Biodiversität Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/biodiversitaet Wissen aus dem Wald Mon, 28 Sep 2026 09:57:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.11 https://forsterklaert.de/wp-content/uploads/2020/02/cropped-FavIconForstErklaert-32x32.png Biodiversität Archive - Forst erklärt https://forsterklaert.de/tag/biodiversitaet 32 32 Wald auf dem Acker? Was hinter Kurzumtriebsplantagen steckt https://forsterklaert.de/kurzumtriebsplantagen https://forsterklaert.de/kurzumtriebsplantagen#respond Sun, 04 Oct 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6926 Vielleicht habt Ihr sie schon einmal entdeckt: Kleine „Wälder“, die mitten auf einem Acker wachsen. Doch was steckt dahinter? Hierbei...

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Vielleicht habt Ihr sie schon einmal entdeckt: Kleine „Wälder“, die mitten auf einem Acker wachsen. Doch was steckt dahinter? Hierbei handelt es sich um sogenannte Kurzumtriebsplantagen, auf denen schnellwachsende Baumarten stehen, aus denen später Energieholz und Hackschnitzel entstehen. Wie aus kleinen Bäumen Energie wird, wie die Ernte funktioniert und was Kurzumtriebsplantagen mit Biodiversität zu tun haben, erfahrt Ihr hier.

Junge Korbweiden (Salix viminalis) – hier wächst die Energie von morgen! 

Acker mal anders!

Auf den ersten Blick sehen Kurzumtriebsplantagen (KUP) fast wie kleine Wälder aus. Tatsächlich handelt es sich aber um ganz normale Acker, auf denen man kein Getreide oder Kartoffeln pflanzt, sondern schnell wachsende Baumarten wie Weiden und Pappeln. Meistens findet Ihr KUPs tatsächlich neben landwirtschaftlichen Flächen. Die Bäume stehen dicht an dicht in Reihen und wachsen innerhalb weniger Jahre zu einer beachtlichen Größe heran. Nach einigen Jahren werden die Bäume geerntet und überwiegend zu Hackschnitzel weiterverarbeitet. Diese wiederum kann man zur Energiegewinnung nutzen, indem man sie verbrennt. Deshalb spricht man häufig von Energieholzplantagen oder Energiewäldern. Neben Hackschnitzeln wird auch ein Teil des Holzes in der Papier-, Zellstoff- oder Holzwerkstoffindustrie verwendet.

Vor allem für Land- und Forstwirt:innen werden Kurzumtriebsplantagen immer interessanter. Denn man muss keinen eigenen Wald besitzen, um mit Holz Geld zu verdienen. KUPs machen es möglich, auf landwirtschaftlichen Flächen in kurzer Zeit große Mengen an Holz und demnach nachwachsende Biomasse zu produzieren. Vor allem im Anblick des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen wird nachhaltige Energiegewinnung, wie z.B. mit Hackschnitzel, immer wichtiger.

Wusstest Du schon…?
Auch wenn Kurzumtriebsplantagen auf den ersten Blick wie kleine Wälder aussehen, zählen sie rechtlich nicht als Wald. Die Bäume wachsen nur für wenige Jahre heran, bevor man die gesamte Fläche erntet. Dabei bleiben keine Bäume stehen. So entstehen keine typischen, dauerhaften Waldstrukturen. Deshalb gelten KUPs rechtlich als landwirtschaftliche Dauerkultur, auch wenn sie zwischen den Ernten durchaus wie ein Wald aussehen können. 

Auf der Kurzumtriebsplantage der Baumschule Dendroquant GmbH entwickeln sich die kleinen Bäume zu wertvollem Energieholz.

So wird aus einem Feld eine Kurzumtriebsplantage  

Der Anbau einer KUP beginnt auf einem ganz normalen Acker. Besonders gut eignen sich landwirtschaftliche Flächen, die ausreichend mit Wasser versorgt sind. Dort pflanzt man meist sogenannte Weiden und Pappel-Hybride, meistens Balsam-Pappel und Korbweide, die besonders schnell wachsen und für Ackerstandorte angepasst sind. 

Statt großer Bäume kommen zu Beginn kleine Stecklinge in den Boden. Ein Steckling ist eine etwa 20 bis 35 Zentimeter kleine Jungpflanze, aus der ein Baum heranwächst. Gepflanzt wird in der Regel zwischen Ende März und Anfang Juni. Das erfolgt je nach Größe der Fläche von Hand oder mit speziellen Pflanzmaschinen. Schon jetzt entscheidet sich, wie gut die Bäume später wachsen. Deshalb wählen Land- und Forstwirt:innen die Baumarten sorgfältig aus. Denn nicht jede Weide oder Pappel fühlt sich überall gleich wohl. Boden, Niederschlag und Klima müssen zum jeweiligen Baum passen. Stimmen die Bedingungen, können die jungen Bäume richtig durchstarten und reichlich Biomasse produzieren.

Ungebetene Gäste

In den ersten Monaten brauchen die kleinen Pflanzen noch etwas Aufmerksamkeit. Vor allem Unkraut kann ihnen das Leben schwer machen, wenn es um Wasser, Nährstoffe und Licht konkurriert. Deshalb kommt in dieser Anwuchsphase bei Bedarf Pflanzenschutz zum Einsatz. Sind die Bäume erst einmal kräftig genug, können sie sich weitgehend selbst behaupten. Doch auch eine KUP ist nicht vor ungebetenen Gästen sicher. Da viele Bäume einer Art dicht nebeneinander wachsen, können sich Schädlinge und Krankheiten umso schneller ausbreiten. Deshalb muss man die Plantagen regelmäßig kontrollieren. Mit der richtigen Auswahl und etwas Geduld verwandelt sich der Acker schließlich in eine kleine grüne Energiequelle.

Heranwachsende Balsam-Pappeln (Populus suaveolens) reihen sich dicht an dicht – aus kleinen Stecklingen ist inzwischen ein grüner „Energiewald“ geworden.

Wusstest Du schon…?
Einmal pflanzen, mehrfach ernten! Das ist einer der großen Vorteile von Kurzumtriebsplantagen. Nach der Ernte verschwinden die Bäume zwar vom Acker, ihre Wurzeln bleiben jedoch im Boden. Aus den sogenannten Wurzelstöcken treiben schon bald neue Triebe aus und wachsen wieder zu kräftigen Bäumen heran. 

Jetzt wird geerntet! 

Nachdem die Bäume Zeit zum Wachsen hatten, kann man sie alle zwei bis fünf Jahre ernten. Dafür eignet sich besonders der Winter: Die Bäume tragen kein Laub und lassen sich somit leichter abholzen. Doch wie erntet man eigentlich ein ganzes Feld voller Bäume? Mit reiner Muskelkraft wäre das eine ziemlich große Aufgabe. Deshalb übernehmen spezielle Maschinen die Arbeit.

