabstand. Der Harvester kann allerdings oft nicht weiter als 10 m mit seinem Kran greifen. Nach ihm bleibt also die Mitte des Bestandes unbearbeitet. Um an das noch stehende Holz zu kommen, gibt es nun zwei Möglichkeiten. Forstwirt:innen fahren mit einem Schlepper und Seilwinde die Gasse entlang, fällen die Bäume im Mittelblock und ziehen die Stämme mit der Seilwinde an die Rückegasse. Oder aber statt des Schleppers kommt hier unser Pferd zum Einsatz und zieht die Stämme an den Gassenrand. Vorliefern nennt man das übrigens. 

Kaltblüter können die Arbeit im Wald leisten, da sie von Natur aus eine ruhige und leistungsstarke Art mit sich bringen. 

Wusstest Du schon…?
Pferde können am Tag bis zu 30 Festmeter bewegen. Kurzzeitig sind sie sogar fähig, bis zu 50 % ihres eigenen Körpergewichtes zu ziehen. Das ist schon eine ganze Menge. Ihr idealer Einsatzbereich liegt jedoch bei einer Belastung von nicht mehr als 20 % und in Beständen, die vor allem Brennholz liefern. Also Stämme, die maximal 30 cm dick und 5 – 10 m lang sind. Stammholz, aus dem man Möbel und Bauholz fertigen kann, liegt aufgrund der Dimension außerhalb des Machbaren für ein Pferd. Für starkes Holz liegt der Fokus also weitestgehend auf Maschinen. Bei Standorten mit empfindsamen Böden und schwächerem Holz kann das Pferd eine gute Alternative sein. Denn Brennholzstämme sind weniger lang, dünner und deshalb leichter, weshalb das Pferd diese leichter bewegen kann.

Wenn das Pferd flacher und schneller atmet, braucht es eine Pause. Das ist im Schnitt nach ca. 2 – 4 Stunden.

Pferdearbeit im Detail: Die Pro und Contras für das Pferd im Wald 

Vorliefern kann man folglich sowohl mit der Maschine als auch mit dem Pferd. Die Arbeit beim Rückepferd läuft wie folgt ab: Eine Forstwirtin oder ein Forstwirt fällt einen Baum. Das Pferd zieht eine Kette hinter sich her, an welcher der Pferdeführer den Stamm anbindet. Mithilfe der trainierten Kommandos wird der Stamm an die Gasse gezogen, dort abgelegt und der nächste geholt. Die Vorteile dieser Arbeitsweise?

Das Pferd ist nicht an die Rückegassen gebunden und kann quer durch den Bestand laufen, ohne dem Boden langfristig zu schaden. Außerdem ist es sehr flexibel und wendig zwischen Bäumen, wo eine Seilwinde nicht mehr mithalten kann, da diese immer einen geraden Seilzug zwischen den Bäumen braucht. Dadurch kann das Pferd pfleglicher arbeiten und hinterlässt oft weniger Schäden. Es lockert sogar den Boden mit seinen Hufen auf, wodurch sich Naturverjüngung später leichter ansamen kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass unser Pferd nicht in großen Mengen mit fossilen Kraftstoffen wie Diesel “fährt”, sondern mit Heu, Kraftfutter, Obst und Gemüse. 

Wichtig für die Arbeit ist, dass das Gelände nicht zu steil ist und dass wenig Gestrüpp und Sträucher auf dem Boden wachsen. Die sind beim Laufen im Weg. Und die Nachteile? Die Stärke eines Pferdes ist beschränkt. Maschinen haben weitaus mehr Kraft. Sie können länger arbeiten, deutlich mehr heben und die Holzstämme zu Holzpoltern aufhäufen. Wirtschaftlich schenken sich die beiden Verfahren eher wenig. Die Maschine ist durch ihre Einsatzstärke auf den ersten Blick günstiger. Wenn diese jedoch Schäden hinterlassen, gleicht sich dieser Punkt dem Pferd gegenüber wieder aus. Dennoch kann ein Pferd nicht die gleiche Menge an Arbeit in einer Stunde leisten, wie es die Maschine kann, was für das Pferd ein begrenzender Faktor ist.  

An der Kette zieht das Pferd den Stamm hinter sich her.

Also nur noch “über Stock und über Stein” oder kann es nur noch ein Harvester sein?

Rückepferd und Maschine können sich heutzutage gut ergänzen. Vor allem in Brennholzbeständen ist das Pferd der Maschine einen Tritt voraus. Das Pferd ist, gerade auf empfindlichen Böden pfleglicher und wendiger, die Maschine stärker und schneller. Was das Pferd nicht an Diesel braucht, bedarf es aber an Aufmerksamkeit und Pflege. Schließlich stellt man es nach getaner Arbeit nicht einfach in eine Garage und schmiert die Schrauben. Dieser Hingabe muss sich erstmal jemand annehmen. Auch bedarf es Fingerspitzengefühl des Menschen, das Tier nicht zu überlasten. Denn leider leuchtet hier kein Warnlicht auf, wenn der Kran… äh das Pferd überladen ist. Rückepferde zeigen eindrucksvoll, dass traditionelle Methoden auch heute noch eine nachhaltige und schonende Alternative in der Forstwirtschaft darstellen können. Na seid Ihr neugierig geworden? Hier könnt Ihr sehen, ob es vielleicht auch eine/n Pferderücker:in in Eurer Nähe gibt. 

Quellen:

Clara Zins-Grohé (2022): ,Verrücktes‘ Holz im Gerolsteiner Winterwald. Hg. v. Stadt Gerolstein. Online verfügbar unter https://gerolstein.org/de/nachrichten/details-nachrichten/verruecktes-holz-im-gerolsteiner-winterwald.html, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Inga Maushake (o.D.): Rückepferde bei der Holzernte – ein Zukunftstrend? Hg. v. Grube KG. Online verfügbar unter https://www.grube.de/magazin/holzernte-mit-rueckepferden/, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Julia Wirth (2008): Pferde in der modernen Forstwirtschaft: Vergleich von Leistung und Pfleglichkeit zwischen Pferd und Seilschlepper beim Vorliefern von Fichten – Vollbäumen. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Monika Runkel (2025): Umweltfreundliches Holzrücken – Pferd und Maschine. Hg. v. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Online verfügbar unter https://www.waldwissen.net/de/technik-und-planung/forsttechnik-und-holzernte/waldarbeit/umweltfreundliches-holzruecken-pferd-und-maschine, zuletzt geprüft am 12.04.2026.

Sebastian Seyboldt (2023): Vorliefern in hochwertigen Eichen-Mischbeständen mittels Rückepferd und Vorlieferraupe: Ein Systemvergleich von Wirtschaftlichkeit und Pfleglichkeit. Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. 

Sieltec GmbH & Co. KG: PUR Einspännergeschirr komplett. Online verfügbar unter https://sieltec-shop.com/pur-einspaennergeschirr-komplett/siel300m.5 , zuletzt geprüft am 12.04.2026.

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