Wenn wir aufmerksam durch unsere Wälder streifen, dann sehen wir auch ohne Blick auf den Kalender, welche Jahreszeit gerade ist und manchmal sogar welcher Monat. Von den ersten Frühblühern bis zum ersten Laubfall im Herbst – es gibt in allen Jahreszeiten viel zu entdecken. Welche Dinge im Wald Euch verraten, wann der Frühling naht und wie lange die Natur Winterschlaf hält, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Der Frühling kommt

Nach einem langen Winter sehnen wir uns nach den ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings. Die ersten warmen Tage lassen die Natur dann nahezu explodieren. Bei einem Blick auf den Boden fallen uns schon im März  Frühblüher auf. Die ersten Blümchen sind zum Beispiel Märzenbecher oder Leberblümchen. Die kleinen Blühpflanzen nutzen die Zeit, zu der die Bäume noch keine Blätter tragen und treiben früh im Jahr aus. Sie sammeln dann in möglichst kurzer Zeit viel Energie. Wenn sich das Blätterdach schließt, ziehen sich die Blümchen in ihr unterirdisches Speicherorgan zurück und warten auf den nächsten Frühling.

Der Märzenbecher ist einer der ersten Frühblüher die Ihr im Wald entdecken könnt.

Auch ein Blick auf die Knospen verrät, dass der Frühling naht. Die Knospen, aus denen die Blätter und Triebe entspringen, sind im April schon dick und platzen bald aus allen Nähten. Sie warten nur darauf, endlich auszutreiben. Außerdem kommen im Mai unzählige Jungtiere auf die Welt. Es ist Brut- und Setzzeit. Dann liegen in den Feldern und im Wald junge Kitze versteckt. Aber auch die Vögel brüten zu dieser Zeit. Nun  solltet Ihr also unbedingt Rücksicht auf die Natur nehmen. Auch wenn das nur bedeutet, auf den Wegen zu bleiben oder den  Hund anzuleinen.

Im Frühling haben Försterinnen und Förster einiges zu tun. Zwar werden zu dieser Zeit kaum Bäume gefällt, aber dafür viele junge Bäume gepflanzt. Und die Bäume, die schon etwas älter sind, bekommen eine kleine Schönheitskur. Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr hier

Der Sommer ist da

Wenn alle Pflanzen ausgetrieben sind, dann beginnt das fleißige Wachsen. Die sogenannte Vegetationsperiode erstreckt sich von Mai bis September. Dann sind die Temperaturen warm genug, damit die Bäume ordentlich wachsen können. Bäume nutzen die kräftigen Sonnenstrahlen, um Photosynthese zu betreiben und Kohlenhydrate zu bilden. Mit Hilfe dieser wachsen sie in die Höhe und Breite. Wie Bäume genau wachsen, könnt Ihr hier lesen. Unter den Bäumen herrscht dann auch ein bitterer Kampf um die Ressourcen. Wer bekommt mehr Wasser, wer mehr Licht und wer holt sich die Nährstoffe aus dem Boden? Damit sind die Bäume und Pflanzen im Wald ausreichend beschäftigt. Försterinnen und Förster machen zu dieser Zeit einen kleinen Gesundheitscheck im Wald. Denn wenn die Bäume nicht grün sind oder die Krone krank aussieht, wie bei Eschen, die vom Eschentriebsterben befallen sind, dann werden sie gleich markiert, um im Winter gefällt zu werden.

Im Sommer erstrahlt der Wald in frischem Grün. Dieser kleine Waldsee ist ein Hotspot der Artenvielfalt

Im Spätsommer tauchen die ersten Pilze auf. Wir können also die letzten warmen Tage nutzen und im Wald nach essbaren Pilzen Ausschau halten. Langsam wird es aber kühler…

Herbstzeit

Wenn man abends nicht mehr lange draußen sitzen kann, es früh dunkel wird und die Nächte knackig kalt werden, dann ist der Herbst da. Mit einem Blick in die Baumkronen sehen wir allerdings auch schnell, dass es Herbst wird. Die Blätter beginnen sich langsam zu verfärben und fallen schließlich ab. Wieso das so ist, könnt Ihr hier nachlesen. Aber nicht nur die Blätter fallen hinunter. Auch viele Waldfrüchte, wie Kastanien, Eicheln und Bucheckern sind reif und fallen zu Boden. Sie sorgen entweder dafür, dass wieder viele junge Bäume heranwachsen oder das Wildschwein und Co. im Winter genug zu fressen haben.