Ein selbstfahrender Vollernter fährt durch die Reihen und erledigt gleich mehrere Schritte auf einmal: Er schneidet die Bäume direkt am Stamm ab, zerkleinert das Holz und produziert daraus sofort Hackschnitzel. Unter guten Bedingungen liefert eine Kurzumtriebsplantage im Durchschnitt bis zu rund 10 Tonnen Trockensubstanz pro Jahr und Hektar. Doch was bedeutet das eigentlich? Mit der Trockensubstanz ist die reine Holzmasse ohne Wasser gemeint, also eigentlich einfach nur, wenn man das Holz trocknet. 10 Tonnen – das entspricht ungefähr dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefantenbullen. Läuft es besonders gut, kann sich die Menge sogar verdoppeln. Somit können pro Hektar etwa 19 bis 26 Tonnen Kohlenstoff gespeichert werden!

Nach etwa 20 bis 30 Jahren lässt die Wuchsleistung der KUP jedoch nach. Die Bäume wachsen dann nicht mehr so kräftig und liefern weniger Ertrag. Dann endet der Lebenszyklus der Plantage und die Fläche wird wieder zurück in einen landwirtschaftlichen Acker umgewandelt. Falls Euch interessiert, wie man im Gegensatz dazu einen echten Wald erntet, könnt Ihr das gerne hier nachlesen. 

Damit zeigen KUPs, welches Potenzial in schnell wachsenden Bäumen steckt. Gerade angesichts des Klimawandels und knapper werdender Ressourcen gewinnen nachwachsende Rohstoffe für die Energiegewinnung zunehmend an Bedeutung. Kurzumtriebsplantagen können dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Sie produzieren auf vergleichsweise kleiner Fläche immer wieder neue Biomasse und speichern große Mengen an Kohlenstoff.

Aus den verbliebenen Wurzelstöcken nach der Ernte treiben bereits die nächsten Pappeltriebe aus, ganz ohne Neupflanzung.

Wie sieht es mit der Biodiversität aus?

Auf den ersten Blick könnte man denken: Viele Bäume derselben Art – was soll daran schon gut für die Biodiversität sein? Eine Kurzumtriebsplantage ersetzt zwar keinen naturnahen Wald, kann aber gerade in einer intensiv genutzten Ackerlandschaft einen wichtigen ökologischen Unterschied machen. Wo vorher jedes Jahr eine andere Kultur auf dem Acker stand, wachsen plötzlich über mehrere Jahre Bäume. Der Boden bleibt länger ungestört, zwischen den Baumreihen können Gräser, Kräuter und andere Pflanzen wachsen und die Fläche bietet zusätzlichen Lebensraum für verschiedene Tiere. Gleichzeitig kommen in KUPs meist weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel zum Einsatz als im klassischen Ackerbau.

Kurzumtriebsplantagen als Trittsteine

Damit können KUPs wie kleine grüne Trittsteine in einer ansonsten stark landwirtschaftlich geprägten Landschaft wirken. Sie bringen mehr Struktur in die Landschaft, schützen den Boden vor Erosion und fördern das Bodenleben. Auch Humus kann sich im Oberboden anreichern. Allerdings gilt: KUP ist nicht gleich Naturwald. Ein naturnaher Wald bietet deutlich mehr unterschiedliche Lebensräume und Arten. Auch den höheren Wasserbedarf der schnell wachsenden Bäume sollte man im Blick behalten. Besonders in trockenen Regionen kann eine KUP deshalb an ihre Grenzen kommen.

Grüne Trittsteine in der Agrarlandschaft: KUPs bringen Struktur in großflächige Ackerlandschaften und fördern somit die Biodiversität.

Unterm Strich können KUPs die Artenvielfalt in intensiv genutzten Ackerregionen durchaus bereichern – vor allem dort, wo sie für mehr Struktur, längere Bodenruhe und weniger intensive Bewirtschaftung sorgen. Gleichzeitig liefern sie nachwachsenden Rohstoff für die Energiegewinnung und können damit auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Quellen:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/nachhaltiges-wirtschaften/biooekonomie/biomasse/kup.html

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/holz-und-markt/holzenergie/kohlenstoffspeicherung-in-kups

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurzumtriebsplantage

Belau, T., 2012. Energiepflanzen: Daten für die Planung des Energiepflanzenanbaus, 2. Aufl. ed, KTBL-Datensammlung mit Internetangebot. KTBL, Darmstadt.

Döpke, K., Moschner, C.R., Hartung, E., 2018. Die ökologischen Aspekte von Kurzumtriebsplantagen – eine Literaturstudie. Landtechnik 68, 33–37.

Janssen, D.A., Fey-Wagner, C., Hofmann, M., Mu, H., HessenRohstoffe, K., 2010. Verbundvorhaben FASTWOOD: Züchtung schnellwachsender Baumarten – Teil Pappeln.

Bildnachweis: Die Bilder durften freundlicherweise auf den Flächen von Dendroquant GmbH aufgenommen werden.

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Biodiversität im Wald https://forsterklaert.de/biodiversitaet https://forsterklaert.de/biodiversitaet#comments Sun, 21 Jun 2026 08:00:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=6686 Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau...

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Der Begriff Biodiversität geistert schon seit einiger Zeit durch die Politik, meistens im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Doch was genau ist Biodiversität eigentlich? Und was hat das mit unserem Wald zu tun? Diese Fragen und noch viele weitere zum Thema Biodiversität werden im folgenden Artikel beantwortet.

Nicht nur Pflanzen machen unseren Wald aus – auch Pilze!

Biodiversität – was steckt dahinter?

Bevor wir uns in das Thema stürzen, wie genau Biodiversität im Wald aussieht, sollten wir erst einmal klären, was dieser Begriff überhaupt bedeutet. Biodiversität besteht aus drei Komponenten.

Genetische Vielfalt

Die genetische Vielfalt könnt Ihr Euch gut an dem Beispiel der Gelbbauchunken vorstellen. In einem Wald gibt es eine Gelbbauchunken Population und die haben zwei Gene, die bestimmen, ob sie eher gräulich oder eher bräunlich gefärbt sind. In einem anderen Wald haben die Gelbbauchunken 6 Gene, die ihre Färbung bestimmen (hier handelt es sich lediglich um ein vereinfachtes Beispiel – Gene sind in Wahrheit viel komplizierter!). Das heißt, dass die zweite Gelbbauchunken Population eine höhere genetische Vielfalt hat, weil bei ihnen insgesamt mehr unterschiedliche Gene vorkommen. Das ist sehr wichtig, weil dadurch hat die zweite Population größere Überlebenschancen. Vielleicht versteht Ihr es besser mit einem Beispiel.

Um bei unseren Gelbbauchunken zu bleiben: Die Gelbbauchunken aus dem ersten Moor (nur zwei Gene) leben in der Nähe einer Waschbärfamilie. Die Waschbären haben sich auf die gräulichen Unken spezialisiert, weil sie diese leichter erkennen und futtern alle auf. Damit ist die Hälfte der Population weg (50 %). Waschbären sind schlau und wenn sie herausfinden, dass es auch bräunliche Unken gibt, ist die restliche Population in Gefahr. In der zweiten Gelbbauchunken Population gibt es viel mehr äußerliche Unterschiede (6 Gene), das heißt, sollten die Waschbären alle Unken einer Färbung ausrotten (1 Gen), gibt es noch ca. 84 % der restlichen Population. 

Wusstest Du schon…?
Gelbbauchunken sind auf ihrem Rücken langweilig gräulich bis bräunlich gefärbt. Auf ihrem Bauch wird es spannender. Da sind sie (wie der Name schon verrät) gelb gefleckt. Die Bauchfärbung von jeder Gelbbauchunke ist anders, genauso wie der Fingerabdruck eines Menschen. Daran können wir die Gelbbauchunken voneinander unterscheiden. Das Süßeste sind allerdings ihre Pupillen, die sind nämlich herzförmig.

Ein Waschbär hält Ausschau – vielleicht sogar nach Gelbbauchunken!

Eine hohe genetische Vielfalt ist also ausgesprochen wichtig. Eine höhere Vielfalt von Genen erhöht die Möglichkeit, dass mindestens ein Tier Gene hat, die für eine neue Situation notwendig sind. Die genetische Diversität bildet also die Grundlage für Evolution. Dies ist besonders wichtig, wenn wir an das Klima denken. Der Klimawandel bringt Veränderungen mit sich, die Temperaturen steigen und es wird mehr Extremwetterereignisse geben. Für viele Tiere und Pflanzen ist es schwierig, unter diesen Lebensbedingungen zurechtzukommen. Da kann es hilfreich sein, wenn es eine große genetische Vielfalt gibt, sodass evolutionäre Anpassungen möglich sind. Es gibt sogar schon einige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass einige Tiere heute schon ihr Aussehen verändern, um sich den wandelnden Umweltbedingungen anzupassen.

Mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Rotmilane brüten in Deutschland.

Zur Biodiversität gehört also genetische Vielfalt. Aber es war doch die Rede von drei Komponenten, oder? Genau! Genetische Vielfalt allein langt nämlich nicht. Stellt Euch mal vor, es gäbe nur Buchen und Rotmilane. Selbst wenn die mega diverse Gene haben, macht das noch keinen Wald. Deshalb sind die anderen beiden Komponenten, Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. 

Artenvielfalt

Artenvielfalt ist eigentlich ziemlich selbsterklärend: Wir wollen möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Farne, Gräser, Sträucher, Flechten, Pilze und Moose gehören neben Bäumen in einen intakten Wald, genauso wie große und kleine Säugetiere, Greifvögel und Singvögel, ebenso wie alles mögliche an Insekten, Reptilien und Amphibien. Die Liste könnte fast ewig so weitergehen. 

Vielfalt der Ökosysteme

Hinsichtlich der Vielfalt der Ökosysteme werden einige von Euch vielleicht stutzig. Dass es verschiedene Ökosysteme gibt – Meer, Wüste, Wald – ist Euch bestimmt klar, aber Wald ist doch nur ein Ökosystem, oder? Nicht direkt, auch beim “Wald” gibt es Unterschiede. Ein tropischer Regenwald zum Beispiel ist ein ganz anderes Ökosystem als unser europäischer Wald, aber auch Laub-, Nadel- und Mischwälder unterscheiden sich voneinander. Auch innerhalb Deutschlands gibt es unterschiedliche Wald-Arten. Diese nennen wir Waldgesellschaften. Wenn Ihr mehr über das Ökosystem Wald erfahren wollt, schaut Euch doch gerne diesen Artikel an!

Wusstest Du schon…?
Es gibt Waldgesellschaften, die solche poetischen Namen tragen wie Linden-Ahorn-Hang- und Schluchtwälder (Tilio platyphylli-Acerion pseudoplatani) oder Erlen-Ulmen-Hartholzauen (Alno-Ulmion minoris). Wahre Zungenbrecher!

Dieser blühende Bergahorn (Acer pseudoplatanus) bringt mehr Artenvielfalt in den Wald.

Dienste der Natur

Dass es schöner ist, durch einen gesunden, vielfältigen Wald zu spazieren als durch einen eintönigen Wald, da sind wir uns bestimmt alle einig. Ein strukturreicher Wald mit den unterschiedlichsten Arten hilft uns nicht nur bei der Erholung, sondern bietet uns viel mehr. Da fällt mir das ewig lange Stichwort ‘Ökosystemleistungen’ ein. Ökosystemleistungen sind Dinge, die wir zum Überleben brauchen und die uns die unterschiedlichen Ökosysteme kostenlos zur Verfügung stellen.

Unser Wald leistet sehr wichtige Arbeit für uns. Er kann zum Beispiel eine CO2-Senke sein, außerdem nutzen wir das Holz als Baustoff oder als Energiequelle. Wälder produzieren Sauerstoff, filtern Regenwasser und speichern dieses wiederum als Grundwasser. Von den zahlreichen Pflanzen und den Tieren, die dort leben, können wir uns ernähren. In einigen Regionen schützt der Wald uns vor Lawinen. Dass es dem Wald gut geht, ist also dringend notwendig, damit es uns gut geht. Aber wie merken wir, dass es unserem Wald nicht gut geht? Ein Kennzeichen eines gesunden Waldes ist unter anderem die Biodiversität. Wälder mit einer hohen Biodiversität können sich schneller von Störungen erholen bzw. sind weniger stark von ihnen betroffen (Stabilität). Außerdem können sie sich an Veränderungen anpassen (Plastizität). Je mehr (Arten-)Vielfalt es gibt, desto vielfältiger kann der Wald auf Störungen reagieren bzw. sich anpassen.

So sieht ein gesunder Wald aus der auf alles mögliche reagieren kann, weil er auch alles mögliche hat: verschiedene Arten, Bäume mit unterschiedlichem Alter und mal mehr Licht, mal weniger.