Wusstest Du schon…?
Nadelbäume (bis auf die Lärche) werfen im Herbst ihre Nadeln nicht ab. Wieso ist das so? Im Winter ist der Boden oft gefroren und die Bäume können kein Wasser aus dem Boden nachziehen und sie würden theoretisch vertrocknen. Deshalb werfen Laubbäume ihre Blätter ab. Nadeln haben hingegen eine dicke Wachsschicht, die im Winter das Transpirieren und damit das Austrocknen verhindert. Da Nadelbäume natürlicherweise vor allem in kalten Regionen wachsen, ist dort auch die Vegetationsperiode kürzer. Damit sie keine Zeit mit dem Blattaustrieb verschwenden müssen, sondern gleich mit der Photosynthese starten können, ist ein Erhalt der Nadeln über das ganze Jahr von Vorteil.

Alle Jahre wieder lassen Laubbäume ihre Blätter fallen. Nun wisst Ihr auch wieso…

In der Herbstzeit lassen Försterinnen und Förster viele Bäume pflanzen. Über den Winter können sie dann ordentlich anwachsen und dann im Frühjahr austreiben. Außerdem zeichnen Försterinnen und Förster ihre Bestände aus. Verständlich ausgedrückt: Sie gehen durch ihre Wälder und markieren mit ihren Markiersprays die Bäume, die im Winter gefällt und verkauft werden sollen. Wenn keine Blätter an den Bäumen sind, dann können die Stämme besser betrachtet und beurteilt werden. Bei Nadelbäumen macht die Jahreszeit natürlich keinen Unterschied.

Winterruhe

Wenn die Blätter von den Bäumen sind und der Boden (leider immer seltener) von einer Schneedecke bedeckt ist, dann herrscht Winterruhe im Wald. Jedes Tier und jede Pflanze hat ihre eigene Strategie, unbeschadet durch den Winter zu kommen. So fallen Amphibien in eine Winterstarre und Eichhörnchen halten eine Winterruhe, also einen Winterschlaf mit einigen Snackpausen. Laubbäume warten auf den Laubaustrieb im Frühjahr und auch Nadelbäume haben ihr Wachstum nahezu eingestellt. 

Während der Wald im Winter ruht, haben Försterinnen und Förster jede Menge zu tun.

Auch wenn die Natur eigentlich Winterruhe hält, sind die Wintermonate die arbeitsreichsten im Jahr eines Försters und einer Försterin. Zu dieser Zeit betreiben sie die hauptsächliche Holzernte. Es gilt also die Maschinen, wie z.B ein Harvester, zu koordinieren und das Holz ohne Schäden aus dem Wald zu rücken, nach Wert und Verarbeitung zu sortieren und zu verkaufen. Und weil die Tage so kurz sind, gilt es jede helle Stunde zu nutzen. Außerdem wird zu dieser Zeit viel gejagt. Auch die großen Drückjagden werden dann durchgeführt. Simon sorgt dann auch dafür, dass in Deutschland einige Tausend Weihnachtsbäume mehr in den Wohnzimmern stehen. 

Wir hoffen, wir konnten Euch einen kleinen Überblick über den Wald in allen Jahreszeiten geben. Irgendwie haben Jahreszeiten alle etwas Besonderes, oder? Ob es die Frühlingsgefühle oder der gemütliche Herbstspaziergang sind, zu jeder Zeit tut ein Waldbesuch gut. Welche Jahreszeiten mögt Ihr am liebsten? Schreibt uns gerne einen Kommentar!