Gefährdung der Vielfalt

Es gibt viele Ursachen für die Abnahme an Biodiversität im Wald. Klimawandel setzt unseren Wäldern zu. Aber auch unsere historische Waldnutzung hat dazu beigetragen, dass die Artenvielfalt abgenommen hat (mehr dazu hier!). Das klassische Beispiel ist da natürlich der Borkenkäfer (eigentlich Buchdrucker). Jahrzehntelang wurde die Fichte in einem Reinbestand angepflanzt, was dem Borkenkäfer sehr gut gepasst hat – da sind die Flugdistanzen schön kurz! Im Reinbestand ist die Biodiversität sehr niedrig, der Wald wird nur von wenigen Arten geprägt. Deshalb konnten kaum natürliche Regulatoren die Massenvermehrung eindämmen.

Die Fressfeinde des Buchdruckers (Ips typographus) benötigen nämlich vielfältige und strukturreiche Wälder mit Totholz und Blumen, wie sie in einem Reinbestand nicht zu finden sind. Diese Arten übernehmen sogenannte Schlüsselrollen. Wenn sie fehlen, kann es beispielsweise  zu Massenvermehrungen oder anderen Problemen kommen. Im Fall des Buchdruckers ist das unter anderem  der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius). Am Ende kann der Wald nicht mehr so funktionieren, wie wir es brauchen: Wir kriegen kein gesundes Holz, Waldspaziergänge sind deprimierend und statt CO2 zu speichern, wird der Wald zu einer CO2-Quelle. Deshalb ist Artenvielfalt so wichtig.

Die Überreste des Waldes im Harz nach einer Massenvermehrung des Buchdruckers.

Wusstest Du schon…?
Die Borkenkäfer sind eine Unterfamilie der Rüsselkäfer. Von den Borkenkäfern gibt es ca. 230 Arten. Weitere Unterfamilien sind die Splint- (ca. 160 Arten) und die Bastkäfer (ca. 210 Arten). 

Wir haben mehr Probleme als den Klimawandel

Leider gibt es mehr Probleme als die Klimawandel bedingten Trockenperioden und die Orkane, die unseren Wäldern und somit der biologischen Vielfalt zusetzen. Die Zerschneidung der Landschaft, zum Beispiel durch Straßen, kann für einige Tiere ein unüberwindbares Hindernis sein. Frösche können nicht ihre gewohnten Wanderwege nutzen oder begeben sich beim  Überqueren der Straße in Lebensgefahr, aber auch größere Tiere, wie das Rotwild leiden unter Autobahnen, die ihr Streifgebiet kreuzen. Die Tiere können diese Hindernisse nicht passieren, was dazu führt, dass einige Populationen sich gar nicht mehr miteinander vermischen können. Dadurch gibt es immer mehr Inzucht und die genetische Vielfalt in den Populationen nimmt ab. 

Rotwild ist sehr aufmerksam und vermeidet Störungen so gut es kann.

Weitere Bedrohungen für die Biodiversität sowohl der Fauna als auch der Flora sind Neophyten und Neozoen. So heißen Pflanzen und Tiere, die ursprünglich von woanders herkommen und sich hier wohl fühlen. Weshalb sie problematisch sein können, könnt Ihr hier (Neophyten) oder hier (Neozoen) genauer nachlesen. Kurz gesagt: Es ist schwierig für unsere heimischen Tiere und Pflanzen mit den Neuankömmlingen zu konkurrieren, wenn die neuen Mitbewohner hier keine natürlichen Feinde haben. Diese werden dann teilweise verdrängt oder ausgerottet und die Artenvielfalt nimmt ab.

Zuletzt gibt es da noch das Problem des Wild-Wald-Konfliktes. Das Wild knabbert gerne an den Blättern und Knospen der Bäume herum. An sich ist das ja auch kein Problem, ihnen schmecken nur manche Baumarten besser als andere und die verschwinden dann langsam aus unseren Wäldern. Wenn Ihr mehr zu dem Thema erfahren wollt, gibt es eine ganze Artikelserie allein zu dem Thema “Wieso wir jagen (müssen)” und besonders der dritte Artikel dieser Serie beschäftigt sich mit dem Einfluss der Jagd auf die Biodiversität.

Hier seht Ihr die Schäden, die das Schälen des Rotwildes an Fichten verursachen kann.

Ideen für die Biodiversität

Das klang jetzt alles ein wenig düster und deprimierend, aber zum Glück gibt es viele Dinge, die wir tun können – und die auch schon getan werden! Zurzeit gibt es einige Forschungsprojekte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, welche Baumarten gut gemischt werden können. In Bezug auf die Holzwirtschaft ist das hilfreich zu wissen, da manche Bäume produktiver sind, wenn sie mit bestimmten anderen Arten gemischt werden. Ein weiterer netter Nebeneffekt des Mischwaldes sind die zusätzlichen Arten, die dort natürlicherweise Vorkommen im Gegensatz zu Reinbeständen.

Wie oben bereits erwähnt, wissen die Förster:innen, dass Reinbestände zum einen nicht sehr divers sind und zum anderen nicht gut auf die klimatischen Veränderungen reagieren können. Deshalb bemühen sie sich, Reinbestände in Mischwälder umzubauen – das hilft auch der Biodiversität. Außerdem bewirtschaften viele Förster:innen ihre Reviere naturnah, das heißt sie erhalten Strukturen, die Artenvielfalt bedingen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die Forstwirt:innen die Kronen der Bäume als Totholz im Wald liegen lassen, weil sich viele Käfer- und Pilzarten dort wohlfühlen. Außerdem lassen Förster:innen in unregelmäßigen Abständen knorrige, alte Bäume (auch Biotop- oder Habitatbäume genannt) stehen oder auch Baumgruppen, die eine Vielzahl an Mikrohabitaten zu bieten haben. Dieses Prinzip wird “Trittsteinkonzept” genannt und viele Tiere freuen sich über diese Oasen im Wald.

Wusstest Du schon…?
Schon so etwas Simples wie ein festes Netz an Rückegassen kann helfen, die Biodiversität in einem Wald zu erhalten. Die Mikroorganismen im Boden mögen es nämlich gar nicht, vom Harvester überfahren zu werden, deswegen sollten wir möglichst viel vom Waldboden in Ruhe lassen.

Viele Insekten freuen sich über Mikrohabitate – so wie diese Biene im Bärlauch!

Schutz in nicht-bewirtschafteten Wäldern

Bisher haben wir uns angeschaut, welche Möglichkeiten Förster:innen in ihrem Alltag haben, um Biodiversität zu fördern und zu erhalten. Wenn wir weg von den bewirtschafteten Wäldern schauen, gibt es ebenfalls viele Möglichkeiten, die biologische Vielfalt effektiv zu schützen. Um die genetische Vielfalt zu sichern, sind Wildbrücken zum Beispiel sehr praktisch. Sie können den Austausch zwischen verschiedenen Populationen ermöglichen. Für den Artenschutz wäre ein Ansatz zum Beispiel der Schutz von sogenannten “Schirmarten”. Eine Schirmart ist eine Art, die spezielle Bedingungen zum Überleben braucht. Andere Arten sind da genügsamer in ihren Ansprüchen. Schützen wir beispielsweise den Grünspecht (unsere Schirmart), schützen wir den Schwarzspecht, die Hohltaube und Wildbienen, die auf Totholz spezialisiert sind, gleich mit. 

Den letzten Aspekt der Biodiversität – die Vielfalt der Ökosysteme – schützen wir am besten indem wir möglichst viele unterschiedliche Lebensräume und Habitate schützen und erhalten. Das heißt, neben Naturschutzgebieten, in denen der Prozessschutz herrscht (keine Eingriffe des Menschen, die Natur entwickelt sich von ganz allein), müssen wir auch die Kulturlandschaft (von Menschen geprägte Landschaft) schützen und erhalten. Für möglichst verschiedene Arten brauchen wir auch möglichst verschiedene Lebensräume. Hutewälder, Moore, Auwälder, klassische Buchenwälder – alle gehören zu einer vielfältigen Landschaft dazu.
Ihr merkt bestimmt, Biodiversität im Wald ist ein kompliziertes Thema und dieser Artikel hat selbst erst an der Oberfläche gekratzt. Aber das Schöne ist, es ist sehr einfach mit zu helfen! Ihr könnt in Eurem Garten zum Beispiel ein Insektenhotel bauen oder (die entspannte Variante) einfach ein wenig Totholz rumliegen lassen. Schreibt uns doch in die Kommentare, wofür Ihr Euch entschieden habt!

Quellen:

https://www.bmz.de/de/service/lexikon/biodiversitaet-14106

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/13654.html

https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/auf-einen-blick-alle-leistungen-des-oekosystems-wald

https://www.cell.com/trends/ecology-evolution/fulltext/S0169-5347(21)00197-X

https://www.geo.de/natur/tierwelt/klimawandel-veraendert-aussehen-von-tieren-30723346.html

https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/biodiversitaet-im-wald

https://www.fnr.de/fileadmin/Projekte/2022/Mediathek/1136_Borkenkaefer_web_2022_bf_final.pdf

https://www.bfn.de/zerschneidung-und-wiedervernetzung

https://www.geo.de/natur/tierwelt/siedlungen-und-strassen-treiben-inzucht-bei-rotwild-voran-35711080.html

https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/waldumbau/bedeutung-der-biodiversitaet

https://ulrich-mergner.de/das-trittsteinkonzept

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/naturschutz/monitoring/biodiversitaet-auf-ganzer-flaeche

https://www.artenschätze.de/das-konzept/strategie/schirmarten

https://www.artenschätze.de/artenschaetze/detail/gruenspecht

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/amphibien-und-reptilien/amphibien/artenportraets/10637.html

https://www.waldkulturerbe.de/service/wissenswertes/wissenswertes-detail/natur-und-artenschutz-im-wald

https://ediss.uni-goettingen.de/handle/11858/13992

Fischer, F., Oberhansberg, H. and Steffens, D. (2020) Was hat die Mücke je für uns getan? endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet. München: oekom verlag.

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Prof. C. Ammer, Modul Waldbau

Vorlesung der Georg-August-Universität Göttingen, Dr. I. Lusebrink, Modul Forstentomologie

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Unsere Bäume: Die Silber-Pappel (Populus alba) https://forsterklaert.de/pappel https://forsterklaert.de/pappel#comments Mon, 07 Oct 2024 06:50:36 +0000 https://forsterklaert.de/?p=5006 Die Silber-Pappel ist eine in der Forstwirtschaft häufig übersehene Baumart, da sie wirtschaftlich keinen großen Nutzen bringt. Ziehen wir uns unsere Biodiversitäts-Brillen an, dann können wir erkennen, dass die Silber-Pappel für eine Vielzahl an Insekten eine wichtige Nahrungsquelle ist. Hinzu kommt, dass die Silber-Pappel bei Wiederbewaldung hilft. Wenn Ihr wissen wollt, was diese unterschätzte Baumart noch alles kann, dann seid ihr hier genau richtig!

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Die Silber-Pappel ist eine in der Forstwirtschaft häufig übersehene Baumart, da sie wirtschaftlich keinen großen Nutzen bringt. Ziehen wir uns unsere Biodiversitäts-Brillen an, dann können wir erkennen, dass die Silber-Pappel für eine Vielzahl an Insekten eine wichtige Nahrungsquelle ist. Hinzu kommt, dass die Silber-Pappel bei Wiederbewaldung hilft. Wenn Ihr wissen wollt, was diese unterschätzte Baumart noch alles kann, dann seid ihr hier genau richtig!

So sieht die Krone der Silber-Pappel aus.

Eine kurze Vorstellung

Die Silber-Pappel gehört zur Familie der Weidengewächse. Sie ist ein vielfältiger Baum und kann je nach Standort ziemlich unterschiedlich aussehen. Seid Ihr z.B. an der Küste unterwegs, wo der Boden sandig und nährstoffarm ist, dann wächst die Silber-Pappel zu einem Strauch heran und nicht zu einem richtigen Baum. Am besten gefällt es ihr auf nassen und tonig-lehmigen Böden, weshalb sie häufig am Rand von Flüssen zu finden ist. Der Lebensraum, in dem sie vorkommt, wird auf schlau “Hartholzaue” genannt, d.h. sie mag es gerne auf nährstoffreichen Böden und mit halbschattiger Beleuchtung. Wenn Ihr mehr über Auwälder erfahren wollt, findet Ihr unseren Artikel dazu hier. Wächst die Silber-Pappel unter diesen idealen Bedingungen, kann sie bis zu 45 m hoch werden und sogar ihren 400. Geburtstag feiern. 

Die Borke der Silber-Pappel ist unten verkorkt und wird darüber silbern.

Vom Aussehen könnt Ihr die Silber-Pappel gut identifizieren. Ein großer Baum mit einer runden und lockeren Krone, die an einer Seite stärker ausgeprägt ist. Dadurch bekommt  der Baum Schlagseite und sieht asymmetrisch aus. Habt Ihr einen Baum gefunden, der ungefähr so aussieht, dann können wir uns als nächstes die Borke anschauen. Diese ist silbrig-grau gefärbt und ist übersät mit rautenförmigen Korkwarzen. Je nachdem, wie alt der Baum ist, können die Korkwarzen zu größeren Rissen werden. Bei älteren Bäumen  ist oft der komplette untere Stammbereich verkorkt und die silbrige Färbung fängt erst weiter oben am Stamm an.

Immer noch unsicher?

Solltet Ihr Euch weiterhin nicht sicher sein, ob es sich bei Eurem Exemplar um eine Silber-Pappel handelt, dann schauen wir uns am besten das eindeutigste Merkmal an: die Blätter. Sie sind gegenständig und auf der Oberseite dunkelgrün gefärbt und glänzend. Auf der Unterseite bilden sie einen weißen Flaum aus, der ein wenig so aussieht, als ob jemand sie in Mehl gelegt hat. Außerdem sind sie drei- bis fünfteilig eingebuchtet und haben einige Ähnlichkeit mit den Blättern des Feldahorns. Nur mit weißen Härchen auf der Unterseite. 

Wusstest Du schon…?
In der griechischen Mythologie symbolisiert die Zweifarbigkeit des Blattes die Aufgaben des Helden Herkules, welche er in der Ober- und der Unterwelt erfüllen musste.

Die grüne Oberseite und die mehlig-weiße Unterseite im Vergleich.

Wie die Silber-Pappel sich ausbreitet

Bei der Silber-Pappel, wie bei allen Pappelarten, handelt es sich um eine Pionierbaumart (mehr dazu findet Ihr im Artikel zu Pionierbaumarten oder in diesem Youtube-Video). Ein Pionierbaum zu sein heißt unter anderem, schnell zu wachsen und leichte Samen zu haben, die der Wind weite Strecken transportiert. Die Silber-Pappel erfüllt diese Kriterien. Bevor die Samen sich überhaupt verbreiten, muss die Befruchtung stattfinden. Silber-Pappeln sind diözisch, d.h. es gibt rein männliche Vater-Bäume und rein weibliche Mutter-Bäume. Beide bilden Blütenstände aus, die herab hängen und aussehen wie längliche Weidenkätzchen. Die Bestäubung übernimmt der Wind. Das nennen wir Anemophilie. Die weiblichen Bäume bilden nach der Bestäubung Kapselfrüchte aus, in denen die Samen reif werden. Das passiert im Mai und Juni. Danach werden die Samen durch den Wind davongetragen, was auf schlau “Anemochorie” heißt. 

Wusstest Du schon…?
Wörter, die mit “Anemo-” beginnen, haben immer etwas mit dem Wind zu tun, so wie Anemochorie oder Anemophilie. Der Ursprung dieser Wörter kommt aus dem Griechischen, wo anemos Windhauch oder Luft bedeutet.

Mit Hilfe des Windes gelangen die Samen der Silber-Pappel zu einer unbewaldeten Fläche. Weil die Silber-Pappel geringe Standortansprüche hat, kann sie dort anfangen zu wachsen. Nach und nach kommen andere vom Wind getragene Samen dazu und die Fläche sieht bald aus wie ein kleiner Wald. Dann folgen die Baumarten, die Schatten brauchen und deren Samen sich langsam ausbreiten, wie die Buche oder die Eiche. Mit der Zeit entsteht hier ein neuer Wald. Dieser Prozess der Wiederbewaldung heißt “natürliche Sukzession”. Pappeln, Birken, Weiden oder die Vogelbeere sind Baumarten, die wichtig für den ersten Schritt der Waldsukzession sind.

Nicht nur die Blätter, auch der Trieb selbst ist weiß gefärbt.

Durch die Biodiversitäts-Brille

In vielen Wäldern oder Kulturen, findet Ihr die Silber-Pappel vorwiegend im jungen Stadium, da sie für die Forstwirtschaft nicht relevant ist. Sie dient häufig der Befestigung von Dünen und Ihr habt sie wahrscheinlich schon in einem Park oder als Alleebaum gesehen. Diejenigen, die von ihr profitieren, sind klein: die Raupen. Es gibt verschiedene Schmetterlingsarten, deren Raupen sich von der Silber-Pappel ernähren. Dabei können wir zwischen drei Gruppen unterscheiden. Es gibt monophage Nutzer, die sich nur von dieser einen Baumart ernähren können. Die Raupe des Silberpappel-Kahneulchens (Earias vernana) zählt zu dieser Kategorie und kann nur überleben, solange es Silber-Pappeln gibt.

Die zweite Gruppe ernährt sich oligophag. Oligophag bedeutet, dass sich das Tier von verschiedenen Arten einer Gattung ernähren kann. Der Pappelschwärmer (Laothoe populi) frisst also von verschiedenen Pappelarten. Zuletzt gibt es Polyphagie. Die Schmetterlingsarten aus dieser Kategorie sind nicht für ihr Überleben auf die Silber-Pappel angewiesen, da sie sich nicht allein von den Pappelarten ernähren müssen. Ein Beispiel hierfür sind die Raupen des Abendpfauenauges (Smerinthus ocellata). Wie Ihr seht, gibt es eine Menge anderer Lebewesen, die von der Silber-Pappel profitieren.

All das kann von verschiedenen Insekten verzehrt werden!

Wenn Ihr in Eurem Garten eine Ecke wuchern lasst, fliegt vielleicht ein Samen einer Silber-Pappel an, um die natürliche Sukzession zu starten. Probiert es einfach mal aus und schreibt uns gerne Eure Erfolge in die Kommentare!

Quellen:

https://www.baumlexikon.com/pappel/silberpappel

https://de.wikipedia.org/wiki/Silber-Pappel

https://de.wiktionary.org/wiki/anemo-

https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/baeume-und-waldpflanzen/laubbaeume/wertvolle-pionierbaumarten

P. Leins, C. Erbar: Bäume und Sträucher in Herbst und Winter erkennen, Schweizerbart, Stuttgart 2016

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Die Notwendigkeit vom Landnutzungswandel  https://forsterklaert.de/landnutzungswandel https://forsterklaert.de/landnutzungswandel#respond Sun, 17 Mar 2024 16:30:00 +0000 https://forsterklaert.de/?p=4644 Diese Umwandlung der ursprünglichen Landbedeckung - nämlich Wald - droht nun alle Grenzen zu sprengen und uns in große Gefahr zu bringen. Was es mit dem Landnutzungswandel auf sich hat und was wir gegen die Gefahren tun können, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

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Seit der Mensch sesshaft geworden ist, gestaltet er die Umwelt anders als zuvor. Dem folgten die Kultivierung von Feldern und die Haltung von Vieh. Um die Ansprüche der Menschen zu befriedigen, werden bis heute Wälder gerodet. Entweder um die Flächen umzuwandeln und neben der Nahrungssicherung Bauland zu gewinnen oder für die Gewinnung von Ressourcen, wie zum Beispiel Brenn- oder Bauholz.
Diese Umwandlung der ursprünglichen Landbedeckung – nämlich Wald – droht nun alle Grenzen zu sprengen und uns in große Gefahr zu bringen. Was es mit dem Landnutzungswandel auf sich hat und was wir gegen die Gefahren tun können, erfahrt Ihr in diesem Artikel. 

Weideland für Tiere spielt schon seit jeher eine wichtige Rolle. Früher wurden die Tiere auch in alte Eichenwälder getrieben, wo sie sich an den Eicheln satt fressen konnten. Wenn Ihr mehr über diese Hutewälder wissen möchtet, findet Ihr in unserem Artikel über die Eiche mehr dazu.

Wie wir den Wald an den Abgrund drängen

Mit Sicherheit haben die meisten von Euch schon Bilder von brennenden Regenwäldern gesehen. Von 2002 bis 2022 hat die Welt eine Waldfläche verloren, die circa 72,53 Millionen Hektar groß ist. Das ist eine größere Fläche als ganz Marocco. Alleine 2021 wurden jede Minute ungefähr 10 Fußballfelder an tropischem Regenwald vernichtet. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass wir bei einigen tropischen Wäldern bald den Kipppunkt erreicht haben, an dem sie mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) ausstoßen als speichern. Denn ist eine Fläche erstmal gerodet, entwickelt sich nicht wieder direkt die gleiche Artenvielfalt und Waldstruktur.

Wie in unseren heimischen Wäldern in Deutschland, siedeln sich zunächst die Arten an, die mit Freiflächen zurechtkommen. Darüber hinaus siedeln sich lediglich die Bäume an, deren Samen auch auf die Fläche kommen können. Nach einer Brandrodung sind dies viel weniger Arten, als dort ursprünglich vorgekommen sind. Auch die Bodenfunktionen sind geschädigt und durch die Verbrennung ist bereits ein großer Teil des gespeicherten CO2 freigesetzt worden.
Die meisten dieser Brände werden bewusst von Menschen gelegt, um Land für die Landwirtschaft oder Viehzucht zu gewinnen.

57 % des Waldverlustes konnte man unterschiedlichen Gründen zuordnen. Die Gewinnung von unterschiedlichen Rohstoffen wie Fleisch, Palmöl, Soja, Kakao, Kautschuk, Kaffee und Holzfasern wird hier anteilig dargestellt. 

Nicht nur Menschen essen Sojaprodukte

Wie die Abbildung vom “World Recources Institut” zeigt, macht die Viehwirtschaft alleine 36 % der Flächen aus und ist demnach der größte Treiber der Rodungen, gefolgt von Palmöl, welches sich zum Beispiel in Haarprodukten und Nutella versteckt. Das Soja, welches hier größtenteils angebaut wird, landet nicht – wie man jetzt denken könnte –  in vegetarischen oder veganen Produkten. Auch dieses Produkt ist hauptsächlich für die Fütterung in der Massentierhaltung.
Wie Ihr vielleicht schon merkt, ist unser Konsum in der globalisierten Welt das größte Problem für die Wälder in anderen Ländern. Wenn wir also möchten, dass sich in anderen Ländern etwas verändert, sollten wir uns zuerst an die eigene Nase fassen!  

Landnutzungswandel, um die Menschheit trotz Klimawandel zu ernähren

Abgesehen von den menschlichen Eingriffen, bedroht auch der menschengemachte Klimawandel unsere Wälder. Der Wald stirbt und es entstehen große Freiflächen. Gründe dafür sind Windwurf, Borkenkäfer oder auch Waldbrände. 
Doch wie wir schon in früheren Artikeln erläutert haben, speichert der Wald nicht nur CO2, sondern generiert auch Regen und speichert Wasser, befestigt Land durch Durchwurzelung und steigert die Biodiversität.

Dennoch gibt es mittlerweile so viele Menschen, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln eine große Rolle spielt. Genau aus diesem Grund müssen wir es schaffen, die vorhandene Landfläche multifunktional zu nutzen, ohne dabei die Grenzen unserer Erde zu überschreiten.   

Ein lichter Waldrand in einem Naturschutzgebiet bei Hildesheim. Hier wachsen im Frühjahr zwischen Perlgras Teppichen viele verschiedene Frühblüher wie Lerchensporn (Corydalis cava), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) oder gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides).

Wer definiert die Grenzen? 

Achtung, jetzt wird es erstmal wissenschaftlicher. Wir haben Euch in einem anderen Artikel bereits die planetaren Belastungsgrenzen vorgestellt. Wenn Euch das so gar nichts sagt, könnt Ihr hier mehr darüber erfahren. Als kleine Auffrischung des Themas gibt es jetzt aber nochmal die Kurzfassung: 

Die planetaren Belastungsgrenzen zeigen, wie weit Menschen die Ökosysteme beeinflussen und verändern können, bevor sie durch menschliches Umgestalten kollabieren. Überschreitet man die von Wissenschaftler:innen aufgestellten Grenzen, bewegt man sich außerhalb des sicheren Handlungsraums. Das bedeutet, dass die Auswirkungen des Handelns unabsehbar sind und ein hohes Risiko bergen.  

Die Risikostufen werden durch die Farbgebung dargestellt. Wird eine Grenze überschritten, wechselt die Farbe von Grün zu Gelb oder Rot (steigendes Risiko) bis zu dunkelrot (Hochrisiko-Zone). Die Landnutzungs- oder Landsystemwende Grenze ist bereits überschritten und nähert sich der Hochrisiko-Zone.

Landnutzungswandel

Der Landnutzungswandel oder auch Land-system-change ist eine von neun planetaren Belastungsgrenzen. Sie ist ebenfalls eine von sechs Grenzen, die wir bereits überschritten haben. Die Forscher:innen, welche die Belastungsgrenzen entwickelt haben, legen ihren Fokus beim Landnutzungswandel auf die verbleibenden Waldflächen.

Denn Waldflächen haben einen stärkeren Einfluss auf die Landoberfläche und die Atmosphäre als die meisten anderen Landsysteme. Seine Reduzierung steht repräsentativ für die Umwandlung von ursprünglichen Landsystemen und soll die Überwachung der Grenze vereinfachen. Der Fokus des Walderhalts liegt dabei auf den Wäldern, die nicht nur das regionale, sondern das Weltklima beeinflussen.

Wusstest Du schon…?
Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, ob Waldflächen gerodet wurden. Forscher:innen können zwar Satellitenbilder auswerten, jedoch erkennt man auch hier nicht unbedingt, ob es sich um einen Regenwald oder eine Palmölplantage handelt. Auch gerodete Regenwaldflächen, auf denen sich wieder Wald entwickeln, sind auf Satellitenaufnahmen nur schwer von den ursprünglichen Wäldern zu unterscheiden. Nur durch einen Besuch vor Ort wird deutlich, wie viel Artenärmer die neuen Wälder sind. 

Auch in Deutschland haben wir viele Flächen für die Landwirtschaft oder den Anbau von bestimmten Baumarten entwässert. Auch viele Moorflächen wurden stillgelegt, um Platz für unsere Nahrungsversorgung und Weideland zu generieren. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir jetzt mit dem Finger auf andere Länder zeigen.

Das Problem mit dem CO2

Der tropische Regenwald ist das wohl bekannteste Beispiel dafür. Er speichert Unmengen an Kohlenstoffdioxid (CO2) und hat einen starken Einfluss auf die Verdunstung. Fallen die Wälder weg, verdunstet nicht mehr so viel Wasser, wodurch sich Regenfälle vermindern. Die ursprünglichen Regenwälder verwandeln sich so in trockene Savannen.

Doch auch den borealen Wäldern wird eine große Rolle zugeschrieben. Sie verhindern, dass Sonnenstrahlung die Böden erwärmen und CO2 frei wird. Temperierte Wälder haben voraussichtlich einen weniger starken Einfluss. 
Damit das regionale und globale Klima erhalten bleiben kann, sollte eine gewisse Waldbedeckung gegeben sein. Die Wissenschaftler:innen orientieren sich dabei an der Waldbedeckung, die vor der Industrialisierung vorhanden war – dies betrachten sie als hundertprozentige Bewaldung. 

Landnutzungswandel…zurück?

Was heißt das? Bevor der Mensch Industriegebiete und Kohlekraftwerke erbaute, war die Welt schöner und bewaldeter. Das war ein Zustand, der unserer Umwelt viel besser getan hat. Doch mit der Zeit hat der Mensch die Grenze für die ideale Waldbedeckung überschritten. Die Grenze (in der Abbildung der grüne Bereich, bevor es gelb wird) liegt für tropische und boreale Wälder bei 85 % und für temperierte bei 50 %. Ende 2023 haben wir all diese Grenzen überschritten. Für die tropischen Wälder liegen wir bereits außerhalb der Zone des wachsenden Risikos bei 59 %. 

Ende 2023 liegen die Anteile des tropischen Waldes bei 59 %, des Temperierten bei 41 % und des Borealen bei 63 %.

Was können wir verändern? 

Schon jetzt leben 8,16 Milliarden Menschen auf der Erde. Der Bedarf an Essen, Wohnraum und Energie wird in den nächsten Jahrzehnten nicht sinken. Die Landfläche selbst wird demnach auch immer knapper, weil sie viele Funktionen erfüllen soll. Doch um wie oben gesagt an der eigenen Nase anzufangen, richten wir den Blick wieder auf Deutschland.

Große Flächen wie Felder sind für die Landwirtschaft zum Beispiel sehr attraktiv. Sie bergen wenig Aufwand und demnach einen potentiell hohen Ertrag. Betrachtet man hingegen die Aspekte der Wasserwirtschaft, wird klar, dass offene Agrarflächen schneller aushagern und Stürmen schlechter trotzen können. Vor allem im Klimawandel, durch den Extremereignisse wie Stürme, Dürre oder Überflutungen immer mehr werden, müssen wir Alternativen finden. 

Auch die Artenvielfalt kann durch die großen Äcker leiden, dabei müssen sich biologische Vielfalt und Landwirtschaft nicht ausschließen. Schon Hecken und Blühstreifen zwischen den Feldern erhöhen die Artenvielfalt enorm. Davon profitieren sogar die Feldfrüchte, da mehr bestäubende Insekten vor Ort sind.

Wusstest Du schon…?
Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung von Bienen oder anderen Insekten angewiesen. An den Samen in einer Rapsschote kann man zum Beispiel ablesen, wie erfolgreich und somit zahlreich die Bestäubung der jeweiligen Blüten war. 

Wenn Ihr mal wieder in der Feldmark spazieren seid und Euch der Wind um die Ohren pustet, könnt Ihr mal versuchen auf Hecken in der Nähe zu achten. Oftmals ist es dahinter sehr viel windstiller. 

Ab durch die Hecke

Ist ein Feld von einer Hecke umsäumt, ist es viel besser geschützt. Hecken nehmen aber natürlich bewirtschaftete Fläche weg.
Agroforstsysteme beschäftigen sich unter anderem damit, solche Hecken zu nutzen. Bei diesem Prinzip geht es – wie der Name schon verrät – um eine Mischung aus Land- und Forstwirtschaft. Man kann also nicht nur Feldfrüchte, sondern auch schnellwachsende Pappeln oder Weiden auf den Feldern anpflanzen. Sie schützen die Feldfrüchte vor Winderosion und spenden im Sommer Schatten. Ihr Holz können wir darüber hinaus nutzen. Wenn Euch dieses Thema interessiert, findet Ihr hier einen ganzen Artikel dazu! 

In wärmeren Ländern sind Agroforstsysteme schon weiter verbreitet. In Frankreich werden zum Beispiel Feldfrüchte zusammen mit Walnussbäumen angebaut. So erntet man zusätzlich die Walnüsse und kann das Holz der Bäume nutzen, wenn sie keinen guten Ertrag mehr liefern. Außerdem schützen sie die Fläche vorm Austrocknen und bremsen den Wind auf der Fläche. Über dem Feld auf dem Bild stehen Olivenbäume.

Abgesehen vom Schutz der Feldfrüchte und der Doppelnutzung von angebauten Rohstoffen geht es um den Schutz des Bodens, damit wir den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduzieren. Um die Landflächen multifunktional zu nutzen, hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (sehr viel kürzer ausgedrückt: Der WBGU) ein Konzept entwickelt. Damit Euer Kopf jetzt nicht anfängt zu rauchen, sparen wir uns das für einen anderen Artikel auf.

Das war jetzt wieder mal viel Input auf einmal. Hat Euch das Thema Landnutzungswandel gefallen? Gibt es Fragen, die wir noch nicht beantwortet haben, oder weiterführende Artikel (zum Beispiel zu dem Konzept des WBGU), die Euch gefallen würden? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! 

Quellen:

Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ) https://www.youtube.com/watch?v=AtJUBIBzf5k 

WBGU: Landwende im Anthropozän: Von der Konkurrenz zur Integration (o.J.), URL: https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/landwende 

https://research.wri.org/gfr/forest-extent-indicators/deforestation-agriculture#how-much-forest-has-been-replaced-by-specific-agricultural-commodities

Schulz, C.: Planetare Grenzen – Über die Belastbarkeitsgrenzen der Erde (2023), in: CareElite, URL: https://www.careelite.de/planetare-grenzen/ 

Stockholm Resilience Centre: Planetary boundaries (2023), URL: https://www.stockholmresilience.org/research/planetary-boundaries.html

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